Ausgabe 
16.7.1897 Erstes Blatt
 
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noch nach dem Hintertheil de- Schiffe-, um die Aussicht auf Odde tn Augenschein zu nehmen. Während dieser Zett waren Matrosen damit beschäftigt, die Rauchbezüge der Masten auß- zuwechseln. Tiner der Bezüge ging zu rasch loS und der Wind trieb das fallende Segel nach dem Hintertheil deS Schiffes, wo der Kaiser stand. Ein am Segel angebrachter Strick schlug hierbei dem Kaiser peitschenartig in da- linke Auge. Der Monarch, welcher Anfang- heftige Schmerzen hatte, befichttgte zunächst im Spiegel da- verletzte Auge und ließ fich sodann einen Verband anlegen. Um durch Ruhe der Gefahr einer Nachblutung vorzubengen, legte fich der Kaiser zu Bett. Der Verlauf der Heilung ist ein durchau- norrnaler.

Wien, 14. Juli. DerNeuen freien Presse" wird au- Rorn gemeldet: Mit Maconi- drahtlosem Tele» grapheu wurden gestern und vorgestern im Kriegshafen zu Spezia Versuche angestellt. Man telegraphirte zuerst von Schiff zu Schiff, dann vom Hafev-Tommando nach der Insel Pulmarta. Beide Versuche find vollständig gelungen. Die Insel ist sieben Kilometer vom Hafen Lommavdo entfernt. Marcont reist nun nach England, um im Auftrage der eng» lischen Marine Versuche zwischen Dover und Calais anzu­stellen.

Monß, 14. Juli. Heute früh ist ein großer Thetl der Strikenden in den Schächten der südlichen Kohlendistricte zur Arbeit wieder angefahren. In einigen Kohlenbeztrken dauert der Strike noch fort, sodaß die Zahl der Au-standtgen heute noch ca. 20000 Manu beträgt.

Paris. 14. Juli. Zum Schutze des Präsidenten Faure auf seiner Fahrt zur heutigen Truppenrevue hat die Polizei umsaffende Vorkehrungen getroffen, da der geheimniß- volle Bombenleger vom Grand Prix der Polizei brieflich ein neue- Attentat in An-ficht stellte. 40 Poltzei-Commissare und 150 Schutzleute, sowie viele Geheimagenten überwachen die Alleen und Seitenwege des Bologner Wäldchens.

London. 14. Juli. DiePall Mall Gazzette" meldet au- Cuba: Während eines Kampfes zwischen Spaniern und Insurgenten wurde eine spanische Truppen - Abtheilung mittelst Dynamitbombe gesprengt. 43 Soldaten find getödtet, 50 verwundet.

London. 14. Juli. DerFtnanztal Time-" zufolge legten in Glasgow heute 17000 Mechaniker die Arbeit nieder. In ganz England sollen 100000 Schiffs- arbeitete striken.

London, 14. Juli.Daily Telegraph" meldet, am 26. d. MtS. würden die Telegraphisten ausständig werden, wenn bis dahin ihre Forderungen auf Gehalts­erhöhung unerfüllt bleiben.

Konstantinopel, 14. Juli. Nachdem der Minister des Aeußern, Tewfik Pascha, den Botschaftern erklärt hat, daß die Türket unbedingt an Thessalien festhalten müsse und e- eher auf eine Fortsetzung de- Krieges ankommen lasse, beschlossen, wie verlautet, die Botschafter in ihrer letzten Conferenz, falls die Pforte nicht unverweilt einlevke, an diese ein Ultimatum zu richten, in welchem fie aufgefordert wird, binnen wenigen Stunden ein bestimmtes Datum anzugeben, an welchem sie Theffalteu räumen würde. Ueber eventuelle Zwangsmaßregeln gegen die Türkei soll erst nach dem Eintreffen der Antwort Beschluß gefaßt werden.

Newyork, 14. Juli. DaSNewhorker Journal" meldet: Zwischen Deutschland, Frankreich und Amerika sei ein Ein­vernehmen getroffen zur Vollendung und gemein­schaftlichen Inbetriebsetzung des Panama- CanalS.

Newyork, 14. Juli. Mac Kinley hat den Admiral Beardflye beauftragt, er solle amerikanische Truppen in Honolulu landen, wenn er bei den Japanern aggressive Gelüste oder bei den Einwohnern Neigung zu Unruhen bemerkt. ES wurde zur Verstärkung der amerikanischen Streilkräfte da- stärkste Kriegsschiff der amerikanischen Staaten,Oregon", entsandt, welche- 10000 Tonnen Gehalt hat. ES ist daS der erste Fall, wo sich die amerika­nische Flotte außerhalb der eigenen Gewässer zeigt.

Berlin, 15. Juli. Zur Feier deS französischen Nationalfeste- hat gestern in den Repräsentations­räumen der französischen Botschaft, von deren Dach die Trikolore weht, ein Empfang für die zur Zeit tn Berlin weilenden französischen - Staatsbürger stattgesunden. Etwa 70 Personen, darunter einige Damen, hatten der Einladung deS Botschafters Marquis de Noel Folge gegeben.

Parts, 15. Jult. DaS Nationalfest verlief ohne jeden störenden Zwischenfall bei schönstem Wetten. In allen Theilen der Stadt fanden Volksbelustigungen statt. Man tanzte auf dem Opernplatz, auf den Wegen von Montmatre, Börsenplatz und auf allen sonst geeigneten Plätzen. Die Musterung der Truppen in Longchamps, welche der Kriegs- Minister Billot und der Stadtcommandant General Sausfier leiteten, hatte mehr als 100,000 Menschen hinaus gelockt. Der Präsident der Republik und sämmtliche Minister waren anwesend. Dem Präsidenten wurden lebhafte Ovationen dargebracht.

Athen, 15. Juli. Meldungen au« Volo zufolge haben die Türken seit einigen Tagen ihr Verhalten gegenüber den Christen geändert. Nizams und Baschibozuk« begehen täglich alle möglichen Uebergrtffe. Die Bürger dürfen die Stadt nur verlassen, wenn sie einen Bürgen dafür stellen, daß sie innerhalb 10 Tagen zurück sein werden. Ein früherer Bürgermeister wurde auf dem Schiff, auf dem er abreisen wollte, verhaftet. Man befürchtet noch weitere Verhaftungen von Notabeln.

CocaU» unb provinzielle».

Gießen, den 15. Juli 1897.

Schuldienst Nachrichten Am 2. Juni wurde dem Schullehrer Friedrich Kurz zu Altenhain die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Meiches, Kreis Schotten, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Johannes Wolle«er

zu Weisenau eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mo« bach, Kreis Mainz, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Carl Zech meister zu Viernheim eine Lehrer- stelle an der Gemeindeschule zu Laubenheim, Kreis Mainz, am 5. Juni wurde dem Schullehrer Andrea- Heid zu ASbach eine Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Spach­brücken, Kreis Dieburg, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Rudolf Röder zu Spachbrücken eine Lehrer­stelle an der evangel. Schule zu Groß-Zimmern, Kreis Dieburg, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Michael Vogel zu Groß-Zimmern die Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu ASbach, Kreis Dieburg, übertragen- am 12. Juni wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach- Fürstenau auf die Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Olsen, Kreis Erbach, präsennrte SchulamrSaSpirant Peter Schütz aus Geisenbach für diese Stelle bestätigt- an demselben Tage wurde dem SchulamtSaspiranten Adam Stöhr aus Billings die 2. Lehrerftelle an der Gemeinde- schule zu Langen Brombach, Kreis Erbach, übertragen- am 18. Juni wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach- Erbach auf die Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Günter- sürst, KretS Erbach, präsentirte SchnlamtSaSpiram Ludwig Will aus Erbach t. O. für diese Stelle bestätigt- am 19. Juni wurde dem SchulamtSaspiranten Christian Marh'aS Keller au- Nteder-Roden eine Lehrerstelle an der höheren Bürgerschule zu Dieburg, an demselben Tage wurde dem SchulamtSaspiranten Wilhelm Roth aus Langrn-Bergbeim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu EimShetm, Kreis Oppenheim, an demselben Tage wurde dem Schulamt-- arpiranten Georg Mundorsf aus Gundersheim eine Lehrer stelle an der Gemeindeschule zu Hillesheim, Kreis Oppen­heim, an demselben Tage wurde dem Schulverwalter Wilhelm Schneider zu Sauer-Schwabenheim eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule daselbst, mit Wirkung vom 1. Juli an, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Wilhelm Raiß zu Ober-FlörSheim eine Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Dittelsheim, Kreis WormS, übertragen - am 25. Juni wurde der SchulamtSaSpirantin Elisabeth RixiuS auS Bingen eine Lehrerivnenftelle an der katholischen Schule zu Bingen, am 26. Juni wurde dem Schulamts- aSpiranten Ludwig Dieterich aus Esselborn eine Lehrer- stelle an der Gemeindeschule zu Horrweiler, Kreis Bingen, an demselben Tage wurde dem SchulamtSaspiranten Peter Stein aus Vöckelsbach die Lehrerstelle an der Ge- metndeschule zu Fleschenbach, KretS Lauterbach, an dem­selben Tage wurde dem SchulamtsaSpiranten Hilarius Müller auS EimSheim eine Lehrerstelle an der Gemetnde­schule zu Gau-Alg;Sheim, KretS Bingen, an demselben Tage wurde dem SchulamtSaspiranten Adam Schmitt anS Kempten eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Appen­heim, Kreis Bingen, übertragen- am 28. Juni wurde die provisorische Lehrerin an der Victortaschule zu Darm­stadt Oktavte Reh zur Lehrerin an dieser Schule, unter Belassung in der Kategorie der Bolksschullehrerinnen, er­nannt- am 29. Juni wurde dem SchulamtSaspiranten Georg Müller aus Lengfeld die Lehrerftelle an der Ge metndeschule zu Zahmen, Kreiß Lauterbach, am 2. Jult wurde dem Schullehrer Peter Wißmüller zu Betzenrod die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Harreshausen, Kr. Dieburg, am 6. Jult wurde der SchulamtSaSptraniin Elise Gölz aus Darmstadt eine Lehrerinnenstelle an der evangel. Schule zu Vilbel, Kreis Friedberg, übertragen.

**¥. Gießener Regatta. Am gestrigen Abend tagte im Hotel zum Rappen" da« große Comitv der diesjährigen, am 25. l. M. ftallfindenden 7. Ruderregatta. Zahlreich waren die langjährigen Freunde und Gönner des Rudersport­erschienen, um tn lebhafter Debatte daS Beste für die Regatta zu beschließen. AuS dem Berichte deS Vorsitzenden ist zu erwähnen, daß 15 Vereine mit 32 Booten und 128 Ruderern zur diesjährigen Regatta gemeldet haben, eine Zahl, welche bis jetzt unerreicht dasteht. Auf das Programm selbst können wir erst tn einigen Tagen näher eingehen, find aber zu unserer Freude schon heute in der Lage berichten zu können, daß daS tm vergangenen Jahr mit so großem Beifall auf­genommene Abendfest am BootShauS wiederum stanfindet. Am Schlüsse der geschäftlichen Tagesordnung wurde die Frage aufgeworfen, ob fich nicht empfehle, die Regatta nur alle zwei Jahre abzuhalten, doch wurde dieser Ansicht auf das Entschiedenste von allen Seiten entgegengetreten. Besonders Herr Provinzial-Director Geh Rath Freiherr v. Gag ern war, welcher die Ansicht vertrat, daß durch einen solchen Beschluß der Regatta nicht nur nicht gedient sei, sondern daß sie vielmehr dadurch schwer geschädigt würde, da sie dadurch nicht allein in Bezug auf ihre Popularität bei der Gießener Bevölkerung einbüße, sondern auch einen schwächeren Besuch auswärtiger Vereine zu gewärtigen habe.

* Der erste Gießener Stemm- und Ringclub (Mitglied- schäft des Athleten-VerbandS Maingau), welcher sich an dem 11. Verbandsfeste in Preungesheim am 11. Juli be­teiligte, errang mit drei Mann drei Preise- nämlich tm Senior-Stemmen 1. Klasse Joseph Stein den 6. Preis - im Stemmen 3. Klasse W. Grünewald den 3. Preis- Justus Friedrich den 19. Preis. An dem Concurrevz- ftemmen beteiligten fich 180 Mann. Sonntag, 18. Juli findet das Sommerfest auf derPulvermühle" statt, verbunden mit Schau- und Prcisstemmen, sowie griechisch- römische Ringkämpfe, Pyramtdenbau, Concert, auSgeführt von der Capelle deS Inf. RegtS. Kaiser Wilhelm.

* * Neue Läden. Der südliche Theil des SelterSweges wird immer mehr Geschäftsstraße. DaS an Restaurateur ElgeS übergegangene HauS von Meyer & Uhl wird tn feinem Parterre-Gefchoß zu einem feinen ReftaurationSlocal umgebaut. Jrn Schell en berg 'scheu Hause wird eben­falls im unteren Stock ein großer moderner Laden ein­gerichtet.

* vefihtvechsel. Herr Sattlermetster Groß kaufte von Herrn Metzgermeister Kiefer dessen Neuenweg Nr. 32 be- ' ltgene Hofraithe für den Preis von 32,200 Mk.

* Dem dieser Tage verstorbenen Oderlandesgericht-rath Holzapfel tn Darmstad t widmet derDrmstr. Tgl- Anz " folgenden Nekrolog: Gestern Nachmittag um 6 Uhr fand die Beisetzung deS leider so früh seinem Berufe und der Familie entrissenen Herrn OberlandeSgerichtsrathS Holz­apfel auf dem hiesigen Friedhöfe statt. ES hatte sich dazu eine große Anzahl Leidtragender etngefunben. Herr Ober- landeSgerichtSrath Johannes Holzapfel, der ein ebenso hoch­begabter Jurist wie milder Richter war und von Allen, die je mit ihm in Berührung gekommen, hochgeehrt wurde, trat im Jahre 1854 als Gerichts-Acceffist bei dem vormaligen Landgericht Groß-Umstadt in den Staatsdienst. Am ersten October 1865 wurde er Landgerichts-Assessor jetzt Amts­richter bei dem damaligen Landgericht Offenbach und am 17. Januar 1867 Stadtgerichts-Assessor bet dem vormaligen Stadtgericht. Auch für baß Wohl der Stadt Darmstadt wirkte er nach Kräften - von 1874 bis 1879 bekleidete er das Amt eineß Stadtverordneten. Infolge Einführung d r neuen Justizgesetze im October 1879 kam Herr Holzapfel als LandgerichtSrath an daß Landgericht der Provinz Ober- Hessen nach Gießen- im Jahre 1893 wurde er an den höchsten hessischen Gerichtshof, an baß Oberlanbeßgericht, berufen - auch war er Mitglied deS VerwaltungßgerichtshofcS und Mitglied der Commission zur Prüfung der GerichtSfchreiber- rc. Aspiranten. Ehre seinem Andenken, Friede seiner Asche!

Die Eterbekaffe des Bunde- Deutscher Gastwitthe (Juristische Person) hatte nach dem Berichte über daß vierte Rechnungsjahr 1896 im Berichtsjahre eine Gesammr- einnahme von Mk. 302,281.09 und eine Gesammt- au «gäbe von Mk. 295,550.63, verbleibt sonach am 31. December 1896 ein Kassenbestand von Mk. 6730.46. Der Mitgliederftand betrug am 31. December 1896 7438, 62 mehr alß im Vorjahre. Der ActivvermögenSstand am 31. December 1896 belief fich auf Mk. 179,597.48, Mk. 67,243.73 mehr alß Ende 1895. Nach den Berner- Jungen beß Revisors, beß KameralbuchhalterS Schäble tn Stuttgart, sinb die sämmtlichen Bücher der Sterbekasse sach­gemäß, sauber und geordnet geführt und war die Directton tn jeder Hinficht bestrebt, die ihr zugewiesenen Geschäfte pünktlich und gewissenhaft zu erledigen, sowie die Interessen der Kassenmitglieder mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu wahren und zu fördern, und wird namentlich betont, daß bei dem großen Aufschwung, welchen die Sterbekaffe im Berichtsjahr genommen hat, ausgefallen ist, baß bem verhältnißmäßig kleinen Personal betreiben über­haupt möglich war, bie vielen Geschäfte rechtzeitig zu er- ledigen, was nur durch Anspannung aller Kräfte erreicht worden sein kann.

** Weiterbericht. Da« Niveau des Luftdruckes ist all­gemein gesunken und bedeckt heute ein flaches Depression-- gebiet bereit- den Süden und zum Thetl den Osten Europa-. Doch find die Druckunterschtede geringer geworden. Der Himmel war zumeist am Morgen noch heiter, doch macht sich im Süden der Einfluß des niederen Druckes bereits durch zunehmende Bewölkung geltend. Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch wenig Aenderung- später im Süden stellenweise Niederschläge.

4- Nidda, 14. Juli. Der heutige Vieh- und Kram markt brachte unsrem Städtchen regen Verkehr. Aus btm am Morgen stattgefundenen Viehmarkte waren Schweine in größerer Menge, meistens von Händlern, auf getrieben, und wurde hier lebhaft gehandelt. ES kosteten z. B. Ferkel je nach Güte bis 60 Mk. das Paar, und Einlegeschweine bis 110 Mk. daß Paar. Weniger dagegen war baß Angebot von Rind­vieh, welches fast ausschließlich Seitens hier und in Nachbar­orten wohnhafter Landwirthe aufgetrieben worden war. Der Krämerwarkt aber bot nichts Bemerken-wertheS.

Niederolm, 10. Juli. Von einem benachbarten Dorfe wird bemM. T." von zuverläsfiger Seite berichtet, baß gelegentlich einer kürzlich stattgehabten Bauernhochzeit verzehrt wurden : 1 Schwein (230 Psd.), 1 Kalb, ca. 80 Pfd. Rindfleisch, 104 Kuchen und ca. 300 Liter Wein. In Rhein­hessen dauern die Hochzeiten meistens drei Tage. Die Kosten werden jedoch durch die reichen Geschenke der HochzeitSgäi e dreifach ersetzt. Die jungen Eheleute brauchen nämlich nicht für ihre Aussteuer zu sorgen. Dieselbe wird bis in die kleinsten Details von den Hochzeitsgästen gegeben und zwar acht Tage nach dem Hauptfeste, der sogen.Schenkhochzeit", wo noch einmal hoch hergeht.

Nieder-Morlen, 14. Juli. Wegen Verdachts einer Kindes- töbtung würbe eine Dienstmagb von hier burch bie Gen- batmerie bieser Tage in Untersuchungshaft gebracht.

Zn einer eigenthnmlichen Lage befand fich ein junge« Mädchen in der Berliner Stadtbahn. ES hatte am Alexanderplatz baß Abtheil kaum betreten, als auch schon hinter ihr bie Thür zugeworfen unb babei baß St leib einge­klemmt wurde. Man versuchte vergebens, die Thür zu öffnen, aber Niemand von den Bahnbeamten war dazu im Stande. Aus sämmtlichen Stationen gab man sich fortgesetzt Mühe, die Thür zu öffnen, jedoch alle Anstrengungen waren um­sonst. So mußte in größten Aengsten daß junge Mädchen, baß am Savignyplatz außReigen wollte, über Halenee nach dem Potsdamer Bahnhof fahren. Dort wurde nach Ar­beitern telegraphirt, aber auch diese waren nicht im Stande, die Thür zu öffnen. Die Dame mußte wieder nach dem Zoologischen Garten fahren, unb da dem Bahnschlosftr auch nicht gelang, bie Gefangene zu befreien, sahen bie Be­amten sich genöthigt, bas junge Mäbchen nach zweiftünbtger Fahrt dadurch frei zu machen, daß sie den Kleiderrock von der Thür abschnitten. Der Wagen mußte außer Betrieb ge­setzt werden. (Berl. Loc.-Anz.)

* Stendal, 13. Juli. Landwirth Gustav Ebeling auS Triebftedt, der am 6. März wegen Ermordung seiner Schwiegereltern, die er im Altentheil mit zu erhalten hatte.

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