alle Wandelungen seit zwei Menschenaltern witmachte, gegeben wurden und sich heute noch emer beneideuSwerthen geistigen und körperlichen Rüstigkeit erfreut. — Noch be- deutender als die Etsenbahnfeier war die Ab schiedS fei er, die der Fahrpost gestern Abend gewidmet wurde. Mit zwei Shrenreitern, Fackeln und Mufik an der Spitze, rückten die Vereine und sozusagen Alles, was Beine hatte, dem um 8 Uhr eintreffendev, mit Fahnen und Laub geschmückten letzten Postwagen entgegen. „Muß i denn zum StSdtle hinaus" spielte die Capelle und sangen die Feiernden betrüblich, während daS Posthorn, meisterhaft geblasen, seine bekannte Fanfare in den Gesang lustig htueioschmetterte, gerade in derselben Tonart, so daß leine Differenzen entstanden. Wieder folgten sich Rede und Gegenrede, unter dem Hoch der Menge bestieg der letzte Paffagier den Postwagen, der von Mufik, Gesang und Pofthorngeschmetter geleitet, langsam in die laue Herbstnacht hinauSfuhr. Mehr al- 200 Jahre hat die Poft hier bestanden, wobei eS einem der Posthalter im Jahre 1866 pasfirte, daß er an einem einzigen Tage Naffautsch, Thurn und Taxifisch und Preußisch wurde, ein Fall, wie er in der Weltgeschichte nicht so leicht wieder Vorkommen wird. Ueberhaupt ist da- ehemalige uaffauische Amt Reichelsheim ein ganz eigenartiges gewesen und seine Bewohner haben bis auf den heutigen Tag Manches davon zurückbehalten. Vivat! floreat! crescat!
§ Grebenhain, 29. Skptember. Heute Morgen wurde der zur hiefigen Oberföesterei gehörige sogenannte große Röthenbacher Teich ausgefischt. Die Fische wurden au den Fischhändler Christian Rullmann II. in Gedern verkauft, nämlich 40 Centuer ä 63 Mark, auch wurden noch einzelne Fische an Privatpersonen von hier und aus der Umgegend zu demselben Preis verkauft. Die Fische, hauptsächlich Karpfen, waren durchschnittlich im Gewicht von 2 biß 3 Pfund. DaS AuSfangen der Fische wurde schon Morgens früh nach Tagesanbruch begonnen, Nachmittag- fand dann im sogenannten „TetchhauS" gesellige Feier de- FtschfesteS statt und waren diesmal besonders viele Personen auS der ganzen Umgegend erschienen.
+ Beller-Heim, 1. Oktober. Kürzlich entfernte fich der bet einem hiesigen Fuhrmann bedienstete Knecht Graf auf Nimmerwiedersehen. Bald darnach stellte e» fich heraus, daß der Durch gang er zuvor mittelst eine- fälschlich an- gefertigten Zettels bet einem Geschäftsfreunde seines Arbeitgebers auf des Letzteren Conto Geld vereinnahmt hatte und anderwärts verjubelte. Glücklicherweise führten die eiu- geleiteten Recherchen zur Festnahme des 20jährigen flüchtigen UebelthSterS.
• Wiesbaden, 29. September. Sine hiesige Familie, die einen Ausflug in den Rheingau unternommen hatte, erlitt einen schweren Verlust. Der Sohu hatte versprochen, auf de» Rad den Angehörigen Abends uachzukommen. In der Dunkelheit bemerkte er nicht, daß die dicht am Rhein entlang führende Straße vom Waffer überschwemmt war; er wurde von der Strömung witgeriffen. Auf seine Hülferufe eilten Leute mit Laternen und Stangen nach dem Ufer, jedoch war von dem Verunglückten nichts mehr zu bemerken. Bis jetzt hat mau weder die Leiche noch das Zweirad gefunden. — Der von Frankfurt a. M. gegen 7 Uhr früh hier ankommende Personenzug hielt plötzlich auf der Strecke Crbeuheim- WteSbadeu. Der Lokomotivführer kam in großer Bestürzung zu dem Zugführer und meldete, daß er soeben einen Men« scheu überfahren habe, den er bei dem dichten Nebel nicht frühzeitig genug auf dem Geleise bemerken konnte. Ein Wärter wurde beauftragt, die Strecke abzusuchen. Nach Ankunft des Zuges iu Wiesbaden ging sofort eine Maschine ab, um den angeblich Verunglückten abzuholen. Au der bezeichneten Stelle fand »an mitten auf dem Geleise einen Menschen in schlafähulichem Zustande liegen. Man rüttelte ihn auf und fand, daß er unverletzt, aber stark betrunken war. Der Zug war über ihn htnweggegangen, ohne ihn zu berühren.
* Wiesbaden, 30. September. Gestern Nacht wurde ein etwa 25jähriger Mann auf offener Straße mit einem Schuß durch den Hals vorgefunden. Seine Persönlichkeit wurde bisher nicht feftgestellt, da der Mann bewußtlos geblieben ist- nur geht aus den Papieren hervor, daß er Schüler eines Technikums ist.
* Ominös. Die Spanier neunen Cuba die „Perle der Antillen". Perlen aber bedeuten bekanntlich Thräneu, besonders wenn man sie verliert."
• Abgeholfen. Dame: „Ich gebe Bettlern nie etwas auf der Straßei" — Bettler: „Na, Gott, ick komm' ooch in Ihre Wohnung! Wo wohnen Sie denn?"
• Könnte ihm paffen. Huber (zum Arzt, der ihm Cognac verschrieben): „Dös Trankl ist gut, Herr Doctor! Dürft ich net täglich 'n Flasche! voll davon einnehmen?"
* Benutzte Gelegeohett. Junger Ehemann: „Käthchen, Du bist das Licht im Dunkel meines Daseins." — Junge Frau: „Dann mußt Du mich aber auch gehörig putzen!"
* Der große Mund. Gast: „Herr Wirth, weshalb stecken Sie denn kein Licht an? Hier tst's furchtbar dunkel!" — Wirth (grob): „Nanu, Ihren Mund können Sie doch wohl finden!"
* Treffend auSgedrnckt. „Ihr Mann geht wohl gern auf die Jagd?" — „O, der leidet schon mehr an Hasen- Verfolgungswahn."
, Gerabronn, Im September 1897.
Aufruf
für die
Hagelbeschädigten Württembergs.
Der orfanartige Hagelflurm vom 30. Juni auf 1. Juli d. I. hat über weite Striche de- nördlichen Württemberg nie dagewesenen Jammer gebracht und an Straßen und Gebäuden, an Feldfrüchten und Gartengewächsen, an Obstbäumen, Weinbergen und Waldungen unberechenbaren Schaden angerichtet. Sind doch die Verluste, welche jene entsetzliche Gewitter- und Sturmnacht in der kurzen Zeitspanne von 15 bis 20 Minuten Über uns gebracht hat, auf nicht weniger als 18 Millionen geschätzt worden. Bon der badischen Weftgrenze, von den Oberämtern Brackenheim, Heilbronn, Neckarsulm zieht sich ein Vernichtungsstreifen, drei bis fünf Kilometer breit, quer durch das Land über die Bezirke Weinsberg, Oehringen nach der bayerischen Ostgrenze, unserem Gerabronner Bezirk noch furchtbaren Schaden zufügend.
Wohl hat unmittelbar nach der Katastrophe unsere Eenttal- leitung des WohlthätigkeitSoereins in Stuttgart einen dringenden Hilferuf an die Bevölkerung unseres Landes ergehen lasten. Wenn wtt Angehörige des Gerabronner Bezirks nunmehr die Bitte um tbatkräftige Hilfeleistung auch in die weiteren Kreise de« deutschen Vaterlandes hinauSgehm lasten, so wollm wir davon adsehrn, die Schilderungen einer kaum glaublichen Verwüstung und Verheerung, welche bereits durch die Zeitungen gegangen sind, nochmal« zu erneuern. ES möge uns vielmehr vergönnt sein, auf die traurige Nothlage hinzuweisen, unter welcher auch unser Bezirk zu leiden hat.
Wenn auch die Gewalt des Orkans auf seiner langen Ver» nichtungSbahn einige Abschwächung erlitten hatte, so war er trotzdem noch stark genug, unserem Bezirk einen Schaden von 1314000 Mk. zuzufügen, der fich mit Einrechnung der Beschädigung ter Gebäude und Obstbäume auf 1600000 Mk. erhöht. Abgedrckte Häuser, um- geristene Obstbäume, tausende zerschlagene Fenster gab« auch bei unS. So hat die Gemeinde Gerabronn einen Feldschaden von 120000 Mk., Langenburg 101000 Mk., Michelbach a. H. 152000 Mk., Brettheim 177000 Mk., Roth am Ser 150000 Mk. erlitten.
Die Minderzahl unserer Landwirthe ist versichert, und selbst die Verficherten haben viele Verluste erlitten, welche ihnen keine Versicherung entschädigen kann. Da in unserer größtrntheilS industrie- armen Gegend für die ärmere Bevölkerung nur wenig Verdienst sich findet, auch der Kartoffeln trag in Folge deS Hagels ein äußerst ge ringer sein wird, io sehen wir für den Winter und daS kommende Frühjahr großer Roth entgegen. Unser Bezirk wird darunter um so mehr zu leiden haben, als er zu denen gehört, welche von der Dürre und Futternoth des 1893er Jahrgangs und dem Wasterschaden von 1895 besonders empfindlich betroffen worden sind. Vielfach sind jene Wunden bis heute noch nicht vernarbt und nun hat unS ein noch größeres Unheil aufs Neue betroffen.
Hilfe thut uns noth. Möaen sich nah und fern opferwillige Herzen bewegen lassen, zur Linderung dieser großen, oielgestaltigin Nothlage nach Kräften beizutragen. Gott möge allen ein reicher Vergelter sein!
Gaben, für deren gerechte Verthellung unsere Centralleitung des WohlthätigkeitSoereins, sowie die Bezirk«- und LocalhilfScomit^S Sorge tragen werden, nehmen in Empfang: Fürst zu Hohenlohe Langenburg, Langenburg, Oberamtmann Feier, Gerabronn, Oeconomieratd Stieren, Ludwigsruhe, Bankdirector Landauer, Gerabronn, Drcan Dr. Köstlin, Blaufelden, Decan Günther, Langenburg, Pfarrer Kemmler, Bächlingen, Stadlpfarrer Brecht, Gerabronn, Stadtschultheiß Bürklin, Gerabronn.
Bekanntmachung.
In unser Gesellschaftsregister wurde auf Seite 88 unter der Rubrik „Actiengesellschaft Hessisch-Rheinischer Bergbauverein mit dem Sitz zu Gießen"
Folgendes eingetragen:
Laut beglaubigter Anmeldung des Vorstandes und des Aufsichtsraths vom 24. September 1897 ist in weiterer Ausführung der Beschlüsse der Generalversammlungen vom 2. Juni 1897, eingetragen am 2. Juli 1897 auf Seite 158 des Gesellschaftsregisters eine weitere Erhöhung des Grund- capitals um 224000 Mark durchgeführt worden. Die Einzahlung dieses Betrags ist in der Weise bewirkt worden, daß Herr August Sternberg in Charlottenburg für 224000 Mark Actien zum Paricurse übernommen und dafür eine gleich große Forderung, die er an die Actiengesellschaft noch zu bilden hatte, als empfangen angesehen und der Gesellschaft gegenüber quitttrt hat. Hiernach hat die weitere Erhöhung des Grundcapttals um 224 000 Mark stattgefunden, sodaß dasselbe jetzt 2953000 Mark beträgt. Das seitherige Grundcapital ist nach der oben erwähnten Anmeldung voll eingezahlt.
Gießen, 30. September 1897.
Großherzogliches Amtsgericht. 9139 Neuen Hagen.
Knabenhandarbeit.
Mittwoch, bett 6. October b. I., Nachmittags 3 Uhr, solle» in bem Schulhause am Afterweg (Haudwerkerschule) zwei Unterrichtskurse für erziehliche Kuabeuhaubarbeit mit je dreistündiger wöchentlicher Unterrichtszeit eingerichtet werden.
In dem einen derselben sollen die Schüler mit Papparbeiten und in dem andern mit Kerbschnittarbeiten beschäftigt werden. Zur Betheiligung an dem Unterrichte können Schüler der Volksschule sowohl, als auch Schüler der höheren Lehranstalten (letztere vom 11. Jahre ab) zugelaffen werden.
Für Werkzeuge und Materialien, welche den Schülern während der Unterrichtszeit gestellt werden, find von jedem derselben zwei Mark zu entrichten; außerdem haben die Schüler der höheren Lehranstalten noch ein Schulgeld von vier Mark zu bezahlen.
Aumelbuugeu zum Unterrichte werben zur angegebenen Zeit im genannten Schulhause entgegengenommen.
Gießen, den 30. September 1897. 9151
. Wolff, Hahn,
Beigeordneter. Oberlehrer.
Grosse Obst-Ausstellung.
Ausstellung von Gerüthschaften
für Obst-Verpackung und Obst-Verwerthung vom 1. bis 11. October 1897
in der
Rosen-, Blumen- und Pflanzen-Russtellung
Frankfurt a. M., Forstharrsstratze.
Eintrittspreis 50 Pf. — Täglich Militär-Concert. 9us
MerheWe Dikhmschermigg-Allllalt.
Samstag ben 9. Cctober l. I., Nachmittags 3 Uhr .
Generalversammlung u. Ausschußfitzung
im Gafthause zum „Solmser Hof" in Hungen.
Tagesordnung: Rechnungsablage. Vorstandswahl. Berathung von Vereinsangelegenheiten.
9133 Der Direetor: L. Hoffmann.
WOh. Hamel Fahr-Schule Willi. Hamel
7. am SpoPtp|atz an der -Mstr. 7.
Hardt.
Werthe Damen und Herren, welche das Radfahren uugeuirt und grüublich erlernen wollen, mache ich auf den hervorragend schön eingerichteten Leruplatz an der Hardt mit allen Bequemlichkeiten ganz besonders aufmerksam. — Der Unterricht wird unter meiner Persönlichen Aussicht durch gut eingeschulte Leute ertheilt, und beste fiern Maschinen stehen zur Verfügung.
Gefl. Anmeldungen nehme in meiner Wohnung, Bleichstraße 7, oder am Sportplätze von Vormittag- 6—9 Uhr und Nachmittags von 5—9 Uhr gerne entgegen. 5895
I Berger’s ~~~ j
Mexico-
Chocolade
Robert Berger, —---
Pössneck i. Th. <Mk-160 das pfund)-
Montirtes Gleis u Kippwagen, neu, sowie gebraucht, hat billig abzugebeu, zum Kauf ober Miethe 7464
Hermann Hess.
Ernst Challier (Rndolph’s Nacht) — Giessen. . — Special-Geschäft
für Musik waar en aller Art
Grosse Auswahl, solide Preise.
Dlustrirte Preiaverxeiohnisae gratis und franco.
Musikalien-Haadlung und Leihanstalt SneeialltÄt: Billige Ausgaben. soo
Empfehlungen.
Herren-Kleider
(gearbeitet wie nach Maaß) billig zu ver« kaufen. Specialttät: schwarze «uzÜgL. Fracks von 20 Mark an bis zu den feinsten bei 8359
W. Karnbach, Kirchstr. 2, II.
Schutzmarke.
Tiedemanns
Bester ^ussboden- ^Ostrich!
Bernstein - Sclinelltrocken - Öllack.
lieber Nacht trocknend, nicht nach- klebend. In ii Farben Unübertrefflich in Härte, Glanz und Dauer.
Man weife jede vüchsk «uriid, deren Teckel und »titelte nicht Die obige Echutz- «arte tragen.
Fußboden - Lacke werden mit Füßen getreten und sollen haltbar sein. Weg wirft fein Geld, wer weniger Groschen wegen nach billigen Fabrikaten greift.
Carl Tiedemann, Dresden
Hoflieferant. » Gegründet 1838.
Ausstriche und Prospekte kostenfrei.
Niederlage in Giessen bei: 8405
Emil Elschbach, Seltersweg 24. A. & ti. Wallenfels, Marktplatz2i.
Sicherheits-Seilwinde, 200 Ko. Tragkraft Mk. 40.
t **. ■ •
500 Ko. Tragkraft Mk. 80.
Einfachstes und bestes Hebezeug zum Aufwinden tod Fässern, Ballen, Kisten etc. etc., durch eine Person auf jede beliebige Höhe. Prospect gratis. 4385
Ph. Mayfarth & Co.,
Frankfurt a. M. und Berlin N.
Suchen- und Tunllkllscheitholr empfiehlt billigst die Holzhandlung von Wilhelm Jung I., Mein Linde«
882 (seither-. Jung IV.)


