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Sieße«, Leu 2. Februar 1897.
•* Parlameutarifches. Seme Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, in Gemäßheit der Art. 3 und 6 deS Gesetzes vom 17. Juni 1874, die landständische Geschäftsordnung betreffend, den Geheimen Staatsrath v. Werner zum Landesherrlichen Commiffar für die Erste Kammer, sowie den Geheimerath Emmerling und den Geheimerath Dr. U fing er zu Mitgliedern der Landesherrlichen Eiuweisungs'Commisfion für die Zweite Kammer zu ernennen.
**nn. Parlamentarisches aus Hessen. Bekanntlich ist von der Großh. Regierung den Landständen wiederholt ein Beamtengefetz in Aussicht gestellt und gefordert worden, wonach für die hessischen Beamten eine durchgehende Gehaltserhöhung herbeigeführt werden sollte. Zunächst sollte dieses Beamtengesetz eine nach allgemeinen und feststehenden Grundsätzen geregelte Normirung der Gehalte aller Beamten- categorieu vielleicht mit Dienstaltersstufeu herbetführen, weil diese Ungleichheit der Gehalte der Beamten in den verschiedenen Dienstzweigen verstimmte. An eine gleichzeitige durchgehende allgemeine Gehaltserhöhung war jedoch nicht gedacht worden. Wie eS sich jetzt herauSstellt, fordert daS Gros der Beamten vor Allem eine Gehaltserhöhung. Zum Thetl mag diese Forderung eine berechtigte sein, obgleich innerhalb der letzten 14 Jahre nicht weniger wie drei zum Theil nicht unbeträchtliche Gehaltserhöhungen für alle Beamten des GroßherzogthumS vorgeuommeu wurden. Feststehend ist, daß in den letzten Jahren kaum eine durchgehende oder stärkere Erhöhung der Preise der nothwendigen LebenSbedürfntffe ein« getreten ist, während es sicher ist, daß eine bedeutende Steigerung der Lebenshaltung und LebenSgewohnheiten statt- gesunden hat. Besonders aber sind das Sinken des Zinsfußes und der Getreidepreise in ihren Wirkungen nicht zu unterschätzen und eS wird dieses Alles die Großh. Regierung und den Finanzausschuß der Stände veraulaffen, diese Momente eingehend in Betracht zu ziehen, ehe die Frage einer allgemeinen Gehaltserhöhung im Plenum des Landtages zur Verhandlung kommt. Die Großh. Regierung will diese wichtige Frage nicht nur nach der finanziellen, sondern auch nach der prtnciptelleu Seite hin behandelt wiffen. 3'< der Zweiten Ständekammer wird dieses in eingehender Weise geschehen.
* • Prüfungen. Die erste Staatsprüfung im Justiz - und BerwaltuugSfach für daS Jahr 1897 wird am Montag den 15. März d. I., die diesjährige erste Defini- torialprüfung der SchulamtS-AfPiranten und Aspirantinnen am Montag den 10. Mai, Vormittags 8 Uhr, in Darmstadt beginnen.
* * Gewerbegericht. Für den Monat Februar fungiren bei« Gewerbegericht für die Arbeitgeber: Fabrikant EmmeliuS, für die Arbeitnehmer: Fabrikarbeiter Karl Ockel.
• * Haym Concert. In dem gestrigen Artikel über daS Haym-Concert muß eS auf der 4. Zeile statt Sieger heißen „Sänger".
"Theater. Wie uns die Dtrection Kruse-Helm mittheilt, werden Mitte dS. MtS. die Vorstellungen wieder beginnen. Die Dtrection ist bemüht, diese Saison durch Abschluß intereffanter Gastspiele, sowie durch Erwerbung der hervorragendsten Novitäten zu einer recht anregenden zu gestalten. Die AbonnementSliste wird in den nächsten Tagen cnculiren.
• • Pfarrer Naumann Frankfurt wird am 12. Februar in Gießen einen öffentlichen Vortrag halten.
* • vefiywechsel. Wittwe Markus verkaufte ihr Haus, Bahnhofstraße 15, an den Restaurateur Leopold Schütz (Restaurant Stein, Wetzsteinstraße) für den Preis von 29000 Mark. Der Käufer wird das Haus zeitgemäß für seine Zwecke umbauen und Speise- und Gesellschaftsräume darin schaffen, um dann seinen WirthschaftSbetrieb in dasselbe zu verlegen.
* *B Detaillisteu-Berein. Der in Aussicht gestellte erste Vortrag im De taillisten-Verein findet nunmehr bestimmt Mittwoch, den 10. Februar, 8% Uhr im Hotel Einhorn statt. Thema: „Gesetz des unlauteren Wettbewerbs." Bei der großen Unklarheit, welche über dieses neue Gesetz in der Geschäftswelt herrscht, ist daS Thema ein sehr zeitgemäßes. Da außerdem, wie uns bekannt wurde, der Referent, Herr Gertchtsaccesfist Klarenaar, auch die Kaufmannschaft erlernt hat, so dürfte die Auffaffung des Gesetzes und praktische Erläuterung gerade von einem solchen Herrn besonders intereffant erscheinen. ES ist von dem Vorstand deS Detaillifteo-Vereins daukenSwerth, daß auch Nicht- mitgltedern Gelegenheit geboten ist, diesem Vortrag beiwohnen zu können, jedenfalls steht hierdurch aus Geschäftskreisen ein großes Auditorium zu erwarten.
* * Der Echnee, welcher in voriger Woche so reichlich fiel, wird bald wieder verschwunden sein. Zu dem Thau- wetter, daS vorgestern einsetzte, gesellte sich Regen, „sodaß eS wohl hier und da ohne Ueberschwemmung nicht abgehen wird.
• * t Professor Dr. S. F. Rettig. Nur Wenigen wird der Name des Mannes bekannt sein, der um die Mitte vorigen Monats nach langer segensreicher Wirksamkeit im Alter von fast 94 Jahren in Bern entschlafen ist. Als der Sohn eines einfachen Gießener Bürgers, eines Schuhmachers, am 30. März 1803 geboren, hat er sich in der Wissenschaft einen geachteten Namen erworben und den Namen seiner Vaterstadt im Auslande zu Ehren gebracht. Nachdem er das Gymnasium absolvirt hatte, bezog er die heimische Universität, um klassische Philologie zu studiren. Mit 24 Jahren erwarb er den philosophischen Doctorgrad und wurde bald darauf Lehrer am Gymnasium zu Büdingen. Als einige Jahre später (1834) die Universität Bern gegründet wurde, folgte er einem ehrenvollen Rufe dorthin als außerordentlicher Professor der klassischen Philologie und zugleich als
Lehrer der alten Sprachen an dem dortigen höheren Gymnasium. Vierzig Jahre laug entfaltete er im neuen Wir- knngSkretse eine von Erfolgen gekrönte Lehrthätigkeit. Als er am 19. Juli 1877 sein 50jährigeS Doctorjubiläum beging, zu dem ihm unsere LandeSuniverfität das Diplom erneuerte, feierte ganz Bern daS Fest des geachteten und geliebten Lehrers. Seine wissenschaftliche Thätigkeit widmete er den Platonischen und Lenophontischen Schriften; besonders die Platonische Philosophie erkennt in ihm einen eifrigen Förderer. An größeren Werken hat er nur zwei veröffentlicht: „Prolegomena zu Platons Staat" 1845 und „PlatonS Symposion", 2 Bände 1875 und 1876. Dagegen ist er der Verfasser einer großen Anzahl kleinerer Arbeiten in wissenschaftlichen Zeitschriften und einer ganzen Reihe Programme. Allen seinen Arbeiten wird musterhafte Sorgfalt und eine wahrhaft klassische Behandlung deS Stiles — sei es des lateinischen ober des deutschen — nachgerühmt. Von der Geistesfrische, die er sich bis in sein hohes Alter hinein bewahrte, gibt der Umstand Zeugniß, daß er noch im 84. Jahre zum Zwecke der Recenfion eines englischen Werkes die englische Sprache erlernte. Der Heimgang des greisen Gelehrten weckt allenthalben die Erinnerung an sein gesegnetes Wirken und manch' dankbares Wort wird an seinem Grabe gesprochen. ÄuS der Feder deS Professors Hagen widmet ihm der Berner „Bund" einen langen Nachruf, dem wir im Wesentlichen gefolgt find, als auch wir dem ehrwürdigen Sohne unserer Vaterstadt ein Wort des Andenkens nachrufen wollten.
♦ ♦ liebet daS städtische Bauwesen äußert sich der Ver- waltungSbericht Großh. Bürgermeisterei Gießen für 1895/96 u. A. tote folgt: Die städtische Verwaltung und daS Stadtbauamt waren beschäftigt mit nachfolgenden Arbeiten: 1. Hochbau. Wiederherstellung des äußeren Verputzes und Anstrichs der Thorhäuser am Neuenweger- und am Wallthor; Legen von Riemenböden im Gang deS 1. Obergeschosses und Herstellung des Anstriches im Treppenbau der höheren Mädchenschule; Erneuerung des Anstrichs in verschiedenen Sälen sowie in den Gängen deS RealgymnafiumS; Erneuerung der StockwerkStreppe, Legen von Riemenböden und Erneuerung deS Anstrichs in verschiedenen Räumen des Bürgermeisterei- gebäudeS; Instandsetzung der städtischen Thurmuhren; Prüfung der Blitzableiter auf den städtischen Gebäuden; Ausführung und Fertigstellung der Bauten für das Kafernement des 4. (Halb-) Bataillons des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm; Erbauung eines Wiegehäuschens am Neustädter- thor; Aufführung eines Anbaues am Großviehstall und Vergrößerung der Freibank im Schlachthof; Ausführung zweier Hydranten im Garten und Hof der höheren Mädchenschule; Anfertigung von Schränken und Ausstellung eines Gasofens in der Stadtknabenschule; Bauliche und gärtnerische Herstellungsarbeiten an und bei den Gebäuden der Aliceschule; Erbauung einer Waschküche im Hof des Thurmhauses am Brand; Beschaffung der inneren Einrichtung für daS städ- tische Archiv; Erbauung eines Wohnhauses für den Maschinisten deS Wafferwerkes in Queckborn; Projekte für die Abortanlagen in der Bahnhofstraße, an der Johannes- und an der Stadtkirche, sowie auf dem Friedhof; Verschiedene Arbeiten zur Herrichtung des Lagerplatzes an Oswalds- garten; Herstellung von Fensterläden am Forsthaus Hoch« wart; Vorprojecte zu einem Erweiterungsbau für das Realgymnasium und die Realschule; Herstellung des äußeren Verputzes und Anstrichs am Verwaltungsgebäude deS Hospitals; Instandsetzung deS vor«. Schmidt'schen HauscS, Tiefenweg 18. — L Straßen- und Wegebau. Ausbau der Löber- straße, von der Bismarck- bis zur Bleichstraße; Auffüllung der Moltkeftraße, von der Grüubergerstraße bis zu den städtischen Wiesen; desgleichen der oberen Ebelstraße bis zum Leihgesternerweg; desgleichen der Landmannstraße; Fortsetzung der Auffüllung am östlichen Ende der Louystraße; Ausbau der Steinftraße zunächst der Marburgerstraße; Ausbau der Schützenstraße; Verschiedene Herstellungen an der Licherstraße; Herstellung des Anschlusses der Schanzenstraße an die Westanlage; desgleichen der Hosmannstraße an die Fravksurterstraße; Umpflasterung der Zu- und Abfahrt an der Güngerich'schen Lastwage auf dem SelterSberg; Pflasterung der Kornblumengasse; Beseitigung der Freitreppe am Seng'schen Hause im Seltersweg; Chausfi- rung von 1246 laufenden Metern 3,50 Meter breiter Feldwege im consolidirten Theil des NeustädterfeldeS; Verbesserung des Grenzweges an der alten Marburgerstraße ; Anbringung weiterer Placattaseln. — 3. Projecti rung von Straße n und Bahnanlagen. Stephanstraße, zwischen Garten- und BiSmarckstraße (Voranschlag 9500 Mk.); Rtegelpfad sammt unterem Theil der Ebelstraße (Voranschlag 17,500 Mk.); Bruchstraße zwischen Bleich- und Stephanstraße (Voranschlag 6500 Mk.); Landmannstraße (Voranschlag 4800 Mk.); Projekt Über den Umbau der Frankfurterstraße, zwischen Wilhelm- und südlicher Kltnik- straße (Voranschlag 33,700 Mk.); Desgleichen für Regn- lirung des Gäßchens „Auf der Bach"; Desgleichen für die Anlage eines Fußweges nach den RodbergSgärten; Projekt für die Anlage öffentlicher Lagerplätze und Lagerhäuser, sowie für die Anlage eines ViehhofeS mit Bahnanschluß und Ge- leiSanlagen; Verhandlungen über daS Projekt einer Klein- bahn^ach dem Bieberthal. — 4. Festsetzung von Flucht- linten. Rtegelpfad, von der LudwigSstraße bis zum Aulweg; Bruchstraße, von der Bleich- bis zur Stephanstraße; Frank- furterstraße, von der Wilhelms- bis zur südlichen Klinik- straße; Bebauungsplan Über das Gelände zwischen der Frank- furterstraße und den Bahnhöfen. — 5. Trottoiranlagen. ASphaltirung von Einfahrten in den Neuenbäuen, dem Neuenweg, der KaplanSgaffe und der Bahnhofstraße; Ausführung erhöhter asphaltirter Bürgersteige in der Gartenstraße; Desgleichen in der Brandgasse; Desgleichen in der Löwengasse; Desgleichen am Kirchenplatz; Desgleichen in der Plockftraße; 6. Oeffentliche Anlagen. Verschiedene Neuanpflan- zungen und Umgestaltungen in den Anlagen; Anlage deS Gartens in der Aliceschule; Herstellung eiserner Schutz
geländer längs deS SchoorqrabenS in der Ostanlage vom Gerichtsgebäude bis zum Wallthor; Entwurf und Voranschlag über die Aufstellung von Ruhebänken in den verschiedenen Anlagen auf dem Friedhof; Entwurf neuer Anlagen auf dem Lutherberg, zunächst deS NtederdruckbehälterS. — 7. Canal- und Wasserbauten. Geradelegung deS WteseckflusseS zwischen Moltke- und Gartenstraße; Herstellung von Cementrinnen am Wiefeckuser; Fassung deS offenen Fluth. grabens am Steinweg in Thonröhren; Beseitigung der Gosse am Eingang der Rittergaffe; Versetzen von Sinkkasten aus Stetnzeug in der Neustadt und Marktstraße, auf dem Kreuz und in der Goetheftraße. — Daneben war das Stadtbauamt im Berichtsjahr noch besonders in Anspruch genommen durch die Vorarbeiten für daS im Juli 1895 dahier abgehaltene 22. Mittelrheinische KreiSturnfest und bei Ausschmückung der Stadt und der städtischen Gebäude beim Einzug I. I. K. K. Hoheiten deS Großherzogs und der Großherzogin gelegentlich der im Herbst 1895 dahier stattgefundenen landwirthschaftlichen Ausstellung. — Die Thätigkeit des StadtbauamteS erstreckte sich des Weiteren noch auf die laufende Unterhaltung der städtischen Gebäude, deren Zahl — unter Weglassung derjenigen deS GaS- und Wasserwerkes — im Jahre 1895/96 auf rund 80 in 34 Hof- raithen sich erhöht hat, der gepflasterten und chaussirten Straßen und Feldwege, deren Länge von 21,741 Kilometer im Vorjahre auf 25,161 Kilometer gestiegen ist, sowie auf die Unterhaltung der Anlagen, Grundstücke und Märkte, der Brücken, Stege und Bedürsnißanftalten, endlich auf die Betriebe deS Friedhofes, der DeSinfecsiovSanstalt und der Pumpstation und auf die Reinigung der Straßen, Wasserläufe und Canäle.
♦ * Spracheukuude in der Armee. Im deutschen Offizier- corps wird die Ausbildung in fremden Sprachen, namentlich in der französischen und russischen, schon fett längerer Zeit fystematifch betrieben. ES werden alljährlich sogar besondere Stipendien an Offiziere venheilt, um diesen die Gelegenheit zu geben, sich in dem betreffenden Lande während eineß längeren Aufenthaltes eine vollständige Sprachfertigkeit zu erwerben. Neuerdings werden auch hierzu besonders beanlagte und strebsame Frontunteroffiziere zur Ausbildung in fremden Sprachen herangezogen, die sich naturgemäß auf die Anfangsgründe und die Gewinnung eines auf daS Nothwendigfte für den gewöhnlichen Verkehr beschränkten Wortschatzes bezieht. Diese Kenntniffe werden den betreffenden Unteroffizieren auch bei gewissen MilitSranwärterstellen von großem Nutzen sein.
• * Zur Mtersverficheruug. Wer daS 70. Lebens- jahr überschritten hat und Altersrente erlangen will, muß bekanntlich einen Antrag stellen. ES hat fich nun bei einer Versicherungsanstalt, welche die bei ihr lagernden Quittungskarten einer Prüfung unterzog, ergeben, daß von 362 Personen, die zum Bezug von Altersrente nach der Karte berechtigt waren, ein Antrag nicht gestellt worden ist. Weitere Nachforschungen ergaben allerdings, daß die Mehrzahl dieser Personen inzwischen verstorben ist, doch verblieben immer noch 76 Personen, denen durch daS Entgegenkommen der Anstalt die Altersrente nachträglich zu Theil geworden ist. Ein solches Verfahren sei, meint der „Berl. Loc.-Anz.", allen anderen Versicherungsanstalten zur Nachahmung empfohlen.
+ Borsdorf, 1. Februar. Ein Landwirth fuhr tu verflossenen Herbste über nachbarliches Gelände auf sein Feld- grundftück, weil er zu letzterem keinen näheren Weg hat und wurde dieserhalb zur Anzeige gebracht. Aus erhobenen Einspruch wurde Denunciat für straffrei erklärt, da die betr. fremden Wiesen schon abgeerntet waren und Seitens beten Besitzer die Anzeige nicht ausdrücklich verlangt worden ist.
H . Aus dem Horloffthale, 31. Januar. Aber wirklich, so etwas ist noch nicht dagewesen, würde Ben Akiba sagen, wenn er noch lebte, daS heißt, die Sacke ist folgende: Gestern wurden bet uns knallblutig-rothe Zettel herumge« tragen, Datum des Poststempels. Auf diesen Zetteln, von denen ein Exemplar vor mir liegt, steht leibhaftig gedruckt, daß ein äußerst vortheilhafter Kauf in Tuch erster Qualität Kammgarn, Cheviot, Buxkin gemacht werden könne. Diese Maaren werden in Abschnitten (Coupons heißt eß auf dem Zettel) verkauft. Die Coupons find 3,10 Meter lang für Anzüge. Ein Anzug kostet 15 Mark, daneben empfängt der Käufer ein Kleid gratis. ES kommt aber noch besser. Jeder Person, welche einen Anzug von 25 bis 45 Mk. kauft, wird ein vollständiger Herren-Anzug zugegeben. So lautet der betreffende Satz wörtlich, und er leistet sowohl in stilistischer, wie in geschäftlicher Hinsicht alles Mögliche. Weiter heißt es folgendermaßen: Es wird sich wohl niemals wieder ein solcher Gelegenheitskauf bieten. (Ben Akiba ist also widerlegt.) Weiter heißt eß: Auch werde ich mir erlauben „sie" (klein gedruckt) dieser Tage zu besuchen. (Ohne Einladung hierzu ist dies gar nicht zulässig), darum heißt eß weiter: Um den Besuch zu controliren, bitte den Zettel zurück zu geben. Ihr freundlichen Leser merkt Ihr roaß? — Sehr leicht möglich ist eß, daß der Herr mit seinem „Außer- gewöhnlich vortheilhaften Angebot" auch anderwärts auftaucht. Man halte alsdann die Augen offen, aber den Beutel zu.
n. Friedberg, 30. Januar. Mit Ermächtigung des Groß- herzogl. Ministeriums deS Innern verordnete das KreiSamt durch Ausschreiben, daß die Führer von Schasheerden, die unfern Kreis pafsiren, mit GefundheitSfcheinen über daS Freisein der Thiere von Maul- und Klauenseuche und Räude versehen sein müssen, und diese nur auf den Staats- straßen getrieben werden dürfen. Schafe von Führern ohne Gesundheitsschein werden angehalten und unter Aufsicht in einem Stall ober sonstigen abgesonderten Standort gehalten, bis durch den Kreisthierarzt die erforderliche Bescheinigung erbracht ist. Außerdem treten in diesem Falle die Strafbestimmungen deS § 66 Z. 4 bezw. des § 328 des Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich in Kraft.
C Obtt-Dlmee, 1. Februar. Zu dem Sprichwort: kleine Ursachen — große Wirkungen, liefert ein Borkommuiß


