Ausgabe 
13.11.1897 Erstes Blatt
 
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Dr. Hermann Reutzel, dem Lehrer au dem Gymnasium zu BeuSheim ^Georg Hauff, dem Lehrer au dem Gymnasium zu Maiuz Dr. Georg Ihm, sowie dem katholischen Pfarrer Dr. Franz Falk zu Klein Winternhetm den Charakter al» Professor" zu errheileu. Durch Entschließung Grohh. Minister um» deS Innern wurde der LehrawtSacceff'st Joh». Jung au» Lang-Göu» zum LehramtSaffeffor ernannt und durch Entschließung Großh. Ministerium» der Justiz der Gerichtsaffeffor Wteßuer in Gernsheim au- Anlaß der anderweitigen Verwendung des Amtsrichter- Schmidt in Laugen bis zum Wiedereintritt deS Genannten in den Dienst mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eine» Amtsrichter» bei dem Amtsgericht Langen beauftragt worden.

Parlamentarische». Der dritte Ausschuß hat über die Wahl de» Landtag».Abgeordneten für die Provinzial- Hauptstadt Gießen beantragt, die Kammer zu ersuchen, die Wahl de» Laudtag»«Abgeordneteu Metz-Gießen für gtltig zu erklären.

* Gesellschaft für Srd- und Völkerkunde. Am 18. No­vember, Abeud» 8 Uhr, wird in der von Seiten der Uni- verfität der Gesellschaft gütigst zur Verfügung gestellten großen Aula Herr Dr. Sven Hedin au» Stockholm über seine Reisen in Teutralafien sprechen. Dieser Reisende ge­hört zu den hervorrageudsten der neuesten Zeit und ist wegen seiner Verdienste um die wiffeuschaftltche Erforschung Central- asten» von der Kopenhagener Geographischen Gesellschaft mit der großen goldenen Medaille, von der Berliner Gesellschaft für Erdkunde mit der silbernen Karl Ritter-Medaille aus­gezeichnet worden. Auf seinen Reisen 1893 bis 1896 durch­zog Sven Hedtn Centralafieu von Westen nach Osten, bestieg den Muftag am Oftrande der Pamir bi» 5000 Meter, ent­deckte im Tartwbecken den See Lop Nor, dessen Lage bisher zweüelhaft gewesen war, und außerdem verschüttete buddhistische Ruinenstädte, ferner im nördlichen Tibet nicht weniger al» 23 Seen und erreichte endlich glücklich Peking. Der Vor­trag wird voraussichtlich durch ProjecttonSbilder unter­stützt werden.

Stadttheater. Nachdem am Mittwoch Abend Grill- parzerS TragödieMedea" in machtvoller Wirkung hier in Scene ging, entzückte un» gestern Abend das Meisterwerk eines der bedeutendsten dramatischen Dichter Spanien» und Zeitgenosse EalderonS: Moreto»Donna Diana". E» zählt zu den clasfischeu Stücken des altspanischen Theater» und Dank seiner dramatischen Vorzüge, deren hauptsächlichste die sorgfältig-treffliche Eharacteristtk sowie die sicher erfaßte und gut ausgebildete komische Wirkung find, wurde eS von Molare für die französische, von dem Grafen Gozzi für die italienische Bühne bearbeitet und ist seit etwa 40 Jahren durch die treffliche Uebersetzung von C. A. West auch auf da» deutsche Theater gebracht worden, wo e» gleich mit Bei­fall begrüßt wurde und seitdem sich auf dem Repertoire jeder besseren Bühne behauptet hat. Der Inhalt dieser, einen ersten Rang unter den feinen Lustspielen einnehmenden Dich­tung, ist kurz folgender: Um die Hand der Tochter de» Grafen von Barcelona, Erbprinzesfin Donna Diana, bewerben sich mehrere hochangesehene Freier, doch keinem gelingt es, die philosophisch über die Liebe denkende Prinzessin zu gewinnen. Jedoch die Philosophie der stolzen, sich unbesiegbar fühlenden Donna wurde zu Schanden durch die Tactik des sich gleich- fall» um sie bewerbenden Don Cesar, der, den weisen Rath­schlägen de» Secretär» Pertn folgend, den Steg errang und die ihn nun Liebende al» Braut heimführte. Die voll­kommene Ausführung dieses dramatischen ConcertantstückeS gehört zu den schwersten Aufgaben der Schauspielkunst, ist dann aber auch von großartigster Wirkung. Die Auf­führung an unserer Bühne war eine ganz vorzügliche, künst­lerisch abgerundete, ja wir stehen nicht an, sie als die beste aller bisher gebrachten Stücke zu betrachten. Die erste Hauptrolle, Donna Diana, lag in Händen der gefeierten Gastt", Frau Anna Führing. Wer am vorhergehenden Abend die berühmte Künstlerin alsMedea" gesehen, war wohl nicht wenig überrascht über die gestrige Leistung, die den Character dieser erst philosophtrenden, dann wirklich liebenden Frauenseele bi» in die kleinsten Detail» mit so viel Stolz und Hoheit, so viel Lieblichkeit und neckischer Grazie offenbarte. Der dritte Act und dieGartenscene" bildeten die Haupt-Glanzpunkte ihre» künstlerisch vollendeten Spiel». Da war kein aufdringliche» Hervordrängen, zu welchem diese Rolle so leicht verführt, sondern ein harmonisch durch- geführte» Ganze, frei aller Uebertretbuug, da» durch den Wohllaut der Stimme, den Reiz der imposanten Erscheinung von Anfang bi» zu Ende feffelte und zu enthusiastischen Bei­fallskundgebungen antmtrte' Die geschätzte Künstlerin hat hier an den absolvirten zwei Gastsptelabenden große Triumphe gefeiert und wird auf lange Zeit bet unserem kunstverstän­digen Publikum im Gedächtniß bleiben. Herr Janson al» Don Cesar (der zweiten Hauptrolle) wußte trotz der Glanzleistung seiner großen Partnerin seinen Platz zu be­haupten. Sein Spiel war nahezu vollendet und stellt dem Künstler das beste Zeugniß aus. Die dritte Haupt­rolle de» Stückes, des Secretär» und vertrauten Pertn, wurde von Herrn Liebscher meisterhaft wtedergegeben. Man konnte sich an dieser, vom Dichter so geistvoll-satirisch gezeichneten Figur nicht genug sattsehen. Herr Liebscher, den wir al» Characterdarsteller hoch schätzen, bot in dieser schwierigen Rolle wiederum Vorzügliche». Die übrigen Mit­wirkenden vervollständigten da» Ensemble auf da» Beste und nennen wir Frl. Marlofs al» Donna Laura, Frl. Viotti al» Donna Fentsa, beide reizend anzuseheo, Frl. v. Winter- stet n al» übermüthige» Kammerkätzchen Florett«, sowie Herrn Forsch, der den Don Diego leider etwa» zu farblo», nicht artstrokrattsch genug gab, Herrn Albrecht al» burlesker Graf v. Foix und Herrn Böhm al» Don Louis. Die Regiekunst de» Herrn Dir. Helm ist gleichfalls mit An- erkennung zu nennen. Das überaus zahlreich erschienene Publikum zeigte sich für den gebotenen Kunstgenuß dankbar und spendete stürmischen Beifall.

verkauft wurde da» den Erben der tu Amerika ver­

storbenen Elisabethe Wagner gehörige Hau», Wolken- gaffe 20, sowie daran angrenzendes, dem Herrn Restaurateur Heil gehöriges Hintergebäude von Herrn Lurt v. n ch ow, welcher an Stelle der alten Baracke ein neue», den heutigen Lerhältniffen entsprechendes Gebäude errichten wird. Mit der Vollendung diese» projeetirten Neubaues find in der Wolkengaffe, welche in diesem Jahre auch die gewünschte Verbreiterung au ihrer Einmündung in die Bahnhofstraße erfahren hat, innerhalb Jahresfrist fünf Neubauten ent­standen. Hoffentlich vollzieht fich nunmehr recht bald auch der wettere Ausbau dieser verkehrsreichen Straße, als kürzeste Verbindung zwilchen SelterSweg und Bahnhofstraße.

* Die Plane de» Gießener «olk-bade» sind für einige Tage im Erker der Retber'jchen Möbelfabrik am SelterSweg auf Veranlaffung des Vorstandes der Actiengesellschaft aus­gestellt. Der Bau selbst, von deffen innerer Einrichtung und Zweckmäßigkeit die Pläne ein anschauliche» Bild geben, macht rüstige Fortschritte.

Wetterbericht. Ganz Europa steht fortgesetzt unter der Herrschaft eine» barometrischen Maximum». Der Kern desselben hat fich noch weiter in südlicher Richtung verlegt und erstreckt fich heute mit der gleichen Jntenfität, wie an den Vortagen, von Siebenbürgen und Galizien gegen Oester­reich bi» an die Ostseeküste. Auf dem Continent tst nun­mehr die Frostgrenze erheblich weiter nach Westen vorgerückt, im Uebrtgen aber behält die Witterung den schon seit Längerem bestehenden Character bet. Voraussichtliche Witte­rung: Fortdauer deS bisherigen WitterungScharacter».

t Nidda, 10. November. Heute fand die feierliche Uebergabe unsere» neuen BezirkS-Sparkassegebäudes sowie die Jahresversammlung der Mitglieder der Spar- und Lethkasse Nidda statt. Um V811 Uhr Vormittag» begaben fich die Theilnehmer vom RathhauSgebäude au» in da» an der Bahnhofstraße dahier gelegene, prächtige nun­mehrige Dtenstgebände de» segensreichen Spar Institute», woselbst nach der formellen Uebernahme der Direktor, Herr Decan Hofmeher, die Erschienenen, darunter Herrn Geheime Regterungsrath Klietsch Büdingen, herzlich begrüßte. Au» dem sodann erstatteten Rechenschaftsbericht für 1896 ent­nehmen wir da» Folgende: Zn Ende vor. Jahre» betrug da» Capitalvermögen 1347 779 Mk. 12 Pfg., die Capital- schuld 1204516 Mk. 28 Pfg. und das Mehrvermögen so­nach 143262 Mk. 84 Pfg.- rechnet man zu der letzten Summe den Baarvorrath, die liquidirten Ausstände und die Vorlagen mit 30509 Mk. 54 Pfg., so resulttrt al» Gesammt- vermögen bezw. Reservefonds der Betrag von 173 772 Mk. 38 Pfg. Dem seitherigen Rechner, Herrn Bürgermeister Rullmann, wurde Entlastung und der nachgesuchte Abschied zu Theil, sowie ein Jahres Ruhegehalt von 1000 Mk. be­willigt. Als Dtenstnachfolger ward der von dem Vorstand in Vorschlag gebrachte Finanz-Aspirant Ring-Hausen von hier berufen. Au Stelle deS aus dem Vorstand freiwillig aus- geschiedenen Großh. GrrichtSschretberS Kircher wurde Rentner Karl Roth hier gewählt. Der bisherige Dirigent, Herr Hof­meher, refignirte dem Vernehmen nach wegen seine» vor­geschrittenen Alter» auf da» von ihm bekleidete Borsteher­amt. Nach Schluß der Tagesordnung fand ein gemeinsame» Mittagsmahl imGasthaus zur Traube" statt.

4* Lindhetm (Kreis Büdingen), 11. November. Nachdem erst vor Kurzem ein einem hiesigen Landwirthe gehöriger Strohhausen niedergebrannt ist, ging zu Anfang dieser Woche ein zweiter unweit unsere» Orte» gesessener Hausen de» hiesigen Gutspächter», Herrn Oberamtmann Wefternacher, Abends in Flammen auf, so daß starker Verdacht auf Brand­stiftung vorliegt. E» tst daher gestern eine eingehende Unter­suchung seitens Großh. Amtsgerichts Altenstadt dahier vor- genommev worden. Beide Schober waren versichert.

nn. Darmstadt, 12 November. Dor der hiesigen Straf­kammer stand heute der Installateur Ph. Buschmann von Offenbach, ein geriebener Gauner und Schwindler, um fich wegen Betrugs zu verantworten. Gleichzeitig wurde auch gegen seine Concubtne A. Fischer verhandelt, die an dem Bettug thetlgenommen hatte. Buschmann tst seit 1895 ver- hetrathet und Barer eines KmdeS. Er trennte fich von seiner Frau und nahm fich als Haushälterin die Fischer in» Hau». Als sein Geld knapp wurde, verfiel er auf den ingemeusen Gedanken, imFrankfurter General-Anzeiger" nach einer Braut mit Vermögen" zu suchen. Bald sand er, wa» er wünschte, in der Person der Clara Teufel, mit der er fich verlobte und derselben nach und nach ihr Vermögen im Be­trag von 1980 Mk. abschwindelte. Za spät sah das Mädchen ein, daß e» betrogen war- ihr Geld war spurlos ver- schwunden. ES dauerte nicht lange, so hatte Buschmann wieder eineBraut mit Geld" in der Rosa Christ gefunden. Auch mit dieser verlobte er fich, miethete in Frankfurt a. M. eine Wohnung, welche die Braut auSmöblirte und lieh von derselben noch ca. 600 bis 700 Mk. zur Errichtung einer Fabrik, wie er sagte. Er trieb seinen Schwindel mit dem Mädchen, daS aus guter Familie stammt, sogar so weit, daß er mit demselben auf da» Standesamt nach Frankfurt ging, dort aber nach Offenbach gewiesen wurde. Als in Offenbach da» Mädchen auf Heirath drang, verduftete Buschmann nach Zürich. Bet allen diesen Schwindeleien half ihm seine Con- cubtue treulich, indem fie die Bräute in Buschmann» Woh­nung empfing und denselben die schönsten Märchen von dem Wohlstand und dem guten Geschäft Buschmann» erzählte und den Raub mit ihm theilte. Sein heutige» Leugnen seine- fein angelegten Schwindel- hilft ihm nicht» und der Gericht-- Hof hält e» nach den Worten de» Präfideuten, Herrn Baur, für angezeigt, hier eine exemplarische Strafe eintreten zu laffen in Anbetracht de» mit großer Schlechtigkeit und Raffinement angelegten Betrug- seiner Opfer. Buschmann erhält 4 Jahre 6 Monate Zuchthau- und seine Helferin 6 Monate Gefängniß.

X. Darmstadt, 11. November. In heutiger Stadt­verordneten-Versammlung wurde die Unterhaltung de- schönen Flotow-Denkmal» auf unsere» großen

Friedhöfe, wie von der Wittwe de» Tondichter» gewünscht, von der Stadt zu übernehmen beschlossen. DieGaSwerks- taffe hat für da» Rechnungsjahr 1896/97 einen Reinertrag von rd. 235000 Mk. ergeben, wovon beinahe die Hälfte de« Erneuerungsfont» zvflteßt- ein Neubau der GaSwerkSaulage steht bekanntlich in nicht weiter Ferne. Durch die Rrninuz zweier Grundbefitzer in Bessungen ist unser beliebter Martin»pfad, der vom Südende der Stadt zum Wald sührt und von Einheimischen und Fremden stark frequenttrt wird, gesperrt, und soll nunmehr da» in den Pfad fallende Etgevthu« der beiden, von denen der eine merkwürdiger Weise sogar Vorstand eine» städtischen Bezirk-Verein» ist, enteignet werden.

P. Darmstadt, 11. November. Der Postasfistent Heinrich Hedrich au» Wiesbaden, gebürtig au» König im Odenwald, der Unterschlagung eine» Einschreibbriefes, enthaltend 10000 Mk. in Reich-banknoten dringend verdächtig, tst seit dem 9. No­vember, 2 Uhr Nachmittag», flüchtig. Seine Flucktrichtung ist unbekannt. Personbeschreibung: Alter: 25 Jabre- Gestalt: groß, schlank- Gefichtsfarbe: blaß- Haare : blond - Bart: Schnurrbart, kurze Bartcotelette» - Kleidung: dunkel­grauer Katsermantel, schwarzer, weicher Filzhut. Auf den Flüchtigen wird gefahndet.

Pari-, 3. November. Am 9. November tritt in Aix- en-Provence der Congreß der internationalen Liga zum Schutze der iosectenfressenden Vögel zusammen, einer Liga, deren Thärtgkett fich aller Sympathien der Natur­freunde erfreut. Seit Jahren wird mit Recht Über da» barbarische Vorgehen gegen die Grasmücken und Nachtigallen geklagt, ohne daß man bisher daran gedacht hätte, ein vor einigen Jahren vom Parlament genehmigtes Gesetz mit aller Strenge anzuwendev. Dteie» Gesetz verbietet die Vernichtung und den Verkauf von Vögeln, die kleiner find als die Lerchen. In Südfrankreich wird namentlich der Unfug in großem Maß stabe betrieben und allsonntäglich ziehen die wilden Jäger zu Hunderten vor die Städte hinaus, um da auf Bachstelzen und Finken zu schießen, ohne daß e» den Gendarmen und Flurhütern einfiele, diesem barbarischen Sport entgegenzutret n. Auf manchen Märkten werden Hänflinge und Goldammern haufenweise verkauft, obwohl dies gesetzlich verboten tst. So kommt eS, daß manche der Landwirthschaft Überaus nützliche Bogelarten in einigen Gegenden vollständig auSgerottet worden find, obwohl der Mißbrauch keinen so großen Umfang an- genommen hat wie in Spanten und Italien. Die Veranstalier deS CongreffeS zählen auf die Unterstützung der Presse, da- mit diese die Bauern auf die schweren Nachtheile der Aus­rottung der insectenfressenden Vögel aufmerksam mache. Mit den GesetzeSvorschrifteu allein tst eS da nicht gethan, weßhalb die Presse belehrend und aufklärend wirken muß.

Der Zweck der Bolttheilstatten für Lungenkranke ist ein doppelter. Sie sollen die Kranken heilen, bezw. bessern, und sollen fie lehren, gesundet die Gesundheit zu erhalt'n, gebessert wettere Besserung zu erztrlen und die Gesährdvng ihrer Mitmenschen zu verhüten. Die hygienische Erziehung hat die größere Bedeutung. Der Vorstand der Hanseatischen Versicherungsanstalt hat, um die Gewöhnung der Kranken und ihrer Angehörigen an gesundheit-gemäße Lebensführung zu unterstützen, in seiner Anstalt Oderberg zu St. Andrea»- berg Plakate anbringen lassen, auf welchen die in Betracht kommenden Gesundheit-regeln den Pfleglingen dauernd vor Augen geführt werden- Die hauptsächlichsten derselben find außerdem in kurze Sprüche zum Theil von humoristischer Färbung gebracht worden und dienen tn geschmackvoller Au»- sührung al» Schmuck der Corridore und der zum gemein­samen Aufenthalte der Kranken bestimmten Räume. In ähn­licher Weise wird neuerdings hier und da tn Straßenbahn­wagen durch Anschlag auf die Unzuträglichkeit des Fußboden­spucken» hingewtesen. Ja dem Kurort Meran ist da» Aus­wersen auf den Promenaden streng verboten Wer in New- Mark 'm Straßenbahnwagen auf den Fußboden speit, ver­fällt tn eine Strafe von 5 Dollars. Weitere derartige Verbote würden bte hygienische Erziehung de» Publikums nicht unwesentlich unterstützen und die Anbringung von öano» sprüchen der erwähnten Art insbesondere tn Arbeitsstätten würde dazu da» Ihrige beitragen.

Ein Krankenhaus für 18 Millionen Mark Au» Berlin wird berichtet: Da» Spectalproject für da» vierte städttlche Krankenhaus wurde in der letzten Magistratssitzung nach den Vorschlägen der Baudeputation Abtheilunz I genehmigt. E» handelt fich um die größte Fläche, welche die Stadtgemeinde Berlin, abgesehen von dem etwas größeren Vtehbos, für die Bebauung bestimmt hat. Die Bausumme beträgt 13100 000 Mk , da» Krankenbett kommt der Stadt 11700 Mk. zu stehen. Die Ausrüstung in hygienischer Beziehung ist opulent 8et- sptelSwetse ist ein Salzgradtrwerk, welche» 455000 Mk. kostet, vorgesehen, damit Hals- und Lungenkranke wie in Retchenhall und Kösen salzhaltige Luft einathmra können. Die Länge des AnstalrSgrundstÜckS tst etwa der der Straße Unter den Linden entsprechend, da» jetzt größte städtische KravkeohanS- grnndstück Friedrichshain kann fünfmal, da» Urbankrankenhau» achtmal, da» gesammte Berliner Rathhau» etwa sechSuud- fünfzigmal auf dem Grundstück de» Weddtnkrankenhause» an der Seestraße und dem Nordufer untergebracht werden. Vor dreißig Jahren würde man über ein Kraukenhau», da» die Grundfläche de» Berliner Rathhause» einoiwmt, vor Verwunde­rung über die ausschweifende Größe, die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben. So haben fich die hygienischen Anforderungen gegen früher geändert. Wir stehen eben tm Zenith der Hygiene. DaS Letchenhau» hat nicht weniger denn 19 Fenster Front und enthält anatomische Einricht- uvgeu, um die unS jede Univerfität Deutschland» beneiden könnte. Der Stil der Hauptgebäude erinnert am «eisten au die frühere hiesige Hauptcadettenanstalt in der Renen Friedrich­straße, welche jetzt dem Neubau de» Amtsgerichts I weicht. Auch an Mottve de» Schloßbaue» zu ttöpeuick findet man fich erinnert. S» handelt fich also um eine Anlehnung an