Ausgabe 
13.10.1897 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Mittwoch de« 13. Oetober

Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gietzen.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 llhr.

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Alle Lmumcen-Bnreanr de- In. und Au-lande» nehme» i Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgeh«.

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mit den inneren Angelegenheiten der Türkei zu beschäftigen, ! waS der Sultan so viel wie möglich zu vermeiden sucht.

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der Exp ort eure oder deren Agenten vor dem Consul zwecks Beglaubigung der Facrura für die nach den Vereinigten Staaten einzusührendeu Waareu ausnahmsweise abgesehen werden.

»etlii, 11. October. Der Minister deS Innern hat den Regierungspräsidenten und dem Polizeipräsidenten von Berlin die Ermächtigung ertheilt, künftig in geeigneten Fällen für die Ermittelung von Verbrechern Belohn- ungen bis zum Höchstbetrage von 500 Mark anstatt wie bisher 300 Mark, selbstständig auszusetzen und zu bewilligen.

Berlin. 11. October. DerReichsanzeiger" theilt mit, daß dem Geh. Rath vr. v. LucanuS das Großkreuz des Verdienstordens der bayerischen Krone verliehen worden ist.

Berlin, 11. October. Die internationale Lepra« Conferenz ist heute im Festsaale deS Kaiserlichen Gesund­heitsamtes feierlichst eröffnet worden. In Vertretung der Reichsbehörde war Staatssekretär PosadowSkh, für das preußische Medicinal-Ministerium u. A. Minister vr. Bosse erschienen. Die Theilnehmer und Mitarbeiter der Conferenz hatten sich vollzählig eingefunden. Officiell vertreten Ware» u. A. Hawaii, Portugal, Griechenland, Türkei, Rumänien, Chile, Bulgarien, Columbien, Japan, Britisch-Westindien, Dänemark, Vereinigte Staaten von Amerika, Norwegen, Schweden, Belgien, sowie zahlreiche wiffenschaftliche Körper­schaften, Städte und dergl. Im Namen des vorbereitende« ComitsS begrüßte Profeffor L a f f a r die Erschienenen. Nach, dem sodann den Anwesenden der neueste Band der Mittheil- uugen der Lepra Commission überreicht worden war, wurde unter lebhaftem Beifall Profeffor Virchow mit dem Vorsitz der Conferenz betraut. Ja Vertretung deS Reichskanzlers ergriff Staatssekretär PosadowSkh daS Wort, um der Con­ferenz eineu herzlichen Gruß zu entbieten unter dem Hin­weise auf die hohe Bedeutung der Conferenz für die ge­kämmte Menschheit. Im Namen der preußischen Regierung begrüßte vr. Boffe die Conferenz, worauf er nähere Mit- theilungeu über die Ausbreitung der Krankheit im Kreise Memel und den umliegenden Gebieten machte, in denen 34 bezw. 7 derartige Fälle vorkamen. Er verwies auf die in die Wege geleitete Errichtung eines besonderen Lepra- sociums. Er schloß mit der Versicherung, daß auch der preußische Staat der Conferenz lebhafte Sympathien ent- gegenbringe und die Ergebnisse derselben im eigenen Laude gexn verwerthen werde. Nunmehr trat die Conferenz in die Tagesordnuag ein. Die einleitenden Vorträge hatten der Delegirte der französischen Akademie der Mediciu vr. BeSnier ParieS, vr. Hansen-Bergen, vr. Jonathan Hutchin- son Loudon, Geh. Medictnalrath Profeffor Neisser-BreSlau, Profeffor Neumann-Wien, v. Petersen-Petersburg übernommen. Nach der Tagesordnung fanden mehrere kleine Borstellunge» statt.

Hamburg, 11. October. Die hiesige Strafkammer ver- urtheilte heute den Redacteur Stentzel vom Hamburger Echo" wegen Beleidigung des Königs der Belgier zu acht Monaten Gefänguiß.

Wie», 11. October. Maßgebenden Ortes bezeichnet ma» die gegenwärtige Situation im Orient weit unerfreu­licher als zur Zeit der FriedenSverhaudlungen. Neben den Schwierigkeiten bezüglich der kretenfifchen Frage laufen auk Makedonien beunruhigende Nachrichten ftin. Nach diesen be­mächtigte sich der bulgarischen Bevölkerung große Aufregung, weil der Bali die Eröffnung der serbischen Schulen gestatte» werde. In Mitrovici und Prilip tauchen bulgarische Bande« auf und in zahlreichen bulgarischen Flugblättern wird erklärt, das Exarchat werde die serbisches Notablen und Führer aus dem Wege räumen. Gleichzeitig werden die makedonische« Bulgaren aufgefordert, ihre von den Serben bedrohte Natio­nalität mit Gut und Blut zu vertheidigen. Au amtlicher Stelle etugelaufene Berichte schildern die Situation als bedenklich und die Abseudung einer Ermahnung an die Pforte ist wahrscheinlich. Der Pester Lloyd präjudieirt einen solchen Schritt in einem scheinbar iuspirirteu Artikel, welcher sich in scharfen Worten darüber äußert, daß in Sofia die nationale Zukunft MacedouienS nur als eine Machtfrage angesehen werde und auch Serbien eindringlich davor warnt, auf eigene Faust große Politik zu machen.

Rom, 11. Oktober. Der Cardinal Staatssekretär Rampolla hat au die Nuntien ein Rundschreiben gerichtet, in welchem er fie anffordert, die Aufmerksamkeit der katho­lischen Mächte auf die neuen Bedrückungen zu lenken, denen die katholischen Gesellschaften in Italien ausgesetzt find.

Loudon, 11. Oktober. Einer Depesche der Indian Office zufolge find bis jetzt in den Kämpfen in Indien 119 Mann, darunter 14 Offiziere getödtet word«. 580 Mauo, darunter 35 englische Offiziere, find verwundet.

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Neue Sorgen des Sultans.

Daß der Beherrscher aller Gläubigen nicht auf Rosen gebettet ist, wird wohl von keiner Seite ernstlich bestritten. DaS fortwährende Parlamestiren mit den übrigen Groß­mächten, welche zum Leidwesen deS Sultans ihre Nase so oft selbst in interne Angelegenheiten der Türkei stecken, ist allein schon geeignet, den widerstandsfähigsten Menschen nervös zu machen. Freilich kommt dem Sultan zu Statten der muhamedanische Glaube au das Fatum, an das den Gläubigen unabwendbar vorgesehene Geschick, welches durch keinerlei menschliche Handlungen abgeäudert werden kann. Welche Schwierigkeiten es bereitet hat, die Vorbedingungen für den Abschluß deS Friedens zwischen der Türkei und Griechenland sestzusetzen, haben wir an dieser Stelle verschiedene Male an­zuführen Gelegenheit genommen und dabei gezeigt, daß die türkische Taktik der Verschleppung eines der hauptsächlichsten Kampfmittel der Konstantinopeler Diplomaten ist und meistens ihren Zweck nicht verfehlt. In dieser man darf sagen Kunst find die Muselmänner Meister, und fie vervoll« kornmnen fich in derselben immer mehr. Was fie heute ver­sprachen, widerriefen fie morgen, und so haben fie eS bekannt- kich fertig gebracht, eine Reihe von Monaten den Abschluß der Friedenspräliminarien hinauszuschieben, immer in der Hoffnung, die Großmächte umzustimmen und größere Bortheile aus dem siegreichen Krieg für fich zu erzielen. Im Feilschen und Unterbieten hatten aber die Türken diesmal in dem Rathe der Großmächte ihren Meister gefunden, die dem Sultan nur einen geringen Lohn für den erfolgreich geführten Kampf zukommen ließen. Jetzt ist man bekanntlich dabei, vuf Grund der Friedenspräliminarien den definitiven Vertrag «bzuschließrn, war aber vorauSfichtlich auch noch recht geraume Zeit in Anspruch nehmen wird. Denn daß die Türkei mit einem Male ihren bisherigen Prinzipien untreu werden und -hve Winkelzüge den Vorschlägen der Großmächte klipp und Nar zustimmen sollte, ist nicht gut anzunehmen.

Während also die türkische Diplomatie jetzt in bester Arbeit ist, kommen auS verschiedenen Theilen deS OSmanen- retcheS Meldungen, welche wohl geeignet find, dem Sultan neue Sorgen zu bereiten. Man hat in letzter Zeit den Fürsten Ferdinand von Bulgarien im Yildiz-KioSk stark im Verdachte, gegen seinen Suzerain zu wühlen. Es ist noch in frischer Erinnerung, daß dieser Fürst den Gedanken veutilirt, sich die KänigSkrone aufs Haupt zu setzen, und seine jüngste Reise auch Konstantinopel brachte man mit der Verwirklichung dieser Absicht in Verbindung. Die Beispiele Serbiens und Rumäniens [offen ihn anscheinend nicht schlafen, und mit allen Mitteln sucht er die Erfüllung seiner Pläne zu erreichen. Da er beim Sultan wenig Verständniß für seine Wünsche gefunden hat, so sucht Fürst Ferdinand jetzt eine paffende Gelegenheit, um mit der Türkei avzubindrn und den Sultan eventuell durch alle möglichen, diesem zu bereitenden Schwierigkeiten zur Nachgiebigkeit zu bewegen. Diese Gelegenheit hat fich jetzt in Makedonien geboten, wo man die bulgarische Be­völkerung aufgewiegelt hat, weil der Vali die Eröffnung der serbischen Schulen gestattete. Serben und Bulgaren be­obachten dort einander mit stets wachsender Eifersucht auf die beiden Nationalitäten gewährten Vorrechte, und eS ist nicht unmöglich, daß die Sache auf eine Krifis hinauSläuft, da die großbulgarische Partei bekanntlich seit langer Zeit An- spruch auf Makedonien erhebt. Der Sultan wird genöthigt sein, besondere Maßregeln zu ergreifen, umsomehr, als Bul­garien trotz aller Ableugnungen den Bau von Befestigungen an der türkischen Grenze betreibt und auch sonst in unlauterer Absicht gegen die Türkei wühlt.

Eine weitere beunruhigende Nachricht ist auS der astatischen Türkei eingelaufen, wo ein ernster Aufstand der Araber auSgebrochen sein soll, der die Absendung von Truppen aolhwendig machte. Etwas Näheres darüber ist noch nicht bekannt, doch darf man annehmen, daß die Meldung den Sultan mit schweren Besorgnissen erfüllt, da eS ihm bekannt­lich zur Anwendung außerordentlicher Maßnahmen immer am Besten fehlt, nämlich an Geld. Der letzte Krieg mit Griechen- land hat die ohnehin schon sehr mageren Kaffen der Pforte vollends erschöpft, und auf die Zahlung der KriegSkosten- «»tschädigung muß noch einige Zeit gewartet werden. Die Ottomanbank ist auch nicht sofort bereit, große Summen »orzustrecken, und im AuSlande Anleihen aufzunehrnen, ver- lucht die Pforte gar nicht mehr, da fie weiß, daß ihr alle Taschen verschloßen find. Zu allen diesen Sorgen kommt »och, daß die türkische Regiernng in Konstantinopel selbst Ammer auf dem Quivive stehen muß, um einem etwaigen AuS- »ruch des muselmännischen Fanatismus vorzubengen, der die «nropäischen Großmächte veranlaffen könnte, sich von Neuem

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WolffS telegraphisches Lorrefpondmz-Bureew.

Berlin, 11. Oetober. Die Wiederaufnahme des vollen Betriebe- in denBerlinerEisengteßereieu erfolgt heute. Die Wiedereinstellung von etwa 450 Formern wurde größtrntheilS durch den Arbeitsnachweis des Verbandes der Berliner Metallindustriellen vermittelt.

Dresden, 11. Oktober. König Albert ist heute früh von Wien hier etogetroffen.

Stuttgart, 11. Oktober. Amtlich wird gemeldet: Am Samstag Abend ist auf der Station Vaihingen a. F. die Borspannmaschine de- Zuge- 964 infolge Unachtsamkeit deS Führers auf den in der Einfahrt begriffenen Personevzug 285 aufgefahren. Beide Lokomotiven find entgleist und e- waren infolge deffen beide Geleise bis 2x/% Uhr Morgens gesperrt. Reisende wurden nicht verletzt, dagegen erlitten zwei Bedienstete unbedeutende Verletzungen. Der Material­schaden und die Beschädigungen an den Geleisen ist gering. Eine Untersuchung ist eingeleitet.

Ron», 11. Oktober. Heute Nachmittag 3 Uhr begaben fich die Theilnehmer an der gestern beschloffenen Kund­gebung unter Führung de- Profindaco von Rom, de-Prä- fidenteu der Handel-kammer und anderer Delegirten im Zuge nach dem Ministerium de- Innern, um die in der gestrigen Versammlung angenommene Tagesordnung bezüglich der Er­höhung der Einschätzung zur Einkommensteuer zu überreichen. Ministerpräftdeat di Rudini empfing eine größere Abordnung der Manifestanten und erklärte ihr, daß alle- innerhalb der gesetzlichen Grenzen Mögliche geschehen werde, um zwischen den Steuererhebern und den Steuer­zahlern eine freundschaftliche, von größter Billigkeit und Ge­rechtigkeit eingegebene Verständigung herbeizuführeu. Tine große Menschenmenge füllte die Piazza Navooe und die benachbarten Straßen. Einige Rädelsführer benutzten die Menschenansammlung und versuchten, an einigen Punkten daS Straßeupflaster aufzurrißen. Hierbei kam e- zu einem Zu­sammenstoß mit der Polizei. Sech» Polizisten wurden ver­wundet, ein Rädelsführer getödtet.

Rom, 11. Oktober. Der Zusammenstoß von Ruhe­störern mit den Organen der Staatsgewalt fand in der Lorenefigaffe bei der Via del anima statt. Dort hatten fich erregte Volksmaffen angrsammelt, die ausrührerische Rufe an-stießen, Pflastersteine aufriffeu und Revolverschüffe ab­gaben. Die Polizribeamten mußten gleichfalls von ihren Schußwaffen Gebrauch machen. Die Person de» getödteten Ruhestörers konnte noch nicht festgestellt werden. Bon den sieben verwundeten Beamten gehören vier zu der Polizei- wachmaunschaft und drei find Carabinieri. Einer der letzteren ist schwer verwundet. Auf Seiten der Ruhestörer konnten bisher drei Verletzte festgestellt werden. Einer wurde schwer getroffen- Es wurden einige zwanzig Verhaftungen vor- grnommen.

Depeschen de» Bure«« .Herold/

Darmstadt, 11. Oetober. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen find Abend- nach Crouberg zurückgereist, wohin morgen da- russische Kaiserpaar nachfolgt. Heute Abend findet beim Großherzoglichen Paar Souper und Tanz statt, wozu die Hofgesellschaft 24 Ein­ladungen erhalten hat. DaS russische Kaiserpaar hat sein Erscheinen zugesagt.

Berlin, 11. Oktober. DemReichsanzeiger" zufolge find nach der im ReichS-Eisenbahnamt ausgestellten Nachweisung der auf den deutschen Eisenbahnen ausschließlich Bayern im Monat August d. I. folgende Betriebsunfälle zu ver- zeichnen: Entgleisungen auf freier Bahn 14, Entgleisungen in Stationen 21, Zusammenstöße auf freier Bahn 3 und in Stationen 20, sonstige Betriebsunfälle 158. Bei den Unfällen wurden 11 Reisende getödtet, 64 verletzt, 35 Bahnarbeiter und Bahnbeamte im Dienst getödtet, 79 verletzt, 2 andere Beamte im Dienst verletzt, 16 fremde Personen einschließlich der nicht im Dienst befindlichen Beamten und Arbeiter getödtet, 17 verletzt.

Berlin, 11. Oktober. Trotzdem Staatsminister v. Boetticher in der Linkftraße in Berlin eine Wohnung gemiethet hat, wird angenommen, daß er in nicht ferner Zeit ein Oberpräfidium übernehmen wird.

Berlin, 11. Oktober. Nach einer an die Consnln der Vereinigten Staaten von Amerika ergangenen amtlichen Ver­ordnung kann von dem Erforderniß des persönlichen Erscheinen-

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