Blutige Ziffern.
Heppenheim. 18. Octobrr. Gestern Abend zwischen 6 und 7 Uhr waren auf der Chaussee nach Laudenbach zu, ungefähr 600 Schritte von der Irrenanstalt entfernt, über ein Dutzend schwere Steine quer über den Weg gerollt worden, so daß jedes Gefährt dagegen anfahren muhte. Natürlich flog der erste, in der Dunkelheit daherkommende Radfahrer kopfüber vorn über da» Rad, glücklicher Weise
paare» verfährt, kann man darau» ersehen, dah zwei Tage vor der Reise von hier nach Loburg der Hofzug eine Probe- fahrt von Darmstadt nach Gemünden machen muhte, um in technischer Hinsicht die Gewähr zu haben, dah auch nicht da» Geringste Vorkommen könne.
düngen in der Regel al»bald vergriffen find. Hier zeigt sich deutltch der Segen de» Genossenschaftlweseu» im Kleinen, wie sie fich durch die neue Emkaufsgenoffenschaft in Hamburg, welcher bereits über eine Million Mitglieder beigetreten sind, lm Großen zeigro maß: da» Publikum erhält für billige» Geld vorzügliche Waaren. Man will nun die Segnungen des GevoffenschastSweseu», die fich bei der Landwt«hschaft so großartig heroorthun, auch bet dem Handwerke und den kleineren Gewerbetreibenden zur Geltung bringen. Diese BerufSarteu bedürfen noch besonder» der Stärkung und man will bei uoS mit gutem Beispiele vorangrhen. — Unsere Herbstbestellung und die Wintersaaten nehmen bet dem herrlichen Octoberwetter den erfreulichsten Fortgang. Die Aecker liegen da wie die schönsten Gartenbeete- gut gesät, ist halb geerntet, sagt der Bauer. Der junge Roggen ist bereit» aufgegangen und steht sehr hübsch, der Weizen tft am Aufgeheu. — Nicht unerwähnt soll schließlich bleiben, baß die Wälder gegenwärtig eine Farbenpracht in ihrem Laubwerk zeigen (besonder» wenn Nachmittag» die Sonne darauf scheint), wie e» nicht häufig vorkommt. Der Grund liegt darin, daß die Blätter bet dem mtlden Wetter lange an deu Zweigen fitzen bleiben und dadurch alle Farben- schattirungeu durchmachen können. Die Städter mögen nicht versäumen, diese» herrliche Farben- und Natursptel au- zuschaueu.
-F Büdingen. 20. October. Heute wurde da» neu erbaute Sparkassengebäude in feierlicher Weise seinem Dienstgebrauch übergeben und damit die diesjährige Geueral-Bersammluog der Mitglieder der Kaffe verbunden. Nach der Feier fand ein gemeinsame» Mitrageffen der Thetl- nehmer im Gasthaus zum Stern statt. Der Neubau bildet jetzt eines der schönsten Gebäude unserer Stadt. ES ist zweistöckig- im oberen Stock brfiodet sich die Wohnung de» Rechners, im unteren die Geschäftsräume, welche sehr prac- tisch und der Neuzeit entsprechend eingerichtet sind. Die Gesammtkofien des Baues, einschließlich Geläudekosten, be- tragen 34—35,000 Mark.
•• Rarteubriefe. An die zum 1. November bevorstehende Einführung der Karteubriefe knüpfen die „M. N. Nachr." einige Bemerkungen, wie sie fich wohl schon Manchem aufgedrängt haben werden, und deren Berechtigung jedenfalls nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen ist. Das Blatt schreibt: Ob übrigens die Karteubriefe in der beabsichtigten Weife ihren Zweck erfüllen werden, dürfte füg- lich zu bezweifeln sein. Die Abgeordneten, welche seinerzeit I die Sache anregten, hatten hierbei zweifellos im Auge, daß gleichzeitig mit der Einführung der Karteubriefe eine Der- kehröerleichterung in der Weife eintreten solle, daß sie etwa zum ermäßigten Preise der Postkarte Beförderung finden würden. Diese Erwartung hat fich nicht nur nicht erfüllt, sondern e» wird vielmehr die Benutzung der Kartenbriefe , ......,......................
„ , erschwert, daß nur eine Sorte zu 10 Pfennig zur I ohne fich schwer zu verletzen. Wenn er aber die Steine nicht
Ausgabe gelangt, wodurch deren Verwendung im Localver- " kehr sich von selbst verbietet, während gerade der Localver- kehr für den Absatz dieser neuen Werthzeichen von wesentlicher Bedeutung sein würde, weil Form und HerstellungS« weise der Kartenbriefe deren allgemeine Benützung verbietet. So wird beispielsweise die Geschäftswelt von der neuen Ein- richtung nur in seltenen Fällen Gebrauch machen können, weil die mit Gummi bestrichenen Ränder der Karteubriefe da» Einlegen in die Copirbücher kaum gestatten werden, während im Localverkehr der Bedarf verhälmißmäßig groß sein dürfte, da die Kartenbriefe unzweifelhaft für die Pri- vatcorrespondenz gegenüber den Postkarten wesentliche Bor- theile bieten. Wenn daher nicht, wie die» in Oesterreich der Fall ist, den Bedürfniffen des Localverkehr» durch Ausgabe von Kartenbriefen zum ermäßigten Preise von 5 Pfg. Rech- nung getragen wird, steht zu befürchten, daß, sobald der Retz der Neuheit vorüber ist, die Nachfrage nach Kartenbriefen bedeutend abnehmen wird.
Wien hat e» verfaßt, er hat diese „statistischen Daten au» der neueren Kriegsgeschichte in graphischer Darstellung" ver- einigt und bei Freytag u. Berndt in origineller Ausstattung erscheinen laffen. In Ziffern und Farben wird hier die ganze Weltgeschichte vor un» lebendig- wir erfahren genau, wie fich Krieg und Frieden zu einander verhalten haben seit Jahr- Hunderten, wie viel Menschenopfer der völkermordende Krieg gefordert und in welchen Mafien, nach welchen statistischen Berhältuiffen sie ihm von Freund und Feind dargebracht find. Sieg und Niederlage, Wunden und Tod, Waffen und Men- scheu, Zeit und Raum in den Schlachten Europas werden sorgfältig verglichen- und offen liegen die Lehren zu Tage, die fich aus diesen Ziffernbildern ergeben.
Nur einige davon, die markantesten, seien in flüchtiger Scizze festgehalten- fie zeigen die feffelnde Mach! dieser Ziffernsprache. Der verfaffer al» Oesterreicher berücksichtigt vorwiegend die österreichische Geschichte, bitt* jedoch schon um deswillen auch für uns sehr ivterefiante Ziffern, weil unser Geschick Jahrhundertelang mit Oesterreich zusammenhing. Betrachten wir Tafel 17 de» Berndt'ichen Zahlengebäudr», so weiß man unfehlbar, wer der beharrlichste Feind Oester- reich» in der Weltgeschichte gewesen. In den 227 Krieg», jähren, welche Oesterreich in den letzten 400 Jahren seiner Geschichte zähle, hat es 63 Kriege gegen äußere Feinde ge- führt und die größte Zahl derselben, 22, wandte fich gegen Königreich, Kaiserreich und Republik Frankreich. In 85 gelb» za,»fahren, V2 Schlachten, 106 Gefechten und 3250 kleineren Kämpfen standen österreichische Soldaten französischen gegen--
RieberZngelhei«, 17. October. Dahier ereignete fich in der Cementfabrik am Samstag ein gräßliche» Unglück. Der 26 Jahre alte, unverheirathete Georg Berge» gerieth, wohl au» Unvorfichtigkeit, zu nahe an den Treibriemen, der ihm Kopf und Arm vom Körper riß.
entfernt hätte, so wäre mit Bestimmtheit anzunehmen gewesen, daß von den nachfolgenden Radfahrern Jemand verunglückt wäre. E» ist sehr zu wünschen, daß der oder die rohen Burschen, welche die Steine auf den Weg geworfen haben, ausfindig gemacht werden und ihrer verdienten Strafe nicht entgehen.
Darmstadt, 20. October. Wie vorsichtig man auch in Deutschland bei den Reisen des russischen Kaiser-
totales ttttt proohtjieHes»
Gießen, den 21. Oktober 1897.
au», dafür Sorge zu tragen, daß die Metallarbeiter wöchentlich 1000 Mark an England absühren.
Berlin. 21. Oktober. Der „Borwärt»" theilt mit, daß die Letche Grillenberger» am Sonntag Nachmittag in Gotha durch Feuer bestattet wird.
Berlin. 2l.October. Da» „Berl. Tagebl." meldet au» Madrid: Die spanische Regierung erhob neuerdiug» Bor. stellungen in Washington wegen Begünstigung de» kubanischen Aufstandes durch amerikanische Freibeuter.
Berlin, 21. October. Au» Antwerpen wird dem „Berl. Tagebl." telegraphirt: Heute trafeu hier die rheinischen Bürgermeister und Präsidenten der Handelskammer ein, um ■n einer Berathung über Verkehr» iuteresse n des deutsch-belgischen Handel» theilzuuehrnen. Der belgische Thronfolger Prinz Albert kommt hierher, um die deutschen Gäste zu begrüßen und dem Feftbanket zu Ehren derselben zu präsidiren.
Graz. 21. October. Gestern fand hier eine große Studenten-Demonstration statt. Die Studenten brachten dem Professor Frischauf wegen seiner feindseligen Haltung gegen den deutschen Alpenverein eine Katzenmusik. I Die Polizei schritt mit gezogenem Säbel ein.
Rsm, 21. October. Die „Tribuna" will au» guter Quelle wissen, daß Eng land und Italien übereingekommeu sind, den Mächten ein directeS Eingreifen zur Erwirkung der Autonomie Kreta» vorzuschlagen.
i pflegen. Da» aber wird wesentlich in der Hand de» Publi- I kumS liegen. Mit Ausnahme der durch Frische unb Lebendigkeit ausgezeichneten Toioette (Frl. NatusiuS) stanben bie Damen unter den Herren. Großer Beifall faob bie
I ®cenc zwischen Argan unb seinem zweiten Töchterchen Louison, ba» sehr brav von ber kleinen Frieba Helm
I gespielt würbe. Wir hätten hier eine weniger junge Dar- stellerin lieber gesehen. Goethe bewunderte diese Scene außerordentlich wegen der Kunst, mit der Moltöre durch allerlei retardirende Elemente Leben und Wirkung in der
I Examination nach dem B sucher der Schwester zu bringen wußte. Davon ging doch Manches verloren. Und wenn die Scene auch einen eigenen Reiz hatte, so paßte dieser doch nicht zu dem Toa de» Stücke». — Auf Costüme und Au»- stattung war aller nur denkbare Fleiß und Sorgfalt verwendet worden. Ueber Manches ließe fich mit der Regie rechten, über die Art und Weise, wie die Zwischevacte au»-
! gefüllt wurden, Über da» Beioeschlenkern de» jungen Dia- foirns, den man auf ein Kinderstühlchen gesetzt hatte, über die Confectdüte, die Louison au» der Tasche ihre» BaterS zieht. Das Wort: v@6 giebt keine Kinder mehr.'", daS hier wohl zuerst vorkomwt und zwar in einem anderen Sinne, als in dem e» meist gebraucht wird, mußte man auf Louison beziehen, während es bei Moliöre auf Angelique geht. Freundliche Aufnahme fand der harmlose Schwank ,,Der Präsident" von W. Kläger, der den Abend er- i öffnete. Biel Unwahrscheinlichkeit und viel Mangel an Logik bei den Hauptpersonen und dem Autor wurden durch sehr viel Edelmuth bei deu Nebenpersonen und eine gewisse derbe Spaßhaftigkeit ausgewogen. Herr Direktor Helm hielt in der Rolle des Schauspieldirectors Walter durch sein Spiel und sein gutes Sächsisch das Stück über Wasser. Wir wün- schen Herrn Helm, daß er am Schluffe des Theaterjahre» auf ebenso große Ueberschüsse zurückblicken möge als sein College im Stück, dem eS eine Kleinigkeit ist, einem in Ber- legenheit geratheuen Landrath mit zehntausend Mark unter I die Arme zu greifen.
Der Statistiker ist nicht der größte, aber der beredteste Gelehrte. Er spricht die knappe, Überzeugende Sprache der Ziffern und ihrem Eindrücke kann fich der Philosoph eben so wenig entziehen, wie der GemÜth»mensch oder der optt- mistische Träumer, dessen Luftschlösser zusammenstürzen, wenn das nüchterne, öde Zifferngebäude rmporsteigi. Und doch ist fie so trocken nicht, die in Zahlen sprechende Gelehrsamkeit - sie hat ihre Pikanterien, ihre srappanten Wendungen, ihre packenden Effecte. Da» empfanden wir wieder bei der Lektüre, oder — wie wir richtiger sagen — bei dem Studium eine» sonderbaren Buche», da» in Tabellen, in wunderlichen Zahlen- bildern und Gruppirungen einen werthvollen Beitrag zur Welt- und Kriegsgeschichte bietet. „Die Zahl im Kriege" ist sein Titel: GeneralstabS-Hauptmann Otto Berndt in
•• Ans den deutschen Münzstätten find im Monat September d. I. geprägt worden: 7 081020 Mk. in Doppelkronen unb 20843,48 Mk. in Einpfennigstücken. Die Gesammtansprägung an Reich-münzen, nach Abzug der wieder eingezogenen Stücke, bezifferte fich Ende September d. I. auf 3160511585 Mk. in Goldmünzen, 494226 073,50 Mk. in Silbermünzen, 55611354,90 Mk. in Nickel- und 13534552,44 Mk. in Kupfermünzen.
* Wetterbericht. Ein barometrische- Maximum ist zwar auch heute noch Über Europa auSgebreitet, doch hat fich sein Kern nach den britischen Inseln verlegt und ist die Luft- druckoertheilung Überhaupt sehr unregelmäßig geworden. Eine Zone relativ niedrigen Druckes, mit einem flachen Centrum über der Ostsee, verläuft von Norden südwärts bis gegen Böhmen und Oesterreich. Weiterhin ist ein Theilminimum über dem südlichen Bayern und dem Salzkammergut zu er- kennen- über Oesterreich zieht sich ein Gebiet relativ niederen Barometerstandes bis zum südlichen Theile der Alpen hin. — Voraussichtliche Witterung: Im Westen und Norden meist heitere-, im Süden und Osten zunächst noch veränder- licheS Wetter mit wechselnder Bewölkung und etwas kälter.
Rieder-Wöllstadt, 19. October. Ein verheirateter Bremser aus Raffel stürzte hier von dem nach Frankfurt fahrenden Personenzug, wobei ihm die Räder des Packwagens über die linke Hand gingen und ihm diese abfuhren. Der Verunglückte wurde in das hiesige Krankenhaus gebracht.
R. Reichelsheim L W., 20. October. Die hiesige Genossenschaft »Molkerei hat so viele Aufträge zur Lieferung von feiner Tafelbutter, daß fie kaum alle befriedigt werden können. In Folge dessen bleibt kein Material zur Herstellung von Käsen, nach denen unaufhörlich Nachfrage ist. Um diesem Bedürfnisse entgegen zu kommen, hat fich ein Beamter der hiefigeu GenoffenschaftSmolkerei mit einer norddeutschen Käserei in Verbindung gesetzt und den Vertrieb von Käse in die Hand genommen. DaS Ergebniß ist geradezu überraschend, denn die gelieferte Waare ist vortrefflich bei äußerst billigem Preise, woran» fich ergibt, daß die Sen-
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Bon der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den außerordentlichen Professor bei der philosophischen Facultät der Lande»- Universität Dr. Lothar Heffter in Gießen auf sein Nachsuchen au» dem Staatsdienste zu entlaffen.
°* 8ambor9- dessen vorzügliche Leistungen hin- länglich bekannt, hat fich eotschloffen, hier eine humoristische Soiree in Steins Saal zu veranstalten, welche am Donnerstag den 28. October stattfinden wird und auch einige neue Nummern seinem reichhaltigen Programm eiogesügt. ES bedars wohl nur dieses Hinweises, um den Saal wieder ansehnlich zu füllen. Indem wir auf deu Jnserateutheil ver- weisen, empfehlen wir angelegentlichft da« Unternehmen.
•• Der Theater-Verein eröffnete gestern Abend die Vorstellungen seine» achten Vereinsjahres. Vor einem so zahlreichen Publikum, wie eS fich sonst zu classischen Vorstellungen wicht einzufindeu pflegt, ging Moliöre» ewig junger „Ein- gebildete Kranke" über die Scene. DaS Stück war »nr Feier der Rückkehr Ludwigs XIV. von seinem ersten Feldzug gegen Holland geschrieben und ist jetzt zwei und ein viertelhundert Jahre alt. Die damaligen medicinischen Moden, die e» verspottet, sind unS fremd geworden, der Kern gilt aber für unfl noch genau so, wie sür jene Zeit. Wo ein Mann fich so an daS Leben klammert, so vor dem Gedanken an den Tod zittert, da wird er auch immer in dem kleinsten i Unbehagen eine schwere Krankheit sehen und ängstlich seine Hände nach dem Beistand der Diafröru» und Purgen auS- strecken, die ihm Schutz gegen seine eingebildeten Krankheiten verheißen. Moliöre lebte zu seinem Glücke in keiner zimper- "cheu Zeit und durfte eS wagen, vor der seinsten Hofgesell- schäft Europa« Dinge zu sagen und darzuftelleu, die wir, wenn auch bei unseren Ausführungen schon Manches gemildert I unb unterdrückt wird, nur MoliöreS Namen zu Liebe auf der Bühne dulden. Der Dichter stand schon mit einem Fuße im Grabe, al» er die Aerzte so verspottete. Am Tage der vierten Vorstellung war sein Husten so schlimm, daß seine Freunde ihm dringend abriethen, am Abend aufzutreten. Er I Hat es dennoch, weil er nicht wollte, daß fünfzig arme Handwerker, die nur ihren Taglohn hatten, durch ihn ihrer I Einnahme verlustig gingen. Nur mit größter Anstrengung führte er seine Rolle zu Ende- bei einem der letzten Worte, die er zu.sprechen hatte, faßte ihn ein Krampf, den einige Zuschauer bemerkten und den er durch ein gezwungene» Lachen zu verbergen suchte. Gleich nach der Vorstellung wurde er nach Hanse getragen- hier trat sein Husten mit solcher Heftigkeit auf, daß eines der Blutgefäße in der Brust brach und da» vorströmende Blut ihn erstickte. Mit welchen Empfindungen mochte der Dichter die Scherze der als Arzt verkleideten Toinette ntedergeschrieben haben, die al» Sitz aller vermeintlichen Krankheiten des Argan „Die Lunge", „Die Lunge", und 21 ™ 2"nge" nennt I Die Jntrigue ist, wie immer bei Moliöre, sehr leicht geschürzt. Sie dient bloß dazu, den Eharacter des Helden und die Wirkung, die dessen Schwäche aus alle LebenSverhältnifse hat, in denen er steht, möglichst stark und deutlich inS Licht zu stellen. Ebenso wird auch ver Knoten sorglos unb wenig wahrscheinlich gelöst. Da» Belauschen al» Mittel, um scheinheilige Heuchler zu entlarven, war vor Frau Böline schon beim Tartüffe angewandt worden. Im Uebrrgen schließt da» Stück im Original nicht mit der ®tf1"una9 H°uptcharacter», der seine Mixturen und ?Urf bie Straße wirft, sondern mit einem durlrSken Nachspiel, wo Argan als Baccelaureu» unter die Mebiciaer ausgenommen wirb. Wenden wir unS der Dar- stellung zu, so dürfen wir bei ihrer Beurtheilung nicht ver-
<8 S* »RCfce um den ersten Versuch Han- bett, Gießen als Theaterstadt von auswärt» unabhängig zu machen. Wir stehen nicht an, diesen Versuch al» un«- mein -rmuthigend zu bezeichnen. Neben dem Gaste, Herrn Herrmann von Frankfurt, der uns in seinem Argan eine Meisterleistnng bot, haben unsere einheimischen Schauspieler «tt großer Hingabe gewirkt. Wir bezweifeln auch nicht, daß bei längerem Zusammenspiel unb größerer Routine daS Können der meist jugendlichen und strebsamen Kräfte fich wesentlich steigern wird. ES wird aber dazu vieler und ernster Arbeit bedürfen und wir möchten darum wünschen baß die Direction nicht genöthigt werde, ein zu großes Reper-^ toire zu bewälttgen, da» vielerlei auf Kosten der Güte zu
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