Ausgabe 
15.8.1897 Erstes Blatt
 
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1 Jahreszeit, in der jede ittel für kleine Kinder. HANDLUNGEN.

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Rr. 190 Erstes Blatt Sonatee °e° 15. August

1897

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Politische Wochenschau.

In unserer inneren Politik sieht eS augenblicklich sehr ruhig aus. Herr v. Miquel hat die Wiesbadener Quellen totebev ausgesucht und erfreut sich dort hoffentlich ungestörter Ruhe, die ihm nach dem Blasen zum Sammeln wahrlich zu gönnen ist. Die Ernennung deS bisherigen Botschafters in Washington, Herrn v. Thielmann, zum Staatssekretär deS Reichsschatzamts ist in letzter Woche amtlich publicirt worden, tüogegen Herr v. Bülow vorläufig immer nur noch stell­vertretender Staatssekretär ist.

Die Anwesenheit deS deutsche^ Kaiserpaares in Rußland hat am Mittwoch ihr Ende gefunden. Das Er- rigntß selbst ist im Laufe der Tage einer so ausführlichen Besprechung unterzogen worden, daß wir hier nur noch unserer Genugthuung Ausdruck geben können, daß die Zusammenkunft der beiden Monarchen anscheinend alle an dieselben geknüpften Erwartungen erfüllt hat. Wenn es überhaupt möglich war, fo find die Bande, welche Deutschland und Rußland ver­einigen, noch fester geknüpft worden, und eine völlige Über­einstimmung der beiden Herrscher in dem Bestreben, ihr Haupt­augenmerk auf die Erhaltung des Friedens zu richten, darf «constatirt werden.

Freilich wird in dieser Woche auch der Präsident der französischen Repub lik in Kronstadt eintreffen, und auch er darf eines herzlichen Empfangs Seitens deS Zaren sicher fein. Vielleicht werden die Petersburger dem Präsi­denten Faure noch etwas lauter zujubeln, als dem deutschen Kaiser- aber wir find doch der Gewißheit, daß olle An« strengungen der Franzosen nichts nützen werden, den Zaren von seiner Friedenspolitik abzubrtngen und die französischen Chauvinisten in ihren Revanchegelüften zu unterstützen. Da­mit übrigens die Bäume nicht in den Himmel wachsen, d. h. in diesem Falle, damit die Russen in ihrer Franzosen­schwärmerei nicht allzuweit gehen, hat der Zar die dem Präsidenten Faure von der Stadt Petersburg zu gebenden Festlichkeiten wesentlich eingeschränkt und auch den Besuch in Moskau unmöglich gemacht. Nicolaus II. muß ein sehr perständiger Herrscher sein!

Politische Windstille herrscht augenblicklich in Frank­reich. Mau hat auch dort den Besuch des deutschen Katser- paareS in Peterhof natürlich aufmerksam verfolgt, aber man wagt eS anscheinend nicht, seiner HerzenSmeinung Ausdruck zu geben; denn daß die Franzosen nicht ebenso gut erkennen sollten, daß die Beziehungen zwischen Deutschland und Ruß­land heute gefestigter als je find, läßt sich kaum annehmen. Biel Interesse erregt die Rückkehr deS Prinzen Heinrich von Orleans auS Abeffyciten, welcher bekanntlich das Ver­halten der italienischen Soldaten in der Gefangenschaft des Königs Meneltk einer so harten Kritik unterzogen hat, daß verschiedene italienische Osfijtere darunter auch der be­kannte General Albertone dem Prinzen ihre Zeugen zu­schicken wollen. Daß auf Heinrich von Orleans wenig Werth gelegt werden darf, geht zur Genüge daraus hervor, daß er in seinem Rcisewrrke Darstellungen von Gegenden geliefert hat, die er, wie ihm nachgewiesen worden ist, niemals sah.

Einen großen Thetl deS allgemeinen Interesses nahm in der letzten Woche das Attentat auf den spanischen Minister­präsidenten Canovas in Anspruch. Wenn auch bisher die Ruhe in Spanien nicht gestört worden ist, so liegen die Verhältnisse daselbst doch ungemein schwierig. Die dort herrschende Unzufriedenheit ebnet den Anarchisten das Feld, «nd es braucht nicht nur leere Renommisterei zu sein, wenn der Mörder Goll, behauptet, daß noch weitere Attentate be­vorstehen. Vorläufig ist es nicht entschieden, ob die Königin- Regentin ein liberales Cabinet beruft. Daß das Ausland der Situation in Spanien große Aufmerksamkeit widmet und feine Grenzen gegen die von dort herüberkommenden Personen gern hermetisch verschließen möchte, liegt auf der Hand. Wie weit diesmal die von mehreren Seiten in Anregung gebrachten internationalen Maßnahmen gegen die Anarchisten gedeihen werden, läßt sich noch nicht ermessen. Dazu gehört völlige Linmüthigkeit der europäischen Staaten, und wie schwer die­selbe hergeftellt werden kann, beweisen die Ereignisse im Orient.

Nach den neuesten Meldungen von dort dürften sich die Friedensverhandlungen noch längere Zeit htnziehen. Wie Recht haben nicht die Blätter, welche ausführen, daß die kleineren Staaten angesichts der Dinge im Orient einen netten Begriff von der Wirksamkeit des Schutzes und des Ansehens b er Großmächte bekommen müßten! Vorläufig hat der Sultan lieber etwas Ablenkung erhalten durch die Einfälle der Armenier in türkisches Gebiet von Persien und Rußland aus. Mn den Grenzen dieser Länder wirb jetzt luftig loSgeknallt, 21an Noten der Pforte an die Regierungen dieser Staaten

fehlt e6 nicht. Unserer Ansicht nach liegen zur Zeit keine außerordentlichen Verhältnisse vor, da derartige Uebergriffe der Armenier auch sonst sich ereignen; aber dem Sultan paßt s jetzt sehr gut, die Aufmerksamkeit der Mächte von den Verhandlungen in Eonftamiaopel möglichst abzulenken, um eine weitere Verschleppung derselben zu erreichen.

Viel commentirt wurde die Anwesenheit deSFürsten von Bulgarien in der türkischen Hauptstadt. Die Beziehungen Bulgariens zu Oesterreich-Ungarn find bekanntlich jetzt sehr gespannt, da der Ministerpräsident Stoilow einem Bericht­erstatter gegenüber grobe Beleidigungen gegen die Regierung deS Kaiserstaates ausgesprochen hat und nicht revociren will. Der österreichische Gesandte ist bereit- von Sofia abberufen worden, und andere Maßregeln dürften folgen, wenn nicht Stoilow seinen Abschied erhält. Ob freilich Fürst Ferdinand in der Lage ist und die Macht hat, seinen Ministerpräsidenten zur Demission zu zwingen, erscheint sehr fraglich. Jedenfalls darf man auf die weitere Gestaltung der Angelegenheit sehr gespannt sein. (xx)

Wolff« telegraphisches Corresponbenz-Bureau.

Kronberg, 13. August. Die Cronthaler Mineral­quellen, im Besitze deS Baron v. Eckhardftein in Berlin, sind durch Kauf an eine englische Gesellschaft über­gegangen, welche den Versandt des Wassers noch bedeutend steigern will.

Kiel, 13. August. Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich find heute Nachmittag in Begleitung deS Ober- gouvemeurS, Generalmajor v. Deines, und des Militär- gouverneurS, Oberstlieutenant Frhm. v. Lyncker, zur Be­grüßung de« Kaiserpaares hier eingetroffen und mit der Stationtyacht derHohenzollern" entgegengefahren. Am Bahnhof waren die Prinzen vom Viceadmiral Köster em­pfangen worden.

Kiel, 13. August. DaS Kaiserpaar ist auf der Hohenzollern" um 71 /2 Uhr hier eingetroffen. Die im Hafen liegenden Kriegsschiffe und PanzerkanonenbooteMücke", Skorpion",Krokodil" undNatter", sowie die Schulschiffe Gneisenau" undMars" gaben den Salut ab. Die Be­satzung paradtrte und brachte drei HurrahS aus. AIS die Hohenzollern" gegenüber der Marineakademte vor Anker gegangen war, begaben sich die Prinzen mit Begleitung an Bord zur Begrüßung und StationSchef, Viceadmiral Köster, zur militärischen Meldung.

Altona, 13. August. Die städtischen Eollegten be­willigten für die unter der Wassersnoth Leibenden 20000 Mk., die dem unter dem Oberpläsidenten v. Koeller gebildeten Provinzial-Comitv zur Verfügung gestellt wor­den find.

Budapest, 13. August. Die Donau sinkt andauernd; heute ist die Gefahr auch für die untere Donau vorüber.

Tromsö, 13. August. Der Schnelldampfer der Hamburg- Amerikanischen Packetfahrt-GesellschastAuguste Victoria" ist heute Morgen nach prächtig verlaufener Fahrt von Spitz­bergen hier eingetroffen. Die Reise war durchweg vom schönsten Wetter begünstigt. Jrn Bell-Sund wurde die Mitternachts-Sonne beobachtet und auf dem Nordcap ein Fest gefeiert, bei welchem der Geh. RegierungSrath Werner vom Reichsamt des Innern ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Kaiser ausbrachte.

Depeschen de« BureauHerold."

Berlin, 13. August. Das Kaiserpaar wird bereits heute Abend hier auf feiner Rückreise von Rußland erwartet. Der für End- dieses Monats angesetzt gewesene Stapellauf des PanzerkreuzersErsatz Leipzig" ist auf Anfang Sep­tember verschoben worden.

Berlin, 13- August. PrinzHeinrich vonPreußen begeht morgen die Feier seines 35. Geburtstages und damit zugleich sein 25jährige« Dievftjubiläum.

Berlin, 13. August. DieBerl. Reuest. Nochr." ent­werfen über die Lage in Deutsch-Südweft-Afrika ein überaus trostloses Bild. Bei den Herero« hat die Rinderpest unter den Beständen gewaltig aufgeräumt und im südlichen Theile des Schutzgebietes, wo die Seuche noch nicht hingekommen ist, hat die Trockenheit des Vorjahres den Viehbestand erheblich verringert. Seitdem aber die Straßen für den Ochsenverkehr gesperrt find, scheint jeder Verkehr abgestorben zu sein. Der Handel liegt darnieder, die Preise steigen Man erwartet eilige Linderung der Noth durch den Bahnbau von Swapkopmund. Wie dasselbe Blatt weiter berichtet, sollen von der Feldbahn von Swapkopmund nach Windhoek zunächst 100 Km. gebaut werden, deren Fertig-

stellung einige Monate in Anspruch nehmen wird. De Landeshauptmann Major Leutwein ist telegraphisch angewiesen worden, von bett Mannschaften bet Schutztruppe sofort eine größere Anzahl eingeborener Arbeiter in Swapkopmund zur Verfügung der Mitte September dort eintreffenben Eisen- bahnbau Compagnie bereitzuhalten. Die Entscheidung über den Weiterbau der Bahn bis Windhoek wird dem Reichstage bei Beginn der nächsten Session in einer Vorlage anheim- gestellt werden.

Berlin, 13. August. Durch eine soeben bekannt ge­wordene Verfügung hat das canadische Ministerium angeordnet, daß die nach (Sanaba birect impottirten beutschen Maaren bis zum August 1898 die bisher ben englischen Maaren eingeräumten Vorzn gSzö lle des canabtschrn gegenseitigen Tarifs genießen sollen und baß ber seit dem 22. April d. IS. auf birect importirte deutsche Maaren er­hobene Mehrzoll auf Antrag von den kanadischen Zollbehörden zurückgewährt werden wird.

Kiel, 13. August. DaS heute Nachmittag hier ein« treffende Kaiserpaar wird hier über Nacht bleiben und morgen früh 10 Uhr nach WilhelmShöhe fahren. Die kaiser­lichen Prinzen treffen heute um 6 Uhr auS Plön hier ein und fahren Abends zurück.

Budapest, 13. August. Nach einer Blättermeldnng soll bei einer Uebung zwischen dem 23. Infanterie-Regiment und dem 16. Honved Infanterie-Regiment seitens der letztere« auf die gemeinsamen Truppen mit scharfen Patrone« geschaffen worden sein. Sechs Rekruten wurden schwer ver­wundet. Die Untersuchung ist eingeleitet, Viele Honved» Soldaten find bereits verhaftet worden.

Paris, 13. August. ES wird offiziell bementirt, daß Fräulein Lucie Faure ihren Vater nach Petersburg begleite.

London, 13. August. Der Ausstand der Tele­graphenbeamten steht unmittelbar bevor, ba ber iHerzog von Norfolk sich ablehnend gegen die Forderungen feinet Beamten verhält.

Bukarest, 13. August. Die in Umlauf befindlichen Ge­rüchte über den bevorstehenden Besuch de« Deutschen Kaisers werden bementirt.

Berlin, 14. August. Im Norden Berlins wüthete gestern Abend eine große Feuersbrunst. Durch eine leichte GaS-Explosion entstand im Hause Müllerstraße 175, Ecke der Fennstraße, in der im Erdgeschoß gelegenen Manu- facturwaarenhandlung von Böhm ein Brand, ber sich in wenigen Minuten über das ganze fünfstöckige HauS ver­breitete. Der Feuerwehr gelang, eine Anzahl in Lebens­gefahr schwebender Personen zu retten. Eine Frau stürzte auf den Balkon tm der ersten Etage und erlitt anscheinend schwere Verletzungen. Mehrere Feuerwehrleute trugen Brand­wunden davon.

verli», 14. August. Die gestern von etwa 400 Personen besuchte Auarchisteu-Versammlung nahm einen ruhigen Verlauf. Die Redner besprachen die Ermordung des spanischen Ministerpräsidenten und behaupteten, es handle sich keines­wegs um ein anarchistisches Attentat, sondern um den Rache­act eines Einzelnen.

Berlin, 14, August. Wie dasBerl. Tagebl." aus Petersburg meldet, beabsichtigt der dortige Magistrat, die Namen einiger Petersburger Straßen nach dem deutschen Kaiserpaar, sowie den deutschen Staatswürdenträgern abzuändern.

Paris, 14. August. Aus dem hiesigen Lyoner Bahnhof wurde ein aus London zugereister Italiener Namens Calbtni wegen einer Cas erto feiernden Rede verhaftet.

WB. Kiel, 14. August. Das Kaiserpaar ist Vor­mittags neun Uhr nach Wilhelmshöhe abgereift.

WB. Stavanger, 14. August. An Bord des Dampfers Kong Halfdan" wurde heute früh 4 Uhr 50 Min. zwischen Hanges und Ryvarden ein großer Ballon ungefähr 300 Meter über den höchsten Bergspitzen nach Ostsüdost schwebend gesehen. Der Ballon führte circa 60 Meter lange Schlepptaue.

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Gießen, den 14. August.

** Empfang. SeineKönigl.Hoheit ber Großherzog empfingen am 13. August u. A. den Oberamtsrichter Rispel von Schotten, den Pfarrer Jäger von Alsfeld.

* Krieger-Denkmal. Die Modelle, welche au6 Anlaß des Preisausschreibens für ein in Gießen, und zwar auf dem Marktplatze, zu errichtendes Krieger-Denkmal von