Ausgabe 
17.6.1897 Erstes Blatt
 
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Nr. 139 Erstes Blatt Donnerstag de« 17. Jmi 1^97

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Gießener Anzeiger

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Deutscher Reich.

Darmstadt, 15. Juni. Das Großherzogliche Paar begibt sich am Freitag zur Theilnahme an den Jubiläums, feterlichkeiten nach London.

Darmstadt, 15. Juni. Beider Landtags-Ersatz­wahl wurde Bürgermeister Köhler (natl.) einstimmig gewählt.

Berltu, 15. Juui. Das Programm der Rhein- reife des Kaiserpaares wird nunmehr bekannt. Bon Schloß Brühl fährt das Kaiserpaar am 19. Juni Morgens nach der Abtei Maria Laach. Am Laacher See und im nahen Niedermendig find große Kundgebungen geplant. Die rheinischen Rudervereine beabfichtigen, auf dem Laacher See Aufstellung zu nehmen. Bon Niedermendig bis zum Laacher See, eine Stunde Weges, werden Vereine und Schulen Spalier bilden. Der Ntedermendiger Gemeiuderath hat )5OO Mark zur Ausschmückung des Orte» und zu Triumph­bögen bewilligt. Das Katserpaar wird li/i Stunden in Maria Laach verweilen. Bon dort begeben sich der Kaiser »nd die Kaiserin nach Neuwied, wo fie der Fürstlich Wied- ßchen Familie einen Besuch abstatten wollen, dann wird die Reise nach Bonn fortgesetzt. Hier gedenkt btr Kaiser, die Borussen auf ihrer Kneipe zu besuchen. Abends wird der- selbe auf Schloß Brühl mit seiner Gemahlin wieder zu- fammentreffen.

Nach Etnführun g der zweijährigen Dienst­zeit wurde als eine der guten Folgen dieser HeereSreform bervorgehoben, daß in der Criminalstatistik der Armee eine merkliche Wendung zum Bessern eintrete. Die An- nähme, daß die meisten Vergehen beim Militär von Soldaten verübt werden, die sich im dritten Dienstjabre befinden, er- hielt dadurch ihre Bestätigung. Diese erfreuliche Erscheinunng, deren Bedeutung anfänglich von den Gegnern der zwei- sährtgen Dienstzeit nicht gewürdigt oder die auf zufällige Ursachen zurückgeführt wurde, ist, wie einem Berliner Blatte geschrieben wird, im Laufe der Zeit noch stärker hervorge- treten. Sie zeigt sich sowohl in der Abnahme der Geschäfte der Militärjustiz, als auch in geringerem Besuch der Militär- strafanstalten. Dies ist um so mehr bemerkenöwerth, als gleichzeitig mit der Einführung der verkürzten Dienstzeit auch eine beträchtliche Vermehrung deS acttven Heeres eintrat.

Wolff» telegraphisches Correspondmz-Bmrau.

Bern, 15. Juni. Der Nationalrath hat heute mit 136 Stimmen einhellig beschlossen, in eine Einzelberathung der Kranken- und Unfallverhütungsvorlage ein* zutreten.

Pari», 15. Juni. Die Zollcommission der Kammer begann die Berathung eine- Antrages Jounart betreffend die Erhöhung der Zölle auf Schweinefleisch und beschloß, den Zoll hierfür auf 12 Frcs. pro 100 Kgr. festzusetzen. Für Ferkel unter 25 Kgr. Gewicht soll ein Zoll von 3 Frcs. bezahlt werden.

Konstantinopel, 15. Juni. Der türkische Gouverneur von Bolo ist von der Pforte angewiesen worden, die von ihm eigenmächtig erlaffene Verfügung wegen ConftScation des Besitzes auSgewanderter Thessalier zurück­zunehmen.

Nevyork, 15. Juni. Die Einwanderer-Station auf ElliS-Jsland im Newyorker Hafen ist abgebrannt. Der Verlust wird auf eine Million Dollar- geschätzt. Personen find nicht verunglückt.

Prätoria, 15. Juni. (Reuter.) Präsident Krüger Iheilte I. B. Robinson mit, der EisenbahntranSp ort- tarif werde herabgesetzt und die Frage der Dynamit- ab gab en unterliege der Erwägung. Eine billige Regelung sei zu erwarten.

Depeschen deS Bureau »Herold/

Berlin, 15. Juni. Heute Nachmittag wohnte der Kaiser der Beisetzung deS General» v. Albedhll bei.

Berlin, 15. Juni. Am heutigen Todestage Kaiser Friedrich- war dessen Grabstätte neben der Friedens- k>rche in Potsdam prächtig decorirt. DaS Kaiserpaar legte e inen kostbaren Kranz auf dem Sarge nieder. Auch waren im Auftrage der Kaiserin Friedrich, de» Prinzen und der Minzesfin Heinrich Kränze ntedergelegt. Auch an dem Grabe d.cS heute vor 12 Jahren verstorbenen Prinzen Friedrich Tarl hatte das Kaiserpaar einen Kranz niederlegen lassen.

Berlin, 15. Juni. In der Audienz, welche der ita- lüenische Botschafter Graf Lanza am SamStag beim Kaiser hatte, hat derselbe, wie man fich in politischen

Kreisen erzählt, oem Kaiser ein Handschreiben des Königs Humbert überreicht, in dem fich dieser für die ihm anläßlich feine- 25jährigen Jubiläums als Ehef der 13. Husaren er­wiesene Aufmerksamkeit bedankt.

Berlin, 15. Juui. DieNationalzeitung" schreibt: ES find Gerüchte über Veränderungen verbreitet, welche in Preußen daS Finanzministerium und die Bicepräfident- schast deS Staatsministeriums, im Reiche baß Reichsamt deS Innern und die Stellvertretung des Reichskanzlers betreffen. Welche politische Bedeutung und welchen Zusammenhang die so in Aussicht gestellten Veränderungen haben sollen, daS ist aber vorerst nicht zu erkennen.

Berlin, 15. Juni. DiePost" meldet: Eontreadmiral Tirpitz ist heute zum Vortrag beim Kaiser nach Potsdam befohlen, nachdem er erst im Laufe der vergangenen Woche zu gleichem Zwecke in Potsdam war. Dem heutigen Vor­trag wohnt auch der commandirende Admiral v. Knorr bet, der auf Befehl deS Kaisers seine Jnspection der zum ersten Geschwader gehörigen Panzerschiffe in der Kieler Bucht unter­brochen hat, um fie erst Mitte dieser Woche auf der Marine­station der Ostsee wieder aufzunehmen. Man darf annehmen, daß demnächst eine definitive Entscheidung über die Neu­besetzung der Stellung deS StaatssecretärS deS Reichs* marineamtS getroffen werden wird.

Frankfurt a. M., 15. Juni. DerFrankf. Zig.- wird aus Hamburg telegraphirr: Der Senat beantragt bei der Bürgerschaft die Bewilligung von 111/2 Millionen Mark für den Bau neuer Häfen.

Wiesbaden, 15. Juni. Gegenüber den vomKleinen Journal" in Berlin verbreiteten Meldungen über den Ge­sundheitszustand deS Großherzogs Adolf von Luxem­burg ist daSWiesbadener Tageblatt" auf Grund authen­tischer Mittheilungen aus Luxemburg in der Lage, zu melden, daß die auftretenden Gerüchte gegenstandslos find und der Gesundheitszustand des Großherzogs Adolf vollkommen gut ist.

Solingen, 15. Juni. Bei einem großen Feuer, welches gestern Mittag das Vergnügungslocal Tivoli voll* ständig zerstörte, wurden zwei Feuerwehrleute durch den Einsturz einer Decke rödtlich verletzt.

Hannover, 15. Juni. Der Bauunternehmer Fritz Wiese Hierselbst wurde auf der Straße mit einem Dolche erstochen. Der Mörder, ein Schlossergeselle Namens Wagner, wurde verhaftet.

Kiel, 15. Juni. Die Prinzessin Heinrich begab fich heute früh nach Schweden und reist von dort mittelst Lloyddampfer nach England, um an den Jubiläum-feierlich* ketten theilzunehmen.

Wien, 15. Juni. Das Leichenbegangniß für Charlotte Wolter ist für Mittwoch anberaumt worden. Die Verstorbene wird auf dem Hitzinger OrtS-Friedhofe an der Seite ihres verstorbenen Gemahls O'Sullivan beerdigt werden. Am Grabe wird Director Dr. Burkhardt sprechen. Das hinterlassene Vermögen ist bedeutend. Die Haupterbin dürfte die Nichte Fräulein Sophie Wolter werden.

Teplitz, 15. Juni. Am Sonntag machten etwa fünf- hundert So ko listen aus verschiedenen Städten einen Aus­flug nach Karbitz. Die dortigen Deutschen hatten alle Gast­häuser besetzt und das ganze Bier aufgekaust. AlS die Sokolisten mit Gewalt Bier zu erhalten suchten und die Deutschen dabei beschimpften, entstand eine Prügelei, too» bei viele Tschechen und einige Deutsche verwundet wurden.

Pari», 15. Juni. Der Polizeipräfect hat zahlreiche anonyme Briefe betreffs des Attentat» auf den Prä­sidenten Faur e erhalten. Mehrere Personen wurden bereits zum Verhör vorgeladen.

Paris, 15. Juni. In diplomatischen Kreisen wird jetzt ein schnellere» Fortschreiten der Friedensverhand­lungen erwartet. Heber die Privcipten herrsche volle» Ein* vernehmen unter den Mächten, welche fich jetzt mit den Detail» beschäftigten.

London, 15. Juni. Der Prinz von Wales präfi- dirte gestern einer Freimaurer-Versammlung zur Feier de» Jubiläums der Königin Victoria. ES waren 7000 Freimaurer anwesend, welche die Logen auS ganz England repräsentirten. Der Prinz von Wales hielt eine Ansprache, worin er verkündete, daß 7000 Pfund Sterling Eintrittsgelder gesammelt seien, wovon die eine Hälfte für den HoSpitalfond, die andere für Freimaurerzwecke be­stimmt sei.

Berlin, 16, Juni. Von der Einleitung eines DiS- ciplinarverfahreuS gegenTausch oder eines anderen gerichtlichen Verfahrens ist, wie derLocalanzeiger" berichtet, an zuständiger Stelle nichts bekannt. Tausch hat einen

sechswöchentlichen Erholungsurlaub erhalten, den er in seiner bayerischen Heimath zu verbringen gedenkt.

Berlin, 16. Juni. Die erste Strikeversammlung der Maurer fand gestern Abend statt. AuS dem Sitna- tionSbericht, den der Führer der Strikecommisfion gab, ist zu erwähnen, daß fich etwa 2000 Maurer im Strike befinden. ES wurde beschlossen, auch die Arbeit bei dem Kgl. Marstall niederzulegen.

Braunschweig, 16. Juni. Der Gesundheitszustand der Herzogin von Cumberland hat fich infolge der Auf­regung durch die lange Krankheit ihres Sohnes derartig ver­schlimmert, daß ihre abermalige Hebersührung in eine Heil­anstalt nöthig wurde.

Frankfurt a. M., 16. Juni. Wie dieFranks. Ztg." meldet, wurde gestern in geheimer Sitzung von den Stadt­verordneten mit 29 gegen 18 Stimmen beschlossen, da- v. Hehder'sche Grundstück an der Neuen Mainzerstraße zum Preise von 800000 Mark alS Platz für das neue Schauspielhaus zu erwerben.

Schwurgericht.

W. Gießen, 16. Juni.

Heute wurde in die Verhandlung gegen den am 23. Mai 1870 zu Billtngen geborenen Schachtmeister Friedrich Pauli, in Borsdorf wohnhaft, wegen gewalt­samer Vornahme unsittlicher Handlungen eingetreten Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Dr. Güngerich, die Verteidigung hat Rechtsanwalt Grünewald über­nommen. Neun Zeugen sind zu hören. Die Verhandlung findet wegen Gefährdung der Sittlichkeit unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt.

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Gießen, den 16. Juni.

*-g- Das erste Abonnement Koucert unserer Regiments- mufik für diese Sommersaison sand am gestrigen Dienstag Abend in dem stets gern besuchten Steins Garten statt. Wenn man auch im Laufe deS Jahres so oft Gelegenheit hat, die unter der tüchtigen Direktion deS Herrn Mufikdtrector K r a u ß e stehende Capelle in ihren meist vorzüglichen Leistungen (wir erinnern an die bewährte Mitwirkung beim hiesigen Concertverein und sonstigen größeren Concertveranstaltungen) zu bewundern, so lernt man doch erst in den von dieser ver­anstalteten Abonnement Concerten ihre künstlerischen Leistungen, die fich in der verständniß- und empfindungsvollen Wieder­gabe mufikaltscher Meisterwerke kundgibt, kennen und wür­digen. DaS gestrige Programm brachte Schöpfungen bedeuten­der Compontsten, die mit Entzücken gehört und wahrhaften Genuß bereiten. So kam u. A. zum Vortrag das hier noch nicht gehörte Finale von Mendelssohns unvollendeter Oper Loreley", ferner eine Transscription von überaus stimmungs­voller Wirkung und Schönheit über SchumannsAbendlied", componirt von Herrn Mufikdirector Krauße, die übrigen Programmnummern waren durch Namen wie Rossini, Auber, Wagner, Brahms, Gounod rc. vertreten. In entgegenkommen­der Weise wurde auf die Beifallsspenden mit einigen ge­fälligen Marsch-Einlagen gedankt. Der Concertgarteu war gut besetzt; da eS zum Bon-ton der guten Gesellschaft Gießens gehört, sich in Stein» Garten ein Stelldichein zu geben, fo zeigte fich dem Beobachter ein recht hübsches belebtes Bild. Man promenirte in den schönen Gartenanlagen oder saß in Gruppen beisammen, fich unterhaltend in jener feinen Art und Weise, die den Genuß des ConcerteS nicht beeinträchtigte.

Turnerisches. Am verflossenen Sonntag war der Besuch des Volksturnfestes auf dem Feldberg durch active Turner sehr zahlreich. Auch waren die Leistungen derselben im Berhältviß zu dem früheren Turnen weit höher. So erhielt z. B. ein hiesiger Turner bei 34 Punkten den 10. Preis, während derselbe im vergangenen Jahr bei nur 32 Punkten schon den 3. Preis davontrug. Bon den Gießener Turnern erhielten: 1. Adolf Schäfer, Männerturnverein, 10. Preis- 2. Carl Heufer, Turnverein, 17. Preis - 3. Heinrich Pieper, Turnverein, 25. Preis- 4. H. Eger, Turnverein, 26. Preis- 5. Heinrich Schmitt, Turnverein, 26. Preis - Gg. Kinkel, Männerturnverein 28. Preis.

* Verkehrserleichternng von und nach Laubach. Mit dem 20. Juni wird der Mittagszug ab Hungen nach Laubach 25 Minuten später fahren und so ist die bequeme Verbindung von Frankfurt a. M. ab 1210 und von Gießen ob um 205 Mittags über Hungen direct nach Laubach wieder hergestellt. Die Rückfahrkarten LaubachFrankfurt a. M. berechtigen zur Fahrt über Gelnhausen oder Gießen und ist der Verkehr mit Frankfurt a. M. Morgen- um 6 Uhr über