Ausgabe 
8.9.1897 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

dreien

icao

»leid,

VS tiollanai8chen

!r poncurrenz- eine feinste 7285

NIC

Vi ®- */i Pfd keten,

randgasse,

-) SchiUerBtr, Neuen Baue. Ifäusburg. teraweg.

fels, Marktpl. Marktetraaae. h, Markt.

87 20 103.95

22 8(1 9395

3476

10160 KO. 60

arenit mir

echm M 1887 ni. CM.

Bf. nrf.fi. 1906 101.

Bturf.fi. 1906 10L- 8tmLbA906 10t- jBtratbAW) MLO

IHWF

1897.

tot! «tU

80.90

17020

m

: 28./S. I

77.1/1

77.'/,

15350

139.90 113.30 102.50 11t-

153.10 140." 112.90 102.9» 108.9»

Idb.(Lb)- RbiD.ll1- ardbah". i.Crntt^ l.ilorboft fließ«*

i/U-l' w®* Ö.100 rh.ioo i-M

^j.'ioo

*?s

137#

145.- 158.40 115.15

92.30

36.90

144.tf

158.10

136." 126.80

129."

92."

37.4»

138.-

136.60

126.50

27.40

13.3»

25.3

23"

39.40

23.45 107.5°

27.85 12.95

22.- 23.30 23.30

39."

23."

108."

7 >ach«p' M°

i"d-?

7 *e|0 bigs=>

Nr. 210 Erstes Blatt Mittwoch btn 8. September

Der

^ttjener Anzeiger erscheint täglich, tnit Ausnahme des Montags.

Die Gießener

Anmirleavtälter werden dem Anzeiger VvSchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

Vierteljährig«? Avonnemeutspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expeditim» und Druckerei:

Kchvtstraße Ar.7. Fernsprecher 51.

Aints- und Anzeigeblutt für den Tireis Gietzen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Gratisbeilage; Hießener Kamilienökätter.

Alle Annoncen-Bureaux d«S In- und Auslandes nehme« Anzeigen für denGießener Anzeiger- mtgey«.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

betreffend: die Maul- und Klauenseuche.

In Burg-Gemünden, Büß fe ld, Homberg, Rülfenrod, SretS Alsfeld, ist die Maul» und Klauenseuche ««sgebrocheu und deshalb Weide- bezw. Gehöftsperre angeordnet worden.

Wegen weiteren Umsichgreifen- der Seuche in Nieder- Gemünden, Kreis Alsfeld, ist G emarkungöfperre angeordnet worden.

Die Abhaltung de- auf den 8. I. MtS. avgefetzten Biehmarktes zu Homberg a. O., Kreis Alsfeld, ist verboten worden.

In Unter-Widder Shetm, Kreis Büdingen, Vilbel, Kreis Friedberg und Caldern, KretS Marburg, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und find die verfügten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben worden.

Die Kreise Fried berg und Marburg sind nunmehr wieder seuchenfret.

Gießen, den 6. September 1897.

GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.

I. V.: Dr. Wagner.

Bekanntmachung.

An die Abhaltung des auf den 9. September d. I. in Leun anstehenden ViehmarkteS werden zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche folgende Bedingungen geknüpft:

1. Für den Auf- und Abtrieb der Tbiere ist je eine bestimmte Stelle zu schaffen. Die Benutzung anderer Stellen für den Auf. und Abtrieb, ebenso das Handeln mit Vieh außerhalb des Marktplatzes ist verboten.

Der Auftrieb beginnt um 8 Uhr Vormittags.

2. Auf den Markt dürfen nur Thiere aus seuchefreien Orten, deren Führer mit gültigen behördlichen Ursprungszeugnissen versehen sind, aufgetrieben werden, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn in jenen Ursprungszeugnissen weiter bescheinigt ist, daß die Thiere sich die letzten sieben Tage in un­verseuchtem Zustand in sruchefreien Orten befunden haben.

Im Uebrigen gilt für die Einführung von Händlervieh in den Kreis Wetzlar die in Nr. 109 des Wetzlarer Anzeigers vom 11. Mai 1897 veröffent­lichte polizeiliche Anordnung des Herrn Regierungs- Präfideoteu zu Coblenz vom 13. April 1897.

3. AuS dem Großherzogthum Hessen dürfen Rmdoieh, Schweine und Schafe nicht aufgetrieben werden.

4. Bei dem Auftrieb der Thiere hat der Eigenthümer oder Führer dem anwesenden Polizeibeamten das unter Nr. 2 erwähnte UrsprungSzeugniß vorzuzeigen.

Außer von der Controle der Ursprungszeugnisse ist der Auftrieb von der vorherigen Besichtigung und Nichtbeanstandung der Thiere durch den KreiS- thierarzt abhängig.

Wetzlar, den 2. September 1897.

Der Königliche Landrath.

Neue Friedensverficherungen.

Es ist eine eigeuthümliche, unserer heutigen Zeit eine besondere Signatur aufdrückende Thalsache, Laß immer in­mitten gewaltiger Krtegßlager, im Angesichte Unheil und Ver­derben verkündender Fruerschlünde, nach Veranstaltungen, welche die Krie^stüchtigkeit der europäischen Heere in be­sonders Hellem Lichte zeigen, Kundgebungen erfolgen, welche die friedlichen Absichten der Mächte öffemlich documentireu. Im vorigen Jahre in Anwesenheit des Zaren in Breslau, zwei Tage später bet der Paradetafel in Görlitz, sodann im Kriegslage! von ChalonS, bei dem Besuche Kaiser Franz Josefs in Petersburg, im Lager von Krasnoje Sselo beim Besuche Kaiser Wilhelms und später des Präsidenten der französischen Republik überall wurde von berufener Stelle die Versicherung abgegeben, daß an eine Störung des Welt­friedens nicht zu devken sei, daß alle Mächte einig seien tu dem Bestreben, zur Erhaltung des Friedens daS Möglichste beizutragen. Und je größer der Staat ist, je gefahrdrohender seine Kriegsrüstungen sind, desto mehr Werth wird auf die Friedensverficherungen des betreffenden Herrschers gelegt.

ES war klar, daß die Dreibundstaaten zu der zwischen Frankreich und Rußland bestehenden Allianz Stellung nehmen würden, trotzdem die bisher bekannt gewordene Tendenz des Zweibundes ebenfalls eine auf Erhaltung bet Frieden« ge­richtete sein soll. Jedoch lag die Möglichkeit vor, daß die eine oder die andere Dreibundmacht durch die neuerdings geschaffene Situation bewogen werden würde, ihr Verhältniß zur Tripelallianz zu lösen. Insbesondere sagte man bekannt­lich Italien solche Absichten nach. Aber wir haben schon gelegentlich der Besprechung der Ankunft des italienischen Kömg-paareS in Homburg darauf htngrwteien, daß eS im ureigensten Interesse Italiens liegt, am Dreibunde fest zu halten und auch künftig in diesem seine Stütze zu suchen. Die am SamStag bet der Paradetafel in Homburg ge­sprochenen Toaste haben vollends gezeigt, daß Italien weiter die Bündnißtreue innehalten wird. Sowohl vom König Humbert wie vom Kaiser Wilhelm find bei dieser Gelegen­heit wieder die bündigsten Friedensverficherungen ausgetauscht

worden. Nicht ohne Abficht hat wohl der deutsche Kaiser in besonder« feierlicher Weise verkündet, daß unerschütterlich und fest daS Band des Dreibundes bestehe, der im Interesse deS Friedens gegründet worden fei. ES darf dies als ein deutlicher Wink für Jene angesehen werden, welche aus der Gründung des ZwetbundeS kühne Hoffnungen schöpfen zu können glaubten, daß die Macht der Tripelallianz erschüttert, daß nun die Zeit gekommen sei, mir Sondergelüsten gegen den einen oder den anderen Dreibundstaat hervortreten zu können. Und König Humbert verfehlte nicht, den Aus­führungen Kaiser Wilhelms die Bestätigung folgen zu lassen, daß er die Einladung zu den deutschen Kaisermanövern an­genommen habe, um auch Zeugntß abzulegen sür die zwischen Deutschland und Italien bestehenden Beziehungen herzlicher Freundschaft und Allianz. Daß Kaiser Wilhelm im euro­päischen Staatenbunde bezüglich der FriedenSbestrebungen eine Führerrolle einnimmt, geht auS den Worten König Humbert» deutlich hervor, und als selbstverständlich dürfte es angesehen werden, daß letzterer sich diesen Bestrebungen voll und ganz anschließt. Italien hat große Ursache, eine lange Reihe von FrtedenSjahren herbeizusehnen, denn nicht nur bedürsen seine Finanzen einer durch keine auswärtigen Verwickelungen ge­störten Ruhe, auch sein Heer bedarf einer gründlichen Organi­sation, um dem Lande im Rathe der Völker eventuell die gehörige Achtung verschaffen zu können. Im letzten abessyui- scheu Feldzuge hatten fich so viele Mängel herauSgestellt, daß mit Nachdruck an eine Verbesserung der HeereSeinrtchtuugeu gegangen werden mußte. Zur gründlichen Durchsühruug der­selben bedarf eS aber einer Reihe von Jahren, auf welche die nothwendtg gewordenen Ausgaben vertheilt werden müssen. Vielfach haben fich im Lande der Apenninen Stimmen be­merkbar gemacht, welche die dem Lande durch die Aufwen­dungen zu Gunsten der Zugehörigkeit zum Dreibunde ent­stehenden Ausgaben für zu hoch anschlagen, als daß fie mit den Vorthetlen, die Italien daraus resulttren, in Einklang zu bringen seien. Deshalb muß die italienische Regierung bei den Ausgaben sür die Heeresverwaltung mit einer ge­wissen Mäßigung vorgehen.

ES scheint fich jetzt einzubürgern, daß die Monarchen- Zusammenkünfte gelegentlich der großen Manöver ftatiftnbcn; und so wird denn Kaiser Wilhelm in den nächsten Wochen den österreichischen Herrscher innmten des gewaltigen KrtegS- lagerS in Ungarn aufsuchen, wo es ebenfalls nicht an Friedenskundgebungen fehlen wird. Daß die letzteren fich jetzt so oft wiederholen, thut dem Werthe derselben keinen Eintrag, und deshalb begrüßen wir auch die in Homburg veranstalteten al» ein Symptom, daß der gute Wille bei den Regierungen vorhanden ist, alle Conflicte zu vermeiden, und sehen, was unsere äußere Politik anlangt, mit festem Ver­trauen in die Zukunft. (xx)

Feuilleton.

Alle rabrln!

Humoreske von Albert L'Advocat (Paris).

<Bei der Familie Littet; im dritten Stock eines Hauses in der Bae de Provence. Herr Tillet, 55 Jahre alt, Bureauchef, sehr würdig, sehr kahl, sehr kurzsichtig. Frau Tillet, 49 Jahre alt, ge­steht in intimen Kreisen nur 42, in Gesellschaft nur 40 Jahre zu, hat Principien und ein starkes Embonpoint). Frl. Jeanne und Henriette, 18 und 19 Jahre alt, unbedeutende Blondinen.)

Jeanne (zu ihrem Vater): Aber warum willst Du denn nicht?

Herr Tillet: Warum? Darum!

Henriette: Es wäre so nett und ich habe so große «ust . . .

Herr Till et: DaS glaube ich!

Jeanne: Alles wird uns verboten und wir haben doch nicht so viel Zerstreuungen.

Madame Tillet: Man muß fich mit den Zerstreu­ungen zu begnügen wissen, die die Moral gestattet.

Jeanne: Aber daS Bicycle ist doch nicht unmoralisch. Alle jungen Mädchen fahren Rad. Alle unsere Freundinnen fahren.

Madame Tillet: DaS ist egal. Jeder faßt die Erziehung nach seiner Manier aus. In unserer Familie mttb mit gewissen Ideen nicht gebrochen. Ich hätte daS Gesicht Deiner Großmutter sehen mögen, wenn ich fie in Eurem Alter um die Erlaubntß gebeten hätte, auf zwei Rädern über die Landstraße zu fliegen.

Jeanne: Von Großmamas Zeiten spreche ich ja gar aldjt, ersten- war daS Bicycle damals noch gar nicht nfnnden . . .

Herr Tillet (in doctrendem Tone): Wolle Gott, es wäre überhaupt nie erfunden worden! Ich betrachte dieses sogenannteWerkzeug der Bewegung" als ein zerstörendes Agens der guten Sitte und der heiligen Ruhe des Familien­lebens. Ich verwerfe cs zugleich vom Standpunkt der Hygiene. Die Statistik wird uns eines TageS lehren, welche erschreckliche Zahl von Krankheiten, Gebrechen, Unfällen aller Art wir ihm verdanken. Daher verfluche ich daS Bicycle! Und nun kein Wort mehr davon.

Madame Tiller: Hören Sie, meine Damen! (In strengem Tone): Kein Wort mehr davon zu Eurem Vater und zu mir!

Jean ne (in Schluchzen ausbrechend): Wir find so unglücklich! . . .

(Einen Monat später kehren Madame und die Fräuleins Tillet von einem Besuche bei einer alten Tante in der Provinz zurück. Herr Tillet hat sie vom Bahnhofe abgeholt. Küsse, Ltebesbelheuerungen, Einsammeln der Packete, Suche nach einem Fiaker rc. Endlich kann man gemüthltch plaudern.)

Madame Tillet (zu ihrem Gatten): Hast Du Dich während unserer Abwesenheit sehr gelangweilt?

Herr Tillet: O ja!

Madame Tillet: Was hast Du denn getrieben?

Herr Tillet: Gearbeitet hab ich wie ein Pferd, habe Circulare abgefaßt, Rechnungen aufgestellt . . .

Madame Tillet: Gewiß, aber . . . Abends?

Herr Tillet (etwas verlegen): Abends? Ich weiß nicht recht, was ich Abend« gethan habe . . . Zumeist war ich mit Dutillh zusammen ... et hat die Idee gehabt, mich nach der Rennbahn mitzunehmen . . .

Madame Tillet: Nach der Rennbahn? WaS für eine Rennbahn? Dutillh reitet doch nicht.

Herr Tillet: Nein, reiten thut er nicht, aber radeln! Er nahm Unterricht . . . und da ich nicht- weiter zu thun hatte . . . Du begreifst doch . . habe ich auch welchen genommen.

Die Fräuleins Tillet: Ach, Papa! Bravo, Papa!

Madame Tillet: Ich bin entsetzt! Wie! Du hast auf diesem entsetzlichen Instrument gesessen? Du?

Herr Tillet: ES ist allerdings entsetzlich, aber auch so bequem! (Sich begeisternd): Wenn Du wüßtest, wie an­genehm c8 ist, sich so vorwärt-rollen zu fühlen l Man fährt wie der Wind. Es gibt keine Entfernung mehr. Ob Du es mir glaubst oder nicht, letzten SamStag sind wir, Dutilly und ich, in kaum einer Stunde nach Versailles gefahren-

Madame Tillet (die Hände zweimal erhebend): Mein Mann in Versailles! Auf einem Rad! ES ist nicht mögliche ES ist ein entsetzlicher Traum!

Jeanne: Jetzt, Papa, willst Du unS auch fahren lassen?

Henriette: Ja, Du wirst eS uns lehren- wir werden Dich auf Deinen Ausflügen begleiten.

Herr Tillet: Ich sage nicht nein, wir wollen sehen.

Madame Tillet (kalt und würdig): Sie wögen thun, was Sie wollen, mein Herr! Sie find der Vater Ihrer Töchter! Ich aber, in meiner Eigenschaft als Mutter, protestire, hören Sie wohl, ich protestire energisch!

Herr Tillet (leise zu seiner Frau): Laß mich doch machen, ich habe meinen Plan. Der Sohn unsere« Abthei« lungschefS ist ein fanatischer Radfahrer. Ich werde ihn ein- laden, sich unS anzuschließen. Und wer weiß? Wenn Henriette e« geschickt anftellt, kann fie sehr bald mit diesem jungen Manne znm Standesamt radeln.