Nr. 300 Drittes Blatt. Mittwoch dni 22, Derember I8»V
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Amtlichem Thcil.
Bekanntmachung, AmtStage des Großherzoglichen KceieamtS Gießen betreffend. Die unterzeichnete Behörde wirte
Samstag ben 8. Januar 1898, von Vormittags 9 Uhr an, einen Amt-tag tm Rathhauje zu GrÜttberg abhalten und wird den KreiS-Eingeseffenen aus den Amtsgerichts-Bezirken Grünberg, Homberg und Laubach anheimzestellt, etwaige An- ltegeu in diesem Termine vorzubringeo.
Gießen, den 20. December 1897.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, den 20. December 1897.
Betr.: Wie vorher.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen «« die Großh Bürgermeistereien der in ben Amtsgerichtsbezirke« Grünberg, Homberg unb Laubach gelegene« Gemeiubeu bes Kreises Gieße«.
Vorstehende Bekanntmachung wollen Tie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lassen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Die Krankenkasse für die Margarethenhütte zu Gießen wird mit Sude dfS I». zu bestehen aufhören, nachdem an Stelle der drei BetriebSkravkeokaffen der BuderuS'scheo Eisenwerke der Tophienhütte-Wetzlar, GeorgShütte BurgsolmS And Margarethenhütte Gießen die Gründung einer gemeinsamen „Hüttenkrankenkasse der BuderuS'scheu Eisenwerke zu Wetzlar" mit Wirkung vom 1. Januar 1898 ab beschlossen worden ist. Die Aufsichtsbehörde für dieselbe ist daS Königl. Laudrathßamt Wetzlar. Die Entscheidung der in § 58 Abs. 1 des KrankeuverstcherungSgesetzer erwähnten Streitigkeiten hin« sichtlich ber im Betriebe bet Margarethetthütte beschäftigte« verficheruugspflichtigen Personen ist von Großh. Ministerium deS Innern dem unterzeichneten Großh. KreiSamt Gießen übertragen worden.
Gießen, den 18. December 1897. Großherzogliches KreiSawt Gießen.
v. Gagern.______
Bekanntmachung.
Großherzogliches Ministerium des Innern hat dem Bor. stand des GewerbehallenveretnS in Darmstadt die uachgesuchte Grlaubniß zur Berloosung von Industrie« und Werthgegeu. ständen zu Weihnachten ds. Jahres unter der Bedingung er. theilt, daß nicht mehr als 15 000 Loose ä 1 Mk. daS Stück auSgegebeu werden dürfen. MW
Gleichzeitig ist der Vertrieb ber Loose tm Großherzog, thum gestattet worden.
Gießen, den 18. December 1897.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
______v. Gagern.
Bekanntmachung.
Der OrtSvorftand zu Friedberg beabsichtigt, mit den am 22. Februar und 25. October 1898 in Friedberg abzuhalteoden Pferde» und Fohlenmärkten eine Berloosung von Fohlen und sonstigen Gegenständen zu verbinden.
GroßherzogiicheS Ministerium der Innern hat die nach« gesuchte Erlanbniß zur Veranstaltung beider Verloosungen unter der Bedingung ertheilt, daß bei jeder derselben nicht mehr als 12000 Loose zu 1 Mk. das Stück auSgegeben «erden dürfens „
Zugleich ist der Vertrieb der ßoty im Großherzogthum aestattet worden.
Gießen, den 20. December 1897.
Sroßherzogliches KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
Der deutsche Thierhandel
großen Stils und damit auch die Begründung unb Entwicklung unserer zoologischen Gärten wird demnächst sein fünfzigjähriges Bestehen feiern dürfen. Und zwar ist es im Wesentlichen der Barer des jetzt weltbekannten Hagenbeck, dem die ent- Ichetdendeu Anregungen zu diesen für Wissenschaft wie Volks- Unterhaltung gleich werthvollcn Sammlungen dresfirter und
undressirter fremdartiger Thtere zu danken find. Dieser KlauS Karl Gottfried Hagenbeck (geb. 13. März 1810) war, wie ein Freund seines Sohnes in der „Straßb. Post" plaudert, feines Berufes ursprünglich Hamburger Fischhändler. Der eigentliche Anfang der Thterhaudlung datirt von Anfang März 1848. Einige Fischer, die mit Hagenbeck sen. in Ge- schäftSverbinduug standen, hatten in ihren Garnen, worin sie sonst Stäre fingen, eine Anzahl Seehunde mitgefangen. Der alte Hagenbeck kaufte die „Meerwunder", reiste damit, unter, nehmend wie er war, nach Berlin und stellte die zu jener Zeit noch ziemlich ^unbekannten, harmlosen Thtere in Krolls Etablissement gegen ein kleines Eintrittsgeld aus. Die damals in Berlin ausgebrochenen politischen Unruhen zwangen indeß Vater Hagenbeck, dies „unternehmende Geschäft" bald aufzn- geben, denn die Straßenkämpfe in Berlin und die bei Kroll gastireuden Flintevkugelu machten den Aufenthalt dort so ungemüthlich, daß Hagenbeck schleunigst seine Thiere auf Lredit verkaufte und, wie daS so gehr, gar nichts erhielt. Srmnthigend war also das erste Geschäft in keiner Weise. Der SeehundS- andrang nach Hamburg wurde durch die Fischer, die mit dem verkauf der ersten Seehunde ein ganz guter Geschäft gemacht hatten, in regster Weise befördert- eS war immer der alte Hagenbeck, der die Thiere kaufte. Gewitzigt durch die Berliner Aventture, verkaufte er seine Thiere nur noch gegen baar und zwar an herumziehende Mrßbüdenbefitzer, die dann die Seehunde einem „hohen Adel und verehrltchen Publikum" als Seejungfern, Seevymphen, Seenixen und Sirenen zur Schau außstellten. Besonders findigen Köpfen gelang eS auch, die zutraulichen Thiere zu einigen harmlosen „Tricks" zu dresfiren. Die Leute machten ihr Geschäft und die Nachfrage nach Seehunden stieg so rasch, daß der alte Hagenbeck ihr kaum gerecht werden konnte. DaS ging so bis zum Jahre 1852. Da brachte ein Wallfischfänger, Capitan Mahn, einen Eisbären nach Hamburg und bot ihn Hagenbeck zum Kauf an, der das prächtige Thier auch erwarb. Die Hamburger Zeitungen brachten spaltenlange Artikel über dies Eretgntß, und der Name de» Säufer» war in aller Leute Mund. Gegen ein Eintrittsgeld von 4 Schillingen (30 Pfg.) wurde der Bär ausgestellt und die 350 Thaler, welche das Raubthier gekostet hatte, waren in einem Monat verdient, in, damaliger Zeit ein immerhin hübscher Sümmchen. Nun kam das „Angebot", fast jede» einlaufende Schiff brachte ein über, feeisches Thier mir. Hagenbeck kaufte Alles und so entwickelte sich denn bald die erste Hagenbeck'sche Menagerie, die im Hünerwerder'schen Museum am Spirlbudenplatz in St. Pauli Aufstellung fand.
Diese ThterauSftellung fand solchen Anklang im Publikum, daß fie stets gut besucht war. Dieser Erfolg sollte für den am 10. Juni 1844 geborenen Sohn Karl des alten^Hageubeck bestimmend werden- er entschied sich 1859, al» er, au» der Schule entlassen, von dem Vater fvor die Alternative gestellt worden war, ob er sich dem Fischhandel oder dem Thierhandel widmen wolle, prophetischen Blickes für letzteren.
Im Jahre 1863 kaufte Karl Hagenbeck einige Thiere von dem Italiener Casanova, der auch durch seine kühnen Thiereinkäufe in Afrika weltbekannt war. Mit diesem ersten Geschäft begann die Firma Hagenbeck im afrikanischen Thier, handel festen Fuß zu fassen, um ihn später ganz zu be- herrschen. Karl Hagenbeck, der alle Ankäufe für Ott Firma abschloß, verstand schon als 20jähriger Mann den englischen Weltbewerb de» damals allmächtigen Thierhändlers Jamrach aus dem Felde zu schlagen- und heute darf, ohne die Ber. dienste des Vaters zu schmälern, gesagt werden, daß der Sohn es war, der dem deutschen Thiergeschäft System gab, der eS weltbedeutend gestaltete. Am 1. Januar 1866 zog sich der Vater Hagenbecks aus dem Geschäfte zurück, daS in seiner vollsten Blüthe stand. Die zoologischen Gärten, allen voran der Berliner, wurden vergrößert- die afrikanischen ThtertranSporte des Italieners Casanova kamen dem Mehrbedarf .an Thteren vollkommen entgegen. Nach dem Tode Casanova», de» unstreitig verdienstvollsten Bahnbrechers für die nubischen ThtertranSporte, reifte in Hagenbeck der Entschluß, solche Transporte selbst zu wagen. Im Frühjahr 1873 rüstete er seinen Bruder Dietrich zu einer Expedition auf den Fang junger Nilpferde aus- später veranstaltete er eine solche nach dem Sudan, nach dem Gange» u. s. w. Mit diesem Schritte war der Meister fertig und Karl Hagenbeck schon damals der am meisten genannte Thierhändler Europa», dessen Name in allen zoologischen Kreisen der Welt einen guten Klang hatte.
Mit der Zeit wurden die Erfolge de» Thierimport- Handels durch Zufälligkeiten und Umstände aller Art immer geringer. Die kriegerischen Ereignisse in Afrika, die zahl- losen Jagden und Expeditionen verscheuchten vielfach die Thiere. Die Giraffen z. B. find fast ganz verschwunden, und so ist
eS natürlich, daß die afrikanischen Fahrten immer theurer wurden, ein Mißstand, der noch dadurch verschlimmert wurde, daß die Thierpreise in Europa, da die Zucht der zoologischen Gärten auf den Markt kam, fielen. Hagenbeck sah fich noth- gedruugen zur Einstellung seiner afrikanischen Streiszüge ge- zwungen- und heute ruht daS Thierimportgeschäft so gut wie ganz. Durch den Umstand, daß die einzelnen zoologischen Gärten durch ihre erfolgreiche Zucht tu der Lage find, auch erfolgreichen Thierhandel zu treiben, ist daS deutsche Thiergeschäft gewissermaßen decenttalifirt, nachdem ein dahin gehender früherer Versuch deS Leiters des Hamburger Zoologi- scheu Gartens, Dr. Brehm gescheitert war. Den nicht nn° bedeutenden Ausfall, den die Drcentralisation Hagenbeck ver- ursachte, deckte der rührige Hamburger Thierhändler dadurch, daß er, wie er mir wörtlich sagte, „um fich ehrlich durch- beißen zu können, neue Hülst quellen sich erschließen mußte". Er fand diese in seinen weltberühmten Völker- und Dressur- schaustellungen, welch letztere iurch ihre Eigenart dem deutschen Thierhandel unb insbesondere dem Hagenbeck'schea Ge- schäft eine ganz bestimmte Richtung gaben.
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Gieße», den 21. Dreember.
— Postalische». Zur glatten Abwickelung deS Post- schalter Verkehrs während der Weihnachtszeit kann da» Publikum selbst wesentlich beitragen. Die Einlieferung der WeihnachtSpäckereien sollte nicht lediglich oder vorwiegend bi» zu den Abendstunden verschoben, namentlich müßten Familiensendungen thunlichst an den Nachmittagen ausgrgeben werden. Selbstfrankirung der einzuliefernden Weihnacht«packete durch Poftwerthzrtchen sollte die Regel bilden. Für die am Postschalter zu leistenden Zahlungen sollte der Ablieferer daS Geld abgezählt bereithalten. Die Befolgung dieser Rath- schläge würde der Post und dem Publikum gleichmäßig zum Nutzen gereichen.
•* Wahrend bei Weihnacht!- und Reujahrlverkehrl verursacht die Bearbeitung der an Soldaten gerichteten Briefe rc. unverhältnißmäßig mehr Mühe als die Bearbeitung anderer Postsendungen. Dieser Rachthril liegt an der großen Undeutlichkeit unb verschiedener Fassung der Aufschriften. Die Angabe der betreffenden Truppenthetle befindet sich bei jede« Brief an einer anderen Stelle der Aufschrift. Außerdem wird fast jedesmal der ganze Name de» Regiments aufgeführt. ES ist in Folge dessen äußerst schwierig und zeitraubend, derartige Briese zu sortireu. Die Bearbeitung derselben beansprucht mindestens dreimal so viel Zeit, wie diejenige anderer Sendungen. Ans diesem Grunde erscheint eS außerordentlich erwünscht, daß alle überflüssigen Angaben, wie z. B. der Name deS Regiments, weggelaffen werden. Die bei militärischen Meldungen vorgeschriebene Form — über einem Strich die Nummer der Compagnie, EScadron, Batterie und darunter die Nummer deS Regiments — würde für ben Postverkehr eine ganz bedeutende Erleichterung bringen und auch vollständig genügen. Danach wären die Aufschriften wie folgt abznfaffen: __________
Musketier Müller II.
Drag. Weiß IIL
Bromberg.
Bbg.
Sold.-Bs. 8
Sold.-Bf. 3
E. Ang. 129
E. Ang. 3. Dragon.
d. Empf.
d. Empf.
♦♦ Bal Amerika. „Ein Rudel Hirsche hat gesandt Mein Vetter aus dem Heffenland: Kommt, helft sie zu verzehren, Dazu die Gläser leeren: Wer meinen Stoff nicht süffig find't, Ist auf der Zunge farbenblind." Der Dichter dieser Verse ist unser Landsmann Carl Baab, welcher kürzlich in seinem vorzüglich gehaltenen Hotel, Restaurant und Familienplatz, Nr. 113, Zweite Ave., Newhork, ein große» Hirsch ess en veranstaltete. Fast die gesammte deutsche Prominenz war vertrtten, namentlich auch unsere Landsleute, unb besonders stark der „Heffen-Darmstädter Bolksfestverein". Herr Baab. dessen (große) Wiege in Alzey gestanden, war die Aufmerksamkeit selbst und für die vorzügliche Verpflegung sorgte die ebenso fleißige wie schmucke Frau Baab, welche nur ben einen Fehler hat, daß fie keine Heffeu-Darmstädteriu ist. — Die Newyorker „Heffen-Darmstädter Zeitung" schreibt: Der Appell an unsere Leser, die durch daS schwere Brand- Unglück in Michelbach bei Schotten bedrängten Landsleute werkthätig zu unterstützen, ist nicht ungehört verhallt. Wie immer die Frauen im vordertreffen stehen, wenn eS nm ein gutes Werk der Nächstenliebe sich handelt, so war auch eine hochherzige Landsmännin die Erste, welche ihr Scher flein (2 Dollar) für die gute Sache opferte. ES war Frau Elisabeths Lüdtke, geb. Schlörb, aus Schotten, welche


