heit des Barons v. Mohrenheim als Botschafter in Paris diesen dazu bestimmte, die Glückwünsche au-zuiprecden. Ich schätze mich glücklich, in so gerechter und beredter Weise da» Werk der Regierung der Republik uud die Gefühle würdigen zu hören, von denen ihre Politik geleitet wird. Der gleiche Wunsch noch dem Einvernehmen und der Bereinigung, von denen die Mächte sich beseelt zeigen, rechtfertigt da» Vertrauen, welches Sie so fest an der Schwelle des neuen Jahre» bezeugen. Dieses Vertrauen wird noch gefestigt durch die ausgezeichneten Beziehungen, welche zwischen Frankreich uud den übrigen Nationen bestehen. ES sind dies übrigens die einzigen Bürgschaften, welche da» verflossene Jahr gesichert hat für den Frieden der Welt. Die Mithilfe Frankreichs wird niemals den Werken fehlen, welche bestimmt find, die Nationen und Regierungen in dem ge- metosamen Gedanken der Gerechtigkeit uud deS Friedens zu vereinigen."
Paris, 2. Januar. Auf das Telegramm des Kaisers von Rußland hat Präsident Faure gestern mit folgender Depesche geantwortet: „Ich bin tief gerührt von den Worten, in denen Ew. Majestät Ihre Beglückwünschung auS- sprachen. Ich danke Ew. Majestät ebenso wie Ihrer Majestät der Kaiserin für die Gefühle, die Sie für Frankreich zum Ausdruck bringen. Auch wir rufen «nS mit lebhafter Bewegung die so kostbare Erinnerung Ihrer Anwesenheit unter unS wach und ich bitte Sie, die Wünsche entgegenzunehmen, die wir für daS Glück Ew. Majestät uud Ihrer Majestät der Kaisertn hegen wie für daS der Großfürstin Olga und für die Größe Rußlands."
Paris, 2. Januar. Die hiesigen Blätter berichten über eine Ausweisung dreier junger, der Familie Schlumberger angehörenden Leute aus dem Elsaß uud knüpfen daran Erörterungen, tu denen die deutschen Behörden angegriffen werden.
Madrid, 2. Januar. Nach einer Depesche auS M a v i l a errangen die spanischen Truppen einen bedeutenden Sieg über die Aufständischen. Der Verlust der letzteren wird auf 1100 Tobte angegeben. Der Ort deS Kampfes wird nicht genannt.
Madrid, 2. Januar. Die Schlacht, worin die Insurgenten der Philippinen 1100 Mann verloren, fand bei Bulcana statt. Unter den Todten befindet fich auch der Jnsurgentengeueral Eusebro. Die Spanier hatten 23Todte und 58 Verwundete- fie erbeuteten 7 Kanonen.
Bonbon, 2. Januar. Der „Standard" ist der Auficht, daß da» Glückwunsch-Telegramm des Zaren an den Präsidenten Faure wegen seines ausgesprochenen herzlichen Tones einen großen Eindruck machen wird. Der „Daily Telegraph" stellt fest, daß die Beziehungen Frankreichs zu England herzlicher als früher find und fügt hinzu, daß der von der deutschen Presse England gegenüber angeschlagene Ton eine Annäherung Englands au den Dreibund nichts weniger als begünstigt.
London, 2. Januar. In der Kaserne des Devonporter Train-Corps wurde ein ausgedehnter Meutereiversuch entdeckt. DaS Kriegsgericht sprach zwei Soldaten schuldig, dem Compagntechef den Gehorsam verweigert uud Andere überredet zu haben, die Kaserne zu verlassen. Die Untersuchung wird fortgesetzt.
Petersburg, 1. Januar. Der ReichSrath setzte, wie das Organ des Ftnanzmtnisters meldet, zum Schutze der russischen Traubenweine einen Zoll von 170 Kopeken auf Corinthen, Rofinen, Feigen, getrocknete Trauben, Pflaumen uud Birnen fest.
Sofia, 2. Januar. Die „Sobranje" nahm den UkaS, der die nach Rußland desertirteu Offiziere am- nestirt, mit lautem Beifall auf-
Konstantinopel, 2. Januar. Die Botschafter überreichten am Donnerstag der Pforte eine gemeinsame Note, worin die Ausdehnung der Amnestie auf die Verbannten und flüchtigen Armenier verlangt wird. Die Pforte scheint geneigt zu sein, dem Verlangen zu entsprechen.
Neueste
Wolff« telegraphische« Eorrespondeur-Bmean.
Treuchtlingen (Mittelfranken), 3. Januar. Im hiesigen Bahnhöfe stieß heute Nacht ein Schnellzug mit einem Personenzuge zusammen. Mehrere Wagen entgleisten, ein Waggon gerielh in Brand. Eta Reisender wurde leicht ver- letzt- der Materialschaden ist bedeutend.
Neapel, 3. Januar. Cardinal Sanfeltce ist heute früh 1 Uhr 40 Min. gestorben.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 3. Januar. DaS „Bert. Tagebl." berichtet au« Rom: DaS Deutsche Kaiserpaar werde im Frühjahre nach Italien reisen und dort mehrere Wochen verweilen. DaS Kaiserpaar werde fich in Genua auf der „Hohenzollern" ein- schiffen, welche vom „Gefion- begleitet sein wird. Bet der Küstensahrt sollen Neapel, Palermo und andere Städte berührt werden.
Berlin, 3. Januar. Die Verlegerin deS „Socialist", Rosa Bareiß, welche kurz vor Weihnachten verhaftet wurde, ist nach zwölftägiger Untersuchungshaft wieder ent- lassen worden. Indessen wird gegen fie die Anklage wegen Beleidigung de» RtchterstandeS erhoben. Der gleichfalls vor Weihnachten verhaftete Anarchist, Schriftsteller Gustav Landauer, bleibt wegen Fluchtverdachts in Haft- auch er wird wegen Beleidigung avgeklagt.
Berlin, 3. Januar. Der „Voss. Ztg." zufolge soll die erste Berathung der Militär-Strafprozeß-Ordnung im Plenum des BundeSrathS in der nächsten BundeSrathS- sitzung am 7. Januar stattfinden.
Hamburg, 3. Januar. Aus England trafen gestern 500 Psund Sterling UnterstützuugSgeldrr für die Strtkendeu ein.
Augsburg, 3. Januar. Wie die „AugSb. Abeudztg."
meldet, verlautet in militärischen Kreisen, daß mit der in Aussicht genommenen Artillerie-Reform auch eine Aeude- ruug der technischen Etntheilung der Feld- artillerie-Abtheilungeu Hand in Hand gehen soll, da die bisherige Formation der Feldarttllerte Regimenter, bezw. Batterien, für den beweglichen Feldkampf zu schwerfällig uud compOeirt gehalten wird.
Budapest, 3. Januar. Hier hat fich ein anarchistischer Verein gebildet, zu welchem etwa hundert Mitglieder gehören. Derselbe gibt ein Blatt in ungarischer und deutscher Sprache heran». Die erste, bereits erschienene Nummer ent- hält sehr heftige Angriffe gegen den Staat, die Regierung und die Gesellschaft. Der Redacteur des Blatte» ist ein ehemaliger Beamter deS Justizministeriums, Dr. Schmitt.
Rom, 3. Januar. Aus Candta wird berichtet, daß die Beziehungen zwtscheu Christen uud Muhamedaneru wieder äußerst gespannt seien. Alles sei bewaffnet und mau befürchte den AuSbruch von Unruhen.
Brüssel, 3. Januar. Der franzöfische Vertreter unterzeichnete gestern hier den Vertrag, welcher die Handelsbeziehungen zwischen Belgien und Frankreich in Tunis regelt.
Bukarest, 3. Januar. DaS Budget fieht für das nächste Jahr die Anschaffung dreier großer Dampfer für die Linie Konstantinopel—Antwerpen—Rotterdam vor.
WB. Paris, 4. Januar. Das eudgiltige Ergebuiß der SenatSwahleo, einschließlich Stichwahlen, ist: 64 Republikaner, 21 Radicale, 12 Conservative.
CoceUs rrrrd prwht$U(l^
Gießen, den 4. Januar 1897.
* * Empfang. Se. Kgl. Hoheit der Grobherzog empfingen am 2. Januar u. A. den Secondelieutenant Frhru. v. Stein zu LauSnitz von der Kaiserlichen Schutztruppe in Kamerun, die Gymnasiallehrer Dr. Keller von Laubach uud Dr. Volp von Büdingen, den Reallehrer Schilling von Alsfeld, den Bürgermeister Weidmann von Bornheim, Kreis Alsfeld.
* * Deutscher und Oesterreichischer Alpenverein. Die Section Gießen deS Deutschen und Oesterreichtschen Alpen- vereins hat im Laufe der letzten Jahre sehr erheblich an Zahl gewonnen, wobei jedoch die harmonische Entwickelung des BeretuSlebens innerhalb der Section nicht in gleichem Maße gefördert wurde. Auf Grund dieser Wahrnehmung und deS Wunsches sowohl nach einer fruchtbaren Bethätigung der Mitglieder auf alpinem Gebiet, als nach einer einheitlichen und friedlichen Entfaltung des Vereins in engerem Kreise, hat fich bei einer Anzahl Mitglieder innerhalb der Section Gießen daS Bedürfntß geltend gemacht, eine besondere Section uud zwar unter dem Namen „Section Oberhessen de» Deutschen und Oesterr. Alpenver- einS" mir dem Vorort Gießen ins Leben zu rufen. Diese Section setzt als ein von der Section Gießen neu ausgehender Zweig, deren Vereinsleben auf besonderem Boden fort- sie wird ein friedliches Verhältniß zur Section Gießen Pflegen und darf sich der Hoffnung htngeben, daß man ihr von dorther dieselbe Gesinnung entgegenbringt. Die reinliche Scheidung von über 50 Mitgliedern aus der älteren Section bedeutet daher keineswegs einen Verfall des alpinen Vereinslebens in hiesiger Stadt, sondern kann eher als eine Erweiterung und Vervollkommnung desselben betrachtet werden. Volle Freiheit bezüglich der Gestaltung des VereiuSlebens innerhalb der Section kann nur förderlich sein der Hauptsache: Pflege der hohen idealen Zwecke der alpinen Vereine. In diesem Sinne gedenkt die „Section Oberhessen" des Deutschen undOesterreichischen Alpenvereins, die sich am 21. v. M. mit 48 Mitgliedern constituirt und durch Schreiben deS CentralauSschusseS des Deutschen und Oesterr. AlpenveretnS vom 31. December 1896, die Bestätigung und Beglückwünschung zur Gründung empfangen, ihre Vereins- thättgkeit, zu welcher auch die Pflege edler Geselligkeit gehören wird, zu beginnen und dauernd zu üben. DaS Ber- einSlocal verbleibt wie seither im Kaiserhof hier. In den Geertonsvorstand wurden gewählt die Herren Dr. Klewitz, Berlagsbuchhändler O. Roth, Amtsrichter Neuenhagen, Fabrikant Heinrich Schirmer.
• * Die Reichsbank erwarb für ihre Nebenstelle das Haus Westanlage 17, bisher der Firma Jean Dern u. Co. gehörig, für den Preis von 40,000 Mk.
* * „Alß verspäteten NenjahrSgruß" erhielten wir einen verfrühten Frühlingsboten, nämlich einen Schmetterling (rother Fuchs).
* • lieber die Annahme von Militaranwärtern bei den JnvaliditätS - und AlterSverstcherungS-Anstalten wird als einstweilige Regelung eine Bekanntmachung im „Reichsanz." veröffentlicht, die bis zum Erlaß endgültiger Bestimmungen des BundeSratheS zu gelten hat. Darnach find die Subaltern- und Unterbeamtenstelleu bet den In- valtdttätS-Berficherungs-Anstalten vorzugsweise mit Militäranwärtern zu besetzen: Die Coutrolbeamteu gelten hierbei nicht als Subalterubeamte. Ausschließlich mit Militäranwärtern find zu besetzen: 1. die Stellen im Kanzletdteust, einschließlich derjenigen der Lohnschretber, soweit deren Inhabern die Besorgung des Schreibwerks und der damit zusammenhängenden Dienstperrichtungen obliegt- 2. sämmtltche Stellen, deren Obliegenheiten im Wesentlichen in mechanischen Dienstleistungen bestehen und keine technischen Kenntnisse erfordern. Mindestens zur Hälfte mit Militäranwärtern find zu besetzen die Stellen der Subalternbeamten im Bureaudtenft, jedoch mit Ausnahme 1. derjenigen Stellen, für welche eine besondere wissenschaftliche oder technische Vorbildung erfordert wird, 2. die Stellen derjenigen Kassen Vorsteher, welche eigene Rechnung zu legen haben, sowie derjenigen Kaffenbeamten, welche Kaffengelder etnzunehmen, zu verwahren oder auS- zugebeu haben, 3. die Stellen der Bureau-Vorsteher.
x Grauingen, 1. Januar. Herr Director Pa»eoe von Gießen hat einer betagten armen Wittwe dahier, deren Sohn Anfangs der siebziger Jahre in dem Braunstein-Bergwerk sein Leben verlor, in hochherziger Weise eine WeihnrchiSgabe von 100 Mark zukommev lassen.
- |- Nidda, 1. Januar. Nach einem alten Brauche wird in vielen Haushaltungen am NeujahrStage Weißkraut bei der Hauptmahlzeit gegessen, wo» von diesen Leuten als glückbringend erachtet wird- dabei vermeidet man den Genuß saurer Speisen in der Meinung, von Geschwüren rc. im neuen Jahre befreit zu bleiben. Diese abergläubischen Ueb- uogen find mitunter in den gebildeten Klassen noch Brauch.
Lauterbach, 31. December. Am zweiten Weihnachtsfeiertag kam eS in Wallenrod in einer Sptnnstube Abends zu Schlägereien, wobei das Messer wieder eine große Rolle spielte. Zwei find schwer verletzt und wurde der eine, der einen Stich tu den Arm bekam, vorgestern ins Krankenhaus nach Lauterbach gebracht.
§§ Kefenrod, 2. Januar. In der Sylvestern acht wurde ein sehr achtbarer Bürger unseres OrteS, der Polizei- diener G. in tiefe Trauer versetzt, indem seine Ehefrau durch Erhängen ihrem Leben ein Ende machte. Die Verstorbene zeigte in letzter Zeit eine tiefe Schwermuth und kann man nicht anders annehmen, als daß die Genannte in einem Anfall von Geistesstörung Hand an sich gelegt hat. Heute war da» Gericht mit dem Arzte hier und nahm die nöthigeu Untersuchungshandlungeu vor.
Bad-Nauheim, 1. Januar. Einem Burschen ging heute Nacht die Pistole, die er mit einer Kugelpatrone geladen hatte, auS Unvorsichtigkeit los. DaS Geschoß traf einen 13jährigen Jungen in die Brust- die Verletzung ist lebens» gefährlich. — Gestern tödtete sich durch einen Revoloerschuß ein dahier beschäftigter Bau-Aufseher, der in derangirte Verhältnisse gerathen war.
□ Darmpadt, 31. December. Wie man zuverlässig hört, gedenkt der Vorsitzende der Direction der Matn-Neckar- Bahn, Herr Geheimrath Friedrich Licht Hamm er, em um die Entwickelung dieser Bahn und damit unsere» engeren Batellande» überaus verdienter, pflichttreuer Beamte, tu den PenstonSstand zu treten. Er hatte vor einigen Tagen das Unglück, auf dem Trottoir zu stürzen und zog sich dabei eine ernsthafte Fußverletzuug zu, die ihn an» Krankenlager fesselt und die bet seinem hohen Alter, er steht im 78. Lebensjahre, zu Besorgnissen Anlaß giebt. Der Unfall deS Genannten wird allgemein lebhaft bedauert. Im August d. I. konnte noch Herr L. zugleich mit der SemisäculumSfeier der Main Neckar-Bahn sein mehr als 50 jähriges Dtenstjubiläum in bester Rüstigkeit feiern- seit 1857 ist er Vorsitzender der Direction.
+ Seligenstadt, 3. Januar. Gestern wurde der 51 jährige Joachim Friedmann beim Holzfällen im hiesigen Stadtwalde von einer unv-rsehends umstürzenden Tanne erschlagender BedauernSwerthe hinterläßt 7 Kinder, von denen eines noch schulpflichtig ist.
Itniverfitäts > Nachrichten.
München, 3. Januar. Der Professor der Forstwissenschaft an der htestgen Universität, v. Baur, der tm vorigen Jahre Rector war, ist gestern gestorben.
Eingesandt.
Vorgänge, die in der letzten Zeit in meiner Gemeinde spielten, machen es mir zur Gewissenspfllcht, endlich einmal daS Treiben deS hiesigen katholischen Pfarramtes in unseren gemischten Ehen öffent, ltch zu enthüllen.
In meiner Gemeinde wohnte eine aus Vater, Mutter und einem Sohn bestehende Familie. Der inzwischen verstorbene Vater war kaiholtsch, die Mutter ist evangelisch. Der gleichfalls evangelische Sohn ist der Stiefsohn des Vaters, der also gesetzlich kein Bestimmungsrecht über die Confefsion des Sohne« hat. Nichtsdestoweniger hat schon seit längerer Zeit daS katholische Pfarramt den Mann dahin zu drängen versucht, daß er den Sohn der katholischen Kirche zuführe und auch seine Frau bestimmen solle, katholisch zu werden. Diese Versuche blieben zunächst ohne Erfolg. Sie scheiterten, so viel ich sehen kann, vor allem an der ausgesprochenen Abneigung de» Jungen. Inzwischen war der Junge 13l/e Jahre alt geworden und besuchte seit Anfang October meinen Confirmanden-Unterricht. Da erkrankte der Vater schwer und als er sein Ende hcrannahen fühlte, begehrte er nach dem Brauch seiner Kirche die letzte Oelung, an der nach katholischem Glaubm die Gewißheit der zukünftigen Seligkeit hangt. Die Erfüllung seiner Bitte wurde aber von fetten des katholischen Pfarramtes davon abhängig gemacht, daß der Sohn alsbald katholisch werde. Und nun fing in dem Sterbehause ein Treiben an, von dem man nur mit tiefster Entrüstung hören und schreiben kann. Unablässig setzten der katholische Pfarrer, der Caplan und die barmherzigen Schwestern den armen Menschen, die durch das herannahende Sterben des Vaters so wie so auf's Tiefste erregt waren, zu. Der Junge blieb zunächst bei seiner Weigerung uud die Mutter konnte sich nicht entschließen, ihn wider sein Gewissen zu zwmgm. Als ich ihn zu mir kommen ließ, erklärte er mir unter bitteren Thränen, er wolle nicht katholisch werden, fügte aber hinzu, er werde so gedrängt, daß er nicht wisse, ob er noch länger widerstehen könne, da er es nicht ertragen könne, wenn man ihm dann vorwerfe, er sei an dem Tode seines Vaters schuld. Der Jung« jammerte mich auf'S Tiefste. Ich konnte aber nichts weiter thun, als ihm sagen, daß in Sachen des Gewissens keine andere Rücksicht entscheiden dürfe. Selbst in das SterbehauS zu gehen und dort die armen Menschen auch meinerseits zu bearbeiten, konnte ich mich nicht entschließen. Solche menschlichen Rücksichtm scheinen aber für den BekehrungSetfer deS katholischen Pfarramtes nicht zu bestehen. Man ließ nicht nach, bis der sterbende Mann durch die Todesangst in die furchtbarste Aufregung gegen Frau und Sohn versetzt war. So wurde die Mutter endlich so in die Enge getrieben, daß sie in den Uebertritt deS SohneS einwilligte. Darauf erhielt endlich der Mann am Abend die letzte Oelung. AIS der Junge Abends heimkam, erklärte ihm die barmherzige Schwester, er sei nun katholisch und müsse am anderen Morgen in die Messe gehen. Darf man sich wundern, wenn der arme, gequälte Junge nun auch nicht mehr die Kraft zum Widerstände fand und wirklich in ben katholischen Confirmanden-Unterricht wanderte/ DaS katholische Pfarramt hat fein Ziel erreicht. Da die Mutter zugesttmmt bat, so ist meine Macht zu Ende. Ich halte eS aber für meine Pflicht, die Handlungsweise des katholischen Pfarramtes vor ben Rtchterstuhl deS cffentltchen Gewissens zu zieh«.
Ich frage: Ist eS christlich, einen bald vierzehnjährigen Menschen wider seine Ueberzeugung mit solchen Mitteln zur Verleugnung zu drängen; ist eS menschlich, die Todesangst etneS sterbenden Mannes, den Kummer einer Mutter und eines Sohnes zu mißbrauchen, um daraus Vorthetl jür die katholische Kirche zu schlagen?


