Ausgabe 
26.3.1897 Erstes Blatt
 
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sowie eine Insel im Mittelmeere zur Errichtung einer Kohlen« Ration erhalten soll.

Konstantinopel. 24. März. Nach einer an da- arme­nische Patriarchat gelangten Depesche find in der Provinz Tokat am vergangenen Freitag wieder größere MassacreS vorgekomwen. Seit gestern werden wieder einige al- Jang- türken bekannte Personen verhaftet.

Rente, 24. März. Die Truppen'Abtheilungen der Mächte haben sich wieder eingeschifft. Die Oester- reicher werden Kffamo besetzen, die Deutschen Suda, die Ruffen Rethymo, die Engländer Herakleiou, die Franzosen Sttia, während die Italiener in Kauea verbleiben.

Newyork, 24. März. In Arlingtou ist durch einen Sturm eine Kinder-Bewahranstalt zerstört worden. Drei­zehn Kinder wurden getödtet, viele verwundet.

Berlin, 25. März. Gestern Abeud fand ein Fest für den Schöpfer des Natioual-Denkmal-, Profrffor Reinhold Begas, statt, welchem der zur Zeit hier weilende deutsche Botschafter in Madrid, Profeffor Schweniuger, zahlreiche Künstler und Schriftsteller beiwohnten. Nach einem Prolog wurde ein Festspiel des Ober-RegiffeurS Grube aufgesührt. Der Meister wurde nach allen Seiten hin gefeiert. Der Kaiser, welcher nicht erschienen war, sandte eine Blumen- Ipende.

Berlin, 25. März. Da-Berl. Tageblatt" meldet aus Rom: Die Mächte seien dahin übereingekommen, die griechischen Häfen Anfangs nächster Woche zu bloktren.

totales rind provinzielles.

Bietzen, den 25. März.

Prüfung. An der gestern (24. ds.) in der Realschule stattgehabten Prüfung zur Erlangung deS Reifezeugnisses beteiligten sich 21 Schüler, von welchen 10 auf Grund guter schriftlicher Arbeiten von der mündlichen Prüfung di-penfirt wurden, die übrigen 11 bestanden gleichfalls. Den Vorfitz führte Herr Director Rausch.

Al- Beisitzer für bei Gewerbegericht pro April fungiren für die Arbeitgeber Fabrikant L. Heyltgenstaedt, für die Arbeitnehmer Joh. Schäfer.

* * Bei dem Beurlenbteustenbe werden u. A. die nach- genannten Reserveoffiziere in gleicher Eigenschaft versetzt, und zwar zum 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168: Prlt. Quast von der Res. deS Jnf.-RegtS. Kaiser Wilhelm (2. Grh. Heff.) Nr. 116 (St. Wendel)- die SecltS.: Joeckel von der Ref. des Inf. RegtS. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116 sFriedberg), Knieß von der Res. desselben RegtS. (Frank- furt a. M.), Neßliug von der Res. deS 1. Großh. Heff. Inf.-(Leibgarde-)RegtS. 115 (Gießen), Oßwahd von der Res. desselben RegtS. (Gießen), Strohe von der Res. des Inf.- Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116 (Frank­furt a. M.)- zum Inf. Regt. Nr. 173: Prlt. Himbeck von der Res. deS Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116 (St. Johann), Seclt. Kallenbach von der Ref. dess. RegtS. (Colmar).

* * Berfetzt ist: Seclt. Schroeder vom Jnf.-Regt. Nr. 140 in das Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116; Stephan, Seclt. vom Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116 ist von dem Commando al- Erzieher bei dem Cabettenhause in Bensberg entbunden.

* * Parlamentarische!. Der Abgeordnete Jöckel hat an Großh. Regierung folgende Interpellation gerichtet: ES war in öffentlichen Blättern folgende- zu lesen:Friedberg, 28. Februar. Der Unterricht in dem hiesigen Schullehrer- seminar mußte auf einige Tage ausgesetzt werden. Viele Zög­linge find nämlich durch Ueberarbeitung derart nervös erregt, daß der Seminararzt für dieselben eine kurze Erholungszeit als unbedingt nothwendig erachtete. Bei einigen jungen Leuten soll die nervöse Erregung so stark sein, daß dieselben keine Mufik mehr hören können. Jedenfalls zeigt aber dieser Vorfall wieder einmal deutlich, wie sehr die Seminaristen mit Arbeit überlastet find und wie sehr die Reform unserer Seminarien nöthig ist." Der ergebenst Unterzeichnete ge­stattet sich, an Großh. Staatsregierung die Anfrage zu richten: 1. Beruht jene Mittheilung aus Friedberg auf Wahrheit, und 2. wenn dies der Fall ist, welche Stellung nimmt die Gr. Staatsregierung zu dem darin enthaltenen auffallenden wie bedauerlichen Vorkommniß ein? Jöckel. Eine Eingabe des Gemeinderaths zu Frei en feen an die Zweite Kammer der Laudstände hat folgenden Wortlaut: Wie wir aus der Darmstädter Ztg." ersehen, ist der Antrag gestellt worden, e- möge für die Bahnstrecke Laubach-Mücke ein Tunnel durch den Kaff gegraben und auf der Seeubrücke ein größerer Bahnhof erbaut werden. Ohne uns irgendwie ein Unheil über die günstigste Trace zu erlauben, richten wir an hohe Kammer die Bitte, daß, welche Richtung auch gewählt werden wöge, in jedem Fall in nächster Nähe von Freieofeen ein Bahnhof errichtet werden möge. Nachdem die Bahnstrecke Laubach-Mücke in erster Linie in Rücksicht auf den Ort Freienseen nebst Hintergemeinden, sowie auf die Holzabfuhr aus den oberhalb Freienseen gelegenen Wäldern gewählt worden, halten wir e- für au-geschloflen, daß diesem Ort nur eine Haltestelle, noch dazu in abgelegenem Felde, gewährt werden sollte. Nachdem wir aber von zuverlässiger Seite gehört haben, daß man diesen Plan hege, halten wir eS für unsere Pflicht, im Jntereffe unserer Gemeinde um die Er­richtung eine- Bahnhof- in unmittelbarer Nähe von Freienseen zu bitten. (Folgen die Unterschriften.)

Theater-Bereit,. Die gestrige, verhältntßmäßig zahl- reich besuchte Generalversammlung hatte über die Frage zu entscheiden, ob der Theater-Verein daS Unternehmen der Direction Kruse-Helm stützen wolle. Diese Frage wurde einstimmig bejaht. Hebet daSob" war man schnell einig, über daSwie" erst nach langem, eingehenden Prüfen. Bier Anträge lagen vor, alle wurden durch die Steller und deren Helfer im Streit warm und zäh ver- theidigt. Nach eingehender Debatte einigte man sich dahin,

den Verein zwar unverändert bestehen, alle Vorstellungen jedoch durch die Direction Kruse Helm ausführen zu laffen. Die Direction hat selbstredend die Pflicht, besonders vorzüg­liche Gäste einzuladen und hervorragende Bühnenwerke zur Aufführung zu bringen, über Beides steht dem verein ent« scheidender Einfluß zu. Diesem schönen und für beide Theile gleich günstigen Vorschlag belebende Kraft zu geben, liegt in der Hand der Gießener Bürgerschaft- nur diese ist im Stande, indem sie dem Theaterleben klingende Theilnahme entgegen­bringt, ein leistungsfähige- Theaterunternehmeu zu schaffen und zu erhalten.

* Stadtthealer. Freitag Abend gelangt baß Volksstück Der Pfarrer von Kirchfeld- zur Aufführung zum Benefice für Herrn Kunert, welcher darin die Rolle de- Wurzelsepp" verkörpert. Wir wünschen dem tüchtigen Künstler zu seinem Ehrenabend ein volles HauS.

* Die lebenden Photographien. Außer den bereits gestern erwähnten Stücken sind der Direction noch drei weitere neue Stücke zugekommen, und zwar:Ein Damenduell",Die badenden Neger",Der Fafching-zug in Paris", welche au Schönheit und Ausführung nicht da- Geringste zu wünschen übrig laffen. ES dürfte angesichts der nur sehr kurzen Zeit, in welcher die neueste Erfindung in Gießen noch zu sehen ist, ein Besuch nur anzuempfehlen sein.

* Einen Mordversuch auf seine, getrennt von ihm lebende, und hier in Diensten stehende Ehefrau machte gestern Nachmittag der 26jährige Kaufmann Aug. Koch auS Fulda. Derselbe begab sich in da- Zimmer seiner Frau, um sie zum Mitgehen zu tierantaffen, und als diese sich weigerte, gab er vier Revolverschüsse auf sie ab und verletzte sie. Drei Schüffe drangen in da- Genick und der vierte in den Rücken. Der Thäter ergriff die Flucht, stellte sich aber noch gestern Abend bei der Polizei und wurde in Haft genommen. Die Verwundungen find, wie wir erfahren, nicht gefährlich und befindet fich die Frau bereits auf dem Wege der Besserung.

** Knabeu-Handarbeit. Im bevorstehenden Sommer sind vom Deutschen Verein für Knaben-Handarbeit an dessen Seminar zu Leipzig und von dem Central-Ausschuß für Volks- und Jugendspiele an verschiedenen deutschen Orten wiederum besondere Curse zur Ausbildung von Lehr­kräften eingerichtet worden. Es sind dies: A. Curse am Lehrer- Seminar zu Leipzig: 1. Vom 22. April bis 6. Mai; 2. vom 28. Juni bis 31. Juli- 3. vom 2. August bis 4. September und vom 6. September bis 9. October. Im Bedarfsfälle werden unter Anpassung an die verschieden­artig in Deutschland liegenden großen Ferien auch Zwischen- curse eingerichtet. Unterrichtet wird in der Vorstufe, Papp- arbeit, Hobelbankarbeit, ländliche Holzarbeit, Holzschnitzerei, Metallarbeit, im Modelliren und im Obst- und Gartenbau. Für letzteren finden in Anlehnung an den obigen ersten und dritten CursuS besondere Curse statt. Für schon ausgebildete HandfertigkeltSlehrer findet behufs bertiefterer Ausbildung vom 15. Juli bis 11. August ein besonderer Centralcursus statt. Die Anmeldungen find an den Director Dr. Götze in Leipzig zu richten, Von demselben können Programme kostenfrei bezogen werden. L. Jugendspielcurse: 1. Für Lehrer: 1. In Hadersleben, 20. bis 24. April, Gymnasial­lehrer Dunker; 2. Berlin, 17. bis 22. Mai, Prof. Eckler, SW., Friedrichftr. 229; 3. Bonn, 30. Mai bis 5. Juni, Dr. med. F. A. Schmidt; 4. Braunschweig, 31. Mai bis 5. Juni, Gymnafialdirector Prof. Dr. Koldeweg; 5. Stolp i. P., 31. Mai bis 5. Juni, Turnlehrer F. Stüwe; 6. Kre­feld, 21. bis 26. Juni, Hauptturnlehrer Otto Scharf- 7. Königsberg i. Pr., in der ersten Hälfte des August, Stadt- fchulrath Dr. Tribukait; 8. Posen, 23. biß 28. August, Ober- turnlehrer Klooß; 9. Magdeburg, 14. bis 18. September, Stadtschulrath Plateu. 2. Für Lehrerinnen: 1. Frank­furt a. M., 31. Mai biß 5. Juni, Turninfpector Weiden­busch; 2. Bonn, 8. biß 11. Juni, Dr. med. F. A. Schmidt- 3. Stettin, 9. biß 12. Juni, Stadtschulrath Dr. Krofta; 4. Braunschweig, 5. biß 10. Juli, Turninspector A. Hermann; 5. Königßberg i. Pr., in der ersten Hälfte deß August, Stadt­schulrath Dr. Tribukait; 6. Berlin, im September, Professor Eckler, SW., Friedrichftr. 229. Die Curse für Lehrer und Lehrerinnen find kostenfrei.

** Wetterbericht. Ein neues tiefeß Minimum liegt heute vor den Hebriden und erstreckt sich von ihm auß eine Furche niederen Druckes über daß Nord- und Oftseegebiet, sowie über Polen biß zum schwarzen Meer. Dieselbe trennt zwei Maxima, von denen eine den Nordofteu deß Erdtheilß bedeckt, daß zweite über dem westlichen Theile deß Mittel- meergebieteß lagert. In Central-Europa ist der Luftdruck etwaß gestiegen. Die Temperaturen lagen am Morgen an den Hochstationen um etwas höher als gestern. Im Flach­lande waren sie gesunken, doch zeigen sie unter TagS eine starke Zunahme. Voraussichtliche Witterung: Vorübergehend etwa- bessere- Wetter, dann wieder Zunahme der Bewölkung.

MW. Reichelsheim, 24. März. Welche Vortheile einer Gegend erwachsen und welcher Umschwung in Bezug auf Grundeigenthum, dessen Werth und Ausnutzung entsteht, wenn eine Eisenbahn durch eine solche Gegend geführt wird, hat die gestern Nachmittag tiorgenommene Versteigerung eineß Steinbrucheß in unserer Nähe bewiesen. Der Bruch, dem Staate gehörig, ist seit einer Reihe von Jahren verlassen, weil die Tranßportverhältuisse schlecht waren. Damalß hätte ihn Jemand für 140 Mk. kaufen können. Gestern kam er auf 1940 Mk. Ein anderer Bruch erzielte 2350 Mk. Durch die neue Bahnlinie können die Basalte (Chaussee- und Pflaster­steine) weit versandt werden. Die Käufer kommen aus ihre Rechnung und der Güterverkehr wird belebt.

W. Aus der Wetteran, 24. März. verdient er­wähnt zu werden, daß die Hundertjahrfeier zum An­denken au Kaiser Wilhelms I. Geburtstag bis ins kleinste Wetterauer Dörfchen herab in würdiger, den Mitteln und Verhältnissen der Orte entsprechenden Weise begangen worden ist.

-m- Rommelhanfe», 24. März. In wenigen Jahren hat sich unser kleines Dorf durch seine guten Thon- roaaren einen erfreulichen Ruf erworben. Noch ist unsere Saison nicht ganz herangekommen, da erhält unsere Industrie einen starken Aufschwung durch den heftigen Sturm ia voriger Woche, der huuderttausende von Ziegeln zur Erde jagte. Diese müssen nun ersetzt werden, von allen Seiten zogen Fuhrwerke heran und die Ziegeln stiegen rasch von 17 Mk. auf 26 Mk. per Tausend. Des Einen Noth ist bei Anderen Brot, sagt ein alteß Sprüchwort und, wennß stark hagelt, bekommen die Glaser zu thun. Sodann beginnt jetzt bei uns das Geschäft in Blumentöpfen, wozu die zahlreichen Thongruben in unserer Gemarkung vortreffliches Material liefern. Nachdem jetzt zweifellos festfteht, daß die Bahn von Stockheim nach Frankfurt gebaut wird, wir aber nahe an dieser Linie liegen, steht unserer Thon-Industrie eine schöne Zukunft bevor.

A EckardSborn, 20 März. Bon dem Abendzug, der von Gedern kam, wurden in der Nähe unseres Dorfes einer, jungen Manne von hier, dem Sohn einer Wittwe, beide Beine abgefahren. Seit Jahresfrist ist dies der zweite Fall, der fich fast an derselben Stelle ereignete.

-u. Alsfeld, 23. März. In unserer Stadt haben die Festlichkeiten anläßlich der Hundertjahrfeier unter all­gemeiner Betheiligung Seitens der Bürgerschaft einen recht befriedigenden Verlauf genommen. Den Mittelpunkt der- selben bildete ein solenner Commers am Sonntag Abend. Eröffnet wurde derselbe von Herrn KreiSrath Dr. Melior mit einer kernigen Ansprache, in der derselbe die zahlreich erschienenen Festtheilnehrner begrüßte. Nach kurzem Rück­blick auf die Lebenszeit und die Großthaten Kaiser Wilhelms I. gedachte Redner der Fürsten, in deren Hände die Vorsehung dermalen die Geschicke beß Reiches unb beß engeren Cater- lanbeß gelegt, beß Kaiserß Wilhelm II. unb unfereß Groß- herzogß Ernst Ludwig und schloß mit einem begeistert auf­genommenen Hoch auf Kaiser und Großherzog, worauf die Festverfammlung die Nationalhymne stehend sang. Die Fest­rede, deren Gedankentiefe und packende Wirkung die Zuhörer­schaft fesselte, wurde von Herrn Pfarrverwalter Roreil gehalten. Seine Außführungen, die baß Leben, baß Ringen, Kämpfen unb Siegen unseres Heldenkaisers in bewegten, markigen Worten schilderten, hinterließen einen tiefen Ein­druck. Redner brachte ein Hoch auf baß beutsche Reich auß, baß brausenden Widerhall fand. Herr Realschuldirector Dr. Jakobi feierte den Fürsten Bilmarck all den Bau­meister der deutschen Einheit, dessen heute in taufenden und abertaufenben Festverfammlungen gedacht würde unb ließ feinen Toast in ein Hoch auf ben Fürsten außtltngen, in baß bie Anwesenden begeistert einstimmten. Ein zur Auf­führung gelangteß, von glühender Vaterlandsliebe getragenes Festspiel, die Vorträge der Gesangvereine sowie sonstige dilettantische Darbietungen trugen zur Verherrlichung deS Abends bei. Am SamStag Abend hatte bereits ein Zapfen- ireich mit Fackelzug die Festlichkeiten eingeleitet und Sonntag Morgen wurde ein Festgotteßdienst abgehalten. Montag- anden Schulfeiern statt.

F. Darmstadt. 22. März. Infolge des am 26. December v. I. ergangenen Aufrufs aus Säkkingen, der heiteren Stadt >es heiligen Fridolin, dem durch seinenTrompeter von Säkkingen" bekannt gewordenen gottbegnadeten Dichter I. B. v. Scheffel ein Denkmal zu errichten, ist fast auS allen Landeßtheilen des Großherzogthumß mit aufrichtiger Freude entsprochen worden. AIS alter Bekannter unb Ver­ehrer beß Verschiedenen, ber das Glück hatte, benselben be­reits im Jahre 1849 persönlich zu Auerbach a. d. B. kennen zu lernen, hat baß Comitv in Säkkingen wegen Erstellung eineß Scheffel-Denkmals ben Einsenber dieses Berichts ersucht, an dem Werke mitzubauen. AuS Anlaß der ihm von frort ^gegangenen zehn Exemplare beß Ausrufß wandte er fich zunächst an die Vorsitzenden ber Außschüffe ber Akabemischen Anstalten beß Lanbeß, an Korporationen, Vereine unb Einzel- lersonen. In ben letzten Tagen nun würben unß von de« Rechner in biefer Angelegenheit, einem Ersuchen dec Bor- itzenben beß stubentischen Ausschusses der ©tubirenben ber Technischen Hochschule bahier entsprechenb, burch Herrn atud. ehern. Wimrnenauer als Gabe für baß zu erstellende Denk mal bie eingegangenen Beträge von Mk. 426.50 eingehändigt, >ie sofort bei dem Kaiserlichen Postamte I dahier zur Be­orderung an den Rechner deß Comitäß in Säkkingen, Herrn Broglie, Besitzer beß GasthofeßZum Schützen" eingezahlt wurden. Daß Comite hat nunmehr unter Beischluß der Quittung über jene Gabe ben Einsenber dieseß, Gr. Diftrictß einnehmer Fuchs dahier, ersucht, ben Dank beß Comiteö den Herren Studirenden der Technischen Hochschule auszusprechen und das weitere Ersuchen an unß gerichtet, wie bisher auck ernerhiu für den genannten Zweck noch zu wirken, bamit )ie Einweihung des Denkmals noch im Lause de- Jahre» erfolgen könne. Wie bekannt, ist nächst demTrompeter von Säkkingen" daßGaudeamnß" da- verbreitetste vo* Scheffelß Werken, von dem der Dichter sehr wohl empfand, daß gerade dieseß Buch mit demjugendtollen Schwung seiner Lyrik", wie er sagt, manche ernsthafte Leser etwaß befremdet önne, unb hat daher demselben eine Widmung voran gestellt, welche mit den Worten schließt:

Wer Spaß versteht, wird manchmal kräftigst lachen,

Und wen manch' Lied schier allzudurstig taucht, Der tröste sich: 's war anders nicht zu machen, Der Genius Loci Heidelbergs ist feucht!

Daß Buch enthält bekanntlich Lieder aui demEngeren und Weiteren", die deß Orte- Genius dem Dichter einge­geben, sagt er doch selbst:

WaS er mich lehrte, bracht ich in den Engem, Wo eine treuberoäbrte FreundeSschaar

Den Mittwoch in ben Donnerstag zu 1 Lugern Bei golb'nem Rheinwein oft beflissen mar."

DerEngere" war eine bestimmte Heidelberger Gesell- chaft, welche eine Dauer von 25 Jahren gehabt hat.