Ausgabe 
18.8.1897 Erstes Blatt
 
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Zwischenfall wiedergewählt. Einige Präfideuteo gaben ihrer patriotischen Genugtuung über die demnächstige Reise deS Präfioeoteu Faure nach Rußland Ausdruck.

Madrid, 16. August. In Anwesenheit sämnrtlicher Minister fand heute in der Kirche San Francisco ein feier« ltcher TranergotteSdieust zu Ehren von Lauova» statt.

Poneo, 16. Augnst. Dschevad Pascha sprach den Wunsch aus, daß die türkischen Truppen an der Revue über die Truppen der Mächte am Geburtstage des Kaisers Franz Josef, des Freundes des Sultans, Theil nehmen dürfen. Die Admirale erklärten sich damit einverstanden. Eine Compagnie Engländer wird den Punkt Galata zum Zwecke der Erweiterung des militärischen Gürtels zu Gunsten der Christen sowohl wie der Türken besetzen.

Depesche» des Bureau ,Herold.

Berlin, 16. August. Heute Nachmittag 1^/, Uhr empfing der Kaiser in WilhrlmShöhe den Grafen Leopold zu Ltppe«Btesterfeld, ältesten Sohn des Regenten des Fürstenthums Lippe, behufs Entgegennahme der Notification des Antritt- der Regentschaft.

Berlin, 16. August. Der Botschafter v. Bülow begibt sich morgen Abend zum Jmmediat-Bortrag beim Kaiser nach WtlhelmShöhe.

Berlin, 16. August. Reichskanzler Fürst Hohenlohe I wird dem Vernehmen nach vorauSfichtlich erst gegen Mitte deS nächsten Monats wieder in Berlin eintreffen.

Berlin, 16. August. Zur Untersuchung des bet Zelle vorgekommenen Eisen bahn uns alles hat sich der Vortragende Rath im Reichsetsenbahuamt, Geheimer Regte« ruugSrath v. Mo sonn au Ort und Stelle begeben.

Berlin, 16. August. Nach den letzten Nachrichten aus Zelle find bet dem vorgekommenen Eisenbahnunglück | drei Personen getödtet, sieben schwer verwundet. Die Ursache der Katastrophe ist verwuthlich ein Radbruch.

Berlin, 16. August. Die Minister Freiherr v. H a m m e r - stein, Thteleo und Freiherr v. d. Recke sind von ihrer Reise auS dem schlesischen UeberschwemmungSgebiet zurück« gekehrt.

Berlin, 16. August. DaS neue Bühneuwerk vou Hermann Sudermann,Johannes", ist von der Polizei verboten worden.

Berlin, 16. August. DaS Fortbestehen des CirkuS Renz ist nunmehr endgiltig sichergestellt. Ernst Renz, der Besitzer des Georgen-TattersallS und des Tattersalls in der Lutsenstraße, ein Neffe vou Franz Renz, wird daS Etabliffement mit allem lebenden und tobten Inventar über« nehmen. Ueber die Pläne des neuen DirrckorS verlautet bisher nur, daß er bereits am 1. September in Hamburg die Vorstellungen zu eröffnen gedenkt.

Dresden, 16. August. Ueber den bereits gemeldeteu Dampfer-Unfall wird noch berichtet: Gestern Abend 6 Uhr scheiterte der kleine FährdampferUndine" der GesellschaftKette", welcher vollbesetzt mir Besuchern von der Vogelwiese vom Neustädter Ufer nach dem Festplatz ab­gehen sollte. Gleichzeitig wollte auch ein größerer Dampfer abfahren. Auf derUndine" wurden nun durch Passagiere die Signalpfeifen beschädigt und infolge der jetzt ausftrömenden Dampfwolken entstand die Befürchtung einer Collifion mit dem größeren Dampfer. Alles flüchtete von derUndine" dem Ufer zu. Jnfolgedesseu eintretender einseitiger Ueber- lastung wurde veranlaßt, daßUndine" umkippte. Etwa 30 bis 40 Menschen verschwanden in den Fluthen. Die Bootsleute und sonst anwesende Schiffer, Soldaten usw. retteten eine Anzahl Frauen und Kinder. Viele Kinder werden vermißt. Man vermuthet, daß 16 Personen ertrunken find, doch ist es auch möglich, daß sich die Zahl der Er« trunkenen noch höher stellt.

Zürich, 16. August. In der Nähe der deutschen Grenze fand heute eine von etwa 5000 deutschen, österreichischen, russischen, italienischen und Schweizer S oct allsten besuchte Parteiversammlung statt, tu welcher Bebel sprach.

Wien, 16. August. DiePolit. Corr." meldet aus Sosta: Anläßlich deS Jahrestages des Regierungsantritts des Fürsten Ferdinand richtete der Sultan eine herz­liche Glückwunschdepesche an den Fürsten und befahl, daß daS türkische Commiffariat in Sofia, sowie die türkischen Handels- Agenturen in Bulgarien aus erwähntem Anlaß illuminiren.

Graz. 16. August. In Laibach wurden von einem Feste in Gottschee zurückgekchrte Deutsche trotz der großen SichcrheitSvorkehrungen von dort angesawmelten Slovenen thärlich angegriffen und mit den Rufen:Schlagt die deutschen Hunde tobt!" empfangen. Die Polizei mußte die Deutschen mit blanker Waffe schützen.

Budapest, 16. August. Beim eisernen Thor stürzte ein Gymnasialschüler ab und war sofort tobt.

Madrid, 16 August. Das Kriegsgericht verurtheilte den Mörder Lana vas' zum Tode. Das Urthetl unterliegt noch der Bestätigung des GeneralcapitänS.

Loudon, 16. August. Sämmtliche Morgenblätter be« sprechen das Duell dcS Prinzen von Orleans mit dem Grafen van Turin. Die beiden Prinzen, schreibt dieMarniug Post", haben ihren martialischen Geist gezeigt, der ihnen von ihren Ahnen überkommen ist. Jetzt aber darf man wohl hoffen, daß die Tollheit des Prinzen keine weiteren Folgen habe.

Loodou, 16 August.Daily News" melden aus Athen: Gestern nahmen 3000 im Bommertheater ver« sammelte Bürger folgende Resolution an: Angesichts der Thatsache, daß Europa Griechenland einen ehrenwidrigeu Frieden aufgedrungen und weil die militärischen Positionen Griechenland» fast uneinnehmbar sind, fordern wir den König auf, alle Bürger unter die Waffen zu rufen und sich selbst au die Spitze deS Heere» zu stellen.

verlill, 17. August. Ueber die Ergebnisse der Mi nist err eise in die schlesischen Ueberschwemmungsgebiete schreiben dieBerl. Pol. Nachr.": Die Minister haben sich

! davon überzeugt, daß einzelne Ortschaften sehr schwer ge­troffen find. Einigen Gemeinden wurden bereits namhafte Geldbeträge zur Linderung der augenblicklichen Noth über­wiesen. DaS StaatSminifterium wird in den nächsten Tagen eine Sitzung abhalteu, um wegen weiterer Unterstützungen Beschlüsse zu fassen. Dem Landtage wird bei seinem nächsten Zusammentritt eine Vorlage zur Lösung der Frage der Der- Hütung der Hochwasserschäden in Schlesien zugehen.

Berlin, 17. August. DerLocalanz." meldet aus Ham wer fest, daß der Capitän eines SeehuudschiffeS eine Brieftaube schoß', welche eine geschloffene Depesche mit der Aufschrift trug:An daS Stockholmer Astonblad." Der Inhalt der Depesche habe gelautet:82° pasfirt, gute Fahrt nordwärts. Andrer." Der Schußort war die Oft- seite der Sieben Inseln, die Zen der 21. Juli.

Berlin, 17. August. Herr v. Tausch hat auf seinen Antrag einen Nachurlaub erhalten. DaS erneuerte Urlaubs­gesuch ist mit seinem schwankenden Zustand begründet.

Cassel, 17. August. Der Kaiser stattete gestern dem Professor Knack fuß in der Kunstakademie einen ll/,stün- digen Besuch ab und saß demselben zu einem Gemälde.

Oldenburg, 17. August. Die Taufe deS Sohnes des Erbprinzen von Oldenburg findet Ende diese» Monat­unter Anwesenheit des Kaisers als Taufpathen statt.

CoctiUs unb ptwittsidtes.,

Gießen, den 17. August.

Kirchliche Dieustuachricht Se. Königl. Hoheit der Großhcrzog haben Allergnädigst geruht, den Pfarrer Georg Schönewolf zu Geinsheim auf sein Nachsuchen vou der ihm übertragenen evangelischen Pfarrstelle zu Beuern, Decanat Gießen, wieder zu entheben.

* * Stenographisches. Bei dem diesjährigen Verbands- tage Hessen Nassauischer Gabrlsberger'icher Stenographen in Höchst a. M. erhielt Herr Heinrich Bickel zu Gießen im Wettstreiie mit den Gabelsberger'ichen Stenographen- Vereinen Höchst, Offenbach und Frankfurt a. M. den 1. Preis. Der 2. Preis fiel nach Höchst a. M.

* * Todesfälle in Hessen. Im 1. Quartal 1897 wurden in Hessen 5223 Todesfälle verzeichnet. Davon entfallen auf Starkenburg 2233, Oberheffen 1388, Rheinhessen 1612 Verstorbene. Davon waren Kinder unter 15 Jahren 1671, Erwachsene 3095. An Influenza verstorben 158 Personen, an Masern 71, Scharlack 12, Bräune 84, Keuchhusten 60, Typhu» 10, Rose 18, Genickstarre 7, Wochenbettfieber 20, Lungenschwindsucht 764, Lungenentzündung 992, Gehirn- schlag 181, acute Herzkrankheiten 216, Darmkatarrh 70, Lebensschwäche 132, Krebs 244, Altersschwäche 502 Nicht ermittelt blieb die Todesursache bei 496 Personen, mit Selbstmord endeten 114.

* * Für FeldbergSfreuude dürfte die Nachricht interessant sein, daß jetzt dort 50 Personen in Betten übernachten können, Im alten Feldberghaus 25 und in den beiden neuen Häusern 15 und 10 Personen. Außerdem kann man Massen­quartier in der eigens dazu errichteten Halle de»alten Ungeheuer" erhalten. Alle drei Wirthschaften werden während deS kommenden Winters geöffnet bleiben.

Schnaps. Im Großherzogthum Hesien gab es im Betriebsjahre 1895/96 im Ganzen 441 Branntwein­brennereien, davon 119 irn Steuerbezirk Darmstakt, 105 in Offenbach, 82 in Gießen, 65 in WormS, 44 in Mainz und 26 in B>ngen - von diesen waren aber nur 280 in Betrieb unb zwar 165 landwirthschaftliche und 115 Material- Brennereien. An reinem Alkohol wurden 18 508 Hektoliter «egen 17 827 im Vorjahre probucirt; bazu wurden in der Hauptsache verwendet: 160 743 Doppelcentner Kartoffeln und 13 664 Doppelcentner Getreide und Mais, ferner 7492 Hec-oliter Hefenbrühe, 3685 Hcctoliter gepreßte Wein« Hefe, 2664 H.ctoliter W inireber, 2123 Hectoltter Trauben­wein, 3620 Hectoliter Steinobst rc. An Branntweinsteuer wurden im Ganzen 1280860 Mk. vereinnahmt.

e* 3n Amerika verstorbene Hessen. New York, LewiS May, 74 Jahre alt, aus Worms. Daselbst. Henry Schaffner, 57 Jahre alt, au» Pfungstadt. St. Louis, Mo., Frau Catharina Liebig geb. Röd-r, 59 Jahre alt, aus Groß-Bieberau. Daselbst. Frau Elise Lüdeking geb. Dauber, 80 Jahre alt, auS Waldmtchelbach. New-York, Frau Anna Catharina Dölle, 64 Jahre alt, aus Schlitz. Wausau, Wis., Frau Elisabeth Kuhlmann geb. Hamm, 82 Jahre alt.

vad-Nauheiw, 16. August. Gestern war in Rödgen, Amtsgericht Bad-Nauheim, Kirchweihe. Gegen Mitternacht gab eS in der Krauch'schen Wirthschaft in Rödgen Streit, ©in Arbeiter Namen« Philipp Säckinger aus Rödgen erhielt von einem Dreschmaschinenarbeiter Georg Ebers aus Schwetzingen, dermalen in Ober-Wöllstadt, einen Messer­stich in den Unterleib. Als der in der Wirthschaft an- wesende Bürgermeister Hartmann von Rödgen den Eber» für verhaftet erklärte, gab ihm dieser mit aller Wucht einen Messerstich in den Unterleib, daß die Därme hervortraten. Die Verletzung wird mit der größten Wahrscheinlichkeit tödt- lich verlaufen. Der Mordbube, der auch nock einen Dienst- knecht in den Hal« stach, flüchtete. Die Verfolgung ist ein« geleitet. Das Gericht schritt noch in der Nacht ein. Auch die Verletzung deS Säck nger ist bedenklich.

+ Hihkirchen, 16. August. Gestern Abend erhängte sich hier der Knecht des GaftwirthS Kromm, den angestellten Ermittelungen nach auS Angst vor der Militärdienstpflicht, welcher er in nächster Zeit zu genügen hatte.

Braunfels, 15. August. Die AuSstelluug für Handwerk unb Hausindustrie hier, die von dem im vorigen Jahre durch den Prwzen Albrecht zu SolmS-Brauu- Ul« in» Leben gerufenen VereinLaude-wohlfahrt" ver-

I austaltet wurde, hat es sich zur Aufgabe gestellt, innerhalb deS StandeSgebieteS SolmS-BraunfelS da» Handwerk zu fördern und geeignete Hausindustrien einzuführen. Die Ausstellung sollte nur einen Monat geöffnet bleiben, da aver daS Jntereffe an ihr bei der ländlichen Bevölkerung ein überraschend lebhafte» geworden ist, wird sie noch bi» Gode | September geöffnet bleiben. Die Berliner ZeitschriftLand- bringt einen längeren Artikel über die Ausstellung, worin

1 heroorgehoben wird, daß sie durchaus originell und in hohrm I Maße beachtenswerth sei und wohl als der erste gelungene Versuch verzeichnet werden dürfe, auf dem Lande eine tlcice Gewerbeausstellung abzuhalten, die mehr practischen Nutzen für den kleinen Handwerker habe, als die für ihn meist un­erreichbaren großen Ausstellungen. Die Ausstellung zeigt nicht nur, wie vortrefflich und preiswürdig unsere ländlichen Handwerker arbeiten und waS der HauSfleiß an Handarbeit heutigen TagcS leistet, sondern gibt uns auch einen höchst interessanten geschichtlichen Ueberbl'ck über die Leistungen früherer Jahrhunderte, mit seinen Zunftschildern, Zunft- truhen rc. bi» zurück in die Urzeit, deren Stein- und B urce« Waffen, Geräthe und Töpferarbeiten das allgemeine Interesse Hervorrufen. Um lehrreich unb anregenb auf die Bewölke- rung einzuwirken, hat man auch von auswärts interessante Collectionen zur Ausstellung gebracht, wie z. B. eine schöne Sammlung von Töpferwaaren auS Marburg unb von Korb- flechtwaaren aus GräsenwieSbach. Hochinteressant tfl bie Ausstellung, ble Herr vr. Fischbach auS WieSbaben aus seinem berühmten Textilmuseum zusammengestellt hat. Den Reisenben, bie bas schöne Lahnthal anzieht, wirb eS will­kommen sein, bei einem Besuche des seheuSwerthen Stamm- schlosse» Braunfels unb seiner herrlichen Umgebung, diese Gewerbeausstellung auf dem Lande in Augenschein nehmen zu können, von der ein Berichterstatter sagte, sie seiklein aber fein".

*D. Frankfurt a. M., 16. August. Die Samoaner im Zoologischen Garten werden, wenn eS die Witte­rung zuläßt, Mitcwoch um 6 Uhr Abends ein Schwimm- fest im großen Weiher veranstalten.

* Breslau, 16. August. Oberfchlefische Städtegemeiuden richten an das StaatSmiuisterium eine Bittschrift gegen bte bevorstehende vollständige Sperre der Schweine-Ein­fuhr au- Rußland.

* Schweidnitz, 12. August. In der Gerberei des Peitfchenfabrtkanten Hauer sollte eine Gerbergrube ihre» Inhalts entleert werden. Die Säugpumpe, die man zu diesem Zweck benutzte, verstopfte sich, sodaß man den Rest de» GrubininhalteS mit einem Eimer ausschöpfen wollte. Der beauftragte Arbeiter verlor die Besinnung und stürzte in bie Trübe. Herr Hauer wollte dem Manne zu Hülfe eilen, fiel jeboch ebenfalls in baS Loch. Ebenso erging eS brei andern Arbeitern, die Rettung bringen wollten. E« hatten sich in der Grube giftige Gase angesammelt, die bie Verunglückten betäubten. Mit Stricken konnten bie fünf Personen auS der Grube gezogen werben. Herr Haner starb sofort, zwn Arbeiter gaben nach einigen Stunden ihren Geist auf. Die beiben andern Verunglückten liegen sehr schwer krank darnieder.

* Türth (Bayern), 16 August. Ein Hilf-arbeiter des hiesigen Postamts, Christian Stürmer, ist nach Unter­schlagung von etwa 30,000 Mk. geflohen.

An der Umgestaltung des Fernsprechwesen» wird von den ElectricitätS-Technikern, und zwar sowohl von denen der Pofiverwaltung, wie auch von privaten, eifrig gearbeitet. E« handelt sich darum, die Aufgabe zu lösen, daß die Fernsprech- theilnehmer, anstatt wie bisher mit einer festen JahreSabgabe, künftig nach der Zahl und der Zeitdauer der von ihnen ge­führten Gespräche zur Z a h l u n g an die Fernsprechverwaltnng herangezogen werden, da eine gewisse Ungerechtigkeit in dem heutigen Umlage Verfahren liegt, daS für die Herstellung des Fernsprech Anschlusses eines großen Geschäfts Etablissements, daS während des ganzen Tages mit wenigen Unterbrechungen die Aufmerksamkeit und Thätigkeit des Fernsprechbeamten tn Anspruch nimmt, den gleichen Betrag fordert, wie für bie Fernsprechanlage eines kleinen Geschäftsmannes, der eS im Monat manchmal kaum auf hundert Gespräche bringt. Wie nun verlautet, ist die Zählung der Gespräche unb die Fest- strllung ihrer Dauer burch zweckmäßige electrische Anlagen bei den Vermittlungsämtern io gut wie vollständig gelungen. Es handelt sich nur noch um die Ueberwindung einer Schwierig­keit, nämlich um ble besonbere Registrlrung berjenlgen Fälle, wo ein Frrnsprechtheilnehmer das Amt ober einen anderen Theilnehmer vergeblich anruft. Nach dem augenblicklichen Stande der electro technischen Einrichtungen würde dieses An­rufen bis zur Ertheilung einer Antwort ober bis ber An« rufenbe selbst den Schluß herbeiführt, als besonderes Ge­spräch von den Controlapparaten registrirt werden. Da hierin, wie auch von der Fernsprechverwaltung anerkannt wird, in den meisten Fällen eine große Härte gegen den Theilnehmer liegen würde, so sinnen die Techniker aus Mittel, um dem Uebelstande abzuhelfen. Sobald diese Ausgabe gelöst ist, dürste zunächst ernstlich mit der Feststellung der Zahl und Zeitdauer der Telephongespräche vorgegangen und demnächst die auderweite Kostenberechnung für Fernsprechthellnehmer eingeführt werden.

* Heiratszwang. In ber Republik Argentinien scheinen, den Schilderungen amerikanischer Blätter nach zu urtheilen, höchst eigenartige Zustände zu herrschen. Da die Bevölkerung van Jahr zu Jahr im Abnehmen begriffen ist, hat man e« für nöthig befunden, allerhand mögliche und unmögliche Anordnungen zu treffen. Die tollsten Vorschläge wurden ber Legislatur unterbreitet, man beratschlagte und probirte, unb endgültig ist nun ein höchst sonderbare» Gefttz herausgegeben worden. Seit dem 1. Januar b. I. ist das« selbe bereits in Kraft getreten unb Zuwtderhanblungen werden auf btrt Strengste geahndet. Es darf also Niemand, sei cS nun Männlein oder Weiblein, ein ihm gemachte« Heiraths- anerbieten auSschlagen. ES ist nämlich in Argentinien an ber Tagesorbnung, baß auch Frauen unb Mädchen ble wich­tige Frage vorlegen bflrfen. Die betreffend Klausel be«