Deutsche» Reich.
Friedberg, 6. September. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin fuhren gestern Vormittag nach 10 Uhr ohne Gefolge zu Wagen über Homburg, wo die Pferde gewechselt wurden, nach Schloß Frie- drichrhof zur Familientafel bei Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich und kehrten gegen 6 Uhr hierher zurück. — Seine Königliche Hoheit der Großherzog sind heute mit Gefolge gegen Staden geritten, vorauSfichtlich das Terrain des ersten Zusammentreffens der Lavallerie-Divtstonen. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin besuchten die Blinden-Anftalt. Durch Director Schwabe wurden ausgezeichnete Leistungen der Schüler und Schülerinnen vorgeführt. Im Gefolge waren Schlüffeldame Freitn v. Granch und Oberfthofmarschall General der Inf. z. D. v. Westerweller.
Wolffs telegraphische- Torr espondmz-Bureau.
Berlin, 6. September. Die Gesetzessammlung veröffentlicht das Gesetz über den Erlaß polizeilicher Verfügungen wegen Uebertretungen stromschiffspolizeilicher Vor- fchriften auf der Elbe und dem Rhein vom 26. Juli, ferner das Gesetz betr. die Zwangsvollstreckung landwirthschaftlicher (ritterschaftlicher) Eredttaustalten vom 3. August und da» Gesetz betr. Aenderungen über die Schonzeiten de» Wildes vom 13. August.
Berlin, 6. September. Der „ReichSanz." veröffentlicht die Auszeichnungen, die der Kaiser bet seiner Anwesenheit tu der Provinz Hessen-Nassau anläßlich der Herbstmanöver einer großen Anzahl von Personen verliehen hat. Der Bischof Klein von Limburg erhielt den Rothen Adlerorden 2. Klaffe mit Stern, RegierungSpräfident Clairou d'Hauffonvtlle den Krouenorden 2. Klaffe mit Stern, Regierungspräsident v. Tepper Laöki den Eharakter als Geheimer OberregierungSrath mit dem Range eines RatheS 1. Klaffe, Kammerherr Frhr. Hugo v. Doemberg auf Hausen wurde tuS Herrenhaus berufen.
Homburg v. d. H., 6. September. Die Königin von Italien reiste um 7 Uhr 60 Mtn. früh tu Begleitung der Gräfin Fürstenberg, des Grafen Oldofredt und des Kammerherrn Baron v. Holtzhaufen nach Frankfurt a. M. ab. In einem zweiten Zuge begaben sich um 9 Uhr Vormittags die Herzogin Masfimo, die Marquise Trotti, der MarqutS Gtucctoli uad Graf Dohna dorthin und vereinigten sich da- selbst mit der Königin von Italien und deren Gefolge. Bet dem Kammerherrn Baron Holtzhaufen wurde das Frühstück etugeuommeo.
Essen a. d. Ruhr, 6. September. Der König von Siam ist heute Vormittag gegen 11 Uhr nach herzlicher Verabschiedung von dem Geheimen Eommerzienrath Krupp von der Villa Hügel nach dem Haag wettergereist.
BreSlau, 6. September. Amtlich wird gemeldet: Der Gesammtverkehr auf der gesperrten Strecke Hermsdorf Bad—Neuktrch a. K. wird am 7. d. MtS. mit Zug 171 beginnend, wieder ausgenommen, und somit der planmäßige Verkehr auf der Strecke Ltegnitz — Goldberg — Merzdorf wieder durchgeführt.
Florenz, 6. September. Heute früh gegen 4f/a Uhr wurde hier ein starker, 2J/i Secunden währender, wellenförmiger Erdstoß verspürt, der tu der Richtung von Süd- weft nach Nordwest verlief.
Parts, 6. September. Der Orient alisteucougreß tft heute hier zusammengetreten. Unterrichtsmintster Rambaud begrüßte in seiner Eröffnungsrede die ausländischen Mitglieder des CongresseS und erinnerte an die steten Fortschritte, die seit dem ersten tm Jahre 1873 in Paris abgehaltenen Eongreß gemacht worden seien.
St. Dtö, 6. September. Unter dem hiesigen Jäger- bataillon brach eine TyphuS-Epidemte aus. 70 Sol- baten find erkrankt, 7 gestorben.
Loudon, 6. September. Der ^Standard" meldet aus Konstantinopel vom 4. d. Mts., daß auf neuerliches Ersuchen
des Sultans der russische Botschafter tu London Instruction erhielt, keine Bemühungen zu scheuen, um Lord Salisburys hartnäckigen Widerstand gegen die vorgeschlagene Faffung des Friedensvertrags zu überwinden. Die türkische Botschaft in London erhielt günstige Versicherungen bezüglich deS Erfolgs dieser Bemühungen und übermittelte dieselben nach Konstantinopel. — Der Correspondent des „Standard" er- fuhr auS guter Quelle, daß der Sultau sich wieder mit dem Kaiser von Rußland in directe Verbindung gesetzt habe und eine gegenseitige Abmachung getroffen sei. Der Sultan machte sich verbindlich, seinen Einfluß in Centralafieu niemals gegen Rußland geltend zu machen, wogegen der Kaiser von Rußland die Verpflichtung übernommen hat, die Rechte der Türket in Europa zu unterstützen.
Konstantinopel, 6. September. Heute fand eine Zusammenkunft der Botschafter zur Berathung der auf die Kreta-Angelegenheit bezüglichen Note der Pforte statt.
Kauea, 6. September. (HaoaS.) Da die Ursache, die zur Blokade nöthigte, geschwunden ist, und die Aufständischen dte Autonomie unter der Bedingung deS Abzuges der türkischen Truppen angenommen haben, schlagen dte Adwtrale vor, dte Blokade am 10. dS. aufzuheben. Die Admirale haben an den Gouverneur das Ersuchen gestellt, jede dem Militär nicht angehörige Person zu entwaffnen, und zwar zuerst dte tn Kandta, und alsdann die tn den übrigen unter dem Schutze der Mächte stehenden Ortschaften sich aufhaltenden Personen. — Dschevad Pascha begiebt sich nach Rhethymuo.
Depesche» de» Bureau rfccn>ü).e
Berlin, 6. September. Zu den Homburger Trink- sprüch en schreibt das „Sötxl. Tagebl.": Dte Friedensworte der beiden mächtigen Monarchen werden sicherlich, wie mau auch sonst über Toaste denken mag, in der civilifirten Welt ein freudiges Echo finden. Der Kaiser wie der König legten ganz besonders Gewicht darauf, für die unerschütterte Fortdauer des Dreibünde» und seiner friedlichen Ziele öffentliches Zeugniß abzulegen.
Berlin, 6. September. Das internationale Colo- nial-Jnstitut, eine private wissenschaftliche Vereinigung zu dem Zweck, di- Kenntniß des colonialen RcchtS und der colonialen Verwaltung zu fördern, ist heute hier unter dem Vorfitz des Erzherzogs Johann Albrecht von Mecklenburg zusammengetreten.
Köln, 6. September. Bei starkem Andrang fand gestern Nachmittag da- Wettfahren des Kölner Radfahr-VereiuS statt. Der Altmeister August Lehr kam zu Falle und brach sich einen Arm. Der Held deS Tages war der Weltmeister Willi Arend-Hannover, der sowohl die Meisterschaft von Europa als auch das rheinische Derby gewann.
Homburg v. d. H., 6. September. Gestern Nachmittag begab sich das Kaiserpaar, das italienische KöntgSpaar, der König von Sachsen und die übrigen Fürstlichkeiten nach Schloß FriedrtchShof, woselbst sie bet der Kaiserin Friedrich das Frühstück einnahmen. Abends fand im Homburger Schloß kleine Tafel statt. Der Kaiser ernannte die Königin von Italien zum Chef des 11. Jäger-BataillonS, wovon er Vormittags dem Bataillon in einer Ansprache Mittheilung gemacht hatte. Dem italienischen Botschafter Grafen Lanza verlieh der Kaiser den Schwarzen Adlerorden.
Homburg v. b. tz., 6. September. Der Kaiser und der König von Italien, welche heute früh 5 Uhr 45 Min. mittelst SonderzugeS nach Windecken ins Manöver fuhren, trafen Mittags 1 Uhr auf dem hiesigen Bahnhose wieder ein und fuhren trotz deS strömenden Regens in offenem Wagen vom Bahnhofe zum Schloß. Heute Abend 7y8 Uhr findet im Kurhause Civtldtner statt, an welchem außer dem deutschen Kaiserpaare und dem italienischen KöntgSpaar die Kaiserin Friedrich und die anderen hier anwesenden hohen Fürstlichkeiten theilnehmen werden. Die Kaiserin Augusta Victoria besuchte heute Vormittag im Kurhause daS Atelier des Malers ProfefforS Corrodi sowie die Schlachtengemälde und Geweih-Ausstellung des Vereins hirschgerechter Taunusjäger, sowie daS Saalburg-Museum. — Die Specialidee der heutigen Manöver lautet: Eine Westabtheilung v. Häseler,
(Einen Monat später. Herr und Fräuleins Ttllet im Radfahrcostüm; sie wollen eben abfahren.)
Henriette: Adien, Mama!
Jeanne: Du wirst allein bleiben, arme Mama!
Madame Ttllet (bitter): Ja, ich werde allein bleiben. So geht es alle Sonntage! Ihr werdet irgendwo frühstücken, kommt erschöpft zurück und schlaft sofort ein. Doch an mich, die ich den ganzen Tag vor Langeweile umkomme, denkt Niemand.
Herr Ttllet: Das ist nur Deine Schuld, warum kommst Du nicht mit uns?
Madame Tillet: Wie soll ich daS anstellen? Im Omnibus? Im Luftballon? Oder soll ich wie ein Kaninchen hinter Euren Maschinen herlaufen?
Herr Ttllet: Aber nicht doch- Du sollst ganz einfach ein Rad besteigen!
Madame Tillet: Ich? Niemals . . . Erstens wäre eS nicht anständig . . .
Herr Tillet: Warum bist Du so eigensinnig? Alle Welt übt diesen Sport aus, der von allen Gesichtspunkten angenehm und nützlich ist. Sieh Dir Deine Freundinnen an. Radeln Sie nicht alle? Madame Leredu — Madame Patard und ihre fünf Töchter . . .
Madame Ttllet: Das will tch nicht bestreiten. Du kannst Deiner Liste sogar dte Präsidentin unseres Verein« zufügen. Sie fährt Triplex, unsere Präsidentin, mit ihrem Secretär und ihrem Schatzmeister.
Herr Tillet: Na, siehst Du wohl?
Madame Tillet (zögernd): Aber ich bin dazu wirk- lich schon zu alt.
Henriette: O, Mama, daS ist nicht wahr,- mit eine« hübschen Costüm würdest Du wie unsere älteste Schwester auSsehen.
Jeanne: Ich bin überzeugt, Du würdest Dich in Hosen sehr gut auSnehmen.
Madame Tillet (aufspringend): In Hosen! Unselige! Nie würbe ich eine Hose anziehen! . . . Seine Beine öffentlich zeigen, wie eine Dame vsm Theater! . . . Pfui, wie abscheulich!
Herr Tillet: Nun, Du kannst auch einen Rock tragen.
Madame Tillet: Ein Rock! DaS ist etwas anderes. ES gibt Röcke, dte sehr lang, sehr faltig sind. . . Und dann werde tch sehr hohe Gamachen tragen.
Herr Tillet: Schön! Ich sehe darin nichts Un- paffende«- es ist also abgemacht! Wann nimmst Du die erste Lection?
Madame Ttllet: O, nicht so schnell. Ich habe noch nicht ja gesagt.
Herr Tillet (in die Hände klatschend): Aber Du hast auch nicht nein gesagt. O, wie froh ich bin! Wie wir unS amüsiren werden!
Jeanne: Nächsten Sonntag frühstücken wir alle vier irgendwo auf dem Lande.
Madame Tillet: Ich gebe zu, daS wäre ganz amüsant. Doch wer sollte daS Frühstück tragen?
Jeanne: Nun, unsere Köchin Franyotse.
Madame Tillet: Kleine Närrin! Wie soll sie unS denn begleiten? Sie kann doch nicht radfahren.
Jeanne: Ich werde es ihr beibringen, und sie wird un» begleiten.
Herr Tillet: Ja, wahrhaftig. Warn« nicht? In vielen Fällen würde eS unS sehr angenehm sein, da-Mädchen bet nnS zu haben.
Henriette: Ich bin überzeugt, sie wird sich riesig freuen. Fran-oise!
bestehend aus de« 8. und 11. Armeecorps, soll dem Feinde, den Boyern, das Ueberschreiten von Main und Sinzig verwehren. Gestern stand die Westabtheilung zwischen Frankfurt und Wetzlar, die Bayern um Aschaffenburg. Heute früh hatten die Bayern Hanau bereits besetzt und eine größere Abtheilung gewischter Waffen gegen Hochstadt vorgeschoben. Dte preußische 22. Division drängte jedoch nach stürmischem Anlauf diese bayrische Vorhut bi» nach WilhelmSbad zurück. Hanau blieb aber in den Händen der Bayern und ist von diesen stark besetzt. Die Majestäten wohnten dem Kampfe zwischen WilhelmSbad und Hochstadt bei. Dte Kritik fand an der Brücke von WilhelmSbad statt.
Benthe», O.-bchl., 6. September. Einer amtlichen Meldung zufolge wurden in der vergangenen Woche 113 neue Typhus-Erkrankungen polizeilich gemeldet. Die Ge- sammtzahl der Erkrankten seit dem 1. August beträgt 196. Der Wiederbeginn deS Unterrichts in den sämmtlichen hiesigen Schulen ist um weitere 14 Tage hinauSgeschoben worden. Für morgen ist eine Stadtverordneten-Sitzung anberaumt, in welcher über anderweite Wafferversorgung der Stadt Beschluß gefaßt werden soll.
Wie», 6. September. Am 9. d. MtS. trifft hier eine Deputation deS Husaren-RegimentS Nr. 16 von Schleswig- Holstein ein, um dem Kaiser Franz Josef zum 25jährigen Jubiläum als Inhaber deS Regiments die Glückwünsche deffelben darzubringen.
Wien, 6. September. Die hiesigen Blätter bezeichnen die Homburger Toaste als die erste große Kundgebung deS Dreibundes nach der officirllen Proclamirung der russisch- französischen Allianz und als außerordentlich hervorragende Friedensmanifestation, welche deutlich auSdrücken, daß der Dreibund unerschütterlich fortbestehe und auf der Friedenswacht stehe. In Paris, wo man ein Abschwenken Italien» zum Zweibund erhofft hatte, werde der Text der Toaste einen unangenehmen Eindruck machen.
Rom, 6. September. Die Toaste haben hier besten Eindruck gemacht. „Popolo Romano" schreibt, die unverkennbare Thatsache deS Fortbestehens deS Dreibundes und de» FriedenSzweckrs deffelben konnte nicht beredter verkündet werden. Nur die „Tribuna" erblickt in den Trinksprüchen Anspielungen auf die künftigen Gefahren, welche um so größere Sorge Hervorrufen, als die gegenwärtige Regierung das vertrauen de» Landes nicht besitze.
Paris, 6. September. Die zwischen dem Kaiser Wilhelm und König Humbert gewechselten Toaste bereiteten hier insofern eine Enttäuschung, als Frankreich bereits zu der Annahme neigte, Italien gedenke die Tripelallianz zu verlaffen.
Pari», 6. September. Das Blatt„®6rit6" schreibt über die russisch.französische Allianz: DaS Endziel der Allianz bestehe darin, daß Rußland nach Konstantinopel und Frankreich nach Glsaß-Lothringen und Aegypten geführt wird. Obgleich dieses Ziel für Frankreich sehr ehrenvoll ist, bedauern wir kriegerische Ereignisse, ohne welche dieses Ziel nicht zu erreichen wäre.'
Madrid, 6. September. Der Mordanfall auf den Polizeich ef von Barcelona wird den heutigen Morgenblättern zufolge von der spanischen Regierung dazu benützt werden, um die von den Großmächten angeregte Staatenliga gegen den Anarchismus durchzubringen.
Barcelona, 6. September. Die Polizei hat gestern in den Vororten von Barcelona viele Verhaftungen vorgenommen.
Wien, 7. September. Kaiser Wilhelm wird Anfang October an den Hochwildjagden in Steiermark mit dem Kaiser von Oesterreich und dem Könige von Sachsen theil- nehmen.
Budapest, 7. September. DaS rumänische KöntgSpaar trifft in Erwiderung deS Besuchs deS Kaisers von Oesterreich in Bukarest am 27. d. MtS. tn Budapest ein.
Rom, 7. September. Der Admiral Camevaro ist von Creta nach einer Unterredung mit dem Marineminister hierher berufen worden.
Franxotse (hereinstürzend): Was ist denn lo»? Wo brennt» denn?
Henriette: Nirgends. . . . Aber Popa und Mama wünschen, daß Sie radfahren lernen.
Franyoise: Ich? JesuS Maria! Wo denken Sie hin? Ich würde wir die Nase zerbrechen.
Jeanne: Durchaus nicht- eS ist sehr leicht. Nächsten Sonntag kommen Sie mit un«. Wir werden Morgens u« sechs Uhr abfahren und erst Abends heimkehren.
Fran-otse: Nun, mir ist's recht. DaS Stuben- mädchen au« dem zweiten Stock und die Kinderfrau au« dem vierten können sehr gut radeln und ich bin nicht dümmer al» Sie. (Sich unterbrechend): Doch . . da fällt mir ein . . Lolotte, die Katze, wa» soll aus ihr werden, wenn wir alle fort find? Sie wird sich langweilen, da» arme Thier, und Niemand wird ihr was zu essen geben.
Jeannn: Das ist wahr. Arme Lolotte!
Henriette: Man kann sie doch nicht allein lassen.
Herr Tillet: Hört, auch dafür gibt» ein Mittel, wir letzeu die Katze in ein kleine» Körbchen, da» Fran-oise an der Lenkstange anbinden wird.
Henriette: Famos! Lolotte wird fich ausgezeichnet amüsiren.
Jeanne: Und aus diese Weise wird die ganze Familie radeln!
Madame Tillet (seufzend): Ich hatte aber doch geschworen . . .
Herr Tillet: Wa« willst Du? Wenn alle« fährt, können wir allein nicht zu Fuß gehen. Dieses verteufelte Instrument wird schließlich noch die ganze Welt auf den Kops stellen! Frks. Ztg.


