Ausgabe 
25.8.1897 Erstes Blatt
 
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ersehen habe, daß diese nur den Interessen der Tschechen dienen. Er werde sich deshalb an den weiteren Arbeiten nicht betheiligen.

Asch, 23. August. Trotzdem hier Über 30000 Fremde eingetroffen find und weder hier noch au der bayrischen Grenze Versammlungen geduldet wurden, verlief der gestrige Tag ziemlich ruhig. Erst gegen Abend, alS der Bezirks« Hauptmann telephonisch Militär aus Eger berief, nahm die Situation einen bedrohlichen Character an. Nur dem tact- vollen Auftreten der Offiziere ist es zu danken, daß es zu keinen ernsten Zusammenstößen kam.

Budapest. 23. August. 16000 Maurer find sammt den Hilfsarbeitern heute Vormittag in den Strike ein­getreten. ES wird behauptet, die Strikenden würden im Geheimen von den Ziegelwerkbefitzern unterstützt.

Bern, 23. August. Im Feythale stürzte ein Tourist Namens Grettz, der von seinem 22jährigen Sohne begleitet war, beim Edelweißsuchen ab und blieb tobt.

No«, 23. August. Gestern, an seinem Namenstage, empfing der Papst die Eardinäle, Bischöfe und Vertreter katholischer Vereine. DaS Aussehen des Papstes ist ein sehr gute».

Part», 23. August. Der Prager Bürgermeister sandte an den ehemaligen Lhef der Patriotenliga telegraphisch Glückwünsche zur neuerlichen Befestigung der franco- ruffischen Union.

London, 23. August. Gestern fand auf Trafalgar Square da» längst angekündigte Meeting gegen die Wieder­herstellung der Institution statt. DaS Meeting hatte keinen anarchistischen Eharacter und anarchistische Redner traten nicht auf. Die Versammlung war übrigen» schon vor der Ermordung CanovaS angekündigt und gestattet worden. Zur Verlesung kamen ärztliche Atteste, welche die Greuel- thaten in Montjuich vollauf bestätigten. Alle politische Par­teien de» vereinigten Königreichs waren vertreten. Die Ordnung wurde nicht gestört.

Petersburg, 23. August. Präfident Faure ist heute vormittag IV/t Uhr auf der Rhede von Kronstadt ein­getroffen.

Moskau, 23. August. Der nächste internationale Aerzte-Eongreß findet im Jahre 1900 in Paris statt.

Konstantinopel. 23. August. Bei einer Haussuchung in Pera fand die Polizei mehrere Bomben. Zwei ver- dächtige Armenier wurden verhaftet.

Paris, 24. August. Die Blätter veröffentlichen schwung­volle Festartikel über den gestrigen Empfang des Präfi- denten Faure in Peterhof. Die offlcöse Preffe erwähnt die VortheÜe, welche auS der franco-rufftschen Allianz für Frankreich erwachsen und betont besonders, daß der euro­päische Friede durch daS augenblickliche Ereigniß wesentlich gestärkt werde.

Petersburg, 24. August. Nach dem Empfang auf der Alexandria", bei welchem sich der Zar und Präsident Faure zweimal küßten, fuhr die Macht nach Peterhof, wo die Großfürstin zur Begrüßung erschienen war. Faure stattete alsdann der Zarin einen Besuch ab und begab sich hierauf nach dem großen PalaiS zum Frühstück, nach deffen Be­endigung er die Großfürstin besuchte. Abends fand großes Galadiner statt, bei welchem der Zar einen längeren Toast in französischer Sprache ausbrachte. Er erinnerte an den vorjährigen Besuch in Frankreich und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Aufenthalt deS Präsidenten in Petersburg die Bande der Freundschaft und der tiefen Sympathie nur noch enger werde knüpfen können, welche Frankreich und Rußland vereinen. Der Zar schloß mit den Worten:Ich trinke auf Ihre Gesundheit, Herr Präsident, und auf die Wohlfahrt Frankreichs." Präfident Faure betonte in seiner Erwiderung, daß er den tiefen Gefühlen der ganzen franzö­sischen Nation entsprechend nach Petersburg gekommen sei, um die so mächtigen Bande zu bekräftigen und noch enger zu knüpfen, welche Rußland und Frankreich verbinden. Das Herz der beiden Völker schlage In dem Gedanken der gegen­seitigen Treue und deS Friedens. Faure trank alsdann auf die Gesundheit des Zaren und der Zarin.

Coc*U» nnö provinziellem

Gieße«, den 24. August.

* * Militardieustnachrichteu. Rud eloff, Pr.-Lt. vom Inf. Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, vom Lommando bei der Unterosfizierschule in Potsdam entbunden. Frhr. v. Brandts, Sec.-Lt. vom Jnf.-Rcgt. Kaiser Wil- Wilhelm (2. Großh. Hrff.) Nr. 116, als Comp.«Offizier zur Unteroffizierschule in Marienwerder, Hamm ann, Sec Lt. vom 6. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168, al» Eomp.-Offizirr zur Unteroffizier-Borschule in Wohlan vom 1. October d. I. ab commandirt.

Schuldienst-Nachrichten. Am 28. Juli wurden den Schullehrern Wilhelm Gunschmann zu Hungen und Wil­helm Guhot zu Nieder-Jngelheim Lehrerstellen an der Ge- «etndeschule zu Pfungstadt, Kreis Darmstadt, am 31. Juli wurde dem Schullehrer Earl Lantelme zu Affolterbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Weiter­stadt, Kreis Darmstadt, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Franz Joseph Burtschell zu Jügesheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lengfeld, Kreis Dieburg, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Adam Roh- wann zu EberSheim eine Lehrerstelle an der Gemeindrschule zu Weisenau, Kreis Mainz, übertragen.

* Erledigte Lehrerstellen. Erledigt find: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rtnderbügen, KreiS Büdingen, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Herrn Fürsten zu Usen- bürg und Büdingen in Büdingen steht daS Präsentations­recht zu derselben zu. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeiudeschule zu Rainrod,

KreiS Schotten, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organisten- und Lectorendienst verbunden. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Abenheim, KreiS WormS, mit einem nach dem Dienstalter sich bemeffenden jährlichen Ge­halte von 9001000 Mk. Mit der Stelle kann Organisteu- dieust verbunden werden. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu EberS­heim, KreiS Mainz, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk.

ParlameutarifcheS. Die Abgg. Erk und Genoffen haben bei der Zweiten Kammer den Antrag eingebracht: Großh. Regierung zu ersuchen, genügtest da» Erforderliche veranlaffen zu wollen, daß vom 1. April d. I. ab den Ge­meinden, deren Gemarkungen von den Linien der Ober- hessischen StaatSeisenbahnen berührt werden, die vor der Ver­staatlichung derselben von der vormaligen Oberhesfischen Eisenbahugesellschaft gezahlten oder zu zahlenden Lommuoal- Umlagebeiträge bis auf Weitere» Seiten» des Staate» ver­gütet werden.

Für die SchwurgerichtSverhaudlunge» deS dritten Quartals 1897, welche Montag den 27. September, Vor­mittags 9 Uhr, ihren Anfang nehmen sollen, sind lt.Darmst. Tägl. Anz." zu Vorsitzenden ernannt worden: Für daS Land­gericht der Provinz Starkenburg in Darmstadt Herr Land- gerichtSrath Tasche, für da» Landgericht der Provinz Ober- heffen in Gießen Herr LandgerichtSrath Wehner, für da» Landgericht der Provinz Rheinhessen in Mainz Herr Land- gerichtSrath Reundörfer.

* Süddeutsches Rauuer-Sextett. Da» gestrige C o n c e r t hatte das gehalten, was versprochen war, wenigsten» von Seiten der Sänger, an Zuhörern hätte der Stein'sche Saal wesentlich mehr fassen können. ES wurde flott gesungen und alles Gebotene kam tadellos zu Gehör, sodaß kein Wunsch unbefriedigt blieb. ES ist denn auch nicht mit Beifall gegeizt worden, dankbar war daS Publikum, dankbar die Sänger, denn fast zu jeder Programmnummer wurde eine Zugabe stürmisch verlangt und diesem Verlangen entsprochen.

* Schützenfest. Unter starker Betheiligung hiesiger und auswärtiger Schützen wurde das Schießen mit nur kurzer Unterbrechung während des ganzen Tage» fortgesetzt und die sehr werthvollen Preise steigerten das Interesse immer mehr. Unter den während der Festtage im Saale de» Schützenhauses ausgestellten Preisen befanden sich als erste: Auf Entfernung von 300 Meter eine prachtvolle Ständerlampe, ein echt silbernes Besteck in Etui, ein Oelgemälde der Stadt Gießen rc; auf Entfernung von 175 Meter: ein versilberter Tafelaufsatz: ein Regulator, eine Weinkanne rc.- auf Entfernung von 100 Meter: ein ver­silbertes Kaffeeservice, eine Bowle, ein Tafelgedeck mit einem Dutzend Servietten - für Wildstandscheibe: eine Ebenholz­säule mit Aufsatz, ein Barometer und viele andere Gebrauchs« und Luxusgegenstände. Gegen 7 Uhr war das Schießen be­endet und nach Feststellung der Sieger hielt Herr Ober­schützenmeister Brück eine kurze Ansprache an die Betheiligten, diesen den Dank deS Vereins aussprechend und schloß mit dem Wunsche an die auswärtigen Schützen, diese auch bei späteren Festlichkeiten wieder hier begrüßen zu können. Herr Horn vom Schützenverein Frankfurt a. M. dankte für die freundliche Einladung und den herzlichen Empfang feiten» des hiesigen Vereins, der e» verstehe, seinem Ruf durch Wärme Nachdruck zu geben, daß man nicht anders könne, als die Gießener Einladung vielen anderen vorzuziehen. Sein Hoch galt dem Gießener Schützen-Verein. Die Preis-Vertheilung ergab folgendes Resultat: Stand­scheibe auf 300 Meter: 1. Preis Horn-Frankfurt a. M., 49 Ringe, 2. Helm-Gießen, 48 Ringe, 3. Kopp-Offenbach, 47 Ringe, 4. Wigandt Gießen, 5. Berger-Gießen, 6. Möhl- Gießen, 7. Dickorö- Gießen, 8. Blattner-Frankfurt a. M., 9. Herzhäuser-Marburg, 10. Dickorö-Gießen, 11. Salwah- Offenbach, 12. Brück-Gießen, 13. Kilbinger-Gießen, 14. Becker- Gießen, 15. Ferber-Offenbach. Standscheibe auf 175 Meter: 1. Preis Salway-Offenbach, 54 Ringe, 2. Möhl-Gießen, 54 Ringe, 3. Kopp-Offenbach, 54 Rtnge, 4. Horn«Frank­furt a. M., 53 Ringe, 5. Dickorü-Gießen, 6. Wigandt-Gießen, 7. Ferber-Offenbach, 8. Dickorö-Gießen, 9. Helm-Gießen, 10. Noll Gießen, 11. Blattner-Frankfurt a. M., 12. Jochem- Laubach , 13. Kilbinger-Gießen, 14. Nicolaus - Gießen, 15. Lauer-Marburg, 16. Herzhäuser-Marburg. Standscheibe auf 100 Meter: 1. Preis Horn-Frankfurt a. M., 34 Ringe, 2. Ritter-Laubach, 33 Ringe, 3. Dickorö Gießen, 33 Ringe, 4. Dickorö-Gießen, 5. EnderS-Lanbach, 6. Wielerzel-Wetzlar, 7. NicolauS-Gießen, 8. Köster-Marburg, 9. Zimmer-Grün- berg, 10. Nicolai-Laubach, 11. Sommermann«Marburg, 12. Brück-Gießen, 13. Herzhäuser-Marburg, 14. Staubesand- Marburg, 15. Schenk-Marburg, 16. Kilbinger-Gießen. Schießen auf laufendes Wild: 1. Preis Kilbinger-Gießen, 2. Brück Gießen, 3. Burk Gießen, 4. Abrie Gießen, 5.,Wigandt- Gießen, 6. Dlckorö-Gießen, 7. Horn-Frankfurt a. M. 8. Rüb- samen-Gießen.

Befitzwechfel. Die Weißbecker'sche Besitzung am Selterßweg ging durch Kauf für den Preis von 105,000 Mk. an Herrn Christoph Bieker über. Dem Vernehmen nach beabsichtigt ein auswärtiger Bauunternehmer da» Grundstück zu bebauen.

Centeuarmedaille. Die köntgl. General - Ordens- commisfion in Berlin hat dem Verband deutscher Krieg»- Veteranen in Leipzig auf Anfrage mitgetheilt, daß auch den Veteranen der Kriege 1864, 1866 und 1870/71 die zur Erinnerung an die Centenarfeier gestiftete Medaille verliehen wird. Die osficiellen Bekanntmachungen Über Aushändigung dieser Medaillen stehen noch zu erwarten.

Sonntagsruhe im Postdienst. Für die vom Reichstag beschlossene Resolution, wonach die Annahme und Bestellung gewöhnlicher Postpackete an Sonn- und Feiertagen auf Eil­sendungen beschränkt werden solle, hat sich keine einzige Handelskammer unbedingt ausgesprochen. Eine große Anzahl von Handel»- und Gewerbekammern hat sich dagegen für die

Verlegung der Poftschalterstunden zur Annahme von Packete» erklärt und zwar soll der Nachmittagsdienst an den Sonn- und Feiertagen, abgesehen von dem Frühdienst von acht bi» neun Uhr, auf die Zeit nach dem BormittagS-Gotte-dienst, also etwa zwischen elf und ein Uhr, beschränkt werden. Dieser Vorschlag unterliegt gegenwärtig der Erwägung der Post- verwaltung und hat die größte Aussicht, verwirklicht za werden.

Kaiserparade. Die vom Generalcornrnando deS elften ArrneecorpS erlassenen Bestimmungen Über die Kaiser- parade werden den Hessischen Kriegervereinen Ende bet MooatS burch die Parole zugehen. Einstweilen diene Folgen­des zur Nachricht: DaS Paradefeld befindet fich 4 Kliometer südöstlich von Homburg, zwischen den Ortschaften Nieder- EschbachHathetm und Ober-ErlenbachMassenheim. Das­selbe ist gerade nur für die Aufstellung und Bewegung der Truppen ausreichend, da deren Zahl diesmal eine weit größere^ als früher. Die ursprüngliche Absicht, die Kriegervereioe auf dem Paradeseld selbst aufzustellen, kann daher beim besten Willen nicht auSgeführt werden. Um den Kriegern nun die Möglichkeit zu geben, den Allerhöchsten Kriegsherrn zu sehen und zu begrüßen, soll ihre Aufstellung an dem Wege er­folgen, den @e. Majestät bei Rückkehr von der Parade nach Homburg nimmt. Dieser Weg führt vom Paradefeld quer über die dicht daran herzieheude Straße Ober-Erlenbach Nieder-Eschbach, dann weiter quer überS Feld bi» zur Straße Oder-ErlenbachOber-Eschbach. Die Hessischen Vereine stehe» auf der Nordseite deS Weges, diesen entlang, neben einander in einer Reihe von 3 Gliedern, der linke Flügel dicht am Paradefeld. Neben ihnen recht» Regierungsbezirk Cassel, dann Bezirk Wetzlar, gegenüber Regierungsbezirk Wiesbaden. Den Vereinen stehen zum Abmarsch dorthin folgende Straßen frei: Straße Ober-EschbachOber-Erlenbach, Boname» Nieder - EschbachOber - Eschbach, Nieder - ErlenbachOber- Erlenbach, jedoch erst von 1030 ab, da vorher die Truppen pasfireo. Die Aufstellung an Ort und Stelle findet um 1130 statt. Den Weisungen der Gendarmerie ist genau Folge zu leisten, das Hasfia- mit den Ehrenzeichen aus der Brust zu tragen- Anzug nach Möglichkeit dunkel erwünscht, ebenso ein niederer Hut ober bie BereinSmÜtze. Die Verein-- Vorsteher führen die Kameraden geschlossen an den Auf- stellungSplatz heran, woselbst sie Präfidialmltglieder zur AuS- kunftSertheilung und weiteren Anordnung finden werden. MilitärbilletS werden nicht ausgegeben- Fahrpreisermäßigung, welche bei einigen Sonderzügeu stattfindet, ist vorher bet den heimischen Bahuverwattungen zu erfragen.

Kaifermanover. An den Paraden und Manövern nehmen Theil: Offiziere der deutschen Bundesstaaten: Für Bayern: Generalmajor Frhr. Reichliog v. Meldegg, Mili­tärbevollmächtigter- für Sachsen: Oberst Graf Vitzthum von Eckstädt, Flügeladjutant und Militär bevollmächtigter - für Württemberg: Generalmajor Frhr. v. Walter, Militärbevoll- mächtigter. Fremde Militärattachv»: Amerika: General­major Nelson A. MileS, Befehlshaber der Armee der Ber­einigten Staaten- Argentinien: Oberstlieutenant der Artillerie Juan A. DncloS- Frankreich: Oberstlieutenant Graf de Foucauld- Großbritannien: Oberstlieutenant Grierfon- Japan: Oberstlieutenant Tanmra- Italien: Oberst Prudente- Oester­reich: Major Fürst von Schönburg-Hartenstein- Rumänien: Major Avereson- Rußland: Oberstlieutenant Prinz Enga- litscheff: Schweden: Major Rustad: Spanien- Oberst Rein- stein de Sequera- Türkei: Oberstlieutenant Lamy Bay. Al- Führer der fremdherrlichen Offiziere: Major Eben vom Husaren-Regiment Landgraf Friedrich II. von Hessen-Hom­burg (2. Hess.) Nr. 14, Rittmeister Frhr. v. Kraue vom Kürassier-Regiment 4, Premierlieutenant v. Kuehne vom Westfälischen Ulaneu-Regiment Nr. 5. Als Schiedsrichter: Oberschiedsrichter der Kaiser. An den Tagen, an welchen der Kaiser selbst die Führung übernehmen will, sungirt Prinz Albrecht von Preußen, Generalinspector der ersten Armee-Jnspection, al» solcher. In den Tagen vom 10. bt» 12. September werden einzelne Strecken der Eisenbahn- DirectionSbezirke Frankfurt und Kassel dermaßen mit Militär­zügen belegt fein, daß sehr wahrscheinlich der Güterverkehr theilweise eingestellt werden muß. Andernfalls ist eS kaum denkbar, die 60- bis 70,000 Mann prompt befördern zt» können. In Kassel werden umfassende Vorbereitungen ge­troffen. Die am Güterbahnhof gelegene Militärrampe ist bereits in Stand gesetzt worden, so baß der TruppentranS- Port den Verkehr im Bahnhof nicht im Geringsten beeinflußt. Ein coloffaleS Wagenmaterial steht zur Verfügung- Güter- zugSmaschinen in großer Zahl sind zum Transport bet schweren, langen Militärzüge bereit. Dem vernehmen nach sollen, um dieKriegSbilder" der Wirklichkeit näher zu bringen, einzelne Züge mit Militär, Fahrzeugen rc. auf den primitivsten Stellen aus- bezw. eingeschifft werden, beispiels­weise mitten auf freier Strecke, von wo aus bann nach schnellstem Entladen die Truppen sofort In den Kampf ein- greifen sollen.

Gewerbliche Genossenschaften. Da» Großh. Ministe­rium de» Innern hat an die Centralstelle de» LandeSgewerbe- veretn» eine Verfügung erlassen, in welcher die Gründung gewerblicher Genoffenfchaften angeregt wirb. Der aufgestellte Gesetzentwurf steht u. A. eine zweckentsprechende Benutzung der bereit» bestehenden, aber vorzugsweise von der Landwirthschaft benutzten LandeScreditkasse vor. Ferner wird zur Hebung und Förderung de» Kleingewerbe» der Zusammenschluß der OrtSgewerbevereine zu Gauvereinen, die Abhaltung regelmäßiger Wanderversammlungen zur Erörte­rung allgemeiner gewerblicher Fragen und Interessen, die ceotraltfirte Organisation de» LehrlingSwesenS, Gründung von Genofleoschaftev, insbesondere von Vorschußvereinen, nach dem Muster des Ralssetsen'schen landw-rthschastlichen Institut» in Erwägung gezogen. Beim genossenschaftlichen Zusammen­schluß geht man davon auS, daß ein Anschluß de» Handwerk» an die Erwerbs« und WlrthschaftSgenoffenschaften der Land- wtrthschast nicht ungünstig ist. (Sine Genossenschaft, die al» Ausgleichstelle der verschiedenen Gewerbe gedacht wird, würbe