Ausgabe 
16.12.1897 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

sShnlicheren Geist zeigen. Die Conferenz wird wahrscheinlich bis Lade der Woche dauern.

Depesche» b<t Bure«» »Herold.*

Berlin, 14. Deeember. Der Kaiser trifft neueren Bestimmungen zufolge schon heute Nachmittag in Kiel ein.

Berlin, 14. Deeember. Der Kaiser, welcher die Abficht hatte, der Einladung deS Reichskanzler- Fürsten Hohen­lohe heute Abend zur Tafel zu entsprechen, hat wegen der Reise nach Kiel darauf verzichtet.

Berlin, 14. Deeember. Wie dieKreuzzeitung" hört, wird der preußische Landtag am 11. Januar zusammen- treteu.

Berlin, 14. December. Die WahlprüfungS-Com- mtssiou des Reichstages hat heute beschloffeu, das Mandat des Abgeordneten Dr. Paasche, welcher vorher ordentlicher Prosrsior au der Univerfität Marburg, seit dem 1. October aber als etatmäßiger Profeffor au der Technischen Hochschule zu Berlin angestellt ist, für nicht erloschen zu erklären, da durch die neue Stelle weder eine Erhöhung im Range noch i« Gehalt eintrete.

München, 14. December. Heute Mittag 12 Uhr hat sich wiederum ein großes Bauuuglück hier ereignet. Au einem Neubau au der äußeren Ltudwurmstraße stürzte infolge leichtfertiger Bauweise eia im vierten Stock angebrachter Erker herab. 13 Arbeiter wurden verschüttet - 4 find bereit- als Leichen unter den Trümmern hervorgezogeu worden, während 9 zum Theil schwer, zum Theil leicht verletzt sind.

Prag, 14. December. Wie verlautet, soll Feldmarschall» Lieutenant David zum Statthalter von Böhmen ernannt, der hiefige Gemeinderath aufgelöst und die Stadt­verwaltung in die Hände eine- RegierungS-CommiffarS gelegt werden. Der Director de- tschechischen NattonaltheaterS wurde zum Poltzetdirector berufen und ihm eröffnet, daß, fall- nochmal- im Theater politische Demonstrationen statt« finden, daffelbe sofort von der Polizei besetzt und geschloffen wird.

Budapest, 14. December. Mit Rückficht auf die iu Arbeiterkreisen herrschende bedenkliche Gährung untersagte die Regierung die Abhaltung deS nach Szegcdtu eiaberufeueu Feldarbeiter-Eongresse-. Auch der von den Social« demokraten nach Weihnachten hier geplante allgemeine Ar- beirer-Cougreß wurde verboten.

Rom, 14. December. Man glaubt, daß die Minist er- krtsts heute ihre Lösung finden wird. Nach einer neueren Berfion soll eS Vir conti Beno st a übernommen haben, da- neue Ministerium zu bilden.

London, 14. December. Wie au- Port-au.Prince gemeldet wird, ist das neue Ministerium von Haiti bereits gebildet.

Madrid, 14. December. General WeylerS Auf­treten hat einen revolutionären Eharacter. In einer Banketrede griff der General die Königin-Regentiu heftig au. Die Lage läßt ein Pronunciameuto für unvermeidlich erscheinen. Der Mtotsterrath beschloß, energische Maßregeln gegen da- Borgeheu WeylerS zu ergreifen.

Berltu, 16. December. Die Budget-Commission de- Reichstage- ist auf heute Vormittag einberufen. In dieser Sitzung soll die Frage zur Entscheidung gelangen, ob die Mariuevorlage oder der Etat nach den WethnachtS- ferien zuerst zur Berathung kommen soll.

Berlin, 15. December. Die letzten brieflichen Nachrichten aus Lolodorf, welche über die deutsche Straf- exvedttioo in das Hinterland von Kamerun berichten, laffen erkennen, daß unsere deutsche Schutztruppe diesmal eine ernste und schwere Ausgabe zu erfüllen hat. Bei einem Kampfe mit Aufständischen find fieben Mann gefallen, beim Rückzug wurde noch ein Mann verloren. Der Feind soll beträchtliche Verluste erlitten haben.

Brüstel, 15. December. Der Pariser Vertreter der Jndependance" hatte eine intereffante Unterredung mit dem japanischen Gesandten Kurioo über die ost asiatisch en Vorgänge. Der Gesandte sprach die Ueberzeuguug aus, daß China einer baldigen Theiluvg verfallen werde, da eS kein lebensfähiger Staat mehr fei.

. Cocek* wn6

Gieße», den 15. December.

* * Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donnerstag den 16. December 189 7, Nachmittags J/a4 Uhr pünktlich: 1. Die Viehzählung am 1. December 1897 (Mittheilung). 2. Vorlage der Rechnung der Stadt Gießen pro 1896/97. 3. Des- gleichen deS Stadterweiterungsfonds pro 1896/97. 4. Er- I läuterung der RevtsionSbemerkungen zur Rechnung der Stadt I Gießen pro 1895/96; hier a) Genehmigung von Miethver- I trägen, b) Decretur von Rechnungen. 5. Bermiethung von | Wohnungen und Verpachtung von Gelände aus der ehemals von Rabenau'jchen Befitzung. 6. Gesuch des Heinrich Kn och um Erlaubniß zum WirtschastSbetrieb im Hause Goethestraße 54.

Postalisches. ImRetchSauz." gtebt das Reichs­postamt bekannt, daß vom 20. dS. MtS. ab Drucksachen in Roll en form bis zu 75 Centimeter Länge und zehn Centimeter Durchmeffer auch innerhalb Deutschlands sowie im Verkehr mit Oesterreich Ungarn zur Postbeförderung zu- gelaffen werden.

* * Oberhesfische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. In der Sitzung am 8. December sprach Herr Profeffor Netto über die verschiedenen Richtungen der mathemati­schen Forschung. Der Vortragende hob den Gegensatz her- vor, welcher zwischen den rein gedanklichen Gegenständen der mathematischen Forschung und der zuverlässigen Verwendbar­keit ihrer Resultate auf die realen Gegenstände der Außen­welt besteht. Dieser Gegensatz erklärt e-, daß man einer- | setis versucht hat, nicht nur die Ziele, sondern auch die Methoden der Mathematik den Bedürfniffeu deS täglichen I

I Lebens anzupaffen, während sich andererseits Bestrebungen I geltend machen, jedes solche Band zu lösen. Bei dieser letzten I Richtung find vor Allem die geometrischen Anschauungen za beseitigen und durch analytische Beweismittel zu ersetzen. Dabei kann mau aber die Durchführung unendlicher Proceffe nicht vermeiden, und da- hat stets etwas Unbefriedigendes, zumal da mau auf diesem Wege zu analytischen Bildungen gelangen kann, die der Anschauung aus'S Aeußerste wider­streben. Um derartigen Schwierigkeiten zu entgehen, ist eine neue Richtung eiugeschlageu worden. Diese arbeitet über­haupt nur mit ganzen Zahlen und verwendet fie nur in einer endlichen Anzahl von Operationen. So erreicht «au den höchsten Grad von Sicherheit und Durchfichtigkeit in Beweisführung und Resultaten. Diese Methode wird unter dem Namen einerArithmetisirung der Mathematik" zu-

| sammengesaht.

Etadlheater. ES sei schon heute darauf htugewiesen, daß am Freitag den 17. dS. MtS., da» Benefiz für den be- j liebten Charactercomiker des hiefigen Stadttheaters, Herrn Director A. Helm, stattfindet. Derselbe gtebt an seinem Ehrenabmd daS vieractige Moser'sche Lust'pielDer Slave" oderDer Schwiegervater au» Sachsen-, welches unseres WiffenS hier noch nicht aufgeführt wurde.

* Zu Vertretern des LaudeS-SewerbevereinS im Eifen- bahnbeirath wurden mit Wirkung vom 1. Januar 1898 für Starkenburg Herr Oberbürgermeister Brt nk-Offenbach und als dessen Stellvertreter Herr Fabrikant Röder-Darm- stadt, für Oberheffen Herr Ingenieur Schiele«Gießen und als dessen Stellvertreter Herr Commercienrath K. Trapp in Friedberg, für Rheinhessen die Herren Geh. Commer- cieurath Römheld-Mainz und als dessen Stellvertreter Herr Fabrikant W. I. D. V alck en b e r g-Worms gewählt. Die Wahl gilt für die Dauer von drei Jahren.

Zur Warnung. In Offenbach wurde ein Theil- nehmer der Ferusprecheiurichtung wegen ungebührlichen Be­nehmen- gegen den Beamten zu 90 Mk. Geldstrafe und in die entstandenen Kosten verurtheilt.

Dieastwohuuugeu für Postunterbeamle». Die Reich-- poftverwaltung beabsichtigt, an Orten, wo ein sichtbarer Mangel au gesunden Wohnungen für Unterbeawten herrscht, solche Wohnungen selbst zu beschaffen. Demgemäß werden im kommmden Jahre an 19 Orten 45 Wohnungen für Familien und acht für Unverheirathete von der Postver­waltung gewiethet und an 29 Orten je ein Wohngebäude angekauft und so weitere 76 Wohnungen für Unterbeamte beschafft.

In Amerika verstorbene Hessen. Brooklyn, Adam Rauch, 34 Jahre alt, aus Weisenau. BeardStowu, Jll., I. C. Eberwein, 76 Jahre alt, aus Gießen. Hamilton, O., Heinrich Schmidt, 49 Jahre alt, au- Büdingen.

* * Wetterbericht. Die Depression im Nordwesten deS ErdtheilS besteht fort, und hat sich ihr Centrum sogar noch mehr vertieft. Ueber Ost- und Süd-Europa ist dagegen da» Barometer vorläufig noch gestiegen und lagert der Haupt­kern deS hohen Druckes heute im äußersten Südosten. Ein fecundares Maximum ist am Südrande der Alpen vorhanden. Der Himmel war in Deutschland am Morgen vielenorts trüb. Die Morgentemperaturen waren wenig verändert. Voraussichtliche Witterung: Meist trübes aber mildes Wetter; im Norden zeitweise Niederschläge.

* Berichtigung. In dem vorgestrigen Artikel au» Lang-GönS muß eS heißen: Carl Nern als 2. Haupt- manu gewählt.

m. Londorf, 14. Deeember. Mit dem heutigen Tage scheidet Herr Gendarm Seibel dahier nach beinahe 25jähriger Thätigkeit bet hiefigrr Gendarmerie-Station, nachdem ihm erst vor Kurzem aus gleichem Anlaß von Sr. König!. Hoheit dem Großherzog von Hessen das silberne Kreuz verliehen wurde, aus seinem Dienste. Als sicherer Beweis, daß sich Herr Seibel während seiner amtlichen Thätigkeit dahier und im ganzen Bezirk sehr viele Freunde und Gönner erworben hatte, geht wohl am besten daraus hervor, daß man heute auf Anregung einiger Bürgermeister seines Bezirks in der Gastwirrhschast des Herrn Braun dahier zu Ehren des Scheidenden ein Abschieds essen veranstaltete, bei welchem sämmiltche Herren Bürgermeister (außer.Londors und Keffelbach) des Bezirk-, sowie auch Herr Gendarmerie-Wachtmeister Jrkel von Grünberg vertreten waren.

4" Ober Schmitten bei Nidda, 14. December. Seit Kurzem herrscht iu unserer Gemeinde eine sonderbare Augenkrankheit, Granulöse genannt. Dieselbe äußert sich in der Weise, daß die von dem Uebel ereilt werdenden Personen mehrere Tage lang ihre Augen vor der Einwirkung jeder Lichtart schützen müffen, weil daS Sehvermögen wie geblendet ist. Bei manchen Erkrankten dauert dieser schmerz­liche Zustand eine Woche an.

M. Groß-Lichen (Oberheffen), 14. December. Als am gestrigen Tage gegen Feierabend die Bergleute aus dem benachbarten EisensteinbergwerkLuse", welches zwischen Ilsdorf und hier liegt, nicht heimkehrten, ahnte man einen Unglücksfall. Bald kam die Nachricht, daß die au»- bletbenden Bergleute damit beschäftigt seien, einen verschütteten Kameraden auszugraben. Der Unglückliche, mit Namen Büttner von hier, arbeitete in einer Strecke deS Tagbaue» der Eisensteingrube. In zwei benachbarten Strecken be­fanden sich gleichfalls arbeitende Bergleute. Eben hatte der­jenige der mittleren Strecke seine Arbeit beendigt, die Schienen beseitigt, um eine andere Arbeit aufzuuehwen, und sich entfernt, da geschah daS Zusamwenrutschen der Erdmaffen. Der in der einen Seitenstrrcke arbeitende Bergmann Preiß vermochte sich durch rasche Flucht zu retten, auch drangen die Erdmaffen in diese Strecke weniger ein. Dagegen wurde der in der anderen Seitenstrrcke arbeitende Büttner von dem Erdrutsch gänzlich verschüttet. Er befand fich bereits bei seinem fertig- gestellten Wagen, al» ihn der Tod ereilte, der jedenfalls durch Erstickung augenblicklich eingetreten ist. Noch brannte das Bergmann-licht de- Verunglückten in der Strecke. Wäre der

Erdrutsch wenige Zeit früher erfolgt, so hätte gewiß auch der Arbeiter in der mittleren Strecke seinen Tod gefunden. Ein Verschulden trifft Niemand, da die veausfichtigung des Berg­werks in besten Händen liegt; jedenfalls ist der Erdrutsch durch die seither niedergegangeuen starken Regen, wodurch der Boden zu sehr durchweichte, veranlaßt worden.

u. Friedberg. 14. December. Die Sctien Zuckerfabrik Wetterau" hat sämmtlicheS ihr augeboteneS Rübenquantum verarbeitet und den Betrieb für diese Campagne jetzt, also um dieselbe Zeit wie voriges Jahr, eingestellt. Die Er­trägnisse der Zuckerrüben waren etwa dieselben wie Vorige- Jahr; der Morgen (*/< Hictar) lieferte im Durchschnitt 180 Ctr. Rüben. Der Durchschnitts-Zuckergehalt kann wohl zu 13 pCt. angenommen werden. Für 12 pCt. Zucker in der Rübe bezahlt die Fabrik 70 Psg., für jedes weitere Procent 10 Pfg. wehr, so daß also für den Centner 13proe. Rüben 80 Pfg. bezahlt werden. Hierzu kommt für entlegene Orte noch eine kleine Vergütung für Fuhrlohn. Der Morgen wirft somit nach Abzug deS Schmutzes im Durchschnitt 140 Mk. Ertrag ab. Die Futterabfälle, als Blätter, Köpfe und Schnitzel find bei dieser Berechnung außer Acht gelassen. DaS Ausmachen und Abfahren der Rüben war bei dem trockenen Spätherbst müheloser, als in den Vorjahren.

n. Stammheim, 14. December. Wir brauchen uns jetzt auf dem Lande nicht wehr über die Höhe der Preise für Bauplätze in manchen Städten zu wundern. Vielmehr wird man in mancher Stadt verwundert den Kops schütteln, wenn man hört, daß hier bei einer öffentlichen Versteigerung der Quadratmeter eines mitten im Ort gelegenen Bauplatze» für 7.35 Mk. gekauft wurde. Bon zwei daneben liegenden Plätzen wurde der Quadratmeter mit 3 Mk. bezahlt. Im ersten Fall stellt sich also der Preis sür den OrtSmorgen (2000 Quadratmeter) auf 14 700 Mk. Man nimmt hier und wohl nicht mit Unrecht an, daß fich die Käufer über da» Verhältniß zwischen dem neuen und de« alten Flächenmaß nicht recht klar waren, denn fie sollen sehr erstaunt gewesen sein, alS man ihnen vorrechnete, wie hoch bei diesem Preis der Morgen bezahlt sei.

Mainz, 13. December. EinMastodon". In der Nähe von Bermersheim bei Alzey wurde der noch gut erhaltene Unterkiefer eines vorweltlichen Riefenelephanten aufgefunden. Der Kiefer eine- der Tertiärzeit angehörigen Mastodon, de» größten aller Landsäugethtere der Borwelt, hat, ohne die Schnetdezähne, welche auch al- Stoßzähne verwendetswurden, eine Länge von V/4 Meter, die Schneidezähne eine solche von über 30 Centimeter, sodaß der ganze Fund eine Länge von über 2 Meter 30 Centimeter hat. Da- Gewicht betrögt 3*/i Centner. Der Fund ist um so wichtiger, al- die seither gemachten Funde fich nur aus kleinere Bruchtheile de- Mastodon- UnterkieferS beschränkten, während dieser Kiefer vollständig erhalten ist. Der Vorstand der rheinischen naturforschenden Gesellschaft hat den Fund für da» Museum erworben und wird derselbe nunmehr präparirt.

Schwurgericht.

W. Gießen, 15. December.

Heute Vormittag begann vor dem Schwurgericht die Verhandlung wegen de» am 15. September d. I. im Gießener Stadtwalde zwischen zwei Einjährig-Freiwilligen unserer Gar­nison stattgefnndenen Duell», bei dem der eine, Gericht»- accesfist Friedrich Jacobi von Rodheim v. d. H., getödeet wurde. Angeklagt find: 1. Emil Schmitz, 26 Jahre alt, von Hennef, sind, med., welcher am 1. October d. I. seine active Dienstzeit beendet hat, 2. GerichtSaccesfist Hein­rich Gebhardt, 26 Jahre alt, von Gießen, vicewacht- meister der Reserve, 3. Rudolf Langermann, Ge- richtSaccesfist, 27 Jahre alt, von Gießen, z. Zt. in Friedberg, Lieutenant der Reserve, 4. Reinhard Koch, ßtnd. ehern., 24 Jahre alt, von Gießen, 6. Albert Baa», stud. med., 24 Jahre alt, von Mainz, 6. Adolf Brettel, ßtud. med., 24 Jahre alt, von Gau-AlgeSheim, 7. Ferd. Rude, etud. jur., 24 Jahre alt, von Bingen­heim, 8. Georg Stammler, Finanzaccesfist zu Darm­stadt, Unteroffizier der Reserve, 26 Jahre alt. Die An­klage wird vom Ersten Staat-anwalt Dr. Güngerich ver­treten. Der Gerichtshof ist gebildet durch den Landgerichts- rath Helwig al» Vorsitzenden und den Landgericht»räthen Kullmanu und Dr. Linkenheld. Al» Benheidiger find erschienen die Rechtsanwälte Dr. Gutfleisch, Metz^ Grünewald und Hirschhorn, sowie der Rechtsanwalt Schimmelpf eng-Darmstadt. Es find sechsundzwanzig Zeugen zu hören. Als medicinischer Sachverständiger ist Dr. Carl Müller, Assistenzarzt in der Frauenklinik, unb Professor Dr. Poppert im Saale anwesend. Dem An­geklagten Emil Schmitz wird zur Last gelegt, daß er am 15. September d. I. im Stadtwalde bet Gießen den Ein­jährigen Friedrich Jakobi von Rodhei« v. d. H. im Zwei­kampfe getödtrt habe. Die Angeklagten Gebhardt, Langer- mann, Koch, Baa», Brettel und Rude werden beschuldigt, daß sie dem Schmitz zur Begehung des verbrechens de» Zweikampfes durch Rath und That wissentlich Hilfe geleistet haben. Endlich ist Stammler angeklagt, den Auftrag zur Herausforderung an Jakobi auSgerichtet zu haben.

Der Thatbestand, wie ihn die Anklage schildert, ist folgender: Am Morgen des 15. SeptembeiM. I. fand im Gießener Stadtwald unweit der Licher Chaussee zwischen den damaligen Einjährigen Schmitz und Jakobi ein Zwei­kampf auf Pistolen statt. Die Bedingungen desselben waren 10 Sprungschritt Diftance mit dreifache« Kugelwechsel. Hierbei fungirte der Angeklagte Gebhardt als Unparteiischer und Zeuge, Angeklagter Baas als Secundant d«S Schmitz und Angeklagter Koch als sclcher des Jakobi, während der Angeklagte Langermann unparteiischer Zeuge war. Ferner waren die Aerzte Dr. Schwan und Dr. Brandenburg zur Stelle. Beim ersten Kagelwechsel, dem ein erfolgloser Ver- söhnungSorrsuch voranging, erhielt Schmitz einen Prellschuß an die rechte Hüfte, während sein Gegner unverletzt blieb.