Bonbon, 14. September. Infolge dtrecten Meinung«. auStausche« zwischen dem Londoner und Berliner Cabtoet wurden die bestehenden Differenzen in der Angelegen- heit der türkisch-griechischen Fetedensverhandlungen behoben. Alle Mächte wurden hiervon verständigt, deren Zustimmung bi« auf Frankreich bereit« etngelaufen ist. Sobald auch die Zustimmung Frankreich« etngetroffen ist, wird Griechenland aufgefordert werden, der Kammer da« Gesetz betreffend Einführung einer Finanz-Commission, welche auch die Rechte der alten Gläubiger zu wahren hat, vorzulegen. Nach Annahme de« Gesetzes durch die Kammer wird die Ottoman-Bank im Verein mit der Rothschild-Gruppe die Kriegsanleihe übernehmen, worauf sofort die Räumung TheffalienS zu erfolgen hat. _____________
Berlin, 16. September. DaS norwegische Schiff „Alatta" ist, wie dem „Berl. Tgbl." auS Hamburg gemeldet wird, auf der Reise von Vancouver nach Uokohama während eines heftigen Orkan« bei Nischikata (Japan) total wrack geworden. Von den Mannschaften find nur sechs gerettet, die übrigen ertranken.
Berlin, 16. September. DaS „Kl. Journal" meldet an« Belgrad: Die Radicalen find unangenehm überrascht havon, daß König Alexander in Begleitung seines Vaters in Paris eingetroffen ist. Die Regierung wurde davon eben* sallS überrascht und ließ anfänglich die Nachricht dementiren. Die Demission deS Cabinets Simic ist nunmehr ge- wiß und dürfte nach der Rückkehr des König« Alexander erfolgen.
Berlin, 15. September. Die zu gestern Abend ein- berufenen außerordentlich stark besuchten sechs socialdemo- kratischen Versammlungen diScutirten hauptsächlich die Frage der Betheiligung der Socialdemokraiie an den nächsten preußischen Landtagswahlen. Außerdem wurden unter Anderem die Berliner Vertreter zum Hamburger Parteitag gewählt.
Berlin, 15. September, Dem „Vorwärts" wird au« Beutheu (Oberschlefien) telegraphirt: In dem große» Proceß wegen Geheimbündelei und Uebertretung des Vereinsgesetzes wurden gestern sämmtliche Angeklagten sreigesprochen. Allgemein befremden dürfte dagegen die Ver- urtheilung der Angeklagten TuSkcr und Watzlawek wegen Betrug« zu je einem Monat Gefängntß. Der Betrug soll durch Aufnahme von Mitgliedern des Bergarbeiter-VerbandeS unter Vorspiegelung falscher Thatsachen begangen sein.
WB. Wilhelmshaven, 15. September. In seiner gestrigen Taufrede sagte Prinz Heinrich: Die Entstehung dr« Schiffe« verdankt da- deutsche Volk dem Dem.'ctn Kaiser, welcher, klaren Blickes in die Zukunft schauend, unermüdlich thätig ist, dem deutschen Volke seine Ehre auf dem Meere zu sichern, fürwahr, ein hohes, edle« Ziel. Unübertroffen stark zu Lande, wehrhaft zur See, so möchte Kaiser Wilhelm das deutsche Reich in unabhängiger Fertigkeit dasteheu sehen. Ich weiß mich eins mit der Marine in der Freude über den hohen Namen, den nunmehr da« Schiff tragen soll, der unser Schlachtruf, unser Sterberuf ist, den Namen „Kaiser Wilhelm H."
CoceUs tmO protHtijuikf.
Gießen, den 15. September
♦* Tagesordnung für die Sihnng bet Stadtverordneten- Bersammlnng Freitag den 17. September 189 7, Nachmittags 1/a4 Uhr pünktlich: 1. AuSloolung der zurück- zuzahlenden Obligationen des 1893er, 1894er und 1896er Anlehen«. 2. Ausbau der Moltkestraße - hier: Plan und specieller Voranschlag. 3. Herstellung erhöhter Trottoirs in der- Licherstraße. 4. Reparatur de« Bohlenbelag« bezw. Umbau der Wieseckbrücke in der Bismarckstraße. 5. Gesuch deS Gärtner« Bernhardt um Erlaubnitz zum Bauen an der Frankfurterstraß'.-. 6. DeSgl. de« H. Wmn. 7. Erbauung der Kleinbahn Gießen-Bieder - hier: Abgabe von alten Pflastersteinen und Baugesuch der Gesellschaft. 8. Berwerthung von Bauplätzen an der BiSmarckstraße- hier: Gesuch von A. Ader* mann und G. Wagner III. um Frist zum Bebauen von Plätzen. 9. Gesuch der Levi Löwenstein Ehefrau um Er- laubntß zur Versetzung ihrer BerkaufShalle. 10. Den Erlaß eine« Local - Polizei - Reglements für die Provinzialhauptstadt Gießen auf Grund des Art. 57 der Allgemeinen Bauordnung. 11. Vergebung der Zinsen au« der Wilson-Stiftung. 12. Gesuch deS Joseph Kranawetter um Erlaubniß zum WtrthschaftS- betrieb im Hause Frankfurterstraße 23 13. DeSgl. de«
Max Ja-kowsky für da« Haus SelterSweg 79. 14. Gesuch des Karl Orb'g um Erlaubniß zum ÄuSschank von Wein, Obstwein, Bier und Branntwein im Hause Bahnhofstraße 83. 16. Gesuch deS Johann Thoma um Erlaubniß zum Wirth- schaftsbetrieb im Haust Bahnhofstraße 43. 16. DeSgl. deS Wilhelm Busch im Hause Riegelpfad 38. 17. DeSgl. deS Georg Btchler im Hause An den Bahnhöfen 40. 18. DeSgl. bei Friedrich Felfing im Hause Marktstraße 22.
• * Neue Nebenbahn in Oberhefsen. Im Einvernehmen mit Großh. Ministerium deS Innern hat da« Großherzogl. Ministerium der Finanzen der Hanauer Kleinbahn-Gesellschaft zu Hanau auf die Dauer eines JahreS die Erlaubniß er» theilt, Vermessungen und Vorarbeiten für eine normalspurige Nebenbahn von der Laude-grenze bei Alt WiedermuS nach Büdingen und von Büdingen nach Rinderbügen und Wolferborn vorzunebmrn.
• • Zulassung zur Nechtlauwaltschaft. Am 10. August wurde der GerickrSaffeffor Gg. Balzer in Gießen zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Lorsch zugelaffen.
• • Schuldienst Nachrichten. Am 31. Juli wurde dem Schullehrer Andrea« Schipper zu Ebersheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Sauer-Schwabenheim, Kreis Bingen, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Jacob Dörschug zu Sauer-Schwabenheim eine Lehrerstelle an ber Gemeindeschule zu Ebersheim, Kreis Mainz, — an demselben Tage wurde dem SchulamtSaSpiranten Adam Stork aus Obrr-Klingen die Lehrerstelle an der Gemeinde«
schule zu Rai Breitenbach, Kreis Erbach, — an demselben Tage wurde dem SchulamtSaSpiranten Thoma« Sprey auS Seligenstadt eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nackenheim, Kreis Oppenheim, übertragen- — am 13. August wurde der von dem Herrn Fürsten zu Stolberg-Wernigerode- Gedern auf die Lehrerstelle an der Gewetndeschule zu Usenborn, Kreis Büdingen, präsentirteSchulawtSaSpirant Wilhelm Wagner auS Hoch Weisel für diese Stelle bestätigt- — am 21. August wurden die provisorischen Lehrerinnen an der Höheren Mädchenschule zu Gießen Clara Birnbaum und Adele Weicker zu Lehrerinnen an dieser Schule, unter Belassung in der Kategorie der VolkSschullehrerinneu, ernannt.
Erledigte Lehrerstellen. Erledigt find: Eine Lehrerftelle an der evangelischen Schule zu Lampertheim, Kreis BenSheim, mit einem nach dem Dienftalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000—1400 Mk. Zwei mit evange- lischen Lehrern zu besetzende Lehrerftellen an der Volksschule zu Worms mit einem nach dem Dienstalter sich be messenden jährlichen Gehalte bis zu 1350 Mk. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Oder-Breidenbach, Kreis AlSfeld, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeichule zu Mittershausen, Kreis Heppenheim, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Eine Lehrerftelle an der katholischen Schule zu Lampertheim, Kreis BenSheim, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000—1400 Mk.
Stabttheater. Die Proben zu den am 28. c. im hiesigen Stadttheater beginnenden Vorstellungen nehmen in den nächsten Tagen ihren Anfang. Eröffnet wird die Saison voraussichtlich mit dem vieractigen Lustspiel von Klapp „Rosenkranz und Güldenstem", welche« augenblicklich Repertoirstück deS Kgl. Schauspielhauses Berlin ist. Auch eine der bedeutendsten Novitäten wird die Dinciion gleich ru Anfang der Saison zur Aufführnng bringen, nämlich Gerhart Hauptmanns „Versunkene Glocke", welche beispielsweise kürzlich auch am Hoftheater in Darmstadt mit außerordentlichem Erfolge in Scene ging. Nicht unerwähnt bleibe, daß die Bilder deS Personals in verschiedenen Geschäften der Stadt ausgestellt find, z. B. in der Challter- schen Musikalienhandlung, sowie in den Buchhandlungen von Free« u. Taschs (SelterSweg) und Karl Krebs (Schulftraße).
♦ * Keilerei. Zu der unter dieser Rubrik erschienenen Notiz in voriger Nummer erhielten wir folgende Zuschrift: „Zu dem unter der Rubrik „Keilerei" in der heutigen Aus gäbe Ihres geschätzten Blattcö veröffentlichten Bericht glauben wir zur Wahrung unseres Rufe« Folgendes bemerken zu müssen: Zur Zeit, al« die Rauferei stattfand, waren von unserem circa 50 Mitglieder zählenden Verein nur noch sechs anwesend, wovon sich jedoch nur einer an der Schlägerei betheiligte, während sich die anderen mit der Rolle al« Zuschauer begnügten. Hierfür dürfte schon die Thalsache sprechen, daß keiner unserer Mitglieder verletzt ist, während daS nach Ihrem Bericht bei allen Teilnehmern mehr oder weniger der Fall ist. Da« betreffende Mitglied befand fich zudem nicht in unserer Gesellschaft, sondern in derjenigen eines anderen, ebenfalls zum Theil anwesenden Verein- und ist von unseren übrigen Mitgliedern ketnerlet Anlaß zu einer Keilerei gegeben worden. Da sich nach Ihrem Berichte, wie wir gerne glauben wollen, nur zwei Mnglieder der „Eon- versation" betheiligt haben, so find wohl 6tc übrigen Gäste, die an der Rauferei regen Antheii nahmen, al« Mitglieder unsere« Verein- angesehen worden. Es kann also von einer Keilerei zwischen den Vcreinen „Amicitia" und „Conversatton" keine Rede sein. Wir ersuchen Sie daher ergedenst, dils in Ihrem geschätzten B atte zur gefl. Kenntniß bringen zu wollen und zeichnen hochachtungsvoll Der Vorstand de« Ver- ei|n« „Amicitia"/
* * Petition bet KteiSamtSgehilseu. Gegen die (auch in Nr. 213, erstes Blatt, deS „Gießener Anzeigers" erwähnte) Petition, bezw. die Berechtigung der von den Kreisamtsgehilfen zu Gunsten ihrer Ansprüche gellend gemachten Gründe wendet fich ein im „Darmst. Tägl. Anzeiger" erschienenes „Eingesandt". ES handelt sich hauptsächlich um die Zulassung der Finanzaspiranten 1. Klasse zu den neugeplanten Mittel- stellen (Bureauvorfteher) au den KreiSämtern, gegen welche in erster Linie die nicht angestellten älteren KretSamtSgehilfen mit dem Ersuchen petitioniren, daß sie zuerst in die neu- geschaffenen Stellen einrücken, die Finanzaspiranten aber erst nach Darlegung ihrer praktischen Kenntnisse als KreiSamtS- gehilfen. Dieses Anfinnen wird in dem „Eingesandt" als auffallend und unbegründet und als ein sonderbares Mittel bezeichnet, die Finanzaspiranten als Mitbewerber auszuschließen. Da« „Eingesandt" beleuchtet die Lausbahn beider Stände: KreiSamtSgehilfen und Fmanzafpiranteu, wie folgt: Die genannten Gehilfen treten in der Regel nach der Entlassung au« der Volksschule al« Schreibgehilfe auf dem KreiSamtS- bureau ein und rücken nach und nach zum ersten Privat- gehilfen auf. (In dieser Eigenschaft tauschen sie rückfichtlich ihre« Einkommens nicht mit manchem Beamten de« mittleren Finanzfaches). ES ist jedoch nicht zu leugnen, daß fich da- runter fachtüchiige Arbeitskräfte befinden. Die Zulassung zum Finanz,xamen wird von dem Nachweise weit besserer Schulkenntnisse abhängig gemacht. DaS Fachexamen selbst ist ein mindesten« zehntägige« und schriftliches mit darauffolgendem mündlichen. Nach dem Bestehen ist die Ableistung eine« einjährigen praktischen LursuS auf dem Bureau eines der hierzu vorgesehenen Großh. Aemter vorgeschrieben. Die Erfüllung der an die zu Prüfenden gestellten Anforderungen an Befähigung und Leistung bedingt einen großen Auswand an Fleiß und Ausdauer für die längere Zeit dauernde Vorbereitung, abgesehen von den damit verbundenen nicht unerheblichen Kosten.
• * Hessische Postbeamten. Man schreibt un« auS Essen, 13. September: In dem „Fuhrmann'schen Locale" fand
heute eine Versammlung von Postbeamten hessischer Staatsangehörigkeit, welche zur Zrtt in dem Rheinisch-Westfälischen Industriegebiete beschäftigt sind, statt. Die Versammlung war sehr gut besucht. Jeder, dessen Dienst es erlaubte, war herbeigeeilt, um einige frohe Stunden mit seinen alten Landsleuten zu verleben. Do- schöne Hessenland wurde durch Lieder und Trinksprüche gebührend gefeiert. In da- auf den heimathlichen Landesfürsten, Se. Kgl. Hoheit den Großherzog ausgebrachte Hoch stimmten die Anwesenden begeistert ein. Durch ein Trie- gramm wurden ferner Sr. Kgl. Hoheit die Grüße Seiner getreuen Hessen übermittelt. Abwechselnde Gesang«- und Mufikoorträge hielten die Theiluehmer bi« zur spätesten Stunde in der besten Stimmung zusammen. Bevor man sich trennte, wurde beschlossen, noch öfter derartige Zusammen- fünfte zu veranstalten, um die Liebe zum engeren Heimaih- lande stets aufrecht zu erhalten. Als nächster Versammlungsort ist Düsseldorf in Aussicht genommen worden.
• * Cbol vor Gericht. Wie wir vor Kurzem mitgetheilt, hatte das Kgl. Schöffengericht zu Frankfurt a. M. 31 dortige Drogisten, die mit dem bekannten Zahnwasser „Odol" handelten und beschuldigt waren, ein Heilmittel vertrieben zu haben, dessen Vertrieb nur den Apotheken zusteht, nach erhobenem Einspruch fretgesprochen, weil „Odol" anerkanntermaßen zur Conservirung der Zähne diene und deshalb als CoSmeticum zu betrachten fei. Gegen diese Entscheidung hatte die Kgl. Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt welcher j-doch vom Kgl. Frankfurter Landgericht keine Folge gegeben worden ist.
• • „Die Lampe brennt nicht hell" ist eine beständige Klage, und doch fehlt e« dabei meist nur an Klein gkeiten und an Sorgfalt. Die Lampe ist der Mittelpunkl Abend« im Zimmer, der einer angemessenen Berücksichtigung bedarf. Mit einer Mischung von Soda ober Pottasche, Seife und heißem Wasser reinige man alle drei bis vier Wochen die Bassins sorgfältig, lasse sie gründlich abtrocknen und fülle sie hierauf erst mit Petroleum. Für den frischen Docht und für den gebrauchten, an welchem fich Unreinigkeiten festgesetzt haben, empfiehlt e« sich, ihn tüchtig zu waschen, zu trocknen und dann ungefähr eine Stunde lang in Essig zu legen, um ihn schließlich, abermals getrocknet, wieder in die Lampe zu ziehen. Auch die Perroleumkaanen müssen wie oben gereinigt werden, und man wird an der Lampe seine Freude haben.
• • lieber die Schnlarztfrage verhandelte, wie bekannt, der letzthin in Eisenach abgehaltene Deutsche Aetzletag. Dr. Th ier sch-Leipzig beleuchtete die Angelegenheit Don btt mebizinischen Seite. Et hält die deutsche Schule im innersten Kern für ganz gesund. Notwendig erscheint aber ein ein» gehenbeS Studium der äußeren Lebensbedingungen der Schule, damit man den Weg für eine normale und vorteilhafte Entwickelung vorzeichnen kann. Selbstverständlich soll der Arzt nicht etwa als eine Art Schultnspector ber Schule übergeordnet fein, sondern lediglich in gemeinsamer Arbeit die Stelle eine« BeratherS einnehmen. Im Königreich Sachsen ist die Betheiligung der BrzirkSärzte an schulhygieuischen Fragen schon feit 1873 gesetzlich geregelt und hat fich sehr gut bewährt. Ihr hat da« Königreich Sachsen etwa 1000 Schulen zu danken, die in hygienischer Beziehung allen Anforderungen entsprechen. Eine Aufgabe von besonderer Bedeutung ift e«, den Typus des Schulkindes kennen zu lernen. Hierzu werden die Reihenuntersuchungen nach dem Muster der militärärzt- lichen bei Aushebung der Rekruten angestellt werden müssen - sie werden am zweckmäßigsten bei neu eintretenden Kindern stattfinden. Ob ber Schularzt auf ben höheren Schulen bic selbe Thätigkeit entfalten soll wie auf ben Volksschulen, mag dahin gestellt bleiben. — Gymnasialdirector Prof. Dett- w eil er-Darmstadt behandelte die pädagogische Seite der Frage. Er hält im Einverstandniß mit dem Referenten ben Schularzt für bie höheren Schulen sehr vortheilhaft. Indessen sollen die Schulmänner dabei die eigentlichen Träger und Vermittler der Schulbildung bleiben. In Hessen besteht der Schularzt seit 1884, wenn auch nicht btm Namen nach — In der DiScassion sprachen Dr. Sachs- Breslau und Dr. Endemann- Cassel gegen beamtete Schulärzte. Dr. D e- muth-Frankenthal wünschte einen von Aerzten erteilten Unterricht über Gesundheitslehre in den Schulen, Dr. Schmid- Passau eine Förderung gesunder, ermüdender ßetbeßübungen. Mediciualrath Dr. Sie men«-Lauenburg wendet fich gegen die Ueberbürbung gcrabe zur kritischen Zeit der Pubertät« Entwickelung, die jetzt durch die Einführung de« Einjährigen- ExamenS in Preußen noch verschlimmert wurde. — Dr HeniuS Berlin weist den Vorwurf der Ueberbürbung zurück. Wir seien jetzt, zu Ende beS Jahrhundert», in eine gewisse HumanitätS-Duselei verfallen. Utberbürbct würben bie Kinder nur in gesellschaftlicher Beziehung, wie sie auch in der Erziehung durch die geschäftliche Ueberbürbung der Väter und die Emancipattou der Frauen vernachlässigt würden. Schließlich wurde folgender Antrag der Referenten einstimmig angenommen: „Die bisherigen Erfahrungen lassen bie Einführung ber Schulärzte als durchaus dringend erscheinen. Die Theilnahme hat fich auf die Hygiene der Schule und der Schüler sowie auf die sachverständige Mitwirkung in Be ziehung auf die Hygiene de« Unterricht- zu erstrecken."
• • Wetterbericht. Das Hauptmaximum behält mit nahezu unveränderter Jutenfität seine Lage über den britischen Inseln bet. Die beiden Depressionen im Norden und über dem Mittelmeer-Gebiet bestehen gleichfalls fort und haben letztere« noch etwas vertieft. Der Hauptsache nach ift also zunächst noch wenig Aenderung in der Luftdruck-Verteilung eingetreten und demnach auch der WitterungSfactor auf unserem Gebiete der gleiche geblieben. — Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch Fortdauer de« bestehenden WitterungscharacterS.
4- Ans dem katholischen Decanate Gieße», 13. September. Herr Pfarrer HilSdorf in Herbstein, welcher zugleich Dec an der Pfarreisprengel Gteßen, AlSfeld, Herbstein und Nidda gewesen, wurde al« Pfarrer nach Bodenheim in


