Ausgabe 
5.1.1897 Erstes Blatt
 
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Nr. 3 Erstes Blatt»Dienstag den 5. Januar gS9V

Der

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Smtllchev Ltzett.

Bekanntmachung, betreffend: Obftbauversawmlungeu.

Der Obstbautechniker des Oberhesfischen Obstbauvereins, Herr E. Metz aus Friedberg, beabsichtigt im Januar 1897 folgende Orte des Kreise» Gießen zu besuchen, um Vorträge über Obstbau zu halten und practtsche Unterweisungen zu ertheileu. An Wochentagen beginnen die Borträge Abends 8 Uhr, an Sonntagen Nachmittag» 3 Uhr, die practischen Unterweisungen stets am nächsten Tage Bormittags von 9 Uhr ab und sind die Mitglieder deS Obstbauvereins und sonstige Freunde deS Obstbaues zu zahlreicher Betheiliguug ein­geladen.

Mittwoch

den 6. Janua

r in Mainzlar

Donnerstag

// 7.

Allendorf a. d. Lda.,

Freitag

,/ 8.

Climbach,

SamStag

// 8.

Allertshausen,

Sonntag

io.

Londorf,

Montag

,/ 11. ,

Kesselbach,

DienStag

,, 12. ,

Odenhausen,

Mittwoch

// 13. ,

y Lumda,

Freitag

22.

Gießen,

Samstag

,/ 23.

Hausen,

Sonntag

n 24. ,

Garbenteich,

Montag

»25.

Steinbach,

Dienstag

26.

Albach,

Mittwoch

n 27.

Burkhardsfelden,

Donnerstag

n 28.

Hattenrod,

Freitag

,/ 29.

Harbach,

Samstag

30.

Ettingshausen,

Sonntag

,/ 31. /,

Queckborn.

Den Herren

Großh. Bürgermeistern gehen befonbi

Mittheilungen zu.

Gießen, den 2. Januar 1897.

Der Vorsitzende deS Vereinsbezirks Gießen de» Oberhesfischen Obstbau-Vereins.

Dr. Wall au.

Deutscher Reich.

Berlin, 2. Januar. Der StaatScommiffar für die Berliner Börse, OberverwaltungSgerichtsrath Hempfen- macher, traf bald nach 1 Uhr heute an der Börse ein, wo ihn der Geh. Commerzievrath Herz begrüßte und umher- führte. An der Productenbörse herrschte eine sonst unbekannte Stille. Der Saal war vollständig leer, kein Getreidehändler war erschienen, nur einige Spirttusmakler waren anwesend. Dagegen war der Saal im Feenpalaste, wohin sich der Exodus der Getreidehändler gerichtet hatte, dichtgefüllt. Dort wurde lebhaft gehandelt, die Proben lagen auf den Tischen aus und es sollen Caffaabschlüsse in beträchtlichen Poften zu höheren Preisen abgeschlossen sein.

Berlin, 2. Januar. Oberstlteutenant Gaede wurde vorgestern definitiv seiner Stellung als Preßreferent im KrtegSministerium enthoben. Seine Stelle hat der dazu defignirte Major Wachs übernommen.

Berlin, 2. Januar. In Hamburg wird, demVerl. Tagbl." zufolge, behauptet, der Besuch des dortigen Hafen» durch den Erbprinzen von Meiningen habe den Zweck, den Kaiser über die Lage deS Hafenarbetterstrike» zu orieutiren.

Berlin, 2. Januar. Pastor Schall, der bekannte konservative ReichStagSabgeordnete, ist, wie derReichSbote" meldet, nunmehr vom Coufiftorium seines Amtes entsetzt worden.

Berlin, 2. Januar. Für die Zeit vom 1. Mai bis 15. October dieses Jahres ist hier eine Ausstellung Transvaal in Berlin" geplant.

Berlin, 2. Januar. DerPost" wird ein neuer Ueber- griff der Engländer aus Ost-Afrika gemeldet. Danach hat der britische Resident in Lasmu, Vtceconsul RogerS, das Etgenthum eines Deutschen, Namens Friedrich Häßler aus Bamberg, eines der beiden Ueberlebenden der Küntzel'schen Expedition vom Jahre 1890, ohne einen Schein von Berech­tigung conftScirt, als Staatöeigenthum erklärt und meist, bietend verkauft. ES handelt sich hierbei um Elefantenzähne, welche Häßler an eine deutsche Firma in Lamu verkauft hatte- der Firma ist durch die ConfiScation ebenfalls ein Schaden erwachsen. . * x

Berlin, 2. Januar. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Sterns zum Rothen Adlerorden 2. Klaffe mit Eichenlaub und der Königlichen Krone an den KriegS-

mtnister von Goßler und den Stern zum Rochen Adler- ordeu 2. Klasse mit Eichenlaub au den UnterstaatSsecretär des Auswärtigen Amtes, Freiherrn von Rotheuhahn.

Berlin, 2. Januar. DemBerl. Tagebl." wird aus Brüssel telegraphirt, daß bet dem gestrigen Neujahrs- Empfang König Leopold gegenüber der Abordnung des Senats die Nothwendigkeit der HeereSreform betonte. Er wies darauf hin, daß durch Mangel an Patriotismus sowie das Fehlen einer guten HeereSverfassung schon viele Staaten untergegaugen seien. Gegenüber der Abordnung der Kammer bedauerte der König, daß die Socialtsten die Verhandlungen oftmals durch lärmende Scenen stören. Er erklärte, sein Vater habe die belgische Krone nur widerstrebend angenommen. Heute werde das Ansehen der Krone ge­schmäht, wodurch Belgien selbst geschädigt werde. Die Worte des Königs rufen lebhafte Commentare hervor.

Berlin, 2. Januar. Ueber die zweijährige Dienst­zeit wird in einem Artikel deS Mtlitärwochenblattr» gesagt: DaS größte practtsche Interesse gruppirt sich um die Durch­führung der zweijährigen Dienstzeit, dieselbe legt allen Vor­gesetzten die kaum zu bewältigende Aufgabe auf, in zwei Jahren dasselbe zu leisten, wie früher in drei. Die Masse der Abcommandirten erschwert die Ausbildung des zweiten Jahres in früher nie gekannter Weise, und dabei steigern die uothwendigen Anforderungen an erhöhte Leistungen der Vorgesetzten und Mannschaften sich fortwährend." Diesen einiger Aussehen erregenden Ausführungen gegenüber bemerkt dieNat.'Ztg.": Wir fehen keinen Grund, diesen Aeuße- rungen eines anonymen Artikels in dem militärischen Blatte, für welches die Militärverwaltung wiederholt jede Verant­wortlichkeit abgelehnt hat, besondere Bedeutung betzumessen. ES ist die persönliche Meinung eine» nicht genannten OifizierS, der man vorläufig die Mittheilungen des früheren Kriegs- Ministers von Bronsart bet der Verhandlung über die Um­wandlung der vierten Bataillone entgegeustellen kann: daß die zweijährige Dienstzeit sich so weit bewährt habe, wie eS sich beurtheilen lasse, bevor mau die Leistungen von Reser- vtsten gesehen, die nach der Verkürzung der Dienstzeit aus­gebildet worden.

Berlin, 2. Januar. Die deutsch-russische Com­mission zur Berathung verschiedener veterinärpolizetltcher und handelspolitischer Fragen hielt heute eine Sitzung ab. Die Berathungen erleiden nunmehr eine kurze Unterbrechung durch das russische WeihnachtSfest. Die der Commission an­gehörenden russischen Delegtrten und der Botschafter Graf von der Osten-Sacken find heute vom Reichskanzler zum Diner geladen.

Berlin, 2. Januar. Heute Abend 7 Uhr findet im Neuen Palais eine größere Tafel aus Anlaß der hier zur NeujahrSfeter etugetroffenen commandirendeu Generale statt. Ueber die Gratulation im hiesigen Schlosse wird be richtet, daß der Kaiser die Glückwünsche des Staatsmini- steriumS, die Fürst Hohenlohe aussprach, in freundlicher Weise erwtederte. Politische Aeußerungen sind anläßlich deS Neujahrsempfangs nicht gefallen. Ob der Kaiser beim Em- pfang der Generale militärische Fragen berührt hat, ist unbekannt.

Berlin, 2. Januar. Im Befinden deS StaatSsecretärS Marschall ist eine weitere Besserung eingetreten. Der- selbe muß sich aber noch Schonung auferlegen.

Berlin, 2. Januar. Im hiesigen Auswärtsgen Amt fanden sich heute die russischen Delegtrten sür die Verhandlungen über die D'ffereuzpunkte auS Anlaß des deutsch-russischen Handelsvertrages zu einer neuen Sitzung ein.

Berlin, 2. Januar. Wie verlautet, wird die Ueber- siedelung de» kaiserlichen Hose» von dem neuen Palais nach dem hiesigen Schlosse am 11. d. Mi», erfolgen.

Berlin, 2. Januar. Das diesjährige KrönungS- und Ordens fest findet am 19. df»., das Fest de» schwarzen Adlerordens am 18. Januar im hiesigen Schlosse statt.

Köln, 2. Januar. In Hagen (Westfalen) stieß heute Mittag 12 Uhr in unmittelbarer Nähe der Station ein Personenzug mit einem Güterzuge zusammen. Mehrere Waggons wurden zertrümmert, ein Bremser schwer, eine Anzahl Passagiere leicht verletzt. Entgegen anderweitigen Meldungen wird amtlich constatirt, daß Niemand getödtet wurde.

Bonn, 2. Januar. In Godesberg sind heute früh zwei Güterzüge aufeinander gefahren. Eine Maschine und sechs Waggons wurden zertrümmert. Der Materialschaden ist bedeutend. Personen wurden nicht ver­letzt. Der Verkehr ist zeitweise unterbrochen.

BreSlau, 2. Januar. DemBreSl. Geueralanz." zufolge hat der Generalstab in Berlin für daS im Jahre 1900 in

Schweidnitz zu errichtende Moltke-Denkmal 1800 Mark beigesteuert.

Löwen, 2. Januar. Der UuiverfitätSprofeffor Dr. Ani» erfand ein Heilserum für Lungen-Evtzündung und Luugeu- Schwindsucht. Auf Anordnung der Regierung werden in Krankenhäusern Versuche damit angestellt.

Hamburg. 2. Januar. Zu der Meldung eines Berliner Blattes, die Hamburger Productenbörse habe beschlossen, sich aufzulösen und eine freie Vereinigung der Producteu- händler zu bilden, theilt dieHamb. Börsenhalle" nach Er­kundigungen, die sie an bester Quelle eiugezogen hat, mit, daß ihr von einem solchen Beschlüsse nicht» bekannt ist.

Ansland.

Wien, 2. Januar. Der Kaiser wird Mitte Februar zu einem zweiwöchentlichen Besuch der Kaiserin sich nach Cap St. Martin begeben. Die Kaiserin trifft nach den bisherigen Dispositionen Mitte Januar aus Biarritz auf Cap St. Martin ein.

Prag, 2. Januar. In der heutigen Stadtverordneten- fitzung wurde der Jungczeche Podltpuy mit 83 von 85 Stimmen zum Bürg ermeister gewählt.

Rom, 2. Januar. Der DampferAdripico" ist mit 200 freigelafseueu Gefangenen gestern in Neapel eiugelaufen. Die Soldaten werden ihren betreffenden Regi­mentern wieder zugetheilt- alsdann gehen sie auf Urlaub. Auch die Majore Gamerro und Nerazzini find hier ein- getroffen. Letzterer wird heute vom KrtegSminister und dem Minister deS Aeußern, sowie hierauf vom Könige empfangen, wobei er demselben authentische Mittheilungen über die Nieder­lage der Italiener machen wird. Die Ankunft der Soldaten erfolgte ohne jegliche Kundgebung auS Rücksicht auf jene Familien, deren Angehörige im Kampfe mit Menelik gefallen find.

Rom, 1. Januar. Professor Baccelli ^besuchte heute Vormittag den König und stellte fest, daß nur eine leichte Unpäßlichkeit vorliegt- daher werden keine Bulletins auSgegeben.

Rom, 2. Januar. Die Unpäßlichkeit des König» kann als beseitigt betrachtet werden. Der König verließ Mittag« das Bett und erledigte Staatsgeschäfte. Neraz­zini traf Abends in Rom ein.

Rom, 2. Januar. Der Syndikus der hiesigen Wechsel- Sensale, Le Picrt, wurde verhaftet. Derselbe wird be­schuldigt, ihm anvertraute Werthpapiere in Höhe von 90000 Lire unterschlagen zu haben. Die Verhaftung erregt große» Aufsehen.

Neapel, 2. Januar. Der Erzbischof Cardinal Sau- feitet ist schwer an Lungen-Entzündung erkrankt. Die Aerzte befürchten das Schlimmste.

Brüssel, 2. Januar. Vermummte Banditen drangen in die Kirche der Ortschaft Claford ein, knebelten den Pfarrer und die Kirchendiener und raubten den Kirchenschatz.

Part», 2. Januar. BaroninHirsch übersandte gestern dem Institut Pasteur zwei Millionen Franc».

Pari», 2. Januar. Nach hier eingelaufenen Nachrichten au» Konstantinopel sind die letzten Ereignisse im Orient auf die Gesundheit des Sultans nicht ohne Einfluß geblieben. Seine Geistesfähigkeiteu sollen stark gelitten haben. Er leidet angeblich an Verfolgungswahn, weshalb auch die türkischen Diener entlassen wurden. Dieselben wurden durch russische Diener ersetzt, welche Tag und Nacht nicht von der Seite deS Sultans weichen dürfen.

Pari», 1. Januar. Bei dem NeujahrSempfauge im Ely söe brachte der russische Botschafter Baron v. Mohren- heim alS Doyen die Wünsche der durch das diplomatische Corp» vertretenen Souveräne und Regierungen für die Wohl­fahrt Frankreichs und das Wohlergehen deS Präsidenten Faure zum Ausdruck. Baron v. Mohreuheim sagte:Möchten doch während des neuen JahreS, dem man, da e» unter günstigen Auspicten beginnt, mit Vertrauen entgegensehen kann, diese einstimmigen aufrichtigen Wünsche in demselben reichen Maße und derselben Vollständigkeit in Ersüllung gehen, wie die, welche wir hier vor einem Jahre dargebracht haben. Möge Frankreich, dem allgemeine Sympathie und Achtung entgegengebracht werden, die Ersüllung dieser Wünsche besonders in dem endgilttgen Obsiegen der heiligen Sache des Friedens finden, der eS unaufhörlich und so edelmüthtg seine machtvolle Unterstützung geliehen hat, wodurch eS für seinen Theil in reichem Maße dazu beitrug, der dankbaren Welt das hohe Gut de» Friedens zu sichern." Präsident Fanre dankte und er- widerte:ES war mir angenehm, daß die lange Anwesen-