Ausgabe 
2.12.1897 Zweites Blatt
 
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fleben und über 60000 Mk. Eapitalvermögeu angesammelt. Die Vertrauensmänner wurden gebeten, tn ihren menschlichen Bestrebungen eifrig weiter zu wirken. Dem Ehrenpräsidenten, Herrn Geh.-Rath Dr. Ludwig, brachte die Versammlung ein begeistertes Hoch in Anerkennung seiner hervorragenden 8er- dienste um daS Jrreuwesen.

§§ AuS lern Ohmthal, 30. November. Die Bäche und Mühlgräben zeigen z. Zk. einen so niedrigen Wasser­stand, wie er um diese Jahreszeit höchst selten vorkommt. Die Mühlen, die ausschließlich aus Wasserkraft angewiesen find, vermögen kaum ihre Kundschaft ausreichend zu bedienen. DaS Gleiche ist der Fall bei Holzlchnetdereien mit Wasser­kraft. Der Wasserspiegel des GrundwasserS überhaupt ist erheblich tiefer, als sonst. Hoch gelegene Orte mit schlechter Wasserversorgung müssen jetzt schon daS Wasser aus tiefer gelegenen Dörfern herbeischaffen. Die Ursache deS schlechten WafferstandeS liegt, an dem außergewöhnlich trockenen Spät­herbste, der bis heute fast ohne jeden Niederschlag ge­wesen ist.

Nierstein,26. November. Daß die Straßenbeleuch­tung Darmstadts sich im Rheinstrome spiegelt, wird schier für ein Wunder eovstatirt werden und doch konnte »an dieses Wunder vom linken Rheinufer bei Nierstein aus am dunkelen Sonntag Abend wirklich mit Augen schauen. In einiger Höhe über der Stadt und sich weit in die Rheioebeue baldachinartig auSdehaend, lag eine starke Nebelschicht, während vom Erdboden her die Luft klar und rein war. Die oben schwebende Nebeldecke nahm den vollen Schein der starken Lichtmoffe aus der breit daliegenden Stadt in sich auf wie ein Reflector und diese mit Lichtschein stark gesättigte Nebeldecke stand hoch genug über dem Horizont, um für den Zuschauer am linken Rheinufer sich als breiter, goldigfließender Lichtstreifeu in der ruhigen Wasserfläche deS Rheins wieder- zuspiegeln. Die beiden Lichtspiegelungen, die obere grellere im Nebelmeer und die untere mildere im dunkeln Rhein- gemässer, gaben ein zauberhaftes Nachtbild, dessen gewaltige Compofition und Dimensionen lebhafte Bewunderung hervor- riefen bei Allen, denen es zu schauen vergönnt war.

Vermischtes.

* Leipzig, 23. November. Wegen BestechungSver- such es gegen einen Militärarzt ist vom Landgericht Mann heim am 3. August der Agent K. zu zwei Monaten Ge- fängniß verurtheilt worden. Er war mit der Familie H. bekannt, deren Sohn schon dreimal vom Militärdienst zurück- gestellt worden war und demnächst von der Ober-Ersatz Com­mission den eudgültigeu Bescheid erhalten sollte, ob er Soldat werden müsse oder nicht. K. wußte, daß es der Familie H nicht unerwünscht fein würde, wenn der Sohn nicht Soldat zu werden brauche, und suchte deshalb mit dem Stabsärzte Dr. M. in Verkehr zu treten. Nachdem er zunächst in un­verfänglicher Weife Über die Sache mit dem Arzte gesprochen hatte, fragte er ihn eines Tages, ob er, der Arzt, nicht einmal mit dem Stabsarzte, dem die endgültige Entscheidung Über daS Schicksal des jungen H. obliege, sprechen könne. Dr. M. lehnte ab. Daraus sagte K.:Ich weiß, daß Sie nichts machen können, Sie sollen auch nichts machen, aber an dem Tage, an dem H. freikommt, erhalten Sie 600 Mk. mögen Sie nun etwas gemacht haben oder nicht." Dr. M. machte der Unterhaltung ein schnelles Ende. Das Land­gericht nahm an, daß der Angeklagte den Dr. M. zu einer Verletzung seiner Dienstpflicht verleiten wollte. Der Reichs- anwalt bezeichnete die Rüge, baß der § 333 Str.-G.-B. von der Borinstauz verkannt sei, als begründet. Der § 333 sei eine Ergänzung zu § 332. Bezüglich dieses Paragraphen habe das Reichsgericht anerkannt, daß die wörtliche Aus­legung zu völlig unhaltbaren Folgen führe. Es könne z. B. einem Lehrer verboten werden, Privatftundeu zu geben. Wenn er es doch thue, so verstoße er damit gegen eine Dienstpflicht. Sollte er nun dafür mit Zuchthaus bis zu 5 Jahren bestraft werden können? Deshalb habe das Reichs­

gericht aus der EatstehungSgefchichte dieser beiden Para- grapheu nachgewiesen, daß nicht die Verletzung jeder Dienst- pflicht den Thatbestand deS § 332 erfülle, sondern daß dies nur bann der Fall sei, wenn der Beamte zu einer Handlung veranlaßt werde, die entweder eine Amtshandlung oder die Unterlassung einer solchen darstelle. Wenn man auch wirklich annehme, daß eS einem StabSarzte verboten sei, mit feinen Collegen über daS Ergebniß der Aushebung zu sprechen und ihn zu beeinfluffeo, daß also eine solche Beeinflussung eine Verletzung der Dienstpflicht enthalte, so würde doch niemals eine solche Beeinflussung als ehe Amtshandlung auzusehen sein und niemals der § 333 darauf angewandt werden können. Gemäß diesen SuSsührungen hob das Reichsgericht daS Ur- theil auf und verwies die Sache an daS Landericht zurück. ES ist wohl anzunehmen, daß K. von der Anklage aus § 333 freigesprochen wird, dagegen ist eS nicht ausgeschlossen, daß in seiner Handlungsweise eine Beleidigung deS Dr. M. er- blickl wird.

Heidelberg, 27. November. Gestern find die Mitglieder der Reichs-Limes-Sommission zu ihren alljährlich hier statifiadenden Beratungen zusammengekommen. U. A. find erschienen: Professor v. Herzog-Tübingen, Professor Direktor Hettner-Trier, Professor Löschke Bonn, Professor Mommsen-Berlin, General Popp München, Generallieutenant v. Garweh-Berlin, Geh. Oberschulrath Soldau-Darmstadt, Geh. Hofrath Zangenmeister-hier. Die Beratungen wurden heute fortgesetzt.

* Die Stadt bei zwanzigsten Jahrhunderts.Zurück aufs flache Laud!" ist seit Langem die Parole, die daS rapide Anwachsen der Städte mit steigendem Schrecken er­füllt. Nicht nut in Amerika und Europa hat das Wachs- thum der Städte im letzten halben Jahrhundert unheimlich zugenommen, sondern selbst in Asien und Afrika. Aber da» neue Jahrhundert wird diesen Zug der Menschheit nach großen Wohncentren, wie Dr. Josiah Strong in derNorth American Review* auSsührt, nicht allein nicht hemmen, sondern noch um ein Bedeutende» verstärken. Denn die Ackerbau treibende Bevölkerung wird immer mehr zusammen- schrumpfen. AuS folgenden drei Gründen: 1. die landwirt­schaftlichen Maschinen bewirken, daß heute schon vier Arbeiter daS zu verrichten im Stande sind, wozu früher vierzehn er- forderlich waren - 2. die städtische Industrie zieht immer mehr Menschen vom Lande fort nach den FabrikationScentren- 3. die Eisenbahnen ermöglichen die leichte Zufuhr von Lebensmitteln für die großen Städte aus den entlegenen Gegenden. Die Landwirtschaft wird da, wo ihr Betrieb noch lohnend ist, um Vieles rationeller werden müssen- wo sie nicht mehr lohnt, wird sie eingehen und die in ihr bisher verwendeten Kräfte an die Industrie abgeben. ES sind noch viel zu viel Personen mit der Production von Lebensmitteln beschäftigt, viel mehr als nöthig- wenn HungerSnoth in gewissen Gegen- >en noch Vorkommen kann, so liegt das nicht daran, daß in der Welt zu wenig Lebensrnittel producirt werden, sondern einzig an der schlechten Verteilung, an dem mangelhaften luSgleich der Bodenschätze in den producirenden Ländern, stach einem von Dr. Engel, dem bekannten ehemaligen Leiter deS preußischen statistischen Bureau», aufgestellten Gesetz werden die Ausgaben für Lebensmittel kleiner, je kleiner baß Einkommen ist- die Ausgaben für Wohnung, Licht, Feuerung und Kleidung bleiben annähernd die gleichen, unabhängig vom Einkommen - die für Gebrauchsgegenstände aller Art, namentlich Ür LuxuSdiuge werden größer, je größer da» Einkommen ist. Daran- folgert Dr. Strong, daß, sobald die Bevölkerung und ihr Reichthum wächst, nicht die Production an den notwendigen Dingen de» Lebens wesentlich sich steigert, sondern die Er­zeugung von LuxuSdingen, und nicht die Laudwirthschaft, sondern die Industrie muß den Zuwachs an Kräften bekommen, mit anderen Worten, ein immer größer werdender Theil der Bevölkerung wird in Städten leben müssen,in Städten, welche durch ihr Uebergewicht an Zahl und Reichthum uoth- wendiger Weise auf die Civilssation, die Entwickelung der Menschheit von bestimmendem Einfluß sein werden." Daher werden wir unsere ganze Arbeit daran zu setzen haben, die

städtischen Einrichtungen so zu vervollkommnen, daß sie den Bürgern bat höchste Maß von Sicherheit, Freiheit und An- nehmlichkeit der Lebensführung gewähren. So werden wir im zwanzigsten Jahrhundert einen höheren, vollkommeneren Städte-Typu» herauSbilden können, al» ihn daS neunzehnte Jahrhundert, so günstig e» der Stidteeutwickeluog war, zu schaffen vermocht hat.

* Dal größte Buch bet Belt Die chinesische Abteilung der Bibliothek bei britischen Museums in Loudon ist für den Preis von 80000 Mark tn den Besitz eine« Werkes gelangt, das nicht weniger al« 5020 Bände enthält, von diesem geradezu phänomenalen Erzeugniß der chiuefischeu Literatur existiren jetzt nur noch sehr wenige Exemplare. DaS Wunderwerk ist eine Enchklopädie der Literatur Chinas, umfaßt eine Periode vou 28 Jahrhunderten, von 1100 vor Christi bis 1700 nach Christi Geburt. Deine Entstehung verdankt eS den literarischen Neigungen den Kaiser» S«ug-Ho, der von 1662 bi« 1722 regirte. Da« Riesenbuch besteht auS sechs Abteilungen, von denen jede einem besonderen Zweige der Wissenschaft gewidmet und folgendermaßen be­zeichnet ist: 1) HimmelSkunde. 2) Erdkunde. 3) Menschen­kunde. 4) Naturkunde. 5) Philosophie. 6) Politische Oeconomie.

Vorn alten Blücher. Der alte Feldmarschall Blücher, der in den deutschen Freiheitskriegen gegen Napoleon I. die Franzosen so tüchtig beim Schopfe nahm, war bekanntlich keinFederfuchser". AlS Blücher 1814 in Paris eiugezogeu war, hatte er 200000 FrancsComributionSgelder" erhoben und dieselben für seine Truppen verausgabt. Nach dem Abschluß deS Frieden« 1816 fand da» KriegSministerivm zu Berlin diesen Posten verzeichnet, aber keinen Nachweis vou Blücher dabei, wie er die Gelder verwendet habe, und forderte deshalb nachträglich die diesbezüglichen Belege ein. Blücher sandte daraus dem Ministerium folgende Abrechnung:

In Frankreich eingenommen 200000 Francs Daselbst auSgegeben 200000

Bleibt 0 Franc«.

WerS nicht glaubt, ist ein Esel!

Al« Friedrich Wilhelm III. davon Kenntniß erhielt, befahl er, daß die Angelegenheit sofort niedergeschlagen und obige Urkunde zu den Acten gelegt werden solle.

Hebet die Bernssthätigkeit bet Steife von 70 und mehr Jahren entnimmt dieVoff. Zig." den amtlichen Ver­öffentlichungen über die Berufszählung von 18S5 Folgende«: Im ganzen Reich waren 1,425,764 Personen im Alter von über 70 Jahren vorhanden. Von ihnen sind 1,000,029 (70,14 pCt.) berufslos, 8815 (0,62 pCt.) find Dienstboten und 416,920 (29,24 pCt.) sind erwerbSihätig. Von >m Berufslosen ist nur der kleinere Theil (436,148) bei den im Haushalt des Erhalters lebenden Angehörigen ohne Hauptberuf gezählt worden, der größere Thetl (663,881) bei den sonstigen Berufslosen. Unter den mehr al» 70jährigen Angehörigen ohne Beruf Überwiegen die weiblichen mit 368,270 die männlichen, die nur 67,878 betragen, sehr erheblich. Bei den sonstigen BerufSlosea find 269,664 männliche und 294,327 weibliche Personen gezählt. Unter den 425,735 Erwerblthättgen einschließlich der Dienstboten befanden fich 303,782 männliche und 121,953 weibliche Personen. Bon der Gesammtzahl waren 251,685 in der Landwirthschaft, 98,282 in der Industrie, 36,530 im Handel, 12,837 in Lohnarbeit wechselnder Art, 152 in der Armee und Marine, 17,434 in sonstigem öffentlichen Dienst und im freien Beruf und 8815 al» häusliche Dienstboten thätig. Die Frauen überwiegen bei der Lohnarbeit wechseln- der Art und bei den Dienstboten. Unter letzteren finden fich 85,61 Frauen und 264 Männer. Seit 1882 hat die Er- werbSthä igkeit der bejahrten Personen zugenommen, indem unter 100 Personen diese» Alter» 29,86 Erwerbsihänge find gegen 29,10 im Jahre 1882. Die Unterschiede zwischen den einzelnen BerufSgrvppen sind ziemlich groß. Bon 105 EcwerbSthätigen standen in der Lanbw rthschaft 3,03 und in der Forstwirthschaft und Fischerei 3,11 im Alter von über 70 Jahren- bei der Textilindustrie beträgt

Feuilleton.

Frankfurter Lhealrrbrirf.

(Originalbericht für dmSiebener Anzeiger".)

(Nachdruck verboten.) Mutter Erde", Drama in fünf Aufzügen von Max Halbe.

Dr.M. Hauptmann, Sudermann, Halbe, daS find die drei modernen deutschen Dichter, auf deren Werke hin man fich eine neue Aera unserer Bühne und Bühnen- litcratur mit Fug und Recht versprechen durfte. Halbe ist zuerst von literarischen Feinschmeckern entdeckt, aber bei Weitem uidjt so laut gepriesen und getadelt worden wie die beiden anderen. Sein Jdeenvorrath ist ja auch bedeutend kleiner, aber fein Empf in dungSvorrath allemal fo stark! Sollte aber selbst in unserem psychologischen Zeitalter, wo Alle» auf bie Ergründung de« feineren, inneren Zusammenhang» in den menschlichen Beziehungen angelegt ist, wo da» Gesellschaft-- stück längst zum Menschenbrama sich weiterentwickelt hat, die letzte, stärkste AnziehungS- und DurchdringungSkraft doch von der Idee abhangen, deren Licht den Weg erhellt, welchen der Dichter un» führt?! Es läßt sich da» nicht mit ein paar Worten entscheiden. Aber, fast scheint e« so. Wenigsten» vermöchten wir einen anderen ErklärungSgrund für die That- fache, daß fich Presse und Publikum mit einem neuen Opu» Halbes auch nicht entfernt so beschäftigt al« mit einem Buche der beiden anderen, nicht aozugeben.

MitMutter Erde" hat fich die Frankfurter Bühnen­leitung übrigens einen Treffer ersten Ranges auf den Spiel- plan gesetzt. Wie gut daS Frankfurter Theaterpublikum sich an der Literatur des letzten DecenniumS erzogen hat! lieber dieJugend" Halbe« kam man noch vor drei Jahren zu

keinem richtigen Berständniß- die Aufführung glitt an den kühlen Herzen vollständig ab. DerMutter Erde" wurde indeß schon eine ganz andere Aufnahme zu Theil. Der Titel gibt fo etwa« wie das Leitmotiv, das Grund- thema. Der philosophische Einfiedler von Frankfurt, Arthur Schopenhauer, hat an einer Stelle mit Recht die Be­hauptung aufgestellt: der Titel eine« Drama« müsse die ge­drängte Angabe seine« Inhalt« fein. An der Aufschrift des Hause« soll man feine Bestimmung erkennen. DaS trifft bei bem Halbe'scheu Drama zu, dessen Sinn wohl der ist, daß der Mensch fich nicht ungestraft von der heimischen Scholle, von derMutter Erde", au« der feine Kraft stammt, lo«- reifjt, um Phantomen nachzujagen.Paul Warkentin", der junge Sohn eine« preußischen Gutsbesitzer«, hat da« gethan. Al« er in der Hauptstadt seinen Studien oblag und ihm die neuen modernen Rechtsfragen aufgingen, dünkte ihm da« bescheidene, in bestimmt vorgeschriebener Arbeit sich abwickelnde Leben de« Lundmann«, eine Unerträglichkeit. Dazu kam noch der mach.ige Einfluß einer starkgeistigeu Frau, einer Professoren- tochter, die ihr kühle« Herz und ihren klaren Kopf der Sache der Frauenfrage widmet und auch den jungen Mann, der, fich selbst überlassen, vermnthlich ganz andere Wege gegangen wäre, in ihren Bannkrei« zieht ^und mit ihm eine Frauenzeitung gründet. Paul überwirft fich mit feinem Vater, der den harten, norddeutscheu Schädel hat, verschmäht da« junge Mädchen, da« dieser für ihn ausgesucht und zu dem auch ein kurze« Knabenidyll ihn zieht, und heirathet seine ÜbervernünftigeHella", der ihre Arbeit in derBewegung" natürlich keine Zeit läßt, fich zu besinnen, daß sie am Ende auch noch Weib ist. Soll diese Gestalt ein Hieb gegen die Frauenfrage sein? Ja und nein! Wir brauchen garntcht heftig dagegen auf- zubegrhren. Der Character, mag er auch vielleicht nicht mit besonder« fteundlichen Absichten hingeftellt fein, ist doch in

jebem Zuge lebenswahr. Glücklicherweise bringt er noch keinen Typus, aber immerhin die Mözlichkeit desselben. Denn wo wäre eine Bewegung in der Weltgeschichte, mag sie nun socialen ober religiösen Character tragen, beten Ideen fich nicht in einseitigen Naturen zum trockenen, un­fruchtbaren Dogma verhärteten. Der Verkrüppelung ist jede Lebensform aulgesetzt. Warum sollte eine Frau wie dieseHella" nicht auö der Frauenbewegung sich loSlöseu wie z. B. der Typus dergalanten Dame" au» einer anderen entgegengesetzten LebenSiphäre?! Gewß, diese Hella wirkt wenig erfreulich. Welche Einseitigkeit thäte da« je? Aber einen Ausfall auf bie fortschrittlichen Bestrebungen unserer Zeit mögen wir in ihr nicht zuerkennen. Fräulein I. Doch hielt bie Parthie tn ihrem eigentlichen Leben«- dement, währenb Frl. Lanbori al«lotnette" bie zum zweiten Mal, diesmal jedoch mit anderem AuSgang, in Pauls Leben tritt, als sich die Ge'ster der vor zehn Jahren verlassenen Heimath seines Semüth« bemächtigten, den ent­sprechenden weiblichen Gegensatz und viel innerlicher ünmuth erfaßte. Mit bewundernSwerther Consequenz entwickeln fich die Vorgänge. Von dem Augenblicke an, da Paul (Herr Bauer) mit seiner Feau und dem faden Hausfreund, nach langer Abwesenheit wieder den HeimathSboben betritt, um dem tobten Vater bie letzten Ehren zu erweisen, kommt alle« so, wie e« kommen muß, an« ber Anlage der Character heraus. Paul unb Hella leben fich immer mehr aus­einander und dafür finden fich Paul und Toinette frei­lich nicht, um von Neuem den Kampf mit de« Leben aufzuurhmen und fich auf den Trümmern deS verkehrt ein­gerichteten Heimwesens ein neue«, bessere« Glück zu schmieden, sondern um dem Kampf zu entfliehen und im freien Liebe«- tob zurückznkehren zurMutter Erde".