Ausgabe 
17.6.1897 Erstes Blatt
 
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Gelnhausen, in Frankfurt a. M. um 1011, zurück Abend- um 540 über GießenHungenLaubach sehr erleichtert.

Uhrmacherlag. Der achte Verband Stag des LentralverbandeS deutscher Uhrmacher, welcher auch von Gießen besucht wird, findet diese- Jahr vom 7.10. August in Hamburg statt.

* Sine Reihe wichtiger Anträge gelangt auf dem 20. Deutschen Fleischer-Verb and-tage, der am 23. und 24. Juni in Berlin stattfindet, zur Berathung. Zu- nächst ist eine Petition an die Reich-regierung um Erlaß eines Einfuhrverbot- für Wurst und wurftShnliche Erzeug« nifle au- dem AuSlande vorgeschlagen, bei deren ev. Ab­lehnung die Forderung einer genauen sanität-polizeilichen Untersuchung vom AuSlande etngeführter Wurftwaaren an da- ReichSgesundheitSamt gerichtet werden soll. Bon der Berliner Schlächterinnung wird der Erlaß eines einheitlichen Reichsgesetzes über die Errichtung von Freibäaken verlangt, mit der Maßgabe, daß in diesen Instituten nur Fleisch in gekochtem Zustande verkauft werden darf. Ferner befür­wortet die Innung die Einführung eines Zolles auf künst­liche, aus dem Ausland etngeführte Futtermittel, sowie eine entschiedene Stellungnahme in der Frage deS WurstfärbenS. Weitere Anträge treten für die Ver­allgemeinerung der obligatorischen Fleischschau, sür eine Vergeb­ung der Fleisch, und Wurstlieferungen für größere Garnisonen an selbstständige Gewerbetreibende an Stelle von Groß­lieferanten, sowie für ein Verbot des gewerbsmäßigen Schlachtens und AuSpfuudenS von Fleisch durch Private ein. Endlich werden verschärfte Maßnahmen gegenüber den Pferde­schlächtereien verlangt.

*B. Der Allgemeine Deutsche vnrscheubuud hielt während der Pfingstfeiertage in Berlin seinen 14. Bundestag ab. Aus allen UniverfitätSstädten, an denen fich Burschen­schaften im A. D. B. befinden (Arminia, Gießen), waren die Vertreter derselben und ihrer Alt-Herreu-Verbände zu den Verhandlungen herbeigeetlt, die zur größten Zufrieden­heit sämmtlicher Theilnehmer verliefen. ES waren Haupt- sächlich prtncipielle Fragen, die der Erörterung Vorlagen, Fragen, die durch das offene Eintreten zweier Berliner Burschenschaften für ein allgemeines studentisches Ehrengericht, wie überhaupt für jeden freieren Mensurstandpunkt begründet wurden. Wenn auch die Burschenschaften in ihren idealen Bestrebungen vorläufig noch nicht den gewünschten Erfolg tu der Studentenschaft gehabt haben, so wurde ihnen doch die volle Anerkennung ihrer Bundesburschenschaften und A. H. A. H. durch die Annahme folgender Resolution zu Theil: »Der A. D. B. erklärt, daß er nach wie vor an seinen Grundprincipien (in der Studentenschaft allgemein bekannt!) in der Stellungnahme zu Mensur und Antisemitismus fest­hält " Ein'n breiten Raum in den Verhandlungen nahmen auch die Erörterungen über das wiffenschaftliche Princip ein, das wohl durch die Achtung auf regelmäßigen Collegienbesuch und Abhaltung wtsienschaftlicher Abende von den Burschen­schaften hochgehalten wurde, jedoch eine noch schärfere Be­tonung durch die öftere und regelmäßige Abhaltung solcher Abende erfahren soll. In diesen sollen, neben wissenschaft­lichen Vorträgen, Referate über actuelle (sociale) Themata gehalten werden, um dadurch und durch sich anschließende DiS- cuffton daS Jntereffe der ganzen Studentenschaft mit der Zeit sür allgemeine Fragen zu wecken. Ein für die weitesten Kreise sicherlich hochtntereffanter und bedeutungs­voller Beschluß wurde in Bezug auf die Alkoholfrage gefaßt, indem nachstehende Resolution angenommen wurde:Der Bund hält die Bestrebungen gegen den Älkoholunßbrauch sür anerkennuugS und unterstützungswerth und erwartet dem­gemäß von den einzelnen Burschenschaften, daß sie ihre Mit­glieder über die Bedeutung der Frage ausklären und etwa bei ihnen vorkommende Ausschreitungen unter­drücken." Es ist dieses wohl der erste Fall, wo ein großer Verband studentischer Corporation?» fich entschieden gegen den Alkoholmißbrauch auSspricht und wer weiß, wie oft ge­rade jener Mißbrauch Gesundheit und Existenz rutnirt, kann demselben seine volle Anerkennung nicht versagen.

* Wetterbericht. Die gestern über der Nordsee ge­legene Drpreffion ist ostwärts weiter gezogen und liegt ihr Centrum über Skandinavien. Gleichzeitig hat sich im Westen Europas da« barometrische Maximum verstärkt und besitzt heute einen kleinen Kern über Nordwest-Frankreich. Im Westen von Irland kündigt fich jedoch bereits wieder ein neues Minimum an. In Süddeutschland war am Morgen das Wetter vielfach trüb und regnerisch mit localen Gewittern, indem die gestern über Frankreich befindliche Furche geringen Druckes ostwärts vorgeschritten ist. Die Temperaturen find in Deutschland wenig gesunken, an der Oftseeküste noch gestiegen. Voraussichtliche Witterung: Zunächst vorübergehend besseres, aber noch nicht beständiges Wetter.

-r Bad Nauheim. 15. Juni. Welchen ungeheuren Fort­schritt unser Badeplatz von Jahr zu Jahr zu verzeichnen hat, mag auS der Thatsache hervorgehen, daß an einem einzigen Tage, am 14. Juni d. I., 204 3 Bäder verab­reicht wurden. Wenn man bedenkt, welche riesigen Anforde­rungen an daS Bade- und Beamtenpersonal zur Bewältigung dieser enormen Arbeit gestellt werden, muß man wirklich staunen, wie eS möglich ist, ollen gestellten Ansprüchen ge­recht zu werden, wie die- aber tatsächlich bei dem gut ge­schulten Personal der Fall ist.

-ck. Stumpertenrod, 15. Juni. Ein ebenso seltene- al- eigenartig schöne- Fest hat unsere Gemeinde gestern und vorgestern gefeiert. Die geschichtliche Grundlage, welche den Kern der FestrSfrier bildete, und die sowohl im Fest­zuge al- auch dem wirklich überraschend schönen und wohl­gelungenen Festspiele zum Au-druck kam, gab dem Feste eine Bedeutung und Weihe, wie sie höchst selten bei derartigen Festen angetroffen wird. Daß wir eS gleich sagen, der Seele der ganzen FesteSfeier und dem Verfasser und Leiter des geistreichen Festspiel-, Herrn Psarrer Schwabe dahier,

gebührt rückhaltlose Anerkennung und Bewunderung. Wohl war da- Fest zunächst da- Bezirkskriegerfest de- Bezirks Vogelsberg, womit fich zugleich die Fahnenweihe deS hiesigen KriegerveretnS verband, was aber dies Fest ungleich packcu- der uud bedeutsamer erscheinen ließ, war, wie bereit- be­merkt, die hundertjährige Gedenkfeier an die Errettung deS Dorfes. Den vorgestrigen Hauptfesttag leitete ein Fest- gotteSdienst in würdigster Welse ein. Hierin gab Herr Pfarrer Schwabe auf Grund deS Textes Dan. 2.2022 ein packendes Bild der Zeit vor 100 Jahren. MancheS Auge der zahlreichen Feftgäste feuchtete fich und manche- Herz schlug höher unter dem Eindruck der zündenden, rief ergreifenden Schilderung einer schweren Zeit, die auch damals »en Festort heimsuchte und ihn an den Rand deS Verderbens »rächte. Ein überaus stattlicher Festzug mit 20 Krieger« vereinen durchzog Nachmittags den im reichsten Schmuck prangenden Ort. In diesem Festzuge waren es die histo­rischen Gruppen, die allgemeine Aufmerksamkeit erregten, die um so berechtigter erschien, als man derartige Gruppen in treu historischen Costümen wohl aus einem dörflichen Feste noch nicht zu sehen hat bekommen. Ein Herold in der be« kannten reizenden Heroldtracht eröffnete den Festzug, ihm folgten Borreiter, Ehrengäste, Kriegervereine und Schul­jugend. Zwei in prachtvollen Costümen gekleidete mittel­alterliche Landsknechte schritten den Festjongfrauen voran. Dann folgten zwischen Abtheilungen von Krtegerveretnen ein Festwagen der alten Kalten, worunter besonders die überaus kräftige Gestalt eines alten Deutschen Aufmerksam­keit erregte. Die gewiß intereffanteste Gruppe befand fich auf dem folgenden Wagen, Trachten vor 100 Jahren. Wirklich bedauern muß man eS, daß diese Trachten, welche ihre Trägerinnen wirklich reizend kleideten, im Laufe der Zeit verloren gegangen find. Hierauf folgte ein Wagen mit französischen Soldaten zur Erinnerung an die Bedränger vor 100 Jahren und diesem der WagenGermania", unsere heutigen Krieger der verschiedenen Truppengattungen, die Büste unseres Kaisers umgebend, darstellend. Auf dem Fest­platz, der recht schön angelegt, wurde sodann nach dem all­gemeinen Gesang deS LiedesDeutschland über alles" die neue Fahne durch den OrtSgeistlichen feierlichst eingeweiht. Den Gipfelpunkt deS Festes aber bildete das bei an­gebrochener Dunkelheit in Scene gehende Festspiel, gedichtet und geleitet von Herrn Pfarrer Schwabe. Da» Festspiel brachte in überaus geschickt inscentrten und wirklich überraschend schönen lebenden Bildern mit geschichtlich treuen Decorationen die Zeit vor 100 Jahren und die Retterin von Stumper­tenrod zur packenden Anschauung. Ein in gebundener Rede verfaßter Text, gesprochen in einem Dialog zwischen einem Vertreter der damaligen Zeit und dem Herold, ging als Erläuterung und Erklärung der folgenden lebenden Bilder voraus. Dem geistreichen Festspieltext der Gedenkfeier lag die historische Thatsache zu Grunde, der zufolge Truppen der französischen RevoluttonSarmee, die 17961798 im Vogelsberg cawpirten, Stumpertenrod bedrängten. Der Ort war mit Einäscherung bedroht worden, wenn die Sturmglocke geläutet würde. Da brach durch baß freche Benehmen der französischen Soldaten in einem Hause, drinnen eine Wöch­nerin, Anna Dorothea Schleuning, sich befand, Streit aus zwischen den Franzosen und Bauern, während dessen trotz deS Verbots die Sturmglocke gezogen wurde. Die Folge war daS TodeSurtheil gegen den Ehegatten Schleuning und den damaligen Küster, der die Sturmglocke geläutet, sowie Verhängung der Einäscherung über die ganze Ortschaft. Da­von Gießen herbeigeeilte Kriegsgericht, dem der damalige Rector Crome al- Dolmetsch beigegeben, wollte diesen ver­nichtenden UrtheilSspruch bestätigen, als in höchster Noth eine Retterin in Anna Dorothea Schleuning, eben der Frau, in deren Hause der Streit au-gebrochen, erschien und in muthigem Auftreten das Unwahre der Behauptung der französischen Soldaten ans Licht brachte. Hierdurch blieb der Ort vor dem furchtbaren Schicksal bewahrt, auch den beiden Verur« theilten wurde das Leben geschenkt. DaS Festspiel dauerte bis beinahe za Mitternacht, aber geduldig hielten die zahl­reichen Feftgäste auS und sahen und hörten voll tiefstem Mitgefühl ein Stück deutscher Geschichte auS dem Vogels­berg an fich vorüberziehen. Herrliches Wetter begünstigte da» in allen seinen Theilen schön verlaufene Fest, da» gewiß ob seiner Bedeutung und Jnscenirung jedem Theilnehmer unvergeßlich bleiben wird.

§ Stumpertenrod, 15. Juni. Unsere so schöne Festfeier wurde leider von einem schweren Unfall begleitet, der gleich am ersten Festtage einen hiesigen jungen Mann heim« suchte. Derselbe hatte Festgäste abgeholt und versuchte, auf den Wagen zu springen. Hierbei glitt er auS, stürzte herab und zerbrach die Kniescheibe. Man befürchtet für ihn ein Steifbleiben seine» BetneS.

Attfeld, 14. Juni. In der Nacht zum 13. d». Mt». brachte Poltzeidiener Schmidt einen irrsinnigen Kamin­feger inS Polizeigesängniß imSpital". Dem Hospital- Verwalter war die Sisttrung, wie die» Regel in solchen Fällen, nicht gemeldet worden. Der Gefangene brach in der Nacht den Ofen ab, machte sich durch da» in der Wand entstandene Loch Luft und gelangte über die Treppe durch ein Fenster im dritten Stock auf die alte Stadtmauer, von wo er da» Weile suchte.

Mainz. 15. Juni. Die 24 jährige Dienstmagd Anna Röder aus Winternheim hatte ihr neugeborene- Kind lebendig in den Rauch fang der Waschküche ihrer in der Gartenfeldstraße wohnenden Herrschaft gesteckt, wo da» Kind nach ihrem eigenen Grständniß von der Polizei voll« ständig geröstet gefunden wurde. Die Angeklagte behauptet in der heutigen Verhandlung vor dem Schwurgericht, sie sei der Meinung gewesen, da- Kind sei tobt. Die Geschworenen verneinten die Frage auf vorsätzlichen Mord und bejahten Fahrlässigkeit, worauf da- Gericht sie zu einem Johr Ge- fängnih verurtheilte.

WZonshmkT der menschlichen frbmibaun gegen früher.

Von Dr. von Wedel!.

(Nachdruck verboten.)

Man hört ost die Ansicht aussprechen, daß daS Menschen­geschlecht in gesundheitlicher Beziehung zurückgehe und daß die rastlose Thätigkeit der Jetztzeit im Vergleich mit der ein­facheren, stilleren Lebensart früherer Zeiten der Gesundheit und dem Leben nachtheilig sei. Mag daran auch etwa- Wahres sein, so tsi doch statistisch die Thatsache bewiesen, daß fich die durchschnittliche Lebensdauer der Menschheit iur Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte beinahe ver­doppelt hat, d. h. daß der einzelne Mensch, welcher heutzutage zur Welt kommt, eine beinahe doppelt so große Aussicht hat, alt zu werden, al» der vor mehreren hundert Jahren Geborene.

Die zuverlässigsten Angaben über die Sterblichkeit au- älterer Zeit besitzen wir au- dem Canton Gens, von wo seit beinahe 400 Jahren genaue Todtenregister vorliegen. Dort betrug im Jahre 1560 die mittlere Leben-au-ficht bei der Geburt 22«/, Jahre, während sie 1833 bereit- auf 40«/, Jahre, also auf beinahe da- Doppelte gestiegen war. Noch mehr aber al- verdoppelt Haden fich daselbst die Leben-au-fichten der kleinen Kinder. Denn im 16. Jahrhundert starben in Genf von 100 Geborenen im ersten Lebensjahre nicht weniger als 26, während im 17. Jahrhundert 24, im 18. Jahr« hundert 20 und im 19. Jahrhundert nur 12 starben! Sehnliche- ist für England, Frankreich, Schweden und andere Länder nachgewiesen. Im Großherzogthnm Baden ist zufolge amtlicher Nachrichten die Sterbeziffer in den Jahren 1840 bi- 1888 allmälig von 28 bis auf 24 herabgesunken und im Großherzogthnm Hessen von 25 auf 21.

Besonder- groß und auffallend erscheint die Verminderung der Sterblichkeit in den großen Städten, welche durch Ein­führung der Caualisation und Beseitigung der Abfallstoffe, ferner durch bessere Wasserversorgung, weitläufigere Bauart, überhaupt durch sanitäre Maßregeln verschiedener Art ihren Gesundheitszustand auf eine vorher nicht gekannte Stufe ge­hoben haben.

In der Riesenstadt London starben zur Zeit der Königin Elisabeth (1533 bis 1603) von tausend Menschen jährlich 42, während im Jahre 1846 sich diese Zahl aus 25 und im Jahre 1891 auf 19 verminderte. In Berlin sank nach der Canaltflrung (1876 bis 1885) die Sterblichkeit von 29 auf 24. Namentlich ging der Tod an Typhus von 4pCt. aller ®t* storbenen in den fünfziger Jahren auf 0,8 pCt. im Jahre 1885 zurück. Sehnliche Beobachtungen find in fast allen deutschen Städten gemacht worden, welche in der letzten Zeit durch Canalifiruug ihre GesundheitSverhältniffe nicht nur in Bezug auf den mit Boden und Grundwasser eng zusammen­hängenden TyphuS, sondern auch bezüglich aller ansteckenden und epidemischen Krankheiten verbesserten.

Im Mittelalter dagegen waren die Städte eng gebaut, schlecht oder gar nicht gepflastert, starrten von Schmutz und Unrath, erfüllten die Luft mit Leichendunst, da die Gestorbenen in den Kirchen beigesetzt oder auf dem Kirchhof inmitten der Stadt begraben wurden. Deshalb richteten Epidemien geradezu unglaubliche Verheerungen unter der Bevölkerung an. So hat in London die jetzt ganz verschwundene Pest in den Jahren 1592, 1597, 1603, 1625, 1636 jedeSmal die Hälfte bi» zwei Drittel der Einwohner hinweggerafft.

Ueberhaupt bildet daS Verschwinden der großen Epidemien früherer Jahrhunderte, wie Pocken, Pest, schwarzer Tod, AuSsatz, heilige- Feuer usw. eine der Hauptursachen für die größere Langlebigkeit der Gegenwart. Die Opfer, welche bet unS alle Jahrzehnte mal die Cholera fordert, sind ganz verschwindend im Vergleich mit jenen Geißeln de» Menschen­geschlechtes, welche mitunter ganze Städte und Länder ent­völkerten. So starben zwischen den Jahren 1300 und 1500 in Wien auf einmal 70000, in London 80 000, in Köln 40000, in Konstantinopel sogar 334 000 Menschen!

Dazu kommt in unserer Zeit außer den zahllosen Ver­besserungen der äußeren Leben-verhaltmsse der hohe Stand der ärztlichen Wissenschaft. Schon allein durch die antiseptische Wundbehandlung werden unzählige Menschen am Leben erhalten, welche früher dem mit Recht so gefürchteten Wund- fieber zum Opfer fielen.

Die Toiletten unserer Kaiserin. Der Etat, welcher für die Kleidung der Kaiserin au-gesetzt ist, ist gewiß kein geringer, doch ist er wohl schwerlich vorauszubestimmen, er hängt von zu vielen Zufälligkeiten ab. Für jede größere Reise, die im Laufe des Jahres unternommen wird, werden' gewöhnlich besondere Anschaffungen gemacht. Für den letzten Aufenthalt in Urvtlle und Wiesbaden wurden neue Kleidung»- stücke hergestellt. Darunter war ein entzückende» Marine- Cape au» blauem Tuch mit weißem Tuch und Goldknöpfen- besetzt und mit weißer Seide gefüttert. Wenn die Kaiserin den Kaiser im August nach Petersburg begleitet, so muß daselbst bei den Festlichkeiten ein glanzvoller Lvxu» entfaltet werden. Man beschäftigt fich deshalb schon jetzt mit dem Vorbereitungen. Hofkletder mit Courschleppen, Theater- und- Wagenmäntel werden sür diesen Zweck neu angefertigt. Die Kaiserin läßt viel in Berlin arbeiten, beschäftigt aber auch auswärtige deutsche Lieferanten. Einiges wird In Wien an­gefertigt, waS man dadurch erfahren hat, daß ein Lieferant der Kaiserin dort eine Photographie und eine Taille in seinem Salon ausgestellt hat, welche zurückgeschickt wurde, weil fir, wie derConfectionair" erzählt, nicht paßte. Um die noth« wendigen Aenderungen vornehmen zu können, ließ sich die Kaiserin in der schlecht fitzenden Taille photographirev, damit der betreffende Lieferant die Fehler sehen und abänder» konnte. ,

Verschämte «udeutuug. Au einem Berliner Posi- schalter erscheint ein junge», hübsche- Mädchen und fragt