D. Habicht, dessen vor zwei Jahren solenn gefeiertes 50jährigeS Dienstjubiläum gewiß noch in Aller Andenken ist, in seltener körperlicher und geistiger Frische sein 7 5. Lebensjahr. Möge eS dem hochverehrten Herrn vergönnt sein, noch lange zur Freude seiner zahlreichen Freunde und Verehrer, sowie zum Segen der evangelischen Kirche und der von ihm geleiteten und geförderten Anstalten wirken zu können.
Loewe Abend des Br. Hans Hay m am 7. Februar, Nachmittags 5 Uhr. Die Kritik tu der Elberfelder Zeitung, die wir vorgestern Abend über HahmS Leistungen als Sänger abdruckten, hat sichtlich angesprocheu und manchen Saulus in einen Paulus umgewandelt. Wir können aber nicht unterlassen, hinzuzufügen, daß ein Balladensänger, und das will unbedingt Haym sein, doch noch etwas mehr mitbringen muß, als eine schöne Stimme. Mit einem Lied, wohl auch noch mit einer Arle, kann uns ein musikalischer Dilettant mit schöner Stimme recht erfreuen, zum Vortrag einer Ballade ist aber unbedingt ein Sänger erforderlich, der gleichzeitig Musiker vom Kopf bi- zur Zehe ist. Zu diesen zählen wir unbestritten Br. Haym, und freuen uns sicher sein zu können, unsere Meinung, nach dem 7. Februar, von Allen getheilt zu sehen.
* • Gesellschaft für Erd« und Völkerkunde. Am 1. Februar sprach vor einem zahlreich erschienenen Publikum Herr H anS Leder aus Jaueruig über Sibirten und dieMougolei. Der Redner schilderte zunächst die drei Zonen Sibiriens, die Tundra mit ihrem Reichthum an jagdbaren Thteren, Gold und fossilen Mammuthrefteu, sodann die Waldregion, Taiga, den großen sibirischen Urwald, der die Gebirge des Südens und deren Ausläufer bekleidet, und tu dessen Lichtungen die spärlichen Hütten der Sojoten stehen, endlich die Steppe mit ihrem Reichthum an Argali, Kulanen und Antilopen. Sodann folgte eine Uebersicht des sibirischen KliwaS, und der Bereisung der Flüsse, und schließlich eine kurze Schilderung der Reise vom Ural bis zum Baikalsee und an die Grenze der Mongolei zu den Buräteu, dem Stamme Dschingis Chans. Der Vortragende kam leider nicht mehr dazu, die Lebensumstände der Verbannten zu schildern, sondern brach zum allgemeinen Bedauern nach einer Stunde ab. Mancher mag wohl eine Verlängerung des fesselnden Vortrags gewünscht haben. Später gelang es jedoch während einer geselligen Zusammenkunft, den Redner noch zu einer Schilderung des Lebens der Strafgefangenen zu bewegen, die den landläufigen Anschauungen von sibirischer Knechtschaft schnurstracks zuwiderlief und fast noch spannender war, als der Vortrag selbst. —
Von anderer Seite geht uns folgender Bericht zu: Im großen Saale des Hotels „Zum Einhorn" hielt gestern Abend in der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde vor einem zahlreich erschienenen Auditorium Herr Hans Leder seinen angekündigten Vortrag über „Sibirien und die Mongolei". Der Vortragende, welcher vom Großfürsten Nicolajewitsch im Jahre 1891 mit einer Forschungsreise des genannten Gebietes des asiatischen Rußland beauftragt tour, verbreitete sich zunächst über die geographische Lage, die topographischen, meteorologischen und klimatischen Verhältnisse des Landes. Sibirien — abgeleitet von Ssibir, dem alten Herrschaftssitz am rechten Ufer des Jrtysch unfern Tobolsk — umfaßt das gesammte, dem Zaarenretch unterworfene Gebiet in Asten, welches sich von 60 bis 170° östlicher Länge und von 42 bis 70° 40' nördlicher Brette erstreckt und im Westen durch das Uralgebtrge vom europäischen Rußland getrennt, im Süden von der Ktrgtsenfteppe und China begrenzt, im Osten von dem BeringS-, Ochosktschen und Japanischen und im Norden vom nördlichen Eismeer umspült wird. DaS gesammte etwa 12,5 Millionen Kilometer umfassende Gebiet scheidet sich im Hinblick auf Boden- gestaltung, Bodenbeschaffenheit, Flora und Fauna in zwei scharf begrenzte Thetle. Der größere nördliche Theil deS Landes gehört dem Flachland an, zeichnet sich im Westen durch malerische, tiefeingeschnittene Flußthäler und im Osten durch tafelförmige, bis zu 90 Meter ansteigende Berggipfel aus. Die Tundra (Moossteppe), die Niederung des hohen Nordens, auf welcher der Boden nur oberflächlich aufrhaut, ist die eigentliche Heimath der Rennthiere und Pelzthiere. Ebenso haben zahlreiche Sumpfvögel hier ihre Brutstätten. Außerdem liefert die Tundra Gold und Elfenbein. Zwischen 58 bis 63° nördlicher Brette dehnt sich eine durchschnittlich 100 Meter hohe, wenig gegliederte Hochebene aus mit niedrigen, flachen, vielfach sumpfigen Wasserscheiden. Hinter dieser Hochebene erhebt sich das nördliche Randgebirge des innerafiattschen HochtafellandeS, dessen Ausläufer im Osten erst am Meer oder in der Tundra ihr Ende finden und welches nach dem Gebirgszug des Altet an der Grenze gegen China und die Kirgisensteppe im Süden seinen Namen führt. Zwischen dem Ob, einem nach dem nördlichen Eismeere fließenden Hauptstrome Sibiriens und Jrtysch, einem Nebenfluß de- ersteren, lagert die Kernmasse des Gebirges, sie ist das Quellengebiet des Ob- diese GebirgSmaffe erreicht eine Höhe von über 3000 Meter und besitzt einen außerordentlichen Rrich- thum an Erzlagerstätten. Mitte October beginnt der Winter, jede Schneeflocke bleibt den ganzen Winter über liegen und bis Mitte Januar erreicht daS Thermometer seinen tiefsten Stand, bis 58° C. Kälte. Während des eigentlichen Winters ist durchweg in der Regel klare- Wetter vorherrschend, so daß das Klima im Allgemeinen ein gesundes. Nur zeitweise entwickeln sich aus offen bleibenden Stellen des 32223 Hl-Kilometer großen Baikalsee Nebel, welche die Atmosphäre dicht mit Eisflocken erfüllen und zu Erkrankungen der Athmungsorgane, insbesondere bet Kindern, führen. Die Dauer deS Winters erstreckt sich bis Mitte Mai. Sobald aber die Nachtfröste Nachlassen, erfolgt eine ungemein rasche Entwickelung der Vegetation. Die eigentliche Regenzeit ist Mitte Juli — August. Flora und Fauna stimmen im Wesentlichen mit denjenigen Mitteleuropas überein. Die Waldsubstanz besteht in der Hauptsache auS Nadelhölzern, von denen insbesondere die Zirkelkiefer, pinua cembra, ihrer Früchte wegen für die sibirischen Völker bte größte Bedeutung
I hat. BedauernSwerther Weise fallen alljährlich große Holz- massen dieser Nadelholzart der Axt und Säge zum Opfer, von denen nur die Früchte genutzt werden. Die Lärche, Lar ix aibirica, erreicht die höchste Polhöhe, 72°. Von Laubhö zern treten nur Birke und ASpe auf. Unabsehbare Wälder besten Nutzholzes durchziehen die Steppen und bedecken die südlichen Berge. Zahlreiche Rudel Roth- und Rehwild bevölkern namentlich bte Wälder SüdsibirtenS. Sehr starke Hirsche (Gattung Cervna elaphua) kommen vor. Leider ist auch hier in diesen jungfräulichen Wäldern bereits eine bedauerliche Aas- jägerei unter den Eingeborenen eingeriffen, indem den geweihten Hirschen hauptsächlich nachgestellt wird zur Zeit der Entwickelung deS Geweihes und zwar nur des letzteren halber, während daS Stück Wild meistens den Steppenwetheu und Schreiadlern überlassen wird. DaS noch im Bast befindliche Geweih benutzen die chinesischen Pharmazeuten zur Herstellung einer Medtctn, welcher man eine außerordentliche Heilkraft nachrühmt und bezahlt deshalb solche Geweihe mit enormen Preisen. Der Vortragende hat wiederholt Zwanzig- ender gesehen, welche für diesen Zweck zur Verwendung gelangt sind. Auer-, Birk- und Haselhühner gelangen zu Tausenden an die Märkte. Von Haarraubwild sind hauptsächlich schwarze und rothe Füchse noch in großen Massen vertreten, während der Zobel, infolge der unablässigen Verfolgung, welcher er ausgesetzt ist, in die dunkelsten Wälder Nordostafiens zurückgedrängt ist, und da ihm auch hier der Mensch begierig — selbst mit Einsetzung seines Lebens — nachstellt, muß er immer mdier sich zurückziehen und wird immer seltener. In Jakutsk findet alljährlich ein großer Jahrmarkt statt, auf welchen die Eingeborenen ihre winterliche Beute bringen, mit einem Umsätze von 5500 Zobeln, 7000 rothen und schwarzen Füchsen, 500 Bären-Fellen und für ca. 32,500 Rubel Mammuthzähne zusammen etwa eine halbe Million Rubel. Den sibirischen Bär schildert der Vortragende blutdürstiger als den europäischen Petz, das mag am Ende mit seiner Umgebung — dem Culturzustande der Gattung domo aapisna in Sibirien — zusammenhäugen. Etna- graphisch theilt sich die Bevölkerung Sibiriens in: Russen, Sibirier, Finnen, Samojeden, Mongolen, Kalmücken und Tartaren, unter welchen alle Culturftufen vertreten find. Jagdvölker (Tungusen), welchen ber Jöortrogenbe den Untergang in wenigen Jahren prophezeit- Fischervölker (Oftjacken), Steppennomaden (Kirgisen) und angestedelte Ackerbauer. Von den Erzeugnissen des Ackerbaues und der Viehzucht sind von hervorragender Bedeutung: Getreide und Talg. — Das erstere kann mangelnder Transportverhältnisse halber nur im Lande selbst verwerthet werden, und dient der Ueberschuß über das erforderliche Brodkorn der Schnapsbrennerei. Aus sibirischem Talg dagegen sind vorzugsweise unsere Stearinkerzen hergestellt. — Nachdem Herr Leder sich noch über die Beschwerden der Reise in die theilweise recht unwtrthlichen, schwach besiedelten LandeStheile verbreitet hatte unter besonderer Hervorhebung deS Umstandes, daß man in Sibirien dann am schnellsten vorwärts kommt, wenn eine gleichmäßige Schneedecke die Landschaft bedeckt, und eine gefahrvolle Ueber- fahrt über den Baikalsee geschildert hatte, schloß er seinen Vortrag mit Beifall seiner Zuhörerschaft, für den Berichterstatter jedoch etwas zu plötzlich.— Zu der Erforschung der Natur-, Land- und Völkerverhälmisse Sibiriens haben deutsche Gelehrte das Bedeutendste geleistet, allein der großen Masse des deutschen Volkes bleiben derartige Arbeiten meistens unbekannt. Den Gründern der „Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde Gießen" sind gewiß alle Diejenigen dankbar für daS Gebo:ene, denen ihre Berufsthätigkeit nicht gestattet, außer ihrem Wirkungskreise liegende Schriften zu lefen. La.
♦ Caruevalfeier deS Beamten • Vereins. (Verspätet.) Schreiber dieses hatte letzten Samstag Gelegenheit, der von Dem Gießener Beamten-Verein in „Steins Galten" veranstalteten FaschtngSfeier beizuwohnen. Die ganze eigenartige Veranstaltung trug den Charactcr eines Volks- und Costümfeftes und war in allen seinen Einzelheiten wohl- gelungen. Erstaunt blieb jeder Eintretende am Saaleingang unwillkürlich stlhen, um die großartigen Decorationen zu bewundern. Vor Allem fesselte den Bl'ck da- am Saalende links aufgestellte alte Winzerhaus, sowie die in Tannengrün halb versteckte Almhülte. Diesen gegenüber präseutirte sich ein bunt bewimpelter und vollständig aufgetakelter Ocean- dampfer mit schmucken Matrosen und Matrofinnen. Nachdem sich bte beiden Säle mit Gästen gefüllt hatten, begann denn auch alsbald ein buntbewegtes FaschingStreiben. Der aus zwei Hauptabtheilungen bestehende MaSkenzug betrat etwa um 8*/z Uhr unter Vorantritt zweier Musikcapellen den großen Saal und führte eine kurze Polonaise auf. Während die Masken sich im Tanze bunt bewegten, boten vor dem WinzerhauS malerisch costümirte Winzerinnen und Winzer zusprechenden Gästen edeln Rebensaft, während vor der Almhütte fidele Alt Bayern und Tiroler manches „Maßerl" credenzten. Schmucke Briefträgerinnen vermittelten im Dienste der Saalpost den schriftlichen Verkehr der mehr „Seßhaften". Große Anziehungskraft übten auch die im Saale aufgestellten Schaubuden auf die Anwesenden auS: Da fand sich eine X-Strahlcamera, in welcher zwei ehrwürdige Gelehrte den Besuchern allerlei Wunder zeigten, die das menschliche Auge bis vor Kurzem noch nicht zu schauen vermochte- in seinem „Nordpol Museum" hatte ein auS der Polarregion zurückgekrhrter Forscher allerlei Raritäten auS „Nacht und Eis" ausgestellt, während ein „Riesenfernrohr" die fernsten Himmelskörper bis auf greifbare Nähe heranrückte. — Wie man dem Einsender dieses mirtheilte, hat ein Mitglied des Vereins nicht nur den Plan zu dem Feste entworfen, sondern auch die Decorationen selbst gemalt und hergerichtet.
• • Bon bet Strafkammer. Gestern verhandelte unsere Strafkammer al- Berufsinstanz in einer für das Bankfach wichtigen Sache. DaS Bankhaus I. Lüd ek e-Zehlendorf- Berlin hatte Anfang Mai v. I. nachweislich in zwei Fällen durch Circulare im Großherzogthum Hessen wohnenden Personen Antheile von 4%ig»n Badischen 100-Thaler-Loosen,
। welche in der Serie gezogen waren, offerirt und die Preise 1 für eia VollloS im Ganzen auf 650 Mk., ein Theil aber entsprechend höher, so z. B. Vioo Antheil auf 7 Mk., an« gegeben. Wegen Veranstaltung einer Lotterie mit einem Strafbefehl in Höhe von 45 Mk. bedacht, erhob die Firma Lüdeke hiergegen Einspruch. DaS Schöffengericht sah aber die Sache für Promeffenabgabe, die nach Art. 235 des Hess. Pol'zei-Straf-GesetzeS verboten sei und erkannte auf 70 Mk. Geldstrafe. Die angeklagte Firma verfolgte hiergegen Berufung und begründete diese damit, daß im vorliegenden Fall weder von einer Lotterie noch von Promessen die Rede sein könne. Der Verkauf der Badischen 100 Thaler- Loose sei, weil diese StaatSpapiere seien, im ganzen Reich gestattet und könne daher in Hissen nicht gehindert werden. Darauf komme eS aber gar nicht an, ob der Verkauf der Loose im Großherzogthum an Reflectanten in halben, viertel oder gar hundertstel Antheilen geschehe. ES gehe, wie An- geklagte nachwieS, tatsächlich durch Revers das EigenthumS- recht für jeden Antheil an den eventuellen Käufer über. Die Strafkammer hob heute daS schöffengerichtliche Unheil auf, Verurteilte das Bankhaus I. Lüdeke in Zehlendorf- Berlin aber auf Grund deS Hess. Gesetzbuches vom 11. April 1896 zu einer Geldstrafe von 200 Mk. Es sei nach diesem Gesetz Derjenige mit G»ld bis zu 1500 Mk. zu bestrafen, wer gewerbsmäßig geringere als die genehmigten Antheile ober Abschnitte von Loosen zu Lotterien und Ausspielungen, sowie von Prämien - Anleihen oder Urkunden, durch welche solche Antheile oder Abschnitte zum Eigenthum ober Gewinnbezug übertragen werden, feilbietei oder veräußert. Die gleiche Strafe trifft Denjenigen, welcher ein solches Geschäft vermittelt. Es sei, so führte der Vorsitzende deS Gerichtshofes bei der UrtheilSoerkündung aus, diese Art von Geschäften geradezu gemeingefährlich, indem eine Controlle, ob der Unternehmer auch im Besitz der Loose sei,, die meistens nur mit dem Betrage, auf den sie lauten, herduskommen, unmöglich, ebenso mangele es au einer Controlle darüber, wie viel Theile auf ein LooS verkauft werden. Es seien meistens kleinere Leute, denen in dieser Weise daS Geld abgenommen werde und wenn wirklich einmal auf solch' ein LooS, welches in Antheilen zerlegt untergebracht sei, ein er- heblicher Bruchtheil einer großen Summe entfalle, so bestehe die Gefahr, daß der Unternehmer den entfallenden Gewinn gar nicht auszahlen könne. ES solle die letztere Eventualität allerdings nicht in Bezug auf -die verurtheilte Firma gesagt sein, deren Bonität daS Gericht nicht zu prüfen in der Lage sei.
* * Abnahme der Zahl der Volksfchuler. AlS eine merk- würdige Erscheinung verdient verzeichnet zu werden, daß trotz der Zunahme der Bevölkerungsziffer im Großherzogthum Hessen die Zahl der Volks schüler im merklichen Abnehmen begriffen ist. Von 159,306 im Jahre 1891 sank die Z'hl der Schulkinder auf 155,335 zu Ende 1896. Die größte Abnahme entfällt auf die Provinz Oberhessen mit 2356, dann folgt Starkenburg mit 1511 und Rheinhessen mit 104 Nur in drei Kreisen deS Landes hat in dem oben angegebenen Zeiträume eine Zunahme der Schulkinder stattgefundkn und zwar in den Kreisen Mainz von 14,812 auf 15,103, Darmstadt von 10,403 auf 10 609 und WormS von 11,023 auf 11,313. Die Zahl der Lehrer und Lehrerinnen ist in dm- selben Zeitraum um 93 gestiegen.
E. Echzell, 2. Februar. Um die Eisenbahnarbeiter zu beschäftigen, wurde gestern eine zritlang Schnee auS der Grundentnahmestelle weggefahren. Man stellte die Arbeiten Nachmittags wieder ein, weil starke- Thauwetter auftrat. Heute gesellte sich Regen dazu, der den Schnee rasch zum Schmelzen bringt. Bäche und Flüsse steigen zusehends. — Die bei uns und in der Umgegend heftig aufgetretene M au l- und Klauenseuche hat ihren Höhepunkt überschritten und ist im Abnehmen begriffen.
n. Ranstadt, 2. Februar. Bei der ersten in unseren benachbarten Wäldern abgehaltenen Holzversteigerung, die wie gewöhnlich von weither besucht war, kostete der Raummeter erstklassiges Buchenscheitholz 7 Mk., Buchenprügrl 5 bis 6 Mk., Stockholz 4 Mk., Buchenreiser 50 bis 70 Pfg.
n. Friedberg, 2. Februar. Der hiesige OrtSgewerde- verein hält in diesem Frühjahr die zweite freiwillige Ge- sellenprüfung ab, zu der nicht blos Schüler der hiesigen erweiterten Handwerkerschule, sondern auch auswärtige Lehrlinge, die eine gewerbliche Schule besucht haben, zeige- lassen werden. Die Prüfung ist vollständig kostenfrei.
W. Petterweil, 2. Februar. Der Landwirth Chr. Heß von hier, welcher unter dem Verdacht des versuchten Morde- im October in Haft genommen, ist gestern auS derselben entlassen. ES haben sich keine Momente ergeben, welche den Verdacht rechtfertigen könnten. ES scheint so, al- wenn daS Dunkel in dieser Affaire ungelichtet bleiben sollte.
-e. Neu • Ulrichstein, 1. Februar. Monatsbericht ber Arbeiter-Colonie pro Januar 1897. Enbe Januar 1897 sinb in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 97 Mann. Dieselben vertheilen sich auf bas Großherzogthum Hessen 25- Königreich Preußen: Regierungsbezirk Kassel 9, RegierungSbezi k Wiesbaden 12- Provinz Rhein- lande 10, Provinz Sachsen 6, Provinz Schlesien 3, Provinz Brandenburg 3, Provinz WestsaleN 1, Provinz Hannover 1, Provinz Posen 2, Provinz Pommern 1- Königreich Bayern 7, Königreich Württemberg 4, Königreich Sachsen 3- Großherzogthum Baden 6- thüringische Staaten 3'- Au-land: Schweiz 1. Hiervon waren: Arbeiter 53, Anstreicher 4, Bäcker 2, Conditor 1, Eisendreher 1, Färber 1, Gärtner 3, Graveure 1 , Installateure 1, Kaufleute 5, Kellner 2, Küser 2, Kupferschmiede 1, Lehrer 1, Müller 1, Oeconomen 1, Schneider 4, Schuhmacher 5, Schlosser 3, Tuchmacher 1, Tüncher 4. Gearbeitet wurde an 2388 Tagen. Verpflegt wurde an 2948 Tagen. Im Monat Januar 1897 wurden entlassen 18 Mann, und zwar in Arbeit durch die Colonie 1, durch eigene- Bemühen 1, zur Familie zurück 1, auf eigenen Wunsch 8, entlaufen 1, auf Requisition der Behörde 1, wegen Arbeitsscheu 2, wegen schlechten Be,


