Die voo ben Admirale» eingesetzte militärische Justiz. Commission bestehl au» dem Franzosen vau den Brock al» Borfitzeodeu sowie je einem Russen, Deutschen, Italiener, Engländer und Oefterretcher alS Mitgliedern. Dschewad Pascha hat e» unterlassen, auch einen türkischen Offizier für die Commission zu defigntrev. In einer Bekanntmachung der Admirale wird ausgeführt, die außergewöhnliche Lage und der Mangel einer Justizbehörde, die im Stande wäre, Atten- täte gegen die internationalen Truppen za unterdrücken, hätte die Einsetzung der militärischen Justtzcommissson erforderlich gemacht.
Prätoria, 21. August. Der BolkSraad bewilligte 150,000 Pfund Sterling zur Unterstützung der Pächter, welche durch die Rinderpest Verluste erlitten haben.
kaufte
Aolff» telegraphisches Eorrefpondenz-Bure«.
Rom, 22. August. Anläßlich des heutigen Joachims- tage« empfing der Papst in seiner Privatbibliothek fünf« zehn Cardiuäle, zahlreiche Bischöfe, Prälaten und Depu- tationen katholischer Gesellschaften, mit denen er fich sämmt- lich unterhielt. Der Papst befragte dabei mehrere Cardinäle über die Werke und die Kundgebungen der Katholiken in den verschiedenen Ländern und erkundigte fich insbesondere bei dem Cardinal Steinhuber über die Cantfiusfeier in der Schweiz und in Deutschland. Die Unterredung dauerte über eine Stunde- alsdann zogen die Cardinäle bei dem Papste, dessen ausgezeichnete» Aussehen, lebhafte Sprachweise und vorzügliches Gedächtniß Alle in Erstaunen setzte, vorüber und brachten ihm ihre Huldigungen dar.
Depesche» des Bure« »Herold.*
Berlin, 22. August. Dem Eolonia'lrath werden bei seinem demnächstigen Zusammentritt eingehende Mit- rheilungen über da» noch geheim gehaltene Uebereinkommen zwischen Deutschland und Frankreich betreffs Togo gemacht werden.
Kält», 22. August. Heute früh 8 Uhr traf mittelst SonderzugeS von London kommend der König von Siam mit Gefolge hier ein.
München, 22. August. Auf der Linie Salzburg- München stieß gestern Nachmittag tu Freilassing der von Salzburg nach Reichenhall abgehende Personenzug mit dem von München kommenden Schnellzuge zusammen. Bier Waggons wurden zertrümmert. Mehrere Personen wurden getödtet und einige schwer verletzt, verschiedene andere wurden verwundet. Die Bremsen des Münchener Schnellzuges sollen versagt haben.
«sch, 22. August. In der Stadt herrscht wegen deö Verbots de- Volk-tageS, sowie wegen des massenhaften GenSdarmerie-Aufgebot» große Aufregung. Der Bürger- meister protestirte vergeblich telegraphisch beim Minister- Präsidenten. Den GenSdarmen wurde jede Unterkunft verweigert. ES werden Ausschreitungen befürchtet.
Budapest, 22. August. Da» Programm für den Empfang und die Festlichkeiten zu Ehren deS Deutschen Kaisers wird in einer nächste Woche stattfindenden Gemeinde- rathSfitzung festgestellt werden. Schoo jetzt find großartige Vorbereitungen im Gange.
Budapest, 22. August. Durch ein großes Feuer ist bte ganze Gemeinde BajbaSka vernichtet worden. 150Wohn Häuser wurden eingeäschert. Die bereits vollständig eingebrachte Ernte ist ebenfalls ein Raub der Flammen geworden.
Pari», 22. August. Aus Kronstadt wird gemeldet, daß da- französische Geschwader in Sicht sei.
Paris, 22. August. In der Nähe von Rouen entgleiste die Locomotive eines Expreßzuges und stürzte die Böschung hinab. Ein Wagen wurde vollständig zertrümmert. Ein Notar wurde getödtet, 15 Reisende und daS ganze Zugpersonal verwundet.
Schönebeck, 23. August. Am SamStag Abend entgleiste bei der Einfahrt ein Personenzug, wobei acht Personen leicht verletzt wurden.
Pilsen, 23. August. Jnsolge deS hier abgehaltenen Tokolfestes fanden den ganzen Tag über Znsammen- ftöße zwischen Tschechen und Deutschen statt. Abends nahmen dieselben einen derartig bedrohlichen Character an, daß Infanterie und Cavallerie von der blanken Waffe Gebrauch machen mußte. Drei Personen wurden durch Bajonnetstiche schwer verwundet. Eine Dame wurde von der Cavallerie überritten und lebensgefährlich verletzt. Ueber 50 Verhaftungen wurden vorgenowmen.
Asch, 23. August. Die ganze Stadt ist mit schwarz- roth-goldenen Fahnen beflaggt, auch bayerische und sächsische sind sichtbar. Die Burschen tragen Kornblumen. Der Extrazug von Eger brachte 2000 Festgäste, welche die »Wacht am Rhein" singend einzogen. 230 GenSdarmen find ebenfalls aogelangt. Mittag» kamen Tausende von Personen auS Eger, Bayern und Sachsen. Um 2 Uhr zogen 8000 Leute nach Wildnau an der bayerischen Grenze. Sie sammelten fich aus dem Marktplätze. Der Abgeordnete Schönerer hielt eine Rede vom Hotelfevster auS, worin er die Versammelten aufforderte, im Hinblick auf die Nähe der bayerischen Grenze bei der Rückkehr nach Asch jede Ungesetz, lichkeit zu vermeiden. Die Rückkehr verlief ruhig und e» erfolgte keine Störung.
. Coc*U» **6 provtwiicO«.
Dietzen, ben 23. August
♦♦ Kirchliche Dienstnachrichten. Ernannt wurden Pfarr. Verwalter Bickel Haupt zu Schöllenbach zum Verwalter der zweiten lutherischen Pfarrstelle zu Groß-Umstadt, Decanat Groß Umstadt (die Ernennung des PsarrverwalterS Stotz zu Beuern zum Verwalter dieser Stelle wurde zurück- genommen); Pfarrverwalter Schnellbächer zu Heppen
heim zum Verwalter der Pfarrstelle Schöllenbach Bullau, Decanat Erbach; Pfarramt-candidat Koch zu Sch-anheim zum Pfarrv^car tu Bischofsheim, Decanat Groß Gerau.
* • Schützenfest. Der gestrige erste Tag des Schützenfeste» nahm, nachdem fich die am Morgen herrschende trübe Witterung im Laufe des vormittags aufgeklärt hatte, einen ungestörten Verlauf. Die Betheiligung am Schießen war eine sehr rege, obwohl der herrschende Wind dasselbe stark beeinträchtigte. Heute Morgen 8 Uhr wurde daS Schießen fortgesetzt und der fich zeigende starke Wetteifer läßt hoffen, daß fich die hiesigen Schützen der zahlreichen auswärtigen Concurrenz gewachsen zeigen und die Palme des Sieges ntdjt entreißen lassen werden. Dir PreiSvertheilung findet heute Abend statt.
Ueberfahre«. Von einem Radfahrer wurde gestern Nachmittag am Asterweg ein 15jähriges Mädchen au» Wißmar überfahren. DaS Rad ging demselben längs über ben ganzen Körper und verletzte es derart, daß es ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und fich dann nach Wißmar fahren lassen mußte.
Diebstahlverfnch. Gestern Nachmittag zwischen 5 und 6 Uhr wurde in einer Mansarde am Neuenweg daS Zimmer des Dienstmädchens von einem Unbekannten mittelst Nachschlüssels geöffnet, der darin befindliche Koffer erbrochen und der Inhalt durchwühlt. Der Dieb haAe es offenbar auf Geld abgesehen, da er aber solche» im Koffer nicht vor fand, suchte er, ohne sonst etwas zu entwenden, da» Weite.
Schweine-TranSpart. Ein hiesiger Viehhändler brachte Ende der vorigen Woche einen Transport fetter Schweine auS Holstein an hiesige Metzoer zum Verkauf. Der größte Theil der Waare ist bereits im Schlachthause verarbeitet und find nach Auskunft der Käufer diese mit der hauptsächlich fleischreichen Waare sehr zufrieden, wenn auch der Preis, den sie dafür anlegten, nicht niedriger ist, als der jetzt in unserer Gegend übliche. Die Metzger veranlaßten jedoch daß mit derartigen ViehtranSporten für das Schlachthaus weitere Versuche gemacht werden.
Quartiere nufere» Regiment» während der bevorstehenden Manöver find wie folgt angeordnet: 26.-27. August: RegimentSftab Watzenborn, Stab des 1. Bataillon», Leib- und 4. Compagnie Steinbach, 2. Comp. Hausen, 3. Comp. Garbenteich, Stab des 2. Bataillons, 5., 6. und 7. Comp. Großen-Linden, 8. Comp. Leihgestern. 27.-28. August: 3. Bat. im Biwack, Regiment in Gießen. 28.—31 August: RegimentSftab Eberstadt, Stab ldes 1. Bat. und 2/s der 4. Comp. eben da, 2. und % der 4. Comp. Muschenheim, 3. Comp. Birklar, Stab des 2. Bat., 5., 7. und 8. Comp. Gambach, 6. Comp. Ober-Hörgern, 3. Bat. Lich. 31. August bis 1. September: Regimentsstab Griedel, 1. Bat. Butzvach, Stab des 2. Bat., 5., 7. und 8. Comp. Gambach, 6. Comp. Ober Hörgern. 1.-2. September: RegimentSftab, 1., 2. und 3. Bat. Friedberg. 2.-6. September: Regimentsstab Nieder Eschbach, Stab des 1. Bat., Leib- und 2. Comp. Ober- Eschbach, 3. und 4. Comp. Ober-Erlenbach, 2 Bat. Nieder- Eschbach, 3. Bai. Petterweil. Vom 6.—11. September find die Quartiere noch nicht bekannt.
* * Eine Mahnung, beim Hiueiuwerfeu von Briefen in die öffentlichen Briefkästen mit der nöthigen Sorgfalt zu verfahren, ergab eine Verhandlung am vorigen Freitag vor der ersten Ferienstrafkammer deS Berliner Landgerichts I. An einem Juni-Abende beobachtete ein Schutzmann einen jungen Menschen, der fich in auffälliger Weise an dem an der Ecke der Leipziger- und Charlottenstraße angebrachten Briefkasten zu schaffen machte. Als der Beamte sich davon überzeugt hatte, daß der Verdächtigte Briefe auS dem Kasten hervor- zog, schritt er zu dessen Sistirung. Es war der Lehrling Lorenz Friedrich, dem einige Briefe abgenommen wurden. Er räumte ein, schon wiederholt in ähnlicher Weise Briefkasten beraubt zu haben. ES wurde Anklage au» § 133 Str.-G.-B. gegen Friedrich erhoben. E» wird darnach Derjenige mit einer Gefängnißftrafe von nicht unter drei Monaten bestraft, welcher Schriftstücke, die fich in amtlichem Gewahrsam befinden, bei Seite schafft. Al» ein amtliches Gewahrsam wird ein öffentlicher Briefkasten angesehen. Der Angeklagte gab an, daß er die Erfahrung gemacht habe, daß manche Personen die Briefe nur so oberflächlich in den Kasten stecken, daß fie noch mit einer Ecke vor dem beweglichen Drahtgitter, welches innerhalb der Oeffnung angebracht ist, hervorragen. Er habe ferner bemerkt, daß fich dergleichen Briefe leicht wieder herausziehen lassen, und diese Nachlässig- keil des Publikums habe er fich zum Nutzen gemacht. ES sei ihm nur um die Briefmarken zu thun gewesen, für deren Erlö» er fich Naschereien kaufen wollte. Der Gerichtshof erkannte auf eine Gefättgmßstrafe von sechs Wochen.
* * Wetterbericht. Da» Centrum der nordwestlichen Depression schlägt zwar eine nordostwärts gerichtete Bahn ein, indessen beeinflussen Ausläufer, welche ihr in südlicher und südöstlicher Richtung vorgelagert find, bereit» die Witterung bi» nach Mitteldeutschland herein. DaS fecunbäre Minimum am Südfuße der Alpen hat sich auSgefüllt und find heute die Druckunterschiede zwischen dem Norden und Süden bedeutend geringer geworden. Der niedere Druck wird voranSfichtlich noch weiter an Einfluß gewinnen und neuerdings eine Verschlimmerung des Wetters bewirken. — Voraussichtliche Witterung : Im Norden fortdauernd trüb und Niederschläge, im Süden Besserung nur vorübergehend; dann gleichfalls Eintritt von schlechterem Wetter.
w. AuS bet Wetter«, 22. August. Wir find durch die Nachricht überrascht worben, baß der vierpfündige Leib Brot um 3 Pfg. aufgeschlagen und daß weiteres Steigen zu gewärtigen >st. Die Landwitthe haben habet die Genugthuung, baß die Fruchtpreise steigen. Mit dem Militär finden lebhafte Fouragegeschäfte statt; Heu wird mit 3 Mk. 20 Pfg. der Centn er bezahlt. — Die Bahnarbeiten auf den neuen Wetterauer Liinien müssen beschleunigt werden, darum suchen die Unternehmer gegen hundert Arbeiter um guten Lohn. — Gemüse, Klee, GrummetgraS und
Wurzelgewächse bessern fich, seit kräfttge Regengüsse ein» getroffen stad. — Gegenwärtig werden Mirabellen und Reineclauden zu kaufen gesucht, eS find aber wenige vorhanden. Beerenfrüchte find diesen Sommer fast ganz bei uns ausgeblieben.
u. Ulrichstein, 22. August. Vor einigen Jahren brachte Ihre Zeitung die Nachricht, daß der Steuerbezirk Ulrichstein, obgleich er einer der ärmsten im ganzen Lande ist, doch einer der besten zu fein pflegt, waS ba» Steuerzahlen anbelangt. Diesen Ruhm, der ein schöne» Zeugniß für die Bewohner und deren soliden, ordentlichen und pünktlichen Sion abaiot, hat fich der Bezirk auch im abgelaufenen Jahre 1896/97 zu erhalten gewußt, denn eS ist nur ein einziger Steuer- posten mit dem sehr geringen Geldbeträge von 2 Mk. 23 Pfg. uneinbringlich geworden, alle übrigen Steuerpoften wurden gtait erledigt.
^andwirthschaMtche Vmke unO Lathlchlütze
Die ländlichen Arbeiter. Aus ländlichen Kreisen wird der .Köln. Zig." geschrieben:
Grade während der Erntezeit wird es dem Landmann oft sehr schwer, die nöthigen Arbeiter zu finden, und seine «lagen über bte Abwanderung der Landarbeiter nach der Stadt und dem Industrie- beztrk sind ntcki unberechtigt. Der Grund hegt aber nicht in erster Linie darin, daß die Arbeiter der patriarchalischen Verhältnisse im Bauernhause müde geworden find und mehr Freiheit haben wollen. Das alte Lerhältntß »wischen Herrschaft und Gesinde ist auch auf dem Lande fast überall dahm, nicht nur weil das Gesinde tn dem Dienstherrn nickt mehr den Hausvater sehen mag, sondern ebensosehr, weil der Landmann fick mehr tn der Rolle eines Hausherrn als in der eines Hausvaters gefällt. Und mehr Ungebundenbeit als der Landarbeiter nach gelhaner Arbeit hat, herrscht auch in der Stadt und im Fabrikorte nicht. Der Grund der Abwanderung der länd- lieben Arbeiter liegt vielmehr darin, daß sie von dem, waS sie auf dem Lande verdienen, nickt leben können. So lange sie noch un- verheirathet sind, so lange der Dtenstkneckt, die Dienstmagd als Gesinde in fester Arbeit und Jahreslohn stehen und eben nicht wenig verdienen, geht die Sacke leicht. Das Gesinde bekommt «ost und Wohnung bei der Herrschaft und hat den Lobn für Kleidung und andere Ausgaben übrig. Aber verheirathet fich der Arbeiter, fo fängt in der Regel das Elend an. Die Frau f(beibet fast immer sofort aus dem Dienstverhältniß aus und wird nur gelegentlich, wenn alle vorhandenen Arbeitskräfte eingestellt werden müssen, y B. in der Ernte, gerufen. Auch der Mann muß aus dem Dienstverhältniß mit festem Arbeitslohn in der Regel bald weichen. Mancker Bauer sieht verheiratheteS Gesinde nicht gern. So wird aus dem Knecht ein Tagelöhner, und damit fängt das Elend an, denn der Tagelöhner hat nicht immer Arbeit. Immer mehr hat sick der Landmann genöthigt gesehen, die Maschine in seinen Dienst zu stellen. Wenn sie arbeitet, braucht sie freilich Bedienung, und bann findet auch der Tagelöhner lohnende Beschäftigung, aber sie arbeitet schnell und drängt die Arbeit, die fast ein ganzes Jahr vorhielt, auf wenige Tage und Wocken zusammen. Richt als ob nun der Tagelöhner für die übrige Zeit im Jahre arbeitslos wäre, bann müßte er mit feinet Familie verhungern, aber die ständige Arbeit fehlt ihm, es kommen zu viele Tage und Wochen, wo er Nichts zu thun hat und Nichts verdient, und er ist zu viel auf solche Arbeiten angewiesen, die nicht eben für den Wirthsckaftsbetrieb seines Bauern dringend nöthig sind, die dieser in guten Jahren machen läßt und in schleckten möglichst einsckränkt. Die Folge davon ist natürlich, daß des Tagelöhners Verdienst nur eben ausreickt, um die nothwendigsten Lebensbedürfnisse zu betriebigen. Für Ergänzung des Hausraths bleibt nur bei äußerster Sparsamkeit etwas übrig, ebenso ist die Neuamckassung von Kleidungsstücken eine Quelle steter Sorgen. Geht nun der Frau der Sinn für Sparsamkeit ab und trägt der Mann nickt jeden verdienten Groschen nach Hause, so verarmt und verlumpt die Familie, und wenn sie außerdem noch mit Kindern gesegnet ist, so betrachten die Bauern fie bald als eine solche, an die sie vielleicht noch einmal Armenunterstützung zahlen müssen, und sehen zu, daß nur ja die Familie nicht zwei Jahre an einem Orte wohnen bleibt, damit sie nicht beimatberechtigt werde. Solch eine Wandersamilie aber ist im Elend, und von hundert kommt kaum eine wieder aus demselben heraus. Solcke Verhältnisse hat der Landarbeiter von jung aus vor Augen, kein Wunder, wenn er in die Stadt oder den Jndustne- bezirk zieht, wo er ständige Arbeit und lohnenden Verdienst mindestens erhofft, oftmals findet und wenigstens Glück haben kann.
Das sicherste Mittel nun, die Lage der Landarbeiter zu bessern, ist, daß man sie seßhaft macht. Die Sehnsucht nach einem eigenen Heim, aus dem man nicht vertrieben werden kann, wohnt in einem jeden Menschen. Wer in die Stadt oder in den Fabrikort zieht, kommt selten zu einem eigenen Heim; kann der Arbeiter auf dem Lande dazu kommen, so hat er einen Vorzug vor seinen übrigen Gefährten, den auch sie einsehen können. Tie meisten Bauern und Gutsbesitzer, von den Kleinbauern natürlich abgesehen, haben Ländereien von geringerem Werthe, entweder weil sie zu abgelegen sind oder weil der Boden nicht so ertragfähig ist oder aus einem anderen Grunde. Aus diesem Lande werd in der Regel nicht viel gemacht, und der Besitzer ist nicht unschwer zu einem Verkaufe geneigt. Zur Ansiedelung einer Arbeiterfamilie wäre eine solche Land- parcelle grabe geeignet, weil sie billig losgeschlagen werben könnte. Etwas Geld gehört ja dazu, ein Stück Land zu kaufen rind ein HauS darauf zu bauen. Aber von dem Lohne, den der Tienstkneckt, die Dienstmagd bekommen und der nicht niedrig ist, läßt sich immerhin mit den Jahren ein Sümmchen ersparen, wenn nur der Wille gut ist. Mancher hat ja auch von den Eltern her em paar Hundert Mark oder ein gefälliger Freund hilft aus mit Anleihe oder Bürg- sckaft. Hat der Arbeiter fein eigenes Haus und feinen eigenen Acker, fo hat er selber einen Theil seines Brotkorns ober bas ganze und seine Kartoffeln, kann selber eine Kuh und ein Schwein halten und braucht nicht mehr Alles für den haaren Groschen zu kaufen, kann sogar mitunter etwas, ein Kalb oder ein Schwein oder ein paat fette Gänse oder einige Tonnen Kartoffeln aus der eigenen Wirthsckaft verkaufen. Er braucht nicht mehr so viel baares Geld, und wenn einmal sein Bauer keine Arbeit mehr für ihn bat, kann er auf feinem eigenen Grund und Boden arbeiten und ihn verbessern. Bei manchen Dörfern gibt es noch sandige Ländereien, Heidestrecken und ähnliches, die aber im Besitze fleißiger Arbeiter wobl etwas einbringen können. Dem Schreiber Dieses sind recht viele Fälle davon bekannt, daß Led- länbereien dadurch cultivirt wurden, daß man sie Arbeitern sür eine geringe Entschädigung überließ. Und beider ist gedient, der Bauer bat in den arbeitreichen Wochen des Jahres Arbeiter und der Arbeiter hat in der arbeitftiOen Zeit des Jahres etwas zu thun. Und wenn der Bauer seinem ersten Tagelöhner einmal mit einem Gespann ru Hilfe kommt, dem Bauer macht das wenig aus, der Arbeiter weiß es zu schätzen, dann kommt ein gegenseitiges gute» Berhältniß zwischen beiden zu Stande.
Natürlich muß die Zahl der Arbeiterheimstätten, welche auf diese Wesse entstehen, eine beschränkte fein, denn die Zahl der Grundstücke, die abgegeben werden kann, kann nicht ins Ungemessene steigen, und nicht lebet Arbeiter ist in der Lage, sich ein Stück Land zu kaufen und ein Haus zu bauen, weil Mittel dazu gehören, über die dock nur Wenige verfügen. Wer die Mittel nicht bat, dem kann dadurch geholfen werden, daß er einen Theil seines Lohnes m baarem Gelde ausbezahlt bekommt, einen Theil aber in Naturalien. Nock immer ist es in manchen Dörfern so, und wo es nicht ist, läßt es sick leicht einführen, daß jeder Landmann seine ständigen Tagelöhner hat, an die er sick in erster Linie wendet, wenn er Hilfe bedarf und die man ibm auch nicht wegntmmt. Für seine ständigen Tagelöhner sorgt der Bauer durck theilweise Naturallöhne. Fast jeder Bauer


