fand die Laufe des ErfatzkreuzerS statt. Nach einer kurzen Taufrede des Prinzen Heinrich taufte die Königin den Kreuzer auf den Namen „Freya". Um 12 Uhr fuhr die Kölltgiv bet dem ArtuShof vor, wo ein Gabelfrühstück stattfaod.
Wie». 11. Mai. Ja hiesigen tnformirteu diplomatischen Kreisen wird versichert, daß die FriedeuSverhand- luogen zwischen der Türket und Griechenland tu vollem Gange find. Jedoch wird betont, daß alle Meldungen über türkische oder griechische Bedingungen nur einen platonischen Werth haben. ES gebe weder griechische noch türkische FriedenSbedtogungen, sondern nur europäische. Auf einen Gebietszuwachs dürfe man in Konstantinopel nicht rechnen.
Budapest. 11. Mai. Bis jetzt ist von einer erfolgten Dewtfstou BanffyS noch nichts bekannt, obwohl mau den Eintritt dieser Eventualität nicht als außer dem Bereich der Möglichkeit liegend betrachtet.
Gent, 11. Mai. Eine große Feuersbrunst zerstörte die Weberei de la DyS Hierselbst. Der Schaden beträgt 210000 FrcS. Etwa 450 Arbeiter find brodloS.
Paris. 11. Mai. Der „Figaro" meldete gestern, die Baronin Hirsch habe für die WohlthatigkeitS- Vereine eine große Summe gespendet. Ein Schreiben des Erzbischofs an die Preffe erklärt jedoch, daß diese Summe von katholischer Seite herrühre unb daß der oder die Geber da- absolute Jncoguito bewahren wollten. Nur der Präsident und der Schatzmeister de- BazarS kennen die Namen.
Parts. 11. Mat. Der Erzbischof von Part-, Cardinal Richard, hat an den Präsidenten Faure einen Brief gerichtet, welcher von den Blättern heftig erörtert wird. Die republikanischen Blätter erblicken in diesem Schreiben den Beweis dasür, daß der Papst und der hohe Cleru- in der letzten Zeit nicht ohne Erfolg die Regierung zu Gunsten der Conservativen und der Monarchisten bearbeitet haben.
Paris. 11. Mat. Den Morgeublattern zufolge ist die Exkönigin von Madagaskar zum KatholictSmuS übergetreten.
Lauda». 11. Mai. Auf der Insel Man ist eine Blei- grübe plötzlich überschwemmt worden- 17 Arbeiter haben dabei ihr Leben verloren.
Kopeohage», 11. Mai. DaS Ministerium hat heute demissionirt.
MoSka». 11. Mat. Aus gut unterrichteter Quelle kommt die Meldung, daß über den Besuch des Präsidenten Faure betmKaiser von Rußland allerdings eine eodgiltige Disposition noch nicht getroffen worden ist- doch würde eine eventuelle Verschiebung des Besuchs mit dem Befinden der Zarin und anderen außerhalb der Politik ge- legenen Momenten Zusammenhängen. Die Reise finde jeden- falls statt und zwar unter Umständen, welche den Beweis liefern werden, daß eine Erkaltung in den Beziehungen zwischen Rußland und Frankreich nicht eingetreten ist.
Athen. 11. Mat. Dte Regierung wird die Note der Mächte, in welcher diese ihren Entschluß kundgebeo, im Jntereffe de- Frieden- intervenireu zu wollen, mit der Er- kiärung beantworten, daß sie dte Jntereffe« Griechenlands den Mächten anvertraue.
Athen, 11. Mat. Aus Domoko wird gemeldet, daß der Kronprinz einen Tagesbefehl bekannt gab, jedem Angriffe der Türken Stand zu halten und womöglich zur Offensive überzugehev. Zwischen den griechischen Borposten und der türkischen Avant-Garde fand ein Gefecht südlich von Domoko statt.
Athen, 11. Mai. Für heute wird eine Note erwartet, welche einen 14tägigeo Waffenstilstand zwischen der Türkei und Griechenland fordern soll.
Athen, 11. Mai. Rallt und der Minister deS Aeußern cooserirteu lange mit dem deutschen Gesandten. Dte erste griechische BertheidigungSlinie erstreckt sich von DomokoS bis LutroS, dte zweite läuft auf der früheren Grenze hin, dte dritte bilden dte Therwopylen Man glaubt, Edhem Pascha werde nicht sobald einen Angriff wagen, aus Furcht vor den Gefahren deS Gebirges. Bisher fand kein Gefecht statt.
Saloniki, 11. Mai. Gestern wurde von dem griechischen Geschwader eine Ortschaft im Cap Kaffandra bombardirt, angeblich als eine Erwiderung aus türkisches Infanterie« Feuer. ___________
Athen, 12. Mat. Dte BerschanzungSwerke von Domoko find fertig gestellt. DaS achte und zehnte Bataillon find dort eingetroffen. Auch dte vierte Batterie vom Lager SmolenSkiS ist nach Domoko abgerückt.
CtceUs tuet protHnjkttef«
Gieße», den 12. Mat.
ee von der Kunstausstellung em Brand. Unsere Kunst- Ausstellung zeigt nach dem letzten Btlderwechsel wieder so viel des Schönen, daß eS für den Kunstfreund lohnt, dort einen Besuch zu machen. Bon den Gemälden nennen wir Röchlings „Appell im Manöver". Ein ähnliches Bild ist die „Einquartierung", womit Pitz ne r« München die SuS« stellung beschickt hat. Schöne Marine-Bilder hat Pedro Muth-WormS ausgestellt, denen sich „Stillleben" von Georgine Nuhn-KarlSruhe, Karoline Ku bin-Wien, Jultauua Engler-Psorzheim anschlteßen. Unser Mitbürger Otto Fritz hat ein Gemälde ausgestellt, welches ein üppiges Getreidefeld der Wetterau darstellt, da- durch eine ländliche Schönheit belebt wird. Herr Fritz, deffen Specialttät die Porrrätmalerei ist, hat auch in diesem Genre die AuSstelluvß um mehrere Bilder bereichert. Auch ein ausgestellte- Kreide- Porträt desselben Maler- erregt da- Jntereffe der Ausstellungs-Besucher. Such den Freunden der Thierwelt ist Rechnung getragen. Die „Katzenfamtlie" von Emma Hör- lach er-Stuttgart, „Bussarde" von Clara Werner-Naumburg, Landschaft mit Kühen von Franz H o chm aun-Dresden
find Stücke, dte allgemein gefallen. Eine wirkungsvolle Farben- studie ist von Julius Fehr-München in seinem „Kasperletheater" ausgestellt.
•• Zum Borfitze»dea des hessische» PfarrvereiaS ist an Stelle des im oortgea Jahre vom Borsitz zurückgerreteuen PsarrerS Schuster zu Glauborg Pfarrer Schrimpf zu Butzbach wtedergewählt worden.
•♦P.A. Sport- »»b Volksfest t« Stehe». Alle Mau» an Bord! So heißt es zur Zeit bei den zur Vorbereitung de- auf den 30. Mat angesetzteu RadfahrfesteS gewählten Ausschüssen. Gilt eS doch den auf anderen Gebieten schon so vielfach bewährten guten Ruf als Feststadt für Gießen zu wahren bet der jetzt zum ersten Male in dieser Ausdehnung sich darbierenden Gelegenheit des RadfahrsportS. Nicht der einladende Berlin allein, nein, die ganze Stadt will und wird die Gäste cul Nah und Fern herzlich willkommen heißen, gastfreundlich aufnehmen- und darum wird nicht ein Sportfest allein, sondern eia Sport- und BolkSfest mit vereinten Kräften vorbereitet. Auf den Festplatz, von dem auS man eine herrliche Aussicht über die jeuseitS der Lahn malerisch sich ausbrettende Stadt und den dahioter- liegenden Schiffenberg genießt, schaueu dte stolzen Burgen Gleiberg, Vetzberg und Staufenberg hernieder. Sie sind stumme Zeugen aus alter Zeit von den durch die Poesie verherrlichten Touruiereu der Ritter, die tm Frieden hierbei Gelegenheit suchten uud fanden sich auSzuzetchnen- sie werden jetzt Zeugen sein bet den friedlichen Wettkämpfen deS neuesten Sport- uud den dabet veranstalteten BolkSbelufttguogen neuester Zeit. Dte Form hat gewechselt- der frische, fröhliche Geist, der kühne unternehmende Wagemuth jedoch, der in heißem Kampfe um die Palme deS Sieges ringt, ist derselbe geblieben, tritt aber tu schönerer, edlerer Gestalt in dte Erschetuung. In richtiger Würdigung dieses Umstandes werde« die Vorbereitungen mit peinlichster Sorgfalt getroffen und finden früher gemachte Erfahrungen eingehendste Berücksichtigung, so daß ein sicherer Erfolg mit Gewißheit erwartet werden darf. All Heil!
*♦ Si»e hessische Radfahrordmmg. Wie das „Darmst. Tgl." vernimmt, find bei unserer höchsten Landesbehörde Verhandlungen tm Gange, welche für den Radfahrerverkehr ein« hettliche Bestimmungen für da- ganze Land zu treffen bezwecken. Alle Radfahrer begrüßen eine« Erlaß nach dieser Richtung mit Freuden, da dte Verordnungen in deu einzelnen Kreisen zu verschieden sind und hierdurch gar oft unbeabsichtigte Uebertretungen, Belästigungen u. s. w. Vorkommen. Auch erhoffe« dte Fahrer und solche, die eS werden wollen, bezw. müssen, Erleichterungen in Bezug auf dte volle Ausnützung deS StraßengeläudeS zu bestimmten Tageszeiten und in bestimmten Entfernungen von Städten und Ortschaften.
*• Unter den Obstfchädltngen tritt dieses Jahr leider der Apfelwtckler in großen Massen auf. Seine Larve vernichtet dte zarten Blüthenknospen, dte thm zum leckeren Mahle dienen. Ein fleißige- Ansuchen der Bäume, soweit eß möglich ist, nach diesem Schädling kann darum nicht dringend genug empfohlen werden. Man löse vorsichtig die zusammengerollten Blätter und mache dem gewöhnlich die Flucht ergreifenden Racker den GarauS. Dieses BerntchtungSkampfeS könnte man allerdings mehr oder weniger überhoben sein, wenn unsere Singvögel besser als es immerhin geschieht, geschützt und gehegt würden. Darum Schutz und abermals Schutz den Singvögeln!
* ♦ Direkte Steuern. Wie da- Finanzministerium bekannt giebt, ist dte Gesammtsumme der directen Steuern, nachdem die Summe sämmtlicher Gewerbe«, Grund« und Capitalrenten- und Eiukommensteueicapitalien im Großherzog« thum auf 65,279,000 Mark festgestellt worden, auf 10,018,174.08 Mark berechnet, welche uach Maßgabe der auf die einzelnen Steurrcommiffariate kommenden Steuercapitalien vertheilt werden.
• * Maria Stuart. Im gestrigen Referat über dte Ausführung der Marta Stuart tm Theater-Verein haben sich mehrere Druckfehler etugeschltchen. Statt „glanzvollen" Spiels, soll eS heißen „planvollen" Spiels, statt „Kennedrh" „Kennedy", statt dem „Genius Schiller" dem „Genius Schillers".
* * Wetterbericht. Von Norden nach Süden erstreckt sich heute fast über ganz Europa ein Gebiet niederen Druckes, welches nur im äußersten Westen und Osten von hohem Druck begrenzt wird. Das DepressionScentrum verläuft als ein lang gestrecktes schmale- Oval von Scandtnavten in südlicher Richtung bis an unsere Nordgrenze. DaS barometrische Maximum hat sich neuerdings nach dem Nordwesten der briti« schen Inseln verlegt. Bet dieser Wetterlage ist Aussicht auf Besserung vorerst nicht vorhanden. — Voraussichtliche Witterung: Trübe-, kühles Wetter mit Niederschlägen.
Darmstadt, 11. Mai. Bei der gestern stattgehabtrn Neuwahl eine- Landtags-Abgeordneten für den 13 Wahlbezirk der Provinz Starkenburg (Darmstadt-Groß- Gerau) wurde Herr Geh. RegierungSrath Hechler wiedergewählt.
Epreodliage» (Kreis Offenbach), 10. Mai. Gestern Nachmittag wurde hier ei« etwa siebenjähriger, fremder Knabe aufgegriffeo,der weinte und über Hunger klagte. Er gab an, daß er aus Bockenheim fei und will gestern Morgen zu seinem Vater uach Frankfurt gegangen fein, wie aber der sauber und gut gekleidete Junge hierher gekommen ist, ließ sich nicht feststellen. Der Dirigent des hiesigen Gesangverein- „Eintracht", ein am Confer- vatorium in Frankfurt wirkender Lehrer, hat sich sofort bereit erklärt, den kleinen Abevteurer mit nach Frankfurt zu nehmen und zu seine« Elter« bringen zu wolle«.
Wimpfe», 8. Mai. Da in Folge der Einfuhr fremder Biere in die Gemeinden deS Bürgermeistereibezirks Wimpfe« innerhalb einer Reihe von Jahren vier hiesige Brauereien eingegangen, die noch bestehenden Brauereien dadurch auch zurückgegangen find und der Gemeindekaffe dadurch ein nicht unbedeutender Ausfall an Umlagen
entstanden ist, wurde in der letzte« GemeinderathSfitzung nach vorauSgegangeuer eingehender Berathung und Erwägung die Erhebung von Octroi auf sämmrlicheS in genannte Gemeinde einqeführr werdende Bler, einerlei, ob solche- für Wirthe oder Private bestimmt ist, beschlossen und zwar soll die Abgabe sür doS Hectoliter Bier 1 Mk. betragen. (Diele Schutzzollpolitik wird den guten Wimpfenern nicht« nütze«, denn die au-wärtigeu Brauereien werde« da- Bier nun um 1 Mark billiger liefern.)
Mainz, 10. Mai. In de« nächsten Tagen wird H?rr Oberbürgermeister Dr. Gaßner eine Commission berufen, welche sich mit der Frage der Errichtung eine- Denkmal- für unseren verdienstvollen verstorbenen Stadtbaumeister Kreyßtg zu befassen hat. Bei dem Jubiläum de- Herr» Stadtbaumeisters Kreyßig wurde von den zahlreichen Freunden des Jubilar- ein Fonds gesammelt, um zum t Renten an den Schöpfer von Neu-Mainz einen Brunnen zu errichnn. Damals wurde eine Summe von 8000 Mk. für biehn Zweck gesammelt und weitere Beiträge wurden in Aussicht gestellt.
* Die Kaiserpreis Steeple Chase kommt am nächste» Sonntag in Franksurt a. M. zur Entscheidung nnb dürsten 8 Reiter um den kaiserlichen Ehrenpreis kämpfen. Außer derselben stehen noch 5 Rennen auf dem Programm, für welche alle zahlreiche Anmeldungen eingelaufen find.
* Folgende heitere Glosse verzeichnen die „Berl N. N ", anknüpfend an die Entdeckung eines Gelehrten, der heraus« gefunden hat, daß die Arbeit, die das menschliche Herz bet der Bewegung deS Blutes leistet, genügen würde, 38 Kilogramm um einen Kilometer fortzubewegen. Da zu dieser Leistung, so schreibt daß Blatt, ein Electromotor von 31/« Watt nöthig ist und ein solcher Motor genügt, um eine Glühlampe von zwei Kerzen Leuchtstärke in Thätigkeit zu setze«, so folgert der Gelehrte daraus: Wenn dte Arbeit unfereß Herzens nicht noth«endig wäre zur Erhaltung unsere-Lebens, sondern zu unserer freien Verfügung stände, wenn wir ferner ein Organ hätten wie die leuchtenden Jnsecten, um diese disponible Arbeit in Licht umzusetzen, so würde jeder Mensch Tag und Nacht fortwährend mit der Stärke von zwei Kerzen leuchten, oder kurz gesagt: so wäre der Mensch eine Glühlampe und brauchte keine künstliche Beleuchtung mehr. Man kann aber, so meinen die „Lustigen Blätter", der Sache noch weiter auf den Grund gehen und wird dann zu folgen« dem Resultat kommen: Wenn ein Elektrotechniker eine Großmutter hat, und wenn diese Großmutter Räder hätte, so wäre sie bekanntlich ein Dmnibuß. Wenn nun dieser Omnibus eine Tante von 78 Kilogramm um einen Kilometer fortbewegt, so leistet er so viel Arbeit, wie ein Elektromotor von 71/2 Watt. Wenn die Drähte eineß solchen Motors in einer menschlichen Nasenspitze mündeten unb wenn diese Nase im Gesicht des Omnibußkutscherß säße, und wenn der Professor, der die Untersuchung gemacht hat, diese Nase btt Nacht und Nebel sälschlich für daß Signallicht der Linie R xdorf—Moritzplotz (Berlin) hielte, unb wenn er statt nach Rixdors nach Dalldorf käme, unb wenn er dann zu Fuß nach Berlin zurücklaufen müßte, fo würde er vor Wuth in so viel Hitze gtrathen, als nöthig wäre, um die Wärmehalle am Alexanderplatz im Januar für fünf Minuten zu Heizen.
* Einen Proceß von grundsätzlicher Bedeutung erledigte daß ReichSverficherungSamt. Eß handelte sich um einen Fleischergesellen Klingenberg auß der Nähe von Köln, der im Hausbetrtebe seine- Meisters dadurch einen Unfall erlitten hatte, daß er mit der Hand in eine Hackmaschine gerathen war. Nach der Entscheidung deS Reichßverficherungßamtt- find Schlächtereibetriebe, die ohne Benutzung eines Schlachthauses und eines Dampfkessels ober Motors betrieben werden, nur bei Beschäftigung von zehn Arbeitern Fabrik'« und daher auch verficherungSpfltchtrg. Der i« Schlachthäuser« erfolgende Schlächtereibetrteb ist ebenfalls nur dann ver« sicherung-pflichtig, wenn der Betrieb in dem Sch achthaufe mn Motoren ober bei Beschäftigung von zehn Personen stattfindet. Diese Voraussetzung ist auch dann erfüllt, wenn im Schlachthausbetriebe von den verschiedenen Unternehmern zusammen zehn oder mehr Arbeiter gleichzeitig beschäftigt werden. Dagegen wird der außerhalb dcß Schlachthaus- sich vollziehende Theil de- Schlächtereibetriebes von der versiche- rnag-pflichtigkeit deß Schlochthaußbetrtebeß an sich nicht m t erfaßt. Darnach hat der Verletzte, da er nicht im Schlacht- Hause, sondern außerhalb deßselben im Privathause bei Meisters den Unfall erlitt, keinen Anspruch aus Unfallrente
• Ei» beachteuiwerther Rechtsstreit hat jüngst nach dreijähriger Dauer durch ReichSgerichtßentscheidung sein Eobe gefunden. In einer thüringischen Stadt war ein Dienst« mann beim Tragen eines Schrank- auf der Straße gefallen und hatte sich dadurch einen mehrfachen Bruch der linken Kniescheibe zugezogen, sodaß er nach der Heilung dauernd in seiner Erwerbßthätigkeit beeinträchtigt blieb. Der Dienstmann sühne den Unfall aus die schlechte Beschaffenheit des Straßenpflasters zurück, da- an der betreff'nden Stelle ein Loch hatte, und verlangte daher von der Stadt neben dem Eriatz der Curkosten eine Entschädigung von Über 5000 Mark. Da die Stadtverwaltung sich keine- Ver« schulden- bewußt war und die Feststellung einer Haftpflicht nur auß dem Grunde, weil der Straßendamm kleine Unebenheiten besaß, für unwahrscheinlich hielt, ließ sie sich auf den Recht-' streit ein, wurde aber in allen drei Jnstavzrn, Landgericht, Oberlandesgericht unb Reichsgericht, für haftpflichtig erklärt. — Dte Tragweite diese- Unheil- ist, wie die „Tägl. Rundschau" zp diesem Erkenntniß bemerkt, vor der Hand noch g" nicht abzusehen, denn ähnliche Unsälle auf schlecht gepflasterten Straßen dürsten gar nicht so sehr selten sein. Dte betroffene Stadt Thüringen- ist allerdings gegen Haftpflicht» Ansprüche bei einer Versicherungsanstalt versichert, die */l9 der 8er« gleich-summe von 2380 Mk., zu der sich die Stadt nach Verlust deS ProceffeS sofort verstand, und außerdem alle Kosten zu trage« hat.


