Ausgabe 
10.12.1897 Zweites Blatt
 
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Neber den im Drehsi'-handel vielgenannten ehemaligen Chef deS »Bureau des renseignements im Krieg-Ministerium, ben verstorbenen Oberstiieutenant Sandherr find seit langer Ze't die unglaublichsten Geschichten von seiner Kühn­heit uib Verschlagenheit im Auskundschaften unb Spioniren verbreitet. Eine bet seltsamsten Erinnerungen an diesen Oifizier tischt derPariS^ seinen Lesern aus- wir beschrän­ken uns darauf, fle wiederzugeben, ohne auf die in die Augen springenden plumpen Unwahrscheinlichkeiten dieser Darstellung besonders etnzugehen:vor ungefähr zehn Jahren wünschte die französische Regierung in den Besitz eines vervollkomm neten deutschen Gewehres zu gelangen, dessen Vorzüge be­sonder« von einem nach Paris gekommenen höheren russischen Oifiz'ere gelobt wurden. Sandherr erbot fich die Sßafft zu beschaffen, reiste nach Berlin unb stieg dort unter dem Namen eine« deutschen Offiziers auS der Provinz ab, was er wegen feiner hohen Gestalt, seine! militärischen AuSsehenS und vor­züglich wegen seiner völligen Beherrschung der deutschen Sprache und der tiefen Kermtniß der deutschen Militärge­bräuche wohl wagen durfte. Da er die Stunde wußte, da die Offiziere die Runde bei den Wachtposten zu machen hatten, wartete er eine- Abends spät darauf, bis dies in der Hauptwache neben dem Zeughause geschehen war. Er trug den sedr langen Dienstmantel der deutschen Offiziere. Die Soldaten in der Wache glaubten an eine Contrevifite und waren deshalb keineswegs über den Besuch eine! höheren Offiziers nach der kurz vorher anwesenden Runde erstaunt. Der Offizier des Postens, der nicht auf eine derartig schnelle Folge der beiden Runden vorbereitet war, lag in reglementS- wt ciger Haltung auf dem Feldbette hingestreckt. Sandherr rügte ihn scharf, führte die Jnspection aus, unterzeichnete das Protokoll, verbot dem Offizier ihn zu begleiten, und entfernte fich. Im Verlaufe dieser Wachtposteninspection,

deren fämmtliche Einzelheiten geschickt voraus combinirt waren, hatte der Oberstlieutenant Zett gefunden, ein Gewehr von dem Ständer zu entfernen und unter seinem langen Mantel zu verbergen. (!!) Dieser ganze Auftritt hatte Dank der Geschicklichkeit SandherrS nicht daS mindeste Auf­sehen erregt und nicht den geringsten Verdacht erweckt. Sandherr kehrte in fein Hotel zurück, nahm das Gewehr auseinander, verbarg es in seinem Koffer und konnte auf dem Umwege über Oesterreich ungehindert Paris erreichen. Ec hatte dieses unerhört verwegene Unternehmen kurz vor Abgang eines EilzugeS nach Oesterreich ausgeführt. Auf diese Weise entging er allen Folgen, die die Entdeckung seiner L-st und daS Verschwinden deS Gewehres hätte nach fich ziehen müssen. Nach acht Tagen vermochte Gandherr auf diese Weise dem Kriegsminister seinen Bericht und daS erbeutete Gewehr zu überreichen. Der dienstthuende Offizier der Berliner Hauptwache wurde wegen mangelhafter Wachsamkeit streng bestraft. Erst sechs Monate später, nach langen mühsamen Untersuchungen über diese geheimnißvollr Angelegenheit, gelang eS den Deutschen, in Erfahrung zu bringen, daß da« Gewehr von einem Franzosen entwendet worden unb baß dieser Franzose Sandherr war." Der Gewährsmann de« »Paris" fügte hinzu, daß diese Geschichte ihm in Gegenwart SandherrS von dem ehemaligen Chefredakteur derLibertb", Lapeysouffe, der gleichfalls inzwischen verstorben ist, also fie nicht mehr zu dementiren vermag, erzählt wurde und daß der damalige Chef de« AnSkunftSbureauS tm Kriegsministerium fle mit einem bellen Sachen bestätigte.

CHeratur rsrrd Aunst.

SommerfLderr. Skizzen von Elly zu Putlitz. Elegant cartonnirt mit Goldschnitt 1.20 Mark. Schwabacher« Verlag in Stuttgart. E- find zwölf anmuthige, stimmungsvolle Erzählungen,

die sich besonders durch eine feine Gabe liebevoller Naturbeobachtung auszeichnen. Elly zu Putlitz versteht <8, selbst kleinen, alltäglichen EreigntsikN einen poetischen Reiz abzugewinnen. DaS nicht alltägliche Talent, welches aus den Sommetfäden spricht, ist rein und echt. Es e innert in manchen Zügen an die charactertstischen Eigenschaften, denen Gust«v zu Purtth den Erfolg feiner reizvollen kleinen E zähl- ungen verdankt, sodaß man aus dem Buche unschwer die dem Dichter auch geistig nahestehende Verfasserin erkennt. Für Freunde feinerer UnterhaltungS-Lectüre wie auch als vornehmes salon-Geschenkwerkchen sind die vom Verleger sehr elegant ausgestattetenSommerfäden" auf! Wärmste zu empfehlen.

Aus der Praxi« de« PebrauchAmustorgesetze« und ihre Beziehung zu dem Gcs tze gegen unlauteren Weiiveweib lautet der Titel der soeben tm CommOsions-Verlage von G. D. W. Callwey in München erschienenen Broschüre des Patentanwalts G. Dedreux in München. Der Verfasser beleuchtet in demselben die verschiedensten unklaren Punkte deS G»s tzes an der Hand von Beispielen, welche durch zahlreiche Entscheidungen des Reichsgerichts, sowie anderer Gerichte belegt werden. Zum Schlüsse wird der möglichen Beziehungen des Gesetzes gegen den unlau'eren Wettbewerb zu dem GebrauchS- musterschutzgesetze Erwähnung gethan. Wir können die Lectüre dieses Merkchens infolge seiner tnstructiven Momente unb der Klärung eine! die weitesten Krets? interesstrenden Inhaltes allen betheiligten Kreisen nur wärmstens empfehlen.

«mpfehleuSwerthe Aestgefcheuke aus E. T. Witzkott Kunstverlag BreSlau nennt sich ein überaus originell und reiz­voll ausgestatteter Katalog, welcher auf 48 mit weit über 70 Illu­strationen geschmückten Setten von den Neuerscheinungen und der Tbätiakeit des bekannten Verlages Kunde gtebt. Die Absicht des abseits von den großen Kunstcentren gelegm-m Verlages, auch hier im Osten unseres Vaterlandes die Kunst zu pflegen und zu populari- siren, ist demselben in reichem Maße geglückt DaS zeigen die in dem Verzeichniß angegebenen Künstlernamen, unter denen wir einen Hofmann neben Aller«, Menzel neben Lenbach, Passint neben Grützner, Defregger neben Werner rc finden. Der reiche Bilder- schmeck und der Zweifarbendruck machen das Durchblättern des Verzeichnistes zu einem besonderen Vergnüg n, und wir zweifeln nicht, daß Jeder auS dem Vielen, welches da geboten wird, etwas findet.

Die Lieferung des Bedarfs an Back-, Fleisch- und Specerei waareu, sowie an Milch pro 1898 für die Balferifche Stiftung dahier soll im Submissionswege vergeben werden. Offerten sind verschlossen bis zum 10. December l. I. bet Rendant Doering etnzureichen, wo­selbst auch die Bedingungen eingesehen werden können.

10933 Die Administration der Balferische« Stiftung.

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Bekanntmachung.

Der cand. med. Otto Jäger zu Gießen ist wegen Verschwendung entmündigt worden und können Rechtsgeschäfte nur mit dem gericht­lich bestellten Curator, Herrn Zahn­arzt Eduard Jäger zu Gießen abgeschlossen werden.

Gießen, 6. December 1897.

Großh. Amtsgericht.

Wiener. 11112

Fleischlieferung, s

Die Lieferung des SefamMibedarfA an Aletfch- und für die

Unteroffizier- und Mannschaft? Menage der drei Bataillone deS R-gtrnentS Kaiser Wilhelm für 1. und 2. Quartal 1898 sowie deS hiesigen Garnisons- LazarethS nur für 2. Quartal soll im Wege öffentlichen Aufgebots vergeben werben.

Die Lieferungsbedingungen können hier in der Zeughauskaserne, Zimmer Nr. 16, Vormittags von 10 bi« 12 und Nach­mittags von 4 bis 6 Uhr, einges hen und bezügliche Exemplare gegen Erstattung der Selbstkosten bezogen werden.

Angebote mit der AufschriftAngebot aus Lieferung von Fleisch- und Wurst- waaren" find versiegelt, portofrei bis »um BerdiusuugStermi«, de« 15. De- eemder d. I., vormittag» 10 Uhr, an daS unterzeichnete Bataillon, Zeug­hauskaserne Stube 16 einzureichen.

Gießen, den 7. December 1897.

3. BateiWtm Jnfarrt.-Skgi«rerrtS

Kaiser »Utzelm (»r. 116).

Versteigerungen.

Holzversteigerung

im Gießener Stadtwald.

Montag den 13. December 1897, Vormittags 91/, Uhr be­ginnend, sollen im Fernewald in den Districten Dachsbau und Dorn­strauch meistbietend versteigert werden:

36 Eichenstämme mit 21,40 fm (darunter Schnittholz),

726 Kiefernstämme mit 301,26 fm (darunter Schnittholz),

12 Kiefernstangen mit 1,62 fm,

7 rm Eichen-Scheitholz,

3 Radel-Scheitholz

6 Eichen-Knüppelholz,

130 Radel-Knüppelholz,

8 Etchen-Stockholz,

83 Nadel-Stockholz,

380 Wellen Eichen-Reisig,

4220 Nadel-Reisig.

Die Zusammenkunft ist auf der Hauptschneise am Dachsbau.

Gießen, den 6. December 1897.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

I. V.: Wolff. 11104

Freitag den 10. Secbr. 1897, Nachmittags 2 Uhr, im Adler zu Gießen versteigere ich öffent­lich gegen Baarzahlung oorausfichttich bestimmt:

20 Mille Sigarren, eine Partie Roh- tabok und diverses Silberzeug.

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