taz-abgeordneter Payer» Stuttgart eröffnete die Berhavd. luogen mit einer Ansprache, in welcher er u. A. auSführte, die deutsche Bolk-partei könne mit guter Zuverficht in die Zukunft blicken und mit Ruhe den kommenden Reichstag»- Wahlen entgegenseheo, welche für andere Parteien fich al» ein Tag bei Gericht- erweisen dürften. Die deutsche Volk»« Partei habe ein Programm, tadelfest und gut, vou dem eS fich tu deu Tagen des Kampfe- zeigen müffe, daß eS Waffe und Schild zugleich für die Partei bilde. Die demokratische Partei habe früher tu schlechteu Zeiten fich uicht gefürchtet, sonderu fie sei immer auf dem Plan gewesen uud fie werde e- jetzt erst recht thuu, wo die Verhältnisse viel günstiger geworden seien. — Nach den Vorschlägen des weitereu AuS» fchuffeS der Partei werden ernannt zum Borsitzeuden Pro« feffor Hetmburger Karlsruhe, zu» zweiten Vorfitzeadeu Rechtsanwalt Kohn-Dortmund, zu Schriftführern Schmidt-Kaiserslautern, Redacteur Becker-Manuhetm uud Fabiau-Stuttgarr. — Nachdem Profeffor Hetmburg er deu Vorfitz überuommeu uud die Versammlung begrüßt hatte, erstattete Reichstag!« abgeordneter Gall er «Stuttgart den Kaffeubericht uud tm Anschluß hieran in Vertretung de- am Erscheinen verhinderten ReichltagSabgeordueten Ehnt das Referat über die Thätigkeit der demokratischen Partei tm Reichstage. Redner ist der Ansicht, daß das im Reichstage Geleistete uicht dem Aufwand an Zeit uud Muse eotspreche. Den demokratischen Reichstags- abgeordneten sei vielfach der Vorwurf gemacht wordeu, daß fie tm Reichstage nicht genügend vertreten seien. Er (Redner) gebe zu, daß die volkSparteilichen Abgeordneten nicht beffer deu Reichstag besuchten als die übrigen Parteien, aber auch nicht schlechter. WaS speziell die württembergischeu demo« krartscheu Reichstagsabgeordneten anbelangt, so hätten dieselben in der württembergischeu Kammer tu Stuttgart eine viel beffere Thätigkeit entfalten köuueu, als in Berlin, wo das Juokerthum herrsche. Im Weitereu bespricht Redner die etnzelueu gesetzgeberischen Materien, die den Reichstag »m abgelaufenen Jahre beschäftigten. Am Schluffe der DtS- cusfion wurde folgender Antrag angenommen: „Der Parteitag spricht den votksparteilicheu Abgeordneten sür ihre opfervolle Vertretung der Bolksiatereffen aufrichtigsten Dank und daS Vertrauen der Partei aus." Der uächste Punkt der Tagesordnung, „Mittheilung der Commission für den Antrag, betreffend die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit", wird auf morgen vertagt. Zum Vorort wurde Stuttgart wiedergewählt. Es folgte sodauu die Wahl des engeren und des weiteren Ausschusses. Ja den engeren Ausschuß wurden ge« wählt die Herren Friedrich Payer, G. Ehoi, Conrad Hausmann, Friedrich Hausmann, Han- Hähule, (5. Schickler, I. O. Galler, Reinhold Ließ, Dr. Elsa-, GH Schmid, samwtlich in Stuttgart. Den Schluß bildete die Wahl von 18 Mitgliedern iu den weitereu Ausschuß.
Mannheim, 20. September. 18. Parteitag der deutschen Dolkspartet: Zweiter Tag. Deu ersten Punkt der Tagesordnung bildete die Mittheilung der Commission für Errichtung einer «rbeiterverficheruug, Referent war Herr Leopold Sou uemann- Frankfurt a. M. Die Stellung bestimmter Anträge behält fich die Commission für da- nächste Jahr vor. Hierauf erstattete Reichstag-abgeordneter Payer deu Parteiberichr. Im Anschluß hieran wird ein Antrag Frankfurt auf Anstellung eines ParteisecretärS angenommen. Ueber deu nächsten Berathungsvunkt, die Stellungnahme zu deu bevorstehendeu ReichStagSwahlen referirt Dr. Quidde- München. Sowohl baß Centrum, als die Nationalliberalen seien in politischer und wtrthschastlicher Hinsicht unzuverlässig. Eine Hauptrolle bet den Wahlen werde die Marinefrage spielen. Redner stellt eine Reihe von Anträgen, welche nach längerer Debatte einstimmig angenommen werden. Herr Friedrich HauSmann in Stuttgart theilte in derDiScufsion mit, daß die Demokratie bei den nächsten Wahlen nicht die Stimmung des Volkes zu fürchten habe, sondern die Candt- datennoth. Schon jetzt hätten mehrere württembergische Reichs- tagSabgeordnete u. A. Ehni und Hartmann erklärt, aus Ge- suudheitS- oder geschäftlichen Rücksichten unbedingt eine Can- dtdatur nicht mehr anzunehmen. Ein Antrag Frankfurt, tm März nächsten Jahres daselbst eine große ErtnnerungSfeier au bie Eröffnung des Vorparlaments t. I. 1848 zu veranstalten, wird angenommen. Der Volklveretn Constanz stellt den Antrag, eS solle als Voraussetzung für jede künftige Be« willigung zu militärischen Zwecken die Vorlage einer modernen Strasprozeßorduung, die Beschränkung der Militärgerichtsbarkeit auf rein dienstliche Vergehen und die Aenderung des Osfizter-PensiontrungSgesetzeS bezeichnet werden. Reichstags- abgeordneter Payer Stuttgart hält den Antrag für viel zu weitgehend. Er schlägt eine andere Fassung vor, in welcher dieselbe angenommen wird.
WB. Budapest. 20. September. Der Deutsche Kaiser ist heute Vormittag 10 Uhr hier eingetroffen.
C<x*k» xw» provinzielle-
•iefcen, deu 20. September.
• • «mpsaug. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog empfingen am 18. September u. A. den Realgymnasialledrer Lulay von Gießen.
* * dem Verwaltungsdienst. Se. Kgl. Hoheit der G r o ß h e r z o g haben Allergnädigst geruht, am 18. September den Kreilamtmann bet dem Kreisamt Gießen, Dr. Ferdinand Wüst, zum Kreisamtmanu bei dem KreiSamt Bensheim und den KreiSamimann bei dem KreiSamt Lauterbach, Dr. Otto Heinrichs, zum KreiSamtmann bei dem KreiSamt WormS letzteren mit Wirkung vom 1. October d. I. an zu ernennen.
• • Ernennungen. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 15. September den Lehrer an dem Ludwig-GeorgS-Gymuafium zu Darmstadt, Dr. Eduard Otto, zum Director der höheren Mädchenschule zu Offen« doch, den Lehrer am Gymnasium zu Bensheim, Dr. August Ahlheim, zum Lehrer an dem Ludwig Georgs-Gymnasium
zu Darmstadt, den Lehrer an der Realschule zu Darmstadt, Dr. Julius Leidolf, zum Lehrer au dem Ludwig-G:org«. Gymnasium daselbst, den Lehrer an der Realschule zu AIS- selb, Theodor Hof, zum Lehrer an der Realschule zu GernS- heim, den Lehrer an der Realschule zu Gernsheim, Ludwig Schmitt, zum Lehrer an der Realschule zu Alsfeld zu ernennen.
* • Ordens Verleihungen. Aus Anlaß der Anwesenheit Sr. Majestät de! Kaisers bei den Manöver« des 8. und 11. ArmeecorpS wurden nachbenanuten Offizieren u. f. w. u. A. die folgenden Auszeichnungen verliehen: der Stern zum Rothen Adler-Orden zweiter Klaffe mit Eichenlaub dem General-Lieutenant und Commandeur der Großh. Hessischen (25 ) Division v. Müller- der Rothe Adler-Orden dritter Klasse mit der Schleife und Schwertern am Ringe dem Oberst und Commandeur des 4. Großh. Hessischen Infanterie- Regiments (Prinz Carl) Nr. 118, v. Weiher- der Rothe Adler Orden dritter Klasse mit der Schleife dem Oberst und Commandeur des Jnfanterie-RegimentS Kaiser Wilhem II. (2. Großh. Hessisches) Nr. 116, v. Madai- dem Oberst und Commandeur des Großh. Hesfischen Feld-Artillerie-RegimentS Nr. 25 (Großh. Artillerie-CorpS), v. Beck- der Rothe Adler-Orden vierter Klasse dem Major vom 1. Großh. Hessischen Dragoner-Regiment (Garde-Dragoner-Regiment) Nr. 23, v. Steinau-Steiurück- dem Major z. D., BezirkS-Osfizier vom Landwehrbeztrk Gießen, Ritsert- dem Major z. D., Bezirks Offizier vom Landwehrbeztrk I Darmstadt, v. Brau- coui- dem Hauptmann vom 4. Großh. Hessischen Infanterie- Regiment (Prinz Carl) Nr. 118, Nif s en« Meyer- dem Hauptmann vom 1. Großh. Hesfischen Jnfanterie-(Leibgarde-) Regiment Nr. 115, Stubenrauch- dem Hauptmann vom Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hessisches) Nr. 116, Clausius- dem Rittmeister vom Großh. Hessischen Train-Bataillon Nr. 25, Kade- dem Hauptmann vom Großh. Hesfischen Feld«Artillerie«Regiment Nr. 25 (Großh. Artillerie-Corps), Graf v. Schwerin- dem Hauptmann und Ersten Offizier des Traindepots der Großh. Hesfischen (25.) Division, Weber- dem evangel. Garnison-Pfarrer tu Mainz, Wohlfahrt- dem Hauptmann vom Jnfanterie«Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hessisches) Nr. 116, Nückerber König!. Kronen.Orben zweiter Klaffe mit bem Stern dem General Major unb Commanbeur der 50. Infanterie- Brigade (2. Großh. Hessische), v. BiSmarck- der König!. Kronen Orden dritter Klaffe dem Oberst-Lieutenant und etatS- mäßigen Stabsoffizier des Großh. Hessischen Feld-Artillerie- RegimentS Nr. 25 (Großh. Artillerie-CorpS), Co uzen: dem Oberst-Lieutenant und etatSmäßigen Stabsoffizier des 1. Großh. Hessischen Jnfanterie.(Leibgarde.)RegimentS Nr. 115, v. Normann- dem Oberst-Lieutenant und etatSmäßigen Stabsoffizier des Jnfanterie-RegimentS Kaiser Wilhelm II. (2. Grotzh. Hessisches) Nr. 116, Bigge- dem Justiz-Rath und Divifions'Auditeur von der Großh. Hessischen (25.) Division, commandirt beim Kriegs-Ministerium, Friedrich Wolf- dem Ober-StabSarzt erster Klaffe und Garnisonarzt in Mainz, Dr. Das sow- der König!. Kronen-Orden vierter Klaffe dem Zahlmeister vom Großh. Hessischen Train» bataillon Nr. 25, Wie gm ann- daS Allgemeine Ehrenzeichen in Gold bem Musikdirektor vom 1. Großh. Hesfischen Dragoner-Regiment (Garde-Dragoner-Regiment) Nr. 23, Engel- dem Wachtmeister vom 2. Großh. Hessischen Dragoner-Regiment (Leib-Dragoner-Regiment) Nr. 24, Dehr- berg- daS Allgemeine Ehrenzeichen dem Wachtmeister und Zahlmeister-Aspirant vom 2. Großh. Hessischen Dragoner- Regiment (Letb-Drogoner-Regiment) Nr. 24, Wiese- dem BeztrkS.Feldwebel vom Landwehrbezirk II Darmstadt, Müller- dem Wachtmeister vom Großh. Hessischen Feld-Artillerie- Regiment Nr. 25 (Großh. Artillerie Corps), Siebert - dem Bice-Wachtmeister und Schirrmeister vom Train-Depot der Großh. Hesfischen (25.) Division, Engel- dem Feldwebel vom 1. Großh. Hessischen Jnfanterie.(Leibgarde-)Regiment Nr. 115, Dörr- bem Wallmeister von bei Fortification in Mainz, Geiger- bem Büchsenmacher vom 4. Großh. Hesfi. scheu Jnfanterie.Regiwent (Prinz Carl) Nr. 118, Thomas.
* • Manöver-Kranke. Die Berichte, welche während der diesjährigen Manöver über den Gesundheitszustand der Truppen den Zeitungen zugingen, waren in Bezug auf die Krankenzahl vielfach übertrieben und geeignet, Besorgniß zu erregen. So wird uns mit Hinweis auf den in Nr. 212 b. Bl. veröffentlichten, unS aus bem Manövergebiet zuge- gangenen Bericht, wonach allein baS Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm" über 200 Kranke unb Marode in die Garnison zurückgesonbt habe, von authentischer Seite mit- getheilt, daß thatsächlich nur 27 Erkrankte in daS hiesige Lazareth gebracht wurden.
• • Stadttheater. Aus bem Theaterbüreau werben wir um Aufnahme folgenbet Zeilen ersucht: Die Abonnement- liste wirb nunmehr in Circnlation gesetzt unb bet Beachtung bet Theatetfreunbe besten- empfohlen. Es gelangen Dutzenb- billetS (1. Sette) sür Sperrsitz, 1. unb 2. Parquet zur AuS- gäbe, welche zu ben Aufführungen in beliebiger Anzahl ver- wendet werden können und in ben ersten 25 Abonnement- Vorstellungen zu benutzen finb. ES wirb ausbrücklich darauf hingewiesen, daß auch btt Abonnementvorstellungen mit erhöhten Preisen (Gastspielen :c.) ben Inhabern von Dutzenb- billetS Preisermäßigung eingeraumt wirb.
* • Wegen Unterschlagung von Kunbeugelbern wurde heute Vormittag bet HanSbursche eine- hiesigen Bäckers iu Haft genommen.
Fahrraddieb, vor einiger Zeit kam einem hiesigen Gastwirth etn noch neues Fahrrad au« seinem Hofe ab- Hauben. Anfangs glaubte man allgemein, baß Frennbe fich einen Scherz erlaubt unb daS Rad versteckt hätten- nunmehr hat fich aber herauSgestellt, baß bet bereits wegen Diebstahl eines FahttabS bestrafte Zeichner Friebrich Wagner von hier bas Rad entwenbete unb nach Frankfurt a. M. brachte. Auch in Frankfurt a. M. stahl Wagner ein Fahrrab, unb befinbet fich derselbe jetzt bortselbst in Untersuchungshaft.
• • Lahnthal-Sangerbund. Der gestern im „Wiener Hof"
hierselbst tagenbe „Außerordentliche S5ngertag" würbe burch ben Vorsitzenden, Herrn Diehl-Marburg, Vormittags 11 Uhr mit herzlichen Begrüßungsworten eröffnet. Die Präsenzliste ergab bie Anwesenheit sämmtlicher Bundes- Vertreter. Nach Erledigung einiger internet Angelegenheiten wurde u. A. beschlossen, auf dem nächstjährigen Sängerfest in Marburg außer einigen größeren Chören auch einige Volkslieder zum Vortrag zu bringen. Zur Aufführung gelangen : „Germania, mein Vaterland", „Herr Heinrich sitzt am Bogelherd", „Maidle, bist mein Morgenstern", „Wo a klan's Hüttle stehl" und „Frei wie des Ablers mächtige» Gefieber". Ferner ist noch erwähnenswerth, baß Mitglieber, welche dem Bund ununterbrochen 25 Jahre angehören. ein Diplom erhalten, dagegen Diejenigen, die fich um den Bund besonder- verdient gemacht, zu Ehren-Mitgliedern ernannt werden sollen. Die Uebetteichung der Urkunden erfolgt auf den jeweiligen Sängerfesten. Hierauf wurde Herr Wagner- Wetzlar, welcher dem Bund seit Gründung desselben (1861) angehört, in Anerkennung seiner Verdienste, feierlich zu« Ehren-Mitglied ptoclamirt. Mit Worten deS Dankes für die rege Betheiligung, sowie bem Wunsche eines feucht-fröhlichen Wiedersehens in Marburg wurde der Sängenag gegen 1 Uhr durch ben Votfitzenben geschlossen. Der Nachmittag vereinigte bie Theilnehmer auf bet „LiebigShöhe". Die beiden hiesigen Bundesvereine „Harmonie" unb „Bauer'scher Gesangverein", welche schon am Vormittag gelegentlich der Eröffnung unb beS Schluffe» beS SängertageS bie Delegieren durch Vortrag einiger präcts vorgetragener Lieber erfreuten, boten ebenso, wie ein Quartett bet „Marburger Liedertafel", Alles auf, ben Anwesenden bie Zeit in angenehmer Weise zu verkürzen, waS burch reichen Beisall belohnt würbe.
* * Kreisfeuerwehrtag. Bei dem gestern in Lich unter Vorsitz beS Herrn RegieruugSrath Dr. Wallau stattgefundeuen ersten KreiSfeuetwehttag beS Kreises Gießen waren folgenbe Wehren durch deren Commandanten vertreten: Albach, Allendotf, Annerod, Bellersheim, Bettenhausen, Bitklar, Eberstadt, Garbenteich, Gtüningen, Hattenrod, Hausen, Heuchelheim, Holzheim, Hungen, Inheiden, Klein- Linden, Langd, Lang-GönS, LangSdotf, Leihgestern, Lich, Lollar, Muschenheim, Nonneuroth, Nieder-Bessingen, Oder- Bessingen, Obbornhofen, Oder Hörgern, Rabertshausen, Rod- Heim, RöthgeS, Ruttershausen, Steinbach, Steinheim, Trais- Horloff, Utphe, Gillingen, Watzenborn-Steinberg, Wieseck. Den Verhandlungen wohnten außerdem bei der Vorsitzende des Provinzial-FeuerwehrauSschuffeS, Herr Feller-Lollar und HerrKreiSfeuerwehrinspectorLooS«Gießen. Nach einigen belehrenden Vorträgen, das Feuerwehtwesen unb beten Ge- räthe betreffend würben verschiebet» etngegangene Anträge erlebigt unb zum Schluß ein Btanbangriff von bet freiwilligen Feuerwehr Lich anSgeführt, welcher al» gelungen betrachtet werben kann. Sonntag ben 26. b. Mts. finbet in Hamel- Gartensaal in ©rünberg ein KreiSfeuerwehrtag für bie übrigen Wehten des Kreise» statt.
•• Aus Anlaß bei letzten Duelle». Wir erhielten folgenbe Zuschrift: Gestern (Sonntag) früh 8—9 Uhr habe ich mit zwei BrÜbern eines tm Duell Gefallenen eine ernste unb traurige Fahrt gemacht- tief gebeugt unb niedergeschlagen geleiteten fie die Leiche des jüngsten Bruders zum Grabe in heimathlicher Erde. Ich habe versucht, bie Leibtragenden zu trösten und aufzurichteu. Sie hatten für ben ©ruber nut Worte der Anerkennung unb treuer ©ruberliebe, beklagten aber tief seinen jähen Tob unb zwar ben Tob unter ben bekannten Umstänben unb Ereignissen. Da« bietet mir willkommenen Anlaß, Alle, bie btefe Zeilen lesen, recht bring- lich -u bitten, wo immer bem Einzelnen bie Gelegenheit fich bietet, in versöhnlichem Sinne auf Anbere mit aller Kraft einzuwirken. Vorurtheile, Unversöhnlichkeit, falsche widerchristliche Anschauungen Mancher müssen doch mit der Zeit weichen unb geklart werben. Mag e» bem Einen ober Andern immerhin schwer fallen, eS ist eine sittliche unb christ. liehe Pflicht für Alle, bie sich Christen nennen, baß ba» Duell, wie es fich hier wieber vollzog, gründlich beseitigt werbe. Das sorbert bie Verantwortlichkeit vor Gott wie vor ben Menschen (Eltern, Geschwister, Berwanbten rc.). Mit ein- schneibenber Kraft rebet bas letzte Duell wieder zu allen fühlenden Herzen und Gewissen, unb bagegen — gegen bie Stimme unb ba« Urtheil einer großen Majorität — können und dürfen einzelne wenige nicht ankämpfen unb burch. bringen. Gott sei Dank ist baS Duell innerhalb ber bewaffneten Macht auf baS Alleräußerste beschränkt- unsere Offiziere wissen es unb folgen gerne bem Rufe ihres obersten Kriegsherrn. Es war ein bekannter Dichter, ber fang: „Tapfer, wer fich selbst bezwang", unb von unferm gemeinsamen Meister stehet geschrieben: Welcher nicht wieder schalt, ba er gescholten warb, nicht brohte, ba er litt- er stellte e« aber dem anheim, der ba recht richtet. Er hat auch bie Feinbe»- liebe Allen geboten. L. in 0.
A Main,. 19. September. Die Frage der Ein- gemeinbung von Kastel zu Mainz, welche wegen Ad- Wesenheit mehrerer Stadtverorbneter schon ein Vierteljahr i« Schoße ber hiesigen stäbtischen Verwaltung tief schlummert, tritt, nachbem eine beschlußfähige Zahl Stabtverorbneter glücklich wieber eingetroffen, nun auch wieber in ben Vorder- gründ unb soll jetzt von Mainz au« mit allem Nachdruck behandelt werben. In einer auf ben nächsten Dienstag ein- berufenen Sitzung der s. Z. bezüglich ber Eingemeindung gewählten Specialcommission werden zunächst die Bedingungen der Berathung unterzogen, welche der Rafteier Gemeinde- rath schon vor vielen Monaten für die Eingemeindung festgesetzt hat. Diese Kasseler Bedingungen find alsbald nach ihrer Feststellung in bie Oeffentlichkeit gelangt unb stießen tu ber Mainzer Bevölkerung auf ziemlichen Wiberftand, weß- halb zu erwarten ist, baß i och wesentliche Aenderungen ber Kasteler Anforderungen eintreten, bevor ein Abschluß ber Angeleger-Heit erfolgen kann. — Wie von verschiebenen Seiten mitgetheilt wird, hat bie Eisenbahn Direktion Mainz zur Sicherung be» Eisenbahn-Verkehr» soeben eine Bekanntmachung


