Ausgabe 
13.11.1897 Erstes Blatt
 
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Sießeu, 12. November 1897.

OrdeuL Verleihung. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Hauptmann Kreuter, Compagniechef im In- fanterte-Regimeut von Grolman (1. PofenfcheS) Nr. 18, seither ä la suite deS Jnfanterie-Regt». Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps deS Großmürhtgen zu verleihen geruht.

** Das Ehrenzeichen für Mitglieder fteiwilliger Feuer- wehreu wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 6. Sep- tembcr dem 1. Eommandanten der Gießener freiwillige« Feuerwehr Carl Ludwig Gail und dem Mitgliede der Frei« wMgen Feuerwehr zu Bensheim Franz Deppert HL daselbst.

** Persoualieu. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht, dem Lehrer au dem Ludwig- GeorgS-Gymnasium zu Darmstadt Dr. Franz Joseph Helm, dem Lehrer an dem Neuen Gymnafium zu Darmstadt Dr. Hermann Balser, dem Lehrer au dem Gymnasium und der Realschule zu Offenbach Ludwig Roth, dem Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Worm» Ludwig Knöpfet, dem Lehrer an der Realschule zu Heppenheim

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Nr. 267 Erstes Blatt ^Samsras ve« 13. November

1807

Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

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Die Landtagswahlen in Baden.

Bekanntlich hatten am 27. v. MtS. im Großherzogthum Baden die Wahlmännerwahlen zum Landtage stattgefunden, durch welche die Hälfte der Mandate ergänzt werden sollte; die Nationalltberalen hatten 16, das Centrum 12 Mandate zu vertheidtgen, während die Couservativen, die Demokraten und Sozialisten mit je einem Mandat betheiltgt waren. Um diese 31 Sitze im Abgeordneteuhause stritten sich 61 Candi« baten der verschiedenen Parteien, sodaß der Wahlkampf ein höchst erbitterter war und auf allen Seiten mit großer Leiden­schaftlichkeit geführt wurde- die Zahl der Candidateu wäre noch größer gewesen, wenn nicht in letzter Stunde einige Wahlcartelle zu Stande gekommen wären. Alleinstanden in dem Kampfe die Nationalltberalen, wenn auch die confer« vattve Parteileitung die Parole ausgegeben hatte, daß die Partei für die nationalltberalen Wahlmänner etotreten solle.

Den letzen Wahlen wurde eine ganz besondere Bedeutung deshalb betgelegt, weil es galt, die natioualliberale Mehrheit in der badischen Kammer, welche freilich nur noch auf zwei Augen stand, zu brechen. Die in dieser Richtung bisher gemachten Anstrengungen hatten sich immer als vergeblich erwiesen, da daS Großherzogtbum Baden als die Hochburg des National- ltberaliSmuS bezeichnet werden konnte. Schon die Wahl- männerwahlen am 27. October ergaben, daß die Hoffnungen der Gegner der Natiovolliberalcn diesmal in Erfüllung ge« gangen waren, indem die Narionalllberalkn mehrere Mandate verloren hatten, und die am Mittwoch stattgehabten Haupt­wahlen haben dieses Ergebniß bestätigt. Die genannte Partei hat durch den Verlust einiger Mandate ihre Mehrheit in der Kammer eingebüßr, wenn sie auch künftig noch die stärkste Partei der badischen Volksvertretung ist.

In diesem Jahre spielte sich der Hauptkampf um die drei Karlsruher Mandate ab, wo die Opposition den beiden bisherigen nationalltberalen Abgeordneten zwei Sozialdemo, traten und einen Demokraten entgegengestellt hatte. Der Ausgang ist bekannt und konnte im Allgemeinen nicht über­raschen. Im Großen und Ganzen darf man wenigstens liegt dies sehr nahe das Resultat der Wahlen, da der Gewinn fast ausschließlich den Demokraten, Fretstnntgen und Sozialdemokraten zugefallen ist, als einen Beweis dafür an­sehen, daß derZug nach Links", auf welchen bekanntlich für die nächsten Reichstagswahlen so stark gerechnet wird, sich bereits in Baden geltend gemacht hat. Aber wehr noch dürfte daS wett verbreitete Verlangen, der herrschenden Ver« stimmung einen entsprechenden Ausdruck zu geben, einen wesentlichen Antheil am Ausfall der Wahlen gehabt haben. Und dann bleibt zu berücksichtigen, daß es sich um einen Kampf zwischen Nationalliberalen und Centrum handelte, und daß die Anhänger des letzteren auf die Wahl der Gegner der Nationalltberalen in erheblichem Maße etngrwilkt haben.

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WolffS telegraphisches Cyrrespondmz-Bureau.

Berlin, 11. November. DieBerl. Corr." bezeichnet die Blättermelduug, der Minister des Innern habe neuer« divgS MassenauSweisungen russischer und gali­zischer Arbeiter, namentlich aus den Industriegebieten der westlichen Provinzen, angeordnet, als unzutreffend. ES handle sich nur um die Ausführung bekannter älterer Ver­ordnungen, wonach von vornherein die für die Sommer­monate zugrlaffenen russischen und galizischen Arbeiter bi» zum 16. November jedes Jahres daS preußische Staatsgebiet wieder verlaffeu müssen.

Berlin, 11. November. Laut einer Zuschrift deS Stehler Missionshauses an die ZeitungGermania" wurden die Missionare vom Pöbel tn Jends chofu auS Glaubenshaß ermordet, al» die Stehler Missionare nach der nächsten Station Jendschofu kamen, um gemeinsam da» Allerheiligensest za feiern. In Jendschofu habe die Wiege deS Coufuctu» xestanden, daher der Fanatismus.

Dresden, 11. November. Der Landtag wurde vom König eröffnet. Die Thronrede kündigt einen NachtragS- ktat zur Linderung der Hochwafferschädeu an, ferner die Söriterführuug der Reform der direkten Steuern, ferner die Besteuerung der VermögenSbefitzer, der Erbschaften, 8er# viSchtniffe und Scheckungen. Die Grundsteuer fällt als Skaatssteuer fort und fällt ausschließlich den Schulgemeinden jn- Die Finanzlage ist in günstigster Entwickelung begriffen. Beklagt wird die Störung in der Ftuanzwtrthschaft infolge itc nicht durchgeführten RetchSstnanzreform. Der Etat ver­legt außerordentliche Geldmittel für die Verbesieruog der tztaatSbahuaulagen und die Vermehrung des BetrtebS- Pmsonal» und schlägt die Erhöhung deS StaatSzuschuffeS für

Geistliche und eine Besoldungserhöhung für Mittelschullehrer und Elementarlehrer vor.

Braunschweig, 11. November. Den hiesigenNeuesten Nachrichten" zufolge verbot daS Herzogliche StaatS- ministertum durch Rescript allen braunschweigischen Beamten die Zugehörigkeit zu vaterländischen Vereinigungen deS HerzogthumS.

Petersburg, 11. November. Wie dieNowosti" melden, ist der russischen GesellschaftParowoso Stroitelny Park" (Locomotiven-BamPark) von der Regierung gestattet worden, eine Bestellung von 400 Lokomotiven im AuSlande zu machen. DieNowosti" hören ferner, daß die russische Regierung ihren Bedarf an Schienenmaterial von nun ab im Auslande decken werde. Diese Maßnahme sei durch die allzu großen Bestellungen bei den russischen Fabriken hervor- gerufen, die den Ansprüchen de» inländischen Markte» nicht genügen können und die Eisenpreise infolgedeffen steigern.

Stockholm, 11. November. Die von dem Geologen Profeffor A. G. Nathorst für da» Jahr 1898 geplante schwedische Exprdition nach den Polargegenden ist durch Beiträge des König» und mehrerer Privatleute ge­sichert. Die Gesammtkosten betragen 70,000 Kronen.

Prätoria, 11. November. Der VolkSraad nahm den Antrag auf Herabsetzung der der Eisenbahngesellschaft vom Staate zugestandenen Benrficien um 200,000 Pfd. Sterling an und beauftragte die Regierung, in der nächsten Session eine Berechnnng der Kosten für den Ankauf der Eisenbahn, sowie die Detail» einer Anleihe zur Deckung dieser Kosten vorzulegen.

Dryesche» de» Burema ,$ctoU>.*

Berlin, 11. November. Gestern Abend traf der Kaiser mittelst Sonderzuges in Kuchelna ein. Der Bahnhof war illuminirt. Ans demselben hatten Bahnbeamte mit Fackeln Aufstellung genommen. U. A. waren zum Empfang anwesend der Fürst von LichnowSki und dessen Sohu Prinz Karl von Lichnowskt. Nach der Begrüßung fuhr der Kaiser nach dem Schloß. Auf dem Wege dorthin bildeten Kriegervereine mit Fackeln Spalier. Abends 7 Uhr fand im Schloß Diner statt, an welchem auch Prinz Albert von Sachsen-Altenburg, der Oberprästdeut Fürst Hatzfeld und der Herzog von Ratibor theilnahmen.

Berlin, 11. November. DerReichsanzeiger" veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung, wonach der Reichstag am 30, November zusammentritt.

Berlin, 11. November. DerReichsanzeiger" veröffent­licht die Abberufung des Botschafters bei der Pforte, Frei­herrn v. Saurma-Jeltsch, behufs anderweiter dienstlicher Verwendung.

Berlin, 11. November. DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt osfictöS: Bet Besprechungen der dem Alldeutschen Verbände von dem hiesigen Polizeipräsidenten gemachten Eröffnungen, betreffend daS Auftreten österreichischer Reichs# rathS-Abgeordneler in einer Versammlung, finden fich in einzelnen Blättern Bemerkungen, welche darauf abzielen, eS feien dem Polizeipräsidenten in dieser Angelegenheit Seiten» des Minister» des Innern Maßnahmen angesonnen, für welche der Polizeipräsident die Verantwortung habe ablehnen müffen. ES erscheint wohl kaum nöthig, diese Jufiuuattonen als völlig aus der Luft gegriffen zu bezeichnen.

Berlin, 11. November. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist heute Vormittag wieder hier etngetroffen.

Berlin, 11. November. Der Wirkliche Geheime Rath Dr. Horstmann, der älteste der vortragenden Räthe im preußischen Justizministerium, hat, wie diePoft" vernimmt, seine Entlaffung nachgesucht, um in den Ruhestand zu treten.

Berlin, 11. November. DiePost" meldet aus M erse- burg: Zuverlässtgen Nachrichten zufolge ist der Regierung»- Präsident Graf Konstantin Stolberg-Wernigerode zum Oberpräfidenten von Hannover ernannt worden.

Berlin, 11. November. Nach der im ReichSeisenbahnamt aufgestellten Statistik der auf deutschen Eisenbahnen, aus­schließlich Bayern», im September d. I. vorgekommenen Betriebsunfälle find 218 Unfälle zu verzeichnen, bei denen im Ganzen 50 Personen getödtet und 135 verletzt wurden.

Berlin, 11. November. In der heutigen Nachmittags­ziehung der preußischen Klassenlotterie fiel da» große Loo« im Betrage von 500000 Mk. auf die Nummer 141279.

Wien, 11. November. Im Abgeordneteuhause verlautete heute Mittag, Dr. Ebenhoch habe definitiv abgelehnt, da» Präsidium zu übernehmen.

Wien, 11. November. Nach der gestrigen Studenten- Demonstration wurde der Rector der Universität zum

UnterrtchtSminister berufen. Die slavischen Studenten bereite« für Freitag eine große Gegendemonstration vor.

Graz, 11. November. Erbprinz Danilo von Montenegro, welcher an einem hartnäckigen HalSUbel leidet, unterzog fich hier einer Operation, welche gut ver- laufen ist. Der Erbprinz hat sich bereit» nach Montenegro zurückbegeben.

Madrid, 11. November. Der Papst sandte an die Bischöfe Nordspanien» ein Schreiben, in welchem er dieselben zur energischen Bekämpfung des KarliSmuS auf­fordert.

Warschau, 11. November. Auf der Weichsel herrscht starke» Eistreiben. Die Schifffahrt wurde infolge deffen eingestellt.

Rio de Janeiro, 11. November. Im hiesigen Gefängnitz ist eine Revolte auSgebrochen. Truppen mußten einschreiten. Der Lougreß hat den KriegSz-istand erklärt. Die Behörden find überzeugt, daß daS Attentat auf den Präsidenten von einem Eomplot ausgegangen ist.

Berlin, 12. November. Während derLocal-Anzeiger" au» FriedrichSrnh meldet, daß Graf Herbert Bismarck von dort abgereist ist und das Befinden des Fürsten im Ganzen befriedigend wäre, geht demBerl. Tagebl.", wie es schreibt von gutunterrichtrter Beite, die Mittheilnng zu, daß im Befinden des Fürsten fich Sine Verschlimmerung eingestellt habe. Die ganze Familie sei anS Krankenbett berufen worden.

Berlin, 12. November. Anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr de» Tages der Hinrichtung von fünf Anarchisten ; in Chicago fand gestern Abend eine von etwa 700 Personen besuchte Anarchistenversammlung statt, die während eines Vortrages der Frau Agne» Reinhold, welche den An­archismus verherrlichte, aufgelöst wurde. Die Anarchisten­zeitschriftNeues Leden" wurde gestern Abend polizeilich beschlagnahmt.

Berlin, 12. November. Der ReichStagSabgeordnett Liebknecht wird demVorwärts" zufolge im Laufe fcet nächsten Woche die ihm zuerkannte Gefängnißstrafe in Charlotten- bürg (nicht in Plötzeusee) antreten.

Berlin, 12. November. Nach einer Meldung der StaaiSb.-Ztg." sollen Conservattve und Natioualliberale beabsichtigen, fich in der kommenden Reichstagssession wieder an der Präsidentenwahl zu betheiligen, sodaß, da da» Centrum an dem ersten Präfidentenfitz festhält, die erste Bice- präfidentenstrlle durch einen couservativen, die zweite durch einen nationalltberalen Abgeordneten besetzt werde.

WB. Gleiwih, 12. November. DerOberschlefische Wanderer" meldet: Gestern Nachmittag gerietb der Holz­schachtLychrandra«Grube" bei Antonienhütte in Brand. Um 11 Uhr NachtS war derselbe gelöscht. Sieben Arbeiter find todt.

WB. Petersburg, 12. November. Ein kaiserlicher Uka» macht bekannt: Nachdem eS für angezeigt erachtet, einen ständigen Geschäftsträger in Karlsruhe einzu- setzen, will Fürst Cantakuzem, der bisher Rußland in Stuttgart und Karlsruhe vertrat, von seiner Stellung am badischen Hofe enthoben sein.