Ausgabe 
17.9.1897 Zweites Blatt
 
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FruMeton.

Fr,nkf«rter Brief.

(Originalbericht für dmGießener Anzeiger

(Nachdruck verbotm.) HanS Lauge" im Schaufpielhanfe. Die Nibelungen* Tetralogie. Die Theaterschule von Theffa Klinkhammer.

Streng Schumann.

Dr. M. Erst neulich streiften wir in unseremTheater- brief* die dramatische Production Paul HehseS, ohne zn ahnen, daß wir so bald Gelegenheit haben sollten, eines der älteren und zugleich reifsten Werke dieses Meisters psycho* logischer Feinkunft auf der Frankfurter Bühne genießen zu können, daS Schauspiel ,HanS Lange", was thatsächlich, zusammen mit dem vaterländischen Stück(Solberg*, umerem heutigen Empfinden unendlich nähersteht, als die letzten, jüngsten dramatischen versuche HehseS, denen sammr und sonders etwas Gekünstelte-, Gesuchtes anhaftet, wogegen im HaoS Lange" alles natürliche Frische, herzliche Empfindung ist und dazu auf volkSthümlicher Grundlage.

Hehse, defien Muse fich hauptsächlich heimisch fühlt in ben Regionen einer geistig und gemüthisch verfeinerten Ge­sellschaft, stellt fich hier so ungezwungen und frei auf den Boden einfacher Verhältnisse, weiß einen bestimmten Localtou und einen bestimmten Zeitabschnitt (die Zustände im ehe­maligen Herzogthum Pommern) mit einer Sicherheit zu treffen und gleichmäßig durchzusühren, daß er in diesem Punkte in genannten vaterländischen Stücken fast al- ein

Vorläufer Anzengruber- erscheinen könnte. DerVater Lange*, aus welchem Herr Diegelmann die vom Dichter beabfichtigte »ernfigur schnf, ist eben solch eine Gestalt au« einem Guß wie die verwandten Ersche,nungen in den Bauern­stücken de- österreichischen Poeten. Den ungestümen, aber edel veranlagten Prinzen Bug-laff, der fich unter Bater Lange- Leitung -um ritterlichen Jüngling entwickelt und keineswegsverbauen*, w'e die höfischen Jntriguanten eS beabsichtigten, spielte Herr Friske mit viel Temperament. Neben diesen Hauptpersonen wußten fich auch die Vertreter der übrigen Rollen: Fraulein Klinkhammer (Herzogin Sophia), Herr Bauer (Großknecht Henning), Herr Her» mann (Jude Henoch), Herr Szika (pommerscherEdelmann), Frau Freund (Mutter Gertrud), Fräulein Widmann (Dörte) in einer für den Geist der Handlung förderlichen Weise zur Geltung zu bringen.

Die Nibelungen-Tetralogie gehört jetzt zum eisernen Bestände de- Frankfurter Opernrepertoir-, keine Saison, wo fie nicht ein oder gar einige Male erscheint, dalo mir heimischen Kräften bestritten, bald unter Mit. Wirkung von Gästen. Für denSiegfried* ist auch die-mal ein auswärtiger Tenor vorgesehen. DerRh eingold*. Abend jedoch ging ganz mit dem ständigen Künstlerpersonal in Scene, unter welchem Frau Ende-Andrießen (Fri-ka), Herr Pröll (Wotan), Herr Pichler (Lope), Herr NawiaSky (Alberich) den ihnen gebührenden Vorrang behaupteten.

Die Theaterschule de- Fräulein Thessa Klinkhammer hat in Frankfurt a. M. einen überaus günstigen Boden ge-

fanden und scheint fich auch schnell die Sympcuhten aller Solcher zu erobern, die etwa- von der Sache verstehen. Die kleinen .Prüfungen", zu welcher auch die Preffe Einladungen erhalten, zeigten, daß die Ausbildungen, welche die angehenden Jünger und Jüngerinnen Thalien- in dieser Theaterschule erhalten, eine sehr vielseitige ist, auf guter Methode und zugleich geschmackvoller litterarischer Bildung beruhend. E- ist entschieden zu loben, daß bet diesen öffentlichen theatra­lischen Examina nicht großmächtige pathetische Paradestücke, sondern durchweg kleinere und bescheidenere Sachen zur Wieder- gäbe gelangten.

Frankfurt hat jetzt auch wieder feinen (Liren- (Direktion Schumann), deffen Neubau au der Kaiserstraße den vom Hauptbahnhofe kommenden Fremden sofort in- Auge fallen muß- die Lage ist so günstig wie möglich und die Bürger­schaft Frankfurt- ist zahlreich genug, um neben den ver­einigten Theatern, einem großen Orpheum auch noch einen Eircu- mit hinreichendem Publikum versorgen zu können.

In der Schumanu'scheu Arena ist alle- first rate; Thiere wie Personal. Bespricht man einen Circa-, so kann man ja wohl mit ersteren beginnen. Die Pferde, welche der Director selbst vorführt, entzücken durch ihre Dressur und edle Raffe Kenner wie Laien. Die Anfang-Vorstellung war gleich sehr gut besucht, und die Mannigfaltigkeit de- Ge­botenen, in welchem doch immer die Programmuummern vor­nehmen Stil- überwogen, mußte auch den verwöhntesten Circu-besucher antmiren.

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