Ausgabe 
17.12.1897 Erstes Blatt
 
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und solchen Umfang genommen, daß et meine Pflicht ist, der neuen deutschen Hansa meinen Schatz angedeiheu zu lasten. ® e deutschen Brüder kirchlichen Berufe-, die hiuauSzogeu zu stillem Wirken, gilt e» zu schützen, und unter dem Panier der deutschen KriegSflagge soll unserem Handel sein Recht zu Theil werden, was wir beanspruchen dürfen. Der deutsche Handel kann nur gedeihlich fich entwickeln, wenn er fich unter der Retch-gewalt sicher fühlt. Die Reichsgewalt bedeutet Seegewalt, eine kann nicht ohne die andere bestehen. DaS durch Deine Division verstärkte Geschwader wird zum Schutze der heimischen Interessen gegen Jeden, der dem Deutschen nahetreteu will, aufzutreten haben. Mögen unsere Landsleute draußen die feste Ueberzeuguug haben, ob Priester oder Äauflente, daß der Schutz des Deutschen Reiches ihnen nach« haltig gewährt wird. Sollte je Einer unternehmen, un- tu unserem guten Rechte zu kränßeu oder za schädigen, bann fahre darein mit gepanzerter Faust und, so Gott will, sticht Dir Lorbeer um Deine juuge Stirn, den Niemand Dir neiden wird. In der festen Ueberzeugung, daß Du nach guten Vorbildern handelnd Vorbilder find in unserem Hause genügend vorhanden meinen Gedanken und Wünschen entsprechen wirst, trinke ich auf Deiu Wohl mit dem Wunsche für gute Fahrt, gute Au-richtuug, fröhliche Heimkehr! Prinz Heinrich dankte in seiner Erwiderung dafür, daß der Kaiser ihm diese- Eommando anvertraute- er versicherte, ihn locke nicht Ruhm und Lorbeer, ihn ziehe da- Evangelium de« Kaiser- im Au-lande zu verkünden und zu predigen Jedem, der eS hören, und Denen, die eS nicht hören wollen. Die- wolle er auf seine Fahne schreiben- er schloß mit dem Rufe:Geliebter Kaiser, ewig Hurrah!"

WB. Kiel, 16. December. Der Kreuzer©efion" verließ früh 8 Uhr den Krieg-Hafen caualwärtS. Nach 9 Uhr fuhr der KreuzerDeutschland", welcher die Kaiser» standarte und die Kriegsflagge gehißt, mit dem Kaiser, dem Prinzen Heinrich und den drei ältesten Kliisersöhnen auf der Sommandobrücke, unter Salutschüffen und Hurrahrufen au» dem Krieg-Hafen ab. Prinzessin Heinrich mit ihren Söhnen stand am Schloßfenster.

Hd. Kiel, 16. Dccember. Prinz Heinrich von Preußen begab sich heute Früh 8>/, Uhr vom Kgl. Schlosse nach der Barbarossa-Brücke. Auf dem Wege dorthin hatte da- Offizier- eorp» der Garnison, sowie die gesammte Garnison und die Admiralität Aufstellung genommen. Prinz Heinrich von Preußen verabschiedete sich von Admiral Köster und Admiral Thomsen, sowie von den übrigen anwesenden Offizieren und sagte:Ich freue mich herzlich, daß Sie gekommen find. Auf fröhliche- Wiedersehen!" Beim Etnsteigen in eine Pinaffe brachte Admiral Festdorfer ein dreifache- Hoch auf den scheidenden Prinzen au-, in welche die gesammte Menge begeistert einstimmte. Um 8*/< Uhr begaben fich die drei kaiserlichen Prinzen mit der Station- Macht an Bord der .Deutschland". Eine Viertelstunde später erschien der Kaiser und befahl unter dem Jubel der Menge die Abfahrt der .Deutschland". DaS Schiff ging in langsamem Tempo durch den Canal. Das Schlacht Schiff .Friedrich Karl" eröffnete den Salut, in welchen die übrigen Schiffe riufieleu.

CoceUs rrnd prwhijielto.

Gieße», den 16. December.

Empfang. Seine Königliche Hoheit der Groß» Herzog empfingen am 15. December u. A. den Amts- gerichtSrath Gebhardt von Gießen, den Professor Winkler von Gießen, den Rechner Wagner, Vorsitzender de- Gesang­vereins .Liederkranz", von Gießen.

* Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog Haden Allergnädigst geruht, den Laudgericht-rath bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Gustav Kullmann zum Oberlande-gerichtsrath bei dem OberlandeSgericht mit Wirkung vom 1. Januar 1898 an, den Rechtsanwalt Eduard Holzapfel in Gießen zum Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Oberheffen mit Wirkung vom 1. Januar 1898 an zu ernennen.

Durch Verfügung Großh. Ministerium» der Justiz wurden die seitherigen Vorsitzenden der Kammern für Handels­sachen bei den Lanogenchten der Provinzen Starkenburg und Oberhessen, die Grohh. LandgerichtSräthe Dr. Werle in Darmstadt und Dr. Möbtu» in Gießen, sowie die seitherigen Stellvertreter derselben, die Großh. LandgerichtSräthe Dr. Meise! in Darmstadt und Dr. Schäfer in Gießen, auch für die Geschäftsjahre 1898, 1899 und 1900 zu Vor­sitzenden bezw. Stellvertretern der Vorsitzenden der genannten Kammern bestellt.

* Post Schalterdienst. Am Sonntag den 19. December find die Packetschalter wie an Wochentagen geöffnet.

* * Postalische». ES wird darauf aufmerksam g:macht, daß die Verzollung der steuerpflichtigen Poststücke am 19. und 25. December in der Zeit von 10 bi- 12 Uhr Vor­mittags bei dem Grohh. Hauptsteueramte ftatifindrt.

Am bonntag den 19. dS. MtS. ist, wie bereit- amt­lich bekannt gemacht, der Verkauf in den Ladengeschäften bi» Abends 9 Uhr gestattet.

* *H. btadttheater. Gestern Abend gelangte hier eine der jüngsten Novitäten, der dreiactige Schwank .Die Logen­brüder" von Karl Lauf- und Curt Kraatz zur Aufführung. Die in der Vorankündigung bereits rühmlichst heranSgehobenen Vorzüge diese- Stückes entsprachen der Thatsache, daß eS ein überaustoller Schwank" ist, der die Devise führen kannDu sollst und muht lachen". Den phantasie-begabten Verfasser der .Bocksprünge" (Kraatz) erkennt man wieder an der Lustigkeit und dem Uebermulh, der in denLogenbrüdern" in vielleicht noch trefflicherer Weise fich knadgtbt, ja selbst die darin vorkommende Parodie auf Halbe-Jugend" ist, wenn auch nicht geziemend, so doch originell verwerthet. DaS behandelte Thema ist kurz Folgendes: Ein flotter Schwieger­vater, Fabrikant Habelmann an- Prenzlau, hat bei Begiuu seiner Ehe seiner Frau vorgespiegelt, er sei Mitglied der Loge, ja sogar Meister vom Stuhl, um damit ihrer Eitelkeit

zu schmeicheln und für sich selbst ein paar unberufene Stunden Übrig zu haben, denn die theure Gattin sucht die Junggeselleu- Süuden ihre- lieben Timothäu- zu vergelten und ihrDenke an Eulalia" ist ihre stets wiederkehrende, Habelmaun Jahre hindurch zur Folter gewordene Drohung. AuS gleichem Aulah kommt auch feto Schwiegersohn Max Brückner in Berlin auf den gleichen Einfall, der auch manche Sünde vor seiner Gattin und thrannifirendeu Schwiegermutter zu ver­bergen hat. Beide .Logenbrüder" haben aber keine Ahnung von der Loge, halten fich aber, al- Papa Habelmann seinen Schwiegersohn in Berlin besucht, gegenseitig für Mitglieder derselben. Daran- und dem unglücklichen Zufall zufolge, daß ein wirklicher Logenbruder in der Person de- Architekten Földner, als Bewerber der jüngsten Tochter Habelmann-, sowie ein früherer Schmierendirector und nunmehrigerLogen- be^cblteßer" Bammelberger dazwischen kommt, ergibt sich ein Quiproquo der tollsten Mihverständniffe, die durch Brückner- Freund, dem früheren Damenkomiker und nunmehrigen Agenten Fischer vervollständigt werden. Im Genre vonCharley- Tante" markine derselbe zwei Acte lang als Dame eine Tochter der unseligen Eulalia, damit den Wirrwarr noch ver­größernd, aber auch den Haupttrumpf damit auSspielend. Die Darstellung war tresftich, das Zusammenspiel klappte befriedigend. Der zweite Act hätte Manche- in der Wirkung noch b-ffer ericheinen lassen, wenn nicht an Ueberrreibung so viel geleistet worden wäre- auch die Psrudotochter verdarb Viele- durch falsche Posen. Herr Liebscher gab den Schwiegervater Habelmaun in trefflich derber Eharacteristik- besonder- liegen Herrn Liebscher diese Pantoffelhelden gerade nicht und manches Mätzchen muß deshalb stillschweigend mit in Kauf genommen werden. Als deffen Gattin Karoline traf Frau Keßler die richtige, echte Schwiegermutter, wie sie mit Vorliebe al- abschreckende- Beispiel gern angewandt wird. Herr Janson al- Schwiegersohn Brückner in tausend Aengsten, sowie Herr Fritzschler als Architekt Földner waren am richtigen Platze und im richtigen Fahrwasser. Der Gutsbesitzer Segnitz erfuhr durch Herrn Forsch eine treff­liche Wiedergabe- die Episodenrolle des Bammelberger, ehe­maligen SchmierendtrectorS und nunmehrigen LogenbeschließerS, gab Herrn Albrecht Gelegenheit, von seinem Komikertalent wiederum einen glänzenden Beweis zu liefern. Herr Böhm gefiel fich in seiner Damenrolle, hätte sie jedoch einheitlicher durchführen müffen, er vergaß fich darin öfter- und kam dann in die gefährliche Region der Uebertreibuug. Nicht ver­gessen sei die anerkeuuenSwerthe Leistung de-Frl. NatusiuS al- Köchin Barbara. Die übrigen Rollen waren gut besetzt und ebenso durchgeführt. DaS Publikum kam au- dem Lachen nicht heran- und spendete stürmischen Beifall, mitunter bei offener Scene. Da- Hau- war gut besucht. Auf eine Wiederholung diese- Schwanke-, der ein Specificum gegen Melancholie ist, sei ganz besonder- aufmerksam gemacht und der Besuch empfohlen.

Sladttheater. Auf da- morgen Freitag den 17. l. M. stattfindende Benefiz für Herrn Dir. Alfred Helm, für welche- der Künstler das Moser'sche Lustspiel Der Sclave" gewählt hat, sei hiermit nochmal- empfehlend hingewtesen. Da- genannte Stück gibt Herrn Helm Gelegen­heit, in einer seiner besten, wirkungsvollsten Rollen al» TituS Bär", Schwiegervater an- Sachsen aufzutreten.

* Antisemitische Sandidatnre«. Aus dem Parteitag der deutschsozialen Reformpartei für den hessischen Landes­verband wurden nach einer Mtttheilung desDarmst. Tägl. Anzeigers" als Candidateu genannt die Abgeordneten Binde­wald, Hirschel und Köhler für ihre bisherigen Kreise (Alrfeld- Lauterbach Schotten, Erbach'BenSheim, Gießen R'ddo)- Stadt- verordneter Normet Darmstadt für Darmstodt-Groß Gerau - GutSbefitzcr Leopard-Melbach für Friedberg - Büdingen- Landwirth Mich. Wolf-Stadecken für Bingen-Alzey. Weitere Candtdaturen wurden in Aussicht genommen für Wetzlar, Dillenburg-Herborn, Hanau, Offenbach, Frankfurt a. Main und Mainz.

Ansichtspostkarten bilden noch immer ein beliebtes Mittel zur Uebermitteluvg von Grüßen an Entfernte - sie tragen wesentlich mit bei zur Erhaltung der Freundschaft und bewahren die Menschen vor gegenseitigem Vergessen. ES ist daher erklärlich, daß in der Herstellung dieser Postkarten sich daS Bestreben geltend macht, immer Nene- und Originelles zu bieten, neue Formen und Bilder zu finden. Das neuer­lich beliebt gewordene Pladndruckversahren hat fich besonders der AnfichtSpostkarten bemächtigt- Photograph-e-Aehnlichkeit desselben verleiht den Karten ein vornehme- Aussehen und läßt fie dem Empfänger zum Sammeln werth erscheinen. Eine neue Serie Karten hat der Kunstverlag von Ernst Balser hier in diesen Tagen erscheinen lassen. Dargestellt find auf denselben naturgetreu der Bahnhof, die Earp-Häuser der .Hasfia" undStarkenburgia", Kreuzplatz, Marktplatz, JohanneSkirche, alte Kaserne, Liebigdeukmal, Universität», gebäude nebst Laboratorium, der SelterSweg, der Gleiberg und eine Gefammtanficht Gießens. Die Ansichtspostkarten werden ohne Zweifel bei dem bevorstehenden Jahreswechsel manche der üblichen Glückwunschkarten ersetzen und den Em­pfängern Freude bereiten.

Verunglückt. Der fünfjährige Heinrich Götze und der fünfjährige Wilhelm Mehler begaben sich gestern Mittag nach dem Bahngeleise am sogen. Kohlenstrang, um ihre Väter, welche beide als Weichensteller dortselbst thätig waren, auf­zusuchen. Hierbei machten fich dieselben an dem zur Abfahrt bereit stehenden Gütrrzug zu schaffen und geriethen beide unter den abfahrenden Zug. Dem Götze wurde daS linke Bein und die Zehen des rechten Fußes, dem Wilhelm Mehler der linke Fuß abgefahren- außerdem erlitt Letzterer noch eine Verletzung am Hinterkopf. Die beiden Jungen wurden tu die chirurgische Klinik gebracht.

Verhaftet wurde gestern Abend der HauSbursche eine- hiesigen kaufmänutfchen Geschäftes wegen Unterschlagung ihm anvertrauter Gelder.

Wetterbericht. Die Wetterlage hat sich im Großen und Ganzen gegen gestern nur wenig verändert. Im Innern

Rußland- ist daS Barometer gestiegen- dagegen besteht da» au«gedehnte Depressionsgebiet Über dem Nordwesten de» Erd» theilS fort. Heber Central- und Süd Europa zeigt die Luft- druckoerrhrilung gleichfalls keine wesentliche Aendernng. DaS unbeständige, aber milde Wetter hält daher an. Voraus­sichtliche Witterung: Zunächst noch ziemlich milb, aber unbeständig.

Schwurgericht.

W. Gießen, 15. December.

Die als Zeugen vernommenen Einjährig Freiwilligen Wehner, Walter und Marx schildern die Vorgänge tn der Turnhalle zu Nteder-Florstadt wie bereit- vom Ange­klagten angegeben. Der Bruder de- verstorbenen Jakobi, Lehrer Karl Albert Jikobi von Gambach, legt da- Notiz- buch seine- Bruders vor, welche- derselbe während de» ManöverS gesührt hat. ES wird daran- die Aufzeichnung über die Vorgänge io Nreder-Florstadt verlesen, womit fich die Angaben tn der Anklageschrift decken. Der Zeuge ist zu dem Angeklagten Koch gegangen, um über den Grund dr» Duells Nähere- zu erfahren- dieser hat ihm erzählt, sein Bruder habe anfänglich die Forderung auf Pistollen nicht anuehmen wollen, er habe aber schließlich nicht anders ge­konnt, wenn er nicht als Feigling habe dastehen wollen. Die Frage de» Vorfitzenden, ob der Zeuge gewußt, daß zwischen Schmitz und seinem Bruder eine Säbelforderung anhängig gewesen und ob er die Mittheilungen de- Ange­klagten Kcch nicht falsch verstanden habe nach deffen Darstellung habe Jakobi Bedenken gehabt, ob er nicht erst die anhängige Säbelsache mit Schmitz au-zufechten haben würde, ehe er fich diesem auf Pistolen stelle erklärt der Zeuge Jakobi, er habe von dieser Forderung nicht- gewußt. Durch den Zeugen Kaspar Herm. Wetz wird festgestellt, wo- die Anklage behauptet, daß nämlich Jakobi in Nieder- Florstadt zuerst thätlich geworden. Der CorpSdiener Müller erklärt, er könne über die Personen, die da» Ehrengericht gebildet, nicht» sagen, er habe Niemand dazu bestellt. Dieselbe Aussage macht der Co,PSdiener Wilhelm Dörr, er könne auch nicht sagen, daß zwei Tage vor dem Duell auf dem H sseuhaus eine Versammlung gewesen sei, der Nicht Hessen beigewohnt hätten. CorpSdiener Luft will von einem Ehrengericht ebenfalls nichts wissen. Büchsenmacher Dicko rS bezeugt, er bewahre für die CorpS bereu Pistolen auf- am Tage vor dem stattgehabten Duell habe man die Waffen der Starkenburger und Teutonen durch die CorpSdiener bei ihm holen lassen und am nächsten Tage Morgen» gegen 8 Uhr sind die Pistolen zurückgekommen. Der Zeuge bemerkt, daß die Pistole der Teutonen unabgeschossrn zurück« geliefert sei, dieselbe war verladen, die Waffe der Starken- burger war gebraucht worden. Dr. med. Schwan, der al» Arzt bei dem Zweikampf fungttie, bekundet den Hergang des­selben in Uebereinstimmnng mit der Anklage. Er wird dann über das Wesen de» studentischen Ehrengericht» gehört und bemerkt, daß die drei Corps die Gerichtsherren stellen, daß dasselbe die geforderten Waffen Nicht verschärfen, sondern nur mildern dürfe. Da» Duell auf Pistolen und Dobel müsse vorher dem Ehrengerichte unterbreitet werden und diese- bat zu entscheiden, ob dasselbe stattfivden soll oder nicht. Nur wenn da» Ehrengericht da- Duell billig«, geben die CorpS die Waffen zu demselben her sonst könne man Waffen zum Zweikampf nicht haben. Auf Befragen beS Ver- theidigerS Recht-anwalt Schimmelpfeng macht Dr. Schwan ben Geschworenen klar, was einAlter Herr" sei. Aus An­trag des Staat-anwaltS wirb ber im Saale anwesende Ge« richtSaccelfist Fresenius al» Zeuge darüber vernommen, wie die Duellangelegenheit bei den Burschenschaften und Landsmannschaften gehandhabt werde. Er erklärt, ßaä, wer deren Waffen bet schwerer Forderung haben wolle, fich vorder dem Spruch eine» Ehrengerichte» zu unterwerfen habe. Der etud jur. Carl Iann wird ebenfalls sehr eingehend Über da- Wesen de» studentischen Ehrengerichts vernommen, er ist ber Ansicht, baß, wenn das Ehrengericht ba» Duell ablehne, die Betreffenden von den CorpS keine Waffen erhalten, er­holten dieselben ober CorpSwaffen, so sei daS Duell auch vom Ehrengericht gebilligt. Wohl kann eS möglich sein, daß einAlter Herr" deS CorpS die Waffen erhalten könne, aber bei einem nicht corporirten Gtudent-n sei baß ohne Ehren­gericht nicht möglich. Der etud. jur. Paul Hartmann ist ber Ansicht, daß ohne ehrengerichtliche Billigung eine» schweren Duells cs keine Corp-woffen zu bemfdben vom CorpS gtebt. Derselbe bemerkt weiter, daß er am Biertische gehöd, daß bie Angeklagten Brettel und Rübe im Ehrengerichte gesessen. Stud. phil. Ferb. Schäfer beponirt dasselbe, er wisse die» voa Brettel selbst, der ihm gesagt, er habe do» Ehren- gericht geleitet. Der Zeuge stud. jur. Herm. Weitz deponirt, daß ihm der Angeklagte Brettel mitgelheilt hat, daß Gebhardt, Langermann, Baa», Rübe, Koch und er selber daS Ehrengericht in der Duellaffaire gebildet hätten. Stud. chem. Erich Karl Meyer hat gesprächsweise gehört, daß die Angeklagten Brettel und Rübe dem Ehrengericht ange- hört Haden. Auf Befragen de» Staat-anwaltS erklärt der Zeuge, daß ber Comment vorschreibe, baß zwei Ehrengerichts- fitznngen staitznfiudeu hoben. Stud. jur. Ü. Seubert hat bem Schwitz die Tagung de- Ehrengerichts angesagt - der Zeuge weiß, baß Angeklagte Langermann unb Boa» baran Thetl genommen haben. Dem Zeugen ist we.ter be­kannt, baß Brettel, Gebhardt rc., auch zu den Mitgliedern des Ehrengericht» gehört haben und daß eine Sitzung des­selben in der Starkenburger Kneipe stattgesunben hat. Stud. juris Stempel von Marburg und stud. jur. Karl Metz erinnern fich nur einzelner Namen, die al» zum Ehren­gericht gehörig ihnen genannt wurden, welche fich unter den der Beihülfe zum verbrechen Augeklagten befinden. Der cand. med. Ludolf Gleim Hot eine» Tage» bie ber Bei» hülfe zu bem Zweikampfe sechs Angeklagten im Heffrohau» getroffen, er hat angenommen, oder glanden können, dag diese sech» Anwesenden da» Ehrengericht gebildet haben. Der Zeuge bestätigt dem Vertheidiger Schimmelpfeng, .daß