Ausgabe 
12.10.1897 Erstes Blatt
 
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Madrid, 9. October. Auf Befehl der Könlgin-Regentin find alle verwaisten Kinder der Hingerichteten An- a r ch i st e n durch den Jesuitenpater dolomo In einer Erziehung-- anstalt untergebracht morden.

Madrid, 10. October. Infolge der Weigerung deS Generals W eyler, seine Abberufung von Cuba anzuerkenneu, finden unausgesetzt Mtnisterberathuvgen über gegen Weyler zu ergreifende Zwangsmaßregeln statt. Bis zur Ankunft des neuen Gouverneurs Blanco ist der GeueralcapitLu von Puerto Rico, General Marino, mit der Wahrnehmung der Geschäfte WeylerS betraut.

Athen, 10. October. Officiöfe Blätter constattren, daß Deutschlands bisherige antigriechische Haltung wesentlich gemildert wurde, sodaß alle AuSficht vorhanden ist, den FriedenSschluß ohne allzu große Bedrückungen Griechen­lands baldigst perfectionireu zu können. Ttr Edgar Vincent, welcher mit ZaimiS und von Streit alle Details betreffend die neue Anleihe vereinbart hat, reist heute ab, um in Paris und London mit den Ftnanzkretsen wegen Betheiligung an der Anleihe zu confertren.

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Wolffs telegraphisches dorrefpondmr-Bureau.

Berit«, 10. October. Der Privatdocent an der hie- figen Univerfität, Dr. W. Kaufmann, und der bisherige Secrerär des htefigen Schutzcomitü» griechischer Gläubiger, Rößler, find dem deutschen Delegirten zur griechischen Finanzcommisfiou betgegeben und nach Athen abgeretst.

Parts, 10. October. Präsident Faure traf heute Vormittag hier ein und stattete dem König der Belgier einen Besuch ab- die Unterredung dauerte 20 Minuten.

Haag, 10. October. StaatSminister Jan HeemSkerk, früher wiederholt Ministerpräsident, tst tn der vergangenen Nacht gestorben.

Depesche» des Bureau .Herolds

Berit«, 10. October. Der Gesellschaft-tag der Deutschen Gesellschaft für ethische Cultur" wurde gestern im Laugenbrckhause vom Vorsitzenden, Profeffor A. Döring, eröffnet. Außer den Abtheilungeu Freiburg und Jena haben sämmtliche Abtheilungeu Delegirte entsandt. Der Hauptvorftand ist vertreten durch Prof. Döring, Frau Jeanette Schwerin, Geheimrath Krtfteller, Prof. TönnteS Hamburg, Prof. Staudinger. Die Abtheilung Berlin ist vertreten durch Bildhauer Rheiuhold, Rechtsanwalt Dr. Bieber, Dr. von Gordon, Dr. Kronenberg, Dr. Roth, Frau Marie Stritt- Dresden, Prof. Bruno Meyer, die Abtheilung Breslau durch Rechtsanwalt Dr. Marcuse, die Abtheilung Frankfurt a. M. durch Dr. Pfungst, der auch Straßburg vertritt, die Ab« theilung Magdeburg durch Wedel, die Abtheilung München durch VerlagSbuchhändler Staegmayr, die Abtheilung Königs- berg durch Fräulein Thierbach und Dr. Jeßner, die Abtheilung Ulm durch Eberle. Zunächst berichtete Geheimrath Prof. Förster über die Zett, tn welcher er noch den Vorsitz der Gesellschaft innehatte und Prof. Döring über das letzte Halb­jahr. Sie erwähnten, daß die Gesellschaft eine rege Thätig- keit entfalte, daß die Begründung des ethischen Bundes, welcher 30 Gesellschaften tn Amerika, Deutschland, England, Oesterreich, Schweiz, Italien umfaßt, gelungen sei, und daß das Secretariat in Zürich fleißig arbeite und schon den ersten Bericht in drei Sprachen publicirt habe. An der Spitze des SecretariatS stehe Dr. Förster. DaS Resultat über da» Preisausschreiben der Gesellschaft in Bezug auf ein ethisches Handbuch für den Jugendunterricht wird nächste Woche ver- kündet werden. An den Bericht des Vorstandes knüpften sich ausgedehnte Debatten. Nachdem Entlastung ertheilt worden war, berichteten die Delegirten der Abtheilungeu. Vielfach wurde auf die großen Schwierigkeiten der Agitation htu- gewiesen, auf Gegnerschaft von Seiten der Behörden und der Arbeiterschaft, aber es werden auch schöne Erfolge tn Bezug auf den Fortschritt der Lesehallen, Frei-Bibliotheken, Enqueten und AuSkunstSstellen gemerkt. Beifall fand die Mittheilung, daß die Stadt Berlin eine zweite Rate von 3000 Mk. für die freie Bibliothek und Lesehalle der Gesrllschast bewilligt hat, und daß die Lesehalle hinfort auch in den Mittagstunden geöffnet bleibt. Prof. TönnieS erklärte, daß er sich bei seinen Bestrebungen bei dem Hamburger Strike vor Allem durch daS Bewußtsein haben leiten laffen, daß sein Eingreifen ge­boten sei, weil er Mitglied der Deutschen Gesellschaft für ethische Cultur sei (starker Beifall). Die NachmittagS- fitzung, in welcher sich auch Karl Emil Franzos eifrig an der Debatte betheiligte, beschäftigte sich vor Allem mit der ZeitschriftEthische Cultur", und eS gelangte die Versamm­lung zu dem Beschluß, daß daS Organ als unabhängiges Privatunternehmen weiter zu führen sei. In der Debatte wurde die Bedeutung des Blattes stark betont.

Dresden, 10. October. In den sächsischen Landtag wurden gestern 17 Conservative, 11 Nattonalltberale und 2 Fortschrittler gewählt. Der Landtag zählt 60 Conservative, 19 Nationalliberale, 5 Fortschrittler und 8 Sozialdemokraten.

No«, 11. October. Hier fand gestern eine stürmische Protestversammlung der römischen industriellen Kauf­leute gegen die neulich vom Finanzmtnister verfügte Erhöhung der Einkommensteuer bezw. gegen die größere Strenge in deren Einführung statt. Die Versammlung beschloßt, daß morgen Nachmittag eine Commission unter dem Vortritt de» BicebürgermeisterS und begleitet von fämmtlichen Kaufleuten unt Industriellen Rom» sich vom Capitol zum Minister­präsidenten Rndini begibt, um die Zurücknahme der neuen Steuerrollen zu verlangen. Zum Zeichen der Solidarität sollen alle Geschäfte Rom» von zwei bi» vier Uhr geschloffen sein. Sehnliche Versammlungen fanden tn den Provinzen statt. ________________

H. Darmstadt, 11. Ostober. Prinz und Priv- zessin Heinrich von Preußen find zum Besuche am Großherzoglichen Hofe eingetroffen.

CotaUs uttö ^provinzielles.

Gießen, den 11. Oktober 1897.

* An»zeich«nng. Seine Königl Hoheit der Groß- Herzog haben Allergnädigst geruht, zum 9. October dem Bürgermeister Johanne» Schneider II. in Büßfeld da» Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für langjährige treue Dienste" zu verleihen.

* Parlamentarifche». Abgeordneter Wernher und Genossen haben beantragt: Großherzogliche Regierung zu er­suchen, sich damit einverstanden erklären zu wollen, daß ein Betrag von jährlich 10000 Mk. in daS Staatsbudget pro 1897/1900 als Zuschuß zu den Kosten der Beschickung der Wanderausstellungen der deutschen Landwirthschaft» Gesellschaft zur Verfügung de» hessischen LandwirthschaftSratheS vor­behaltlich des Verwendungsnachweises eingestellt werde. In der Begründung heißt rS: Die Beschickung der jährlichen Wanderausstellungen der deutschen LandwirthschaftS-Gesellschaft hat sich al» ein HauptförderungSmtttel der thierzüchterischen Bestrebungen aller deutschen Staaten und ganz besonder» auch unseres Landes erwiesen. Der dortige Wettbewerbs­erfolg ist mit der Zeit bestimmend geworden für die Be­gründung, die Förderung und die Erhaltung deS züchterischen RufeS sowohl der einzelnen Aussteller, wie insbesondere auch des vertretenen Staates. Die verschiedenen Regierungen haben daher theilS bittet, theilS durch die laudwirthschaftlichen Körperschaften Mittel, namentlich in Baden, Württemberg und Bayern in sehr bedeutendem Maße, zur Unterstützung der Beschickung dieser Ausstellungen zur Verfügung gestellt. Auch seitens unserer Regierung wurden seit Jahren Mittel für diesen Zweck aus dem laudwirthschaftlichen Disposition»- sonds bewilligt. In Folge des erfreulichen Aufschwungs der Viehzucht in verschiedenen Theilen des Landes ist die Be­theiligung hessischer Aussteller an diesen Ausstellungen in den letzten Jahren eine stärkere geworden, so daß zu 1896 5000 Mk. für fraglichen Zweck erforderlich wurden und für 1897 7500 Mk. beantragt werden mußten. ES steht nun zu erwarten, daß für 1898 eben so hohe, für 1899 aber, wo die Ausstellung in Frankfurt stattfinden wird, noch wesent­lich höhere Mittel beansprucht werden müssen, wenn die Be­schickung in einer unserer Landwtrthschaft und unserem Staate würdigen Weise ausfallen soll. Zur Unterstützung der Durch- sührung der geplanten Organisation zur Hebung der Rind- Viehzucht im Großherzogthum Hessen erscheint die Begünstigung der Gelegenheit, die Ausstellungen, besonders die Frankfurter Ausstellung möglichst gut zu beschicken, als daS wichtigste Mittel zur Aneiferung. Den gesteigerten Anforderungen gegenüber erscheint der landwirthschaftliche Dispositionsfonds Großherzoglicher Regierung aber für die Folge als unzu­reichend für die Gewährung fraglicher Mittel, so daß einer­seits eine für die Entwickelung der Ausstellungsbeschickung höchst nachtheilige und störende Einschränkung ober Ver­zögerung entstehe, andererseits bei zu starker Erschöpfung de» DiSpofitionsfondS seine eigentliche Bestimmung für die Deckung einmaliger oder vorübergehend auftretender außerordentlicher Bedürfnisse nothleiden müßte. Wenn im vorstehenden An­trag jährlich 10000 Mk., also mehr als bisher durchschnitt­lich jährlich beansprucht worden ist, gefordert worden ist, so geschieht dies tn der sicheren Voraussetzung, daß die pro 1897 und 1898 etwa nicht verwendeten Beträge für 1899 verfügbar bleiben, wo sie voll beansprucht werden. Die Ueberwetsung beantragter Summen an den Landwirthschaft»- rath erscheint mit Rücksicht darauf zweckmäßig, alS letzterem die Vorbereitung der Beschickung in Verbindung mit den drei landwirthichaftlichen Provinzialoeretnen zusteht und diese durch die bisherige Unsicherheit, ob und welche Beträge zur Verfügung steden, sehr gestört worden ist. Außerdem steht dem LandwirthschaftSrath die Bemessung der an die einzelnen Aussteller zu gewährenden Unterstützungsbeträge zu, welche nach einer von den drei Provinzialvereinen und Großherzog- licher Regierung anerkannten Ordnung mit feststehenden Gebühreniätzen genau geregelt ist, so daß eine willkürliche Verwendung dieser Mittel ganz und gar ausgeschlossen ist.

Molkereischule« betreffend. Abg. Hetdenretch und Genossen haben beantragt, die Kammer wolle beschließen, daß unter Capitel 59, Titel 2, deS Staatsbudgets für 1897/1900 anstatt des Betrags von 6000 Mk. für eine Molkereischule 12000 Mk. für zwei Molkereischulen einzustellen feien. Die Antragsteller führen zur Begründung Folgendes an: Wir besitzen z. Zt. im Großherzogthum Hessen 27 Molkereigenossen- schäften, davon entfallen auf Oberheffen 16, Starkenburg 8, Rheinhessen 8. Außerdem bestehen noch sehr zahlreiche (mindestens 100) Sammel« und Privat-Molkereien. Eine weitere Zunahme der Errichtung von Molkereigenossenschaften tst zu erwarten. Mit dem Wachsen der Molkereien steigert sich der Bedarf an geschultem Arbeitspersonal. Letztere» mußte bisher ausschließlich aus außerheffischen Staaten Deutschland» bezogen werden. In Erkenntniß des Bedürfnisses der SuS- bildung von geschultem Molkereiperfonal im eigenen Lande hat nun Großherzogliche Regierung auf einen Antrag des LandeSauSfchuffeS der laudwirthschaftlichen Vereine Mittel zur Errichtung einer Molkereischule im Großherzogthum Hessen in den Hauptvoranschlagsentwurf pro 1897/1900 eingestellt, jedoch dem Antrag deS LandeSauSschufleS auf Einstellung von Mitteln zur Errichtung einer zweiten Molkereischule keine Folge gegeben. Insbesondere mit Rücksicht darauf, daß von den beiden beantragten Molkereischulen eine zur Au»btldung von männlichem, die andere zur Ausbildung von weiblichem Personal dienen sollte, und die Gründe für eine getrennte Ausbildung beiderlei Arbeitspersonals nach wie vor fort« bestehen, halten wir an der Nothwendigkeit der Errichtung zweier Molkereischulen fest. Wenn auch die Ausbildung männlichen Personals zur Zeit dringlich erscheint, so ist doch zu erwarten und zu erstreben, daß die Beschäftigung von weiblichem Personale daselbst unter anderen auch au» social- politischen Gründen eine immer größere Ausdehnung nehmen wird. Man darf hoffen, daß daS Molkereigewerbe beim Vorhandensein zuverlässigen einheimischen Personal», da» zur

Zeit, wie erwähnt, fast ganz fehlt, einen weiteren Aufschwung nehmen werde, wa» im höchsten Maaße im Interesse der hessischen Landwirthschaft läge.

Die ReichSbauk hat ihren DiScontfatz auf 5 pCt. heraufgesetzt.

* H. Stadttheater.Ein SonntagSstück muß lustig fein, sonst geht Niemand tn» Theater hinein" rteitiren wir ä la Busch und ein lustige» Stück war», die gestern gegebene GesangSposse,Der Mann im Monde" von Ed. Jacob- son. Da» Vorrecht dieser Posse ist, gleich dem so vieler anderen, von dem Gerippe einer dürftigen Handlung und dem Blödsinn zu leben. Da« einzig Gute an derselben ist die originelle Idee de» Titels, der sich von vornherein al» zugkräftig erweist, da wohl die Meisten diesenMann im Monde" mit der Erinnerung an die in der Kinderstube einst gehörte Auslegung in Zusammenhang bringen. Niemand ahnt, daß die Phantasie de» Verfassers den liebeglühenden Backfisch Wera des tn einem schlesischen Landstädtchen woh­nenden CarizlelrathS Liebetreu auf den absurden Einfall kom­men läßt, zu dem auf dem Dach des elterlichen Haus » befindlichen Storchnest hinaufzusteigen, dort dem Storch em Medaillon anzuhängen, daS einen Zettel birgt, auf welchem fte dem Finder al»Mann im Mond" ihren LiedeSgruß schickt. Der Zufall muß der Phantafie zu Hülfe kommen­der tn Centralafrika weilende Rittergutsbesitzer v. Goftal entdeckt" den Storch mit dem Medaillon, findet die darin enthaltenen Zeilen und sendet die Versicherung seiner Gegen- liebe zurück mit der Angabe, dag er in kurzer Zeit tn Berlin erscheinen werbe, um dort die Absenderin zu suchen. Da der Storch da» alte Nest wieder auf sucht, so wird auch da» zurückgebrachte Medaillon von dem, um die Geschichte wissen­den Dienstmädchen entdeckt und Wera wartet nun befl Freier-. Der Canzleirath wird nach Berlin versetzt- er und seine Frau geben sich alle Mühe, da-wohlassortirte Lager" ihrer fünf heirath-fähigen Töchter an den Mann zu bringen. Um nun dem elterlichen Prtncip, daß die Versorgung der Töchter derHnclennltät" nach erfolgen soll, nicht hinderlich zu sein, müssen die beiden Jüngsten, Wera und Beate, sich al» deS HauseS dienstbare Geister verkleiden. Doch da» Schicksal lenkt! Wera, daS Aschenbrödel, wird von dem Rittergut» befitzer gefunden und wird mit diesem sie liebendenMonn im Monde" vereinigt. Al» Beiwerk agiren noch mehrere andere HeirathScandidaten, die der Verfasser selbstverständlich zu gleichem Schlußeffect, zur Verlobung mit den Töchtern de» Canzleirath-, gelangen läßt. Da» Ganze ist au»geputzt mit wenig guten, viel schlechten Witzen und ein paar Gesang». Einlagen mit melodiöser Musik. Daß die Posse gefiel, da» bewiesen die Beifallsstürme, die nach jedem Actschluß er­dröhnten und hauptsächlich von der Gallerte gespendet wur­den , die ja meist den Erfolg solcher Stücke macht und der man willig und neidlos darüber da» Vorrecht de» Unheil» überläßt. Der Erfolg de» Abend» ist hauptsächlich dem frischen, flotten Spiel zu danken, welche» durchzuführen alle Mitwirkenden sich redlich bemühten. Herr Dir. Helm al» Canzleirath Liebetreu war ganz in seinem Elemente und animirte zu wahren Lachsalven. Frau Dir. Kruse al» dessen Frau, sowie Frau Dir. Helm al»Frau Bua.wald" und in Verwandlung al»Hoftchauspielerln Wera" erfreuten durch prächtige Darstellung. Da-wohlassortirte Lager" der fünf helrathsfähigen Canzleirath»töchter würbe durch die Damen Würdig, Biotti, Berner, Budow»ka und Nathu ftu» wirksam verkörpert. Die von diesen denMann im Monde" sich wünschende Tochter Wera gab Frl. Nathusiu» Gelegenheit, durch hübsche» und natürliche» Spiel Interesse zu erwecken- auch die von ihr gebotenen GesangSeinlagen befriedig­ten. Ihre Stimme ist jedoch nur in den Mittellagen von Wohl- Hang, in hohen Lagen scheitert sie und nur durch Falsett kann solches vielleicht bermteben werden. Summarisch genannt seien die Herren Fritzschler, Boehm, Janson, Liebscher, Forsch, Albrecht, Doser und Fellner, welche durch gute» Spiel erfreuten. Nicht vergessen sei Frl. v. Winterst ein al» Stubenmädchen Jette, die sich auch damit vollen Erfolg zu sichern wußte. Da» Theater war beinahe ausverkauft.

Betrag Zwei Freunde kauften am vorigen Samstag Abend in einem hiesigen Cigarrengeschäft Cigaretten und Kautabak ein. Bei der Zahlung legte einer derselben ein 5 Mark Stück hin, nahm aber, während der andere die Verkäuferin mit AuSsuchen von Cigaretten zu beschäftigen wußte, baß herauSbekommene Geld und auch ba» 5-Mark- Stück wieder an sich und entfernten sich dann beide. Die beiden Betrüger wurden gestern zur Haft gebracht. Dieselben besitzen keinerlei LegitimatiovSpapiere und müssen ihre Per­sonalien erst festgestellt werden.

* Diebstahl. Eine Dienstmagd, welche ihrer Herr­schaft au» einem verschlossenen Behältniß ein 20 Markstück entwendete und dafür einen neuen Hut und sonstige Kleidungs­stücke taufte, wurde verhaftet.

Sin Verein bentfcher Militar-Zavalibe« und -Anwärter hat sich infolge de» vor Kurzem in diesem Blatt erfolgten AnfrnfS in einer gestern Nachmittag auf Lonh» B erkeller stattgehabten Versammlung cooftituirt. Die Satzungen de» Bruderverein» in Darmstadt wurden für den hiesigen Verein angenommen. In den Vorstand wurden gewählt die Herren M elf fing er (Präsident), Jäger (Schristsührer) und Semml e r (Rechner). Herr Köhler au» Darmstadt referirte eingehend über die im veröffentlichte« Aufruf unter Punkt 4 bi» 6 stehenden Zwecke de» Verein».

* * Zwanzigtansend Mark find eine ganz anständige Be­zahlung für eine einstündige Anstrengung. Obige Summe wird, wie bic Ausschreibung be» Boston Club, Amerika, besagt, ber 1. Preis eine» Stunben - Rennen» sein, welches demnächst in Boston stattfinbet. Die Ausschreibung enthS't noch folgenden bemerkenSwerthen Passus, welchen wir feiner Originalität halber unseren Lesern nicht vorenthalten wollen: Jeder Fahrer, welcher sich zur Theilnahme an dem Rennen meldet, muß eine Summe von 2000 Mk. deponiren, welche er nur bann zurückerhält, wenn er thatsächlich ob dem Renn-