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Erstes Blatt
Donnerstag den 13 Mai
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Gießener Anzeig er
Keneral-Anzeiger
Aults- unb Anzeigeblatt für den Tireis Gieszen
chratisßeikage: chießener Kamilienökätter
Amtliche» Tyeil.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» felgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Alle Lnnoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Die Gießener AamikienSkälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
Der
Siebener Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme deS Montag».
Laad wurde, wie das „Matozer Journal" meldet, au Stelle des verstorbenen Abgeordneten Wasserburg Rechtsanwalt v. Brentano (Str.) aus Offenbach mit20 gegen S Stimme« gewählt.
Berlin, 11. Mai. Der Kaiser hat für die von dem Pariser WohlthätigkettS-Bazar unterstützten Anstalten 10000 Freß, gespendet. Der deutsche Botschafter in Paris, Graf Münster, hat die Summe bereits der Borfitzeudeu des ComitsS, Prinzessin Wagram, übergeben.
Berlin, 11. Mai. Wie das „Berl. Tagebl." meldet, läßt Freiherr v. Stumm erklären, daß er für den nächsten Reichstag nicht wieder caudtdtreu werde.
Berlin, 11.Mat. DteWahlprüfuugS-Lommtssion deS Reichstages hat heute da- Mandat deS Abgeordneten Merz (natl.), der an Stelle de» verstorbenen Fürsten zu Fürstenberg für Donau-Eschtogeu gewählt ist, für ungültig erklärt, weil ihm zwei Stimmen zur absoluten Mehrheit fehlen.
Berlin, 11. Mat. Das A b g eordn etenhauS har heute dte dritte Lesung des Etats erledigt und in der Gesarnmr absttmmung den Etat tm Ganzen definitiv angeuommeu. Morgen Secundärbahn-Borlage.
Berlin, 11. Mat. Außer dem Gastwirth Erbe ist auch der Buchdrucker Franz Schulze wegen Verbreitung eines socialtsttschen Liederbuches aufs Neue verhaftet worden.
Berlin, 11. Mat. Der „Nordd. Allg. Ztg." wird au» Wien telegraphirt: Seitens der hiesigen Diplomatie wird e» besonders anerkannt, daß Deutschland darauf bestanden hat, Griechenland müffe sich bedingungslos dem Willen der Mächte unterwerfen, wenn diese für Wiederherstellung de» Friedens intervenireu sollten. Nur diesem Umstande ist tfi zu verdanken, wenn die griechische Regierung endlich nachgab. Bon diplomatischer Seite werde betont, das äußerste Mittel, den Trotz Griechenlands für lange Zett zu brechen, wäre der Vormarsch der Türken nach Athen gewesen.
Berlin, 11. Mat. Nach einer Meldung der „Post" au« Wien find die Vertreter der Pforte beauftragt, bet den Cabiuetten auf die Ungelegenheiten hkuzuweisen, welche durch einen mit den Griechen abzufchließenden Waffenstillstand entstehen müßten. Im Falle, daß eS bet der durch einige Mächte begünstigten Hartnäckigkeit der Griechen nicht zu einer Friedensverständigung kommen sollte, würde mau in Pforte« kreisen dte Zusammenberufung eine- CongreffeS nach Berlin für das richtigste halten.
Berlin, 11. Mat. Ju der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses, in welcher dte dritte EtatSberathuug zunächst beim Etat des Ministeriums des Innern fortgesetzr wurde, richtete Abg. Rickert die Anfrage an dte Regierung nach dem Stande deS Vereinsgesetzes. Mintsterpräfideur Fürst Hohenlohe erwiderte, die königliche Staatsregierung hat bet Eröffnung der gegenwärtigen Tagung des Landtages mitgetheilt, daß eine Revision des geltenden Vereins« und Versammlungsgesetzes in eingehende Erörterung genommen sei. Nach den Ergebniffen dieser Verhandlungen, welche bei der Schwierigkeit deS Grgeuftandes naturgemäß längere Zeit in Anspruch nehmen mußten, kann ich nunmehr erklären, daß dte Staatsregterung threr Zusage gemäß bereit ist, auf da» im § 8 enthaltene Verbindung-Verbot zu verzichten. Dte StaatSregterung glaubt jedoch, eine Aenderung des bestehenden VereiuSgesetzrS nicht auf diese Maßregel beschränken, sondern dte Revision gleichzeitig auf einige andere Punkte ausdrhnen zu müssen (Bravo! recht»), dte sich als der Reform bedürftig herauSgestellt haben. Ein entsprechender Gesetzentwurf ist nunmehr fertiggestellt und hat dte allerhöchste Ermächtigung zur Vorlage an den Landtag erhalten. Da» StaatSmiutsterium wird sich alsbald schlüssig machen, ob es gerathev erscheint, in der gegenwärtig vorgerückten Session des Landtages demselben den Gesetzentwurf zur verfassungsmäßigen Beschlußfassung zugehen zu lassen. Mir persönlich erscheint eS zweifelhaft, ob eS möglich ist, den Gesetzentwurf in der gegenwärtigen, mit anderen dringlichen Arbeiten belasteten Srffion zum Abschluß zu bringen.
Berlin, 11. Mat. Dem „Berl. Tagebl." wird au» Bolo telegraphirt: Nachdem Volo durch türkische Truppen besetzt worden war, hat der im Auftrage des preußischen Generalftabe» nach dem Kriegsschauplatz abgegaugene Haupt» manu Morgen sich sofort dorthin begeben, um deu Schutz der deutschen Uuterthauen zu übernehmen, da sich in Bolo ein deutsche» Consulat nicht befindet.
Danzig, 11. Mat. Die Königin von Württem» berg traf heute früh kurz vor 6*/, Uhr hier ein und wurde vom Prinzen Heinrich von Preußen, sowie deu Spitzen der Militär« und Ltvtlbehörden empfangen. Prinz Heinrich geleitete die Königin zu ihrem Absteigequartier. Um 11 Uhr
tteuefte AknhchkkhsE»
WslffS telegraphische« Lorrespondenz-^rean
Berlin, 11. Mai. Der Landkag-abgeordnete Barthmer ist heute Abend infolge Herzschwäche gestorben.
Berlin, 11. Mai. Von verschiedenen Orten sind Mel- tragen eiogegangeu über Schneefälle, so au» der Lüne« turger Haide und au- Hamburg, wo da» Thermometer bis iuf 2 Grad -f- zurückgegangen ist.
Berlin, 11. Mai. Der „Reichsanzeiger" meldet: Laut Kittheilung der Pforte erstreckt fich dte AuSlöfchuug der Leuchtfeuer tm Golf von Smyrna während der Dauer ie» Krieges auf dte vor den Forts von Hamtdi bi» Smyrna telegenen Feuer und Leuchtbojen von Vourla, deu Leucht- thurm von Hadjiler bet PhocacaS und den Eingang de» Golfes von Smyrna. Der Generalgouverneur verbot den fremden Schiffen, tu den Hafenbezirk von Smyrna Nachts riuzulaufeu und auSzulaufeu.
Berlin, 11. Mat. Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffent« licht deu franzöfischeu Wortlaut der gestrigen griechischen
Deutsche* Seid^tag.
219. Sitzung. Dienstag, deu 11. Mai 1897.
Präsident v. Buol theilt mit, dah Slbg. Schultz-Lupttz zum ^andeS-Oeconomterath ernannt sei. Nach altem Grundsatz werde dadurch die Fortdauer deS Mandats nicht berührt. Wenn kein Widerspruch erfolge und kein Antrag gestellt werde, nehme er an, daß das HauS die MittheUung einfach zur Kenntniß nehme. — Dies geschieht.
Die Novelle zum Beamten-Reliktengesetz wird in dritter Lesung definitiv angenommen.
Der zweite Nachtragsetat, der 71000 Mk. für Vermehrung des Personals beim Retchsoersicherungsamte und 100 000 Mk. für Betheiligung an der Pariser Weltausstellung fordert, wird an die Budgetcommtssion verwiesen.
Eine Petition betr. Rückzahlung von Beiträgen zur noaliditäts- und Altersversicherung wird dem Reichs« kanzler zur Berücksichtigung aus Billigkeitsrückstchten überwiesen, obgleich- Ministerialdirector von Woedtke und Staatssecretär von Bötticher sich gegen einen solchen Beschluß erklärten, da eine Rückzahlung von Beiträgen aus Billigkeitsgründen gesctzlich nicht zuläsfig sei. Wenn man die Petition zur Erwägung überweise, so werde der Reichskanzler sehen, wie er den Petenten helfen könne.
Eine Petition betr. Abänderung der Prüfungsordnung für Aerzte wird gleichfalls dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen, eine solche betr. Beseitigung von Mißständen auf dem Gebiete der Zahn Heilkunde als Material, eine fernere betr. Entschädigungsansprüche von Anliegern deS Nordostseecanals zur Erwägung und eine Petition betr. Einführung eines Zolles auf Dachziegel als Material. Heber eine Petition betr. Einführung eines Zolles auf ausländische Seefischereifahrzeuge wird zur Tagesordnung übergegangen, desgleichen über Petitionen betr. Bewilligung von Militärpensionen. Eine Petition betr. Ausdehnung der Militärpensionsnovelle von 1893 auf die vor diesem Jahre penstonirten Beamten wird dem Reichskanzler als Material überwiesen, desgleichen eine Anzahl Petitionen betr. den Acht-Uhr-Ladenschluß. Eine Petition betr. Einführung der Vraumalz-Staffelsteuer wird zur Erwägung überwiesen, nachdem die Abgg. Rösicke und Weiß für Uebergang zur TageS- »rdnung plaidirt hatten. Als Material wurden überwiesen Petitionen betr. des HilfSkassengefetzes, betr. Abgrenzung der ReichstagS- vahlkreise Köln-Stadt und Köln-Land, und betr. Abänderung der Concursordnung. Heber eine Petition um Ermäßigung deS Zolls auf Spiegelglasabfälle wurde zur Tagesordnung über- zegangen und eine Petition endlich betr. Regelung der Steuer- »erhältnisse der Mühlen dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen.
Morgen 2 Hhr: Antrag Auer betr. Aufhebung des Majestäts- beleidigungs-Paragraphen. (Schluß 41/« Hhr.)
Bekanntmachung,
betreffend: Die Heegzeit des Dachses.
Mit Ermächtigung Gr. Ministeriums des Innern wird die Heegzeit des Dachses in den Gemarkungen Schiffenberg, Gießen, Großen Linden und Lützel-Linden, in dieser letzteren Gemarkung, soweit sie unter diesseitiger Verwaltung steht, für das Jahr 1897 aufgehoben.
Gießen, den 11. Mai 1897.
Großherzoglicher Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Bekanntmachung.
Der Pfingstfeiertage wegen wird der auf den 7. Juni d. I». fallende Zahltag der KreiSkaffe Gietzeu z« Hangen und Lich nicht an diesem Tage, sondern Montag, deu 31. Mai ab gehalten werden.
Gießen, den 11. Mai 1897.
Großherzogliches KreiSarnt Gießen, v. Gagern.
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Redaction, Expedition und Druckerei:
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Note an dte Gesandten der Großmächte. Darm helßt eS: „Nachdem Eurer Sxcellenz die Entscheidung der griechischen Regierung vom 8. Mai, den Wünschen der Großmächte zu entsprechen, mitgetheilt ist, indem sie fich formell verpflichtet, dte Truppen von Kreta abzuberufen, theile ich Eurer Ex- cellenz mit, daß ich in dem Augenblicke, wo fie die Rückberufung bewerkstelligt, Act nehme von der Erklärung der Großmächte vom 2. März d. I., wonach dieselben entschlossen seien, Kreta ein durchaus effectiveS autonome» Regime zu gewähren, und erkläre Namens der griechischen Regierung, daß fie die Verpflichtung übernimmt, diese» Regime anzn- erkennen.
Danzig, 11. Mat. Bet der vom ReichSmarineamt veranstalteten großen Frühstückstafel, für dte fetten» der Stadt und der Kaufmannschaft die prachtvolle Börseohalle im „Artushofe" zur Verfügung gestellt war, wareu 62 Einladungen ergangen. Dte Königin von Württemberg hatte zwischen dem Prinzen Heinrich und dem Admiral v. Knorr Platz genommen. Den Triukspruch auf den Kaiser brachte Admiral Büchse! au», worauf Prinz Heinrich tm Namen der deutschen Marine der königlichen Taufpathtn für die hohe Weihe dankte, dte fie dem neuen Schiffe ertheilt habe, und mit einem Hurrah auf die Königin Charlotte schloß. Im Auftrage der Königin erwiderte Hofmarschall v. Reischach mit einem Hurrah auf dte deutsche Marine, dte überall fich mit Recht de» Ruhme» großer Tüchtigkeit erfreue und zu der die Königin gern in nähere Beziehung getreten sei. Um 2 Uhr Nachmittag- verließ dte Königin mittelst Sonderzuge» dte Stadt, während Prinz Heinrich später beim Osfiziercorp» de» Leibhusarenregiment» speiste und heute Abend nach Berlin abretst.
München, 11. Mat. Das Gesetzverordnungsblatt veröffentlicht folgende Bekanntmachung: Nachdem die Maul- und Klauenseuche tu Tirol und Vorarlberg nach amtlichen Ausweisungen nunmehr gänzlich erloschen ist, wird die Einfuhr und Durchfuhr von Rindvieh, Schafen, Ziegen und Schweinen aus Ttzrol und Vorarlberg unter den gleichen Bedingungen, unter denen sie vor Erlaß deS Einfuhrverbots zuläisig war, wieder gestattet.
Metz, 11. Mai. Um 8 Uhr Früh ging der kaiserliche Sonderzug von Kurz-l nach MoulinS ab, wo der Kaiser, die Kaiserin und Prinz Adalbert zu Pferde stiegen und bis Point du Jour, 2 Kilometer östlich von Gravelotte, ritten. DaS Wetter war sehr schlecht,- die Temperatur hatte nur 2 Grad Wärme. Beim Beginn deS Manövers erhob sich ein Nordwestfturm mit schwerem Hagelschlag. Bon Metz war eine Brigade dem von Westen kommenden Feind entgegengerückt. Ein hartnäckiges Gesecht entspann fich um den engen Paß durch die Schlucht zwischen Gravelotte und St. Hubert. Der Gegner wurde wiederholt abgewiesen, umging aber sodann mit überlegenen Kräften den diesseitigen ltnken Flügel und warf diesen, von Ar» kommend, zurück. Darauf erfolgte der allgemeine Rückzug auf Metz. Um ll1/, Uhr schloß die Hebung. Die Haltung der Truppen war trotz der großen Märsche und Anstrengungen vorzüglich.
Straßburg. 11 Mai. Am Donnerstag den 13. Mai, zwischen 3 und 4 Uhr Morgens, steigen hier drei Luftballons auf, darunter zwei unbemannte. Da es von großem Werthe ist, daß möglichst bald nach Landen der letzteren diese aufgefunden werden, ergeht an die Tagesblätter die Bitte, mitzuwirken an dem schnellen Ausfinden des Ballon» durch Verbreitung dieser Notiz. Der Finder eine- jeden unbemannten Ballons erhält 50 Mk. Belohnung, wenn er deu Ballon nach Auffinden deu beigegebenen Weisungen gemäß behandelt und sofort telegraphisch Mttthetlung an den Meteorologischen LaudeSdienst in Straßburg sendet.
Metz, 11. Mai. Der Kaiser zog um 21/, Uhr durch da» französische Thor, vom Manöver kommend, in die Stadt ein an der Spitze einer Compagnie des 98. Infanterie-Regiment» mit 24 Fahnen der Garnison, an die fich eine EScadron der 9. Dragoner mit zwei Standarten anschloß. Der Kaiser wurde von der harrenden Menschenmenge begrüßt und ritt zum BezirkSpräfidium, wo die Feldzeichen abgegeben wurden. Sodann folgte der Kaiser einer Einladung des Bezirks- Präsidenten zum Dejeuner. — Da» Kaiserpaar reiste um 5 Uhr 10 Min. nach Urville ab.
Konstantinopel, 11. Mat. Dte Katsertn-Wkttwe von Rußland bot dem Sultan eine Ambulanz von 500 Betten an und der Sultan nahm diese» Angebot telegraphisch au.
Depeschen des Bureau »Herolds
Main-, 11. Mai. Bei der heute vorgeuommenen Landtags-Ersatzwahl für den hiesigen Wahlkreis Bingen-


