Ausgabe 
17.11.1897 Erstes Blatt
 
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führte. Der erste Gegenstand betraf ein Gesuch der Otto Becker Wittwe zu Höingen im Kreise Al»seld um (Son- cesfion zum WirthschaftSbetrieb. Die Gesuchstellerin wurde vom KreiSausschnß abg wiesen, da ein Bedürfniß nicht an« erkannt werden konnte und Hötngen eine gute Wirthschaft und eine BranntweivauSschankstelle besitze, die für die etwa 100 Seelen zählende Gemeinde genüge. Außerdem entspreche da» Local nicht den an einen WirthschaftSraum zu stellenden Anforderungen, da eS nicht geräumig und nur so hoch sei, daß ein mittelgroßer Mann mit dem Kopf an den Durch- zugbalkeu anstoße und bequem au die Decke reichen könne. Gesuchstellerin erhob gegen diesen abweisende» Bescheid Be- schwerde und ließ sich vor dem Provtnztalausschuß durch Rechtsanwalt Reh in AlSfeld vertreten. Derselbe hob be­sonder» hervor, daß Höingen namentlich im Sommer und an Sonntagen von vielen Fremden der Nachbargemetnden besucht würde und daß hierdurch ein Bedürfniß nach einer wetteren Wirthschaft vorliege. Auch der Beigeordnete MauS von Hötngen meinte, daß daselbst ganz gut noch eine Wirth- schüft bestehen könne und der Gemeinderath die Bedürfniß- froge bejaht habe. Der ProvinztalauSschuß hat jedoch da» KreiSauSschußerkeuntniß bestätigt. Der zweite Gegenstand betrifft einen Rrcur» des Johannes Nathes zu Appenrod gegen einen Poltzeibefehl des Großh. KreiSamtS Alsfeld. Das Wohnhaus des NaiheS ist schon seit Jahren baufällig. Obgleich demselben schon oftmals aufgegeben wurde, dasselbe repartren zu laffen, so unterließ er dies doch stets, so daß ihm in 1894 ein auf Ntederlequng des Hauses lautender Poltzeibefehl zugehen mußte. NatheS erwirkte sich wieder­holt Frist und als endlich in 1896 ein Zimmermann die Reparatur begonnen und neue» Gebälk aufgeschlagen hatte, kam eS zwischen diesem und NatheS zu einem Prozeß und die Arbeit blieb liegen. In diesem unfertigen, von mehreren Seiten offenen und nothdürftig mit Brettern zugenagelten Hause wohnt NatheS- da» mit Tüchern und Lumpen ver­hängte Bett desselben ist von der Straße sichtbar. Diesem Zustande suchte daS Großh. KreiSamt Alsfeld durch erneuten Poltzeibefehl vom Juni 1897 abzuhelfen, indem das fernere Bewohnen des Hauses bi» zur gründlichen Reparatur ver­boten wurde. NatheS legte hiergegen Berufung bei dem ProvtnzialauSschuß ein und bezweckt damit nur die Erlangung einer wetteren Frist, indem er angiebt, er könne keine Arbeit»- Leute bekommen, obgleich er sich schon seit einigen Jahren darum bemühe. Der ProvinztalauSschuß wieS jedoch seine Beschwerde ab, legte ihm die Kosten des Verfahren» und einen an die Provinzialkaffe zu zahlenden Averfionalbetrag von 20 Mk. zur Last. Die Erbauung eine« öffent­lichen Schlachthauses zu Lauterbach betreffend. Be­denken tu sanitärer Hinsicht veranlaßten im Jahre 1892 daS Großh. Kreisgesundheitsamt Lauterbach, die Erbauung eines öffentlichen Schlachthauses daselbst anzuregen. AuS dem vom Vorsitzenden abgegebenen Referat entnehmen wir, daß da» Großh. Kreisamt Lauterbach nach längeren Verhandlungen mit dem Stadtvorstand daselbst diesem daS Ansinnen stellte, 15 000- Wit für gedachten Zweck in den Voranschlag ein­zustellen. Dieses Ansinnen lehnte der Stadtvorstand ab, weil sämmtliche Metzger sich gegen den SchlachthauSzwang aussprachen, und bat, die Metzger anzuhalten, ihre vorhan­denen Prtvatschlächtrreien in ordnungsmäßigen Stand zu setzen. Nunmehr aber entschied der Kreisausschuß zu Lauter­bach, daß die Stadt, dem Anfinnen de» KreiSamtrs ent­sprechend, 15 000 Mk. für ein Schlachthaus aufzubringen habe. Der Stadtvorstand hatte nun auch die Absicht, dieser Entscheidung entsprechend, ein Schlachthaus zu errichten, doch stellte sich nach Fertigung sachlicher Pläne und Kostenvoran- schlüge heraus, daß ein den Anforderungen Lauterbachs ent­sprechende» Schlachthaus auf 34 000 Mk. zu stehen komme. Der Gemeinderath zu Lauterbach lehnte es nun ab, eine solche Summe aufzudringen und benachrichtigte hiervon das KreiSamt, worauf erneute» Anfinnen zur Einstellung von 15000 Mk. in den Voranschlag für ein einfacheS Schlacht­haus und wiederholte Ablehnung erfolgte, so daß der KreiS- auSschuß zu Lauterbach sich nochmals mit der Frage zu be­schäftigen hatte. Das Erkenntniß ging dahin, daß die Stadt Lauterbach zur Errichtung eines Schlachthauses, wenn nöthig, einen Kostenbetrag biß zu 34 000 Mk. aufzubringen habe. Hiergegen wurde Beschwerde an den ProvinzialauSschuß ver­folgt. In der mündlichen Verhandlung legte der Großh. Bürgermeister Stöpler von Lauterbach die Gründe dar, welche den Stadtoorftaud zur Ablehnung veranlaßten: die Metzger seien gegen SchlachthauSzwang, die bestehenden Schlächtereien könnten, soweit nöthig, in einen guten Zustand versetzt werden, die Stadt könne die Mittel von 34000 Mk. umsoweniger aufbringen, al» sie vor der Frage der Er­richtung einer Kanalisation der ganzen Stadt stehe und die Frage des Schlachthausbaues hiermit in dirrctem Zusammen­hang sich befinde, daß aber auch durch einen Schlachthaus- zwang die ohnehin schon hohen Preise für Fletsch- und Wurstwaaren sich immer noch erhöhten. Nach Beendigung der öffentlichen Verhandlung e.kannte der ProvinzialauSschuß zu Recht, daß daS letzte Erkenntniß des KreiSauSschuffeS zu Lauterbach aufzuheben sei.

** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- verfammlnng Donnerstag den 18. November 1897, Nachmittags */84 Uhr pünktlich: 1. Gesuch der Firma Wilhelm Reiber um Erlaubniß zur Anlage eines electrischen Leitungsdrahte» über Westanlage und Wolkengaffe. 2. Gesuch der Johanna Rothenberger um Erlaubniß zur Anlage eine« Rohrcrnal» von ihrem Hause Lindenplatz 8 nach dem Stadt- graben. 3. Ausbau der Goethestraße- hier ArbeitSver- gebung. 4. Pflasterung der VerbindungSstrahe zwischen West- Anlage und Hammstraße. 5. Beleuchtung der oberen Hamm- straße und der Westanlage nächst der Pumpstation. 6. Er­werb von Gelände de» Heinrich Winn für den Wetzlarerweg. 7. Ausbau der Lonystraße. 8. Den städtischen Platz an der Gabelung der Garten- und Bergstraße. 9. Die Verwilligung von Gcatificationen an die städtischen Taglöhuer. 10. Die historische (Sommisfion für Heffen und Waldeck- hier: Beitritt

der Stadt al» Stifter oder Patron. 11. Gesuch de» deut­schen Samariterbundes um Gewährung eine» Beitrags. 12. Octroirückoergütung bei der Ausfuhr von Fleisch und Fleischwaaren. 13. Gesuch des SchafhändlerS Heinrich Krri ling von Mainzlar um Erlaubniß zum Behüten der städtischen Wiesen. 14. Uebertragung von Errditen aus dem Rechnungs­jahr 1896/97 in daS Rechnungsjahr 1897/98. 15. Die Rechnung der Plockischen Stiftung pro 1896/97. 16. Den Voranschlag der Plockiichen Stiftung pro 1898/99. 17. Die Rechnung der Armenkaffe pro 1896/97. 18. Den Voran­schlag derArmenkaffe pro 1898/99. 19. Gesuch des Christian SchönhalS, Ederftraße 4, um Erlaubniß zum Branntwein- Verkauf über die Straße. 20. Gesuch des Christian Nebe, Rodheimerstraße 6, um Erlaubniß -um WirthschaftSbetrieb. 21. Gesuch des Laut» Elend nm Conceffion zum Wirth- schaftSbetrieb Wallthorstraße 6 (Darmstädter Hau»).

Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. ES wird be­sonders darauf aufmerksam gemacht, daß der Vortrag des Herrn Dr. Sven Hedin nicht imEinhorn" sondern in der großenAula der Univ ersität pünktlich 8^ Uhr stattfindet. Bei der ungewöhnlichen Bedeutung dieses Reisenden, deffen wiffenschaftliche ForschungSthatigkeit der der größten wissenschaftlichen Reisenden der letzten Jahrzehnte an die Seite gestellt werden darf, ist ein sehr zahlreicher Besuch zu erwarten. Die Mitglieder werden daher gebeten, ihre Platze möglichst früh einzunehmen. Neue Mitglieder können sich an der Tageskasse anmelden. Beitrag Mk. 4, für den Inhaber der Mitgliedskarte und deffen Angehörige für 5 bis 6 Vor­träge im Winter 1897/98.

* * Gura-Coucert. Aus Berlin wird geschrieben: Wer in der bis auf daS entlegenste Plätzchen besetzten Sing- Akademie Zeuge davon gewesen ist, welchen ununter­brochenen Jubel Tugen Gura mit seinem Vortrag Karl Loewe'scher Balladen hervorgerufen hat, wie die Elite der Reichshauptstadt sich an diesem Üppigen Quell frischer Melodik gar nicht ersättigen konnte, der muß zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß unsere Sänger sich selbst am meisten schädigen, wenn fie den Meister der Ballade tgnortren, oder gar al» Vergangenheitsmusik behandeln zu können glauben. Allerdings, unsere Tenoristen werden in den meisten Fällen vor der Loewe'schen Ballade die Waffen strecken müssen - Baritonisteu aber und Baffisten, denen ja ohnehin der größte Thetl dieser Balladen in den Mund gelegt ist, begehen mehr wie eine Unterlassungssünde, wenn fie an der Loewe'schen Ballade gleichgültig vorübergehen. Man glaube doch ja nicht, daß nun etwa die sämmtlichen Schätze dec Loewe'schen Ballade bereits gehoben find - wir möchten ganz im Gegentheil an­nehmen, daß, ganz abgesehen von den etwa zwei Dutzend Balladen, welche ständig die Programme unserer Balladen- Abende zieren, unter den nahezu 150 Werken, welche der Componist (mit Werkzahl) hinterlassen hat, fich noch Dutzende befinden, welche die Mühe des Schatzgräbers glänzend lohnen würden. Hat doch der unermüdlich strebende, um Loewe so hoch verdiente Künstler an diesem Abend den unzweideutigsten Beweis von der Wahrheit dieser unserer Behauptung ge­liefert. Wer kennt SckillerSGraf von Habsburg" in Loewe'scher Compofition und wer würde den Muth gehabt haben, ihn zu fingen? Eugen Gura hat den Muth der Initiative gehabt und hat sein Publikum hingerissen. Auch der Balladen-Cyclus Kaiser Karl V. (op. 99) ist in unfern Coucertsäleu, bis auf die dritte NummerDer Pilgrim vor St. Just", ein Neuling- die unbeschreiblich großartige, aller­dings auch einen ganzen Künstler erfordernde, Legende, Gregor auf dem Stein-, wie selten hört man fie? Der Loewe-Abend Gura», der etwa mit Ausnahme de»Herrn Oluf" auf bekannte und bewährte Schlager ganz verzichtete und vorwiegend bemüht «ar, weniger Bekanntes und Un­bekanntes zu bieten, wird dem Loewe-Cultu» zweifellos einen weiteren, mächtigen Impuls gegeben haben.

Ungarisches Orchester Laucert. Hebet die im Gießener Festsaal nächsten Freitag Abend concertirende Ungarische Capelle Rakoczi lesen wir imDüffeld. T." :DaS gestrige Concert vom Oeft.-Ungar. Orchester Rakoczi fand vor auSverkanftem Hause statt. Vor Allem müssen wir daS tadellose Zusammenspiel der Capelle hervorheben, besonder» in den schweren ungarischen Weisen, wo die Rythmeu und Harmonien fich ganz anders gestalten, wie in der deutschen Mufik. Vorzüglich kamen die SoliS verschiedener Instrumente zum Vortrag, und man weiß nicht, wa» man mehr bewundern soll, den seelenvollen Ton oder die eminente Fertigkeit."

Stadttheater. Am Mittwoch und Donnerstag Abend wird ans htefiger Bühne daSBallet-Ensemble Ex- celstor" auftreten. DerRhein. Cour." schreibt darüber: Wiesbaden, 16. Oct. (Residenz-Theater.) Man muß Herrn Dtrector Dr. Rauch da» Zeugntß ausstellen, daß er für Abwechselung tu seinem Repertoire zu sorgen versteht. So war für die gestrige Vorstellung daS Ballet-Ensemble Excelsior" gewonnen worden, da» in drei Tanzarrangement» seine graziöse Kunst bewähren durfte. Solide Kennerschaft auf diesem Gebiete zu erwerben, ist wohl nur älteren und erfahrenen Junggesellen möglich, aber auch wer bescheiden auf diese Specialwissenschait verzichtet, muß die hohe Einzel- außbilbung und die geschmackvollen, malerisch gruppirten Ge- sammtdarstellungen der Damen anerkennen, unter denen be­sonder» die prima ballerina Frl. Marianne Kunschmavn sich au»zeichnete. Auch die mtlitärischen Exercitien ließen an Schnetdigkett nicht» zu wünschen übrig, selbst die Knie wurden regelrecht zum Parademarschdurchgedrückt". Ihren Dank für die beifallslustige Stimmung des zahlreich erschienenen Publikums bezeugten die Künstlerinnen, indem fie zum Ab­schied den Zuschauerraum mit Blumensträußchen bombardirten, wobei natürlich die jüngeren Herren am Besten wegkamen.

* Eine foeialdemokratische LaudeS-Louferevz für Hessen- Nassau fand amSonntag hier statt. ES waren 9 Wahlkreise durch 21 Delegirte vertreten. Die Verhandlungen erstreckten fich in der Hauptsache auf die Stellungnahme der Partei zu de» für genannte Provinz neu erlassenen, die Gemeinde- 1 Wahlen in Stadt und Land betreffenden Gesetz (Land­

gemeindeordnung). Diese Wahlen erfolgen bekanntlich nach dem Dreiklaffen-Wahlsyftem, d. h. die Wähler werden nach Maßgabe ihrer Steuerkraft in drei Klaffen getheilt, von denen jede ein Drittel der GemeinderathSmitglieder (Bürgerausschuß) wählt. Die mehrstündige Verhandlung, tn der eingehend die einschlägigen Verhältnisse klargelegt und erwogen wurden, ob und inwieweit unter den Bestimmungen der neuen Land­gemeindeordnung eine Betheiligung der unselbständigrn Er- werbSklaffen (Taglohnarbeiter) zu ermöglichen ist, schloß mit Annahme dreier Resolutionen. Die erste Resolution besagt, daß die Genossen in Hessen-Nassau in den Orten, wo eine Betheiligung an der Gemeindewahl geboten erscheint, und Erfolg verspricht, fich an der Wahl betheiligen sollen. Die zweite Resolution besagt, daß da, wo eine selbständige L>fte nicht möglich ist, die Candidatur der nächst­stehenden Partei zu unterstützen ist, soweit eS die ört­lichen Verhältnisse erlauben. Die dritte Resolution empfiehlt die Feststellung eine» allgemeinen Programms über die an die Gemeindevertretung zu stellenden Anforderungen unter dem Vorbehalt, daß Programm-Aenderungen der Central- leitung vorzulegen find. Die folgenden BerathungSgegeu- stände betrafen die Organisation und die Landtagswahlen in Preußen. Zu letzterem Punkte gelangte, nachdem Dr. Quark- Frankfurt für die Betheiligung an der Wahl sowohl wie für die Unterstützung linksstehender Parteien schon im ersten Wahlgange fich ausgesprochen, eine Resolution zur Annahme, worin erklärt wird, daß der in Betreff der Landtagswahlen gefaßte Beschluß deS Hamburger Parteitags die Theilnehmer an der Conferenz der heffen-nassauischen Parteimitglieder nichr befriedigt, daß vielmehr die Sache nochmals durch die Reichs- tagSfraction unter Zuziehung der sozialdemokratischen Land­tagsabgeordneten im übrigen Deutschland durchberathen und darüber in den einzelnen Wahlkreisen abgestimmt werden soll.

* * Neue 50 Pfeuuig-btucke find jetzt au 1 g e g e b e » worden. Die neuen Münzen weichen von den alten in einigen Punkten merklich ab. Zunächst ist der Reichsadler viel kleiner, die Stellung der Flügelfedern ist schräger, und die Rette de» Bruftschilde» ist au» lauter kleinen Adlern zusammengesetzt. Beide Seiten der neuen Geldstücke weisen ferner einen Eichen­kranz auf.

* Der Verkauf von ZuschlagSkarteu durch die Zugführer der Schnellzüge hat sich, wie der Minister der öffentliche» Arbeiten, Excellenz Thielen, in einem dieser Tage er­gangenen Erlaffe nach Prüfung der eingegangenen Berichte mit- theilt, bewährt, sodaß die Beibehaltung derselben empfohlen werden kann. Der Minister bestimmt daher die Fortführung und wo ein Bedürfniß vorzuliegen scheint, die Erweiterung der Einrichtung. In einzelnen Fällen haben sich Uozuträg- lichkeiten dadurch ergeben, daß die Zugführer nicht im Be­sitze ausreichenden Wechselgelde» waren- die Königl. Eisen- bahn-Direclionen sollen daher darauf Bedacht nehmen, daß diesem Uebelstande begegnet werde.

Aufsehen erregte», wie dieN. Hess. volkSbl." melden, am Montag in den Straßen Darmstadt», welche fie pasfirteu, eine Anzahl Frauen und Mädchen in der Oberhessischea althergebrachten Tracht (Stumpfröcke", sehr farben­reichen Miedern undUmtüchern", sowie den kleidsame» farbigen Häubchen). Welcher Zweck die Frauen, die unter Führung eines hochgewachseneu Manne» standen, hie, her führte, konnten wir nicht erfahren, beim Anblick derselbe» drängte sich uns aber mächtig da» Gefühl auf, wie berechtigt und anerkennenswerth die Bestrebungen de» unter dem Protektorate Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin stehendenVereins zur Erhaltung der Oberhesfischen Volks­trachten" find. Gen. Blatt fügt dieser Mittheilung hinzu: ES wäre wirklich jammerschade, weun diese originellen Trachten der Frauen der modernen Kleidung weichen sollten!

* Zn Amerika verstorbene Hessen. Brooklyn, N. K, Georg Ellert, auS Reinheim. Chillicothe, O., Frau Margarethe Hahn, ged. Uhrig, 76 Jahre alt, auS Lampert­heim. Chicago, Jll., Michael Brand, 71 Jahre alt, aul Obernheim. EvanSville, Jnd., Philipp Decker, 81 Jahre alt, auS Eckelsheim.

Wetterbericht. Die Depression, welche fich gestern vor dem BiSkaha-See Über die britischen Inseln hin er­streckte, ist unter Zunahme ihrer Tiefe nordostwärts gezogen, so daß ihr Centrum heute Morgen Über dem Skager-Rack lag. Gleichzeitig ist daS Barometer auf ihrer Rückseite, d. h. über den britischen Inseln bedeutend gestiegen, so daß namentlich über der Nordsee erhebliche Luftdruckunterschiede bestehen. Ueber Ost- und Südost-Europa ist die Druck- vertheilung die gleiche geblieben. Aus unserem Gebiete hat allenthalben, namentlich im Norden, die Bewölkung ^ge­nommen. Dabei find die Morgentemperaturen etwas ge­stiegen. BorauSsichtlch e Witterung: Im allge­meinen wechselnde Bewölkung und im Norden stellenweise Niederschläge.

h. AuS der Wetterau, 15. November. Der Müller Peter Dietz auS Rockenberg kam nebst seinem Knechte mit einem Wagen voll Frucht Abend» von Wohnbach gefahren. Sowohl Herr alS Knecht scheinen unterwegs bald vom Schlafe überwältigt worden zu sein. Zwischen Münzenberg und Rockenberg wurde der Herr plötzlich ausgeschreckt, al» der Wagen auf der sehr abschüssigen Straße im raschesten Tempo dahinraste. Abspringen konnte er nicht und mußte da» Fuhr­werk vorläufig ganz seinem Schicksal überlassen. So kamea die Pferde denn auch zum Orte hereingaloppirt. Hier ge­lang es Dietz, fich vom Wagen herunterzuschaffen und ben- selben zum Stehen zu bringen. Da der Knecht fich nicht mehr auf dem Wagen befand, auch nicht vachkam, so machte man sich mit Laternen auf den Weg, um nach ihm zu suchen. Endlich wurde er al» verstümmelte Leiche auf der Straße gefunden. Er war, ohne daß fein Herr etwa» davon gemerkt hatte, vom Wagen herabgestürzt und von diesem überfahren worden. Auf ähnliche Weise scheint der Fuhrmann Bohrmavo von Södel verunglückt zu sein. In Berstadt vernahm man spät am Abend Hülferufe au» der Ferne. Beim Nachsuchen fan>