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Nr. 252 Erstes Blatt Mittwoch den 27 Ortobn
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Das autonome Cuba.
Nach mehrjährigem Ringen haben die Bewohner der Achänen Insel, der Perle der Antillen, das Zugeständniß der Autonomie von der spautschcn Regierung erhalten. General Bianco ist unterwegs, um dir Selbstverwaltung aus Cuba <>nzuführen und die in dieser Beziehung uothwendigen Maß- nabmen zu treffen. EL scheiut also nicht, daß — wie früher beschlossen worden war — der Ausstand erst viedergeworsen werden soll- vielmehr ist die Gewährung der Autonomie so» 1ort tnS Werk zu setzen. Man verspricht sich in Madrider maßgebenden Kreisen wahrscheinlich von diesem Zugeständniß eine gute Wirkung auf das Verhalten der Insurgenten, deren Kraft immer noch nicht gebrochen ist und deren vollständige Unterwerfung, wenn sie überhaupt gelingt, noch ein weiteres umfangreiches Aufgebot an militärischen Machtmitteln de- dingen würde. Ob freilich die jetzt angrboteue Autonomie ainb die tn Aussicht genommene Amnestie jetzt noch die erhoffte beruhigende Wirkung ausüben wird, steht dahin. Vor zwei Jahren hätte die spanische Regierung durch irgendwelche Zu« „estündniffe Alles erreicht- heute aber ist die Erbitterung -unter den cubanischen Insurgenten auf einem solchen Punkte ungelangt, daß sie vielleicht die Hand der Versöhnung rundweg abwetfen.
Man muß gestehen, daß die Bevölkerung CubaS einen seltenen Grad von Selbstverleugnung bewiesen hat, alS sie Lange Jahre hindurch die Bedrückungen, welche ihr die Spanier uuferlegtrn, geduldig ertrug. Freilich hat eß an Auflehnungen rind Aufständen auch früher nicht gefehlt, aber dieselben waren Loch nicht so ausgedehnt, daß die «-panier ihr nicht hätten Herr werden können. Die Wunden, die geschlagen worden Sind, die ungeheuren Verluste an Leben und Etgenthum haben sich die Madrider Machthaber auf ihr eigenes Conto zu .chreiben, die haben sie selbst heraufbeschworen. Cnda war eine ertragreiche Insel, sie ist von der Natur mit Gaben überschüttet worden, wie selten ein anderer Erdevfleck. Ein großer Wohlstand hätte dort herrschen müffen, wenn eben die Cultur und der Fortschritt nicht gewaltsam unterdrückt worden wären. Die Spanier hatten daselbst ein Raubsystem eiagesührt, welches -jeder Beschreibung spottet- W llkür und Günstlingsherrschaft waren an der Tagesordnung, rechtlos standen die Eingeborenen den spanischen Bedrückern gegenüber. Spanien wollte aus oer Insel möglichst große Vortheile ziehen, aber Nichts sür dieselbe in wirthschastlicher und politischer Beziehung thun. DaS hat sich surchtbar gerächt und wird der spanischen Regierung hoffentlich eine Lehre sein für alle Zeiten und für alle Verhältnisse. Denn wie eß auf Cuba war, so geht eß auf den übrigen Besitzungen Spaniens, auf Portorico, den Philippinen u. s. w, ebenfalls her- überall handelt sie jetzt nach dem Principe, möglichst schnell und in umfangreichster Weise den natürlichen Reichthum jener gesegneten Colonien auszubeuten, aber keine Mittel dafür auszuwerfen, damit dieser Reichthum auch erhalten bleibt. Die Madrider maßgebenden Kreise sollten daher ihr Augenmerk darauf richten, daß ähnliche Reformen, wie man sie Cuba zugedacht hat, auch auf die übrigen Colonien ausgedehnt werden, wenn diesen vielleicht auch nicht so ausgedehnte politische Rechte zu- erkannt zu werden brauchen. Denn auch Cuba wird die Gewährung der Autonomie allein nicht das ganze erhoffte Ziel bringen- gleichzeitig mit der Selbstverwaltung müffen der vollständig ausgesogenen Insel die Mittel gegeben werden, die uothwendigen Reformen und Berbefferungen durchführen zu können. Denn die Hilfsquellen sind versiegt, die culturellen Anlagen zerstört- die großartigen Zuckerplantagen, welche einen Haupttheil deS ReichthumS CubaS auSmachten, sind verwüstet worden, und zwar meist auf Anordnung deS bisherigen Obercommandirenden der spanischen Truppen, bei Generals Wryler. Dieser Feldherr, welcher glaubte, durch rückfichtS- losestes Vorgehen die Insurgenten unterdrücken zu können, hat sich alö ein sehr verderblicher Reformator bewiesen- er hat in der verhältuißmäßig kurzen Zeit seines Wirkens mehr Schaden angerichtet, als tn langen Jahren wieder gut gemacht werden kann. Aber nicht nur Spanten muß aus den letzten Ereigniffen eine Lehre ziehen, auch andere Colonialländer können sich dieselben ad notam nehmen und danach ihre Maßnahmen treffen- denn die Aufstände, welche die Engländer, Franzosen, Holländer u. s. w. in ihren Colonien zu dämpfen haben, find vielfach nur veranlaßt durch die Unterdrückungen, deren sich die Europäer gegenüber den Eingeborenen schuldig gemacht haben.
Hebet die Einzelheiten der auf Cuba einzuKhrenden Reformen ist etwas Bestimmtes noch nicht bekannt. AuS den Instructionen, welche dem General Blanco mitgegeben wurden, geht aber hervor, daß die spanische Regierung in rtchttger Würdigung der Verhältniffe ei als ihre Haupt-
aufgabe betrachtet, Menschlichkeit und Gerechtigkeit auf der Insel zur Geltung zu bringen. (xx)
Wolffs telegraphisches Correspondmz-Burero
Berlin, 25. October. Die am SamStag unter dem Vorsitze bei Staatssekretärs Podbielskt im ReichSpostamte tagende Confereuz der LandwirthschastSkammern und landwirthschaftlichen Centralvereine behandelte dieselben Fragen wie die Confereuz der Handelskammern und kaufmännischen Korporationen, o die Erhöhung deS einfachen Briefgewichts von 15 auf 20 Gramm, Ermäßigung deS Briefportos für den Nahverkehr und der Gebühr für Postanweisungen über niedrige Beträge Die Mitglieder der Confereuz brachten den geplanten Resormen lebhaste Sympathien entgegen und äußerten Spectalwünsche, so auf Fort- fall des Bestellgeldes auf dem Lande.
Berlin, 25. October. Der „ReichSavzeiger" meldet: Saateustand im Deutschen Reiche in der Mitte bei October: Stand bei jungen Klees (Luzerne) 2,2. Vorläufige Ernteschätzung für Winterweizen 1720, Sommerweizen 1460, Winterspelt 1420, Sommerroggen 1000, Sommergerste 1560 Kg. pro Hectar. Ja einer überwiegenden Anzahl der Berichtibezirke war wegen ungünstiger naffer Witterung die Herbstbestellung erst zum kleineren Theile beendet. Die eingebrachten Saaten waren theili noch gar nicht aufgelaufen, theils in der Entwickelung zurück. Einzelne Gegenden melden dagegen fertige Bestellung und günstiges Welter. lieber Beschädigung der Saaten durch Ackerschnecken wird fast aui allen Theileu deS Reiches geklagt, so daß stellenweise eine Neubestellung nöthig wird. Der Ernteertrag zeigt nur geringe Abweichung vom Durchschnitt der letzten vier Jahre, nur Sommergerste hat erheblichen Ausfall.
Berlin, 25 October. Die „Berl. Neuest. Nachr." con- statiren, daß Mcinungiverschiedenhetten über die Marine- Vorlage an keiner irgendwie in Betracht kommenden amtlichen Stelle bestehen, und daß die beabsichtigt gewesene Veröffentlichung nur tn Rücksicht auf die in der betreffenden Sitzung deS Preußischen StaatiministeriumS im Jntereffe der Vorlage selbst geltend gemachten Anschauungen unterblieben ist.
Dresden, 25. October. Das „Dresdener Journal" meldet: Von dem Personenzuge, der fahrplanmäßig um 1 Uhr 37 Mtn. von Bodenbach kommend in Dresden etn- zutrrffen hat, find heute Mittag bei der Durchfahrt tn Pirna die beiden letzten Wagen entgleist. Verletzungen von Personen find nicht vorgekomwen. Infolge deS Unfalles ist das Geleise gesperrt. Der Personenverkehr muß durch Umsteigen aufrecht erhalten werden.
toten, 25. October. Wie die „N. Fr. Presse" auS Konstantinopel meldet, taffen sich die Vorschläge der Pforte zur Lösung der kretischen Frage in folgende Punkte zusammenfaffen: Vollständige Autonomie unter der Souveränetat bei SnltanS, Ernennung eines Geueral-Gou- verneuri, der türkischer Unterthan, wenn auch christlicher Religion sein soll, durch den Sultan, Garantie des LebenS und EigenthumS der muselmanischen Bewohner von Kreta, Aufrechterhaltung der tütkischen Garnisonen und Belaffung türkischer Kriegsschiffe an den Punkten der Insel, wo dteS nothwendig ist, Ausübung aller Acte der Verwaltung und Justiz im Namen deS Sultans, Zahlung eines festen, jährlichen Tributs an die Türket und Beibehaltung der türkischen Flagge für alle kretischen Handelsschiffe.
Paris, 25. October. Bet verschiedenen Hova-ChefS im Innern der Insel Madagaskar ist dem „Soleil" zufolge ein Wiedererwnchen von Selbstständigkeitsgelüsten unverkennbar.
Rewyork, 25.October. Die Seuchen imKlondhke- gebict raffen wöchentlich etwa 50 Personen dahin.
Depesche» des Bure«« .Herold.'
Berlin, 25. October. Ein Gewinn von 300000 Mk. fiel in der heutigen NachmittagSziehung der preußischen Klassenlotterie auf die Nr. 218959.
Berlin, 25. October. Sine große Feierlichkeit findet morgen Nachmittag 2 Uhr beim 1. Garde-Feldartillerie- Regiment in dessen Kaserne statt. Der Kaiser hat bekanntlich den Großfürsten Michael Nicolajewtlsch von Rußland bei seiner Anwesenheit in Rußland ä la suite dieses Regiments gestellt. Morgen Nachmittag wird der Kaiser mit dem Großfürsten dieses Regiment besuchen.
Berlin, 25. October. Zu der Absage deS Zaren, den Grobherzog und die Großherzogin von
Baden zu empfangen, bemerkt die „Nationalztg.", daß eine amtliche Veröffentlichung über einen so ungewöhnlichen Vorgang auf schwere Zerwürfnisse persönlicher Art schließen laffen. Uebrigens (et auch der Fürst von Montenegro, der sich in Darmstadt aufhielt, ebenfalls vom rusfischen Kaiserpaar nicht empfangen worden. Die „Deutsche Tagcsztg." meint, die Erregung, welche die Ablehnung tn Karlsruhe Hervorrufe, werde wohl nicht aus Karlsruhe beschränkt bleiben, sondern allgemein werden. Und sie werde um so tieser und berechtigter sein, als dem Zaren auch bet seinem diesjährigen Aufenthalt in Deutschland Aufmerksamketten erwiesen worden seien, die allem Anscheine nach übet daS Maß des Nothwendigen und Gebotenen hinauSgehen. Die „Voff. Ztg." ist der Ansicht, daß sich der Großherzog von Baden durch die Ablehnung seines Besuches gewiß schwer verletzt fühle. Die „Post" glaubt die Antwort nach Karlsruhe auf die Ungeschicklichkeit eines Hofbeamten zurückführcn zu müffen, der dem Befehl deS Zaren vielleicht nicht den nichtigen Ausdruck gegeben habe. DaS „Berl. Tagebl." erfährt noch zu der Angelegenheit, daß der Telegraphrndeamte an der hiesigen Börse die Beförderung von Telegrammen ablehnte, welche auf jene auffällige Thatsache Bezug nahmen.
Berlin, 25. October. Der hiesige Hof legt heute für die Herzogin von Sachsen-Altenburg die Trauer auf vierzehn Tage an.
Berlin, 25. October. Wie die „Nationalzeitung" erfährt, hat der Abgeordnete Dr. Hammacher feinen Wählern an- gezeigt, daß er mit dem Abschluß der gegenwärtigen Legislaturperiode wegen seines Alters auS dem Reichstage und Abgeordnetenhause ausscheiden und eine Wiederwahl nicht aunehmen werde.
Berlin, 25. October. Der deutsche LandwirthschaftSrath hat für den wirthschaftlichen Ausschuß, welcher zum Zwecke der Vorbereitung und Begutachtung handelspolitischer Maßnahmen gebildet werden soll, folgende Herren als Vertreter der Landwirthschaft vorgeschlagen: ReichSrath Freiherr v. Soden (Bayern), Gras Kanitz (Ostpr.), v. Frege (Sachsen), Domänenrath Rettich-Rostock (Mecklenburg) und Oecouomie- rath Winkelmann (Westfalen).
Köln, 25. October. Der „K. Z." wird aus Berlin gemeldet: Die Stelle eines Hofberichts der „Karlsruher Zeitung", wonach der Zar den Besuch des Großherzogs von Baden abgelehnt habe, wird in weiten Kreisen leb- hasteS Bedauern Hervorrufen. ES unterliege keinem Zweifel, daß dem Zaren die Absicht ferngelegen hat, dem hochverdienten Fürsten eine Kränkung zuzufügen, aber die Thatsache der öffentlichen Mittheilung dieser Ablehnung beweise, daß der Beschluß deS Zaren in Karlsruhe als eine Kränkung empfunden wurde. Jedenfalls bleibe die auffällige Form zu beklagen, die gewählt wurde, um einem reinen HöflichkeitSact aus dem Wege zu gehen. Die „K. Z." meint, der Vorfall sei nicht anders zu erklären, als daß er auf einer Verstimmung beruhe, die zwischen den beiden benachbarten Höfen von Heffen und Baden bestehe. Der Kaiser von Rußland habe Rücksicht zu nehmen auf die Wünsche deS Hofes, dessen Gastfreundschaft er zur Zeit genieße und der dem badischen Besuche abgeneigt gewesen sein muß.
toten, 25. October. Auf dem Raugirbahnhofe zu Schwechat entstand gestern eine Explosion mehrerer Centner Kohlensäure. Einige Waggons gerieten in Braud. DaS Feuer konnte erst nach fiebenstündiger anstrengender Arbeit bewältigt werden. Der Schaden ist sehr bedeutend.
Rom, 25. October. Die Regierung beschloß den Ban zweier neuer Kriegsschiffe erster Klaffe, welche je 28 Millionen Lire kosten.
Paris, 25. October. In Marseille hat die große Getreidesirma Mendel FräreS ihre Zahlungen eingestellt. Die gerichtliche Liquidation ist eingeleitet. Die Passiven betragen 6 Millionen Francs. Der Pariser Platz ist mit P/g Millionen betheiligt.
Paris, 25. Dctober. Die 1876 eingegangene „Cor re- spondence ESpagnola", baß osficielle Organ Don Carlos, hat wieder zu erscheinen angefangen, um, wie fie erklärt, der Welt über bevorstehende große Thaten der Carlisten- Partei getreu zu berichten.
Madrid, 25.October. General Weyler telegraphirte an die Regierung, er werde vor seiner Abreise keine Manifestation dulden, welche einen regierungsfeindlichen Character trage. Dem amerikanischen Botschafter Woodford wurde eine Protestnote übergeben wegen der Flibustier-Expeditionen, welche die amerikanische Regierung nicht verhindern kann.
Konstantinopel, 25. October. Die Vorschläge der Pforte zur Lösung der Kretafrage find folgende: Vollständige Autonomie der Insel unter Suzerenität deS Sultans, Er-


