Berlin, 8. Deeember. Nach Meldungen, welche an hiefiger amtlicher Stelle eingerroffen find, hat fich die Erledigung de» Zwls ch enfalle» mit Haiti folgendermaßen abgespielt: Nach Ueberretchung des die deutschen Forderungen enthaltenden Ultimatum- nahm daS Schulschiff „Stein" gefecht-klar in nächster Nähe der Haitischen Kriegsschiffe und der Stadt Porte au-Prtnce Stellung. Eia von diplomatischer Seite erbetener Aufschub in der Vollstreckung bei Ultimatums wurde abgelehnt. Am 6. d. M. um 12 Uhr 25 Miu. Nachmittag-, eine balde Stunde vor Ablauf der gestellten Frist, wurden fämmlltche Forderungen des Ultimatums vom Präfidenten der Republik Haiti angenommen. Die als Entschädigung für Lüder- geforderte Summe befand fich bereits um 4 Uhr Nachmittags an Bord des Schulschiffe» „Charlotte". Bald darauf lief daS von der Regierung von Haiti verlangte Ent« schuldigungsschreiben ein. Diesem folgte die Abfeuerung des Salut». Nach Erfüllung der deutschen Forderungen ist Alle- ruhig. Die auf die Schiffe geflüchteten Personen kehrten in die Stadt zurück. Auch der deutsche Geschäftsträger hat fich an LaZd begeben.
Friedrichlruh, 8. December. Prinz Heinrich von Preußen ist heute vormittag hier eingerroffen und am Bahnhofe vom Grafen Rantzau empfangen worden. Im Schlöffe hatte der Prinz eine etwa zweistündige Unterredung mit dem Fürsten Bismarck.
Kiel,8. December. Die Panzerschiffe ^Brandenburg" und „Württemberg" eollidirten auf der Fahrt nach Christiania. Die „Brandenburg" erlitt Havarie im Vorderschiff und mußte zur Reparatur hierher zurückkehren. Die „Württemberg" blieb unbeschädigt.
Frankfurt a. R., 8. December. Der Bankier Wilhelm Hohenemser, der Mitinhaber de» Bankhauses M. Hohen« emser, ist heute Nachmittag gestorben. Hohenemser war ein bekannter Achtnndvierziger, der zum Tode verurtheilt, aber begnadigt worden war. Später trat er zur natioualliberalen Partei über.
Wien, 8. December. Nachdem officiöS noch immer versichert wird, daß die AuSgleichSverhandlnngen noch nicht beendet find, erklärt man in Abgeordnetenkreisen, daß alle Au-fichten auf eine Verständigung geschwunden und die Verhandlungen zwischen dem Ministerpräfidenten und den Parteien al- gescheitert zu betrachten sind.
Lemberg, 8. December. Die für heute einberusene Studenten-Bersammlung, in welcher die Hörer der Uaiverfität und de- Polytechnikum- zu den Vorgängen in Prag Stellung nehmen wollten, ist polizeilich verboten worden.
Krakau, 8. December. Seiten- der i hiesigen Studenten wurden dem Grafen Badeni, der gestern Hier eintraf, Ovationen dargebracht. Badeni wurde mit den Rufen: „Vivat Badeni, Pereat Gautsch!" empfangen. Die Socialdemokraten inscentrten Gegendemonstrationen. Gestern Abend wurde zu Ehren Badeni- die Stadt illuminirt.
Budapest, 8. December. Im Abgeordnetenhause ist noch immer die Obstruction im vollen Gange. Die äußerste Linke trägt fich m t der Abficht, die ganze Regierung-thätig- kett lahm zu legen.
Genf, 8. Deeember. Der internationale Expreßzug ist bei Bern entgleist. Ein Waggon stürzte in einen Graben. Zwei Reisende wnrden schwer und einer leicht verletzt.
London, 8. December. Nach Nachrichten au- Port- au-Prince sind die Geschäfte wieder geöffnet und Alle» geht seinen ruhigen Gang.
London, 8. December. AuS Berlin wird hierher gemeldet, -daß Frankreich nnd Rußland fich den deutschen Ju- tereffen in China nicht widersetzen würden.
London, 8. December. Die „Times" melden au- P e k i n g: China gewähre in der Hoffnung auf die Räumung Kiao- Tsch a uS alle deutschen Forderungen bedingungslos, nämlich: Entschädigung der Familien der ermordeten Misfionare, Errichtung einer Gedächtnißkirche in Tfining Tschau am großen Canal und einer kaiserlichen Capelle in Kufe; ferner dauernde Degradation des Gouverneur- Li-Pin Hing, de- gewählten Bicekönig- von Sutschuan, sodann Zahlung der Kosten der Occupation von Kiao-Tschau, sowie nicht exklusive Bergwerk-- und Eisenbahn-Privilegien in Tschantung, inhaltlich übereinstimmend mit dem ersten Satz von Artikel 5 der französischen Convention vom Jahre 1895. — Nach einer Meldung de» Bureau „Dalziel" au- Shangai wäre China auch bereit, Kiao-Tschau temporär au Deutschland al- Flottenstattou abzutreten.
Kiew, 8. December. Im Ludwig-saale kam je- gestern zwischen Offizieren und Studenten zu einem heftigen Rencontre, iu deffen Verlauf da- Publikum für die Studenten Partei nahm. Die Offiziere wurden mit Stühlen, Gläsern und Flaschen angegriffen, ihnen die Säbel entriffen und zerbrochen. Schließlich warf man fie au- de« Local hinaus. Auf beiden Seiten gab e- viele verwundete. Der Zar hat den Gendarmerie-General Brook zur Untersuchung des Falles nach Kiew entsandt.
Athen, 8. December. Die Kammer tritt am Montag zusammen, um den FriedenSvertrag zu unterzeichnen.
Konstantinopel, 8. December. Morgen werden bte Botschafter die Entscheidung bezüglich des Gouverneurs von Kreta dem Sultan übermitteln.
Berlin, 9. December. Die unter dem 1. December von den Herren Haffler-Augsburg und Woeruer-Hamburg eingeladenen Vertreter von Handel, Industrie und Klein- gewerbe haben gestern beschlossen, eine Kundgebung bezüglich der Frage der Verstärkung und Ausgestaltung der deutschen Kriegsflotte ins Werk zu setzen. Es wurde weiter beschloffen, zu diese« Zweck einen Aufruf zur Be- theiligung an einer Versammlung zn erlassen, die a« 13. Januar im Kaiserhof Hierselbst stattfindet.
Danzig, 9. December. Hier ist eine Mittheilung deS ReichSmarineamtS eingetroffen, wonach die Taufe de»
Panzers M auf den 21. December verschoben wird. Die plötzliche Aenderung deS Termin- ist darauf zurückznführen, daß Kaiser Wilhelm wahrscheinlich nach der Einweihung der GarvisonSktrche in Thorn von dort hierher kommt.
Petersburg, 9. December. Em russischer Diplomat äußerte, Deutschland habe von Seiten Rußlands in dem Confliet mit China nicht die geringste Ungelegenheit zu erwarten, da dieser Punkt bereit» anläßlich der letzten Anwesenheit MurajewS tn Berlin vollständig geregelt wurde. Sc bestätige, daß zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren ein Depeschenauitausch stattgefundeo habe. Rußland habe andererseits auch kein Interesse daran, fich mit China durch Beanspruchung von Cov'peosationen zn verfeinden. ES verfolge auf Korea bestimmte Abfichten, außerdem erheische der Bahnbau durch die Mandschurei friedliche Beziehungen zu der gelben Rasse. ES erwachse auS den territorialen ver größerungeo auf chinefischem Gebiet für Rußland vorläufig kein vortheil.
Aus den Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessische« Stände.
nn. Darmstadt, 8. December 1897.
Die Sitzung wird um 9*/, Uhr eröffnet. Nach Verkündigung neuer Einläufe unc> Berichteanzeigen tritt da» HauS sofort in die Wahlprüfungen ein und wird die Wahl des Abg. Köhler-Darmstadt einstimmig genehmigt. Ebenso findet die Wahl des Abg. Metz-Gießen die Zustimmung der Kammer. Gegen die Wahl des Abgeordneten im 7. Bezirk der Provinz Starkenburg find Reclamationen erhoben worden. ES wird verlangt, die Wahl für ungiltig zu erklären, weil mit ungerechten Mitteln, mit Unwahrheiten, Lügen und boshaften Verdächtigungen und Verhetzungen auf die Wähler etugewirkc worden sei. Der Ausschuß hat die Reclamationen geprüft und rS beantragen die Abgg. Bähr, Pennrich und Cramer Giltigkeit der Wahl des Beigeordneten Ohl von Groß-Umstadt als Abgeordneter, wahrend die Abgeordneten Weith, Erk und Friedrich fich für Uogiltig- keitSerklärung aussprechen. — Abg. Schmeel schildert dem HauS iu eingehender Weise die nach seiner Anficht stattge- fundeuen Wahlunregelmäßtgkeiten. ES sei erwiesen, daß, um da- jetzige Resultat zu erreichen, von ultramontaner und auch von antisemitischer Seite auS eine wahrhafte Hetze gegen den früheren Abg. Lautz eröffnet worden. Die Steuerreform und der Staatsvertrag mit Preußen bezüglich der Hessischen LudwigSbahn feien von dem Reichstagsabgeordneten Hirsche! mit unwahren Tendenzen geschmückt der vationalliberalen Partei in die Schuhe geschoben worden, um die Wähler zu beeinflussen. — Abg. Cramer erklärt, er könne fich nur für Giltigkeit der Wahl Ohl aussprechen, denn nach seiner Ansicht hätten in keiner Weise Unregelmäßigkeiten stattgefunden. Wenn die nationalliberale Partei von Verhetzungen sprechen wolle, so möge fie fich doch nur selbst au ihre Brust greifen, denn gerade fie wähle iu den Wahlkämpfen mcht immer die lautersten Mittel, um za ihrem Ziele zu gelangen. — Abg. Fren ah weist nach, daß nach allen stattgehabten Erhebungen eine Wahlbeeinflassung nicht festgestellt werden konnte, und die angeführten Unregelmäßigkeiten seien von keiner Seite erwiesen worden. — Abg. v. Brentano schildert in glänzender Rede die ganzen Vorgänge bei der stattgehabten Wahl und kommt zu dem Resultat, daß gerade die Partei des Herrn Friedrich e- sich zur Aufgabe gemacht habe, gegen die Schwarzen und Rothen, wie fie ihr nicht genehme Mitbürger bezeichne, überhaupt gegen Jeden zu Ftld zu ziehen, der nicht auf ihre Fahne schwöre. Thatsache sei, daß da- Vorgehen des Reich-tagSadgeordneten Hirschel gegen Herrn Lautz nur zur Rechtfertigung der gegen Ersteren erhobenen Schmähungen gedient habe, die Herr Lautz bittet ober inbbect gegen denselben loSgelaffen hatte. Er werde für Giltigkeit der Wahl stimmen. — Abg. Köhler tritt den Ausführungen des Vorredner» voll und ganz bei. Bei dieser Wahl müsse die Wahrheit fiegen und er ersucht die Kammer, der Wahrheit zum Sieg zu verhelfen und die Wahl für giftig zu erk.ären. — Abg. Ulrich kann nicht begreifen, wie man im Ausschuß auf UngiltigkeitSerklärung der Wahl des Herrn Ohl kommen konnte, wenn man nicht geradezu politisch geblendet gewesen sei. Sämmtliche Zeugenaussagen feien auf den Cid gegeben und hierdurch sei keine Wahl- beeinfluffung vachgewiesen worden. Wenn man die Sache bei Licht betrachte, so sei zu constattreu, daß gerade von nattonalltberaler Seite au- nicht immer die richtige Form und der Tact bei der Wahlagitation gebraucht worden sei, und er erinnere nur an die infamen Flugblätter, die gegen feine Partei gerichtet waren, in welchen den Mitgliedern seiner Partei alle möglichen Schmeichelnamen zu Theil wurden. Heute wolle man wieder ein solches Manöver versuchen. ES werde Sache der Kammer sein, die richtige Antwort in dieser Frage zu geben. — Abg. Osann sucht in einer vortreff- llchen Rede die Beschuldigungen gegen die nationalliberale Partei zu entkräften und bringt dabei in ausführlichster Weise nochmals den Proceß Lautz contra Caplan Mischler und die Motive zu deffen Entstehung zur Sprache. Hier sei mit den unlautersten Mitteln gekämpft und der Wahrheit ins Gesicht geschlagen worden. Allenthalben habe man bei Wahlversammlungen Unwahrheiten über die LadwigSbahn u. A. m. im Volke verbreitet und die Ursachen hierzu der nationalliberalen Partei in die Schuhe geschoben. Solches Vorgehen müsse man brandmarken, wo man es treffe, und gerichtlich fei dies durch den Proceß Lautz glänzend geschehen. Früher seien solche niederträchtige Anzapfungen der Parteien nicht vorgekommen- jetzt fei daS daS Resultat der neueren Strömung. Gerade durch dieses Vorgehen sei Lag und Trug in die Massen hineingebracht worden und wenn daS keine Wahl- beeinfluffung sei, so habe er keine Worte mehr für die Sache. — Abg. Erk rechtferttgt seinen Standpunkt dahin, daß seiner Ansicht nach eine ganz unerhörte Agitation gegen Herrn Lautz stattgefunden und dessen Sturz herbeigeführt habe. — Abg. Graf Oriola bedauert die übermäßige Ausdehnung
; der DiScuffion. Er werde für die Giltigkeit der Wahl stimmen, mit ihm eine Anzahl seiner Parteigenossen. Da» Spenden von Freibier sei nicht nachgewiesen. Auch die sonst vorgebrachten Einwände bezüglich der antisemitischen Agitation reichten für ihn nicht zu einet Easstrnng der Wahl hin. ES sei doch anzunehmen, daß die antisemitischen Behauptungen tn gute« Glauben, wenn auch vielleicht auf Grund einer verkehrten Anschauung ausgesprochen seien. Er verurtheile ganz entschieden die Gepflogenheit, im politischen Kampfe an die Stelle der sachlichen Gründe persönliche verungltmpfangeA zu setzen und bittet auch, in den Kammeroerhanblnngen in Zukunft streng sachlich zu sprechen.
Darauf wird die Wahlberathung vertagt. — Nächste Sitzung: Donnerstag 9 Uhr.
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Dietzen, den 9. Deeember
** Oeffentliche Anerkennung edler Thalen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Seminaristen Carl Roth I. zu Friedberg in Anerkennung der von th« mit Muth und Entschlossenheit, sowie unter eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung des Lehrers Diehl zu Friedberg vom Tode des Ertrinkens, — sowie dem Polizeidtrner Ludwig MerteS zu Wrisenau in Anerkennung der von ihm mit Muth und Entschlossenheit, sowie unter eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung der achtjährigen Anna Laar tn Weisenau vom Tode des Ertrinkens die Rettung-medatllc zu verleihen geruht.
• • MUitärdienstnachrichten. Dr. Dormagen, Stab»« und BataillvnSarzt vom 2. Bat. deS Westfäl. Faßarttllerie- Regiments Nr. 7, zum Oberstabsarzt 2. Kl. und Regts^Arzt deS 5 Gr?ßh. Hess. Jnf. RegtS. Nr 168, — Dr. Kap esier, Unterarzt vom 3. Groß. Hess. Inf. Regt (Leib-Regt.) Nr. 117, zum Assistenzarzt 2. Kl., — Dr. Brandenburg, Assistenzarzt 2. Kl. der Reserve vom Laadwehrbezirk Gießen, — Dr. Pfeiffer, Assistenzarzt 2. Kl. der Res. vom Landwehrbezirk II Darmstadt, — Dr. Lahr, Assistenzarzt 2 Klaffe der Reserve vom Landwehrbezirk WormS, za Assistenzärzten 1. Kl., — Dr. Klein, Unterarzt der Landwehr 1 Äufg. vom Landwehrbezirk I Darmstadt, zum Assistenzarzt 2. Kl. befördert. Dr. Scholze, Oberstabsarzt 2. Kl. und Regt».- Arzt vom 5. Großh. Hess. Jaf.-Regt. Nr. 168, zum 2. Nass. Inf. Regt. Nr. 88 versetzt.
* * Stadttheater. Am Freitag den 10. d. M. wird im hiesigen Stadttheater auf vielfachen Wunsch Zabel und Bocks Schauspiel „Der Gymnasialdtrector" wiederholt.
* • Die Journalisten, die gestern Abend der Theaterverein seinen Mitgliedern bot, gelten für das drittbeste Lustspiel Deutschlands. Daß die ersten beiden „Minna von Barnhelm" und der „Zerbrochene Krug" sind, darüber find fich Alle einig- .auch bte Bewunderer FrchtagS werden zn- geben, wenn fein Werk jenen beiden anderen als Dritte» folgen soll, daß es ihnen in einem bedeutenden Abstacde folgt. Allein so arm ist unser Theater — nicht qm guten, sondern an erträglichen Lustspielen, daß man in Verlegenheit wäre, fall» man ein anderes Lustspiel nennen sollte, da» dem Freytag» die Palme streitig machen könnte. Und etwas leistet e» ja immerhin, es füllt einen Theaterabend angenehm ans, e» hat eine Reihe kornischer Effecte und macht ziemlich viel Lachen. Ist gar ein Publikum fo anspruchslos und dankbar wie da» hiesige, so erreicht seine Begeisterung und Heiterkeit vielleicht selbst einen hohen Grad. Die Wirkung ist also unserem Stücke nicht abzustreiteu. Sieht «an jedoch genauer zu — und wer da» Stück schon öfters sah, wird un» recht geben — so merkt man bald, daß fie durch lauter kleine Mittelchen, Witzeleien, Spässe und dergl. erzielt wurde. Freytag hatte sehr wohl recht tu seinen Lebenserinnerungen es auszusprechen, daß er bei jenem Werke daS Bewußtsein gehabt habe, das eigentlich Technische der dramatischen Kunst besser als sonst Jemand in Deutschlaad zu verstehen. Die eigentlich komische Kraft scheint unS dagegen schwach und zeigt fich saft nur in der Characteristik der Nebenpersonen, wie Schmock, Piepenbrink u. s. w. Dem eigentlichen Helden, Konrad Bolz, fehlt zur wirklichen (Somit vor Allem die Naivetät. Wer sich selber und sein Thun und Treiben so ironisch betrachtet, kann durch seine witzige Ironie bloß amüsant, aber nicht wirklich komisch werden. Die komische Person muß vielmehr ihrer Narrheit, ihrer Schrulle, ihrem lächerlichen Havg mit völligem Ernst fich widmen und je feierlicher, pathetischer und wichtiger fie sich dabei geberbet, um so komischer wird fie eben. AuS solchem Holze finb die komischen Gestalten MoliöreS, Shakespeares und Holbein» geschnitten und selbst Shakespeare» Falstaff und Benedict, die au Witz c» mit einem halben Dutzend Bolze aufnehmen, hören nicht auf, naiv zu sein. Bolz belustigt aber bla» dadurch, daß er immer Witze reifet und sich zum Spaßmacher — sein Freund Olendorf gebraucht den stärkeren Ausdruck HauSwurst — herabwürdigt. Und Bolzens Spässe fallen noch dazu oft an» dem Stücke heran» und wenden sich direkt au die Lachlust de» Publikum-, statt daß fie der Situation entsprängen. — Der Grundgedanke des Stücke», über den auch noch Manche» zu sagen wäre, erinnert an den von Scribe» Glas Wasser, deffen Mache jedoch erheblich feiner ist, und Beliugbroke scheint un» da» Vorbild von Bolz za sein. Hier wie dort dort blicken wir hinter die Couliffeo und sehen, wie menschlich e» dabei hergeht, wenn hohe Politik ober öffentliche Meinung gemacht wirb. Konrad Bolz ist von dem Dichter mit sehr viel Witz und Geist au»gestattet, unb so ein Mangel in der Anlage geschickt verdeckt worden. Die Wiedergabe durch einen geschätzten Gast, Herrn Bohnve vom Kölner Stadttheater, hat mit Recht den wärmsten Beifall de» vollbesetzten Hause» gtfanben. Die Mischung von Bonhomie, Witz, Feuer, hinreißender Lieben»- Müdigkeit und skeptischer Resignation kam vorzüglich zur Geltung. — Unsere einheimischen Kräfte standen nicht ganz auf der Höhe, auf der wir fie sonst neuerding» öfter» sahen. E» fehlte etwa» an Temperament und Verve, und auch da»


