Ausgabe 
5.9.1897 Drittes Blatt
 
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deutlich, daß gute Erfindungen, welche dem Zeitgeist nicht entsprechen und deßhalb unbeachtet gelosten werden, oft nach langen Jahren, wenn fie von anderer Sette wieder ans- gefrischt werden, sich im Sturm die Welt erobern.

Der Vleistanb in den Setzereien. DieBerliner Medicinische Wochenschrift entnimmt derGraphischen Welt" folgende Mittheilung: Um die Bleistaub Verhältnisse in den Setzereien festzustellen, waren auf Veranlassung der Reich-druckeret in verschiedenen Setzerabtheilungen Berliner Buchdruckerein Meßapparate ausgestellt worden. DaS Ergebntß der Untersuchungen in einer Druckerei war nach den Mitthrilungeu der RetchSdruckerei folgendes:Der Bletgehalt des abgelagerten Staube- betrug auf einem Formenregal in 10 Ctm. Höhe über dem Fußboden 0.89 pCt., auf einem Setzbrett in 52 Ctm. Höhe 1.73pCr., auf einem Setzbrett in 96 Ctm. Höhe 3.59pCt., auf eisern Schrank in 2 Meter Höhe 1.21 pCr. und auf einem Schrank in 2.25 Meter Höhe 0.62 pCt. Der Staub zeigte also im Durchschnitt einen Bleigehalt von 1.6 pCt., eine Menge, wie sie auch im Staube in anderen Setzereien gefunden worden ist. In der Luft des untersuchten Raumes wurden bet zwei Versuchen in einem Cubtkmeter 1.13 Mgr. und 1.35 Mgr. Staub aufgefunden. Während 300 Arbeitstagen würde hiernach bei einem Mittel von 1.24 Mgr. ein Setzer inSgesammt 1.86 Gr. Staub mit einem Bletgehalt von 0.03 Gr. einathmen, das 'macht in 33Vs Jahren 1 Gr. Blei aus. D-.ese Menge dürfte zu gering sein, um bei einem sonst g sunden Menschen Blei- krankheiten heroorzurufen."

Die Erbschaft der ..schwarzen Gräfin". Sie war eigent­lich gar keine Gräfin, sondern nur e ne Edle von Staray, die Frau, deren Testaments Eröffnung gegenwärtig in Wien

Aufsehen erregt. Aber Jedermann kannte fie unter dem Namen derschwarzen Gräfin". Schwarz war ihre Kleidung, schwarz waren ihre Salons, nämlich die Möbel und die Tapeten, uud schwarz waren ihre sämmtlicken Pferde. Bis zum August vorigen Jahres gab es keine Woche, in vernicht das Bezirksgericht Hietzing fich mit einer Angelegenheit der schwarzen Gräfin" oder ihrer Dienerschaft zu befaffrn ge- habt hätte- einzelne dieser Prozeffelaufen" jetzt noch, trotz­dem dieschwarze Gräfin" schon seit Jahresfrist im Grabe ruht. Da e» nämlich wegen der mehr als sonderbaren Ge­wohnheiten der Dam; Keiner aus der Dienerschaft länger als einige Tage bei ihr aushielt, die Dame aber tu allen Fällen auf E uhalrung der vierzehntägigen Kündigungsfrist bestand, kam eS unausgesetzt zu Prozesten zwischen Dienern uud Herrin, die gewöhnlich zu Ungunsten der Letzteren auS- fielen, da das Gericht der Ansicht wrr, daß die Dienerschaft nicht zu Leistungen gezwungen werden könnte, auf deren Er­füllung dieschwarze Gräfin" bestand: nächtliches Ausreiten der Diener mit der Herrin in altdeutschen Gewändern, hippische Ausführungen in demPferdesalon" ihrer Villa in Hietzing und ähnliche Allotria, die ein Diener miimachen kann, wenn er will, zu denen er aber nicht gezwungen werden darf. DerTag" begann für fie um Mitternacht. Um diese Zeit mußte die D euer chaft mit ihrer Herrin bei Fackel­beleuchtung durch den Wieuerwald reiten! Die Testaments- Eröffnung ergab folgendes Resultat: Die Billa in Hietzmg hatte die Dame kurz vor ihrem Tode verkauft und dafür die SulkowSkt'iche Reitschule erworben, welche sie zum Auf­enthalt ihrer Pferde für geeigneter hielt- 50000 Gulden hatte fie für Renovirungen zu Gunsten der Pferde verwendet. In ihrem Testamente waren auch eigentlich nur Pferde zu

Erben eingesetzt und Menschen nur insofern, al» fie für die Verpflegung dieser Pferde zu sorgen hatten. So hatte sie ihrer LiebltngSstuteMausi" 20000 Gulden au-gesetzt, die nach den Bestimmungen ihre- Testamentes einem Pferde­händler zu Übergeben waren, der dafür da- Pferdin Kost und Quartier" nehmen mußte. Nur eine« Diener hatte fie ein Legat von 2000 Gulden ausgesetzt, weil er eS bet ihr drei Wochen lang au-gehalten haue. Eine große Summe war auch für die Verpflegung der Hunde, Papageien und Affen ausgesetzt, die fich in großer Anzahl in dem Tusculum der Erblafferin vorfanden. ES blieb nach dem Verkaufe des Gebäudes und der Einrichtungögegenstände noch Geld genug übrig, über welches keinerlei Verfügung bestand- ein Theil desselben wird zur Befriedigung der Ersatzansprüche von Dienern verwendet werden müffeo.

Danksagung.

In Folge unsere- Aufruf- vom 7. v. Mt?. gingen für unsere überschwemmten Landsleute an den errichteten Sammelstellen tm Ganzen Mk. 579.33 an Spenden ein.

Davon sind Mk. 557.63 an die Vorsitzende de- Vaterländischen FrauenvcreinS, Frau Ett Prinzessin Charlotte von Sachsen-Meiningen tn BreSlau, zur Vertheilung an unsere Landsleute, und Mk. 21.70 an da- Central-Htlss-Comttö Berlin für die Ueberschwemwten in Sachsen und Württemberg übersandt worden.

Special-Liste der gütigen Spender kann in unserem VerelnS- Local, Casü Ebel, ringrsehen werden und sagen wir denselben für ihre Mithilfe den wärmsten Dank.

Gießen, den 3. September 1897.

Schlest«r-El«b Gieße«.

Wilh. Rohleder.

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miethen.

Frankfurter Börse vom 3. September 1897.

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