Ausgabe 
22.12.1897 Drittes Blatt
 
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bc6Q ihre» Gatten s. 3t die erste Anregung zu der Str loosuug geb, die zum Besten des LehrerheimS veranstaltet wurde. Wir hoffen, daß das gute Beispiel Nacheiferung finde und werden über weiter eingehende Beträge io diesem Blatte quittirev.

O Neittirche», 20. December. Aos der Weiche ent- gleisten nicht vier Pack« und Personenwagen, wie auS Ber- sehen gemeldet, sondern nur ein Pack und ein leerer Per­sonenwagen. Die beiden Wagen find hier verblieben.

4- Nidda, 21. December. In diesem Winter find die hier üblichen Hau-schlachtuogeu nicht so zahlreich, als in den letzten Jahren, weil bi« jetzt nur die dabei den meisten Bortheil ziehenden Viehzüchter, bezw. Landwirthe, ihre gemästeten Schweine schlachten, während andere Leute mit Rückficht auf die ziemlich hohen Preise der Fettschweine die sonst profitable Hausschlachtuug vorerst uaterlaffen.

8. Darmstadt, 18. December. Der Mittelrheiuische Architecten- und Ingenieur-Verein vereinigte sich heute unter dem Präsidium bi8 Herrn Geh. Oberbaurath Jmroth im Hauptgebäude der Technischen Hochschule zur 27. Hauptversammlung. Dem Verein gehören außer Mit­gliedern in Darmstadt solche in Mainz und Wiesbaden, wo Localvereine bestehen, und au« dem sonstigen Heffenlande an. Nach dem Geschäftsberichte zählt er jetzt 202 Mitglieder und ein Ehrenmitglied. Die Kaffeuverhältniffe find recht günstig- der Verwögevßbestavd ist 874 Mk. Der Voranschlag für 1898 gleicht sich in Einnahme und Ausgabe mit 1590 Mk. auS. Ob die Verbands-Mittheilongen (die letzthin 800 Mk. Kosten verursachten) weiter bezogen werden sollen, darüber soll die nächste Hauptversammlung in Mainz entscheiden. Die Versamm­lung stimmt einhellig einem Antrag deS Magdeburger Architecten- und Jngeuteur-Bereins an den verband zu, der fich gegen die Verleihung deS Titel«Eisenbahn Betriebs-Ingenieur" an mittlere Beamte mit Fachschulbildung, wie sie in Preußen beabsichtigt, auSspricht. Nachdem der Vorsitzende kurz über die letzte Berbands-Delegtrtenversammluug in Rothenburg ob der Tauber, wo er mit Herrn v. Weltzien den Verein vertrat, referirt hatte, wurden für die ausscheidenden Vor­standsmitglieder die Herren Baurath Hofmann, Beigeordneter Jäger, Baurath Koch, Geh. Oberbaurath v. Weltzien und Professor Wtckop als solche und Letzterer zum Vorsitzenden für 1898 gewählt. Sodann gab Herr v. Weltzien ein an- schaulicheS, Kunst und Geschichte gleichmäßig berücksichtigendes Bild der einstigen alt flandrischen Hauptstadt Upern mit ihren heutzutage noch vorhandenen vielen reizvollen Bauten.

Vabenhaufea, 18. December. Der 45jährtge unverhei- rathete Arbeiter Heinrich Wieland au« Klein-Ostheim stürzte im Dammer Walde beim Tannevzapfenbrechen von einem Baume und war sofort eine Leiche.

Frankfurt a. R , 19. December. ,T)te Kinder der Bühnet von Edgar Hoyer, deutsch von Emil Jona«, haben bet ihrer gestrigen Erstaufführung i« hiesigen Schau- sptelhause vielen Beifall erzielt, obgleich die eigentlichen Effecte wehr in einer bunten Reihe von Seenen wurzeln, die dem Schausptelerleben unmittelbar entnommen find. Die Darstellung, welche 21 Personen erfordert, war eine sehr flotte.

Da« älteste Mitglied de« Reichstage«, der Rentner und Weiugutßbefitzer zu Uerzig an der Mosel, Herr Ehrtsttan Dieben, der schon wiederholt AlterSpräfident gewesen ist, feierte am Freitag seinen 87. Geburtstag. Da« Eeutrum hatte ju« diesem Anlaß den Platz de« verehrten Fraktion«- genoffen mit einem prächtigen Blumenstrauß geschmückt.

Der neueste Weg zur Erreichung de« Nordpol«. Der verdienstvolle amerikanische Erforscher der arktischen Gebiete, Lieutenant Peary, traf dieser Tage in London ein. Der Zweck dieses Besuche« ist in erster Linie der, daß Pearh sich für seine für den Juli nächsten Jahres geplante Nordpol- Expedition ein paffende« Schiff verschaffen will. . . . Gegen Ende diese« Jahre« will er, wenn irgend möglich, wieder in New-York sein. Ueber di: Möglichkeit, den Nordpol zu erreichen, spricht er fich in folgender interessanter Weise au«: Ich halte eS für sehr möglich, den Nordpol zu erreichen, eS ist dies nur eine Frage der Zeit, Erfahrung und der vöthigen Geldmittel. Nansen hat Großes geleistet, und nach meiner Anficht erhellt e« au« seiner und der Jackson HarmS- worth'schen Expedition, welche letztere da« Ntchtvorhaoden- sein von Land inArkttsch-Tibirieu" feststellte, daß der Weg auf der anderen Seite, den ich zu nehmen gedenke, der einzig praktische ist, um bat Problem zu lösen. In den Bereinigten Staaten verlautete übrigen«, daß Sverdrup dasselbe Ziel im Auge hätte, ich bin jedoch fest davon überzeugt, daß die« nur ein leere« Gerücht ist. Wa« Andree anbetrifft, so habe ich niemals für das Gelingen seine« Planes auch nur Au»- fichten gesehen. Was seine persönliche Rettung aobetrifft, so ist diese nicht ganz ausgeschloffen. Wenn jedoch sein Ballon auf dem Meere heruvterkam, so find seine Aussichten aller­dings recht schlecht. Landete er aber erst jenseits auf Land oder Packeis, ist feine Lage nicht so bedenklich. Jedenfalls find die Aussichten eine« Erforscher« auf Erfolg jetzt bet den verbefferten Transportmethoden, sowie bei der leichteren Mit- nähme von Nahrungsmitteln ganz besonder« günstig. Ich selbst gedenke auf meiner bevorstehenden Reise für vier bt« fünf Jahre Lebensmittel mitzunehmen. Ich «erde, so weit al« möglich, mit meinem Schiff durchzukommeu suchen, und zwar an der Nord-Westküste von Grönland, wo ich mt meinen Eskimo- landen werde, um dann da« See-Eis mit Hunden und Schlitten in gerader Richtaog nach dem Pol

zn durchkreuze». Habe ich »ein Ziel glücklich erreicht, f« werde ich nicht länger säumen und sofort «eine Rückreise autreten.

An sehr tuterefsaute« «rmbaid hat der Kaiser seiner Gemahlin zu ihrem jüngsten Geburtstag zum Geschenk gemacht. E« besteht an« den aneinaodergereihten Miniatur-Bild- utsseu ihrer sieben Kinder, io der Mitte die kleine niedliche Prinzeifin Victoria Luise im Babyhut, umgeben von ihren beiden ältesten Brüdern, die gleich dem Prinzen Adalbert Lieutenant-uniform tragen. An dem Bildniß der kleinen Prinzeifin hängt al« achte« da« herzförmig gefaßte Porträt de« Kaiser». Die künstlerisch vollendeten und sehr ähnlichen Miniaturen siad von Ottilie Wigand-Wie-badeo auf Elfenbein gemalt. Jede« Bildniß ist von eine» Kranze Brillanten tu abgedeckter Fassung umrahmt, während palmettenarttg au«- gearbeitete Zwischentheile die Medaillon« mit einander ver­binden. Bet der geschmockoollen Faffnng de« Armbaude« find 253 Brillanten verwandt.

Berurlheilt. Da« Schwurgericht to Güstrow ver- urtheilte am 18. d M. den SchiffSzimmermann Heinrich Seebeck au« Hamburg zu 14 Monaten Gefängniß und den Schiffsjungen Hrch. Dankelmann au« Chemnitz za 15 Mo­naten Zuchthaus. Beide versuchten im Februar die im Hafen von Martinique liegende Rostocker Bark ^Elisabeth Ähren«" anzuzünden und später durch Anbohren zu versenken.

Citcrotur rsnd TCuttft.

Die (Herausgeber Felix Heinemann,

Berlin) beginnt mit dem Januar ein neue« Quartal, dessen Pro­gramm ganz hervorragende Beiträge verspricht, die gewiß find, da« Interesse weitester Kreise zu feffeln. Wir finden in Heft 14, dem ersten de« Quartal«, den Anfang von Adolf Wildrandt« neuem RomanVater Robinson". Wie alle Werke diese« berühmten Meister«, die stet« ein literarische« Ereigniß bilden, fchetnt der vor­liegende frsielnde Haltung, reise, hohe Weltanschauung und edle Sprache zu verbinden. Neben Wtlbrandt tritt der beliebte Paul Oskar Höcker, besten Roman un« auf den klassischen Boden Bayreuth« führt. Das bunte Festspieltreiben mit seinen internationalen Typen steigt in reichbelebten Bildern vor un« auf. In ihrem Mittelpunkt spielt sich eine Liebesepisode zwischen ein paar grundverschiedenen Menschen ab. Sensationell beginnt ein Roman Jule« Claretie« Das Auge de« Tobten". Claretie, das berühmte Mitglied der Academie fran^aise, der Director der Com&lie frangaise, legt seinem Roman ein höchst interessantes, durch neue Forschungen brennend actuell gewordene« Problem zu Grunde. Da« Auge de« Tobten selbst wird zum unwiderleglichen Ankläger de« Mörder«. Dieser Roman dürste mit seiner packenden Handlung und wistenschastlichen Grundlage den neuen Typus de« modernen Criminalroman« vor- stellen. Da« Feuilleton derRomanwelt" kündigt erzählende Beiträge von Fritz Mauthner, dem Prinzen Emil von Schöoaich- Carolath, Arthur Schnitzler, Fritz Skowronnek und vielen Anderen, sowie culturelle von Friedrich Hlrth, Otto de Terra, Eamille Flammarion usw. an. Es zeigt sich aus Allem, daß dieRoman­welt" auf der Höhe der Zeit steht.

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