Donnerstag den 4 Februar
UMes Blatt
1S97
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
Hratiskeikage: Gießener Jamilienötätter
der
Alle Annoncen-Bureanx des In- und Auslandes nehmen j Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
und eine dem
Kaisers
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Die Gießener
I-amitienblätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Der
Hleßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.
dollen Wagenladungen nach Ostpreußen, Westpreuhen Pommern östlich der Oder btö 1. September 1897 außerordentliche Ermäßigung von 25 pCt. gegenüber allgemeinen Tarife gewährt werde.
Bochum, 2. Februar. Der Delegirtentag
Vierteljähriger Abouncmcntspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Schukstraße Zlr.7.
Fernsprecher 51.
Wolff» rrttgraphtsche- Sorrespondenz-Bsresn.
Berlin, 2. Februar. Die Herrenbaus-Com- Mission für daS Lehrerbesoldungsgesetz nahm § 3, Besoldung jüngerer interimistischer Lehrkräfte, an, und genehmigte im Princ-p § 8, AlterSzulagen-Kaffen, mit 12 gegen 3 Stimmen.
Berlin, 2. Februar. Die „Berl. Corresp." meldet: Der Arbeitsminister, im Einvernehmen mit dem Landwirtschaft-- Minister, genehmigte AngefichtS des ungewöhnlich un- zünftigen Ausfalles der Strohernte einer Anzahl irr östlichen Provinzen, daß für Torfstreu und Torfmull in
tiristlichen Bergarbeiter forderte, stetige Steigerung ier Löhne entsprechend der Conjunctur, ferner eine Lohn- ßatiftik über die einzelnen Werke und wählte eine Com- Mission zur Berathung über die Frage des Zusammenschlusses a ller christlichen Bergarbeitervereinen Deutschlands. Der Dele- c irtentag beantragte schließlich die Aufhebung deS § 8 des preußischen VereiusgesetzeS und sprach sich für die achtstündige Schicht einschließlich der Einfahrt und Ausfahrt aus.
Bochum, 2. Februar. Der Delegirtentag der christlichen Bergarbeiter forderte Aenderung deS Knappschaftsstatuts, besonders freie Aerztewahl, Erhöhung freß Krankengeldes auf zwei Drittel deS Lohnes, Erhöhung bet Jnvalidenpenfion, wobei die ReichSrevte angerechnet werden soll. Einrichtung von Schiedsgerichten bei Jnvalidi- firuugen und selbstständige Antheilnahme an der Verwaltung. Pfarrer Naumann empfahl den Anschluß deS Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter an die bestehenden Gewerkschaften, wenigstens unter Wahrung seiner Selbstständigkeit, Annäherung in der Richtung, daß die einigenden Punkte und die gemeinsamen Ziele durch eine beiderseitige Commission fest- gestellt werden. Vorsitzender Brust trat dem entgegen. Darauf wurde der Delegirtentag geschloffen.
Bremerhaven, 2. Februar. Ja Sachen des untergegangenen LlohddampferS „Salier" erließ das Seeamt heute folgenden Spruch: „Der deutsche Schraubendampfer „Salier" ist in der Nacht vom 7. auf den 8. December 1896 in der Nähe von Cop Corrubedo an der spanischen Küste gestrandet und gänzlich verloren gegangen. Sämwtliche an Bord befindlichen Personen, 66 Mann Besatzung und 214 Passagiere, haben beim Schiffbruch den Tod gefunden. Die Ursache der Strandung, welche auf schweres unsichtiges Wetter und Stromversetzung zurückzuführen sein wird, ist nicht bestimmt festzustellen."
Laibach, 2. Februar. Ja der letzten Nacht wurde hier allgemein ein starkes, mehrere Sekunden andauerndes Erdbeben verspürt.
Bafel, 2. Februar. Infolge starken Regens und dadurch beschleunigter Schneeschmelze ist der Rhein bet Basel nm mehr als einen Meter gestiegen. In der ganzen Schweiz find die Wafferläufe stark angeschwollen und wachsen noch weiter. In den Bergen ist die Lawinengefahr groß.
Bern, 2. Februar. Dem Vernehmen nach wird der BundeSrath bei den beteiligten Staaten eine Revision der Lateinischen Münz-Union zum Zwecke der Vermehrung der Silber-Scheidemünzen anregen.
Pari«, 2. Februar. Die Geographische Gesellschaft bereitet für Frithjof Nansen, der im März hierher kommen wird, einen feierlichen Empfang vor.
Berlin, 3. Februar. In der gestrigen Commifstons- sitzung deS Herrenhauses zur Vorberatung des Lehrer-BesoldungSgesetzes kam eß bei § 8 (Alterßzulageklasfen) zu scharfen Auseinandersetzungen. Von den Vertretern der Stadt wurde daß ganze System als unzutreffend bekämpft und von Oberbürgermeister Becker-Köln Beseitigung des § 8 beantragt. Dagegen wurden von den Ministern v. Miquel und Dr. Bosse, sowie von den Vertretern deS Reichs die Alterszulagenklaffen vertheidigt. Bei der Abstimmung wurde das Princlp der Aiterszulägenklaffen gebilligt und der Antrag Becker abgelehnt.
Berlin, 3. Februar. Gestern Abend fanden mehrere sehr stark besuchte Bäcker-Versammlungen statt, in welchen die Reichstagsabgeordneten Liebknecht, Wurm und Schmidt- Magdeburg, sowie Redacteur Katzenstein über den Mox.mal- ArbeitStag im Bäckergewerbe referirten. Sämwtliche Redner verurtheilten das Vorgehen betreffs des zwölsstündigen Moximal-Arbeitstageß. Zum Schluß gelangte in allen Der- sammlungen eine gleichlautende Protest Resolution zur Annahme.
Hamburg, 3. Februar. Am Miethezahltag konnten zahlreiche ausständige Miether die Miethe nicht entrichten. Biele HauSwirthe verzichteten freiwillig auf Miethezahlung. Die Strike-Unterstützung betrug gestern 8 Mk. für Ledige und Verheirathete.
Wien, 3. Februar. ES verlautet, es sei bisher nur bestimmt, daß der Kaiser in der zweiten Aprilhälfte nach Petersburg reise- der Tag sei noch nicht endgültig festgestellt. Die Gesammtdauer der Reise werde acht Tage in Anspruch nehmen, der Aufeuthalt in Petersburg etwa vier Tage.
Belgrad, 3. Februar. In Caglavica (?i tserbien) erschlugen Arnauten einen Serben, steckten einige Häuser in Brand und trieben 100 Schafe weg. Zwischen den verfolgenden Gensdarmen und den Arnauten entstand ein Feuergefecht, wobei es beiderseits Verwundete gab.
WB. Berlin, 3. Februar. Heute Abend trifft der Flügeladjutant des Zaren, Nepokoifchitzki, ein- er über- bringt Fahnenbänder und Standartenbänder für die preußischen Regimenter, deren Chef der Zar ist. Morgen werden diese Bänder den Regimentern in Gegenwart des Kaiser- feierlich übergeben.
Gießen, den 2. Februar 1897.
Betr.: Die Verhältniffe der Handarbeitslehrerinnen.
Die
»rotzh. Kreis-Schulcommisfion Gießen
au die Schulvorstände des Kreises.
Wir erinnern die Rückständigen von Ihnen an sofortige Erledigung unserer Auflage vom 22. Januar d. Js. — Gießener Anzeiger Nr. 21.
v. Gag er n.
ießeuer Anzeiger
General-Anzeiger.
CoeoU» «n- prsvinjieller
Gießen, den 3. Februar 1897.
Ernennungen. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den Bauinspector des Straßenbauamts Grünberg Baurath Konrad Schnitzel zum Kreis- bauinspector de- Kreises Friedberg- den Bauinspector deS StraßenbauamtS Nidda Ferdinand CellariuS zum KreiSbauinfpector des Kreises Bensheim- den Bauinspector für besondere Bauausführungen Hermann Daudt zu Butzbach zum KreiSbauinfpector des Kreises Darmstadt- den Kreisingenieur Karl Stahl zu Gießen zum Kreisbau. inspector des Kreises Gießen- den Eisenbahnbauaffeffor EduardLanggässer zu Gießen zum KreiSbominspector deS Kreises Alzey- den Regierungsbaumeister Wilhelm Endres zu Nidda zum KreiSbauinfpector deS Kreises Schotten, den RegierungSbaumeifter G*org Metzler zu Grünberg zum Kreisbauinspector deS Kreise- AlSfeld zu er- nennen. diesjährige Schlußprufnng der Candidaten
der evangelischen Theologie hat am Montag Vor- mittag im AmtSlocale des Großh. OberconsistortumS zu Darmstadt ihren Anfang genommen. Es beteiligten sich daran 15 Examinanden, von denen 8 aus Starkenburg, 4 aus Oberhessen, 1 auS Rheinhessen und 2 aus Frankfurt a. M. find.
•• Finanzielle». Zur Zeit findet eine Erhebung über diejenigen C apitalbeträge statt, welche von öffentlichen Fonds, Sparkaffen, Stiftungen u. s. w. in 4pCt. Großh. Staatsschuldverschreibunqen angelegt find.
Beginn des nächsten Schwurgerichts. Am Montag den 8. März beginnt die nächste Tagung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffen. Der Dorfitz ist Herrn LandgerichtSrath vr. Linkenheld übertragen worden.
*• OmuibuSverkehr. Der seither beschränkte Betrieb ist, wie uns der Vorstand der Omnibus-Gesellschaft mittheilt, seit heute früh fahrplanmäßig wieder ausgenommen worden. Die Linie D, von und nach Wtefeck, kann vorläufig noch nicht in Betrieb gesetzt werden.
75. GeburtStag. Am Freitag den 5. d. Mts. vollendet , wie die „N. H. Dksbl." melden, Herr Prälat
Depeschen deS Bureau „Herold."
Verliu, 2. Februar. Wie aus Kiel gemeldet wird, besuchte der Kaiser heute Vormittag daS Seemannshaus für Unteroffiziere und Mannschaften, empfing um 12 Uhr den Chef des MiUtär-CabinetS, General v. Hahnke zum Vortrag und besuchte Nachmittags 2 Uhr die kaiserlichen Werften. Heute Abend 10 Uhr gedenkt der Kaiser wieder in Berlin einzutreffen.
Verliu, 2.Februar. Das Staatsministerium trat heute Nachmittag 2 Uhr in seinem Dienstgebäude unter dem Vorsitze deS Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen.
Berlin, 2. Februar. Bekanntlich spielte in dem Be- leidigungsproceß Witte-Stöcker daß Tagebuch deS Schneidermeisters Grüneberg, welches sich in dem Besitz von Leckert Ben. befand, eine große Rolle. Grüneberg hatte behauptet, daß ihm von Leckert aen. sein Tagebuch unterschlagen worden sei. In der Angelegenheit des VerfügungS- rechts über dos Buch übergab heute, wie die „Post" meldet, Leckert aen'. seine Briefschaften dem Untersuchungsrichter, aus denen hervorgeht, daß Grüneberg in diesem Punk-e nicht die reine Wahrheit gesagt habe. Nach eingehender Vernehmung des Lockert aen. wurde auch Pfarrer Witte in dieser Angelegenheit vernommen.
Berlin, 2. Februar. Das Herrenhaus wird die Plenarsitzungen am 15. Februar wieder aufnehmen, an welchem Tage Petitionen und kleinere Vorlagen zur Erledigung kommen.
Berlin, 2. Februar. Die militärische Correspondenz will aus BundeSrath-kreisrn erfahren haben, daß die Meinungsverschiedenheiten zwischen Preußen und Bayern über die Militär-Strafproceßordnung derartige seien, daß von deren Ueberwindung zur Zeit noch nicht gesprochen werden könne.
Berlin, 2. Februar. Wie auS Hamburg gemeldet wird, scheint die Wiederwahl des Fabrikanten Mohr in den Landtag gesichert. Von 260 Wahimännern haben sich 141 für Mohr erklärt.
Kiel, 2. Februar. Der Kaiser hat heute Nachmittag den int Umbau befindlichen .Panzer Baden befichtigt. Um 4 Uhr 20 Min. ist der Kaiser, vom Prinzen Heinrich zur Bahn geleitet, von hier wieder abgereist.
Frankfurt a. M., 2. Februar. Die „Franks. Ztg." meldet auS Karlsruhe: Die Stichwahl im 3. RetchS- tagS-Wahikcetfe ist definitiv auf den 11. Februar angesetzt. Der socialdemokratische „Volksfreund" proclamirt für die Socialdemokraten Wahlenthaltung. Eine officielle Kundgebung der Partei liegt noch nicht vor.
Hamburg, 2. Februar. Heute Vormittag ist hier Fridjof Nansen in Begleitung seiner Gemahlin und deS Lieutenants Hansen auf der Reise nach London eingetroffen.
Hamburg, 2. Februar. Gestern Nachmittag trafen für die Strikekaffe auS der Schweiz 80000 Mk. ein. Infolge deffen werden heute den Strikenden 8 Mk. pro Mann auS- gezahlt. 50 Pfg. werden pro Mann in Abzug gebracht, um die mit der Miethe rückständigen Strikenden vor der Exmiffion zu bewahren.
Wien, 2. Februar. Gestern starb in Ajaccio der vor einigen Wochen von Briganten überfallene Prinz Ernst Windischgrätz.
Budapest, 2. Februar. Nach Belgrader Nachrichten befindet sich das Cabinet Simice in einer kritischen Lage, da der Exkönig Milan die Vorausbezahlung seiner Apanage von 360000 Frcs. für sechs Jahre verlangt. Der Finanzminister weigert fich zur Zahlung, die das Budget enorm gefährdet.
Rom, 2. Februar. Dem ehemaligen Minister Bourgeois wurde gestern von seinen radicalen Freunden ein großes Diner gegeben, wobei eine franco-italienische Der- brüderungSrede gehalten wurde.
Rom, 2. Februar. Heute früh wiederholten sich die Studenten-Crawalle. Die Studenten demolirten Alles, sodaß die Bersaglieri einschreiten mußte.
Brüsiel, 2. Februar. Unter der Führung der soeia- listischen Abgeordneten hat der Feldzug zur Verbesserung ber Sage der Handlungsgehilfen begonnen. Zugleich beginnt eine Bewegung gegen das Anwachsen der großen Magazine, welche den Ruin deS Kleinhandels bedeuten.
Rotterdam, 2. Februar. Auf dem Dampfer Teutonia brach Feuer aus, wobei drei Matrosen verbrannten, drei andere wurden schwer verletzt. f
Paris, 2. Februar. Officiös verlautet, daß im Laufe dieses Jahres 25 Radfahrer-Compagnien im französischen Heere eingerichtet werden sollen.
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