den mitconcurrirenden Künstlern eingesandt worden find, find seit Beginn dieser Woche im Sunftiaal deS ThurmhauseS am Brand zu Jedermann- Anficht täglich von 11 1 Uhr auS- gestellt. So viel ans dem Lageplan erfichtlich, soll da- Denkmal, mit der Rückseite gegen die Apotheke bezw. daS Faber'sche Hau- gewendet, die Mitte desjenigen TheilS deS Marktplatzes einnehmen, der ungefähr nach Zusammenstoß der Marktstraße und der MäuSburg als Dreieck bleibt. Die Modelle find im Maßstab 1 : 10 der wirklichen Größe ange- fertigt. ES dürste danach der beanspruchte Raum hundert Quadrat-Meter kaum erreichen, während die Höhe zwischen 7 und 8 Meter variirt. Der mit dem Motto: „Gott, Ehre, Vaterland" bezeichnete Entwurf hat fich zur Aufgabe gestellt, nicht sowohl den gestellten Bedingungen inhaltlich zu ent« sprechen, als vielmehr seinem äußeren Aufbau nach sich den räumlichen Berhältuiffeu de- Aufstellungsplatzes anzupafien, damit fich das Denkmal damit harmonisch zusammenschließt. Weiter galt eS, bei dem reichen Verkehr des Marktplatzes die drei BerkehrSftraßen nicht zu versperren, sondern die Grundform deS Denkmals so zu wählen, daß der Verkehr daS Denkmal nur seitlich tangirt. Es entstand danach eine dreieckige Grundform, und diese bestimmte eine dem entsprechende Form deS ganzen Denkmals, so daß auf jeder der drei Seiten, von denen daS Denkmal beim Betreten des Platzes fichtbar wird, eine künstlerisch geschmückte Front erscheint. DaS Denkmal ist als Brunnenanlage gedacht. Die dreiseitige Form deS Denkmals ist die günstigste in Bezug auf die rückwärts gelegene Häuserfront, es soll dieselbe mög» lichst wenig verbaut werden. Die das Ganze krönende Hauptfigur soll die große Thatiache, daß die deutsche Kaiserkrone durch eine siegreiche Waffeuthat neu errungen wurde, un- mittelbar verkünden, während daS Sockelreltef die friedliche Verbrüderung der Kampfgenossen auS Nord und Süd zur Darstellung bringt. Auf jeder der beiden Sockelflächen ist ein dem Steinrelief entsprechend stilifirter Baum angebracht, an besten Aesten nach der Sitte unserer Vorfahren die Schilder aufgehängt find, hier in der Absicht, die Namen und Daten der Schlachten aufzunehmen, in denen fich Gießener Krieger und die Krieger des 116. Regiments ruhmreich tzervorgethau oder auch die Namen derjenigen Männer, denen die Errungenschaften der Jahre 1870/71 vor Allem verdankt werden. Darüber ist Platz für Inschriften, die fich auf Sinn, Zweck und Stiftung des Denkmals beziehen. Als Material ist gedacht für den Sockel Kehlheimer Kalkstein und für die Figur Bronze, theilweise mit echter Vergoldung. — Das mit dem Motto: „Haustein" bezeichnete Modell präsentirt fich als kräftiger, maffiver Bau. Der Unterbau trägt an den runden Theilen die Widmung: „Für die am Feldzug betheiligt gewesenen Söhne Gießens", und „Für daS in Gießen garnisontrende 116. Infanterie-Regiment". Vier Postamente schließen die halbrunden Bautheile ab und tragen als ornamentale Aufsätze die verschiedenen Kopfbedeckungen der Armee. Ueber dem breiten Unterbau erhebt fich ein Sockel, den ein fitzender Löwe krönt. An der Vorderseite ist eine Allegorie deS Krieges, an der Rückseite eine solche deS Friedens angebracht, während in der seitlichen Füllung das eiserne Kreuz, umrahmt von Lorbeer und Eiche, dargestellt ist. Als Material ist durchweg Haustein gedacht. — Weit zierlicher in seinen Formen uimmt fich das mit „Victoria" bezeichnete Modell aus. Der Aufbau ist als Brunnen augeordnet. An das große Mittelpostament schließt sich daS Brunnenbasfin an. Auf ersterem steht eine walkürenartige Victoria, welche den allegorisch als Drachen dargestellten Feind erlegt hat. Das Schwert, geschmückt mit dem Lorberkranz, hält sie in der Rechten, während sie, wie zu noch weiterer Abwehr mit der Linken den Schild bereit hält. Am Postament find vier Eichenstämme angebracht, unter deren Laubkronen vorn daS Wappen mit Krone, vom Reichsadler beschützt, befestigt ist. Die Eichbäume mit der symbolischen Bedeutung der Himmelsrichtungen find zum Zeichen dauernder Einigung Alldeutsch- landS mit einer Kette verbunden. Unter dem großen Reichswappen ist die Maske deS „Vater Rhein" angebracht, die den Wafierzufluß zum Bassin deS Brunnen- abgibt. Auf der Rückseite des Sockels befindet fich der stilisirte Reichsadler über der WidmungSinfchrift. Als Material ist weißer Oberkirchener Sandstein gedacht, für die Figur ist Bronce- guß event. getriebenes Kupfer angenommen. Brunnenrand und Unterbau sind einfach gehalten, um den ganzen Effect auf den künstlerisch reich auSgestatteten Mittelbau zu con- centriren. — Den Zweck de» Denkmals u. E. am ersichtlichsten darstellend, präsentirt fich das mit dem Motto „Nachruhm" versehene Modell. DaS Denkmal zeigt in der Hauptsache die Form eines Obelisken, an dessen postament- artig au-gebüderen Untertheile sich zu beiden Seiten reich gegliederte Wasserbecken anschließen. Die Grundform deS Bauwerks ist so gewählt, daß eS möglich wurde, den bedeutungsvollsten Theil des künstlerischen Gedankens und der Ausschmückung de« ganzen Werke- auf die dem Wallthor zugekehrte Seite des Denkmals zu vereinigen. Auf dem Stufenunterbau hat ein Infanterist Aufstellung genommen, um die Fahne über Krieg-trophäen hinweg vor der broncenen Jnschrifttafel niederzusenken. Zu Füßen deS Soldaten liegt auf dem Stufenunterbau ein Lorbeerkranz. Ueber der am Unterbau des Obelisken angebrachten Jnschrifttafel ist da- laubumkränzte Stadtwappen angebracht, es wird von oben herab von in die Ferne blickenden kampfbereiten Adlern beschirmt. An beiden seitlichen Postamentflächen entfaltet sich der künstlerisch durchgebildete Aufbau der Wasserkunst. DaS auS einem Löwenrachen entströmende Wasser fällt in eine tropfsteinartige Muschel, ergießt sich von dieser in daS Ueber- laufbecken und über dessen Rand in da« unterste große Bruouenbecken. Hier kann sich ein steigender Wasserstrahl erheben. Die Rückseite deS Denkmals soll daS Becken des LaufbrunnenS einnehmeu. Der Untertheil des Denkmals, der wegen der im Innern befindlichen Wasserleitung zugänglich fein muß, soll aus gebrannten Mauersteinen auS- geführt und mit Sandstein umkleidet werden, der darüber sich erhebende Obelisk ist aus masfiven Sandsteinthetlen.
Zur Herstellung in Bronceguß, bezw. getriebenem Kupfer fiud in AuSfichr genommen die lebensgroße Gestalt deS Sol- taten nebst Fahue, Trophäen rc., die Jaschrifttafel mit dem Stadtwappen und der auf der Stufe liegende Lorberkranz.
Katholische Kirche. In einem entschieden vorrheil- hafteren äußeren Gewände präsentirt fich nach jetzt vollendeter Reparatur die hiefige katholische Kirche, von welcher der Kalkverputz ganz beseitigt und nach erfolgter Reinigung nur au-gefugt worden ist. DaS Ganze zeigt fich jetzt als chöner Sandsteinbau und auch die neu hergerichteten Zifferblätter der Uhr leuchten wieder in voller Schärfe.
Schützenfest. Wie schon mitgetheilt, wird da« Fest des Schützenvereins nächsten Sonntag und Montag, den 22. und 23. August, vor sich gehen. Wer dir früheren Veranstaltungen des Vereins mitgemacht hat, wird wissen, welche frische, frohe Stimmung auf dem Schützenplatz an solchen Tagen herrscht. Sehen wir unö um in den weiten Gauen unseres Vaterlandes, überall sind Schützenfeste wahre Volksfeste, und auch hier wäre zu wünschen, wenn unsere Bevölkerung eine gleiche Sympathie den hiesigen Veranstaltungen immer mehr entgegenbringen wolle. Die zu dem Schießen auögesetzteu Preise find diesmal besonders reich und geschmackvoll, sie werden den Schützen ein neuer Ansporn für ihr ritterliches Spiel sein. — Aber auch dem zu- schauenden Publikum wird Manches geboten und besondere Ueberraschungen beim Tanz zu Theil w rden. Daß der Festplatz an beiden Abenden festlich beleuchtet und in bengalischem Lichte erstrahlen wird, wird man aus den Plakaten ersehen.
•* Mit dem Einsteigeu in fahrende Züge beschäftigt fich folgender Erlaß: Da eS mehrfach vorgekommen ist, daß Reisende, welche auf einen bereit« in Bewegung befindlichen Zug gesprungen waren, von Etsenbahnbediensteten von dem fahrenden Zuge wieder entfernt worden sind, wodurch sowohl die Reisenden, als auch die betreffenden Eisenbahnbediensteten in große Gefahr kamen, so sollen für die Folge derartige Reisende nicht mehr vom Zuge entfernt, sondern eS soll ihnen daS Einsteigen vielmehr nach Möglichkeit erleichtert werden. Der Zugführer hat dann nur dafür zu sorgen, daß derartige Reisende auf der nächsten geeigneten Station eoentl. auf der Zielstatton vorgesührt werden, um die Personalien frstzustelleu und daS Strafverfahren wegen Bahopolizei Uebertretung ein- leiten zu können.
•• Weiterbericht. Ein Gebiet niederen Druckes zieht fich beständig von den britischen Inseln über die Nordsee und baß südliche Scandinavien bis nach Rußland. Auf dieser Bahn bilden sich fortgesetzt Depressionen, welche durch Ausläufer zeitweise ihren Einfluß mehr oder minder weit nach Süden erstreckt. Ein Minimum liegt heute über dem südlichen Schweden, ein zweites ragt bereit« wieder über Irland ostwärts vor. Ueber Centraleuropa ist zwar der Lustdruck merklich gestiegen und ragt der Kern eines barometrischen Maximums von Frankreich wett nach Deutschland herein, doch dürfte dessen Herrschaft nicht recht zur Geltung kommen. — Voraussichtliche Witterung: Warmes Wetter mir fortgesetzter Neigung zu Strichregen und einzelnen Gewittern. Die Wetterlage bleibt unsicher.
Butzbach, 12. August. Nachdem die bei der Einwohnerschaft in Umlauf gesetzte Liste wegen Einzeichnung der Zahl Lampen für eine demnächst hier etnzuführcnde elec- irische Beleuchtung ein über Erwarten günstige- Er- gebniß gehabt hat, will man nunmehr mit den Vorarbeiten der Anlage ungesäumt beginnen, da beabsichtigt wird, den Betrieb noch im Laufe dieses Winters zu eröffnen. In der letzten Gemeinderath-fitzung wurde deshalb eine Commission zur Besichtigung der electrischen Beleuchtungsanlagen verschiedener kleinerer Städte gewählt, die gestern zunächst nach Deidesheim reifte. Ausführung und Betrieb übernimmt die Stadt.
-n- Gettenau, 13. August. Seit Monaten schleichen in unsrer Gegend die Masern umher. Auch in unserer Nach bargemeinde Echzell find sie aufgetreten, sie verliefen aber stets gutartig. Gestern Nachmittag wurde durch die Schelle bekannt gemacht, daß Echzell wegen der Masern keine Ein- quartierung erhalten wird. Die Truppen werden nach Gettenau und Heuchelheim verlegt werden. — Ueberall arbeiten in der Umgegend die Dreschmaschinen, die Arbeiten gehen sehr flott von statten. Der Körnerertrag ist nicht so reichlich, al- erwartet wurde. Der Fruchthandel beginnt, für Wetzen wird 18 Mk., für Gerste 16.50 Mk., für Hafer 14 Mk. geboten. — Der Stand des Grummets und des KleeS läßt zu wünschen übrig.
Mainz, 13. August. Heute Vormittag entgleiste auf der Strecke zwischen Weisenau und Laubenheim ein Rangtrzug, so daß dte Strecke gesperrt war. Menschen- leben kamen nicht tu Gefahr,- eS gab nur Materialschaden.
Dcrmitotc»,
D. Frankfurt a. M, 13. August. Im zoologischen Garten ist Sonntag der Eintrittspreis während des ganzen Tages auf 50 Pfg. (Kinder 25 Pfg.) ermäßigt- auch für da» Aquarium tritt die übliche Ermäßigung de« EntrseS auf 20 Pfg. ein. Die Samoaner-Truppe (besonderes Eintrittsgeld 20 Pfg.) veranstaltet an dem Tag zwei Bratfeste, indem Vormittag und Nachmittag je ein ganzes Schwein auf samoanische Art geschmort und verzehrt wird. Die Zubereitung, die schon um 9 und 3 Uhr beginnt, soll um 12 bezw. 6 Uhr beendet sein, zu welchen Zetten den Zuschauern wieder, wie am vergangenen Mittwoch Kostproben angeboten werden.
•pa. Frankfurt a. M., 14. August. Allgemeine Rosen-, Blumen- und Pflanzen-AuSstellung. Am 12. August ist dte Temporär-Ausstellung für Sommerflor eröffnet worden und fand zugleich wieder eine große Prämitrung statt. Der Sommerflor umfaßt Gloxinien und GeSneriaceen,
Canna und Dahlien, CactuS-Dahlieu und GladtoluS, Mont- bretia uud Lil um, Punica granatnm und Nertum Oleander, CitruS uud Leokoyen, Lobelien und Penftemon usw. Für die Auguft-Ausstellung sind wieder eine ganze Reihe von Neuanmeldungen erfolgt, von denen ein großer Theil schon etngetroffen ist. So stellen die Offenbacher Baum- schulen, Inhaber Otto Berz, blüheode und buntblätter-ge Hybißcns, ferner Abschnitte eines Eichen - Sornment«, Alpen- und Felspflaozen, abgeschnittene Stauden und buntblätterige Gehölze, dazu den Theil eines Gartenhauses mit Decoration, Gartenpläue und Modelle au«. B. Lichten- berger in Alsenz meldet Agaven, Aloe, 2acteeo, Succulenten, Agapanthus mnbellatuß und Chlorophytum an, Gärtner Philipp Kinkel in Sossenheim Cyclamen persicmn und Drazenen, Louis Sinai in Hausen grün- und buntblätterige Aspidtstra und solche tu Schaupflanzen, I. H. Anthe« in Frankfurt Aloe picta, Agaven, Yucca uud Aloe brandina, Gottfried Frey, Handelsgärtner in Stuttgart, drei Sorten Neueinführungeu in Heliotrop. Brr- schiedenes Tafelobst stellt der vrrsuchSgarteu Frankfurt a. M.- Sachsenhausen (Obergärtoer H. Wrllmann) in ganz wüster- gütigen Sortimenten au«, die einen Beweis von der Leistungsfähigkeit des ausgezeichnet geleiteten Garten« bieten. Stachel- beeren von seltener Größe und Güte bringt R. v. Spillnrr in Homburg v. d. H., Frühkartoffeln in 25 Sorten Handel«, gärtner Ad. Stolze in Eisleben. Die Firma L. F. Kahl dahier hat Zierkürbiffe und Speisekürbisse gemeldet, feiner bringt sie von Sommerflor: Balsaminen und Phlox Drum- mondi, Petunia hybrida grandiflora und Verbena hybrida zur Schau, die auf dem AuSstellungtPlatze auSgepflaozt find.
• Wenn Jemand eine Reise thut . . . Eine Dame, he mit dem Berlin-Breslauer Zuge nach Kohlfurt gekommen war und tn den Görlitzer Zug umstetgeu wollte, ließ im ersten Zuge in der Eile ihren Hut liegen. Auf der anderen Seite deS Perron« angelaogt, stieg sie anstatt tn den Görlitzer, in den nach Berlin gehenden Schnellzug ein. Von dem betreffenden Schaffner auf ihren Jrrthum aufmerksam gemacht, stieg sie schnell au« — ließ jedoch ihren Umhang liegen. Glücklich in dem richtigen Zuge angelangr, bemerkte sie ihren doppelten Verlust und eilte, die verlorenen Gcg^n- stände zu holen, nachdem sie ihr übrige« Handgepäck im Görlitzer Zuge untergebracht hatte. In demselben Augenblicke ging der Umhang nach Berlin ab, und al« sie auf der anderen Perronseite wieder erschien, sah fie auch den Breslauer Zug mit dem Hute weiter dampfen. Ehe fie aber, noch rathlos, wa« zu thun sei, zu dem Görlitzer Zuge zurückkehren konnte, setzte sich auch dieser, ihr Handgepäck mit fich fort- führend in Bewegung.
* Karlsruhe, 12. August. Reitlehrer Albert Gau und deffen Schwager Dewerth in Heidelberg wurden gestern wieder aus der Haft entlassen, nachdem sich ergeben hatte, daß die gegen sie erhobenen Beschuldigungen auf völlig unwahren Behauptungen beruhen.
* Ein heilerer Zwischenfall passirte kürzlich mehreren Landshuter Radlern, welche eine Tour nach Geisen hauJen unternahmen. Bei der Rückkehr machte einer die unliebsame Wahrnehmung, daß er seinen Gürtel, auf welchem der Radlergrnß „All Heil" einaestickt war, verloren hatte. Große Aufregung und sofortigek Umkcbren war die Folge. Ta kam schweißtriefend ein Bauer aercnnt und rief: „Wer von Enk boaßt denn All Heil?" Natürlich große» Halloh und Geläcdter.
Technische Fortschritte.
— Hölzerne Bavconstructiouen werden in h lzreichen Gegenden Amerikas selbst für solche Zwecke tn Anwendung gebracht, wo man bei unS in Europ. daS Esten als ganz unumgänglich der z-.ichnrn würde; io gibt eS bekanntlich eine Meni'e Eisenbahnbrücken und hohe Viaductc, die ganz aus Holz gezimmert find. AlS neueste», eigenartiges amerikanisches Holzbauwerk neibhnt nun eine Wasserleitung Erwähnung, die in einer Länge von 60 Kilometern aus dem Gebirge nach der Stadt San Diego in Ealisornien gesührt wurde. Die Wasserleitung stellt einen oben offenen, aus Holzplanken gezimmerten Canal dar, welcher den sehr wechselnden Terrain-Ver- bältnissen entsprechend von hölzernen Unterbauten verschiedener Höhe getragen wird. Ueber den colossalen Holzverbrauch sür dieses Bauwerk macht uns das Internationale Patent-Bureau Carl Fr. Reichelt, Berlin, solaende Angaben: An Bohlen zur Herstellung des Canal» waren 9 Millionen Quadratsuß erforderlich; zur Auflage der Leitung bienen 315 Gitterträgerbrücken, von denen die längere 1700 Fuß über Thal liegt; diese erforderte allein 250,000 lausende Fuß Bau holz, wobei die stärksten Balken 10 mal 10 Zoll Querschnitt haben. Der Canal vasstrt aus seinem Wege ferner acht Tunnels, von denen der längste 2100 Fuh lang ist; diese Tunnel sind al« Stollen von 6 mal 9 Fuh Weste getrieben, deren Decken durch dachartige Holz- constructionen getragen werden. — Der Bau der Leitung bot ungemeine Schwierigkeiten, wie z. B. daS Bauholz oft auf 7 bis 800 Fuh hohe Felsgipsel hochgeschafft werden muhte; trotzdem wurde da« Bauwerk mit der verhältnihmäßig geringen Zahl von nur dreihundert Arbeitern auSgesührt.
Wie schützt man fich gegen ansteckende Krankheiten beim Eisenbahnfähren?
Von Dr. Otto Gotthilf.
(Nachdruck verboten.)
Jede längere Eisenbahnfahrt muthet demKö per mancherlei Anstrengungen zu und setzt ihn gesundheitlichen Fährlichkeiten aus. Die geregelte bisherige Lebensweise muß geändert werden; an Stelle der gewohnten Nahrung tritt eine ander- geartete oder zubereitete Kost, welche unregelmäßig eingenommen wird, und der Schlaf erleidet sehr oft eine Unterbrechung. Auch die Luftveränderung, der rasche Wechsel bei Klima« kann die Gesundheit gefährden. Eine besonder- große Gefahr aber für das reisende Publikum liegt in der Möglichkeit, sich durch Annäherung an kranke Personen ansteckende Krankheiten zuzuziehen. Am leichtesten kann dieS bei Hautkrankheiten geschehen, deren Verbreitung durch den Eisenbahnverkehr zwar statistisch nicht nachzuweisen, aber jedenfalls nicht zu unterschätzen ist. Hiergegen kann nur peinlichste Reinlichkeit schützen, indem man fich nach Beendigung der Reise dir unbekleideten Körperteile tüchtig mit Seife und 1 rauhen Lappen, die Hände jedoch mit einer Bürste abwäscht.
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