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Nr. 292 Drilles Blatl. Sonntag den 12. December
1897
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^Ufctutr *tqeigtr erscheint täglich, ®Ü LuSnahmr de» Montag«.
Li« Gießener K«»ttt«»ötL11er werden dem Anzeiger WAch«ltlich dreimal beigelegt.
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Deutsche» Reich.
WBerltn, 10. December. Auf Veranlassung des preußischen SlaatSmintsteriam« ist eine Commsssion, bestehend auS Vertretern der betheiligten Ministerien, zur Berathung der Frage zusammengetreteu, in welcher Weise den bestehenden Mißständen tm Baugewerbe entgegengewirkt uad ein Schutz der Bauhandwerker gegru Ausbeutung herbei- geführt werden könne. Aa den Berathungeu dieser Com- mtifionen haben auch Vertreter de» ReicbSamtS des Innern und der Justizamts theilgevommen. Die Commsifion hat die Sntwüise eines Re'chSgefetzeS, betreffend die Sicherung der Bauforderungen, und eines preußischen AuSführung«gesetze», ausgearbeitet. Das StaatSmir tstertum bat, ohne zunächst selbst zu den Emwürsen Stellung zu nehmen, beschloffen, diese nebst der Begründung zu veiöffeoUichen. Demgemäß werden die Entwürfe in den nächsten Lagen durch den „ReichS- anzeiger" mttaetbext werde«
Locale» und protrinsteUe»»
P. Butzbach. 9. December. Das nächste Jahr wird unserer Stasr eine Ausstellung O^erhefstscher Industrie- und Gewerbe-E zeugniffe bringen. Der hiesige Gewerbe- Verein hat daS Uaternehmen iu die Hand genommen und ist mit den Vorarbeiten in voller Thättgkeit. Einladungen an die Jntereffeuren unserer Provinz find ergangen und zwar mit gutem Erfolg, denn Anmeldungen zur Ausstellung treffen fortwährend ein. B S jetzt werden neben gewerbi chen Arbeiten jeglicher Art auch die Eisenindustrie und der Bergbau vertreten sein. Einen Hauptpunkt bet allen Ausstellungen bildet der vörbige Raum zur Unterbringung der AuSstelluugSgegen- stände- dieser ist nun hier reichlich vo Händen, zunächst in der 1000 Quadratmeter großen Markthalle. Außerdem ist aber noch etu großes BeretnShauS im Bau begriffen, dessen Säle eine Gesammtbode» fläche von etwa 700 Quadratmeter haben werden. Beide Gebäulichkeiten liegen nahe bei einander und sollen auch beide für die Ausstellung benutzt werden. Die hiesige Bevölkerung hat große Sympathien für das Unter- nehmen- daS beweist ihr klingendes Entgegerkommen, denn bis heute find 8225 Mk. für den Garanttesonds gezeichnet.
Feuilleton.
Die deutsche FtoßfrchlKunst.
Sin Gedenkblatt für deren Begründer Wilhelm Kreußler 1597—1897.
Don Dr. Max Rupprecht.
(Nachdruck verboten).
Seht ihn blinken In der Linken, Diesen Schläger nie entweiht; Ich durchbohr den Hvt und schwöre: Halten will ich stet« aus Ehre, Stets ein braver Bursche sein!
(„ßanbtSDater*.)
Das Fechten ist, wie da- Singen, Wandern und Trinken, die Lust des deutschen Studenten. Mit jubelnder Freude schwingt er seinen Schläger, läßt er „Quarten schwirren und Quinten pfeifen". Der Fechtboden ist der Studiersaal des Fuchses, der Fechtmeister sein erster Professor. Man braucht kein Verfechter der Duelle und Mensuren zu sein, um dem Feäten das Wort zu redtn. Wird es in mäßigen Grenzen betrieben und artet der Fechter nicht aus, so stellt es eine gesunde Leibesübung dar, welche die Musk-ln stählt und nebst dem Turnen und Wandern ein schätzenswertheS Aequi- valent gegen die verzärtelnde, korp ^schwächende Einwirkung der Stub.n- und Bücherhockerei abgiebt. Früher spielte freilich das Fechten im studentischen L.ben noch eine ganz andere Rolle als jetzt. Ist es doch überhaupt eine sehr alte Kunst, wie uns die Fechterschulen und Gladiatorenkämpfe des Alter- thums beweisen. Die Turniere der deutschen Rilterzeit dienten dagegen nur in beschränktem Maße der Entwickelung der deutschen Fechterkunst. Hier entschied mehr die Kraft als die Gewandiheit; die Vertherdigung beruhte auf der Widerstands kraft des Panzers und Schilde», nicht auf der Kunstfertig, feit der Parade. Daher ist es nicht der Adel, sondern das Bürgerthum, welches die Fechtkunft aus sich heraus neu geboren und großgezogen hat. Die Nothwendigkeit war die Mutter der Geschicklichkeit. Die unsicheren Zustände der Faustrechtsperiode zwangen die Bürger, stets gewaffnet zu erscheinen. M,t dem Waffeutragen war eS aber nicht allein gethan, man mußte auch die Handhabung der Waffe ver- stehen. So bildeten sich mit der Zeit regelrechte Fechtgilden «US, welche es einander zuvorzuthun suchten. Jede hatte ihre
Bringt die Industrie OberheffenS der Ausstellung ein ähnliches Interesse entgegen, so kann man der immerhin schwierigen Ausgabe ein schönes Gelingen in AuSficht stellen, daS jeden- falls für daS Blühen unserer Industrie und unseres Gewerbes von Segen sein wird.
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• Sarusee, 9 Drcember. Auf dem Eise drS Brauhaus- BerS brachen sechs Knaben ein, drei konnten gerettet werden, drei ertranken. E» find titß der 14jährige Sohn deS Kämmerer« N ckel, der 16jährige Sohn deS Töpfermeisters Burke u d der 17jährige Sohn deS Schuhmachers Bökmann. Der Fischer Gnuichk-, ein kräftiger Mann, der sich am See- user befand, wurde flehentlich gebeten, Hilfe zu leisten. Der Mann, der dies ohne Lebensgefahr hätte thun tönen, lehnte es jedoch ab und fagte: „Wer bezahlt mir da»?"
*Uauai. W., 9. December. Der gesammteMagistrat unserer Stadt, der fich sonst sehr durch Ruhe und Ordnung auszeichnet, hatte am 29. November vor dem Schöffengericht in Dortmund zu erscheinen. Er war von dem Kaufmann G. Bmdel wegen Beleidigung verklagt. Im Mat dS. IS. wurde hier die Wahl einer Linie für die Unna mit den Nachbarorten verbindende elektrische Straßenbahn berathrn. Es lag Anfangs nur ein Project Overweg-Hihmann vor, wobei die Stadt nur unwesentlich berührt werden solle, um zu vermeiden, daß die Straßenbahn daS Eisenbahngelei» überschrette. Später reichte eine Kölner Firma ein anderes Project ein, daS die Berhäitntffe der Stadt besser berück- fichitgte. ES wurde ein Bürger-Comitü gewählt, das die Sache der Bürgerschaft b'ffer vertreten solle- Bindel wurde Vorsitzender. Dieser veröffentlichte nun einen Artikel, in de« behauptet war, daS Projekt der Kölner Firma sei schon längst eingeretcht, eS liege bet der Bürgermetsteret und werde unbegreiflicher Weise liegen grlaffen. Im Namen de» Magistrats antwortete der Bürgermeister Koch tu scharfer Wetse, Bindel erwiderte, der Bürgermeister ergriff nochmal» die Feder und veröffentlichte einen ungemein scharfen Artikel gegen Bindel. In letztere« war von bewußter Unwahrheit, dreister Stirn und sonstigen Liebenswürdigkeiten die Rede, so daß Bindel
besonderen Geheimnisse und Kniffe. Berühmt geworden ist als eine der ältesten (oder die älteste überhaupt) die Brüderschaft von St. Markus in Frankfurt am Main. Wie im Thüringer Volksfreund vom Jahre 1829 berichtet wird, stand dieselbe unter einem Hauptmanns und vier Meistern, den besten Fechtern mit dem Schwerte in den freien Städten. „Dadurch, daß die Fechtergilde jeden, der als Fechter auftrat, zu einem Weltkampfe forderte, und in demselbm ihm so zu- setzte, daß er entweder ganz vom Fechten abstand, oder bei ihnen in die Schule ging, erhielt dieselbe solchen Ruf, daß auch der, welcher des Fechtens kundig war und eine Fechtschule in Deutschland errichten wollte, in der Herbstmesse nach Frankfurt ging, um fich von den „Meistern des Schwertes" probiren zu lassen, welches darin bestand, daß der Hauptmann und die vier Meister öffentlich mit ihm kämpften. Bestand er die Probe, so wurde er auf Geheiß des Hauptmanns öffentlich mit dem großen Prunkfchwerte kreuzweis über die Lenden geschlagen, und nachdem er zwei Goldgulden für die Brüderschaft auf dasselbe gelegt hatte, empfing er die „Heimlichkeiten", welche in allerlei Kunstgriffen des Schwertes bestanden, und die er schwören mußte, feinem Anderen zu vertrauen. Von nun an durfte er das Fechten in ganz Deutschland lehren und das Wappen der Brüderschaft, einen Löwen, führen". Eine andere solche Fechtergilde waren die „Freifechter von der Feder von Greifenfels", deren Mitglieder als Lehrer der Fechtkunst auftraten und förmliche Lehrbriefe ertheilten.
Mehr und mehr kam nun das Fechtwefen auf den Unb verfitäten in Schwung. In der Geschichte der Universität Jena wird schon um 1550 ein Fechtmeister erwähnt, wie sich hier überhaupt die berühmtesten Fechtmeister, die Kreußler und Roux, einen Namen machten. Die Universität Jena erscheint überhaupt als d ejenige Hochschule, wo PennalismuS (die Herrschaft der älteren Studenten über die Neuangekom« menen) und Duellwesen am meisten überhand nahmen und sich am längsten hielten. Noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts fochten daselbst die Studenten ihre Händel auf offenem Markte aus. Erst das sogenannte „Duellmandat", welches 1767 erlassen wurde und diese „Marktschlägereien" mit schweren Strafen — 1 bis 2 Jahren Festung — belegte, machte dem Unwesen ein Ende. Aus dieser Zeit datirt folgende ergötzliche Anekdote: „Ein geborener Jenenfer stand eben im Begriffe, auf dem Markte einen Streit auszntragen.
Strafantrag stellte. Die Sache kam nicht am hiesigen Amts- gerichte zur Verhandlung, weil in einer kleinen Stadt zu befürchten war, daß in dieser Angelegenheit Befangenheit herrschen könne. Durch daS am Montag verkündete Urtheil wurden Bürgermeister Koch und die sämmtlichen Mitglieder de» Magistrat» bestraft, und zwar der Bürgermeister mit 100 Mk, die Magistrat-Mitglieder zu je 50 Mk. Geldbuße. In der Begründung wurde gesagt, die städtische Behörde solle der Bürgerschast mit gutem Beispiele vorangehen und nicht selbst in den Fehler persönlicher Verunglimpsung verfallen. Gegen Bindel ist ebenfalls wegen seine» Artikels Anklage erhoben- diese kommt aber vor der Straskammer in Dortmund zur Verhandlung.
• Die höchste Summe, die je für einen sprechenden Papagei geboten wnrve, dürste wohl 30000 Mk. sein, dte ein enthusiaS- mirter Amerikaner dem Besitzer des „Champion-Papageis" offrrirte. Mr. Grant Ridleh, der mit seinem Jacob mehr als 10000 Mk. jährlich verdient, nahm dieses Anerbieten nicht an und würde den wunderbaren Vogel auch für daS Doppelte nicht hergeben. DaS seltene Thier besitzt in der That einen Weltruf- eß spricht drei Sprachen und zehn Dialecte und hat vollkommene Herrschaft über nahezu 4000 Worte. Jacob setzt nie einen Satz uncorrect zusammen und antwortet stet» in dem Idiom, in dem er angeredet wird. Bedient man sich jedoch einer Sprache oder eineß Dialekt», der ihm unbekannt ist, dann sieht er den Frager etwa» eigen- thümlich von der Seite an und schüttelt sein befiederte» Haupt. Mr. Ridleh reift mit seinem Papagei in der ganzen Welt umher und Überall wird Jacob regelrecht interviewt. Für einen Papagei, der baß Vaterunser in sechß verschiedenen Sprachen hersagen konnte, wurde vor Kurzem von der österreichischen Erzherzogin Stefanie 1500 Mk. gezahlt. Alß da» kostbare Thier fich jedoch in der Wohnung der Erzherzogin befand, konnte man nicht ein Wort von ihm heraußdekommen. Der Verkäufer wurde wegen Betruges verklagt und da stellte eß fich heraus, daß er Bauchredner war und dem Vogel cur beigebracht hatte, den Schnabel zu öffnen und zu schließen, während er selbst durch seine merkwürdige Kunst die Worte so hervorbrachte, daß Jeder tm Glauben war, der Vogel spräche. Ein Papagei, der thatsächlich 250 Worte sprechen
Sein Vater, ein Rathsherr oder gar Bürgermeister der Stadt, bemerkte dies vom Rathhause aus und rief ihm aus dem Fenster desselben zu: „Fritz, halt Dich gut sollst auch einen neuen Rock haben I" Noch als Schiller nach Jena kam, waren die studentischen Sitten freier als anderswo. „Daß die Studenten hier was gelten", schreibt er am 18. August 1787 an Körner, „zeigt einem der erste Anblick; und wenn man sogar die Augen zumachte, könnte man unterscheiden, daß man unter Studenten geht, denn sie wandeln mit Schritten eines Niebefiegten . . . Man hört auch wenig nvljt von Duellen; doch vergeht keine Woche ohne irgend eine Geschichte".
Die J-nenser Studenten waren vor Allem ihi>r Fechtmethode wegen gefürchtet. Allenthalben war das Säbel- oder Hiebfechten üblich. In Jena aber hatte der Fechtmeister Wilhelm Kreußler das Stoßfechten aufgebracht, das durch feine Söhne und Enkel noch vervollkommnet wurde Die neue Fechtart machte viel Aufsehen und trug ihrem Begründer viel Ruhm ein. Selbst im Auslande schätzte und sürch- tete man die neue Kunst, wie aus nachstehender Mittheilung Kahns vom Jahre 1751 hervorgeht: „Zwei Cavaliers, welche in Jena lange fiudirt, und davon der eine als Präsident in Weimar gestorben, haben sich zu Anfang dieses Säculi (1700) 2 Jahre als Passagier in Paris aufgehalten, und ihres Fechtens wegen große Ehre eingelegt. W,e denn zu ihrer Zeit Niemand in Paris zum Fechtmeister erwählt worden, er habe denn mit diesen Herren gefochten und ihren Beifall verdient".
Ueber Wilhelm Kreußler, den Begründer der deutschen Stoßfechtkunst, finden wir in einem 1858 erschienenen Werke über Jena von Carl Schreiber und Alexander Färber einige biographische Notizen, deren Wiedergabe von Interesse fein dürste. Danach wurde Kreußler 1597 zu Niederhadamar in Nassau geboren. (Andere geben 1592 als fein Geburtsjahr an.) Sein Vater war Schulmeister. Kreußler ging im Alter von 21 Jahren nach Frankfurt am Main, wo er die Fechtkunst bei den berühmten Markusbrüdern erlernte und die Mitgliedschaft ihrer Gilde erwarb. Bald darauf zog et in Jena ein, wo er 1620 priviligirter Fechtmeister wurde. Länger als fünfzig Jahre war er in dieser Stellung thätig, und unzählige Studenten gingen als treffliche Fechter aus seinem Unterricht hervor Er selbst schied am 18. Januar 1673 aus dem Leben, aber seine Kunstfertigkeit erbte fich in der Familie, die fich durch reichen Kindersegen auszetchnete,


