— als Ergänzung und nothwendiges Abschlußglied des ge- fomm‘<n BolkSschulwesenö unserer Residenz. Denn in erster Linie waren die Lefebedürfuiffe der unbemittelten Klaffen in* * Auge zu fassen.....
totales rtird provinjieUes«
Gießen, 6. December 1897.
• • Empfang. Seine König!. Hoheit der Großherzog empfingen am 4. December u. A. den Oberforftmerster Schnittspahn von Salzhausen, den Zahnarzt Koch von Gießen.
• • Ordensverleihung. Seine König!. Hoheit der Groß- Herzog haben Allergnädigst geruht dem Heinrich Wagner zu Gießen in seiner Eigenschaft als derzeitigen Vorsitzenden des Gesangvereins „Ltederkranz" zu Gießen das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigeu zu verleihen.
* * Proviuzialausschußsitznug. SamStag den 11. December l. I., Vormittags 9 Uhr, findet in dem RegterungSgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des ProvtnztalauSschuffeS der Provinz Oberheffen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch deS Adolf Becker in Alteu-Buseck um Erlaubniß zum Betrieb einer Schankwirthschaft. 2. RecurS des Ge- metnderaths zu Hutzdorf wegen der Reparaturkosten des Pfarrhauses. 3. Reclamatiou deS Kar! Linker zu Schaden« bach gegen den Ausschlag der Kosten der Unterhaltung der Faselochftn pro 1896/97. 4. Gesuch deS G. F. Kratz zu Ulrichstein um Erthetlung der Concession zum Branntwein« verkauf über die Straße. 5. Die Zurücknahme deS dem Gerson Steinberger zu Alsfeld für das Jahr 1897 ertheilteu Wandergewerbescheines.
• • Parlamentarisches. Den Bericht deS zweiten Aus- schuffeS der zweiten Kammer über die Mittheilung Groß- herzoglichen Ministeriums des Innern, statistische Uebersicht der der polizeilichen Aufsicht unterstehenden Miethwohnungen und Schlafstellen und Zahl der neuhergestellten und in Herstellung begriffenen Miethwohnungen von drei Räumen und weniger betr., für die Periode vom 1. April 1895 btS 31. März 1896 — hat der Abg. Schönfeld erstattet. Der Ausschuß glaubt, der Großh. Regierung das Ersuchen unterbreiten zu sollen, dieselbe wolle geneigtest veranlassen: daß auch künftig Ueberstchten, wie die vorliegende, den beiden Kammern der Stände jährlich zur Kenntniß gebracht werden,- daß die Bestimmungen des Gesetzes auf alle Gemeinden unter 5000 Seelen durch Polizeiverordnung in allen den Fällen ausgedehnt werden, in welchen dies nach den in Frage kommenden Verhältnissen angezeigt erscheint, um auch die bethetligten Bewohner solcher kleineren Orte der Wohlthaten deö Gesetzes theilhaftig werden zu lassen - daß ferner bet der Ausführung des Gesetzes thuuUchft nach gleichen Grundsätzen verfahren werde, was nach einer Vergleichung der Ergebnisse, wie solche in der statistischen Ueber- ficht hinsichtlich der Städte Darmstadt und Mainz niedergelegt find, seither nicht der Fall gewesen sein möchte- endlich, daß die Bestimmungen, namentlich der Artikel 2 und 3 des Gesetzes, auch thunlichst thatsächlich zum Vollzüge kommen. — Für den Bericht des vierten Ausschusses über den Antrag des Abg. Bretmer, staatliche Unterstützung für ärmere und bedürftige Gemeinden zu den Kosten für neue Wasserleitungen betr. — war Abg. Euler Berichterstatter. Der Bericht gipfelt in dem Anträge, 1. Großh. Regierung wolle allen Gemeinden deS Landes, d. h. auf deren Wunsch das 'oder event. die verschiedenen Pcojecte für WafferversorgungSanlagen unentgeltlich seitens der obersten technischen Behörde eingehend prüfen lassen, 2. unbemittelten Gemeinden eine den Verhältnissen entsprechende Unrerstützung für den gedachten Zweck zuwenden und in solchen Fällen die Art der Ausführung event. bestimmen und die Arbeiten durch geeignete Organe überwachen lassen, 3. zu dem unter 2. genannten Zwecke die Summe von 60000Mk. in da» Extraordtoarium deS Budgets für das Jahr 1897/1900 einstellen.
**H. Stadtthealer. Die gestrige Aufführung bot etwas Realistisches, da» Lebensbild „Von Stufe zu Stufe", verfaßt von Hugo Müller, die dazu geschriebene Musik ist von R. B»al. In demselben wird eine ganze Scala menschlicher Empfindungen angeschlagen, Scenen tiefen Schmerzes wechseln mit humorvollen. Packend ist die Schilderung verschiedener Charactere und Lebensschicksale, die erst Schule wachen mußten von Stufe zu Stufe, bis sie ein ersehntes Glück gefunden. Unter der Directton Reiners seligen An« gedenkens fand eine Aufführung dieses Stückes statt und wird Vielen inhaltlich noch im Gedächtniß sein, so daß eine eingehende Schilderung der Handlung überflüssig erscheint. Die Darstellung war flott und hatte die richtige Stimmung für daS Stück; das gesammte Bühnenpersonal war dabei in Activität und that seine volle Schuldigkeit, um das zahlreich erschienene Publikum zufrieden zu stellen und zu lebhaftem Beifall zu animtren.
•• Sectio» Gießen bei Deutsche» und Oesterreichischeu Alpenvereins. In der letzten MonatSversawmlung sprach Herr Realghmnasiallehrer Hedderich über die ersten zehn Tage seiner diesjährigen Alpenreise. Er verstand eS, sich die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erhalten durch seine trefflichen Schilderungen großartiger Naturschönheiten sowohl, wie durch seine scharfsinnigen socialen Beobachtungen. In kurzen markanten Zügen führte er den Zuhörern daS schöne Appenzeller Land upb dessen gesangSlustigeS Volk vor- in heiterer Weise gab er seine Besteigung de« TenttS zum Besten, jene« anziehenden GebirgsstockeS, der schon die Sehnsucht so vieler Touristen bei einer Fahrt über den Bodensee erweckt hat, den aber leider zu wenige besuchen. In höchst spannender Weise schilderte er sodann seine Besteigung de» EceSaplana und besonder» die durch reichlichen Neuschnee begünstigte Vergnügungsfahrt über die gewaltigen Schneefelder. Nach kurzer Erwähnung der Naturschönheiten von Ragatz erzählte er noch JusereffauteS von seinem Aufenthalte auf der
Silwuettahütte und seine Beobachtungen auf dem Silwurtta- gletscher, mußte aber leider zu frühe abbrechen, da Brrem»- geschäfte den weiteren Abrnd tu Anspruch nahmen. Der hierauf Boa dem Vorsitzenden, Herrn Rentner E. Pi stör, erstattete JahrrSbericht zeigte em erfreultch-S Bild reger alpiner Thätigkeit. Die 12 Borträge deS abgeloufeaea Vereinsjahre« trugen ebenso sehr der wiffeuschaftlichru wie der touristischen Seite bei Alpmt«mu« Rechnung und wirsen einen Besuch von durch chuittlich 30 Mitgliedern auf. Ebenso fanden die monatlichen Ausflüge tu unsere nähere und fernere Umgebung lebhafte Brtheiligung. Die Sectton verwandte ihre Mittel zur Anschaffung einer reichhaltigen Sammlung alpiner Photographien- die Vollendung der Wegbezeichnung in unserer Umgebung erforderte weniger Kosten, da diese großeutheilS durch den Reinertrag au» dem Vertrieb der Farbenzeichenkarte gedeckt wurden. — Die Sectton erwirkte die Erlaubniß zum Bau eino« Aus- fichtSthurwe» auf dem DünSberg. — Leider war es im Berichtsjahre nur 17 Mitgliedern vergönnt, im Hochgebirge zu wandern. — Der Vorstand besteht fernerhin au» den Herren Rentner E. Pistor, Regierung»rath a. D. Heintze, Postsecretär L. Haubach, Kaufmann Fr. Kühn, Realgymnafial- lehrer Hedderich, Fabrikant A. Zurbuch.
•• Bom Evangelische» Bund erhalten wir folgende Zuschrift: Am Donnerstag, den 9. December, Abends 8l/, Uhr pünktlich, hält der Evangelische Bund tm großen Saale vou SteinS Garten eine Versammlung ab, die der Erinnerung an den vielgenannten, aber wenig bekannten Jesuttenpater Petru» EanifiuS gilt. Man hat sich zwar, um mit dem „Mainzer Journal" vom 4. December zu reden, „nicht einen redefertigen Hofpredtger als Redner verschrieben", dagegen wird Prof. Krüger von der protestantisch-theologischen Facultät sprechen über „P. EanifiuS in Geschichte und Legende". „Wenn auch nicht Jedermann Alles wiffen und kennen muh, so ist doch von Prof. Krüger zu hoffen, daß er über Inhalt und Ton gewöhnlicher Hetzschriften und Hetzreden sich zu erheben versteht." Wir danken dem „Mainzer Journal" für die gute Meinung, die eß von unserem Redner hat, und geben ihm die Versicherung, daß der Ton, den manche Blätter, auch da» „Mainzer Journal", in dieser Sache einzuschlagen für gut befunden haben, in dem Vortrag de» Herrn Prof. Krüger keinen Widerhall finden wird. Wir haben eS freilich nicht gewagt, auch unsere katholischen Mitbürger zu diesem Vortrag einzuladeu, möchten aber an dieser Stelle hervorheben, daß auch unsere katholischen Mitbürger, von denen wir überzeugt sind, daß sie ihre Kenntniß von EanifiuS auch au» anderen Quellen als dem „Mainzer Journal" bereichern wollen, die ihnen zugedachte Belehrung über „Geschichte und Legende" nicht zu scheuen brauchen. Einen Eorrrspondenteu deS „Mainzer Journals" würden wir natürlich mit besonderer Freude willkommen heißen.
* * Fechtverbaub Waisevschutz. Am Sonntag tagte die Verwaltung des Fechtverbande» Waisenschutz in Mainz unter dem Vorsitze des Herrn Oberbürgermeister« Dr. Gaßner. Vertreten waren Mainz, Darmstadt, Gießen. ES wurde der Vertrag, betr, die Verloosung, mit Herrn Ohnacker in Darmstadt gutgehetßen. Die au» der verloosung erzielten 45000 Mk. sollen zum Bausond verwendet werden. Falls die 15000 Mk. betragende Stempelsteuer vom Staat erlassen wird, sollen dieselben dem Berpfiegungkfond überwiesen werden.
nn. ErwerbSverhältniffe. Man schreibt un»: Die Großh. Regierung läßt augenblicklich durch die KretSämter Erhebungen über die Lage von Handel und Industrie insbesondere über die Lage de« Arbeitsmarktes anstellen. E« handelt sich dabei festzustelleu, wie sich die Lebenshaltung der Arbeirer-Bevölkerung in diesem Jahr gestaltet hat, und wie die Erwerbsverhältnisse derselben gewesen find. Von Seiten der Behörden wurden die größeren Gewerb- vereiue des Landes damit betraut, Ermittelungen nach dieser Richtung lein anzuftellen uud da» Material einzusendeu. Au» den riugegangenen Berichten konnte die Thatsache festgestellt werden, daß auf allen Gebieten vou Handel und Industrie ein Aufschwung zu verzeichnen war und daß auch demgemäß die Erwerb«« und Arbeitsverhältnisse sowie die Lebenshaltung für den größten Theil unserer Arbeiterschaft nur gute zu nennen find.
• • Weihaachtsriakaufe. Der gestrige erste der.allgemein al» „goldene Sonntage" bezeichneten Sonntage war zwar vom Wetter nicht begünstigt, doch gestaltete sich der Verkehr in unserer Stadt recht lebhaft. Die Auslagen und Schaufenster unserer durch Umsicht und Intelligenz ihrer Inhaber im Vergleich zu den Vorjahren vortheilhaft entwickelten Geschäfte zeigten manche Neuheiten, die im Verein mit geschmack voll zur Schau gestelltem Alten die Beschauer befriedigten und zum Kaufen veranlaßten. Hoffentlich gehen alle auf daS Weihnachtsgeschäft gesetzten Hoffnungen in Erfüllung. Auf dem Lindenplatz hat sich der übliche Christmarkt niedergelassen, und auch hier verlockten die billigen Sachen der Spielwaaren- branche und die Erzeugnisse der Pfefferküchlerkunft Diejenigen zum Einkäufen, die ihre „Christkindchen" nach Pfennigen be- werthen müssen.
• * Wetterbericht. Die Depression über dem Mittelmeer- gebiet besteht fort und hat sich von hier der niedere Drnck noch mehr nordwärts ausgedehnt. Am Nordfuß der Alpen find zugleich verschiedene Thetlminima eingelagert. Ueber England ist das Barometer gleichzeittg gesunken. Vom Kerne deS Maximum» im Nordosten Europa» erstreckt sich daher nur ein schmale» Gebiet mit hohem Druck über Scandinavien, über die Nordsee und den Canal nach Westfrankreich Da» Wetter ist In Süddeutschland trüb mit zeitweise«. Schneefällen. — Voraussichtliche Witterung: Bei wenig veränderter Temperatur fortdauernd unbeständig mit zeitweisen Niederschlägen.
Holzheim, 4. December. In unserem Orte waren am Mittwoch 54 Pferde, 757 Stück Rindvieh, 198 Schweine und 373 Schafe vorhanden.
Lang-Göns, 4. December. Die hiesige Viehzählung am 1. D ctmber ergab die Zabl von 130 Pserdrn, 950 Sjück Rindvieh, 358 Schafen und 991 Schwe neu. — Wenn man da« einzelne Pferd mit 350 Mk., da« Stück Rindvieh mit 200 Mk., daS Stück Schaf mit 15 Mk. und da« Stück Schwetn mit 40 Mk. durchschnittlich berechnet, so ergibt fich ein Gkiammtwerth von 280510 Mk.
A Allfelb, 5. Dec mber. Em Opfer seine» Berus» wurde am SamStag Morgen der HilfSbahnwärter Kaspar Decher von Hopfgarten. Beim Sbgehen der Strecke kam bet Mann in Folge der Glätte zu Fall, schlug dabei mit dem Kopf auf die Schiene und blieb bewußtlos über drm Geleise liegen, sodaß ihm der um 6 Uhr von Fulda kommende Zug die beiden Oberichenkel abfuhr- nach zwei Stunden verschied der Unglückliche. Der Unfall ereignete fich tn der Curve zwischen Hopfgarten und Hoffmanns Fabrik. Eine Wittwe und vier Kinder trauern um einen braven Familienvater.
Schwurgericht.
W. Gieße«, 6. December 1897.
Der Vorsitzende, Herr LanögerichtSrath Helwig, eröffnete um 9>/2 Uhr Bormtttag» die Sitzung. Rach B ldung der Geschworenenbank wird in die Verhandlung gegen den Dienstknecht Karl Götze von Halle a. S., zuletzt in Bad- Nauheim bedienstet gewesen, wegen Raub und Widerstand gegen die Staatsgewalt eingetreten. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Dr. Güngerich. Die Bertheidigung führt Justizrath Baist. — Der Angeklagte, welcher am 2. April 1874 geboren, ist wegen Körperverl'tzuug mit 14 Tagen und wegen Betteln» mit zwei Tagen Haft vorbestraft- er wird beschuldigt, am 24. Oktober dis. I». zu Friedberg in Gemeinschaft mit seinem ArbeitSgenoffen Krimmer, der sich inzwischen erhängt hat, auf der Usagaffe dem Arbeiter Conrad Geist von Dorheim deffen Uhr und Hut geraubt zu haben und später bei seiner verhastung, die be« GeuSbarm Kaiser und zwei andere Personen bewirken wollten, Widerstand geleistet zu hoben. Der Angeklagte behauptet, am Tage der That (eß war an einem Sonntag) stark angetrunken gewesen zu sein, er will von dem ganzen Vorgänge nicht» mehr rotffen. Auf Antrag deS Ersten Staatsanwalt» wird anS den Acten der Voruntersuchung constatirt, daß der Angeklagte anfänglich auch erklärt, er w.ffe von den Vorgängen, um die eß sich handelt, nichts, später, am 11. November, hat der Angeklagte jedoch ein Geständmß abgelegt. Er gibt zu, das Geständniß gemacht zu haben, erklärt aber, bei der That seinen klaren Verstand nicht gehabt zu haben, sonst hätte er da» Verbrechen nicht begangen. Die nun folgende Zeugenvernehmung ist für den Angeklagten im großen Ganzen belastend. Daß Urtheil erging dahin, daß der Angeklagte mit 2 Jahren und 1 Monat Gefängniß, unter Anrechnung von 1 Monat der erlittenen Untersuchung»- haft, zu bestrafen sei.
* Ein Haustranßport. Der in vor. Nummer au» Aschaffenburg gemeldeten Verschiebung eine« Hause» hat ein hiesiger Fachmann beigewohnt. Derselbe theilt un» Folgende« mit: Bi« gestern (Sonntag) wurden mit der Verschiebung 100 Mtr. zurückgelegt, die ganze Entfernung beträgt 116 Mtr., so daß man heute da« Gebäude auf da» neue Fundament zu bringen hofft. Da» Gebäode hat 12,50 Mtr. Länge auf 10,75 Mtr. Tiefe. Besonder» be- achtenSwerth war, daß, trotzdem die Fenster im Gebäude verblieben waren, keine einzige Fensterscheibe gesprungen ist- auch zeigten fich im Innern keine Riffe, die auf die Verschiebung selbst Bezug hatten, außer einigen kleinen Haar- riffen in der Decke de» zweiten Stocke» und tm Dach flock. Die tägliche Verschiebung betragt 9—10 Mtr. — Der mit dieser Gebäudeoerschiebung gemachte versuch ist al» tu allen Theilen gelungen zu betracheen. Demnächst kommen noch anderweit Gebäude, in Bamberg rc., zur Verschiebung.
* Unter falschem Verdacht. SamSrag Morgen hat fich die 26jährige Leiterin der Seidenwaarenficma Knecht in Wien, Adele Strich, getödtet. Fräulein Eirich wurde, al» sie am Dienstag das Schuhwaarengeschäft Eigl in Wien betrat, von der Frau beschuldigt, sie habe ihr am 1. Februar d. I. vier Paar Schuhe gestohlen. In höchster Aufregung Über diese Beschuldigung ergriff die junge Dame, al» sie fich im Geschäfte eingeschloffen sah und ihre Erregung nicht mehr bemeistern konnte, einen Aufzugshaken und führte gegen eine im Geschäfte anwesende Bedienerin einen Schlag gegen den Kopf, der dieselbe leicht verletzte. Fräulein Eirich sprang hierauf durch da» GlaSfenfter auf die Straße, wurde aber festgenommen und auf da» Commiffariat e»cortirt, von wo sie ihr Vater, der Hof' und GerichiSabvokat Dr. O. F. Eirich, abholte, da sie auf freien Fuß gestellt wurde. Fräulein Eirich beharrte darauf, das Geschäft der Frau Eigl zum ersten Male betreten zu Haden. Advokat Sieger brachte im Auftrage deS Vater» der so schwer Beschuldigten die Ehrenbeletdigung». und DerleumdungSklage beim Wiener LaadeSgerichie ein. Fräulein E rich war an mittelbar nach dem Vorfälle furchtbar aufgeregt, kam aber ihren dienstlichen Obliegenheiten im Geschäfte mit großer Aufmerksamkeit nach, und obwohl Niemand an» ihrer Umgebung an ihre Schuld glaubte, ging ihr der Gedanke, für eine Diebin gehalten zu werden, sehr nahe. Am SamStag Morgen, bevor die junge Dame in daS Büreau gehen sollte, hat sie fich in der Wohnung ihrer Mütter vurch einen Revolverschuß getödtet. Der tragische Tob trifft ben Vater um so schmerzlicher, als fich vor einigen Jahren auch eine zweite Tochter des Advokaten selbst getödtet hat. Fräulein Eirich hat an ihren Chef, Herrn Knecht, einen Brief zurück- gelassen, in dem sie ihre Unschuld beteuert und ihren Jähzorn, durch den fie fich zu dem Angriff auf die Bedienerin hinreißen ließ, beklagt. „Arn Rande de» Grabe» lügt man nicht," heißt eS u. A. in dem Briefe, „ich habe nicht ge- stöhlen. Gott wird die Frau richten. Ich sterbe nur, »eil


