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srr. 248 Erstes Blatt «Mla» dm 22. October
1897
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Das Togo-Uebereinkommen.
Wie bereits angckündigr worden war, ist der mit Frankreich abgeschlossene Togovertrag am Dirnstag durch den Aeichßanzeiger veröffentlicht worden. BtS dahin sollten die Bestimmungen geheim gehalten werden, aber eS war schon so viel In die Orffentlichkeit gedrungen, daß die hauptsächlichsten Festsetzungen schon längst bekannt waren und eigentlich N emand mehr überrascht werden konnte.
Dah die Ansichten über daß Resultat der Verhandlungen gctheilt find, ist selbstverständlich. Manche sagen, unsere D-legirteu hätten sich in Paris arg Übervortheilen lasten, aber dieser Vorwurf wird auch gegen die französischen Abgesandten in Frankreich erhoben. Dehbalb darf man wohl annehmen, nach beiden Seiten ist gleichmähtg vertheilt worden - jedenfalls ist einem Zustande ein Ende gemacht worden, welcher leicht einmal zu einem ernsten Covflict zwischen Deutschland und Frankreich hätte führen können. Die beiden Länder chatten bekanntlich im Jahre 1885 einen Vertrag abgeschloffen, in welchem die Grenze zwischen dem französiichen Dahomry und dem deutschen Togo festgesetzt wurde. Jedoch waren die Stipulationen ungenau, was ja nicht weiter verwunderlich Hein kann, und beiden Nationen war im Nordea ein allzu weiter Spielraum gelaffen worden. AIS nun die Expeditionen nach dieser Richtung immer zahlreicher wurden, so kreuzten sich vielfach die beiderseitigen Jatereffen, und es kam vor, dah sowohl von franzöfischer wie von deutscher Seite mit demselben Häuptling Verträge abgeschloffen wurden. Hieraus entstanden natürlich Weiterungen, da beide Theile auf ihrem Don den Häuptlingen unterkreuzten Scheine bestanden, und die Regierungen kamen deßhalb überein, auf einer Conferenz die genaue Festsetzung der Grenze vorzunehmen. Im Mai ds. Jahres traten die Delegirten in Paris zusammen und beriethen wochenlang, bis eia Vertrag zu Stande gekommen war, welcher jetzt sowohl in Deutschland wie in Frankreich zur öffentlichen Kenntniß gebracht worden ist.
Man macht unseren Delegirten den Borwurs, daß sie wette Länderstrecken an Frankreich abgegeben haben, wosür Deutschland nur einen geringen Flächenraum als Aequivalent erhalten habe. Daß die Stipulationen sehr schwierig waren, wird Jeder zugeben müffen, welcher bedenkt, dah es sich um verhältnißmäßig ungeheure Flächen dort handelt, die noch ganz unbekannt sind. Unserer Ansicht nach find die beiderseitigen Delegirten von einem ganz richtigen Prinzip auß^ gegangen, indem sie Frankreich politische und Deutschland wirthschaftliche Borthrile zuficherten. DaS zeigt sich namentlich darin, dah sie daS Gurmagebirt bet Frankreich beließen und Deutschland daS rechte Ufer des Mono zuerkannten, wo- durch wir daS Schifffahrtsrecht auf diesem Fluffe erhalten und uns eine directe Verbindung von der Küste in das Innere des Landes gesichert ist. Unsere Togocolouie wird daraus später wesentliche Vortheile erzielen, und sie hat jetzt die Aussicht auf eine gute wirthschaftliche Entwickelung sowie auf ein schnelleres Aufblühen. Das Gurmagebirt aber hätte gar keinen Werth für unS gehabt, weil es Hunderte von Kilo- Metern von der Küste entfernt lag und niemals hätte aus- gebeutet werden können. Daß die Delegirten den wirthschaft- ltchen Standpunkt für Deutschland in solchem Maße gewahrt haben, kann nicht genug Anerkennung finden, wie denn über- Haupt eine Verständigung mit den Franzosen nur auf der Basis möglich war, dah Frankreich die lange erstrebte Ver- bindung zwischen Dahomey und Mosfi erhielt. Wie schon oben augedeuiet, haben die von deutscher Sette abgeschloffenen Verträge mit den eingeborenen Häuptlingen ebenfalls nur einen recht zweifelhaften Werth. ES lag für uns kein Grund vor, unsere Ansprüche allzu weit auSzudehnen und uns in Cor flicte zu verw ckeln wegen eines Gebietes, welches für Deutschland nicht dre geringsten wtrrhschaftltchrn Vortheile bietet.
Die Verhandlungen tu Paris haben sich glatt abgewickelt. Man kann daraus also ersehen, daß auch Frankreich daran gelegen ist, mit unS möglichst in einem guten nachbarlichen Verhältnisse zu leben. Diese Gewißheit hat immerhin einen politischen Werth und wiegt die paar Hundert Quadratkilo, weter, welche wir in Afrika etvgebüht haben, voll auf. Wir fürchten Frankreich nicht, aber im Jntereffe unserer wirth« schastlichen Entwickelung, unseres Handels und Verkehrs kann eß nur liegen, wenn wir die Ueberzeugung hegen dürfen, daß die Störung des Friedens in weitem Felde liegt. Deß- halb begrüßen wir auch da« Togo-Abkommen als einen wetteren Schritt zur Verständigung mit unserem westlichen Nachbar.
(xx)
Wolff» telegraphische» Korrrfpondmz-Burum.
Darmstadt. 20. October. Unmittelbar nach der Rückkehr von Wiesbaden fuhren daS russische Kaiserpaar und da» GroßherzogSpaar nach dem Lawn-TenniSplatze, während sie Abends der Vorstellung im Hoftheater betzu- wohnen beabsichtigen.
verliu. 20. October. Der „ReichSanzriger" veröffent- licht eine Verordnung, betreffend die Gerichtsbarkeit in der Neu - Guinea - Compagnie über alle Eingeborenen threS Schutzgebiets, sowie eine Verordnung, betreffend die Tagegelder und Reisekosten für StaatS- etsenbahnbeamtev.
Cronberg, 20. October. Das Kaiserpaar und dre kaiserlichen Prinzen besichtigten unter Führung der Kaiserin Friedrich nach ihrer Ankunst den Park in Schloß Friedrichs- Hof, die Prinzen besonders den prächtigen Marstall. auf daS Eingehendste. Um 8 Uhr findet Abendtafel zu 24 Gedecken statt, zu welcher auch der Oberst des 80. Infanterie Regiments, zu dessen Chef die Kaiserin Friedrich ernannt worden ist, Oberst Lölhöffel von Löwensprung, eine Einladung erhalten hat. Um 9 Uhr wird die alte Ritterburg bengalisch beleuchtet. Auch in der Stadt und in den BahnhofSanlageu ist bei der Abfahrt der Kaiserin und der kaiserlichen Prinzen bengalische Beleuchtung vorgesehen.
Brüssel, 20. October. In Gegenwart der König- und der ganzen königlichen Familie fand die P r e i r v e r t h e i l u n g der internationalen Ausstellung statt. Auf Deutsch, land entfielen von 330 Ausstellern, wovon 5 als Mitglieder der Jury außer Bewerbung blieben, 12 große Preise, 33 Ehrendiplome. 75 goldene, 72 silberne und 40 bronceue Medaillen, sowie 11 ehrenvolle Anerkennungen.
Nancy, 20. October. Bei dem heute hier gehaltenen Festmahle anläßlich der Einweihung der neu errichteten Handelsschule hielt der Handelsminister Boucher in Erwiderung auf die ihm gewidmeten Trinksprüche eine Rede, in der er zunächst bemerkte, die Vereinigten Staaten von Amerika hätten eine barbarische Maßregel angenommen, näm- lich die Besteuerung der in den Koffern von Reisenden enthaltenen Gebrauch-gegenständen, sobald solche im Gesawmt- werthe von mehr als 100 Dollars durch Bürger der Ver- einigten Staaten eingeführt werden. Es feien Verhand- [uugen über diesen Punkt eingeleitet und er zweifle nicht, daß die amerikanische Regierung diese Bestimmung beseitigen werde. Sodann sührte der Minister bezüglich der Handels« beztehungen Frankreichs auö, dieselben seien gegenüber den südamerikanischen Republiken bei dem Amtsantritt des gegen, wärtigen Cabinets sehr gespannte gewesen- seitdem habe die Regierung els Abkommen geschloffen, durch welche die Handels- und politischen Beziehungen neu geknüpft worden seien. Mit Bezug auf Italien äußerte der Minister, dasselbe scheine sich weder um Gegenwart noch Vergangenheit, noch Zukunft zu bekümmern. Die Wiederaufnahme der Beziehungen sei noch nicht einmal irgendwo in Angriff genommen. Hierauf hob der Minister hervor, daß er sich bemüht habe, die Beziehungen Frankreich- zu fremden Ländern zu erweitern und die Zoll, tarife zu erniedrigen. Er protestier gegen die Behauptung, daß die Regierung eine Regierung der Schutzzölle sei. Sie wolle nur ein commercielleS Gleichgewicht, das Frankreich ein dem Stande bei Handels Europas entsprechendes öcono- mischeS Regime geben solle. Sie wolle weder Angesührte noch Angreifer. „Wir sind Anhänger einer Zolloereinigung," so schloß der Minister, „wir werden neuen Bedürfniffen Rechnung tragen und werden einstweilige freie Zolleinlagerungeu gestatten, durch welche die Ausfuhr begünstigt werden kann."
Depeschen de» Bure«» »Herold.*
Berlin,20. October. Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist gestern Abend in Schillingsfürst eingetroffeu.
Berlin, 20. October. In Bestätigung anderweitiger Meldungen schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.": StaatSsecretär v. Marschall wird von seiner bisherigen Stellung unter Belaffung des Titels und Ranges eines Staatsministers entbunden und zum Botschafter in Konstantinopel ernannt. Der bisherige Botschafter in Konstantinopel, Freiherr v. Saurma-Jeltsch, erhält den durch die Abberufung de» Botschafters Bülow frei werdenden Posten in Rom.
Berlin, 20. October. Der Kaiser empfing heute Dor- mittag in Wiesbaden den Chef deS CivilcabiuetS v. LucauuS zum Vortrage.
Berlin, 20. October. Wie aus Paris berichtet wird, beabsichtigte heute Nachmittag 4 Uhr ein Herr Max Behl Paris auf dem Motorrade zu verlaffen, um eine Recordfahrt nach Berlin zu machen- er hofft, die 1165 Kilo
merer lange Strecke in 41 Vs Stunden zurückzulegen und Freitag Vormittag um 9V, Uhr in Berlin einzutreffen.
Berlin, 20. October. Dem „Berl. Tagebl." zufolge verlautet in militärischen Kreisen, daß die Kais er m auöv er im kommenden Jahre zwischen dem 13. (württembergiichen) und 14. (badischen) ArmeecorpS einerseits und den beiden Armeecorps der RetchSlande andererseits stattfinden werden.
Wiesbaden, 20. October. Der Zar und der Groß« Herzog wurden vom Kaiser um 2Uhr 30Min. zur Bahn geleitet. Die gegenseitige Verabschiedung war eine äußerst herzliche. Mit dem Zaren fuhren gleichzeitig Prinz und Prinzessin Adolf von Schaumburg-Lippe nach Darmstadt ab. Kaiser Wilhelm verblieb auf dem Bahnhofe im Kaiserpavillon, bis die Kaiserin und die Kaiserlichen Prinzen sich zur Abfahrt nach Cronberg einfanden. Der Kaiser unterhielt sich besonders lebhaft mit dem Botschafter v. Bülow, welcher sich heute nach Monza begibt. Zur Verabschiedung der Kaiserltchen Familie hatten sich eingefunden die hier wohnende Prinzessin von Schaumburg-Lippe, der frühere Oberhof- und HauSmarschall v. Liebenau, der Commandeur deS 80. Infanterie Regiments und Polizei-Präsident Prinz Ratibor. Um 2 Uhr 45 Mtu. fuhr der Kaiserliche Zug nach Cronberg ab, von wo heute Abend 10 Uhr die Reise nach Potsdam angetreten wird.
Kronberg, 20. October. Die Kaiserin reist mit ben Prinzen heute Abend direct nach Berlin, während der Kaiser sich nach Karlsruhe und von da nach Darmstadt begibt.
Köln, 20. October. Wie die „Köln. Ztg." au» Wie»- baden meldet, ist die heutige Zusammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren durch die Vermitte- lung deS Prinzen Heinrich gestern beschloffen worden.
Königsberg i. Pr., 20. October. Eine gestern hier eingetroffene Commission von Ministerial- und OberbergamtS- Beamten begab sich heute zu dem Geheimrath Becker nach Palmnicken, um über die Arrangements der neuen Verpachtung deS Bergwerks an die Firma Stantien und Becker zu verhandeln. Die Uebernahme der Bernstein- förderung durch den Staat kommt nicht in Frage.
Dünkirchen, 20. October. Hier wurde eine Cichorien« fabrtk von belgischen Arbeitern in Brand gesteckt. Man nimmt an, daß dieselben aus Rache gebandelt haben.
Wien, 20. October. In der gestrigen Nacht sitz ung deS Abgeordnetenhaus eS kam cS wiederum zu großen Tumulten, infolge der Obstruction der Deutsch-Ltberalen. Die Sitzung mußte schließlich nach 1 Uhr Nacht» unterbrochen werden.
Wien, 20. October. AuS Zacozenne wird gemeldet: Der Hörer der Philosophie auß Rußland Casimir v. Pie- trowskt ist auf einer GebirgStonr abgestürzt. Die Leiche ist bereits gefunden worden.
London, 20. October. Nachrichten au» Konstantinopel melden die Ankunft des Vertreters der Firma Armstrong. Derselbe kommt, um mit der Pforte über Bestellung von Kanonen zu verhandeln.
London, 20. October. „Standard" meldet aus Konstantinopel, daß die Friedensverhandlungen deshalb so in die Länge gezogen würden, damit der Vertrag nicht mehr in diesem Jahre zum Abschluß komme.
Kanea, 20. October. Der Zustand auf Kreta wird immer schlimmer. Die Admirale werden morgen zusammen- treten, um neue Maßregeln zu beschließen.
Konstantinopel, 20. October. Rußland empfahl dem Sultan die Ernennung eine» Russen zum General- go uverneur von Kreta.
Washington, 20. October. Hier liefen Nachrichten aus Guatemala ein, wonach der Aufstand unterdrückt sei und wieder vollständige Ordnung herrsche.
Berlin, 21. October. Der ReichScomwissar Geheimrath Richter sprach gestern Abend im Verein Berliner Kaufleute und Industrieller über die Pariser Weltausstellung im Jahre 1900. Er schilderte eingehend die bereits bekannte Eintheilung der Ausstellung und richtete einen warmen Appell an die Anwesenden und zugleich an die Kaufleute und Industriellen von ganz Deutschland, nur wirklich auSstellungS- würdige» Gut nach Paris zu schicken. Der Kampf würde ein sehr schwerer sein. Alle Länder der Welt suchten gerade in der Pariser Ausstellung Ueberlegenheit, die deutsche Export- Industrie zu überflügeln und dadurch zu verdrängen. Dahn wäre eß ein großer Fehler, wenn sich Deutschland auf marktgängige Waare beschränken wollte. ,
Berlin, 21. October. In zwei Versammlungea der Metallarbeiter wurde gestern beschloffen, die Sammlungen von wöchentlich 50 Pfg- fortzusetzen und al» erste Rate 5000 Mark dem öffentlichen Fond» der englischen Collegen abzuführen. Die Versammlungen sprachen sich dasttr


