Ausgabe 
27.8.1897 Zweites Blatt
 
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Freitag, den 27. August d. Js., Nachmittags 2 Uhr, werden im Bieker'schen Saale, Neu. stadt 55 dahier, folgende Gegen­stände gegen Baarzahlung versteigert:

1 ovaler Tisch, 1 Schreibtisch (eichener), 6 Polsterstühle, ein Actenregal, 1 vollständige, elec- irische Schelle, Tische, Stühle, Sessel, Commoden, Kleider­schränke, Betten, Weißzeug usw.

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meatß abgelöst hatte. Gewiß, in den «nsang'ftadieu ihrer Entwickelung wollte die Maleret io christlichen Landen über« Haupt nichts anderes sein als die gehorsame Dienerin der Kirche. Dann kam die sormenreine und farbenleuchtende Epoche der Renaissance, d e fich hauptsächlich um den CultuS bet Schönheit bemühte. Wohl schmückt auch sie vorzugsweise daS Innere der Gotteshäuser und Papstgemächer, aber die Tendenz zum blühenden, glühenden Lebensgenuß kann sie nicht verleugnen, auch wenn eS sich um die Schilderung biblischer Ereignisse handelt. Die schmerzvolle Mutter, welche am Stamm des Kreuzes von unendlicher Pein gefoltert zu ®obtn sinkt, tritt zurück gegen den Typus der strahlenden, siegreichen Madonnen, die sich, umschwebt von einer Engels- glorte auf Wolkenpolstern wiegen, und ebenso muß die Um» gebung, in welche der Herr sich begibt, nur zu oft den Character eines großen äußeren Gepränges aufwetsen. Man denke nur an Paul BeroueieSHotzeit zu Kanaan."

Daun kommt für Deutschland in der religiösen Maleret die Zett der abftracten Nazarener, die fich von der Farbe wieder zu der tadellosen Reinheit der Linie zurückwenden und ihren Gestalten wohl einen gewtffen Adel, aber nimmermehr die Frische deS unmittelbaren Lebens zu geben vermochten. Dieses frisch pulfirende Leben will man nun heute auch wieder für die Welt des Neuen Testaments zurückerobern, doch im anderen Sinne als die Renaiffavce es that, das Leben, nicht wie eS fich in Schönheit darftellt, sondern wie eS sich auf der Wahrheit aufbaut. Man will wieder die innere, die ewige Wahrheit der ChristuSgestalt und der ChristuStdee in den Bildern aufleuchten laffen. Als die gleiche geht sie durch die Jahrhunderte und stellt fich doch zu jeder Zeit in ein besonderes persönliches Lebensoerhältniß. Unsere modernen Maler empfinden ähnlich wie der fromme Sänger deS altsächfischen Heliand,- sie wollen Jesum nicht aus idealer Ferne, sondern auS den bekannten Verhältnissen des Alltagslebens auf fich wirken laffen.

Fritz Uhde hat mit dieser Richtung den Anfang ge­macht. Auf seinen Spuren find Exter, StuSk u. A. weiter.

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geschritten. Herr Anton von Werner überhört eutschtedei, den socialen Mahnruf der Zeit, wenn er an den mobernei Chrtstusbildern nur den Mangel an Idealismus constatiier kann Es giebt kein höheres Ideal als die Wahrheit. Unt °uS einem inneren WabrheitSdrange heraus find die meisten der modernen religiösen Bilder geflossen. Gerade in der Leipziger Kuvfthalle kann man diese Beobachtung macker Derselbe Geist, welcher Mox Kretzer seinen Rowan »Das Gesicht Christi" und Hermann Sudermann seinenJohannes der Täufer" schreiben ließ, lebt in dem Bilde von Ferdinand PauwelSSo Ihr mich von ganzem Herzen suchet, werde ich mich finden lassen." In einem breiten Ltchtstreifen er­scheint einem sterbenden Krieger daS trostreiche Antlitz de? dornengeklönten Christus.

E'u anderes BildDie Kreuzabnahme Christi" von Papperitz ist ebenso einfach wie packend gehalten. Neben diesen Thatsachendildern schiebt fich bann eine andere Klaß- nach, die in der Malerei ungefähr die nämliche Stufe ein- nimmt wie in der Poefie die Gedavkrnlhnk. Eine der ori- ginellsten Ausstrahlungen dieser symbolischen R'chtung bf. jtidjnet Max KltngerS GemäldeChristus im Olymps dem man einen ganzen Saal eingeräumt hat. Man kann über diesen Gegensatz zwischen antiker und christlicher 8Bdi rote er hier in bekannten Typen, in räumlichen Nebeneinander Aufstellung gefunden hat, ganze Commentare schreiben, nack- dichten und um dichten, denn nicht immer möchte man sich widerspruchslos der Auffassung Klingers beugen. Aber Io biel stehl fest, daß hier ein Künstler den großartigen Versuch gewagt hat, mit seinen AuSdruckSrnitteln und zwar ganz ver­schieden von allen bisherigen dogmatischen und tranScendentra Betrachtungen, den Sieg deS Nazareners über die in Maras­mus befindliche antike Götterwelt zu schildern. So, wir Klmgrr fie hier darstellt, pflegte man fich die griechischen Gottheiten ehedem nicht zu denken. Das ist ntchr mehr die lebensvolle Herrlichkeit, welche noch Schiller feiert, da« ist die richtige Göiterdämmerung.

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Samstag, den 28. August l. Js., vou Nachmittags 4 Uhr an, sollen auf dem Vieh- Marktplatz links am Neustädterthor versteigert werden:

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12 Haufen Reiser.

Gießen, den 25. August 1897.

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Grasverstkigerung.

Montag, den 30. d. Mts., Bormittags 8 Uhr anfangend, soll das Grummetgras von den dem Marienstift Lich zustehenden, etwa 100 Morgen Wiesen in den Ge­markungen Lich, Nieder, und Ober- bessingen versteigert werden.

Der Anfang ist hinter dem Kirch­hof an der Straße nach Grünberg.

Lich, am 20. August 1897.

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7 und Drogerien.

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Im O -in der deut An die Oefsi rvtrlh find, unterzogen; gespannt ar SkaatSoberh jahrßespfan! Uveilige pol «bstchten bti daß der Wel derartige Ki dir gegrnsri lommtn fit spräche grg hdittungtn der Schlus haben. G zwei Nat Folgen W verwandel an einen rischen Li Politik bei Völker bc BestiwMr Staat ittn dar dem n »erden köa Horizont l lichrr Vezi nimmt Rai aus die V Worte in müssen, t welcher se eine europ lung einni macht sein, Reisen, 6ti verschiedent Weise zuv die sriediic haben soll, durch Auhc In d Mittwoch, dem Kaisri rühr. Äu die ihr bt Beste, bt eindringt, welche dii Wall zu nnd gi8et deste puls Handel, u

lWnde ei »H Rg||ir «twliilm unb lend darf > ®'^l bet werden.

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Feuilleton.

Moderne Stsdtebilder

Leipzig.

II.

Reisebrief für denGießener Anzeiger".

(Nachdruck verboten.)

M. Die Kunsthalle gehört zu den größten SehevS« Würdigkeiten auf der Sächsisch-Thüringischen Gewerbe-Au-- stellung. Nach der brausenden Sinfonie, welche das Sausen er Schwungräder, daS Klopfen und Hammern der Hunderte von Mechanismen in den Maichinenräuwen veranstaltet, umfangt uns hier in dem weißen, reinen Kuppelbau, zu welchem das Licht nur gedämpften Zutritt hat, der tiefe, zur inneren Sammlung lockende Friede einer gegen den Außen- lärm abgesperrten Stätte der Musen.

Bei der Fülle und Häufigkeit der internationalen Ge- maldeauSstellungen ist daS Publikum nachgerade etwas müde und stumpf geworden, und um eS wieder zum Genießen heranzuziehen, bedarf eS vielleicht weniger ausgesuchter Reiz. Mittel als eines vornehmen und freien Sinnes, der in solcher Ausstellung keinen Bilderjahrmarkt, sondern einen mit ge­lautertem KunftgefÜhl hergerichteten Tempel baut.

Wir können in Leipzig die siebzehn Säle der Bilder- Ausstellung in der Kunsthalle in aller Gemächlichkeit durch- wandern,- nichts treibt zur Hast und zu jenem erschöpfenden Zagen, das schließlich den Kopf mit Schwindelgesühlen belastet. Eine Thatsache, die mich in den letzten Jahren schon öftere beim Besuch moderner Ausstellungen gestreift hat, ist mir gerade jetzt in Leipzig und bald darauf auch in Dresden immer stärker ins Bewußtsein gedrungen: das starke, innere F,&/ das die moderne Kunst zu Christus gewonnen bat. Man könnte vielleicht meinen, eigentlich sei kaum je eine Periode in der Malerei gewesen, welche fick von den Gestalten und Vorgängen der Schrift alten und neuen T.sta-

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Gutachten.

Das Haarwaffer von Better ent­hält der damit angestMen Analyse zu­folge durchaus keine den Haaren nach­theilige Materien; ihre Bestandtheile find vielmehr solcher Art, daß von dem Gebrauche des Mittels eher ein wohl- thätiger Einfluß auf das Wachsthum der Haare zu erwarten ist und ftebt daher ihrer Anwendung keinerlei Bedenken ent­gegen. 722

München, 7. September 1867.

(L. 8.) Dr. K. K. Wittstein.

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