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Mi». 232 Drittes Blatt. Sonntag den 3. Oktober
1897
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Politische Wochenschau.
Hervorragende Ereignisse in unserer inneren Politik find im Lause der letzten Woche nicht zu verzeichnen gewesen. Der Kaiser weilt noch immer in Rominren und begiebt sich dann nach HubertuSstock, um später dem Grasen Philipp Eulenburg auf Schloß Liebenberg einen Besuch abzustatten, waS die Erinnerung wachruft an den Aufenthalt des Monarchen daselbst im Jahre 1894, wo kurz darauf die RegierungS- crifiS eintrat, indem Graf Caprivi feine Entlaffung nahm und Fürst Hohenlohe an die Spitze der ReichSrcgierung ge- stellt wurde. Die Verhältnisse liegen heute ähnlich wie da- malS- auch innerhalb der jetzigen Regierung ist keine Einig' kett vorhanden, und Fürst Hohenlohe möchte lieber heute als morgen fein Ami niederlegen. Vielleicht fallen auch in der nächsten 3’tt wieder wichtige Entscheidungen.
ES ist em wahres Vergnügen, jetzt die rosigen Schilde- rungen zu lesen, welche über die Finanzlage des Reichs und der Einzelstaaten von mehr ober minder officiöser Seite gegeben werden, und Jedermann muß zu der Ueberzeugung kommen, daß wir thatsächlich im Fette schwimmen. „Norddeutsche Allgemeine" und das M quel'sche Leib- und Magenblatt, die „Bert. Politischen Nachrichten" nämlich, überbieten fich förmlich, die finanzielle Stuation als eine überaus glänzende hinzustellrn. Wenn man dagegen bedenkt, wie Herr v. Miquel noch im vorigen Jahre davor gewarnt hat, fich allzu kühnen Hoffnungen bezüglich bet Stabilität der jetzigen günstigen Verhältniffe hinzugeben. Damals litt er an trüben Ahnungen, daß eS nicht so bleiben werde, daß wir von den mageren Jahren nicht verschont werden würden. Freilich handelte eS sich als unser StaatSsäckelmeifter diesen Befürchtungen Ausdruck gab, darum, Forderungen der Abgeordneten für Culturaufgaben abzuwehren- heute gilt es, für die Flottenpläne der Regierung Stimmung zu machen und dieselbe zu einem gute« Ende zu führen. Noch im Jahre 1895 glaubte die Regierung ohne eine Tabakfabrtkatsteuer, welche 35 M lltouen Mark abwerfen sollte, nicht fertig werden zu können, heute will man den Glauben erwecken, als ob die Fluth der Einnahmen in unerschöpflichem WachSthum be- griffen sei. Anscheinend soll der Etat dem demnächst zusammentretenden Reichstage in möglichst günstiger Gestalt vorgelegt werden, um die finanziellen Bedenken gegen größere Ausgaben für die Marine von vornherein zu zerstreuen.
In Oesterreich steht das Cabinet Badeni noch nn- angefochten da, und es ist anscheinend noch keine Aussicht vorhanden, daß man den Wünschen der Deutschen bald ge- ,echt werden wird. Kaiser Franz Joses hat die vom Grasen Baseni eingereichte Demission alö nicht erfolgt angesehen
und den Mtuifterpräsideuteu seine- Vertrauen- versichert, ihn
auch von den strafgerichtlichen Folgen, die das Duell mit dem Abgeordneten Wolf nach fich gezogen Haden würde, ent- bunden. ES bleibt also Alles beim Alten, eine Klärung der
Verhältnisse ist vorläufig nicht zu erwarten, im Gegentheil dürste die Situation noch verworrener werden, sobald man fich zu einer Verständigung mit Ungarn entschließen muß.
Bet den Budapestern wirkt der Besuch Kaiser Wilhelm« immer noch nach, so daß die Anwesenheit deS Königs Karl von Rumänien daselbst gar nicht die verdiente Aufmerksam kett gefunden hat. Und doch ist Rumänien ein Factor, auf welchen der Dreibund immer einmal zählen darf, da eS den
Tendenzen desselben je länger desto mehr huldigt.
Spanten hat nun seine EabinetSkrifiS; daS Ministerium Azcarraga hat nach einer Lebensdauer von nur wenigen Wochen daS Zeitliche gesegnet und die Geschäfte tu die Hände der Königin-Regentin zmückgelegt. Letztere hat vielleicht einen großen Fehler begangen, als fie nach dem Tode CanovaS' ein Urbergangsministerium bildete und nicht gleich Sagasta mit der Regierung betraute, welcher in hohem Maße daS Bertcauen des Landes genießt, da er schon oft in schwierigen Zritverbältuiffen daS Staatsschiff geleitet hat. Sagasta dürste den Cubanern ein größeres Entgegenkommen zeigen als Canovas und fich infolge deffen auch zu den Bereinigten Staaten von Nordamerika besser stellen.
Wunderbare Dinge geschehen in Griech en land. Nach- dem die europäische Diplomatie seit Monaten beschäftigt gewesen ist, im Jntereffe der Hellenen mit dem Sultan um günstige Bedingungen zu feilschen, und nachdem man die menschenmöglichen Zugeständniffe von dem Padischah erlangt und dieser eine geradezu erstaunliche Selbstverläugnuug geübt hat, setzt man sich in Athen aufs hohe Pserd und bekämpft die Regierung, weil diese den Friedensbedingungeu zustimmeu will. Die Schwierigkeiten sind derartig groß, daß das Cabinet Ralli abzudanken gevöthigt ist. Und irgend welchen Zweck werden die Anstrengungen der griechischen Maulhelden nicht haben, da die Großmächte einig find und fich von ihren Bedingungen nicht abbringen laffen werden. Man schneidet fich in Athen nur ins eigene Fletsch und ge- fährdet in ernstlicher Weise die Existenz de« Landes, (xx)
rrnd prwiitjUiUf.
ßSießeu, den 2. October
** Oeffeutliche Anerkennung edler Thateu. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Rechts Praktikanten Paul Merckle zu Frankenthal in Anerkennung der von demselben mit Muth und Entschlossenheit, sowie
unter eigener Lebensgefahr auSgeführten Rettung der Maria Hetlmann in WorrnS vom Tode des Ertrinkens und dem Jacob Vollhardt in Mainz und dem Carl Schacht daselbst in Anerkennung der von denselben mit Muth und Entschloffenheit, sowie unter eigener Lebensgefahr auSgeführten Rettung des Carl Sutter aus Mainz vom Tode des Ertrinkens die Rettungsmedaille, — sowie dem Wilhelm Henrich zu Dauernheim in Anerkennung deS von demselben bei der Rettung de« August Günther von Geiß Nidda vom Tode des Ertrinkens bewiesenen besonnenen und muthvollea Verhaltens eine Geldprämie zu verleihen geruht.
*• Kirchliche Dienstnachrichten. Am 1. September wurde dem Psarroerwaltrr Carl Gord die katholische Pfarrstelle zu Sulzheim, Decanat Gau-Bickelheim, — an demselben Tage wurde dem Pfarrverwalter Nikolaus Schnatz die katholische Pfarrstclle zu Vilbel, Decanot Vilbel, — ferner wurde dem Decan und Pfarrer Georg HilSdorf zu Herbstein die katholische Pfarrstelle zu Bodenheim, Decanat Oppen- heim, und dem Pfarrer Ka-par Schäfer zu Ober-Ingelheim die krtholtsche Pfarrstelle zu Offenbach, Decanat Seligenstadt, mit Wirkung vom 15. September an, übertragen. — Ueber den Besitz der nach Art. 1 und 4 des Gesetzes vom 5. Juli 1887 , die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen betteffend, zur Uebernahme eines KirchenamteS nothwendigen Eigenschaften ist der Nachweis erbracht worden bezüglich deS katholischen Geistlichen Wilhelm FranzmatheS aus Mainz. ___________
t Lollar. 1. October. Gestern Nacht gegen 1 Uhr brach, wie bereit- kurz berichtet wurde, in dem benachbarten Staufen- berg Feuer au«, welchem ein Wohnhaus mit Occonomie- gebände zum Opfer fiel. Die Meldung von dem Ausbruch des Brandes lief hier erst gegen 2 Uhr ein. Die hiefige Feuerwehr war innerhalb wenigen Minuten versammelt und gelangte gegen 2V3 Uhr auf der Brandstelle an. Gewiß eine gute Leistung der hiesigen Feuerwehr, da beide Orte ziemlich wett von einander entfernt liegen.
R. Reichelsheim. 1. Ociober. Unser Städtchen hat der Commission, die gestern unsere neueBahnlinie einweihte, einen besonder- hübschen Willkomm gebracht. Freudenichüffe, Musik, Vereine mit Fahnen, die Schuljugend mit desgleichen, besonders aber ein reicher Flor Festdamm mit Blumensträußen und — da- Letzte nicht da- Schlechteste — mit einem Ehreu- trunfe, der den Herren bei bet ungewöhnlichen Sonnenwarme ein wahre- Labsal gewesen ist. Rede unb Gegenrede folgten fich, bann ging e8 unter Hoch und Hurrah weiter. Bon besonderem Jnterrffe dürste es sein, daß die Ehrensalven von einem 85 jährigen, ehemaligen naffauischen Kanoniere, der
,fc stille ton.
Susis Modifikation.
Humoreske von Martha Renate Fischer.
(1. Fortsetzung.)
Mittlerweile pochte es gegen die Thür und ihr Mann ries: „Sufi! Frauenzimwerchen! DaS Effrn wird kalt!" unb polterte so lange, bi- fie ihn einließ.
Kaum war er drin, so faßte er fie bet den Schultern und trqdtlrte: „Thränen? Schatz! Lumpengefindelchen!"
Und da« Lumpengefindelchen lispelte: „Kopfweh!", stand vor ihm im weißen Schlafrock unb rieb ihre Augen mit den Fäustchen.
„Na, na, da« wird schon verfliegen. Ich habe kannibalischen Hunger! komm! sonst freß ich Dich!"
Er zog fie in da« Speisezimmer, saß ihr bann gegen» Über unb beobachtete sie tn-geheim. Sie war so drollig in ihrem Jammer und ihrer Verzweiflung, daß er daS Lachen kaum verbeißen konnte.
AIS die sanfteren Regungen in sein ÜberwÜthigeS Herz endlich einziehen wollten, wurde er nnvermuthet abgerufen, und als er nach einer Stunde zurückkam, sagte man ihm, bte gnädige Frau sei auSgegangen.
Die gnädige Fran saß bet der Coufine, sagte: „Hier PraltneeS und Makronen! und nun höre, was mir begegnet ist." Folgt die Erzählung des Mißgeschick«. „Nun fieh mich bloß mal an — fünfundzwanzig Jahre älter, nicht wahr?"
„Dreißig/ sagte die Coufine.
„ES ist schauderhaft!"
„Ja. Arme Person! Und stehst Du, Sufi, Du hast ein Mausegefichtchen — schmal, fein, ganz entzückend! Aber wenn Du lachst, daun fieht man Dir bi« an die fehlenden
< Wei-heit-zähnchen. DaS war bis dahin sehr schön — aber nun--"
„Nun kommst Du mit zum Zahnarzt," sagte Sufi und schlug mit Seelenstärke einen leichtfertigen Ton an.
„Und Dein Mann, der fich von Dir scheiden läßt?"
„Metn Mann? — Gestatte — Ich will doch keinen nnächien Zahn einsetzen laffen — — Ich will doch nur eine Modifikation! — Mein eigenes Zähnchen — hier — siehst Du — daS soll er mir festmachen. — Ein bi-chen Gold dazu — ober — K — Kautschuk — — ober —" und Sufi drückte daS Tüchlein vor die Augen und brach in Schluchzen au«.
Die Coufine sprach: „Franenzimmercheu, sei gescheidt, weine nicht!" setzte den Hut auf und war wegefertig.
Zwei Tage später saß da- entzückende kleine Setten- zähnchen wieder an dem Platze, der ihm von Rechtswegen zukam, saß da auf einem Stühlchen von Gold unb Kautschuk, unb baß war so geschickt angebracht worben, daß kein noch so argwöhnisches Auge die kleine Mobificatiou bemerken konnte. Aber — aber--Sufi hatte ein allerliebste-,
wichtige« Li-pelstimmchen, baß allem, was fie sprack, einen naiven, drolligen Reiz verlieh.- man sah förmlich das eifrige Zünglein gegen die Zähnchen poltern, al« sei eß ihm zu eng in der Kieferbehaufung — die nun noch verkürzt worden war — nur um ein Weniges zwar aber doch mit der Folge verkürzt, daß Sufi jetzt wie ein Schlänglein zischte. Man sagte ihr zwar: ein paar Stunden lauten Sprechen«, unb die Gewöhnung hat fich vollzogen aber boch saß Sufi verzweifelt bahetm und netzte ihr Thränen- tüchlein.
Da klingelte ba« Telephon und die folgende Unterhaltung Hub an:
„Hier Friedrich Höfer ... Wer da?"
„Hier Ssusfi! . . . Wa«« isst denn loS«?"
„Susematz, zieh mal daS weiße Neglige an, mit
den Spritzen drunter. Ich komme gleich und bringe einen Freund mit."
„Rappelt wohl? Jsfist schon vier Uhr Nachmittag«. Und da-S Weißße?"
„Macht nichts! Set ein guter Kerl, Sufi"
„Ach, ich hab dass braune an, daSS neue."
„DaS weiße Neglige. Ich will mich doch dicke mit Dir thun — bitte, bitte!"
„Wird nicht«« dran««! bäh! — etsch! — Schlnßß!"
Oh, die schrecklichen S! Wa« mochte fie für Gesichter geschnitten haben während der Unterhaltung — wie gezüngelt haben !
Sie klingelte der Jungser, legte da« Untergewand von Spitzen an, darüber ba« schleppende offene NegltgL, damit blauer Seide abgefüttert war, und lief in den Salon, wo gerade ihr Mann eintrat in der Begleitung eine« dunkle» Herrn, den Sufi sehr wohl kannte.
„Ahh! Herr Affff —" begann sie hocherfreut, stockte ob dem fürchterlichen Zischlaut, den fie au-gestoßen hatte, errörhete und schlug die Augen nieder.
Auch der Affeffor freute fich. Er sagte ungeniert: „Fräulein, Susi! — Gnädige Frau! — Das ist ja ober reizend!"
Und Sufis Mann rief guter Laune: „Alle Bekannte, wie ick sehe. Erzählt boch mal, wieso."
Der Affeffor berichtete: „Ich hatte bie Ehre, mit der gnäbigen Frau, als fie noch Fräulein Sufi war, ein halbes Dutzend Cafinobälle mitzumachen, in Wernigerode. Gnädige Frau waren Besuch bei Major — Gnädige Fran, wie hieß doch —"
Ader Susi blieb stumm, denn fie wußte, fie würbe den Namen des Major- Senstiu«, ihre« Onkels, nicht heil über die Lippen bringen.
(Fortsetzung folgt.)


