deutschen Schiffe« „Augusta Victoria". Der Matrose sei do® Publikum belästigt wordeu und seine Begleiter hätten ihn gegen die wüthende Menge mit gezogenem Säbel ver- theidigt. Durch da- Einschreiten der Polizei sei dem Tumult ein Ende gemacht worden.
Athen, 24. September. DaS FriedenSprotocoll ist aus Konstantinopel hier bereits etvgetroffeu. In dem sofort eiuberufeuen Mtutsterrath wurde, wie verlautet, be- schloffen, der Kammer die Annahme desselben dringend zu empfehlen. Die türkischen Notablen tu Theffalten wollen gleichzeitig mit den türkischen Truppen Theffalten verlaffen, um nicht den Gewaltthateu der zurückkehreuden Griechen ausgesetzt zu sein.
Berlin, 25. September. Der Pfarrer a. D. Koetzschke ist, wie der „volkSztg." aus bester Quelle gemeldet wird, anläßlich des neulichen Auftretens KoetzschkeS tu socialdemo- kratischen Versammlungen durch daS kgl. Eonfistorium in Magdeburg darauf aufmerksam gewacht worden, daß eine Fortsetzung seiner socialen Thätigkeit, die ihn in irgend welche Berührung und Beziehung zur Socialdemokratie brächte, dahin führen würde, ihm die Rechte des geistlichen Standes zu entziehen.
Palermo, 25. September. Gestern wurden in einer Grabe 60 Arbeiter verschüttet. Bisher find fieben Leichen geborgen.
Pari», 25. September. Die ottomanifche Gesandtschaft dement irt das Gerücht von der Krankheit des Sultans.
Marseiile, 25. September. Die gestern aus Madagaskar hier etngelaufeue Post berichtet, daß 250 Km. von der Hauptstadt Tanauartvo entfernt Eingeboreue einen Tran»- port überfielen, welcher 15,OOO Francs Silbergeld, Patronen und LebenSmfitel mit fich führte. Der Transport- führer wurde getödtet. Sechs Begleitungssoldaten vertrieben die Eingeborenen.
Athen, 25. September. Der König berieth fich gestern mit dem gesammten Ministerium über die politische Lagt. Betreff« Stellungnahme des EabinetS zum Friedens-Protokoll herrschte volles Einvernehmen. Sämmtliche jüngeren Offiziere wollen eine Protest-Eingabe gegen die Annahme des Friedensprotokolls an die Regierung richten.
Coceles tmb
Gießen, den 25. September.
* Duell Zacobi-Schmih. Wie wir erfahren, befindet fich der neulich im Ptstolenduell verwundete Einjährig Freiwillige Schmitz jetzt außer Gefahr und wird voraussichtlich wieder völlig hergestellt werden, trotzdem die Verletzung eine sehr schwere war. Bei der Operation waren nämlich 14 Löcher im Darm gefunden worden, und eS mußten nicht weniger wie fünf theilS größere, theils kleinere Stücke des DarmS herauSgeschnitten werden.
*• Die polizeilicher Aufsicht unterstehenden Wohnungen nnd Schlafstellen in Gießen. In der Zeit vom 1. April 1895 bis 81. März 1896 betrug in Gießen die Zahl der der Eontrole unterstehenden MiethSwohuungeu: a) mit drei Räumen 457, b) mit zwei Räumen 236, c) mit einem Raum 75; hiervon befanden fich 121 unter dem Dach. Die Zahl der Bewohner betrug in a) 993 Erwachsene, 595 Kinder, in b) 443 Erwachsene, 201 Kinder, in c) 112 Erwachsene, 29 Kinder. Die Zahl der polizeilich beanstandeten Wohnungen belief fich auf 12; über eveur. Ausweisung waren noch Verhandlungen im Gange. Die Zahl der neu hergestellten Wohnungen mit drei Räumen betrug 9, mit zwei Räumen 8, mit einem Raum 6, die Zahl der vorhandenen Schlafräume 124, die Zahl der zuläfftgen Schläfer 291, die Zahl der vorhandenen Schlafräume von Lehrlingen rc. 1457.
** verhaftet. Wegen Beihülfe zum KindeSmord wurde heute Morgen ein fich hier vorübergehend aufhaltendes Ehepaar in Hast genommen.
Feuerwehr. Nachdem jetzt die Tage schon bedeutend abgenommen haben, auch das Wetter oft sehr zweifelhaft ist, sodaß unsere Bewohnerschaft Sonntags nicht mehr in dem Maße Gießens Mauern verlaffen wird wie im Sommer, wird bis auf Weiteres die sonntägliche Feuerwache eingezogen. In Thätigkeit getreten ist fie diesen Sommer nicht, immerhin wird fie der Einwohnerschaft zur Beruhigung gedient haben. Im nächsten Jahre wird fie, und zwar vor- auSfichtlich früher als dieses Mal, wieder aufziehen.
** Die vom Verein zur Züchtung reiner Hunderaffen Hierselbst gestern und vorgestern veranstaltete Herbst-Suche lieferte ein befriedigendes Resultat. Es betheiligten sich im Ganzen an den Suchen 19 Hunde, darunter theilweise ganz ausgezeichnete Thiere. An Preisen wurden zuerkannt: Deutsche Suche, 1. Preis: Trollhetta v. d. Bull, Besitzer Nötige; Lottchen v. d. Huhde, Besitzer v. Witzleben, u. Memor Glückauf, Besitzer Rechtsanwalt Grünewald; 2. Preis: Treff. Walhall, Besitzer SteffenS-Hanuover; Hector Hassia, Besitzer Ad. Bieler, und Lotte, Besitzer Orth-Marburg; 3. Preis: Fanny, Besitzer Förster Schneider-Krofdorf, und Nero-Lohr, Besitzer Conr. Binding-Frankfurt a. M. Höchst lobende Erwähnung: Pic-Aß, Besitzer Wetz-Münzenberg; lobende Erwähnung Karo, Besitzer Otto Luft, und Rino von der Lahn, Besitzer Eonr. Rübsamen. Ehrenpreise erhielten für Trollhetta Nötige, für Lottchen von Wttzleben, für Fanny Schneider-Krofdorf, für Nero Förster Klose, als Führer für Mentor Rechtsanwalt Grünewald. Ehren- preise für Jugendsucher wurden zu Theil für Hela und für Jambo O. Ludloff Merlau, für Nora und Straßburg Metzgermeifter Schreiner, Gießen.
* • Forstdienst. Mit Allerhöchster Genehmigung wurde angeordnet, daß daS erledigte Forstamt Romrod vorläufig nicht wieder besetzt wird, daß der Oberforstmeister des Forst, amt« Darmstadt zur AuShülfeleistung bei der Ministerial- abtheilung für Forst- und Eameralverwaltung einzuberufen ist und daß die Geschäfte der Forstämter Darmstadt und
Romrod vom 1. October d. IS. an bis auf weiteres durch die Mitglieder der Ministerialabtheilung für Forst- und Eameralverwaltung versehen werden. Die für die genannten zwei Dienststellen bestimmten Zuschriften find demgemäß bis auf Weiteres bei der oben genannten Ministerial-Abtheilung einzureichen.
• • Wie hat sich die Kirche ihren Grundsätzen gemäß in Bezug auf die Beerdigung von Seldsimördern zu verhalten? lieber diese Frage verhandelte dieser Tage die DecauatS- synode zu Groß-Gerau, und bildete den AuSgaugS- punkt der Darlegungen des Referenten, Pfarrer Közler von Trebur, die These: daß die Kirche am Grabe in erster Linie als Rechtsordnung thütig sei und die kirchliche Beerdigung einen rechtlichen Act, das Bekenntniß zu dem verstorbenen: er hat zu unsrer Kirche gehört, bedeute, und deducirt hieraus, daß die Kirchlichkeit, bezw. Unkirchlichkeit eines Menschen, auch eine» Selbstmörders, den Beweggrund zur Gewährung, bezw. Versagung der kirchlichen Beerdigung bilden müffe. Der Correferent, Nagel von Kelsterbach, redete einer milderen Praxis das Wort, und führte au», daß die Kirche in keinem Falle die kirchliche Beerdigung versagen solle. Er will jedoch einen Unterschied zwischen unzurechnungsfähigen und zurech« nungSfähigen Selbstmördern gemacht und bei letzteren die Mitwirkung der Kirche auf ein Gebet beschränkt wissen. In der sehr lebhaften Debatte trat wiederholt zu Tage, daß die Synode der Mehrzahl nach nicht auf dem im Referat vertretenen priuciptellen Standpunkte steht, sondern in der kirchlichen Beerdigung vor allem eine Verkündigung des Evangeliums erblickt. Schließlich fand folgende Resolution die Zustimmung fast aller Synodalen: „Die Synode hält die Frage bezüglich der kirchlichen Beerdigung der Selbstmörder einzeln nicht lösbar, vielmehr nur im Rahmen eines Beerdi- gungS-OrdnungS-Gesetze» überhaupt, welches auch andre grobe Sünder, Kirchenverächter u. s. w. mit einschließt. BtS zum Erlaß des kirchlichen BeerdigungS-OrdnungS-GesetzeS soll eS bei der seitherigen Ortsfitte bleiben."
• • Kirchliches Begräbniß der im Duell Gefallenen. Innerhalb der evangelischen Geistlichkeit des Großherzogthums ist man, nach einer Mittheilung der „N. Heff. DolkSbl.", getrennter Anficht bezüglich der Frage, ob den im Duell Gefallenen das kirchliche Begräbniß zu gewähren sei. ES sollen deshalb durch das Kirchenregiment einheitliche Bestimmungen in bezeichneter Hinsicht herbeigeführt werden. Die katholische Kirche verbietet in ihren Satzungen das Duell bei Strafe der Excommunication und verweigert demgemäß allen durch Zweikampf Getödteten da» kirchliche Begräbniß.
* * Die diesjährige 19. General-Verfammlnug bei Allgemeinen deutschen Fraueuvereius findet vom 30. September dis 3. October in Stuttgart statt. Die Generalversammlung ist mit einem öffentlichen, Jedermann zugänglichen Frauentag verbunden, der daS Jntereffe für die Bestrebungen des Vereins und seiner Zweigvereine anzuregen bestimmt ist. Der Allg. deutsche Frauenverein ist am 18. October 1865 unter dem Vorsitz der 1895 verstorbenen Schriftstellerin Louise Otto PeterS zu Leipzig gegründet worden und ist somit der erste und älteste Frauenverein in Deutschland, der eS als seine Aufgabe erkannte, dem weiblichen Geschlechte die ihm gebührende Stellung im Familien- und Volksleben zu erringen. Vorträge finden statt: AuSgangS- und Zielpunkte der Frauenbewegung von Frau Henriette Goldschmidt- Leipzig. Wohin? von Frau Marie Hecht-Tilfit. Die mütter- ltche Erziehung von Frau Helene von Forster-Nürnberg. Rechtsschutz für Frauen von Frau Marie Stritt-DreSden. „Die Fürsorge für Arbeiterinnen und die Nothwendigkeit der weiblichen Fabrikinsptctoren" von Frau Simson. „BildungS- fragen" von Frl. Helene Lange. Referate werden erstattet von Frau Präfident von Weizsäcker über die Thätigkeit deS Schwäbischen FrauenvereinS, von Frl. Mellien-Berlin, über die Fürsorge für weibliche jugendliche Gefangene, über Gym- nafialcurse für Mädchen, von Frl. Dr. Windscheid-Leipzig und Frl. von Braunmühl-München, über die MäßigkeitSbe- weguug von Frl. Hoffmann-Bremen, über die Thätigkeit deS Bunde» deutscher Frauen in der Sittlichkeitsfrage von Frau Hanna Bieber-Böhm, Berlin. Frl. Auguste Schmidt-Leipzig, vom Beginn der Wirksamkeit deS Vereins an zweite Vorsitzende, feit 1895 erste Vorsitzende desselben und Herausgeberin deS 1865 gegründeten VereinSorganS „Neue Bahnenwird die Versammlung leiten.
* * Deutsche Arbeiter werden von ihren in Paris lebenden Landsleuten vor Zuzug nach der frauzöffschen Hauptstadt dringendst gewarnt. ES machen fich jetzt viele deutsche Arbeiter nach Pari- auf den Weg, in der Hoffnung, als Schreiner, Tapezirer, Schlosser rc. bei den Ausstellungsarbeiten sofort Beschäftigung finden zu können, sehen sich jedoch bald enttäuscht, da der Zudrang nach dem großen, schönen Paris ein viel zu starker ist. Gerne möchten die Bedauernswerthen in die Heimath zurück, aber ohne Geld und sonstige Hilfsmittel gelingt dies nicht ohne fremde Hilfe und bitter bereut mancher wackere Arbeiter, die deutsche Heimath, wo er wenigstens sein Auskommen hatte, mit trügerischen Hoffnungen verlaffen zu haben.
• * Wetterbericht. Im Süden Europa- hat sich ein barometrisches Maximum ausgebildet, dessen Kern von Ober- Italien bis nach Südbayern herüberreicht. Der Norden des Erdtheils gehört dagegen einem ziemlich tiefen Depression-- gebiet an und nimmt der Luftdruck vom europäischen Küstengebiete gegen daS Maximum an der norwegischen Küste noch rasch ab, sodaß von den britischen Inseln her bis zur Ostsee zumeist frische westliche Winde wehen. Zunächst scheint der Einfluß des barometrischen Maximum» zumal für unsere südlichen GebietStheile maßgebend. — voraussichtliche Witterung: Zunächst warmes, im Norden wolkiges, im Süden heitere» Wetter.
r. Alsfeld. 24. September. Wie da» Euratorium der hiesigen landw. Winterschule bekannt macht, beginnt der Unterricht an der Schule für da» diesjährige Wintersemester I Montag, den 1. November. Die Schule wurde den
letzten Winter von 42 jungen Leuten im Alter von 14 bi* 20 Jahren besucht. Ihrer HeimathangekSrigkeit nach entstammt die Mehrheit au» dem Kreise Alsfeld. Aber auch die benachbarten hesfischen Streife: Lauterbach, Schotten und Gießen hatten Schüler geschickt. AnS dem Streife Gießen besuchten letztes Semester nicht weniger wie neun junge Leute die hiesige Schule. Der Unterricht erstreckt fich auf naturwissenschaftliche Fächer: Chemie, Physik, Botanik, Zoologie, Mineralogie und sachwiffenschaftliche Unterricht»- zweige wie Thierzucht, Fütterungslehre, Ackerbau, Düngerlehre, Wiesenbau, Buchführung, Betriebslehre, Feldmessen und Planzeichnen. Gleichzeitig wird aber auch auf die Vervollkommnung der Elewentarfächer: Rechnen und Schreiben, Wenh gelegt. Den Unterricht ertheilen zwei Landwirth- schaftslehrec und vier Hilfslehrer. Da die Schule auch dieses Jahr wieder stark besucht werden dürfte, so empfiehlt e» fich, junge Leute, welche dieselbe besuchen sollen, bald anzumelden. Wir möchten bei dieser Gelegenheit die Land- wirthe nochmal- darauf Hinweisen, e» nicht zu versäumen, ihren Söhnen an einer derartigen Schnle die Grundlage einer zeitgemäßen Beruf-bildung geben zu lassen. Die Kosten, die der Besuch einer solchen Schule verursacht, sind nicht so hoch, al- daß fie von dem bäuerlichen Besitzer nicht erschwungen werden könnten und fie machen sich später reichlich bezahlt.
* Die millionste Hinterlegung von Werthpapieren bei bet ReichSbank in Berlin ist vor Kurzem bewirkt worden. Der Besitzer der in- Depot gegebenen Papiere erhielt au* dieser Veranlassung einen künstlerisch auSgestatteten Depotschein mit der Nummer 1000000 in Golddruck. ES ist erst wenige Jahre her, daß zur Feier der 500 000. Hinterlegung von Wenhpapieren bei der Reichsbank eine kleine Feier stattgefunden hat, wobei daS immerhin localgeschtchtlich und nationalöconomisch interessante Ereigniß in geziemender Weise begrüßt worden ist. Eine besonders auffällige Steigerung. deS Nationalvermögens aus dieser verhältnißmäßig schnelle» Folge von Einzahlugen zu folgern, scheint jedoch nicht am Platze zu fein, wenn man bedenkt, daß zahlreiche Depotinhaber nur wenige Hundert Mark „auf die Bank" bringen, weil fie ihr Geld am sichersten dort aufgehoben wissen.
* Eine Bestie. Da- Berliner Schwurgericht ttx* handelte gestern gegen die Arbeiterin Rosalie Kosowsk» au- AntonShof in Posen, die in Rixdorf bei Berlin in der Wohnung der ihr befreundeten Familie deS Eisenbahn- arbeiterS Hoppe Biand gestiftet hatte, um da» Sparkassenbuch der Familie und andere Werthsachen zu stehlen, um damit Schulden bei ihrer Schneiderin zu bezahlen. Dabei find die beiden Hoppe'schen Kinder umgekommen. Die Mörderin hatte daS jüngste Kind in die Küche gebracht, nm e* vor dem Tode zu bewahren, hatte aber das ältere Kind, baden Diebstahl und die Brandstiftung mit angesehen, in die Wohnung eingeschlossen, damit diese Zeugin der That um« komme. DaS Unheil lautete wegen qualificirter Brandstiftung, welche den Tod von zwei Kindern zur Folge hatte, auf 15 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust.
• Leipzig. 24. September. Ein kolossaler 8r an> wüthet 'm Speditionsspeicher des Thüringer Bahnhofs. Zwei Personen durchleuchteten Eier, wobei die Lampe umfiel und Holzwolle Feuer fing. Biele Maaren find zerstört und riesige Lorräthe vernichtet. Der Schaden ist enorm. Drei Dampfspritzen find in Thätigkeit.
1 Santiago, 5. August. Die Anzahl der verbrechen und vergehen in Chile vermehrt fich in geradezu erschreckender Weise. Mit einer Art von Stolz veröffentlichten vor nicht langer Zeit einige Provinzblätter die einer englischen Statistik entnommene Notiz, daß eS sechsundsechzig Mal gefährlicher sei, auf einsamem Wege einem Chilenen, alS einem Engländer oder Deutschen zu begegnen. In Chile übersteigt die Zahl der Morde im verhältniß bei weitem die von Sicilien und Corfica. In den Provinzen Valdivia und Llauquihue find in den letzten sechs Jahren weit über tausend Personen daS Opfer von Kugel und Meffer geworden, allein nur vierzig Banditen find dafür, hochgerechnet, zur Verantwortung gezogen worden. DaS sieht wie eine arge lieber- treibung au», aber in Wirklichkeit dürfte die erstere Zahl noch zu niedrig gegriffen sein. — Im Jahre 1892 wurden in Santiago, einer Stadt von 250000 Einwohnern, ungefähr 32 000 verbrechen und vergehen bestraft; im Jahre 1896 mehr al» 40000 und in den ersten drei Monaten diese» Jahres 19 882, so daß Ende desselben die erkleckliche Summe von 80000 zu verzeichnen sein wird! — Der sehr stark verbreitete AlkoholiSmuö mag wesentlich zu diesem erschreckenden Resultat beitragen, jedoch kann derselbe feit 1892 nicht um mehrere Hundert Procent zugenommen haben. Die Zunahme der verbrechen ist daher wohl in erster Linie in der Beschäftigungslosigkeit und der damit verbundenen Armuth der niederen Volksklaffen zu suchen.
• Segen daß nberhandnehmende Radfahren von Rinbeni wenden fich verschiedene ärztliche Gutachten. Sie erkennen den Werth deS Radfahrens als Kräftigungsmittel für Lungen und Muskeln an, weifen aber auf die erhebliche körperliche Anstrengung hin, die es erfordert. Zur Erzeugung und fortwährenden Ergänzung der für» Radeln aufgemanbten Arbeitskraft, sowie zur Ernährung der schwer orbeitenbe» Muskeln ist der stete Zufluß von ganz bedeutenden Blut« mengen nöthig. Diese werden natürlich den übrigen Organen deS Körpers entzogen, welche dadurch gleichsam in Hungerzustand versetzt, alfo in ihrer Entwickelung gehemmt werden. Dadurch können namentlich in der Zeit deS WachSthumS schwere, bleibende Folgen entstehen. Unter dem häufigen Mangel an genügender Blutzusuhr haben besonders Gehirn und Nerven zu leiden. Dabei kommt noch In Betracht, daß die Jugend geneigt ist, alle Genüsse, so auch den de» anstrengenden Radfahren», zu übertreiben. Bei dem noch weichen, unentwickelten Knochengerüst be» kindlichen Körper*


