Ausgabe 
17.11.1897 Erstes Blatt
 
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Kess. LolkSbl/ melden, -/ welche fiepaffirteo, er Oberhesstschea ipsrütr", sehr sarden- sowie den Wamta vir tzraurv, dir unter jiutl siavdru, hierher btto AaM derseldil!

eslihl aus, toll btrechligt dnngea der unter dm oheit der Grohheri°^ er OberheWen » leser Mittheilung W- diese originellen Trachtv weichen sollten!

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man Behrmann auf der von Ridda kommenden" Straße unter einem Heuwagen liegend, mir dem er von dieser Stadt her gefahren kam. Nach Berstadt verbracht, wurde er von dem dortigen Arzte verbunden und al»dann per Chaise in seine Heimath gefahren. Hand und Unterarm, über welche die Räder deS schweren Wagens gegangen find, find so zer­fetzt, daß schlemme Folgen nicht ausgeschlossen find.

h. Wolferlheiw, 15. November. Ungeachtet der am Tage der Bktriebseröffnung der neuen Bahnlinien Friedberg- Hungen und Friedberg-N'.dda vorgekommenen gräßlichen UnglückSfalleS hielt kürzlich ein Mann von Obbornhofen mit einem Wagen voll Braunkohlenklötzen beim Herannahen eine» von Friedberg kommenden Zuges auf der UeberfahrtS- stelle nahe dem hiefigen Bergwerke. Infolge der Steigung auf dieser Strecke konnte der Zug glücklicher Weise rechtzeitig gestellt werden.

Darmstadt. 15. November. Hebet die großen griechi­schen Mecher Praxiteles und SkopaS und ihre Werke, sowie diejenigen Werke, welche man unter ihrem Einflüsse als entstanden betrachtet, verbreitete fich der heutige Bortrag des Herrn Privatdocent Dr. F. Noack. Gr erinnerte daran, wie man die berüümte HermeS Statue deS Praxiteles bei den deutschen Ausgrabungen in Olympia vor 20 Jahren in glücklicher Erhaltung ans Tageslicht gebracht und gab eine Characteristlk der PraxiteleS'schen Kunst, die die Körperformen sein abgeschliffen, daS Gewand mit dem maffig schweren Stofffall matter und rauher zeigt, ferner die Kopfform gegen früher mehr entwickelt, jeder scharfen Umrisse entbehrend usw. Bon seinen im Alterthum hochgerühmten Statuen der Aphro­dite, EroS u. A. ist nichts auf un- gekommen, dagegen von den durch franzöfische Ausgrabungen erhaltenen Reliefs mit dem Apollo und MarshaS, sowie mit den Musen. DaS Be­streben, in der Darstellung der Menschen der Natur näher zu kommen, zeigt auch Kephtsodot. Von weiteren dem Praxiteles zugeschriebenen Werken gedenkt Redner (die betr. Werke kennen wir meist nur auS Copien) des sog. eingießen- drn Satyr, des autruhenden Satyr, der anmuthigen Statue des eidechseotödtenden Apollo, die dem Hermes schon sehr nahe steht, des AntinooS vom Belvedere im Vatikan u. a. m. Don 855 bis 346 war Praxiteles in Kleinafien, am Mauso­leum von Halikarnaß thätig,- in diese Epoche fallen wohl die Aphrodite im durchscheinenden Gewände, die unbekleidete Aphrodite von KntdoS (der moderne Prüderie später unten eine Bekleidung gab), vielleicht auch die Hera Ludovtfi usw. In allen Werken des Praxiteles zeigt fich vollkommenes Ebenmaß in allen Gliedern, völlige Naturwahrheit in den Grenzen der Schönheit. Neue Bahnen eröffnete der griechi­schen Kunst auch SkopaS von ParoS, der mit Praxiteles eine Zeit lang in Halikarnaß zusammen arbeitete. SkopaS versteht eS, das innere Leben des Dargestellten zu voll­ständigerer Wiedergabe in den Gefichtern zu bringen, er ist 1 der Darsteller der Leidenschaft (Herakles-Kopf, weiblicher I

Kopf von Pergamon, dessen Ergänzung bekanntlich Gegenstand einer vom Kaiser erlassenen Preisaufgabe ist). In den Bahnen der Kunst deS SkopaS ist auch der Schöpfer der bekannten Niobiden-Gruppe in Florenz gewandelt, die groß­artige Naturbeobachtung erkennen läßt und von jeder Seite ein richtiges Bild gibt. Auch die 1820 beim Pflügen eines Ackers auf der Insel Milo gefundene BenuS von Milo, über deren Entstehung viel gestritten ist, erscheint unzweifelhaft als Werk der hellenistischen Zeit und zwar einer Zeit, da die Bilder der Götter als vollendete Menschenbilder dar­gestellt wurden und im Ebenmaß der Darstellung des unbe­kleideten Körper- hohe Kunst entfaltet wurde. Der mit reichem Anschauungsmaterial auSgestattete Bortrag fand gleich seinen Borgängern beifälligste Aufnahme.

Elberfeld, 5. November. Ein schwerer Fall von Musterschutzverletzung beschäftigte die hiesige Straf­kammer. Die Firma Borwerk & Sohn in Barmen fabricirt seit längerer Zeit unter dem NamenVorwerk'S Velour- borde" eine Plüschlitze, die jetzt zu einem Weltartikel ge­worden ist. Um ihr nun in diesem Artikel Concurrenz zu machen, gewannen der Fabrikant F. W. Zillich und der Kaufmann Rudolph Homburg auS Barmen den früheren Seifenreisenden Friedrich Alexander Vorwerk, gründeten eine Firma F. A. Vorwerk & Co., fabricirten nun auch eine Belourborde, jedoch geringeren Werthe», und ahmten daS Et quette der Firma Vorwerk & Sohu täuschend ähnlich nach. Aus dem Gesellschaftsvertrage und dem Briefwechsel mit Agenten ging hervor, daß eS ihnen nur darum zu thun war, das Publikum in den Glauben zu versetzen, daß die von ihnen fabricirte Waare die von Vorwerk & Sohn her- gestellte Vorwerk'S Velourborde sei. DaS Gericht hielt unter diesen Umständen eine Gefängnißstrafe für geboten und ver­urteilte jeden der Angeklagten zu einem Monat Gefängniß.

* Aus dem Gerichtssaal. MaggiS Suppenwürze hatte der Drogist Heinrich L. von Barmen int Mai d. I. dadurch verfälscht, daß er sie mit einer wässerigen Lösung beschädigter Bouillonkapseln vermischte. Diese- Gemisch hatte er dann noch alS bessere Qualität zu erhöhten Preisen ver­kauft. Dafür wurde er am 30. Juli zu 30 Mk Geldbuße verurtheilt. Gestern stand er wegen desselben Vergehens abermals vor der Strafkammer. Die Polizei hatte einige Zeit nach der Beschlagnahme der Brühe nochmals eine Flasche Maggis Würze von ihm holen lassen und die chemische Unter­suchung hatte ergeben, daß auch diese mit 30 pCt. Wasser und Kochsalzzusatz gefälscht war. L. meinte, eS müsse das noch ein Rest von der früheren Mischung sein, der irrthüm- lich unter die guten Würzen gekommen sei. Da» Gericht hielt diesen Einwand für nicht widerlegt und verurtheiUe i'u daher nur wegen fahrlässigen Verkaufs der gefälschte > Würze diesmal aber zu 50 Mk. Geldbuße oder 10 Tagen Haft.

Eingesandt.

Sieben, den 16. November 1897. Sehr geehrter Herr Nevacteur!

In der gestrigen Nummer JhceS geschätzten Blattes bringen Sie einEingesandt", welches die Temperatur- und Garderobe Verhältnisse des CludsaaleS krtttsirt, und xroat in einer Art und Weise, die sicher von Jedem, der diese geradezu unertiäglich n und lebensgefährlichen Verhältnisse mit erlebt hat. nur als berechttgt und wahrheitsgetreu anerkennen muß. Anders verhält es sich mit dem Schlußsatz fraglichenEingesandts". Oder ist es bereits vergessen, daß vor Jahren eine Anzahl Männer mit perlönlichen nicht un­bedeutenden Opfern an Geld und Zeit es versuchten, einen Concen- saal (Saalbau) zu schaffen? Ist der nunmehr in den Besitz d.r Stadt übergegangene ehemalige Schüler'iche Garten nicht der be- redetste Beweis dafür? Auch ohne die angegebenenNothschreic" wurde das Werk begonnen, es fehlte aber an der Opferwtlligkeit unserer Einwohner, vielleicht lag auch der Grund des Mchtgelingens in der damaligen Zusammensitzung der städtischen Vertretung. Noch ist eS nicht zu spät! Der Platz ist Dank der Opfer Willigkeit der früberen Interessenten vorhanden und gesichert, und wenn unsere Stadtväter dem Saalbau-Proj ct gleiche Sympathie und Unter­stützung zu Theil werden lassen, wie in den sitzen geschaffenen ähn­lichen Unternehmungen, bann wird der Wunsch desEinsenders" erfüllt werden und Gießen wird nicht mehr mit Krähwinkel in einer Linie marschiren.

Auch ein Besucher des Elub-Eoncertes.

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Verkehr,cmb* «nd Vott-iMrthfchafl

Gietze«, 16. November. Marktbericht. Auf dem heutig«» Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. JL 1,001,15, Hühnereier pr. St. 7-9 4,2 St. 00-00* Enteneier 1 St. C00 X Gänse, cier pr. St. 00-00 H, Käse pr. St.4 -9 H, Käsematte pr. St. 3 *, Erbsen pr. Liter 20 H, Linsen pr. Liter 30 H, Tauben pr. Paar JL 0,50 bis 0,65, Hühner pr. Stück 0,90 bis 1,00, Hahnen pr. Stück JL 0,601,00. Enten pr. Stück JL 1,602,00, Gänse pr. Pfund JL 0,440,62, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 H, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 6066 H, Schweinefleisch pr. Pfd. 64 bis 72 X Schweine­fleisch, gesalzen, pr. Pfd. 67 X Kalbfleisch pr. Pfd. 60-64 X Hammelfleisch pr. Pfd. 5066 X Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,50 6<l 5,00 JL, Weißkraut pr. Stück G--00 H, Zwiebeln pr. Eentmr 6,000,00 JL, Milch pr. Liter 16 X

GrÄnberg, 13 November. Fruchtpreise. Weizen JL 19OO, Korn 14 24, Gerste JL 14,96, Hafer JL 13,48. Erbsen JL 16 38, Linsen JL 26 00, Wicken JL 00,00, Lein JL 00,00, Kartoffeln JL 0.00, Samen JL 00,(0.

Bekanntmachung, betreffend: Die Ergänzungswahl der Grosth. Handelskammer zu Gießen für 1898.

Auf Grund des Gesetzes vom 17. November 1871, die Handels­kammern betreffend, hat demnächst eine Neuwahl von drei Mitgliedern der unterzeichneten Handelskammer stattzufinden, nämlich eine Ergänzungswahl für die nach den gesetzlichen Bestimmungen am 1. Januar 1898 ausschei- denden Herren Commerzienrath S. Heichelheim, C. Kliugfpor und R. Scheel. Wahlberechtigt sind hierbei diejenigen Kaufleute und Gesellschaften, welche als Inhaber einer Firma in dem für den Bezirk der hiesigen Handelskammer geführten Handelsregister eingetragen stehen und einer der vier ersten Gewerbesteuerklassen angehören.

Die Lifte der Wahlberechtigten liegt zehn Tage lang und zwar vom 17. bis iuel. 26. November auf dem Bureau der Firma A. Heichel­heim hier zur Einsicht offen. Einwendungen gegen den Inhalt der ßifte, welche nur innerhalb der erwähnten zehntägigen Frist zulässig sind, müssen bei der Handelskammer vorgelegt werden. Nur Diejenigen sind zur Theil- nähme an der Wahl berechtigt, welche in die festgestellte Liste ausge­nommen sind.

Termin zur Wahl ist bestimmt auf

Donnerstag den 2. December d. I., Nachmittags von 26 Uhr.

Als Wahlcommiffär wird Herr Commerzienrath Wortmann fungiren.

Gießen, den 16. November 1897.

Großherzogliche Handelskammer.

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