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Freitag den 12 Februar
1897
Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
Die Gießener Aamitieuvkälter rotrbtn bm Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Der
Hießeuer Anzeiger erscheint täglich, Ait Ausnahme des Montage.
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Amts- imd Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
chratisöeitage-. Hießener Aamikienötätter.
Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nchw« i Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgrge«.
Amtlicher Thell.
Bekanntmachung,
betreffend: die Maul- und Klauenseuche. Z
Jn Ltndhetm, Glauberg, Berstadt, Oberau und Heegheim, Kreis Büdingen, Wisselsheim und Dieder-Florstadt, Kreis Friedberg, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebroche« und GemarkungS- bezw. Gehöftsperre angeordnet worden.
In Angenrod, Grebenau, Kirtorf, Leusel, Reibertenrod, Strebendorf und auf dem Schmitt- Hofe bei Lehrbach, Kreis Alsfeld, in Engelthal, Kreis Büdingen, Dortelweil, Kaichen, Södel und Vilbel, Kreis Friedberg, Kombach, Kreis Biedenkopf und Ni eder- wett er, Kreis Marburg, ist die Maul« und Klauenfeuche erloschen und sind die verfügten Sperrmaßregelu wieder aufgehoben worden.
Gießen, den 9. Februar 1897.
GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, den 9. Februar 1897.
Bett.: Die Aufsicht über das dienstliche und außerdienstliche Verhalten der Schulverwalter und Schulgehilfen.
Die
Swtzh. Kreis-Schulcommisfion Gießen
au die Schulvorstände des Kreises.
Zufolge Weisung der obersten Schulbehörde beauftragen wir Sie, im Laufe des Monats Februar, spStestens aber bis zu« 1. März d. I. uns über die in Ihren Gemeinden verwendeten Schulverwalter und Schulgehilfen folgendes zu berieten:
1. Bor- und Familienname.
2. Ort und Zeit der Geburt, Name, Stand und Wohnort des Vaters.
3. Confesfion.
4. Ob verheirathet und seit wann? und mit weffen Tochter?
5. Zeit und Ergebniß der Seminarprüfung.
6. Zeit und Ergebniß der Staatsprüfung.
7. Befähigung für den Organisteudtenst.
8. Welche Stelle er vor seiner gegenwärtigen versehen hat und seit wann?
9. Gegenwärtige Verwendung, seit wann?
10. Würdigung der dienstlichen, moralischen und persönlichen Eigenschaften nach dem Urtheil des Gesammtschulvor- standes.
11. Etwaige Anträge.
Das Protocoll des GesammtschulvorftandeS ist beizulegen, v. Gagern.
Gießen, 9. Februar 1897.
Betr.: Errichtung und Einrichtung der Fortbildungsschulen, hier Darstellung des Zustandes derselben.
Die
Grvtzh. Kreis-Schulcommission Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Wir beauftragen Sie, die Fortbildungsschulen Ihrer Gemeinden zur festgesetzten Zeit zu schließen und uns bis spätestens Ende März die Berichte über den Zustand der Fortbildungsschulen im Winter 1896/97 zugehen zu lassen.
In denselben ist anzugeben:
1. Zahl der Klaffen,
2. Zahl der abgehaltenen Stunden,
3. Zahl der Lehrer,
4. Zahl der Schüler,
5. Leistungen der Schüler,
6. Betragen der Schüler,
7. Zahl der Versäumnisse der Schüler,
a. erlaubte, b. wegen Krankheit, c. unerlaubte.
8. Daffelbe wie 7 a. b. c. in Procenten ausgedrückt.
9. Vergütung für den ganzen Unterricht, abzüglich der BeleuchtungS- und Heizungskosten.
Zugleich erinnern wir Sie daran, daß die Fortbildungsschulen in Gegenwart des Schulvorstandes mit einer durch die Lehrer vorzunehmendeu öffentlichen Prüfung zu schließen sind.
v. Gagern.
Thronrede zum 30. Landtag.
Darmstadt, 10. Februar.
Heute Mittag 1ya Uhr fand im Großherzogltchen Schlöffe unter dem sonst üblichen Ceremoniell die feierliche Er
öffnung des 30. Landtags statt. Nach der von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog gehaltenen Thronrede fand die Vereidigung derjenigen Abgeordneten statt, welche den land- ständischen Eid noch nicht geleistet hatten, worauf Se. Exc. Herr Staatsminister Finger auf Befehl Sr. Königl. Hoh. des Großherzogs den Landtag für eröffnet erklärte. Die Thronrede hat folgenden Wortlaut:
Meine Herren Stände!
Ich heiße Sie zum 30. Landtage des GroßherzogthumS willkommen.
Die Einberufung zu demselben ist ungewöhnlich spät erfolgt und erscheint gleichwohl nach einer wichtigen Seite hin als verfrüht.
Der Wunsch Meiner Regierung, Ihnen alsbald bei Ihrem Zusammentritte den Hauptvoranschlag der Staats-Einnahmen und -Ausgaben für die mit dem 1. April dieses Jahres beginnende Finanzperiode vorzulegen, hat sich leider nicht verwirklichen laffen. Die Ursache liegt wesentlich darin, daß es zur Zett an einer sicheren Grundlage für die Bemessung der zu erwartenden Einnahmen fehlt. In dieser Beziehung fällt zunächt das durch die Gestaltung des Reichs« Haushalts bedingte Verhältniß der Ueberwetsuugen aus Reichs- einuahmen zu den Matricularumlagen in das Gewicht, nicht Minder aber die Frage des finanziellen ErgebniffeS der Eisen- bahnverwaltuugS« und Finanzgemetnfchaft mit Preußen, welches jetzt zum ersten Male festgestellt werden soll.
In beiden Richtungen wird vor April kaum auf einen Abschluß zu rechnen sein.
Bei dieser Sachlage ist Meine Regierung genöthigt, Ihnen vorerst die Erstreckung des dermalen geltenden Finanz- gesetzeS und zwar auf die Dauer zunächst eines halben JahreS anzufinnen.
Die Nothwendigkeit dieser Erstreckung sowie die Dringlichkeit der Erledigung mehrerer audereu Angelegenheiten machten Ihre Einberufung zu dem gegenwärtigen Zeitpunkte nothwendig.
Zu den soeben erwähnten Angelegenheiten gehören vor Allem ein Gesetzentwurf über die RuhegehaltSverhält- nisse und die Versorgung der Hinterbliebenen der im Heff.-Preuß. Gemeinschaftsdienste angestellten Staats- eisenbahnbeamteu und ein solcher über die Fürsorge für Beamten infolge von Betriebsunfällen. Beide Gesetze find in Ausführung des am 16. December 1896 perfect gewordenen und soweit thunlich jetzt schon vollzogenen StaatS- vertrags vom 23. Juni 1895 zu erlaffeu und sollen am 1. April d. I., au welchem Tage jeuer Vertrag in vollem Umfange zur Ausführung gelangt, in Kraft treten.
Weitere dringende Angelegenheiten find die Festsetzung und Bewilligung der Gehalte für die am 1. April nächsthtn zufolge des Gesetzes über die Kunftstraßen vom 12. August 1896 in Dienst tretenden KreiSbautuspectoren, ferner eine Vorlage wegen Beschaffung weiterer Mittel zur Herstellung der durch das Gesetz vom 15. November 1890 genehmigten Nebenbahnen und eine Propofition, betreffend die Bewilligung von Mitteln behufs Vollendung der Vorarbeiten für die in Aussicht genommene Steuerreform. In dieser Propofition wird Ihnen eine nähere Mittheilung über den dermaligen Stand der Steuerreformfrage gemacht werden und ferner wird Ihnen demnächst eine Denkschrift über die Ziele und die Richtung der Letzteren zugehen.
In dem Hauptvoranschlage für 1897 bis 1900 werden Sie möglichst reichliche Mittel für Zwecke der Landwirth- schast und Gewerbe, sowie eine namhafte Summe zur Regelung und Aufbefferuvg der Beamtengehalte eingestellt finden. WaS diese Letzteren angeht, so wird Ihnen eine be- fondere Vorlage zugehen, welcher das System des Borrückens nach Dienstaltersstufen zu Grunde liegt.
In theilweiser Erfüllung der ständifchersettS geäußerten Wünsche wegen anderweiter Organisation der obersten Staatsbehörde habe Ich Mich in Rücksicht auf die umfangreichen Arbeiten, welche die Einführung des auch von Mir im Jn- tereffe der nationalen Einigung freudig begrüßten Bürgerlichen Gesetzbuch» erfordert, veranlaßt gesehen, schon jetzt die Justizverwaltung durch Bestellung eines besonderen verantwortlichen Vorstände» von der Verwaltung deS Innern zu trennen; sobald jene Arbeiten ihren Abschluß gesunden haben, wird eS au der Zett sein, weitere Aenderungen bezüglich der Bertheiluug der Geschäfte in Betracht zu ziehen.
Unter der Versicherung Meines steten landesherrlichen Wohlwollens lade Ich Sie nunmehr ein, an Ihre Arbeiten heranzutreten.
Ich erhoffe von denselben reichen Segen für Land und Volk.
Wolff» telegraphische- Lsrrefprndenr-BnrttM.
Berlin, 10. Februar. Die Budget-Lomwisfion des Reichstages berieth heute den Colovialetat. Auf die Frage, ob der verurtheilte Privatbeamte Schröder nach Deutschland tranSportirt worden sei, erwiderte Colonial- director v. Richthofen, Strafen über 6 Monate dürften nicht in den Colonien verbüßt werden. Gegen Schräder schwebten noch Untersuchungen, die den Transport nach Deutschland verzögert hätten. Richthofen erklärte ferner, er theile die Ansicht, daß der Gouverneur allein verantwortlich fein müffe. Die Unterabtheilungen in der Verwaltung würden im nächstjährigen Eiat verschwinden. Die Frage der Stellvertretung des Gouverneurs sei so gut wie erledigt. Oberstlieutenant Trotha treffe bald in Deutschland ein. Der älteste Beamte werde in Zukunft die Stellvertretung des Gouverneurs übernehmen. Die Commission strich demgemäß die Forderung von 25,000 Mk. für einen ständigen Stellvertreter des Gouverneur» und setzte dafür 2000 Mk. ein als Zuschuß für den ältesten als Stellvertreter dienendea Beamten. Auf eine Anfrage HammacherS, ob der Geologe Entdeckungen machte, erwiderte Richthofen, er habe zu Goldfunden kein großes Vertrauen.
Straßburg i. E., 10. Februar. Der kaiserliche Statthalter Fürst zu Hohenlohe-Langenburg hatte für gestern Abend einige 70 Einladungen zu einem parlamentarischen Diner erlassen, zu dem fast sämmtliche Mitglieder de» Lande-auSschuffes, Staatssekretär v. Pntt- kamer, die UnterstaatSsecretäre und andere hohe Beamte erschienen waren. In seiner Begrüßungsansprache drückte der Fürst seine Freude über das zahlreiche Erscheinen der Abgeordneten zu den Berathungen aus, sowie über die Stetigkeit im Vorstande deS LandeSauSschuffeS. Der Statthalter betonte, fein eifrigste» Bestreben fei, die Bedürfnisse deS Landes kennen zu lernen und ihnen nach Möglichkeit gerecht zu werden, wobei er sich in vieler Beziehung freundlichen Entgegenkommens erfreuen dürfe. Sodann fuhr er fort: »Schmerzlich muß es mich aber berühren, in einer Anzahl öffentlicher Blätter des Landes öfter und noch dazu in recht verletzender Form den Vorwurf gegen die Regierung erhoben zu sehen, ihre Maßnahmen bezweckten nur, da» Volk zu knebeln, jede berechtigte Regung zu unterdrücken und eine KirchhofSruhe herzustellen. Ich brauche wohl nicht zu betonen, wie nachtheilig diese fortwährenden Verdächtigungen aus die Entwickelung unserer inneren Zustände wirken. Ich werde eS immer dankbar anerkennen, wenn in den öffentlichen Blättern in ruhiger, objektiver Form auf Mißstände aufmerksam gemacht wird und wenn die Wünsche der Bevölkerung zur Kenntniß der Regierung gebracht werden. Jede Regierung bedarf einer solchen Controle, und ich glaube, e» wird Niemand, der die Zustände unbefangen beurtheilt, behaupten können, daß der Presse hier im Lande nicht die größtmögliche Freiheit gewährt wird. Eine Regierung, die eine solche Kritik nicht verträgt, wäre eine schlechte Regierung. Wenn aber die von mir gekennzeichnete Presse den Bogen zu straff spannt, mag sie auch die Verantwortung tragen für die uns aufgedrungene Strenge, die ich nur ungern anwenden würde, nicht um die Freiheit der Presse zu unterdrücken, sondern um Land und Leute vor Unheil zu bewahren. Sie, meine Herren, möchte ich bitten, dahin zu wirken, daß solche Maßregeln nicht nothwendig werden." Der Fürst schloß, indem er des erkrankten Präsidenten Dr. v. Schlumberger freundlich gedachte, mit den aufrichtigsten Wünschen für Elsaß-Lothringen und den Lande»- au-fchuß. Vicepräfident Jannez-Saargemünd dankte mit einem freundlich aufgenommenen Hoch auf den kaiserlichen Statthalter. Der Abend nahm einen glänzenden Verlaus.
Paris, 10. Februar. Präsident Faure besuchte heute das „Institut Pasteur", wo Dr. Roux Mittheilungen über die Herstellung de» Pestserums machte, welche eifrig fort- gefetzt werde. Dr. Roux erinnerte daran, daß der Pestkeim sich tu der Erde entwickele und daß er vor feiner Heber* tragung auf den Menschen, wie man glaube, auf Thiere übergehe. UebrigenS fei der PestbacilluS von allen bekannten Mikroben der am wenigsten widerstand-fähige, da zu feiner Tödtung die Berührung mit einer einfachen Carbollösung genüge. Die Entwickelung de» PestbacilluS in Indien fet vor allem auf die Unsauberkeit der betroffenen Personen zurückzuführen. Wenn sich die Epidemie gegen alle Erwartung doch in Europa zeigen sollte, so brauche man darüber nicht zu erschrecken, denn die Pest fände hier keinen günstige« Boden für ihre Ausbreitung und würde wahrscheinlich bald wieder verschwinden.


