langen Nacht schon verschlafen, er sah daher zum Fenster der LhomaS'schen Wohnung hinein und sah, daß dieser noch i» Bette lag.
Die Ehefrau Georg Heinrich Müller sah nach dem Fortgang ihres Ehemannes, der nach Schotten gegangen war, daß Thomas neben seinem Hänschen ein vedürfniß verrichtete, es sei die» etwa gegen 10 Uhr vormittag- am gedachten Tage gewesen.
AuS den wetteren Zeugenaussagen geht hervor, daß der Angeklagte gegen 11 Uhr gesehen wurde, als er au- dem Backhaus zwei Kuchen in seine Wohnung schaffte, daß er aber, bevor er diese Arbeit verrichtete, in der Wirthschaft von Deubel seinen Frühschoppen trank nnd dann noch bei Joh. Adolph Holzhauerlohn vereinnahmt hat. Ebenso wird durch die anderen Zeugenaussagen zur Gewißheit, daß Thoma- am 24. December bi- 1/210 Uhr vormittag- der Ruhe gepflegt. Damit ist die Beweisaufnahme erschöpft.
Die an die Jury zu richtenden Schuldfragen gehen dahin, ob der Angeklagte in zwei Fällen, und zwar vor dem Forstgericht Schotten und vor dem Landgericht Gießen, in der Strafsache gegen Neumann wegen Forstfrevel wiffentlich fasch geschworen und ob sich die That des Angeklagten al- eine einzige strafbare Handlung darstellt.
StaaiSanwalt Zimmermann plaidirt für Schuldig des Meineids in einer einheitlichen Begangenschaft. Die Be- welSaufnahme habe klipp und klar erwiesen, daß das, waS der Angeklagte beschworen, falsch und zwar wiffentlich falsch war, denn e- sei ihm nachgewiesen, daß er zwischen 8 und 10 Uhr Morgens am 24. December gar nicht auf dem Lappenstetn gewesen sein kann, weil er um diese Zeit noch in Rudingshain im Bette gelegen. ES sei aber auch erwiesen, daß Thomas den Neumann dort nicht gesehen haben kann, weil dieser um die fragliche Zeit Rudingshain nicht verlaffen habe. Die Bekundungen de- Angeklagten, die dieser unter Eid gemacht, seien rein aus der Luft gegriffen, um einen ganz unschuldigen Menschen ins Unglück zu bringen.
Der Bertheidiger, Rechtsanwalt Wei big, gesteht zu, daß die Belastungszeugen einen sehr guten Eindruck gemaa-r hätten, die Geschworenen aber hätten doch die Pfl'cht, zu prüfen, ob sie diesen vollen Glauben schenken könnten- hätten dieselben nur den mindesten Zweifel an der Schuld deS Angeklagten, so mühten fie doch auf Nichtschuldig ihren Spruch fällen.
Nach der Rechtsbelehrung durch den Borfftzenden folgte die kurze Berathung der Geschworenen, deren Obmann, Prof. Krüger-Gießen, den Wahrspruch dahin verkündete, daß der Angeklagte schuldig des Meineids in einer einheitlichen Begangenschaft sei.
StaatSauwalt Zimmermann wie- darauf hin, daß der Angeklagte durch seine That eine gemeine Gesinnung an den Tag gelegt, um einen Menschen, der ihm im Leben nie zu nahe getreten, zur Bestrasung zu bringen, also aus reiner Bo-Heit habe er falsch geschworen,- er beantrage, gegen den Angeklagten 3 Jahre Zuchthaus und die üblichen Nebenstrafen auszusprechen. Der Bertheidiger bat um ein milderes Urtheil und Anrechnung der Untersuchungshaft.
Der Gerichtshof erließ das Urtheil dahin, daß der Angeklagte mit 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren zu bestrafen, auch deffen dauernde Zeugenunfähigkeit auSzu- sprechen sei. ______________
W. Gieße«, den 4. October.
Heute wurde gegen den MüllerSsohn Heinrich Dörr von der DammeSmühle bei Arnshain wegen Mordversuchs verhandelt. Es find 24 Zeugen von der Staatsanwaltschaft und 9 Zeugen von der vertheidigung geladen, zu hören. Herr Dr. med. Brückner-Gießen ist als Sachverständiger erschienen. Dem am 22. Januar 1872 geborenen, wegen Diebstahls vorbestraften Angeklagten wird nach der Anklage zur Last gelegt, daß er in der Nacht vom 23. bis 24. Juli d. I. den versuch gemacht habe, das Dienstmädchen seines Vaters, die Bertha Bondio von Seibelsdorf, zu ermorden. Der Angeklagte erklärt, im dritten Jahre seine- Lebens vom Mühlrad getroffen worden zu sein und immer noch daran zu leiden, da die Wunde am Bein ab und zu wieder auf« bricht. Auf der Mühle seine- Vaters find seit der ver« heirathung seiner Schwester zwei Dienstmädchen, darunter auch seit dem dritten Weihnachtsfeiertage die Bertha Bondio.
(Schluß folgt.) ü— "B 11 1 ----
CoceUs anO proHnskte
Gießen, den 4. October.
* * Kirchliche Dienstnachricht. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 29. September dem Pfarrer Jacob Jaudt zu Maulbach die evangelische Pfarrstelle zu Planig, Decanat Wöllstein, zu übertragen.
• * Stadttheater. Für die gestrige Sonntags-Vorstellung wurde das überaus gefällige Lustspiel „Wohlthätige Frauen" von L'Arronge gewählt und erzielte deffen Aufführung den vollsten Beifall des sehr gut besuchten Hauses. Durch Verhinderung unseres Referenten muß für diesmal auf ein näheres Eingehen über die Wiedergabe des Stückes verzichtet werden.
• • Stadltheater. Als nächste Novität erscheint auf dem Spielplan der hiefigen Bühne das vieractige historische Luft- spiel „Wie die Alten jungen" von Carl Niemann, welches voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche zur Aufführung gelangen wird.
Die Gesellschaft für Srd- und Völkerkunde hielt am 1. d. MtS. im Saale des „Gasthofs znm Einhorn" ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Profeffor Sievers, gab in seinem Rechenschaftsbericht eine Ueberficht über die Tätigkeit der Gesellschaft Im Der« floffenen Geschäftsjahr, auS der wir entnehmen können, weich' erfreulichen Aufschwung der junge Verein bereits genommen
hat. Aus der Fülle der fntereffanten Vorträge brauchen wir nur diejenigen der Herren Geh. AdmiralttStSrath Profeffor Dr. Neumeyer und Excellenz v. Brandt zu nennen, um ihre Bedeutung zn djaracteriftren. Die Referate und Mittheilnngen von Seiten einzelner Mitglieder im kleineren Kreise der MontagSabende wirkten nicht minder anregend und find da« her an dieser Stelle besonders mit Dank zu erwähnen. Die Mitgliederzahl (218) darf als sehr günstig betrachtet werden, eben so der einen Ueberschuß von über 100 Mark ergebende Kaffenbestand. Die von den Herren Eifert und Zimmer geprüfte Rechnung wurde als richtig befunden und der Rechner entlastet. Das vom Herrn Vorsttzenden hierauf entwickelte Programm für den kommenden Winter, das den Mitgliedern gedruckt zugehen wird, berechtigt zu der Hoffnung auf eine Reihe eben so interessanter und lehrreicher Vorträge, wie fie unS da- vergangene Jahr gebracht hatte. Größere Borträge werden halten die Herren Dr. Julius Ritter von Payer, eine Autorität ersten Ranges auf dem Gebiete der Polar- forschung, über den Nordpol, der ja augenblicklich das Jutereffe der ganzen gebildeten Welt in Anspruch nimmt; Director Dr. Seitz, ein Gießener Kind, über Australien, Profeffor W. Kükenthal, Director Bansa über Japan, Dr. DierckS über Cuba und Dr. Philippson über Thessalien, alles Namen von gutem Klang und Themata von großem Interesse. — Die am Schluß der Versammlung vor- genommene BorstandSwahl ergab als engeren Vorstand die Herren Professor Dr. Sievers (1. Vorfitzender), Cornmercien- rath Koch (2. Vorsitzender), CustoS Dr. Ebel (1. Schriftführer), Buchdruckereibefitzer Kindt (2. Schriftführer), Com- mercieurath Heichelheim (Rechner); als Beisitzer wurden gewählt die Herren Director Bansa, Premierlieuteuant Bartsch, Geh-imrath Frhr. v. (Sagern, Cammercienrath Heiligeustädt, CustoS Dr. Heuser, Hoftraiteur Kirch, Landgerichtspräfident Frhr. von Ricou, Brauereibefitzer Ed. Röhrle, Kaufmann Otto Schaaf, Buchhändler Töpelmann.
Kaufmännischer Verein. Die am SarnStag Abend veranstaltete Feier des 24. SiiftungS festes hatte sich eines großen Zuspruchs zu erfreuen. Der dem Balle voraus- gehende Schwank „Großstadtluft" von Oscar Blumenthal wurde von Mitgliedern des hiefigen Theaters in vortrefflicher Weife zur Aufführung gebracht. DaS Stück ist an und für sich zur Genüge bekannt, als daß wir hier auf eine Zergliederung desselben einzugehen nöthig hätten. Die AuSsührenden entledigten sich ihrer Aufgabe in vortrefflicher Weise und die» bewies der zahlreiche Beifall, den fie beim Publikum erzielten. Der sich hierauf anschließende Ball hielt die Tanzlustigen bis zur späten Morgenstunde in ungezwungener, fröhlicher Stimmung beisammen.
* • Neue» Restaurant. Der Besuch deS am Samstag eröffneten „Restaurant Royal" am SelterSweg war am Eröffnung-tage sowohl, wie auch gestern ein überau- guter. Die Räume find elegant und vornehm hergerichtet. Küche und Keller des Herrn ElgeS bieten Vorzügliches.
P. Ehrende Anerkennung. Unser Mitbürger Konrad Rübs am en, Mitglied deS Vogel- und Geflügelzuchtvereins Gießen, hat auf den diesjährigen Geflügel-Ausstellungen in Gutra, Hannover und Butzbach, wo er feine Zuchten von Nutzhühnern (Italiener) und schwere Nutzenten (Rouen-Enten) ausstellte, im Ganzen 28 Preise erhalten, darunter 4 erste, 8 zweite und 8 dritte Preise. Ferner erhielt derselbe zwei Ehrenpreise, darunter einer gestiftet Dom Landw. Central- Verein. — Für hernorragende Leistungen in der Rouen- Entenzucht wurde ihm die silberne Staatsmedaille zuerkannt.
* „Heller October, viel Wind im Winter" — sagt eine alte Wetterregel. Ader der October gibt noch zahlreiche andere Anzeichen, von denen man auf den kommenden Winter zu schließen berechtigt ist. Da heißt e» in einer anderen Bauernregel: „Ist recht rauh der Hase, bann frierst Du bald an der Nase," ober: „Wenn im Moor viel Irrlicht stehn, bleibt baS Wetter lange schön" — ober enblich in einem dritten Sprüchlein: „Trägt's Häschen lang sein Sommerkleid, so ist der Winter auch noch weit." Auch die schwarz gefiederten Schaaren der Krähen, wenn fie hoch in den Lüsten über den Wäldern krähen, gelten dem Landmann als Wetter- iropheten für den Winter, denn von ihnen heißt eS : „Halten die Krähen Convivium, fieh nach Feuerholz dich um." AIS eigentliche Grenzscheide zwischen Herbst und Winter aber gilt der 28. October, der Tag Simon-Juda, von welchem es heißt: „Ist Simon-JudaS erst vorbei, dann rückt der Winter auch herbei." Bis dahin aber wollen wir hoffen, noch manchen chönen Nachsommertag zu erleben.
-s- Nidda, 3. October. Als gestern Nachmittag gegen Vj6 Uhr der hiesige, etwas schwerhörige Landwirth Scheig mit seinem Fuhrwerk aus dem Felde heimkehrte unb von dem BorSdorser Wege bei dem Wärterhause Nr. 27 den Bahnübergang passiren wollte, brauste der von Friedberg kommende Zug, den wegen der Krümmung unb tieferen Lage der Fahrbahn Scheig nicht bemerkte, heran unb hätte wahr- cheinlich besten Wagen Überfahren, wenn nicht rechtzeitig bie herzukommende Bahnwärtersfrau an da- Fuhrwerk geeilt wäre und solches zum Stehen gebracht hätte. Dem vernehmen nach ist da- übliche Warnung-fignal an der genannten Stelle nicht gehört worden.
□ Darmstadt, 2. October. Schon seit mehreren Tagen war die auf heute festgesetzte Ankunft de- russischen Kaiserpaares bekannt und so säumte auch eine nach Tausenden zählende Menschenmenge die Straßen beim Einzug beute Nachmittag, dem Kaiserpaar und Großherzogpaar jubelnde Ovationen barbringenb. Die (Übrigen- auch neugepflasterte) Rheinstraße und anstoßende Straßen find mit Fahnen in russischen, coburgischen und hessischen Farben reich beflaggt. Besondere Freude bereitete eß den Darmstädtern, bie Kaiserin, die allbeliebte frühere Prinzeffin Alis in ber alten Heimath wieder begrüßen za können und diese Freude äußerte sich in ausrichtigen, spontanen Jubelkundgebungen. Sowohl da- Kaiserpaar, als die beiden kaiserlichen Prinzes
sinnen erfreuen sich besten Aussehens unb augenscheinlichen Wohlbefinden-. Wie im vorigen Jahre gedenkt das Kaiser« paar den October in ungezwungenem Erholungsaufenthalte irr unserer Stadt zuzubringen. Wie man hört, hat Kaiser Nicolaus für bie auf ber Mathilbeuhöhe projectirte griechische Kapelle 1 Million Rubel gestiftet. — Im Hoftheater hatte kürzlich das Reichel'sche Schauspiel „Die Bildhauer" einen freundlichen Erfolg zu verzeichnen. E- characterifirt sich als dramatische Anfänger-Arbeit, aber mancherlei Geschicklichkeit in Aufbau unb Entwickelung beß Stückes läßt wohl auf weitere Arbeiten beS Autors gespannt sein.
nn. Darmstadt, 2. October. Zum zweiten Male seit seiner Thronbesteigung ist gestern Nachmittag Se. Majestät Kaiser Nicolau- II. von Rußland nebst seiner hohen Gemahlin zum Besuch der Großh. Familie am hiesigen Hof eingetroffen. Ein officieller Empfang fand auf Wunsch deS Kaiserpaares nicht statt und hatte sich nur der Großherzog und bie Großherzogin nebst ber kleinen Prinzessin Elisabeth unb bie Prinzessin Battenberg nebst ihren drei Rinbern auf dem Perron beS Main-Neckar-BahnhosS eingefnnben. Auch Prinz Wilhelm von Hessen, sowie Provinzialdirector v. Marquardt und der russische Ministerrestdent v. Operoff nebst Gemahlin und eine Anzahl Damen der hiefigen Aristokratie waren zum Empfang erschienen. Punkt 4 Uhr fuhr ber auS elf Salonwagen destehenbe Kaiserzug in ben reichgeschmückten Bahnhof ein, unb als ber Train hielt, entstiegen sofort ber Kaiser und bie Kaiserin ihrem Salonwagen unb eilten auf ihre hohen verwaubten zu, umarmten und küßten ben Großherzog, bie Großherzogin und bie Prinzessin Battenberg. Auch bie Kinber wurden ans» herzlichste begrüßt und die kleine Prinzessin Elisabeth überreichte ber Kaiserin mit einem Knix ein herrliches Maiblurneobouquet. UeberauS herzlich war auch bie Begrüßung beß Prinzen Wilhelm von Hessen (Seiten* beß Kaiserpaares, während ber Kaiser Provinzial Director von Marqaarbt, sowie ben Regiments Commanbeur deS 24. Dcagoner-RegtS., beffen Inhaber Kaiser Nicolaus ist, ganz besonbers burch Händedruck unb Ansprachen auszeichnete. Nachdem noch die Vorstellung deS Gefolge- ftattgefunben hatte, begaben sich bie Herrschaften burch ben Empfang-salon zu ben bereitftehenden Wagen unb fuhren unter dem Hochrufen eines nach vielen Tausenden zählenden Publikums in vierspännigen Wagen L la Daumont mit Spitzenreitern vorauf, und zwar im ersten die Kaiserin mit der Großherzogin, im zweiten der Kaiser unb ber Großherzog burch die reichgeschmückte Rhein« und Wilhelminenstraße nach dem Großherzoglichen PalaiS, woselbst daS Kaiserpaar auf die Dauer von vier Wochen Wohnung nehmen wirb. AdendS fand eine Familientafel statt. Am heutigen Sonntag Nachmittag machte ber Kaiser unb bie Kaiserin mit ber Großherzoglichen Familie und der inzwischen eingetroffenen Prinzessin Heinrich Don Preußen einen Au-flug nach Jagdschloß Kranichstein unb AbenbS besuchten bie Herrschaften baS Groß- herzogliche Hoftheater.
Böhler-Stahlwerke der Wolga-Stahlfabriks-Gesellschast.
lieber den Bau dieser Stahlwerke liegen interessante Berichte in der russischen Zeitung „Saratower Tagebuch" vor. Der Bau ber Stahlwerke schreitet so rasch vor, daß bie Eisengießerei schon in kürzester Zeit in Betrieb gesetzt werben wird. Daß Hüttenterrain ist 34 Deßjatinen groß unb ungefähr 2 Werft von Saratow entfernt. ES prSsentirt sich als elegante Anlage unter Berücksichtigung ber neuesten Erfahrungen auf bem Gebiete ber maschinellen unb Ban- technik. DaS Hüttenterrain wirb burch bie Eisenbahn, welche von Saratow nach Uwiek geht, in zwei Abschnitte geteilt. Auf dem oberen Abschnitte befinden sich bie Werksanlagen, auf dem unteren, ber näher ber Wolga zu liegt, befinden sich bie Meister- unb Arbeiterhänser: bie künftige Stahlcolonia Die etwas hügelig ansteigenbe Terrainformation ber Werks- feite wurde von den Erbauern in scharfsinniger Weise aufr- genützt. Die Gebäude werden nämlich derart angelegt, daß bie Rohmaterialien von ben höher gelegenen Theilen kommen unb bei ihrer Bearbeitung nach unb nach ber Terrainsenkung folgen, biß sie in die Magazine gelangen. Entlang der Magazine läuft ein Schienenstrang, der eine Zweiglinie ber Bahn Saratow«Uwiek bilbet. Die Fabrikate werden auß einem Gebäude in baß andere in kleinen Waggonß auf Schienen transportirt, waß in Folge ber Neigung beß Terrains sehr wenig Kraft absorbirt, ein Umstand, der bet ber großen Production, welche biefe Werke haben werben, wohl tnß Gewicht fällt. Daß größte Gebäube beß Werkes ist für die Stahlgießerei bestimmt. Es hat 75 Sashen Länge, 41/, Sachen Mauerhöhe, unter bem Dache 6 Sashen. Aus der einen Seite nächst bem Eingangßthore befinben sich brei riesige Martinöfen, auf ber anderen Seite bie Tiegelstahlgießerei zur Erzeugung beß JnftrumentenstahleS, der bisher aus« schließlich vom Außlande bezogen werden mußte. Die Tiegel- stahlgteßeret hat drei Abthetlungen, unb zwar bie eigentliche Gießerei, bie Tiegel-Trockenabtheilung unb bie Abtheilung zur Fabrikation ber Tiegel, welche nach einer neuen Methode eingerichtet ist, so daß bie Tiegel vier- biß fünfmal unb barüber werden gebracht werden können. Die zweite Gebaute« reihe bilden die Schmiede, Putzerei und baß Walzwerk zur Herstellung von Flach-, Runbeisen unb Draht. In der Schmiede befinden sich große Dampfhämmer und eine hydraulische Presse. Neben diesen Gebäuden befindet sich baß Kesselhaus mit ber ganzen Dampfmaschinen-Anlage. Seitlich steht eine vollstänbig eingerichtete mechanische Werkstätte unb tn einem eigenen einstöckigen Hause ein chemische- Laboratorium unb eine technologische Prüfungsstation für Festigkeitsproben u. bergl. Die commercteQen Bureaus befinben sich in einem eigenen Hause.
Tine große Rolle spielt in bem Werke bie Electricität. In ber electrischen Station werden zwei Dampfmaschinen von 200 Pferdekräften ausgestellt, welche vier Dynamos it» Bewegung setzen, wovon einer für die Beleuchtung beS WeikeS-


