!' ®ute Moroni
®'6r. »jtte.
"erbräu.
WSkyL
»jT
’cn Freunden und
Virthschast
11“
1 meine verehrten kport-Bier d« esorgt.
voll
tttu.
I.
er Umgegend mit, ein tiff ’W empfehle Xeeanfetü^ ittn untti >
lies.
oooooo
>nz
DOOOO
mW
-Vs
lagen
8373
5fg«
Vrnchbavder.
i oft tti <4**5 , Wir find ® £
;t, d-S btM A
äs«»'........
Nr. 226
Der tüjener Aa»eiger erscheint täglich, •it Lu-nahme bei Montag».
Die Gießener -««irienötüller »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal öeigelegt.
Drittes Blatt.
Sonntag den 26. September
ä8»7
Oießener Anzeiger
Keneral-Wnzeiger.
LiertelsShriger JWo**e*e*t»yrti»8 2 Mark 20 Pfg. rott Bringer lohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 60 Pf^
Äebaction, Lxpebttto» und Druckerei:
Sch»tstr«ße Mr.H«
Fernsprecher 6L /
Aints- un& Anzeigeblcrtt füv den Utets Gieren.
folgenden Lag erscheinenden ^77°“ | Hratisöeikage: Hießener Aamilienökätter. | 57-
Politische Wochenschau.
Auf dem in Folge heftigen Seeganges den Wellen an- heimgefalleven Tv7pedoboote S. 26 har auch der Sproß eines deutschen Fürstenhauses, Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin, der Commaudant des Fahrzeuges, mit sieben Manu der Besatzung den Tod gefunden. Ein Unstern scheint über unserer jungen Marine zu walten; insbesondere in den beiden letzten Deceonten ist dieselbe von schweren Verlusten hetmgesucht worden. Im Dienste des Vaterlandes stehend, sind Hunderte unserer Martne-Besatzungsmanuschafteu auf dem Felde der Ehre dem Elemente zum Opfer gefallen. Ihnen gebührt unsere Anerkennung dafür, daß fie selbst den Tod im Auge dem deutschen Namen Ehre machten und als Helden zu sterben wußten.
„Fest und unauflöslich steht der Dreibund, zum Heile der Völker geschaffen," diese Worte Kaiser Wilhelms in Budapest können als das Resultat der Monarchen Zusammen- fünfte in Homburg und im Ungarlaode angesehen werden. Den „treuen Freund und Bundesgenossen, dem beharrlichen Mitarbeiter an dem großen Friedeoswerke" hatte vorher Kaiser Franz Josef in seinem hohen Gaste begrüßt und ausgeführt, daß die besten Kräfte der beiden Monarchen dem Frieden gewidmet seien. Kaiser Wilhelm liebt eS bekanntlich, feine Reden mit einer Fülle von Bildern auSzustatten. Sein Toast beim Pruukmahle in der Ofener Hofburg ist ein Meisterwerk in dieser Beziehung, und nicht besser hätte er sich die Herzen der Ungarn gewinnen können, wenn diese ihn uicht schon vorher gehört hätten. Au- treuen Bundesgenossen find die Magyaren begeisterte Anhänger des Dreibundes geworden, das Deutschthum hat einen Triumph gefeiert, der uoS gelegentlich sehr gut zu Statten kommen kann und nicht allzu gering angeschlagen werden darf.
Die Monarchenzusammenkünfte dürsten für diese- Jahr ihr Eade erreicht haben- fie haben gezeigt, daß daS europäische Gleichgewicht noch immer besieht, daß überall der lebhafte Wunsch vorhanden ist, den Völkern die Segnungen deS Friedens möglichst lange zu erhalten und eine Störung des letzteren unter allen Umständen zu vermeiden. Freilich ist auch da- Bestehen der russisch-französischen Allianz öffentlich verkündet worden, aber wir haben ja schon wiederholentlich au-gesührt, daß diese Allianz, soweit deren Tendenzen vorläufig bekannt find, eine Gefahr für den europäischen Frieden nicht bildet, und außerdem ist die Kenntniß von dem Bestehen deS Bündnisse- für die Dreibundmächte insofern werthvoll, als fie damit nun ein für allemal rechnen körnen.
In unserer inneren Politik find Ereignisse von besonderer Tragweite nicht zu verzeichnen. Der Katser ist nach Rominten gefahren zu einem längeren Jagdaufenthalte daselbst. Man nimmt an, daß der Monarch diese Muße benutzen wird, um die noch ausstehenden Entscheidungen über die Besetzung der erledigten hohen Reichsämter zu treffen- vielleicht erfolgt die Verkündigung der diesbezüglichen Kaiserlichen Erlasse aber erst nach der Rückkehr deS Monarchen
Feuilleton.
Der König der Lsschendiebe.
Ju einem Londoner Dachstübchen, in Armuth und Vergessenheit, ist kürzlich ein Mann gestorben, der eine der merkwürdigsten Carriören durchlaufen hat, die je einem Abenteurer und Judustrieritter zu Theil geworden find, ein Fürst unter den Gaunern, der trotz seines Langfinger-BerufeS nicht im Zuchthause geendet hat, der sich rühmen durfte, dem englischen Thronfolger beim Rennen in Epsom baß Porte- feuille aus der Tasche practizirt zu haben, und den Ruf genoß, dem verstorbenen Financier Baron v. Hirsch, ebenfalls beim Rennen, die Börse — beinahe gestohlen zu haben. Wie festgegrüadet aber und unverwelkt da- Revommö dieses König- der Taschendiebe geblieben ist, geht schon aus der Thatsache hervor, daß die englische Presse dem großen Taschen- kü^ftler Nachrufe widmete und die amerikanischen Blätter fein Bildniß brachten.
Fred de Winton tauchte im Anfänge der achtziger Jahre zum ersten Mole, und zwar in Pari-, auf. In kurzer Zeit hatte er sich zu einer der hervorragendsten Per- sünlichketten auf der Rennbahn und in den fashionablen Sergnügungsorten in der Umgebung der französischen Haupt- stabt emporgearbeitet. Er war ein untrüglicher Pferdekenner, nrb die Wetten, die er entrirte, waren immer vom Glück begünstigt. ES kam ihm gar nicht darauf an, fünfhundert L-uir auf den AuSgaug eines einzelnen Rennen- zu wagen. Natürlich wurde er durch seine Erfolge der gesuchteste
nach Berlin. — Reichskanzler Fürst Hohenlohe weilt noch immer im Süden- etwa- Definitives über seine Wieder- ankunft in der Reichshauptstadt ist nicht bekannt. Freiherr v. Marschall soll angeblich Milte October nach Berlin kommen zur Abschiedsaudienz beim Kaiser und zum Botschafter in Konstantinopel auSersehen fein, während der bisherige Untex» staatSsecretär im Auswärtigen Amte das Reich in Wafhington bei den Bereinigten Staaten vertreten soll. Man thut aber gut, alle diese Meldungen mit Borficht aufzunahmen, und wir reglstriren fie nur, weil fie iu letzter Woche verbreitet wmden. Auch von der Militärstrafprozeßorduung verlautete wieder, daß man hoffe, dem nächsten Reichstage einen fertigen Entwurf vorlegen zu können. Es scheint, als »b zwischen Preußen und Boyern thatsächlich Differenzen wegen des obersten Militärgerichtshofes bestanden hätten- um des lieben Frieden- wegen dürfte man geneigt fein, dem zweitgrößten Bundesstaate Conceffionen zu machen.
Noch immer liegt die Frage der staatlichen Unterstützung für die vom Unwetter Heimgesuchten der Provinz Schlefien in der Schwebe. Einigen Trost dürften die Betroffenen durch die rege Theilnahme erfahren haben, welche die Kaiserin während ihrer Anwesenheit in der Provinz an der Katastrophe nahm, und auch das Erscheinen deS Kaisers und die eingehenden Berichte, welche dieser sich von maßgebender Stelle über den Umfang der Heimsuchungen halten ließ, werden bei den Betheiligten die Hoffnung erweckt haben, daß nun recht bald durchgreifende Hilfe gebracht wird.
In der türkisch-griechischen Streitfrage ist der Präli- mtuarfriede nunmehr unterzeichnet worden. Die Botschafter haben ihr schwieriges Werk vollbracht, nun liegt die Entscheidung bet der griechischen Regierung. Diese sowie das griechische Volk könnten keinen dümmeren Streich begehen, als sich nun auf die Hinterfüße stellen und fich der Einwilligung in die Frieden-bedingungen widersetzen. AuS dem Umstande, daß Griechenland vollständig mürbe ist und feine letzten Kräfte verbraucht hat, darf mau die Hoffnung schöpfen, daß die Hellenen vernünftig bleiben und fich fügen werden. Hart find ja die Bedingungen, welche ihnen auferlegt werden, und auch die Ftnanzcontrole mag ihnen unbequem sein und ihrem Nationalgesühl einen schweren Schlag versetzen, aber eine Strafe haben fie verdient für ihr provokatorisches und prahlerisches Vorgehen, dem Leben und Eigenthum so Bieler zum Opfer gefallen find.
Die Berhältniffe auf Kreta haben wieder einen ernsteren Charocter angenommen- es ist daher die höchste Zeit, daß die Großmächte jetzt ernstlich daran gehen, auf der Insel etwas Definitives zu Stande zu bringen. Ewig könnten ihre Schiffe dort doch nicht stationirt bleiben, abgesehen davon, daß die internationale Flotte Blutvergießen und Eigen- thum-verletzung auf Kreta nicht hat verhindern können.
Verrauscht sind die Feste im Norden Europas, iu der schwedischen Hauptstadt. Sie haben gezeigt, welches Ansehen der Jubilar König O-car im europäischen Staatenbunde genießt, und sie werden hoffentlich dazu beitragen, das Ber-
„Tipper", es war genügend, daß „Fred" diesem oder jenem Pferde den Steg voraussagte, um alle seine intimen Freunde auf denselben Rennen zu vereinigen. Die Unsummen. die er so gewann, verschwendete er wie ein geborener Lord.
Ein Gentlemen war Fred von Kopf bis Fuß und Niemand hatte eine Ahnung, daß er ein Spitzbube war. ES hätte auch Niemand geglaubt, daß der hochgewachsene, schön gebaute Mann mit den dunklen Augen, dem elegant geschnittenen Schnurrbart, dem tadellosen Anzug aus Paris feinsten Magazinen, mit den makello-en Handschuhen perl- grauer Farbe und der Gardenia im Knopfloch nicht „comme il faul“ sei! Die perlgrauen Handschuhe! Ja, in denen steckte seine Kunst, fie verließen seine Hände niemals, seine perlgrau behandschuhten Finger waren eS, die die geschicktesten Manöver in fremden Taschen auSführten. Sie hinderten ihn nicht bei seinem Handwerk und fie waren fein Schutz, denn kein Bestohlener hätte e- gewagt, den vornehmen Gentleman, der immer so tadellose Handschuhe trug, im Verdacht zu haben oder zu verdächtigen.
Freds Dasein in Paris war da- eines Lebemannes. Seine Appartements lagen in einem Hotel in der Nahe der Gare de St. Lazare. Bon hier au- schleuderte oder kutschirte er de- Morgen- nach dem Bahnhof hinüber, mischte fich unter die Leute, wenn die Fernzüge ankamen, und plünderte in aller Gemüth-ruhe zwei ober drei Passagiere mit wohlgespickten Börsen und gut gefüllten Taschenbüchern auS. Mit seinem Raube kehrte er in fein Hotel zurück, machte dort neue Toilette und verbrachte den Rest deS Vormittags
haltniß zwischen den beiden Unionsländern Schweden und Norwegen zu verbessern und zu befestigen.
Aus Frankreich ist die Nachricht eingelaufen von dem Hinfcheiden eines Heerführers aus dem letzten großen Kriege, des bekannten Generals Bourbaki. Der Uebertritt feines Armeecorps über die schweizerische Grenze gehört der Geschichte an- der tapfere General hat dieses Schicksal feine* Heeres nie recht verwinden können, trotzdem ihm die Achtung und da- Vertrauen seines BaterlandeS geblieben waren.
In schweren Nöthen ist man in Spanien. Wenn auch osfieiö- der gemeldete Schritt der Bereinigten Staaten abgeleugnet wird, so ist man in unterrichteten Kreisen doch der Ansicht, daß über kurz oder lang die Washingtoner Regierung dem Willen des amerikanischen BolkeS nachgeben und zu Gunsten der cubanischen Aufständischen eingreifen muß. Ernstlichen Widerstand dürfte Spanien einem solchen Vorgehen kaum entgegensetzen können. (xx)
Arr-land.
Budapest, 23. September. Ju einer General-Versammlung der hauptstädtischen Vertretung berichtete der Bürgermeister: DaS mit der Vorbereitung deS Empfanges des deutschen Kaisers beauftragte Comitse that Alles, nm den Empfang so glänzend als möglich zu gestalten. Er begrüßte seinerseits unter dem Eindrücke des Empfanges die Gemeinderathvertretung Berlins telegraphisch, worauf von dort ein begeisterte- Echo erfolgte. Der Redner verla- alsdann Telegramme unter lebhaften Eljenrufen und dankte der hauptstädtischen Bevölkerung, den Vereinen und Corporationen für den herzlichen, würdigen Empfang des deutschen Kaiser-. (Allgemeine Eljenrufe.) — Die Stadt KecSkemet (Süd- Ungarn) beschloß einstimmig unter großer Begeisterung, die Trinksprüche deS König- und des deutschen Kaiser- vollinhaltlich im Protocoll zu verewigen. Dem Danke und der Freude wegen de- Inhalt- der Reden wurde gleichfalls im Protokolle Ausdruck verliehen.
CocaU* unb provinzielle».
Gießen, den 25. September 1897.
** Hessischer AnwalMag. Nach dem Turnus hat der diesjährige hessische Anwaltstag in Darmstadt stattzufinden, allein nach einer alten Verordnung darf, wenn Wahlen zum Vorstande der Anwältekammer vorzunehmen find, der An- wältetag in Darmstadt nicht stattfinden. AuS diesem Grunde haben die Rechtsanwälte in Starkenburg und Oberhrffeu wiederum Mainz in Vorschlag gebracht, so daß die Hess. Anwälte auch in diesem Jahre — am 2. October — in Mainz zusammentreten. — Es wurde in einer in Mainz abgehaltenen Versammlung der Anwälte beschlossen, zum Schlüsse der Berathungeu ein Festessen im „Hotel Karpfen" abzuüalten.
English spoken — On parle fran^ais! Für unsere kaufmännischen und gewerbetreibenden Leser dürfte eine kleine Nutzanwendung auf den § 1 des Gesetzes wider
■gggggB
mit Besuchen bei Freunden, zu denen die bekanntesten Männer und Frauen von Pari» zählten. Der Nachmittag sah ihn auf den Rennbahnen, wo er die lohnendsten Züge wachte, weil er dort die vollsten Taschen fand. DeS Abends ging er in die Theater und Cafös chantant-, ein Champagner- Souper mit befreundeten Herren und Damen machte den Beschluß deS TageS. So führte Fred ein wahrhaft fröhliches Leben.
Da begann fein Unstern aufzugehen. ES war während der Ausstellung von 1889. Einer der reichsten Jockeys Englands, Storr, war nach Paris gekommen, um ein Wettrennen zu retten. Er brachte eine kleine Handtasche mit, die Fred in die Augen stach. Der Gauner, der über den Ankömmling wohl informirt war, verwuthete besondere Schätze in dieser Tasche und seine perlgrauen Finger hatten fie bald erobert. Aber o weh! Statt der erwarteten Banknoten fand Fred nur einen Anzugs und eine Jockchkappe darin. Storr schlug über seinen Verlust einen Lärm, der nicht größer hätte sein können, hätte der Jockey ein Bündel Werthpapiere eingebüßt. Detectives wurden iu Thätigkeit gesetzt und diese, die Fred schon lange im Stillen auf dem Korn hatten, dachten ernstlich daran, den eleganten Hochstabler zu verhaften, da erhielt Storr, von unbekannter Hand zugesendet, die Tasche unversehrt zurück und damit war die Geschichte vorläufig zn Ende. Fred war ihm zuvorgekommen und hatte dem Jockey die werthlofe Beute wieder zugeschickt.
Was ihm damals schon gedroht hatte, das ereilte den Taschenkünstler wenige Wochen später — er fiel der Polizei in die Hände. ES war auf der Rennbahn von BincenveS.


