Ausgabe 
13.10.1897 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Ringfhn. 11. Oktober. Au» mehreren Ortschaften von Jamaika kommt die Meldung von Todesfällen am gelben Fieber. Die Behörden treffen Vorsichtsmaßregeln gegen die Ausbreitung dieser Krankheit.

Berlin, 12. October. Der Director im ReichSver- ffcheruogSamt, Geheiwrath Gäbel, ist als Nachfolger Dr. Bödiker» zum Präsidenten des RetchSverstcherungS- amteS ernannt worden.

Berlin, 12. October. Wie dasBerl. Tagebl." hört, sind einige Mächte dem Plane günstig gesonnen, den bel­gischen Major Witte, der fich im Kriege bewährt hat, al- provisorischen Letter der Verwaltung auf Kreta einzusetzen.

Berlin, 12. October. Während mau im ReichSamt des Innern beschäftigt ist, das Material für den neuen wirth- fchaftltchen Ausschuß zusammen zu stellen, wird im Reichsschatzamt gleichzeitig der neue Zolltarif von zoll« technischen und finanziellen Gesichtspunkten aus aufgestellt, um demnächst vom Handelspolitischen Standpunkte unter Zu­ziehung des neu gebildeten wirthschaftlichev AuSschuffes im ReichSamt deS Innern weiter berathen zu werden.

Madrid, 12. Oktober. General WehlerS Abbe­rufung ruft eine große Erregung unter den Earlisteu und Lonservativen hervor, deren Zeitungen dem Ministerpräsi­denten Sagasta LandeSverrath vorwerfeu, weil er vor Nord­amerika zu Kreuze krieche. Die Carltsten-Blätter fordern Weyler auf, fich gegen die Regierung aufzulehuen und die Führung der Carlistenpartei zu übernehmen.

London, 12. October. Ein gigantischer Gtrike von 400 000 untonistischen Arbeitern auS 30 mit dem Schiffsbau in Verbindung stehenden Gewerben ist sür Frei­tag beschloffeu.

Konstantinopel, 12. October. Die definitiven Friedens- Verhandlungen beginnen Ende dieser Woche.

H. Darmstadt, 12. October. DaS russische Kaiser­paar, daS Großherzogspaar, der Erbprinz von Loburg und die Prinzessin Aribert von Anhalt haben fich heute Mittag nach Friedrich-Hof begeben.

CocaUs unb provinzielle».

Gießen, den 12. October 1897.

* Ernennungen. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht, 1. den provisorischen Lehrer an der Realschule zu Michelstadt, LehramtSaffeffor Adam Klas- fert zum Lehrer an dieser Anstalt, 2. den provisorischen Lehrer an der Realschule zu Wimpfen, LehramtSaffefior Karl Berger zum Lehrer au dieser Anstalt und 3. den provi­sorischen Lehrer an dem Ludwig GeorgS-Gymnafium zu Darm­stadt Dr. Erwin Preuschen zum Lehrer an dieser Anstalt zu ernennen.

*nn Parlamentarische» au» Hessen. Nach der neuesten Feststellung beträgt die hessische Eisenbahnschuld rund 205 Millionen Mark. Der Reinertrag aller hes­sischen Staatsbahnen betrug bis 1896 jährlich nach Abzug der zu zahlenden Capitalziusen und Betriebausgaben (z. B. für die Oberhessische Eisenbahnschuld 1143 507 Mk. jährlich) etwas über 100 000 Mk. Mit dem Inkrafttreten deS SraatSvertragS zwischen Preußen und Heffen über die BetriebSgrmeinschaft des beiderseitigen EtsenbahnbesitzeS und dem damit zusammenhängenden Ankauf der hessischen LudwigS- bahu ist der finaozitlle Erfolg der hessischen Eisenbahnpolitik ein entschieden befferer geworden. Der Betrieb der vereinigten Bahnen der beiden Staaten erfolgt in der Weise, daß alle Betriebs-Einnahmen und Ausgaben mit Ausnahme der Steuern, als gemeinsame anzusehen sind und der Ueber- schuß der Einnahmen über die Ausgaben unter die deideuStaaten nach dem vereiubartevTheilungS- maßstab vertheilt wird. Die Antheile beider Staaten au den BetrtebSüberschüffen der Main-Neckarbahn und der hieran anschließenden drei Nebenbahnen werden bis zur Ein­beziehung auch dieser Bahnen tu die preußische Betriebsgemeinschaft dem Ueberschuß der Gemeinschaft zugerechvet und kommen mit demselben zur Vertheilung. Hiernach berechnet sich der hessische Antheil am Gesammt- übrrschuß sür 1897/98 auf 9 775 000 Mk., für 1898/99 10068000 Mk. und für 1899/1900 auf 10370000 Mk. Dabei wird sich durch daS Fortschreiten der Baues der hesfischen Nebenbahnen und die Erbauung der Eisenbahn- brücke und die Erweiterung deS Bahnhofes zu Worms die TheilungSziffer HeffenS noch erhöhen. Nach Abzug der Zinsen der jetzt bedeutenden hesfischen Eisenbahnschuld verbleibt Hessen sür das laufende Budgetjahr auS der Be- rriebSgemetnschaft mit Preußen ein Retuüberschuß von 2 195 800 Mk. und fällt diese hohe Verbesserung der hesfischen Staatseinnahmen naturgemäß bedeutend tu die Waagschale.

* Die ReichSbaul hat den LombardztnSfuß auf 6 pCt. erhöht.

e Stadttheater. DaS gestern Abend zum zweiten Male zur Aufführung gelangte Märchen-DramaDie ver­sunkene Glocke" fand vor gut besuchtem Hause statt. Die Wiedergabe deS Stücke» war auch diesmal eine gutt zu nennen und fand beim Publikum lebhaften Beifall.

* * Stadttheater.Rosenkranz und Güldenster n" von Michael Klepp, augenblicklich ständige» Repertoirstück des Sgl. Schauspielhauses in Berlin, wird an der hiesigen Bühne morgen Mittwoch den 13. ds. MtS. ausgeführt. Die Direction Sruse und Helm beabsichtigte Anfangs mit diesem Stücke, daS fich in Berlin aufs Neue al» sehr wirkungsvoll erwiesen hat, die Saison zu eröffnen.

Raoul Koczalski-Souceri, am Freitag den 22. Oc­tober. Anknüpfend an einen früheren Artikel in unseren Spalten, berichten wir, daß uuS außer einer Fülle von Rrtheileu bedeutender Musikkritiker, die ausnahmslos die Künstlerschaft KoczalSktS anerkennen und bewundern, da«

Programm für den Gießener Eoncert-Abend vorliegt. Dieses Programm allein muß Jedem, auch wenn ihm der ausführende Künstler ganz fremd wäre, klar machen, welche hohe Stufe derselbe eiuoimmt. Richt eine Reihe Virtuosen- stückcheu werden uns da vorgeführt, die blendend die innere Hohlheit verbergen sollen, daS Programm enthält auch nicht eine einzige Nummer, die nicht musikalisch werthvoll wäre. Mit Beethovens Ls-äur-Sonate (op. 31®) beginnt daS Con- cert und schließt mit Gounod-Liszt Faust Walzer. Dazwischen liegen Compofitiouen von Lhopin, Liszt, Hummel und eine kleine Anzahl eigener Schöpsungeu, denn KoczalSky hat fich auf dem Gebiete der Eompofition bereits mit vielem Glück bewegt.

Echnitzeljagd. Die am Sonntag von den Wan­derern, G.R.-G., veranstaltete Schvitzeljagd nahm trotz der ungünstigen Wetters einen animirteo Verlauf. Die vier Füchse, welche von der Lahubrücke aus gestreut hatten, machten den 24 Theilnehmeru der Jagd die Aufgabe nicht fehr leicht. Mit großer Schlauheit war das Gebiet um Krofdorf, Wißmar, Rodheim, Kinzenbach, Atzbach und Heuchel­heim , die Rodheimerstraße als Mittellinie, als Jagdgebiet vorbereitet und erst verbältvißmäßig spät, gegen 6 Uhr Abends, glückte eS dem ersten Fahrer, einen Fuchs in Sicht zu bekommen. Am Abend vereinigte die Wanderer ein ge- müthlicher Commers in ihrem neuen Clublocal im Restau­rant Royal, wo die PreiSvertheilung stattfand und mau in feucht-fröhlicher Stimmung gemüthlich bei einander blieb.

Turnerische». In der Turnhalle des Mainzer Turn­verein» fand am Sonntag Vormittag ein Turnen der Freien- Vorturner - Verei nigung des Mittel- rheinkreiseS statt. ES beteiligten fich daran die Vor- turnerschaften von Bockenheim Turnverein Vorwärts, Frank­furt Turngemeinde, Gießen Turnverein, fämmtlich am Reck, Offenbach Turogesellschaft, Wiesbaden Turnverein am Barren, Offenbach Turnverein am Pferd, Frankfurt Turnverein an zwei Pferden in Kreuzstellung, Wiesbaden Männer-Turn­verein Uebung mit langen Stäben uud langem Pferd und Mainzer Turnverein am Spruugtisch. Als Gäste waren vertreten: der Turn- und Fecht-Club von Mainz und Lud­wigshafen, die Turngemetnden von Hanau und Wormö, der Männerturuverein von Gießen und der Turnverein Vor­wärts von Homburg v. d. H.

* Handwerker Petition. Der Vorstand desLandes­verbandes hessischer Handwerker und Gewerbetreibender" hat folgende Eingabe an daS Großherzogltche Ministerium ge­richtet :Hohem Ministerium des Innern gestatten wir un- ganz ergebenft davon Kenntniß zu geben, daß in Folge Be- schluffeS der Generalversammlung zu Mainz vom 16. v. M. der VerbandHessischer Innungen und Berufsveretne" jetzt den NamenLandesverband hessischer Handwerker und Ge- werbetreibender" führt und dar angeschloffene Statut zur Grundlage hat. Bei dieser Gelegenheit erlauben wir unS anzuführen, daß in der erwähnten Versammlung auch zu dem neuen Handwerkergesetz Stellung genommen wurde, uud die Versammlung einstimmig zu der Anficht gelangte, daß eine ersprießliche Thätigkeit nur dann entfaltet werden könne, wenn für jede Provinz deS GroßherzogthumS Heffen eine Handwerkerkammer errichtet würde. Ferner wurde beschloffeu, Hohes Ministerium des Innern zu bitten, daS gemäß § 103m der Gewerbeordnung« Novelle seitens der Landescentral­behörde zu erlaffende Statut vor deffen enbgiltigei Fest­stellung unserem Verband als Vertreter des corporirten Handwerks in Heffen zur gutachtlichen Aeußerung zugehen lasten zu wollen. Indem wir hiermit diesen Beschluß zur Ausführung bringen, sehen wir der hochgeneigten Entschließung Großh. Ministeriums ganz ergebenft entgegen."

* * Amerikanische Butter soll demnächst auf dem deut­schen Markt erscheinen. Wie der landwirthschaftliche Sach­verständige bei der deutschen Botschaft in Washington der deutschen LandwirthschaftS-Gesellschaft mitgetheilt hat, soll be­reit» in Hamburg ein Quantum nordamerikanischer Butter zum Verkauf liegen. Nach Mittheilungen, die der Vorstand der Abtheilung für Molkereisachcn im amerikanischen Land- wirthschastSwinisterium dem deutschen Sachverständigen ge­macht hat, kostet der Transport vom Staate Minnesota bi- nach England auf den Markt 2,5 Cts. aufs Pfund oder 23 Pfg. auf» Kilogramm, wobei die Butter sowohl während der 2000 Kilowtr. langen Bahnfahrt, al» auch während de» Seetransporte» ununterbrochen in Kühlkammern mit einer dem Gefrierpunkt naheliegenden Temperatur gehalten wird.

Wetterbericht. Nach vorübergehender Zunahme ist der Luftdruck auf» Neue über Central-Europa etwas erheb­licher. Eine ziemlich tiefe Depression, deren Centrum, so viel die mangelhaften Nachrichten ersehen lasten, an der West­küste Norwegens liegt, breitet fich nach Süden gegen den Kontinent herein au» und drängt dabei da» barometrische Maximum zurück. Damit zeigt fich wieder da» Gebier de» hohen Drucke» in mehrere Kerne gespalten und weist auch in seiner Begrenzung verschiedene Unregelmäßigkeiten auf. Voraussichtliche Witterung: Zunächst wechselnde Be­wölkung, dann etwa» wärmer und neuerdings Eintritt von schlechterem Wetter.

T Lollar, 12. October. In der Nacht von SamStag auf Sonntag wurde hier bei Schlostermeister Kutscher ein Einbruchsdiebstahl verübt, wobei demselben 130 Mk. gestohlen wurden. Es ist dies innerhalb der letzten 3 bis 4 Jahre schon der 8. bis 10. Einbruch, ohne daß e» bis jetzt möglich gewesen wäre, den Thäter ermitteln zu können.

-11 Herbstein, 10. October. Ein Leichenzug, wie ihn unser Städtchen wohl nie gesehen, bewegte fich am heutigen Tage durch unsere Stadt, vom Schulhause au» trug man die Leiche de» allbeliebten, in weiten Kreisen hochgeachteten Lehrer» Mohr, dem e» vergönnt war, fast 30 Jahre an unserem Ort seine segensreiche Wirksamkeit zu entfalten, zu Grabe. In der Blüthe der Jahre, im rüstigen Manne-alter, noch nicht 50 Jahre zählend, ereilte ihn eine tückische Krank­heit, die langsam aber stetig sein Ende herbeiführte. Schon

lange, bevor die Todtenglocken traurig vom Thurme hallten^ sah man alle die vereine und Corporationev vor dem Schul­hanse fich versammeln, deren Leiter, Dirigent oder Prästdent er war. Der Verstorbene wußte eben als würdiger Lehrer fich Eingang zu verschaffen in alle kreise und überall nahm er eine geachtete Stellung ein. Damm leiteten ihn zu Grade mit Trauer klängen der Mufikoerein Herbstein, deffen Be­gründer er war, der Sriegerverein Herbstein und die übrigen Kriegervereine deS Bezirks Vogelsberg, deren Präsident er war. der GesangvereinBruderliebe" Herbstein, deffen Diri­gent er fast 25 Jahre lang gewesen, der Bezirkslehrer­verein Herbstein, deffen hochverdienter Obmann er war, die Pflichtfeuerwehr der Gemeinde Herbstein, die ihn zu ihrem Hauptmann erkoren und endlich die Schulkinder, deren Lehrer und Erzieher er war, Alle leidtragend, über den schmerzlichen Verlust eine» guten ManneS.

§ An» dem Kreise Alsfeld, 11. October. Trotz der auf einer nicht niedrigen Stufe stehenden Preise für daS Fleisch find die Preise für daS Wildbret nicht hoch. Man bezahlt für die Hasen per Stück 2,50 bis 2,80 Mk., für die Feldhühner 50 bis 80 Pfg. nach dem Alter. Zwei­fellos dürfte der Preis für die Hafen bei dem bevorstehenden Beginn der großen Hasenjagden unb der Gänsezeit noch tiefer sinken. DaS Resultat der Hasenjagd auf den Feldbezirken ist für viele Gemarkungen ein Beweis, daß der Hase hierin immer seltener wird. In der That wird auch keinem Wilde mehr nachgestellt, wie dem Hasen. Ja unseren GebirgSbe» zirken kommt übrigen» der Hase viel seltener vor, wie in der Ebene, da diese sein eigentlicher Aufenthaltsort ist. ES dürfte sich deshalb gewiß für die Jagdbefitzer unserer Bezirke empfehlen, den Hasen etwas mehr zu schonen, soll derselbe ander» nicht ein selteneres Wild, wie seither, hier werden. Die Hühner waren bet der Eröffnung der Jagd schon sehr stark, so daß sie schlechthielten", wie der Jäger zu sagen pflegt. Die Züchter von Kaninchen klagen über da» häufige Eingehen derselben. Sie schreiben die Ursache hier­von einer Krankheit zu, welche seuchenartig auftritt. Vielleicht ist aber da» jetzt übliche verfüttern von Blättern der Erd- Gewächse, die um diese Zeit kalt und feucht, und nicht selten von Melthau befallen find, die Erkrankung-Ursache.

Ober-Florstadt, 10. October. Gestern hatten mehrere Kinder ans dem Felde ein Kartoffelfeuer angezündet. Eine» der Kinder im Alter von 5 Jahren kam dem Feuer zu nahe, wurde von demselben erfaßt unb verbrannte, ehe noch Hilfe zur Stelle war.

Versicherung gegen Arbeitslosigkeit.

Unfälle, Krankheiten unb Jnvalibität ober Alter hinbern o manchen braven Arbeiter, seine Kraft für ben eigenen und ben Unterhalt seiner Familie einzusetzen. Die sociale Gesetz­gebung hat in biesen Fällen schon hilfreich eingegriffen, unb wenngleich fie noch keinen ibealen Zustanb geschaffen bat, so I,at fie doch zweifello» den schlimmsten Mißständen abge­holfen unb btt Arbeiterverhältniffe gegen früher erheblich Verbeffert.

Zwei Lücken bestehen noch, bie maagelnbe Fürsorge für bie Wittwen unb Waisen ber Arbeiter unb ber Schutz gegen die Folgen unfreiwilliger Arbeit»lofigkeit. Eine gewifie ©olibaritat ber Staatsbürger zur Abwehr ber Noth von olchen BoikSgenoffen, bie burch Mangel an Arbeitsgelegen­heit außer Nahrung gesetzt sinb, besteht also schon jetzt. Was infolge ber socialen Entwickelung neuester Zeit weiter »er­langt wirb, zielt in erster Linie bahin, bah bie bem Arbeits­losen gewährte temporäre Aushilfe den Character einer Armeo- unterftützung abstreife. Der Lohnarbeiter, ber ohne feine Schuld sein Brod verliert und augenblicklich keine andere Gelegenheit zur Berwerthung seiner Arbeit findet, soll nicht durch die Form der Unterstützung mit Arbeitsscheuen unb Gewohnheitsbettlern auf eine Linie gestellt werden.

Man ist, al» vor einigen Jahren da» Problem, wie von den Arbeitslosen am zweckmäßigsten nicht bloS wirth- schaftliche», sondern auch fittlicheS Unheil abgewendet werden könnte, von Communen und gemeinnützigen Gesellschaftm practisch in Angriff genommen wurde, zur Verhütung sitt­licher Gefahren vor Allem darauf bedacht gewesen, ber Unter­stützung eine solche Form zu geben, baß baburch bie Selbst­achtung be» Arbeiters geschont bliebe. Zu bleiern Behuf würben Einrichtungen getroffen, welche bem Arbeitslosen ein Recht auf gewifie Unterstützungsbeträge gaben. Diese» Rech- mußte burch vorhergegaugene Einzahlungen in bie Kasse des verbanbe» erkauft werben.

Die von mehreren Communen in Deutschlanb unb in ber Schweiz gemachten versuche haben Überall nur ungünfrigt Erfolge erzielt. Die Ursache beß Mißlingen» ist auch überall deutlich zu Tage getreten. Eine unklare Vermengung bei Princip» ber Versicherung mit bem ber Armenpflege, eint Einrichtung, welche bie Inanspruchnahme ber Mildthätigkei! zu einer Rechtsforderung umftempelte, ohne über baS fttt bie BerbaubSkafie zu schaffende Berhältniß von Forderuvt unb Leistung klare unb practisch burchsührbare Bestimmungen zu treffen, ermangelte burchauS ber Gewähr, baß eine bauernbt oie befriebigenbe Lösung be« Problems in fich schließet Veranstaltung barauS hervorgehen könnte.

Der Parteitag ber beutschen BolkSpariei in Ulm Hs: fich neuerbingß mit ber Frage beschäftigt. Um gleich practist vorzugehen, hat man einen Ausschuß eingesetzt, ber eiaen Gesetzentwurf ausarbeitete für communalt Versicherung gegn Arbeitslosigkeit. Der Gesetzentwurf unterscheibet arbeite bei bentn bie Arbeitslosigkeit nicht zu gewifien Jahreszeit^ wiederkehrt, unb solche, bei benen bieS ber Fall ist- i^{ dieser klaffen ist in brei Einsen je nach bem Einkowmo geteilt. Der Beitritt soll obligatorisch sein. Für bie 9t' tröge ber Arbeiter unb Arbeitgeber sinb wöchentliche Maxims beiträge angenommen, bie in ber höchsten Klaffe (Saison arbeitet mit mehr al« 24 Mk. Wochenlohn) für den Arbettu 40 Pfg., für den Arbeitgeber 20 Pfg. betragen, währei-' ber Zuschuß ber Gemeinbe nicht 4 Mk. jährlich für w