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Der Lietzener Anjeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag-.
Die Gießener A>amikien dtätter werden dem Anzeiger -wöchentlich dreimal beigrlegt.
Erstes Blatt Dienstag den 21. September
Gießener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
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Amtliche» Ltzeil.
Gießen, den 18. September 1897. Betr.: Kaisermanöver.
M Grotzherzogliche Kretsamt Gießen
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Diejenigen Gr. Bürgermeistereien, welche die Fourage- Quittungen, Bescheinigungen über verabreichte Rationen und die Quartierbescheinigungen von den letzten Einquartierungen noch nicht an uns eingesendet haben, wollen dies sofort nachholen.
v. Ga o ern.
Gießen, den 20. September 1897. Betr.: Die Ableistung des Huldigung«- und Verfassungseides. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen e» die Gr. Bürgermeistereien der Amtsgerichtsbezirke Grünberg und Homberg.
Die Ableistung des Huldigung»- und Verfassungreide» der in Ihren Gemeinden neu aufgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Großherzoglich Hessischen Unterthanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden. verheirathet haben, soll Samstag den 2. October ds. Js., Bormittags 9 Uhr, in dem Rathhause zu Grüuberg stattfinden.
Wir beauftrag n Sie hierdurch, die betreffenden Personen zu dem Termine vorzuladen und wie geschehen unter Angabe der Namen der Vorgeladenen anzuzeigen oder zu berichten, daß Niemand vorzuladen war.
Halten sich derartige Personen auswärts auf, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
AmtStage des Großherzoglichen Kreisamts Gießen betreffend.
Die unterzeichnete Behörde wird
Samstag den 2. October 1897, vou Vormittags 9 Uhr au, einen Amtstag im Rathhause zu Grüuberg abhalten und wird den Kreis-Eingesessenen aus den Amtsgerichts-Bezirken Grünberg, Homberg und Laubach anheimgestellt. etwaige Anliegen in diesem Termine vorzubringen.
Gießen, den 20 September 1897.
Großherzogltches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Gießen, den 20. September 1897. Betr.: Wie vorher.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grosth. Bürgermeistereien der in deu Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach gelegene»GemeindendesKreisesGießen.
Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lassen.
v. Gagern.
Aus Schweden-Norwegen.
DaS 25jährtge RegierungSjubtläum des Königs Oscar von Schweden verlauft glänzend und zeigt, welche Liebe dem Herrscher von seinen Unterthanen entgegengebracht wird und welcher Achtung er sich im Auslande erfreut. Vertreter aller Staaten der civilifirten Welt sind anwesend und auch Deutschlands Fürstenhäuser haben mehrere Prinzen nach der schwedischen Hauptstadt entsand'. Daß Kaiser Wilhelm für den König eine ausgesprochene Sympathie hegt, ist bekannt- trägt doch einer der kaiserlichen Prinzen den Namen des schwedischen Herrschers, und ist doch die Gemahlin deS schwedischen Kronprinzen eine nahe Verwandte unseres Monarchen. Wie sehr der letztere die Naturschön- heilen des schwedisch-norwegischen Königreichs schätzt, beweist er durch seine alljährlichen Nordlandsfahrten, auf denen er i« jenem erhabenen Gebiete Erholung sucht von den aufreibenden Anstrengungen, welche die RegierungSgeschäfte und RePräsentationSpfltchten ihm auferlegen.
Die jetzige Dynastie ist bekanntlich noch jung und kaum ein Jahrhundert alt. Da sie auS Frankreich stammte, so Mar es nur zu natürlich, daß am Hofe ru Stockholm die Franzosen sich großer Sympathien erfreuten, umsomehr, als eine große Anzahl der Hof- und Staatsbeamten ursprünglich mit Landsleuten des ersten Herrschers auS der jetzigen Dynastie besetzt worden war. König OScar II. hat mit dieser Tradition gebrochen und engeren Anschluß an das
ausstrebende deutsche Reich gesucht. War doch vielfach davon die Rede, daß der Dreibund stark auf seine Sympathien zählen dürfe, und man kann nicht verkennen, daß diese Stellungnahme des vereinigten Königreichs das Ansehen des Dreibundes zu erhöhen geeignet ist.
Seit langen Jahren ist das Verhältniß zwischen Schweden und Norwegen ein sehr unerfreuliches. Letzterer Staat fühlt sich in mancher Hinsicht zurückgesetzt und daS norwegische Storthing betreibt eine systematische Opposition, welche dem König die Regierung ungemein verleiden muß. Wiederholt hat eS, nur um seiner Unzufriedenheit über die Union mit Schweden Ausdruck zu verleihen, dem König und dem Kronprinzen Abstriche an der Civillifte gemacht, was ersterer mit einer bewunderungswürdigen Ruhe htngenommen hat. Ueber daS Vetorecht des Königs entspann sich ein Streit, welcher immer noch nicht ganz ausgeglichen ist- der König nahm für sich das Recht des absoluten Veto in Anspruch, während daS Storthing ihm nur daS aufschiebende Veto zugesteheu wollte. ES kam sogar dahin, daß daS damalige Ministerium Selmea, welches der Ansicht deS Königs zustimwte, unter Anklage gestellt und seine einzelnen Mitglieder zur Absetzung und zu Geldstrafen verurtheilt wurden. Dieser Streit um daS Vetorecht war veranlaßt worden durch die Forderung des Storthing, daß die Minister den ParlamentSsitzungeu beiwohnen sollten. Dreimal war diesem Beschlüsse zugestimmt worden, aber der König wollte seine Sanction nur unter der Bedingung ertheilen, daß ihm daS absolute Vetorecht zuerkannt würde. Die unreellen Verhältnisse zeitigten noch weitere Streitfragen. Das norwegische Parlament stellte zuerst die Forderung, daß der gemeinsame Minister deS Aeußeren auch ein Norweger sein dürfe, verschärfte aber später seine Forderung dahin, für Norwegen einen besonderen Minister des Aeußeren zu ernennen, sowie auch besondere norwegische Consulate im Auslande zu errichten. Seit zwei Jahren tagt eine Commission, welche in dieser Frage eine Entscheidung treffen soll, aber noch immer sind dte Verhandlungen ergebaißloS geblieben, und es ist nicht abzusehen, wann ein beide Theile befriedigendes Resultat erzielt werden wird. Man verspricht sich nun vou den Neuwahlen, welche in dieser Zeit stattfinden, in Schweden insofern ein günstiges Resultat, alS man hofft, daß daS gemäßigte Element im norwegischen Storthing dte Oberhand gewinnen wird und sich mit diesem dann ein Ausgleich abschlteßen läßt.
König OScar liebt den Frieden auch im eigenen Hause - vor Gewaltmaßregeln scheut er zurück. Es wäre für ihn vielleicht ein leichtes, da er der Zustimmung des schwedischen Volkes sicher ist, die Norweger zur Ratson zu bringen- jedoch würden dann dte Brücken, welche einen bauernden Frieden zwischen den beiden UnionSländeru immer noch Herstellen können, unwiderruflich abgebrochen sein, was der König vermeiden will. Er hofft, daß seine Norweger mit der Zett von selbst zur Einsicht kommen und begreifen werden, daß für das Land die Union mit Schweden ein Bedürfniß ist, daß diese Union nur dazu beitragen kann, der Wohlfahrt Norwegens und sein Ansehen im Ausland zu fördern.
Bei dieser Gelegenheit wollen wir noch daran erinnern, daß dte deutsche Stadt Wtömar von Schweden nur an Mecklenburg verpfändet worden ist, also gegen Wtederlegung der Pfandsumme zurückgenommen werden kann. Obgleich hiergegen rechtlich keine Einwendungen erhoben werden könnten, so darf doch nicht angenommen werden, daß die Stadt jemals wieder in schwedischen Besitz kommt. Bei den guten Beziehungen, welche daS deutsche Reich mit Schweden- Norwegen unterhält, darf man die Ueberzeugung hegen, daß dte Angelegenheit sich ordnen lassen wird, ohne daß ernste Confltcte entstehen. (xx)
Deutscher Reich.
Berlin. 18. September. Gegenüber der Meldung des „Hamb. Corresp.", daß der Reichskanzler Fürst Hohenlohe tm Laufe der nächsten Woche hier zurückerwartet werde, betont die „Nordd. Allgem. Ztg.", daß nach ihren Informationen über die Rückkehr des Fürsten bisher noch nichts bestimmt sei.
Karlsruhe, 18. September. In der vergangenen Nacht brannte in Freiburg daS GotthardhauS ab. Eine Frau, welche sich durch einen Sprung aus dem Fenster zu retten suchte, verletzte sich tödtlich, eine andere schwer. Eine Frau wird vermißt.
Arr-lau-.
Wien, 18. September. Die „Neue Freie Presse" theilt zu dem io Aachen unter Mißbrauch deS Namens des Erzherzogs Franz Ferdinand getriebenen Schwindel
mit: Vor etwa 14 Tagen habe sich ein Angehöriger deS betreffenden Mädchens an eine bekannte Wiener Persönlichkeit in dtScretester Weise mit der Bitte gewendet, ihm eine Photo- grophie deS Erzherzogs zu senden. Da sich dte betreffende Wiener Persönlichkeit zur Zett als der Brief hier eiutraf, nicht in Wien befand, sei die Sache unerledigt geblieben. Inzwischen habe die Angelegenheit schon Aufklärung dahin gefunden, daß die Familie da« Opfer eines Schwindel» ge- worden sei.
Budapest, 18. September. Ueber daS gestrige Jagd- ergebniß wird officiös mitgetheilt, daß Kaiser Wilhelm einen Zwanzigender, einen SechSzehnender, einen Zwölfender und einen Rehbock erlegt hat. Kaiser Wilhelm hat wahrend der zwei Jagdtage sechs Hirsche und einen Rehbock erlegt. Kaiser Wilhelm hat sich sehr günstig über die hiesigen Forste ausgesprochen und dem Erzherzog Friedrich seine Wiederkehr in sichere Aussicht gestellt.
Budapest, 18. September. Anläßlich der Ankunft Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm bleiben am Montag Bormittag sämmtltche Volks- und Mittelschulen, sowie die Bank- institute geschlossen- ebenso auch die hiesige Maaren- und Effektenbörse.
MohacS, 18. September. Heute Mittag besuchten Kaiser Franz Joseph und Erzherzogin Isabella Kaiser Wilhelm in Karapancsa, wo ein gemeinsames Diner stattfand. Kaiser Franz Josef reist Abends zu Schiff hierher und begibt sich dann nach Budapest. Kaiser Wilhelm pirscht noch morgen früh und tritt dann ebenfalls seine Reise uach Budapest an, wo die Ankunft 10 Uhr Vormittag» erfolgt.
Rom, 18. September. Die Universität Bologna hat den König OScar von Schweden zum Ehrendoktor ernannt. Heute wird eine Deputation dem Könige da» Diplom überreichen.
Madrid, 18. September. General Weyler telegraphirte vou Euba, er hoffe noch immer, aus der Insel innerhalb vier Monaten die Ruhe Herstellen zu können.
Castellon de la Plana, 18. September. Eine Compagnie Infanterie ist nach Morella gesandt worden, wo carlistische Unruhen befürchtet werden.
Loudon, 18. September. AuS Simla wird gemeldet, daß dte zweite britische Expedition beinahe von den MohmaudS etngeschlossen und niedergemetzelt worden wäre. ES fand zwischen beiden Parteien ein erbitterter Kampf statt, bet welchem dte Engländer 9 Offiziere und 120 Mann verloren.
Konstantiuopel, 18. September. (Meldung de» Wiener K. K. Telegr. CorresP.-BureauS.) Dte Prältminarien de» Friedens zwischen der Türket und Griechenland find heute unterzeichnet worden.
Rewyork, 18. September. AuS Mexiko wird gemeldet, daß gestern ein BolkShaufe ins Gefängniß drang und daS Individuum, welches das Attentat gegen den Prästdeuten Diaz verübte, lynchte. Dte Polizei nahm 20 Verhaft- ungen vor.
Depeschen de» Bureau .Herold."
Berlin, 19. September. Anläßlich deS bevorstehenden Besuches Kaiser Wilhelms in Budapest bespricht die „Nordd. Allgem. Ztg." dte guten Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn. DaS Blatt sagt u. a.: Mögen dte Ungarn gleich unS eine günstige Vorbedeutung darin erkennen, daß der erste fremdländische Monarch, den sie auf der KöntgSburg in Ofen feierlich begrüßen, da» Oberhaupt des Reiche» ist, welche» einer ihr bedeutendsten Staatsmänner mit den unter dem weisen Scepter Franz Josephs vereinigten Völkern zu treuer Bundesgevoffenschast hat zusammenschließen helfen. Ueber den Character und die friedlichen Ziele diese» von den tapferen Magyaren hoch in Ehren gehaltenen Bündnisse» mit der österreichisch-ungarischen Monarchie und dem neu geeinigten Italien btaucht heute kein Wort mehr verloren zu werden. Eine lange Reihe von Friedensjahren bezeugen die wohlthätige Kraft de» Dreibünde».
Berlin, 19. September. Die erste Plenarsitzung des BuudeSrath» ist, wie bestätigt wird, für deu 7. October in Aussicht genommen.
Berlin, 19. September. In dem MajestätSbeleidigungS- Prozeß gegen den Reichstagsabgeordneten Liebknecht st d-r R-bistouSt-rmiu oor dem R-'ch«g-richt auf den 12. uctooet
Mannheim. 19. September. G-st-rn “utb' ^'r b" di-tjährige Parteitag d-r deutschen B°l"part-i abgehalten. ®< find etwa 140 D-l-girt- ann-es-nd. Reich,.


