Kreuzer A, je 1 Million für zwei kleine Kreuzer A und B, je */a Million für die Kanonenboote „Ersatz Wolf" uvd „Ersatz Habicht", 873000 Mk. zum Bau eines Torpedo- dioistonsbootes und 1,8 Millionen zum Bau von Torpedobooten Jedes der Linienschiffe ist auf 14250000 Mk., der große Kreuzer auf 11600000 Mk., jeder der kleineren Kreuzer auf 3350000 Mk. und die Kanonenbootersatzbauten auf je 1250000 Mk. veranschlagt. ES sind sodann auch die nöthigen Summen für die artilleristische Armirung und für die Torpedoarmirung dieser Schiffe in den Etat eingestellt. An sonstigen Neuforderungen find zu erwähnen: 104000 Mk. für Erweiterung der Arbeitercolonie „Prieser Höhe" in Friedrich» ort, 1. Rate, 100000 Mk. Beihilfe zur Erbauung einer evangelischen Kirche in Bant. — Am außerordentlichen Etat wird eine Million als erste Rate für den Bau eines zweiten großen Trockendocks auf der Werft zu Kiel verlangt. Der aus der Anleihe zu deckende Zuschuß zu den einmaligen Ausgaben im ordentlichen Etat beträgt 26 636000 Mk.
Locales «rrd protHtuicru*
Gießen, den 9. December 1897.
*• Da8 Großherzogliche Ministerium hat angeordnet, daß die für die diesjährigen Jahresberichte der Fabrik- iuspeetoren zu veranstaltenden Erhebungen für beide FabrtktnspectionSbezirke in gleicher Weise vorgrnommen und derart bewirkt werden sollen, daß für jeden Gewerbebetrieb von dem Gewerbeunteruehmer selbst ein besonderer Fragebogen au-gefüllt werden soll. E» handelt sich dabei selbstverständlich nur um solche Gewerbebetriebe, die der Aufficht der Fabrikinspectoren unterstellt find.
•* Die außerordentliche Hauptversammlung de» Verein» Hessischer Lehrerinnen zur Gründung eine- Heims hat am 27. November d. I. im RathhauSsaale zu Darmstadt in Anwesenheit der hohen Pro ectorin und unter dem Borfitz der Präfidentin, Frau Ltli WolfSkehl, stattgefunden. Der Antrag des Vorstände-, den Ankauf eine- Hause- betreffend, wurde durch die Herren Bürgermeister Köhler und Architekt Müller erläutert und empfohlen und von der Versammlung angenommen: eS ist hierdurch der Verein in den Besitz eines Heims gelangt, da- in der Kiesstraße, in hoher, gesunder Lage Darmstadt- gelegen, vorerst ausreichende Räume bietet »ud am 1. April 1898 bezogen werden kann. Dem Verein find auf Grund dieser Erwerbung die Rechte einer juristischen Person verliehen worden und er darf wohl hoffen, daß ihm da» Jntereffe und da- Wohlwollen weiter Kretse, wie bisher, zugewendet bleibt. Sein Capitalvermögen beträgt jetzt 80000 Mk., von denen 32000 Mk. zum Ankauf des Hause- verwendet werden, wie auch etliche bauliche Veränderungen, Anschaffung von Mobiliar noch eine weitere Summe in Anspruch nehmen. Die Abfaffung einer Hau-ordnung, sowie bet etwa zu beschließender Namensänderung des Vereins, neuer Satzungen bleiben späteren Berathungen Vorbehalten.
4- Nidda, 9. December. Der gestern hier angeftandene Vieh- und Krammarkt war infolge der Unbilden des Wetter- fehr schlecht au-gefallen. — Da- bekavnte Gasthau- ^Zum Stern" dahier ist an Herrn Georg Kraft tu Nidda gestern für 20,000 Mk. verkauft worden.
X Ober-Ohmen, 8. December. In unsere« Orte stand vor zwei Jahrzehnten noch ein Industriezweig in hoher Blüthe, der heute um die Hälfte zurückgegangen ist: e- ist da» Messerschmieden, bezw. Anfertigung von Meffern «nd Gabeln. Dies Gewerbe brachte früher den geringeren Leuten namentlich zur Winterszeit einen wohl bescheidenen, aber steten Verdienst. Wie in vielen anderen Gewerben, so legte auch der Mefferschmiederei die Fabrikation der Meffer und Gabeln durch Maschinen einen Hemmschuh an, der daß Hau-gewerbe nicht mehr so lohnend erscheinen ließ. Der geringere Verdienst veranlaßte junge Leute, statt da- Meffer- schmiede Handwerk andere lohnendere Beschäftigung zu suchen und zu fiadeo. So b findet fich zur Zett statt der früher im Orte bestandenen 30 Mefferschmtedereten kaum noch die Hälfte. Wie gemeinhin bekannt, liefern die Fabriken wohl billigere Mrsier, aber kcioe-fallS bessere, sondern meist schlechtere al- die Hausindustrie. Bon Loxu-meffern ist hier nicht die Rede, sondern von gewöhnlichen Meffern, wie fie zum gewöhnlichen Gebrauche insonderheit auf dem Laude
Feuilleton.
„Also sprach Zarsthuflrss Sohn
Von Hellmut Ranegg.
Friedr. Nietsche, der unglückliche Philosoph, hat eine Sturmfluth entfesselt, deren Wellenschlag in den Kreisen aller denkenden Menschen, man darf sagen, über den ganzen Erdball hin, in den widersprechendsten Wirkungen sich geäußert hat Zur rechten Zeit erhebt jetzt ein Mann von der Be- deutung Leixner» fein gewichtiges Wort. In diesen Tagen erschien in dem Verlage von Otto Janke: „Also sprach Zarathustras Sohn . . ." Aus dem Geistesleben eines Modernen. Die großen Fragen der Zeit, der tiefe Drang, fich in den Reihen der Vorkämpfer der anbrechenden neuen Aera einen hervorragenden Platz, ja den des Führer» zu verdienen, treiben den jugendlichen Helden dieses fesselnden Romanes, fernab von dem Kreislauf gewohnter Anschauungen und Pflichten, jenem neuentdeckten Lande jenseits von Gut und Böse entgegen. Mit dem natürlich warm empfindenden Herzen nimmt der den kalten Höhen geistigen Herrenrechtes zustrebende Wille den Kampf auf, den scheinbar siegreichen. Die Liebe zu dem erwählten reinen, treuen Mädchen, die Liebe zu der edlen Mutter, die Freundschaft — sie Alle wer*
• ) .Also s prach Zarathustras Sohn . . / Bon Otto von Lctxner. Verlag von Otto Janke. Preis ungebunden 3 Mark, gebunden 4 Mark.
dienen. Die Ober Ohmeaer Messer erfreuen fich ihrer Qualität wegen heute noch eine- guten RafeS und werden heute noch massenhaft nach ferneren Gegenden verschickt, wie z. B. nach Westfalen. Diese Meffer find zwar mcht glänzend polrrt oder galvanisch vernickelt und leuchten so tu die Augen, — ein Glanz, der übrigen- gar bald bem Gebrauch verschwindet, — halten aber drei solcker le'chter stsabrikm-ffer au«
• Berlin, 7. December. Sudermann- „Johanne»" ist nunmehr auch vom Polizeipräfidium definitiv zur Aufführung freigegrben worden, nachdem fich Sudermann mit der Aenderung einiger Stellen einverstanden erk ärt hatte.
• Für Briefmarkensammler. Die zum Verkauf bet den deutschen Reich-Post-Anstalten in China bestimmten Frei- marken werden für die Zukunft in gleicher Weise wie die in den deutschen Schutzgebieten verkäuflichen Postwerthzeichen einen von der linken unteren nach der rechten oberen Ecke der Marke reichenden Ueberdruck in schwarzer Farbe erhalten, welcher den Namen des AufgabegebieteS „China" augtebt. Wie ferner au- Shanghai mitgetheilt wird, find die ersten Freimarken der kaiserlich chiurflschen Postverwaltung zur Ausgabe gelaugt. Bisher hatte mau in China zur Franki- ruug der Postsendungen dir Marken der Zollpoft, welche mit Ueberdruck versehen waren, verwendet. Die neuen Marken lauten auf Beträge von Vi Lent, 1 Cent, 2, 4, 5, 10, 20, 30 und 50 Cent-, 1, 2 und 5 Dollar-. Besonder- interessant dürfte eS erscheinen, daß die Herstellung der neuen chtuefischen Freimarken io Japan erfolgt ist.
* Da» Alter de» ältesten Mensche». Vor etwa drei Jahren fand man auf der Insel Java einige foifile Knochen, in denen ein großer Theil unserer Gelr?rten die Reste einer U eberg aug-form zwischen dem Affen und dem Menschen erblickte- mau gab daher diesem au-gestorbenen Wesen den Namen Pithecanthropus erectus (der aufrechtgehende Affenmensch). ES war von größter Wichtigkeit, daS Alter dieses Funde- genau festzustellen. Der Entdecker schätzte da- Alter der Gesteinsschichten ans die jüngste Tertiärzeit, dat sogenannte Pltoeäu. Nun hat vor einiger Zett der Franzose Carnot den Vorschlag gemacht, da» Alter fosfiler Knochen durch chemische Analyse zu bestimmen, indem ihr Gehalt au Fluor und Phosphor einen Maßstab für daS Alter abgtbt. Da für die Naturwissenschaft die wenigen Reste deS Pithecanthropus zu einer solchen Untersuchung zu kostbar gewesen wären, so untersuchte der niederländische Zoologe van Bemmelen die Knochen eine» Elephanteu, der tn derselben Schicht gelegen hatte wie der Affenmensch. Er fand ein Ver- hältniß von Fluor, welche- demjenigen sehr nahe kommt, davon Carnot al- characteristisch für dir Fosfilieu der Pltocän» Stufe angegeben wurde. Man sieht darin einen sehr zuverlässigen Bewei-, daß die Knochen des Affenmenschen wirklich au- so alter Zett stammen.
• Einmal im Jahre Postverbindnng. Tief unten im süd- atlantischen Ocran liegt die einsame Inselgruppe Tristan da Cunha, so benannt nach ihrem portugiesischen Entdecker (1506). Während der Gefangenschaft Napoleon- auf St. Helena hielt die britische Regierung die Inselgruppe besetzt, damit fie nicht al- Stützpunkt zur Befreiung de» Kaiserbenutzt werden könnte. Mit Napoleons Tode t. I. 1821 erlosch der Zweck der Besetzung. Al- nun Tristan daCunha verlassen werden sollte, da erbaten der Corpora! William Glaß und zwei Seeleute die Erlaubniß, dauernd auf dem weltfernen — übrigen- mit einem vortrefflichen Klima gesegneten — Eilande verbleiben zu dürfen. Die Bitte wurde gewährt. Allmählich bildete fich eine kleine Colonte, die im Jahre 1875 au- 85 Personen bestand. Sie steht unter dem Schutze de- Cap Gouverneur-. Da- winzige Gemeinwesen erfreut fich einer einmal jährlichen Postverbinduug mit der Capstadt. Bet dem Hauptpostamte daselbst werden die Briefe für Tristan da Cunha im Laufe de- Jahre- gesammelt und so lauge ausbewahrt, bi- sich die Gelegenheit zu ihrer Ab- sendung bietet. Nach dem Rechenschaft-berichte deS General- Postmeister- der Cap Colonte an den Cap-Gouverneur für da- Berwaltung-jahr 1896 wurde tn dtefem Jahre dte Post für Tristan da Cunha am 24. October au» Capstadt ab- gefertigt. Der Dampfer Pretoria, der au diese« Tage dte Jnselbat auf der Fahrt nach Gt. Helena verließ, nahm den Postbeutel nach dieser Insel mit, um ihn dort dem zu An
den zurückgedrängt, betäubt durch das tyrannische Streben, die Menschheit, losgelöst von Gesetzen, Empfindungen, den Schranken der Nächstenliebe und de» Bescheiden-, einem geistigen Höhepunkt absoluter Freiheit und Ruhens in sich selbst zuzuführen. Der junge Streiter strebt nach rücksichts- loser Härte, aber viele kleine Zeichen liebevoller Jnconsequenz zeigen dennoch an, daß das warme Leben in ihm noch nicht erstarrt ist. Er wirbt um eine auserwählte Gemeinde Gleichdenkender und sucht noch sich selbst zu überreden. In seinem Kreise lebt ein Mann von hervorragenden Fähigkeiten, der einst gleich ihm seine Götter al» Götzen bei Seite warf. Er machte sich selbst zu seinem Gott und stürzte von dem usurpirten Thron herab mit gebrochenen Flügeln, mit fich reißend seine Mutter, welche ihm in selbstloser, nie ermüdender Treue anhing, und die der Schmerz um ihn in ewige geistige Nacht hüllte. Nachdem jener Unglückliche in einem Genußleben die Fähigkeit zur Arbeit eingebüßt, den Glauben an alles Edle und Erhabene verloren, erfaßten ihn die Geierkrallen ohnmächtiger Reue. Ohne stch wieder aufraffen zu können, sah er von seiner Tiefe au» zum Leben empor, mit ätzendem Spott dte gläubig und ungläubig Irrenden verfolgend. Da glomm noch ein Mal ein Funken der Menschenliebe tn ihm auf: Er warnte den jungen Hochbegabten, der sich chm gütig erwies und, nachdem er sein selbstverschuldete» Gend schonungrlo» enthüllt hatte, rief er ihm mahnend zu: „Hüte Dich vor der Eiszeit". Und noch war e» Zeit, denn der jugendliche Prophet hatte ehrlich gearbeitet, er war auf Abwege gerathen, hatte sich selbst betrogen, er war kein bewußter Betrüger.
fang November- von St. Helena nach Tristan daCunha ab gehenden britischen Kriegsschiffe Magpre zu übergeben. Der Postbeurel enthielt al- dte Correiponbenz eines pauzen Jahre-: zehn Briefe, drei Zettuagen, zwei Bücher-Packete und ein im Retourbrief-Amte der Capstadt angefertigte- Packet mit unbestellbaren Z-ttuvgen, da» anscheinend tn der menschenfteund lichen Absicht nach der Insel gesandt worden ist, damit die fast ganz von der Cultur abgeschntttenen Colonisteo unter 37* 3' S. B. sich nachträglich ein wenig unterrichten können über da-, waS im Laufe des Jahre- tn der Welt vorgegangen ist.
* Die Irrfahrt ei»er Flaschenpost. Aus Chr i sttan ia, 28. November wird berichtet: Professor H. Mohn machre dieser Tage interessante Mittheilungen über dte Irrfahrten einer Flaschenpost, die gleichzeitig zeigen, daß die Flaschenposten auch als Verkehrsmittel benutzt werden. Au der Küste deS nördlichen Norwegen trieb eint Flasche an, worin einige Briefe und etwa- Tabak lagen. Die Briefe waren t-läodtsch geschrieben und von den an der Tübküste Island» liegenden WestmannSiuselu abgesaodt. Diese Inselgruppe liegt etwa eine Meile von der Inselgruppe entfernt- nur dte größte Insel Hetmary ist bewohnt und bildet ein Kirchspiel. Poft- verbmdung mit der Außenwelt hat die Insel nicht. Wollen dte Bewohner aber Briefe au Bekannte an der Südküste von Island schicken, dann legen fie die Briefe unter Beifügung von etwa- Tabak für den Weiterbeförderer tn eine Flasche, dir fie, gut verkorkt, bet Südwind tn- Meer werfen, sodaß fie nach J-laud htnübergetrieben wird. Die von den West- mann-Jnselv nach Norwegen abgeirrte Flaschenpost brauchte bis zur norwegischen Küste rin Jahr. Daß eine derartige Verwendung von Flaschenposten auch anderwärts vorkommt, zeigt eine Mitthetlung de- Districisarzte» Heilmann, der zu folge vor einigen Jahren bet Snlen, an der Küste de- Amtes Nord-Bergenh», ein kleines Plankenstück antrieb, daS wie dn Boot ausgehöhlt und zugespitzt war. Im Boden lag eine Blechbüchse, ganz mit Briefen gefüllt, dte von der etwa zehn Meilen westlich von den Hebriden liegenden Insel St Rtlöa abgeschickt und an Kaufleute auf Nord- und Süd Utst, zwei Inseln der Hebriden, adresfirt waren. Die Briefe enthielten außer Berichten über kirchliche und politische Verhältnisse auf der Insel, Aufträge an die Kaufleute, Saatkorn und andere Dinge zu schicken. Sie hatten von St. Ktlda bis zum Fundort an der norwegischen Küste (einer Strecke von etwcr 180 Meilen) 90 Tage gebraucht, waren also täglich minbe-- stenS zwei Meilen getrieben.
• Der Tiger de» Meere» im Enßvafftrfee. Um eine höchst merkwürdige und unheimliche Enrdeckung ist dte Wissenschaft seit Kurzem reicher geworden. Wie bekannt sein dürfte, ist man in Centralamerika zur Zett damit beschäftigt, de neuen Atlantic Pactfic-Canal zu bauen, der den Stillen Ocean mit dem Caratbtschen Meer verbinden soll. In den klaren Flnthen jenes seltsamen vulkanischen SeeS von Nicaragua, durch den der Canal augenblicklich geleitet wird, badeten nun an einem sehr warmen Tage einige Ingenieure, als plötzlich einer der jungen Leute mit einem furchtbaren Schrei die Arme in die Höhe warf und bann im Wasser verschwand. Ein blutrother Streifen zeigte fich einen Moment auf der Oberfläche und veranlaßte dte entsetzten SLweraden des ver schwundenen, mit dem SchreckenSruf „Alligatoren!" so schnell wie möglich baß Ufer zu erreichen. Einige Eingeborene, die auf ben Schrei herbeigeeilt kamen, «achten den bestürzt in» Wasser starrenden Ingenieuren schon von Weitem mit ihren unnachahmlichen Gesten klar, daß fie fich schleunigst vom Ufer entfernen sollten. Dann erklärten dte Indianer, bat} bet See von Haifischen wimmele, bte man unter ben Namen „Drigonen" ober „Menschfreffer" «ehr al» alle» in bei Welt fürchte. Bulb darauf gelang eß ben Leuten, eine» dieser Seeungeheuer zu fangen und zu tödten. Eß zeigte fich thal- sächlich, baß e» ein Haifisch war, beffen entsetzlich scharfe» Gebiß bemjenigen seiner in ben salzigen Flnthen be» Meere» lebenben Gefährten burchau» nicht» nachgab. Unzweifelhaft hing der See vor Zeiten mit dem Meere zusammen und wurde erst später durch vulkanische Außbrüche, die Land- erhebungen zur Folge hatten, von diesem isoltrt. Dte zurückgebliebenen Ungeheuer de» Meere» hatten fich dann noth- gedrungen au bie allmälig fich wandelnde Beschaffenheit be» Element», in bem sie lebten, gewöhnen müssen.
• Ci» französische» Märchen. Man schreibt au» Part»:
Seine physischen und geistigen Kräfte waren durch strenge Uebung gestählt, nicht durch müßige Verschwendung erschlafft; dennoch war Gefahr, daß au» der Lethargie der künstlich hervorgerufenen Kälte entstammend sein Herz im Tode», schlummer erstarren könnte. Der Warnungsruf traf chn, aber er erschütterte ihn noch nicht, da griff die Hand be» Todes nach seiner Mutter, und siehe, sie war kälter al» die Eisftufen irrenden Ehrgeize». Da» lebendige Herz zuckle und begann zu erwachen; da ergoß sich der heiße Strom der Mutterliebe über ihn, deren ängstlich gehütetes Geheimniß fich ihm enthüllte. Sie hatte gehungert, gedarbt, während er fich zum Herrn der Geisteswelt krönen wollte, und während er die Kindesliebe als etwas Ueberlebte» von fich zu werfen bemüht war, legte die Mutterliebe ihr Entbehrungen auf, welche chr Leben verlöschen ließen. Jetzt schmolz das Eis und schmerzhaft glühend erfüllte ihn die Reue, aber warm und lindernd richtete ihn Geschwisterliebe wieder auf und die standhafte Liebe jene» Mädchens, das chn besser verstanden hatte, al« er sich selbst. — Ein neuer Mensch geht aus dieser reinigenden Gluth hervor, frei von dem Hochmuth gegenüber den Allzuvielen, und jener Segensdreiklang der Humanität, de» Strebens und der Erkenntniß eigner Fehlbarkeit befähigt ihn zu bem herrlichsten Beruf — dem eines lernend Lehrenden. Man darf dem bedeutsamen Werke die größte Verbreitung wünschen, weil e» nicht nur dem Fachgelehrten willkommene Fingerzeige, sondern auch dem größeren Publikum eine spannende Lectüre bietet.


